Matrosenchor Crew X 62 – Rolling Home (50er Jahre)

FrontCover1Und jetzt mal wieder ein Blick in den hohen Norden, an die Waterkant also … und da tummeln sich quasi seit Menschengedenken jene „Shanties§ und Seemannslieder, die wohl zu dieser Region gehören wie die Luft zum atmen.

Und hier hören wir vier Klassiker dieses Benres, dargeboten von einemEnsemble mit dem etwas rätselhaften Namen „Matrosenchor Crew X 62“, na ja, zumindest rätselhaft für ein Landei wie ich es bin.

Und das klingt schon ziemlich gut: fein, sauber und stimmungsvoll intoniert hören wir einen Männerchor, sparsam hin und wieder mit einer Gitarre begleitet.

Interessant ist die Geschichte des Klassiker „De Hamborger Veermaster“

De Hamborger Veermaster (hochdeutsch: Der Hamburger Viermaster) ist ein Shanty auf Plattdeutsch mit englischem Refrain.

Das Lied ist eine Adaption des englischen Shantys „The Banks Of Sacramento“. Die Melodie stammt von einem Kirchenlied, einem Minstrel (Vers), der Refrain des Textes aus der englischen Ballade „Ten thousand miles away“. Es handelt sich um einen Capstan-Shanty (auch Gangspill-Shanty), der von der Besatzung während des VeermasterHeraufhievens der Ankerkette gesungen wurde. Der Gangspill, die handbetriebene zylindrische Ankerwinde auf dem Vorschiff, um die sich die Kette dabei legte, hieß damals auch „Capstan“.

Das Lied wurde zwischen 1934 und 1936 durch das Liederbuch „Knurrhahn“, eine Sammlung deutscher und englischer Seemannslieder, bekannt. Zudem wurde es in studentische Kommersbücher, beispielsweise im Wingolf des Wingolfsbundes, und in den Liedschatz der Jugendbewegung aufgenommen, danach in zahlreiche Liederbücher und Alben.

Der „Hamborger Veermaster“ hat einen sozialkritischen Hintergrund. Derlei Texte über Schiff, Kapitän, Ausrüstung und Verpflegung (der Schiffszwieback kann wegen der Brotmaden von selber laufen) zu singen, gehört zu den aus der Ethnologie bekannten Spottbräuchen (joking relationships), und was über diesen Hamburger Großsegler ausgesagt wird, kann auch auf Missstände des eigenen Schiffs bezogen werden.

Der durch den kalifornischen Gold Rush von 1848/49 im Refrain näher datierbare Shanty könnte sich eventuell auf die „Deutschland“ beziehen, die 1847 von der Hapag in Dienst gestellt wurde. Die Hapag war auf Auswanderertransporte spezialisiert, daher dürfte die „Deutschland“ notorisch überfüllt gewesen sein und kaum in Schuss zu halten (vgl. die Strophen 2 und 3).

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Und so schaut´s dann in einem Hamburger Lokal aus, das sich „Hamborger Veermaster“ nennt.

Während der Text des originalen amerikanischen Vorbildes die Reise um Kap Hoorn beschreibt, wurde die Melodie auch für das Lied „The camptown ladies“ mit dem gleich gebliebenen Refrain verwendet. Dabei geht es um die Damen, die zum Amusement der Männer in den Goldgräberzeltstädten lebten.

Und das Titelbild (eine Reproduktion eines Gemäldes von Johannes „Joh´s“ Holst) schaut einfach nur Klasse aus !

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Besetzung:
Matrosenchor Crew X 62 unter der Leitung von Rolf Martens + Heiner Glitsch

BackCover1

Titel:
01. De Hamborger Veermaster (Vullrigger) 3.22
02. Johnny – Johnny (Traditional) 3.42
03. Good-night Ladies (Traditional) 2.13
04. Rolling Home (Magelhan) 4.05

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