Tobias Meinhart – Silent Dreamer (2017)

FrontCover1.jpgSolange es Jazzmusiker wie Tobias Meinhart gibt, baucht uns nicht bange werden:

Tobias Meinhart (* 1983 in Regensburg) ist ein deutscher Musiker des Modern Jazz (Sopran- und Tenorsaxophon, Komposition).

Meinhart, der in Wörth an der Donau aufwuchs, kam über seinen Großvater, einen Kontrabassisten, zur Musik. Er begann mit sieben Jahren auf dem Schlagzeug und wechselte mit 13 Jahren zum Saxophon. Mit 17 Jahren begleitete er das Bob Brookmeyer Orchestra als Roadie auf einer Tournee nach Portugal. Er studierte zunächst an der Musikhochschule in Basel bei Domenic Landolf, um sein Diplomstudium am Conservatorium van Amsterdam und der Hochschule der Künste Bern fortzusetzen; abgeschlossen hat er 2009 mit Auszeichnung. Als weiteren wichtigen Lehrer neben Landolf nennt er Johannes Enders.

Meinhart leitet seit 2008 ein eigenes Quartett, mit dem er 2010 ein erstes Album veröffentlichte, das er in sechs Ländern präsentierte. Weitere Alben folgten, unter anderem der Livemitschnitt eines Konzertes, das er 2012 mit der zum Quintett erweiterten Band beim Getxo-Jazzfestival im spanischen Bilbao gegeben hat.

Tobias Meinhart02

Seit August 2010 lebt Meinhart in New York City, wo er 2012 ein Masterstudium in Jazz Performance am Queens College absolvierte. Er spielte mit Aaron Goldberg und ging mit Ingrid Jensen auf Konzertreise. 2013 war er zudem mit der Formation The Big Jazz Thing auf Deutschland-Tournee (Album A Next Generation Celebration). Auch ist er auf dem Album Hidden Roots (2014) der Sängerin Júlia Karosi zu hören. Mit dem Pianisten Lorenz Kellhuber tritt er auch im Duo auf.

2015 stellte Meinhart seine vierte CD Natural Perception vor – am Bass spielte Phil Donkin, Jesse Simpson aus San Francisco am Schlagzeug, der Spanier Yago Vázquez am Klavier und Ingrid Jensen auf der Trompete. Im Herbst 2015 war die Band in Europa auf Tournee.[2] 2016 nahm er in New York für Unit Records die nächste CD Brooklyn Aliens mit den Musikern Yago Vázquez, Rodrigro Recabarren, Lars Ekmann und Gianni Gagliardi auf. 2017 folgte bei Enja Records Silent Dreamer.
Preise und Auszeichnungen
Mit der Gruppe Fourscore gewann Meinhart 2006 bei Jugend jazzt. Mit seinem Quartett wurde er 2009 bei Startbahn Jazz ausgezeichnet und erhielt im selben Jahr den Publikumspreis für die beste Band beim Getxo Jazzfestival, wo er 2012 mit dem Solistenpreis ausgezeichnet wurde. (Quelle: wikipedia)

Tobias Meinhart01

Tobias Meinhardt stammt aus einem kleinen bayerischen Dorf. Nicht als Saxofonist, diesem Instrument wandte er sich dreizehnjährig zu, sondern als Schlagzeuger versuchte sich der Knabe einst zunächst. Sein Großvater infizierte den jungen Mann mit Jazz, was letztlich dazu führte, dass Tobias den ersten Preis beim Wettbewerb „Jugend jazzt“ gewann. Der Saxofonist Domenic Landolf wurde sein Mentor, es folgten Studienjahre in Amsterdam und Bern. Daraufhin verschlug es ihn nach New York City und dann konnte er rasch in die dortige Jazzszene eintauchen.

Mit Silent Dreamer legt Meinhardt nun sein fünftes Album unter eigenem Namen vor, veröffentlicht auf ENJA Records. Hochkarätige und gar nicht unbekannte Musiker haben ihn hierbei trefflich unterstützt. Im Kern trägt die Musik eine recht tonale Handschrift, dazu gesellen sich jede Menge weiterer Akzente, gespeist aus der Fusion-Szene. Und so schlägt bei mir gleich der Eröffnungstitel eine Brücke in die frühe Fusion-Landschaft der Siebziger, allerdings ohne die seinerzeit starke elektrische Ausrichtung. Angenehm auffällig ist die offene und mitgestaltende Spielweise des Schlagzeugers, der der Musik eine sehr treibende und elastische Basis bietet, auf der die Solisten ihre sehr individuell gestalteten Soli abfeuern können, hier ist es der Pianist mit einen engagierten Beitrag. Bei diesem und einem weiteren Titel gibt es noch eine Synthesizer-Beigabe, die ein wenig befremdlich wirkt und dieses Erachtens nicht notwendig gewesen wäre.

Im Laufe der Platte behält die Musik ihre sehr offen gestaltende Form, ganz viel Interaktion zwischen den Musikern findet ständig statt, eine sprühende und lebhafte Stimmung voller Spannung und Energie durchzieht sich somit wie ein roter Faden, das Wort Kommunikation wurde hier perfekt umgesetzt, so bin ich begeistert, wenn zum Beispiel bei “Letter of intent“ beim Einsatz des Gitarrensolos die ganze Band reagiert, das Rhythmusgespann sich sofort anpasst und eine ganz andere Atmosphäre entstehen lässt.

Tobias Meinhart03

Und so brodelt es voller Hingabe und trotz der oft vorherrschenden tonalen Stimmung entwickeln sich aus der Tiefe heraus mitreißende Momente, die auch einmal ins ganz Ruhige abgleiten können, zum Beispiel auf “Mariana’s Dream“, bevor Bass und Drums mit voller Energie und hartem Drive den nächsten Song einleiten. Meinhardt und Ingrid Jensen an der Trompete liefern sich dazu ein packendes Duell, dass sich mit dem plötzlich einsetzenden Thema in den Bereich des Bebops zu begeben scheint. Schade, dass das noch nicht einmal zwei Minuten dauert. Mit dieser Platte ist eine der packendsten Beispiele für die Umsetzung von Jazz-Tradition in die Moderne gelungen. (Wolfgang Giese)

Beeindruckend auch, wieviel Raum er all den anderen Musikern lässt …

Solange es Jazzmusiker wie Tobias Meinhart gibt, baucht uns nicht bange werden

BackCover1.jpg

Besetzung:
Justin Carroll (synthesizer)
Phil Donkin (bass)
Ingrid Jensen (trumpet, effects)
Tobias Meinhart (saxophone, electronics)
Jesse Simpson (drums)
Yago Vazquez (piano)
+
Charles Altura (guitar bei 02., 03. + 04.)
Orlando LeFleming (bass bei 02., 03. + 06.)

Booklet03A

Titel:
01. Fighting For Fears (Meinhart) 5.38
02. Letter Of Intent (Vazquez) 4.54
03. Silent Dreamer (Meinhart) 5.51
04. Mariana’s Dream (Meinhart) 5.48
05. Can’t Say Enough (Simpson) 1.44
06. Equality (Meinhart) 6.08
07. Ghost Gardens (Meinhart) 6.54
08. Purple Space (Meinhart) 4.40
09. Simple Beauty (Meinhart) 6.11

CD1

*
**

Booklet01A