Knud Seckel – Nibelungenlied (2008)

FrontCover1Da wohnt so ein Musikus in Alsbach-Hähnlein (eine kleine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg an der Bergstraße) und der heißt Knud Seckel und der hat sich so mit Haut und Haaren dem mittelalterlichen Minnegesang zugewandt.

Und dann bleibt es natürlich aus, dass man fast zwangsläufig auch zum Nibelungenlied vordringt … die Basis für die Nibelungen-Sage (von der hier zukünftig noch öfters die Rede sein wird).

Hier ein kurzer Überblick:

Nachdem Siegfried aus Xanten einen Drachen getötet und den Schatz der Nibelungen erobert hat, kommt er an den Königshof von Worms. Dort will er Kriemhild heiraten, die Schwester König Gunthers. Der König stimmt unter der Bedingung zu, dass Siegfried im Gegenzug ihm hilft, Brunhild – Königin von Island – zur Frau zu gewinnen. Brunhild hat übermenschliche Kräfte und nimmt nur den zum Mann, der sie in drei Wettkämpfen besiegt. Brunhild erkennt Gunther als ihren Gatten an und zieht mit ihm nach Worms. Den Vollzug der Ehe verweigert sie ihm allerdings. Wieder muss Siegfried (der Kriemhild geheiratet hat) helfen. In der Tarnkappe ringt er Brunhild im Ehebett nieder, sodass Gunther sie entjungfern kann. Dabei nimmt Siegfried heimlich ihren Ring und ihren Gürtel mit und schenkt sie Kriemhild.

Einige Zeit später…..

…..Gunther lädt Siegfried und Kriemhild, die mittlerweile in Xanten leben, nach Worms

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Erste Seite der Handschrift C des Nibelungenlieds (um 1220–1250)

ein. Beim Fest zu Ehren der Gäste geraten die Königinnen in Streit. Brunhild, der Siegfried bei der Brautwerbung auf Island als Vasall Gunthers vorgestellt worden war, besteht auf Unterordnung Siegfrieds unter Gunther. Kriemhild kontert, ihr Mann Siegfried habe als erster mit Brunhild geschlafen. Als Beweis dafür präsentiert sie Ring und Gürtel. Brunhild versinkt in Scham, Trauer und Hass. Hagen von Tronje, Gunthers mächtigster Vasall, will seine Herrin rächen. Er entlockt Kriemhild das Geheimnis der verwundbaren Stelle Siegfrieds, die beim Bad im Blut des Drachens durch ein Lindenblatt frei geblieben war. Beim Jagdausflug durch die Rheinebene in den Odenwald und das Neckartal stößt Hagen Siegfried seinen Speer zwischen die Schulterblätter. Kriemhild ahnt, wer ihren Mann getötet hat und bleibt trauernd in Worms. Mit dem Nibelungenschatz, den Siegfried ihr geschenkt hatte, zieht sie fremde Helden nach Worms, um ihre Macht zu stärken. Hagen erkennt die Gefahr, nimmt ihr den Schatz weg und versenkt ihn im Rhein.

13 Jahre später……..

……Kriemhild heiratet den Hunnenkönig Etzel und bringt ihn dazu, ihre Brüder Gunther, Gernot und Giselher nach Ungarn einzuladen. Hagen warnt vor der Rachsucht Kriemhilds, aber die Brüder ziehen mit großem Gefolge ins Hunnenland. Es gelingt Kriemhild, einen Kampf zwischen Nibelungen und Hunnen zu entfesseln. Zuletzt sind nur noch Gunther und Hagen am Leben. Kriemhild verlangt von Hagen den Schatz. Doch er gibt das Versteck nicht preis, solange einer seiner Herren noch lebt. Kriemhild lässt Gunther den Kopf abschlagen. Hagen triumphiert. Nur er kennt jetzt das Versteck und er wird es niemals verraten! Kriemhild enthauptet den Gefesselten und wird ihrerseits vom alten Waffenmeister Hildebrand erschlagen.()

KarinDor

Hach, was war ich damals – also 1967 – in die Brunhild Darstellerin Karin Dor verliebt …

Und nun, dieser Live-Mitschnitt handelt von Teil 1 der Nibelungen-Sage … das grausame Ende der Burgunder bleibt verborgen.

Und der Knud Seckel hat sich erdenkliche Mühe gegeben, diesem großem Thema gerecht zu werden, da hat sich einer so richtig reingekniet:

Knud Seckel (*1966 in Karlsruhe) findet durch Reisen in die verschiedenen musikalischen Kulturen Westeuropas und Nordafrikas Zugang zu den lebendigen Spuren traditioneller Musik. Seit 1986 beschäftigt sich Knud Seckel intensiv mit mittelalterlicher Musik. Von 1994 – 2000 studiert er Romanistik, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft in Heidelberg. Sein Interesse gilt hierbei nicht nur den historischen romanischen Sprachen sondern auch der alt- und mittelhochdeutschen Sprache.

Er ist Mitgründer des „Ensemble Trecento“ im Jahre 1994. Im gleichen Jahr beginnt die Mitwirkung bei der Gruppe „Wünnespil“, die 2001 endet. Seit 2003 Leiter des Ensembles „minnesangs fruehling“. Seit 2010 künstlerischer Leiter der Botenlauben-Festspiele in Bad Kissingen.

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Knud Seckel

Seit 2001 tritt er auch als Solist mit Minnesang und Epik auf. Gastmusiker in diversen Musikensembles (Wildwuchs, Canzionetta Tedesca, Triskilian). Minnesänger des Jahres 2007 – 09, Publikumssieger 2011 und 2013. (Selbstdarstellung)

Dass ich mit dem Ergebnis dieses Albums dennoch nicht so ganz zufrieden bin, hängt mit vielerlei Faktoren zusammen:

Sein Sprechgesang ist gewöhnungsbedürftig, zumindest für meine Ohren … aber vielleicht/vermutlich tun sich Leute, die mit dieser Art von Musik vertrauter sind, da leichter.

Und dann hätte ich mir noch eine etwas lebhaftere Instrumentierung gewünscht. Auf der CD steht zwar „Minnesangs Frühling“ aber de facto spielt eben nur der Knud Seckel. Vermutlich hätgte es dem Album gut getan, wenn er sich ausschließlich auf den Gesang konzentriert hätte und seine eigentliche Band für die musikalische Untermalung gesorgt hätte. Dennoch finde ich den Knud schon sehr interessant … einfach weil er so sein ganz eigenes Ding durchzieht … Individualisten wie ihn … ja, das braucht das Land.

Erwähnenswert ist jedoch auf jeden Fall das ausführliche Begleitheft (mit historischen Hintergrundinformationen und ausführlichen Beschreibungen der einzelnen „Aventure“

Also, wer will, kann hier in die faszinierende Welt der Nibelungen eintauchen …

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Besetzung:
Knud Seckel (vocals, harp, percussion, lute, symphonia)

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Titel:
01. Kriemhilds Traum 5.06
02. Von Siegfried 1:15
03. Siegfried kommt nach Worms 7.00
04. Der Sachsenkrieg 2.03
05. Siegfried sieht Kriemhild 4.06
06. Die Brautfahrt nach Isenland 4.36
07. Gunther gewinnt Brünhild 8.39
08. Brünhilds Abschied 0.37
09. Siegfried kehrt nach Worms zurück 1.44
10. Brühnhild wird zu Worms empfangen 13.03
11. Siegfried und Kriemhild fahren zurück nach Xanten 1.40
12. Günther bittet Siegfried zu einem Fest 2.14
13. Siegfried und Kriemhild fahren nach Worms 1.35
14. Der Streit der Könnigen 5.31
15. Der Verrats Siegfrieds 2.20
16. Siegfried wird erschlagen 7.42
17. Siegfried wird beklagt und begraben 3.46
18. Der Nibelungenhort … 1.37
19. … kommt nach Worms 1.40
20. Applaus 0.24

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Werner A. Wiedmann – Die Bodenseehanse – Aus der Geschichte der grossen Ravensburger Handelsgesellschaft (1988)

TitelAlso, dieser Teil süddeutsche (Wirtschafts) Geschichte war mir bis dato gänzlich unbekannt:

Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft (lateinisch: Magna Societas Alamannorum) wurde um 1380 durch Kaufleute aus den Familien Humpis (aus Ravensburg), Mötteli (aus Buchhorn) und Muntprat (aus Konstanz) gegründet. Sie war bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts eines der bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des Spätmittelalters.

Anfangs diente die Gesellschaft wohl vor allem der Vermarktung des heimischen Tuchs (vor allem Leinen und Barchent). Als 1402 in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen errichtet wurde, kam ein weiteres Eigenprodukt dazu; ebenso handelte man aber mit Gewürzen aus dem Orient, Wein und Öl aus dem Mittelmeerraum, Erzen aus Osteuropa und anderem mehr. Die Große Handelsgesellschaft ist vermutlich auch der Grund, dass Heimatforscher in Ravensburg keine historische Tracht ausfindig machen konnten; wer es sich leisten konnte, trug schon damals italienische Mode, und wer sich das Original nicht leisten konnte, schneiderte sich Kopien.

Durch die Errichtung von Niederlassungen (so genannten Geliegern) in Spanien, Frankreich, Italien und Osteuropa gewann die Handelsgesellschaft bald an gesamteuropäischer Bedeutung. Neben der in Ravensburg angesiedelten zentralen Leitung und der Niederlassung in Konstanz bestanden Verbindungen zu Memmingen, Biberach, Lindau, St. Gallen, Kempten, Ulm und anderen Städten der Umgebung. Niederlassungen, Kontore und Faktoreien hatte die Gesellschaft in der Blütezeit unter anderem in Antwerpen, Brügge, Lyon, Avignon, Genf, Wien, Venedig, Mailand, Genua, Barcelona, Saragossa und Valencia. Auch in den wichtigen Messestädten Frankfurt am Main und Nürnberg war sie präsent.

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Grabstein des Ravensburger Kaufmanns Henggi Humpis († 1429)

Über 100 Familien aus etwa 10 Städten des Bodenseegebietes waren an der Gesellschaft beteiligt. Die bedeutendsten waren die Humpis (die auch die meisten Regenten der Gesellschaft stellten), Mötteli, Muntprat, Ankenreute und Holbein.

Es gibt Hinweise darauf, dass sich auch die Fugger auf ihren ersten Italienfahrten Handelszügen der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft anschlossen.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts machten Familienstreitigkeiten innerhalb der führenden Familien und Abspaltungen von Handelsfamilien, die Konkurrenz der St. Galler Diesbach-Watt-Gesellschaft, der Memminger Vöhlin-Welser-Gesellschaft sowie vor allem der Augsburger Fugger und Welser der Ravensburger Handelsgesellschaft zunehmend zu schaffen.

Beschleunigt wurde der Niedergang sicher auch durch eine ungenügende Anpassung an die von der Wiederentdeckung des amerikanischen Kontinents veränderten Wirtschaftsbedingungen und durch die von hohen Goldimporten hervorgerufene Inflation.

Die Schwerfälligkeit der Ravensburger Organisationen einerseits und das Fehlen qualifizierten und risikofreudigen Nachwuchses andererseits verhinderten ein Gegensteuern. So scheuten die Ravensburger auch die Aufnahme von Bankgeschäften, die entscheidend zum späteren Reichtum der Konkurrenz etwa aus den Häusern der Fugger und Welser beitrugen. Stattdessen nutzten sie den erworbenen Reichtum, um die Stadt zu verlassen und nach dem Vorbild des Adels auf Landsitzen zu wohnen und selbst Adelstitel zu erwerben.

1530 erlosch die Handelsgesellschaft sang- und klanglos, als nicht mehr genügend Gesellschafter zur Erneuerung der jeweils nur auf Zeit geschlossenen Gesellschaftsverträge bereit waren.

Wer auf die Karte klickt, kann sie in ganz groß ansehen:

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Lange Zeit wussten Wirtschaftshistoriker und Lokalhistoriker recht wenig über den genauen Aufbau und die Geschäfte der Handelsgesellschaft. Wilhelm Heyd stellte die Geschichte der Gesellschaft anhand der wenigen erhaltenen Akten 1890 erstmals in einer Monographie dar. Die Kürze dieser Monographie symbolisiert, wie er auch selbst schreibt, den absoluten Mangel an bis dahin aufgefundenen und der Öffentlichkeit freigegebenen Quellenpapieren. 1909 wurden im Schloss Salem überraschend zahlreiche Akten der Gesellschaft gefunden, die – als unnütze Handelssachen deklariert – vorher jahrhundertelang unbeachtet geblieben waren. Die Papiere behandeln die Zeit zwischen 1427 und 1480, sowie von 1497 bis 1527 und sind für die Forschungsarbeit an der großen Handelsgesellschaft von enormen Wert. Hinterlassen wurden uns die Quellenpapiere von dem Enkel des letzten Buchhalters der Handelsgesellschaft mit dem Namen Alexius Hilleson. Die Quellen beschreiben zwar nicht lückenlos die Geschichte und die Tätigkeiten der Handelsgesellschaft von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende, geben jedoch stellenweise tiefe Einblicke in die Arbeit und Organisation der Gesellschaft. Aloys Beispiel37Schultes grundlegendes dreibändiges Werk von 1923 beruht auf diesen Akten und leitete eine tiefere Beschäftigung mit der Handelsgesellschaft ein.

In dem historischen Roman Der junge Herr Alexius von Otto Rombach wird das abenteuerliche Leben des Ravensburger Kaufmanns Alexius Hilleson auf seinen Reisen durch Europa geschildert. Obwohl sich Rombach in vielen Details auf Schulte stützt, ist der Roman doch weitgehend fiktiv.

In Ravensburg selbst erinnern viele Bauwerke, Wappen und Straßennamen an die Zeit der Handelsgesellschaft. Beim jährlichen Rutenfest werden ihre Geschäfte durch Kostümgruppen am Festzug dargestellt. Außerdem wurde in der Stadt ein offenes Stadtmuseum erbaut, welches aus sieben Gebäuden besteht, deren Räume aus der Zeit von 1435 bis 1508 stammen und in der Vergangenheit die Wohnquartiere der Familie Humpis bildeten. (Quelle: wikipedia)

Und genau um jene Zeit, in denen die Ravensburger Handelsgesellschaft groß und mächtig war, handelt dises Buch (66 Seiten). Herausgegeben wurde es von der Bayerischen Vereinsbank in der Serie „Bavaria Antiqua“

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Diverse Ausgaben der Serie „Bavaria Antiqua“

Verfasst wurde dieses Buch von Werner A. Wiedmann:

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Bei historischen Büchern dieser Art bin ich mir so ganz sicher, ob sie nicht arg beschönigend geschrieben wurde. Freilich fehlen mir die Zeit und die historischen Kenntnisse um das mal zu überprüfen. Der Niedergang dieser Mini-Hanse (die großen Hansestädte an der Nord-  und Ostsee können ob des kleinen Bruders aus Süddeutschland eh nur schmunzeln) erschließt sich mir z.B. noch nicht so recht.

Dennoch: Ganz sicher ein kenntnisreiches Buch, hübsch illustriert und natürlich vergesse ich darüber hinaus nicht die „Fragen eines lesenden Arbeiters (Brecht) und den Bernt Engelmann sowie nicht.

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links: Der Florenzer Tuchmarkt (14. Jhrd.); rechts: Herzog Heinrich der Löwe + Frau Gemahlin

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Der Veitsberg oberhalb von Ravensburg (Ölgemälde von Johann Andreas Rauch, 1622)

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Das ist ja ein drolliges Kerlchen aus der Kategorie Miesepeter, oder ?

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Lug und Trug im Mittelalter

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Der (Geselle Oswald Kröll, gemalt von Albrecht Dürer, 1499) schaut ja fast wie Ritchie Blackmore aus.

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The times, they are a-changing …

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Ein historisches Buch ohne Quellenangaben würde ja auch gar nicht gehen …

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Die Vorder- und Rückseite des Buches