Chor des Bayerischen Rundfunks + Lautten-Compagney – Passionskonzert (2015)

FrontCover1Ganz sicher ein Leckerbissen für alle Freunde der frühen, klassischen Musik und zwar aus der Zeit des Rokoko.

Die Rede ist von einem Radiomitschnitt des Bayerischen Rundfunks vom 17.3.2015. Das Konzert selbst fand am 27.02.2015 in der Herz-Jesu-Kirche in München statt. Ausgerichtet wurde dieses Ereignis vom Diözesan Museum Freising in Zusammenarbeit mit dem Spartensender BR-Klassik:

„Im Rahmen der Ausstellung „Mit Leib und Seele. Münchner Rokoko von Asam bis Günther“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung veranstaltet das Diözesanmuseum Freising
ein Passionskonzert in der Herz-Jesu-Kirche München mit musikalischen Raritäten der Rokokozeit.

Zentrales Werk des Konzertabends ist das 1766 vom damaligen bayerischen Kurfürsten komponierte und von Zeitgenossen hochgeschätzte Stabat mater für Chor, Soli und Orchester.Erstmals seit dem 18. Jahrhundert wird dieses Werk wieder in München erklingen.

Für dieses einmalige Konzert konnten mit der Lautten Compagney Berlin und dem Chor des Bayerischen Rundfunks zwei internatio­­nal bekannte Ensembles gewonnen werden, die erstmals zusammen musizieren.

Konzertankündigung

Konzertankündigung

Die Lautten Compagney Berlin ist eines der renommiertesten und kreativsten deutschen Barockensembles. Mit ansteckender Spiel­freude und innovativen Konzepten übersetzen die „Alten Musiker“ unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Katschner die Musiksprache des Barock immer wieder mühelos ins Heute.

Der Chor des Bayerischen Rundfunks braucht Musikfreunden in und um München nicht vorgestellt zu werden, ist er doch einer der besten Chöre. Unter der Leitung von Wolfgang Katschner singen Sumi Hwang, Sopran, Julia Böhme, Alt, Tobias Hunger, Tenor und Tobias Berndt, Bass.

Verpassen sie nicht die einmalige Gelegenheit eine unbekannte Preziose der geistlichen Chormusik in einer Originalklan­gauf­führung zu erleben. Auf höchstem Niveau und in einer der schönsten modernen Kirchen Münchens“ (Konzertankündigung)

Wolfgang Katschner

Wolfgang Katschner

Dass Komponisten früher von Adligen finanziert wurden, ist bekannt. Dass mancher Adelige auch selbst komponierte, wird dabei oft vergessen. Zwei Marienvertonungen präsentiert der Chor des Bayerischen Rundfunks mit der Berliner Lautten Compagney unter der Leitung von Wolfgang Katschner. Neben Joseph Haydns Salve Regina in g-Moll steht die Sinfonia in D-Dur und das Stabat Mater für Soli, Chor, Orchester und Orgel von Maximilian III. Joseph von Bayern auf dem Programm. Das Sopransolo singt die junge Koreanerin Sumi Hwang, seit kurzem Mitglied im Ensemble der Oper Bonn. Julia Böhme, oft mit der Lautten Compagney zu hören, übernimmt die Alt-Partie. Außerdem sind der Tenor Tobias Hunger – Spezialist für das 17. und 18. Jahrhundert – und der für Liedinterpretation ausgezeichnete Bariton Tobias Berndt besetzt. BR-Klassik sendet einen Konzertmitschnitt vom 27. Februar in der Münchner Herz-Jesu-Kirche. (Ankündigung des Bayerischen Rundfunks)

Lautten-Compagney

Lautten-Compagney

Und hier noch ein bisschen geschichtlicher Hintergrund zu der Stabat mater:

Das Stabat mater fand 1521 Eingang in das Missale Romanum, wurde aber wie fast alle Sequenzen durch das Konzil von Trient aus dem Gottesdienst verbannt. 1727 wurde es bei der Einführung des Festes Septem Dolorum Beatae Mariae Virginis als Sequenz in den Messtext und als Hymnus in das Brevier der katholischen Kirche aufgenommen und

Maximilian III. Joseph Karl Johann Leopold Ferdinand Nepomuk Alexander von Bayern (*ggg*)

Maximilian III. Joseph Karl Johann Leopold Ferdinand Nepomuk Alexander von Bayern (*ggg*)

gehört seither wieder zur katholischen Liturgie. Allerdings wurde das 1727 auf den Freitag nach dem Passionssonntag gelegte Fest durch die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils abgeschafft, so dass das Stabat Mater als liturgisches Stück nur noch am 15. September, dem Gedächtnis der Schmerzen Mariä, – ad libitum – gesungen oder gebetet wird.Das Stabat mater (nach dem Gedichtanfang Stabat mater dolorosa, lat. für ‚Es stand die Mutter schmerzerfüllt‘) ist ein mittelalterliches Gedicht, das die Mutter Jesu in ihrem Schmerz um den Gekreuzigten besingt. Die Verfasserschaft ist ungeklärt, das Gedicht wurde in der Vergangenheit unter anderem Papst Innozenz III. († 1216) sowie den Franziskanermönchen Iacopone da Todi († 1306) und Johannes Bonaventura († 1274) zugeschrieben.

Die bekannteste deutsche Übertragung des Stabat mater stammt von Heinrich Bone (1847).

Das Stabat Mater ist oft von klassischen Komponisten vertont worden. Nicht immer wurde der gesamte Text verwendet, unterschiedliche Anlässe der Stücke und persönliche Prägungen der Komponisten führten oft zur Akzentsetzung etwa unter den Themen: Trost, Leid, Klage. Die alte gregorianische Choralmelodie wurde von Josquin und Palestrina schon im 16. Jahrhundert polyphon vertont. Viele weitere Komponisten schufen Vertonungen des Stabat Mater, die auch heute noch oft aufgeführt werden (nach dem Komponistennamen folgt die Besetzung) (Quelle: wikipedia)

Logos

Und hier eben die Fassung von Maximilian III. Joseph von Bayern

Interessante Anekdote am Rand: 1777 lehnte Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern Mozarts Bewerbung am Hof ab. Vielleicht wollte er einfach nur seine eigene Musik am Hofe hören.

Aber nicht nur Haydns „Salve Regina“ ist beeindruckend, sondern eben auch die Kompositionen von Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern. Von daher bietet sich hier nicht nur die Gelegenheit, eine Rarität zu hören, sondern eine Rarität auf höchstem musikalischem Niveau … Herz, was willst du mehr ! Und was liebe ich solche Rundfunkmitschnitte !

Julia Böhme - Tobias Bernd - Sumi Hwang - Tobias Hunger

Julia Böhme – Tobias Bernd – Sumi Hwang – Tobias Hunger

Besetzung:
Julia Böhme (Alt)
Tobias Berndt (Bariton)
Tobias Hunger (Tenor)
Sumi Hwang (Sopran)
+
Chor des Bayerischen Rundfunks und Lautten Compagney, Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner

LeibUndSeele

Titel:
Joseph Haydn: Salve Regina in g-Moll, Hob. XXIII b/2:
01. I. Salve Regina 8.55
02. II. Eja Ergo, Advocata Nostra 3.54
03. III. Et Jesum 7.19
04. Applaus 0.21

Maximilian III. Joseph von Bayern: Sinfonia D-Dur:
05. I. Allegro 3.40
06. II. Andante 4.52
07. III. Allegro Assai 2.54
08. Applaus 0.19

Maximilian III. Joseph von Bayern: Stabat Mater in c-Moll für Soli, Chor, Orchester und Orgel (1766):
09. I. Chorus: Stabat Mater dolorosa 3.26
10. II. Soprano: Cujus animam gementem 4.04
11. III. Chorus: O quam tristis et afflicta 1.42
12. IV. Duett (Basso & Altus): Quis est homo 3.52
13. V. Chorus: Pro peccatis suae gentis 3.45
14. VI. Tenor: Eia Mater, fons amoris 3.30
15. VII. Chorus: Fac ut ardeat cor meum 2.17
16. VIII. Basso: Tui nati vulnerati 2.18
17. IX. Chorus: Fac me tecum pie flere 4.17
18. X. Altus: Virgo virginum praeclara 3.07
19. XI. Duett (Soprano & Basso): Fac ut portem Christi mortem 5.49
20. XII. Chorus: Inflammatus et accensus 3.07
21. XIII. Chorus: Fac ut animae donetur 2.01
22. Applaus 0.19

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