Gerhard Polt – Kehraus (1983)

TitelWenn nicht heute, wann dann: Dieser klassische Film von Gerhart Polts zynisch-verbitterter Abgesang auf den Fasching und dieser Haifisch-Branche des Versicherungsunwesens.

Kehraus ist ein satirischer deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1983 über die Praktiken der Versicherungen gegenüber ihren Kunden, das Verhalten der Chefs eines solchen Konzerns gegenüber den Mitarbeitern sowie das ausgelassene Treiben im Fasching. Fast alle Szenen stellen in aller Schärfe Schwächen und Niederträchtigkeiten der handelnden Personen dar. Trotzdem endet der Film versöhnlich: Die weibliche und männliche Hauptperson finden zueinander. Der Filmtitel leitet sich vom Kehraus ab.

Der Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel bekommt am Rosenmontag vom Versicherungsvertreter Arno von Mehling, der ihn zuhause aufgesucht hat, einige weitgehend überflüssige Versicherungspolicen aufgeschwatzt. Gleich nach dessen Weggang folgt bei Weitel die Ernüchterung, da die Beitragszahlungen fast die Hälfte seines Nettogehaltes kosten würden. Er ruft in der Versicherung an und erfährt von der Mitarbeiterin Annerose Waguscheit, dass er zur Stornierung des einen oder anderen

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Hanns Christian Müller

Vertrages an einem Dienstag oder Donnerstag persönlich „im 6. Stock“ vorbeikommen müsste. An diesem Dienstag ist Faschingsdienstag, und keiner der Mitarbeiter denkt an Arbeit. Herr von Mehling, der finanziell völlig am Ende ist, will seine Provisionen nicht verlieren und versucht daher, Weitel aus dem Weg zu gehen.

Keiner aus dem 6. Stock weiß, dass der Vorstand die Mitarbeiter schon seit längerer Zeit durch eine Überwachungskamera beobachtet und aus Einsparungsgründen etliche entlassen will, weil zu wenig effektiv gearbeitet wird. Zufälligerweise schafft es Herr Weitel, der spaßeshalber von Herrn Deutelmoser „in den 13. Stock“ zum Vorstand geschickt worden ist, durch die Codekarten-gesicherte Tür in das Vorstandszimmer zu kommen. Dort gerät er durch Zufall bei seiner Suche nach Herrn von Mehling in die Vorstandssitzung, bei der gerade „Live-Einblendungen“ der Überwachungskamera gezeigt werden. Ein Sicherheitsmann wirft ihn kurz darauf hinaus. Weitel taucht erneut im Büro von Frau Waguscheit auf und ist sichtlich ungehalten, da er ahnt, dass sich von Mehling vor ihm versteckt. Aus dem, was Ferdinand Weitel gesehen hat, kann Frau Waguscheit die Existenz und den Ort der versteckten Kamera im Büroraum rekonstruieren: Sie setzen die Kamera mit einem angebissenen Faschingskrapfen außer Funktion. Aus Sympathie verrät Frau Waguscheit Herrn Weitel im Weggehen, dass er von Mehling am Abend auf einem Faschingsball finden könne. Aber auf welchem?

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Ein paar Stunden später klingelt ein weiterer, allerdings bemitleidenswert erfolgloser Versicherungsvertreter namens Rösner Weitels Mietshaus ab. Von ihm erfährt Weitel immerhin, dass es sich um den Ball „Traumpolice“ handelt. Ohne Eintrittskarte für den Ball, wird er von Frau Waguscheit, die er beim Eingang trifft, kurzerhand als „ihr Mann, Personalchef Dr. Berzelmeier“, der „auf der Liste steht“ ausgegeben, so kommt er doch hinein. Nach einigem Hin und Her treffen die Mitarbeiter des „6. Stocks“ zusammen mit Herrn Weitel auf den Vorstand, der ausgelassen feiert und den Mitarbeitern eher beiläufig eröffnet, dass sie alle wegen „chronischen Leistungsmangels“ entlassen seien. Alle Mitarbeiter sind schockiert; Herr von Mehling erleidet einen Herzanfall, der als Zorro maskierte Mitarbeiter Wandrey, der sich für den Zuschauer inzwischen als Sonderling mit Hang zu Wehrmachtsutensilien herausgestellt hat, rastet aus und schießt mit einer scharfen Waffe um sich, wobei der Kronleuchter herunterfällt. Die Gäste verlassen in Panik den Saal, und die Veranstaltung nimmt ein abruptes Ende. Ferdinand Weitel und Annerose Waguscheit entdecken ihre gegenseitige Sympathie, und „Rosi“ fährt schließlich, statt zu ihrer Mutter, mit der Trambahn zusammen mit „Ferdl“ heim zu ihm. Sie verspricht ihm, am nächsten Tag die Unterlagen seiner unterschriebenen Versicherungsverträge verschwinden zu lassen.

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Kritiken:
Der Spiegel: „Kehraus“ bringt die Polt-Welt nun in ein dramaturgisch festes Gefüge, eine Welt so kalt wie das Land, in dem ein anderer Bayer Ananas pflanzen wollte, bevölkert von Leuten, die sich in herzlichem Bayrisch infam traktieren und deren Seelen von Frost- und Frustbeulen deformiert sind. Es ist eine Komödie aus lauter kleinen Tragödien. Sie spielt im Milieu der Angestellten, in einer Versicherungsgesellschaft namens „Fidelitas“, und sie ist auch ein beißender Sozialreport über Menschen im Pump- und Hebelwerk der Hierarchie.

Lexikon des internationalen Films: Bittere Farce auf die Ohnmacht des kleinen Mannes gegenüber einer profitorientierten Bürokratie. Hinter den oft dumpf, makaber und vulgär anmutenden Ausdrucksmitteln verbergen sich ernstzunehmende Gesellschaftskritik und humane Absicht.

Münchner Merkur: Dieser Kinofilm zeigt den besten Polt den es je gab. Es ist eine geglückte Mischung aus herber Sozialsatire, tragikomischer Valentinade und herrlichem Verwechslungs-Slapstick.

Auszeichnungen

Das Drehbuch wurde 1984 mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet.

Gerhard Polt bekam 1984 für seine komödiantische Leistung den Ernst-Lubitsch-Preis. (Quelle: wikipedia)

Und mehr als einmal bliebt einem das Lachen im Hals stecken, aber das ist bei dem schrägen Humor des Gerhard Polt nicht unüblich.

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Besetzung:

Der Kunde:

Gerhard Polt: Ferdinand Weitel

Der 6. Stock:

Gisela Schneeberger: Annerose Waguscheit
Nikolaus Paryla: Arno von Mehling
Karl Obermayr: Winfried Deutelmoser
Wolfgang Gropper: Heinz Böhm
Hans Stadtmüller: Fritz Bemmerl
Helena Rosenkranz: Gerda Jessike
Peter Welz: Markus Wandrey

Vorstand:

Jochen Busse: Professor Heinzel
Hans-Günter Martens: Dr. von Rüden
Dieter Hildebrandt: Dr. Berzelmeier
Hansi Jochmann: Heidi Matussek

Weitere Darsteller:

John Fischer: Dr. Kern
Helene Kongioumoyelos: Putzfrau
Gunnar Holm-Petersen: Mann mit Nase

Zu Hause:

Marianne Lindner: Ehefrau von Deutelmoser
Elisabeth Welz: Mutter Waguscheit
Harry Teschner: Herr Jessike

Auf dem Ball:

Bruno Jonas: Nicky Wondracil
Erika Deutinger: Bardame Rosi
Veronika von Quast: Bardame Janet
Sylvia Edmeier-Engelmann: Bardame Uschi
Veronika Faber: Frl. Myriam
Maria Singer: Frau Gierl, Toilettenfrau
Monika John: Frau Demmler, Garderobenfrau
Ursula Soremba: Frau Humpel, Garderobenfrau
Horst Tomayer: Eingangskontrolle
Konrad Beust: Schwanthaler
Horst Pasderski: Herr Friedel
Gottfried Drexler: Dr. Amöbius
Gery Thiele: Entertainer
Erhard Kölsch: Herr Rösner
Conny Jahn: Sänger der Ballkapelle
Michael Wachsmann: Herr Hitzel

Regie: Hanns Christian Müller
Drehbuch: Hanns Christian Müller, Gerhard Polt, Carlo Fedier
Produktion: Hans Weth
Musik Hanns: Christian Müller
Kamera: James Jacobs
Schnitt: Thea Eymèsz

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