Mechthild Müser – Nazi-Swing als Propaganda – Charlie and his Orchestra (2008)

Label1Schon seit längerer Zeite habe ich ein umfangreiches Audio-Archiv der deutschen Jazz Kapelle Charlie And His Orchestra … Ich hatte allerdings nicht die geringste Lust, diese Musik hier zu präsentieren. Der Grund ist einfach: Diese Kapelle war ein Propagandainstrument der Nationalsozialisten, das seit 1939 eingesetzt wurde, um im Rahmen des Auslandsrundfunk eingesetzt wurde, um die „Gegenseite“ zu demoralisieren. Allein die Texte sind so widerlich, dass es sich verbot, diese Musik hier unkommentiert zu präsentieren.

Dann habe ich neulich einen Rundfunkmitschnitt zu diesem Thema gefunden und diesen will ich nun hier präsentieren:
„Charlie and His Orchestra

Ein fast unbekanntes Stück nationalsozialistischer Radiogeschichte

Sie haben es lange geschafft, im Dunkeln zu bleiben, die Musiker jener geheimnisvollen Big Band, die sich „Charlie and His Orchestra“ nannte. Als einzige deutsche Band spielte sie im offiziellen Auftrag jene Musik, die in Nazi-Deutschland nicht gespielt werden durfte: Swing.

Den Augen und Ohren der Öffentlichkeit verborgen nahmen bekannte Musiker wie Lutz Templin, Willy Berking und Freddy Brocksieper mit dem Sänger Karl Schwedler und weiteren europäischen Elite-Musikern in schallgedämpften Studios beliebte amerikanische Hits auf – und mischten nationalsozialistische Propaganda-Texte in englischer Sprache dazu, häufig in Anbindung an das aktuelle Kriegsgeschehen. Ziel war es, mit dieser heiklen Mischung über Rundfunksendungen die Bevölkerung im sogenannten Feindesland zu infiltrieren.

FreddieBrocksieper

Freddy Brocksieper

Als Texter fungierten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, des Reichspropaganda-Ministeriums und der englischsprachigen Sendungen verschiedener deutscher Kurzwellensender. Sie waren erfolgreich. Zu Beginn des Krieges soll jeder vierte Engländer das Programm „Germany Calling“ gehört haben – amüsiert oder empört. Die BBC setzte sogar einen Ausschuss ein, um zu untersuchen, wie „groß die Gefahr der Sendungen“ sei und was man dagegen tun könne.

Mehr zufällig waren Jahre nach Kriegsende Plattenaufnahmen von „Charlie and His Orchestra“ entdeckt worden, dann machten sich Jazz-Kenner gezielt auf die Suche. Inzwischen sind zahlreiche Titel auf CD erhältlich und die Namen der Beteiligten aufgedeckt. Aus Scham oder Angst vor den Folgen hatten sie ihre Arbeit für Goebbels verschwiegen. Erst in hohem Alter gaben einige der Musiker zu, dass die Lust am Swing, das Geld und die Freistellung vom Wehrdienst schwerer gewogen hätten als ihr schlechtes Gewissen.“ (Quelle: Deutschlandfunk)

Dass über dieses Thema derart viel fundiertes Material vorhanden ist, haben wir eben dem deutschen Jazz-Sammler Rainer Lotz zu verdanken. Der hat in seinem famosen Archiv in Hamburg neben 1000 anderen Raritäten ebenauch über all die Jahe diverse Aufnahmen dieses Orchesters zusammengetrangen

Lotz

Der Jazz-Sammler Rainer Lotz

 

In diesem hörenswerten Radiobeitrag hört mann dann nicht nur ihn, sondern es kommt auch Coco Schumann, der deutsche Jazzgitarrist, der wegen seiner jüdischen Abstammung im III. Reich so einiges erleben und erleiden musste.

Aber auch der Schlagzeuger Freddy Brocksieper kommentiert jene Zeiten im O-Ton.

Ich kann diesen Radiomitschnitt nur empfehlen und um das Thema abzurunden, habe ich dem Info-Päckchen neben dem Radiomitschnitt noch das Sendemanuskript, einen ausführlichen „Spiegel“-Artikel zu dem Thema sowie einen Zeitungsbericht über Rainer Lotz hinzugefügt.

 

CharlieOrchestraCDs

CD´s von Charlie & His Orchestra

 

Selten war mir so speiübel, wenn ich Jazz gehört habe …

 

SendeManuskript

Sendemanuskript

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