Verschiedene Interpreten – Pop Musik im Unterricht (1972)

FrontCover1Da gibt es den Breitkopf & Härtel Verlag:

Breitkopf & Härtel, 1719 gegründet, ist der älteste Musikverlag der Welt. Schon im 18. Jahrhundert betreute der Verlag bedeutende Komponisten und setzt diese Tradition auch heute fort. „Breitkopf Pädagogik“ bringt neue musikpädagogische Konzepte, „Breitkopf Urtext“ garantiert Interpreten wissenschaftlich einwandfreie Ausgaben. (Selbstdarstellung)

Um diesen Anspruch auch nach dieser neuen Jugendmusik, die sich erst Rock N Roll und dann Beat nannte, gerecht zu werden, veröffentlichte man 1972 das Werk „Pop Musik im Unterricht“, das aus einem Buch und eben auch dieser Doppelalbum bestand.

Das Buch habe ich leider noch nicht in die Finger bekommen, die Doppel-LP schon und um genau die geht es nun im folgenden:

Das Album wurde in Kooperation mit CBS hergestellt … und da liegt schon der erste Kardinalfehler, hier von einer „wissenschaftlich einwandfreie Ausgabe“ zu sprechen, würde schon an Hohn grenzen. Denn – nichts gegen CBS – aber die „Popmusik“ ist eben weitaus mehr, als der CBS Backkatalog zu bieten hatte (wobei der natürlich nicht von schlechten Eltern war).

Und der nächste Lapsus folgt zugleich: im Hüllentext ist groß von dem „Phänomen Popmusik“ die Rede … warum eigentlich „Phänomen“ … diese Begrifflichkeit hätte ich ja noch in den Jahren 1964 – 1966 verstanden, aber 1972 ! Mensch Maier, da war die „Popmusik“ längst ein kommerziell höchst erfolgreich Teil der sog. U-Musik und hatte bereits erste Anstrengungen unternommen, um als ersnthafte Musik Beachtung zu finden. (das gilt z.B. für Softmachine wie für Spooky Tooth und ihrem Projekt mit dem jüngst verstorbenen Musiker Pierre Henry).

Hüllentext1

Na ja … und dann werden die Stilrichtungen der Rockmusik klassifiziert … am besten gefällt mir der Begriff „Cosmicclassicrock“ …  aber auch „Jesus Rock im Country Sound“ klingt sehr fundiert … usw. usw.

Der Abschnitt „Welthits – original und in der Bearbeitung“ ist ein wenig wirr …

„wissenschaftlich einwandfreie Ausgabe“  ?

Und dann fällt eben halt doch auf, dass CBS eben nicht alle wesentlichen Vertreter der jeweiligen Gattungen unter Vertrag hatte. So muss z.B: Johnny Winter bei Rock N Roll „Johnny B. Goode“ spielen … das Original von Chuck Berry wäre hier wohl besser angebracht gewesen.

Due wahrlich nicht unwichtige Beat-Zeit fehlt gänzlich und warum nicht ein Bob Dylan auftaucht, versteht auch keiner.

Man lese sich die Titelliste durch und mache sich seine eigenen Gedanken … ich aber sage … um mal beim Unterricht zu bleiben: Setzen ! Mangelhaft, wenn nicht mehr …

Aber in jenen Jahren taten sich die Pädagogen halt weiterhin sehr schwer, dieses „Phänomen Popmusik“ zu verstehen …

Aber … natürlich enthölt das Album jede Menge faszinierende Musik und es wird wieder mal deutlich, dass so um 1970 die Rockmusik förmlich explodierte …

Und hier mal meine Helden aus jenen Jahren, die hier zu hören sind (in der Reiehnfolge ihres Auftritts):

David Bromberg – Janis Joplin – Blood, Sweat & Tears – Johnny Winter – The Flock – Soft Machine – Johnny Cash – Santana – Simon & Garfunkel – Don Ellis – The Raiders – Laura Nyro – Nieman – Chicago …

Und wenn man sich überlegt, welch furiosen Start Bands wie Chicago oder Blood, Sweat & Tears hingelegt haben … und wie sie dann nur noch seicht wurden … da könnte man ganz betrübte Augen bekommen …

Hüllentext2

Aha … (aus den „Thesen zum Phänomen Popmusik“)

Titel:

Vorspann: Rock n Roll in der Parodie:
01. Ray Stevens: Bridget The Midget (Stevens) 3.37

Der Blues und seine Einflüsse:
02. David Bromberg: Suffer To Sing The Blues (Bromberg) 3.35
03. Janis Joplin: Summertime (Heyward Gershwin) 1.57

Country & Western Music:
04. Stonewall Jackson: I Washed My Hands In Muddy Waters (Babcock) 1,22
05. Blood, Sweat & Tears: And When I Die (Nyro) 2.58

Soul Music:
06. Janis Joplin: Cry Baby (Ragovoy/Berns) 3.56

Soul Rock – Rock n Roll:
07. The Chambers Brothers:  I Can´t Turn You Loose (Redding) 3.27
08. Johnny Winter: Johnny Be Goode (Berry) 2.44

Cosmicclassicrock:
09. The Flock; Tired Of Waiting (Davies) 4.37

Einflüsse des Free Jazz:
10. Soft Machine: Virtually Part 4 (Hopper) 3.23

Psychedelic Music:
11. The Flock: Green Slice (The Flock) 2.01

New Rock in Schlager- und Jazzfassung:
12. Andy Williams: Fire And Rain (Tayylor) 2.09
13. Blood, Sweat & Tears: Fire And Rain (Taylor) 3.35

Jesus Rock im Country Sound:
14. Johnny Cash: The Preacher Said „Jesus Said“ (Cash) 1.31

Zwischen Pop und Jazz:
15. Blood, Sweat & Tears: God Bless The Child (Holiday/Herzog) 5.54

Welthits – original und in der Bearbeitung:
16. Janis Joplin: Me And BobbyMcGee (Kristofferson/Foster) 4.31
17. Santana: Black Magic Woman (Green) 2.20
18. Simon & Garfunkel: Bridge Over Troubled Water (Simon) 4.52
19. Ray Conniff: Bridge Over Troubled Water (Simon) 2.35
20. Percy Faith: Eleanor Rigby (Lennon/McCartney) 2.03
21. Don Ellis: Hey Jude (Lennon/McCartney) 5.59

Politisches Engagement und Gesellschaftskritik in der Popmusik:
22. Leonard Cohen: The Partisan (Marly/Zaret) 3.16
23. Johnny Cash: Singin In Vietnam Talkin´ Blues  (Cash) 2.58
24. The Raiders: Indian Reservation (Loudermilk) 2.54
25. Laura Nyro: Save The Country (Nyro) 4.34
26. Nieman: Strange Is The World (Nieman) 3.51
27. Chicago:  It Better End Soon (Kath/Lamm) 4.01
28. Chicago: Where Do We Go From Here (Cetera) 2.45

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