Beno Salamander – Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald (2011)

KinderjahreInFöhrenwald01AHeiter ist dieser Beitrag wahrlich nicht … aber auch das Teil dieses blogs … der ja irgendwie so ne Art Bestandsaufnahme deutschen Lebens und deutscher Kultur sein soll.

Und darum geht es:

Das Lager Föhrenwald im Ortsteil Waldram in der Stadt Wolfratshausen in Oberbayern als anfängliche städtische Siedlung wurde zu einem Lager für Zwangsarbeiter und nach 1945 zur einem Lager für Flüchtlinge und ist heute wieder eine Wohnsiedlung.

Erbaut 1937, war die Anlage zunächst eine Wohnsiedlung in Einfamilien- und Reihenhaus-Bauweise zur Unterbringung von Beschäftigten der Sprengstoff- und Munitionsfabriken der Deutschen Sprengchemie GmbH (DSC) und der Dynamit Actien-Gesellschaft (DAG) im Staatsforst von Wolfratshausen. Bei den Beschäftigten handelte es sich um Zwangsarbeiter, Angehörige des Reichsarbeitsdienstes in der Zeit des Nationalsozialismus sowie um zivile Angestellte (vorwiegend in der Verwaltung). Neben dem Lager Föhrenwald existierten in der Nähe noch die Lager Buchberg auf der heute sogenannten Böhmwiese gegenüber dem Rathaus von Geretsried sowie Stein (heute Stadtteil von Geretsried).

Aus dem Lager Föhrenwald entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Auffanglager für so genannte Displaced Persons (DP), die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik entkommen waren. Daher wird das Lager Föhrenwald in der Literatur auch als DP-Lager bezeichnet.

Straße im DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen 1956

Straße im DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen 1956

Unmittelbar nach dem Kriegsende in Bayern wurde das Lager von der amerikanischen Armee zur Unterbringung von befreiten Zwangsarbeitern verwendet. Auch einige Überlebende des Todesmarsches der Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau wurden nach ihrer Befreiung Anfang Mai 1945 im Lager Föhrenwald untergebracht.

Mit der Zeit kamen immer mehr jüdische Überlebende des Holocaust nach Föhrenwald, so dass das Lager im September 1945 zum Jewish Displaced Person Center erklärt wurde.

Plan des Lagers Föhrenwald

Plan des Lagers Föhrenwald

Ab November 1945 übernahm eine internationale Hilfsorganisation, die UNNRA, die Verwaltung aller DP-Lager in der amerikanischen Besatzungszone. Das Lager Föhrenwald wurde danach in weitgehender Selbstverwaltung von einem lokalen Rat unter dem Vorsitz von Henry Cohen geleitet. Diese Veränderungen standen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Vorschläge des Harrison-Reports, der die allgemeine Lage in den DP-Lagern in Deutschland und Österreich scharf kritisiert hatte. Zwischen 1946 und 1948 war Föhrenwald mit ungefähr 5.600 Bewohnern eines der größten DP-Lager in der Amerikanischen Besatzungszone.

Für die meisten Bewohner des Lagers Föhrenwald kam eine Repatriierung in ihre Herkunftsländer oder ein Verbleiben in Deutschland nicht in Frage. Die Mehrheit bemühte sich darum, nach Israel (zunächst noch britisches Mandatsgebiet) beziehungsweise in die Vereinigten Staaten oder Kanada auszuwandern. Viele der Auswanderer kehrten jedoch nach persönlichen Rückschlägen oder infolge von gesundheitlichen Problemen illegal nach Föhrenwald zurück. Ein anderer Teil der Bewohner war durch das erlittene Unrecht geschwächt oder krank. Diese Menschen waren daher dauerhaft auf Unterstützung durch Hilfsorganisationen wie zum Beispiel das American Joint Distribution Committee und die deutsche Fürsorge angewiesen.

Neben denjenigen, die noch auf eine Ausreise warteten, mussten zwischen 1949 und 1953 insgesamt circa 3.500 sogenannte „Rückwanderer“ zeitweise in Föhrenwald untergebracht werden. Dies waren Menschen, die bereits in andere Länder – zumeist nach Israel – ausgewandert waren, die sich jedoch dort keine Existenz hatten aufbauen können, oder aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren mussten.

LageDem Lager Föhrenwald angegliedert war auch eine Barackensiedlung nahe Königsdorf, das ehemalige Hochlandlager, das 1936 für Zwecke der Hitlerjugend und des BDM errichtet worden war. Nach dem Krieg wurden im Hochlandlager von der Hagana Offiziere für die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Staatsgründung Israels ausgebildet.

Ab Dezember 1951 kam das Lager Föhrenwald unter deutsche Verwaltung und wurde zum „Regierungslager für heimatlose Ausländer“ erklärt. Das Lager Föhrenwald wurde offiziell 1956 aufgelöst, die letzten Bewohner verließen das Lager jedoch erst im Februar 1957.

Das Gelände und die Wirtschaftsgebäude waren bereits im Oktober 1955 durch das von Kardinal Joseph Wendel gegründete Diözesansiedlungswerk und die Erzdiözese München und Freising erworben worden, die hier später auch das Spätberufenenseminar St. Matthias mit Gymnasium und Kolleg einrichtete. Ab April 1956 wurden auf dem Gelände heimatvertriebene Familien angesiedelt, so dass zeitweise Displaced Persons und deutsche Heimatvertriebene gemeinsam auf dem Gelände des Lagers Föhrenwald lebten.

Die Gebäude wurden renoviert und zu günstigen Konditionen an Heimatvertriebene und Wolfratshauser Familien verkauft. Im Laufe der Nachkriegszeit entstand so aus dem ehemaligen Lager Föhrenwald seit 7. November 1957 der Wolfratshauser Ortsteil Waldram. (Quelle: wikipedia)

Und ein Beno Salamander (Jahrgang 1944)  hat als Kind in diesem Lager gelebt;

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Wie es dazu kam, dass er dann schlußendlich seine Erinnerungen an jene Jahre aufzeichnete (veröffentlicht von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit dem Jüdischem Museum, München, 80 Seiten), ist mir grad nicht bekannt, aber es sind wertvolle Erinnerungen, denn Geschichte ist immer auch die Geschichte von Individuen und ganz sicher nicht nur die Geschichte von großen Konferenzen und Plenardebatten.

Beno Salamander kam mit seiner Familie 1951 nach Föhrenwald:
„War das Leben für uns Kinder unbeschwert und voller Abenteuer, so war es für die Erwachsenen bedrückend und voller Entbehrungen: Ein Provisorium mit einer ungewissen Zukunft,“ schreibt Beno Salamander und erzählt auf bewegende Weise über das Leben in einem DP Lager. Er erzählt von den Freundschaften zu anderen DP-Kindern, die teilweise bis heute noch bestehen, aber auch von der schweren Krankheit seiner Mutter. Wer das Leben in einem DP-Lager einmal durch Kinderaugen sehen möchte, dem sei die Lektüre „Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald“ von Beno Salamander empfohlen.

Und nachdem ich mehr als 20 Jahre genau in jener Gegend (also Geretsried und Wolfratshausen) gelebt habe, packt mich das Thema ganz besonders, insbesondere weil ich mich damals sehr wenig über jenen historischen Ort gekümmert habe … Das will und kann ich hier nun ein wenig nachholen.

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Das Zeugnis des Beno Salamanders aus dem Jahr 1951

Das Zeugnis des Beno Salamanders aus dem Jahr 1951

Kinderheilstätte, Ruhpolding (1952)

Kinderheilstätte, Ruhpolding (1952)

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Benno Salamander signiert sein Buch (2012)

Beno Salamander signiert sein Buch (2012)

Und heute ist er wohl ein erfolgreicher Internist.

Und heute ist er wohl ein erfolgreicher Internist (ich gehöre nicht zu seinen Patienten, da ich ein Kassen-und kein Privatpatient bin).

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Prospekt der Wanderausstellung

Prospekt der Wanderausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“

 

Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. – Nichts ist vergessen Gespräche mit deutschen und russischen Kriegsteilnehmern (2012)

TitelFür mich sind solche Schriften weiterhin unverzichtbar zum Verständnis unseres Landes und damit im weitesten Sinne auch zum Verständnis unserer eigenen Biographie, auch wenn wir nicht unmittelbar von den Schrecken des II. Weltkrieges betrioffen waren, mittelbar aber schon !

Fast 70 Jahre (diese Zahl bezieht sich auf das Veröffentlichungjsahr dieser Broschüre) nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Zahl derjenigen, die noch Kriegserlebnisse aus erster Hand erzählen können, naturgemäß immer geringer. 19 Kriegsteilnehmer und eine Kriegsteilnehmerin aus Russland und Deutschland geben Auskunft – vielleicht zum letzten Mal.

Wie war ihre persönliche Entwicklungsgeschichte? Wie haben sie gedacht und gefühlt, was hatten sie für Träume und Ziele? Um die Erfahrungen vergleichen zu können, wurden den Zeitzeugen von deutschen und russischen Schülern entwickelte Fragen vorgelegt. Denn diese haben Fragen – und immer weniger Möglichkeiten, noch etwas aus erster Hand zu erfahren.

Die Antworten geben Einblicke in eine gar nicht einmal so unterschiedliche Welt der Gedanken, Wünsche und Träume. Sie verweisen aber auch ganz direkt auf die schrecklichen Seiten des Krieges. Für die Angehörigen einer Generation, die über 60 Jahre in Frieden und Wohlstand lebt, sind die von diesen Zeitzeugen gemachten Erfahrungen heute jenseits des Vorstellbaren.

Alle Befragten haben die Schrecken des Krieges überstanden und zu meist ein gutes, ein erfülltes berufliches und privates Leben führen können. Der Krieg ihrer Jugend allerdings hat sie kaum losgelassen. Was ihnen allen gemein ist, ist nicht von ungefähr der Wunsch, dass die Schrecken und die Opfer des Krieges nicht vergessen werden. Sie alle haben Sehnsucht nach einem wirklich sicheren Frieden. (aus dem Vorwort)

Ein beeindruckendes, zuteifst menschliches, immer wieder erschütterndes Buch … viel eindrucksvoller kann ein Buch gegen den Krieg nicht sein !

Wie gewohnt, hier erst mal ein paar Eindrücke aus dieses Buches (194 Seiten) bevor er dann zur Präsentation geht.

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Anna Maerzalek + Monika Bednarek – Die Emaille-Fabrik von Oskar Schindler (2014)

EmailleFrabrikVonOskarSchindler_01AVor 5 Jahren war ich mal in Krakau … und dort waren wir so ziemlich die ganze Zeit unterwegs. Eine der Unternehmungen war eine dreistündigen Führung, die sich den jüdischen Wurzeln dieser Stadt widmete. Am Ende der Führung standen wir dann vor der ehemaligen „Emaille-Fabrik von Oskar Schindler“:

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau erinnert nun an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden.
Eine Straßenszene aus dem Krakau der Vorkriegszeit (Foto: Muzeum Historyczne Miasta Krakowa)

Eine Zeitreise durch das Krakau der 30er und 40er Jahre

Das Museum befindet sich in einem Industriegebiet in Krakau. Es ist kein typischer Ort für Touristen. Trotzdem strömen zahlreiche Besucher in diese Gegend. Touristenbusse kurven durch die holprigen Straßen. Der Grund: Hier befindet sich die ehemalige Fabrik Oskar Schindlers.

Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg hatte den deutschen Industriellen berühmt gemacht. Er drehte 1993 an den Originalschauplätzen in Krakau den Film ‚Schindlers Liste‘, der vom heldenhaften Einsatz des Unternehmers zur Rettung seiner jüdischen Belegschaft erzählt. Damals standen die Besucher vor verschlossenen Toren und schauten sich das Fabrikgelände von außen an. Seit dem Sommer dieses Jahres steht das Gebäude allen Besuchern offen.

Die Stadt Krakau hat das ehemalige Fabrikgelände zu einem Museum umgewandelt und in diesem Sommer die erste ständige Dauerausstellung über das Leben in dem von den Nazis besetzten Krakau unter dem Motto „Krakau – Okkupationszeit 1939-1945“ eröffnet.

Das Fabriktor im Jahr 1942

Das Fabriktor im Jahr 1942

 

Die Ausstellung zeige die Geschichte der Person Oskar Schindlers und seiner Arbeiter. „Sie sind Hauptprotagonisten dieser Ausstellung. Aber nicht die Einzigen.“ Stellt Monika Bednarek, Kuratorin der Dauer-Ausstellung, klar. Die Ausstellung ist allen von der Nazi-Okkupation in der Stadt Betroffenen gewidmet. Das Schicksal der jüdischen Arbeiter und Angestellten in Schindlers Fabrik wird in diesem Gesamtkontext dargestellt.

Oskar Schindler lebte von 1908 bis 1974. Er war als Sohn einer deutschen Fabrikantenfamilie geboren worden. Im Oktober 1939 – nach der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland – erwarb er in Krakau eine Emaillewarenfabrik, die bis zur angeordneten Arisierung in jüdischem Besitz gewesen war. Er produzierte Blechgeschirr und später Hülsen und Zünder für die Rüstungsindustrie.

Schindler profitierte von der Arisierung jüdischen Besitzes und verdiente durch Schwarzhandel in den kommenden Jahren ein Vermögen. Trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft wurde sich Schindler der grausamen Lage der Juden zunehmend bewusst. Er beschäftigte in seiner Fabrik rund 1.200 Zwangsarbeiter, die er auf seine berühmte Liste setzte und damit als ‚unerlässlich‘ für die Kriegsproduktion der Nazis deklarierte. Dadurch rettete er seine jüdischen Mitarbeiter vor dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern.

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Deutsche Soldaten verspotten einen Juden in Krakau

Nach dem Krieg wurde Schindlers Emaillenfabrik verstaatlicht und 1947 übernahm der Telekommunikations-Ausrüster ‚TELPOD‘ die Anlagen. Im Jahr 2002 gab Telpod die dortige Fabrikation auf. Drei Jahre später kaufte die Stadt Krakau das Fabrikgelände und der Stadtrat beschloss, die Fabrik in ein Museum umzuwandeln. Mit Hilfe von EU-Geldern wurde das Gebäude renoviert. Die Ausstellung selbst finanziert sich aber ausschließlich aus der Stadtkasse, erklärt die Kuratorin Bednarek.

Die Ausstellung beginnt im Krakau der 30er Jahre, in einem Fotoatelier. Auf den Fotos sind schicke Frauen beim Spaziergang und gut gelaunte Juden auf dem Weg zur Synagoge zu sehen. Es herrscht die noch fröhliche Stimmung der Vorkriegszeit. „Wir zeigen zuerst die Geschichte vor dem Krieg, so wird verständlicher, was sich während des Krieges hier ereignete“, erklärt Bendarek das Konzept der Ausstellung.

Am 6. September 1939 marschierten deutsche Soldaten in die polnische Stadt ein. Chronologisch erzählt die Ausstellung die Geschichte der Stadt Krakau während des 2. Weltkrieges. So erfährt der Besucher von der Festnahme der fast 200 Wissenschaftler an der Universität Krakaus durch die Nazis im November 1939. Im weiteren Verlauf der Ausstellung wird der Besucher eindrucksvoll in einen Bunker, in das jüdische Ghetto oder in den Hauptbahnhof der Stadt versetzt, von wo aus die jüdische Bevölkerung deportiert wurde.

Bühnenbildner und Theaterregisseure haben die Ausstellung gestaltet. Lebensgroße Wandbilder, digitale Displays und Multimedia-Touchscreens sollen dabei helfen, die Gräueltaten dieser Zeit visuell und akustisch zu vermitteln.

Mit dieser Technik hoffen die Ausstellungsmacher auch Jugendliche auf direkterem Wege zu erreichen und besser anzusprechen. „Das macht die Ausstellung für sie attraktiver“, ist Grzegorz Jezowski überzeugt, der die Ausstellung mitgestaltet hat.

Die Person Oskar Schindler selbst kommt in der Ausstellung nur kurz vor. Seine Geschichte wird im ehemaligen Sekretariat seiner Fabrik anhand von Fotos, Dokumenten und Originalmöbeln erzählt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer durchsichtiger Würfel gefüllt mit Blechtöpfen, -schüsseln und -tellern, die damals in Schindlers Fabrik produziert wurden. Diese Installation soll die Geschichte des Unternehmers und seiner Arbeiter symbolisieren. Im Inneren hängen die Namen von rund 1200 jüdischen Zwangsarbeitern, denen Schindler das Leben gerettet hat.

Steven Spielberg machte den Namen Schindlers unsterblich. In Krakau hat er dem deutschen Industriellen ein Denkmal gesetzt. Die Stadt Krakau hält nun ihrerseits die Erinnerung an ihn und das Schicksal der Krakauer Juden auf eindruckvolle Weise am Leben. (Justyna Bronska, Deutsche Welle)

Und zu recht kommt die Person „Oskar Schindler“ in dieser beeindruckenden und zugleich deprimierenden Ausstellung nur beiläufig vor. Viel wichtiger war und ist die ausführliche Dokumentation jener Jahre, die bis heute unfassbare Jahre sind.

Und der Oskar Schindler, ja, er war wohl eine facettenreiche Person, Hedonist und Weiberheld (seine Ehe blieb kinderlos, dafür hatte er von der Sekratärin seines Vaters gleich 2 nicht eheliche Kinder !) und sein Wandel vom Saulus zum Paulus (sofern man überhaupt soweit gehen möchte) geschah wohl bei dem Umgang der Nazischergen mit Kindern im Krakauer Ghetto.

Leopold Page + Oskar Schindler

Leopold Page + Oskar Schindler

Unabhängig von seiner ganzen Zwiespältigkeit hat er dann nach dem Krieg viel Dankbarkeit erlebt. Stellvertretend für so viele sagte z.B. Leopold „Poldek“ Pfefferberg (* 20. März 1913 in Krakau; † 9. März 2001 in Beverly Hills, Los Angeles), auch bekannt unter dem Namen Leopold Page, einer der geretteten Juden in aller Schlichtheit: „Schindler rettete mir mein Leben, und ich versuche nun, ihm Unsterblichkeit zu geben“. Und dies war ihm Motivation genug, die „Oskar Schindler Humanities Foundation“ zu gründen. Er begründete dies mit den Worten: „Nur wenn diese Organisation Wirklichkeit ist, werde ich meine Verpflichtungen erfüllt haben. Denn wenn ich nicht mehr am Leben bin und die Schindler-Juden ebenfalls verstorben sind, wird diese Organisation und ihr Zweck immer noch bestehen“. (Quelle: wikipedia)

Wichtiger erscheint mir da fast der Apotheker Tadeusz Pankiewicz (* 21. November 1908 in Sambir; † 5. November 1993 in Krakau) war ein polnischer Pharmazeut, Absolvent der Jagiellonen-Universität und Besitzer der Apotheke Pod Orłem (Unter dem Adler) in Krakau. Als nach der deutschen Besetzung Polens in Krakau ein „jüdisches Wohnviertel“ eingerichtet wurde, fand sich seine Apotheke im abgezäunten Bereich des Krakauer Ghettos wieder. Da Pankiewicz sich erfolgreich, unter anderem mit Schmiergeld, gegen eine Verlegung der Apotheke wehrte, überstand die Apotheke die zweieinhalb Jahre des Ghettos von 1941 bis 1943. Die Apotheke überstand auch die weiteren Kriegsjahre und wurde 1951 in der Volksrepublik Polen verstaatlicht. In den 1980er Jahren wurde ein kleines Museum eingerichtet.

Für seinen Einsatz und die Hilfe bei der Rettung von Juden, vor ihrer Ermordung im Holocaust, wurde Pankiewicz 1983 mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Seine Kriegserinnerungen beschrieb er in dem Buch Apteka w getcie krakowskim (Erstausgabe 1947). Sein Grab befindet sich auf dem Rakowicki-Friedhof in Krakau. (Quelle: wikipedia)

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz im Krakauer Ghetto

Von daher wird hier nochmals ganz sicher ein wenig ausführlicher von diesem Oskar Schindler die Rede sein, jetzt aber erstmal – weil eben wichtiger – der deutsche Museumskatalog zu o.g. Ausstellung:

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Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

Soldaten der Roten Armee vor dem Hintergrund der Krakauer Barbakane, 1945

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Harry Stein + Udo Wohlfeld – Sozialdemokraten gegen Hitler – Die Widerstandsgruppe Nehrling-Eberling in Weimar (2003)

SozialdemokratenGegenHitler01ADa schreibt einer am 23.12.1943 einen Brief an seine Frau, und der geht so los:

„Meine liebe Heddy !

Ein schönes Weihnachtsfest ! Ich werde heute früh aus Stadelheim (das Gefängnis in München) abgeholt u. soeben wurde mir eröffnet, daß das gegen mich ergangene Todesurteil heute um 14 Uhr vollstreckt wird.“

Und dieser jemand war Kurt Nehrling:

Im Durchgang zur Wohnanlage befand sich in der NS-Zeit auf der rechten Seite ein Wäschegeschäft, das Kurt Nehrling gemeinsam mit seiner Frau Hedwig führte. Kurt Nehrling, 1899 in Weimar geboren, trat bereits im Alter von 19 Jahren in die SPD ein. Der gelernte Schlosser war als Beamter im Öffentlichen Dienst tätig, bis er 1933 aus politischen Gründen in den Wartestand (eine Art einstweiligen Ruhestand) versetzt wurde. Um seine Familie zu ernähren, gründete er das Wäschegeschäft, das sich zu einem Treffpunkt für Weimarer Sozialdemokraten entwickelte. Um Kurt Nehrling und Hans Eberling, einen ehemaligen SPD-Unterbezirkssekretär, bildete sich eine Widerstandsgruppe, der sich vor allem junge Frauen und Männer aus der nunmehr verbotenen Sozialistischen Arbeiterjugend anschlossen. Die Mitglieder trafen sich in Privatwohnungen, tauschten verbotene Bücher und selbstverfasste Druckschriften aus und hielten Kontakt zu Sozialdemokraten in anderen Städten. 1939 wurde Nehrling als Buchhalter für die Polizeikasse wieder in den Landesdienst verpflichtet.

KurtNehrlingAls er an seinem Arbeitsplatz Kritik am NS-Regime übte, wurde er 1942 von Mitarbeitern denunziert. Äußerungen wie die, dass die Sowjetunion den Krieg nicht begonnen habe, sondern sich verteidige, deutete das Oberste SS- und Polizeigericht als „Wehrkraftzersetzung“. Im September 1943 wurde Kurt Nehrling zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1943 im KZ Dachau ermordet. (Quelle: .weimar-im-ns.de)

SozialdemokratenGegenHitler06AUnd in Weimar habe ich eine extrem liebevoll gestaltete Broschüre (66 Seiten) gefunden. Herausgegeben wurde sie vom SPD Kreiverband Weimar, die Autoren waren Harry Stein und Udo Wohlfeld und die beiden trieben Geschichtsforschung der feinsten Art. Sie berichten über die „Widerstandsgruppe Nehrling-Eberling in Weimar“, wobei der Fokus eindeutig auf der Biographie von Kurt Nehrling liegt.

So erfahren wie er in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, wie er im I. Weltkrieg war, wie er wegen einer Lungentuberkulose aus dem Militärdienst ausscheiden musste und wie er dann 1919 Mitglied der SPD wurde. Wie er später dann mit seinr 2. Frau (seine 1. Frau sarb 1923 bei der Geburt des zweiten Kindes) eine Wäschegeschäft am Zeppelinplatz in Weimar betrieb.

Und wie er – ohne jemals groß als Widerstandskämpfer hervorgetreten ist, als Sozialdemokrat im III. Reich seinen Weg suchte zwischen Anpassung und (innerer) Rebellion gegen das Nazi-Regime.

Und wie ihm ein paar kritische Worte das Genick brachen, weil Denunzianten nichts besseres zu tun hatten, seine „frevelhaften“ Theorien weterzumelden.

Belegt wird das alles mit einer mustergültigen Sammlung von Dokumenten. Am erschreckendsten ist wohl das ausführliche Urteil, in em die Todesstrafe begründet wird.

Diese Broschüre ist wahrlich keine leichte Kost und mir schnürte es mehr als einmal den Hals zu …  Aber diese Broschüre ist ein wichtiges Dokument, und ein Zeugnis für all jene aufrechten Menschen in diesen Jahren … deren Zivilcourage gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Ergänzt wird die Broschüre dann natürlich auch noch um die Person Hans Eberling und all die anderen Sympathisanten, die sich damals in Weimar auf aufrechte Sozialdemokraten immer wieder quasi konsiparativ trafen, um sich zu stützen und zu stärken, angesichts der braunen Übermacht.

Kurth Nehrling: eine deutsche Biographie, von der man sich nur verneigen kann …

Hier ein paar erste Eindrüke von der Broschüre, die ich nur jedem dringend ans Herz legen möchte:

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Gnadengesuch

Das ist die Sprache der Herrenmenschen

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Michaela Melián – Föhrenwald (2005)

FrontCover1Ich habe in diesem blog schon mal über die Siedlung Föhrenwald berichtet und zwar hier.

Und das ist die Geschichte der Siedlung Föhrenwald:

Das Displaced Person (DP)-Lager “Föhrenwald” bei Wolfratshausen wurde im Frühjahr 1945 von den Amerikanern in den Arbeiterheimen der ehemaligen IG-Farben Munitionsfabrik eingerichtet. Dort waren bereits kurz zuvor die wenigen Überlebenden des Dachauer Todesmarsches untergebracht worden.

In Bayern existierten kurz nach Kriegsende fast 60 solcher Auffanglager für so genannte Displaced Persons. Als DPs bezeichneten die Alliierten Menschen, die infolge des Krieges aus ihren Heimatländern verschleppt, geflüchtet oder vertrieben worden waren. Deutsche Heimatvertriebene zählten nicht dazu.

Die DPs sollten auf die Auswanderung nach Palästina oder in andere Staaten wie USA, Kanada oder Südamerika vorbereitet werden. Die Mehrheit der anfänglich sechseinhalb bis sieben Millionen DPs in Deutschland verließ diese Lager noch bis September 1945. Eine Million Flüchtlinge und Zwangsarbeiter aus Osteuropa, aber auch rund 150.000 jüdische Überlebende blieben. Diese heimatlos gewordenen Opfer des nationalsozialistischen Regimes hatten zum großen Teil ihre übrige Familie in den Konzentrationslagern verloren. Viele konnten wegen des in Polen weiterhin bestehenden Antisemitismus nicht in ihre Heimatorte zurückkehren, die auch größtenteils durch den Krieg zerstört worden waren.

Karte

Das Lager Föhrenwald wurde von den Alliierten ausschließlich für Juden bestimmt. Anfang 1946 lebten dort bis zu 4.000 DPs, im Winter 1951/52 noch immer 2.000. Föhrenwald wurde 1957 als letztes DP-Lager in Deutschland geschlossen. Heute ist es als Ortsteil Waldram der Stadt Wolfratshausen angegliedert. (Quelle: badehauswaldram.de)

Und diese Siedlung für diese geschundenen Opfern des Nazi-Terrors war dann auch für die Künstlerin Michaela Melián Anlass genug,

Michaela Melián (* 15. Juni 1956 in München) ist eine deutsche Künstlerin und Musikerin. Sie ist Mitgründerin der Band F.S.K. und seit 2010 Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg.

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Das Gelände von Föhrenwald, ca. 1956

Michaela Melián wuchs in München auf. Sie studierte Bildende Kunst und Musik (Cello) in München und London. Über die Zeitschrift Mode und Verzweiflung lernte sie Ende der 1970er Jahre Thomas Meinecke, Justin Hoffmann und Wilfried Petzi kennen, mit denen sie die Zeitschrift herausgab. 1980 gründeten die vier ihre Band F.S.K., mit der Melián als Sängerin und Bassistin durch Europa und in die USA tourte. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet sie als Künstlerin, Musikerin und lehrte zuvor an verschiedenen Universitäten: Akademie der Bildenden Künste, München (1998–1999), der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HfbK, 2006–2008) und an der ETH Zürich (2008–2009).

Michaela Melián 2015

Michaela Melián, 2015

Ihre Produktion, das Hörspiel Föhrenwald, das sich mit dem ehemaligen Lager Föhrenwald beschäftigt, wurde Hörspiel des Monats Juli 2005, gewann im November 2005 den Publikumspreis ARD-Online-Award der ARD-Hörspieltage und wurde mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2005 ausgezeichnet. Das Hörspiel wurde Hörspiel des Jahres 2008. 2009 sang sie auf dem Album „Die Entstehung der Nacht“ von der Hamburger Punkband Die Goldenen Zitronen.

Mit ihrem Konzept Memory Loops gewann Michaela Melián 2008 den Kunstwettbewerb der Landeshauptstadt München „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst verwirklicht und als Hörspiel des Jahres 2010 ausgezeichnet. 2012 erhielt Memory Loops den Grimme Online Award SPEZIAL. „Memory Loops – 300 Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München 1933–1945“ basiert auf Transkriptionen historischer und aktueller Originaltöne von NS-Opfern und Zeitzeugen. Michaela Melián entwickelt daraus Collagen aus Stimmen und Musik, die mit der Topographie des Nationalsozialismus in München verknüpft sind. Sie können entweder einzeln mit Standortbezug gehört werden oder in einer Einheit als gestaltetes Hörspiel. Neben den deutschen Tonspuren sind auch 175 Zeitdokumente in Englisch abrufbar.

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Melián lebt mit Ehemann Thomas Meinecke in Oberbayern.

Typisch für Meliáns Arbeiten sind Verbindung von Kunstobjekten und Klang. Ähnlich wie in der Musik von F.S.K. greift sie historische Geschichten, die oft auf eine bestimmte örtliche Gegebenheit bezogen oder mit einer bestimmten musikalischen Assoziation verbunden sind, auf und verfremdet sie, so dass von der ursprünglichen Assoziation nur überlagerte Spuren übrig bleiben. (Quelle: wikipedia)

Booklet06ASo eine Hörbuch nennt man heutzutage wohl „oral history“ und viel eindringlicher geht es nicht mehr:

Es klingt wie Hohn: Eine von Nationalsozialisten Ende der 30er Jahre erbauten Musterwohnsiedlung namens „Föhrenwald“, etwa dreißig Kilometer südlich von München gelegen und für Zwangsarbeiter der nahen Munitionsfabrik gedacht, diente nach dem Zweiten Weltkrieg als exterritoriale Siedlung für „Displaced Persons“ jüdischer Abstammung. Menschen am falschen Ort – Verschleppte oder Zwangsumgesiedelte, Überlebende des Holocaust, die auch in Nachkriegsdeutschland eigentlich nicht erwünscht waren und darauf warteten, endlich in einen neu zu gründenden jüdischen Staat auswandern zu können. Sie „durften“ mit einer geringfügigen Veränderung ihres Status´ hinter genau dem Stacheldraht verbleiben, den die Zwangsarbeiter der Rüstungsindustrie während der Naziherrschaft täglich vor Augen hatten.

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In dieser Siedlung wurden die Straßen und Plätze mehrmals umbenannt. Der einstmalige „Adolf-Hitler-Platz“ hieß beispielsweise später „Roosevelt Straße“ und schließlich „Seminarplatz“. Das Camp existierte bis 1957.Die wechselhafte Realität animierte die Künstlerin und Musikerin Michaela Melián zu dem multimedialen Projekt „Föhrenwald“, dessen Hörspielpart 2005 vom Bayerischen Rundfunk produziert wurde. Melián erhielt dafür den „Online Award 2005“ der ARD-Hörspieltage. Darüber hinaus wurde es von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt im Juli 2005 als Hörspiel des Monats ausgezeichnet. Im Mai 2006 erhielt die Arbeit den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“.Individuelle, professionelle Sprecherinnen und Sprecher erzählen vom Lagerleben: Erinnerungen von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern sowie Berichte aus der Entstehungszeit der Siedlung. Das Ganze sachlich und ohne große Emotionen. Der ständige Fluss der Musik lässt kontinuierlich die Lebenslinien einzelner namenloser Schicksale im Hintergrund vorbeiströmen. Fragmente aus den Werken von Bach, Schubert, Mendelssohn-Bartholdy und Beethoven werden kollagiert zu einem Ambient-Soundtrack, der beinahe tranceartige Stimmung erzeugt. (Klaus Hübner)

Kurz und bündig: Ein kleines und zugleich großes Meisterwerk !

Booklet04ABesetzung (Sprecher):

Philip Götz – Leonie Hofmann – Gabriel Hecker – Marion Breckwoldt – Peter Brombacher – Eva Gosciejewicz – Hans Kremer – Anna Barbara Kurek – Stefan Merki – Stefan Zinner

Musik: Michaela Melián + Carl Oesterhelt

Realisation: Michaela Melián

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Hauptgebäude Föhrenwald, ca. 1956

Titel:
01. Föhrenwald 50.40

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Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das ehemalige Zwangsarbeiterlager Föhrenwald von den Amerikanern in ein DP-Lager umgewandelt. Diejenigen, die den Holocaust überlebt hatten und zu schwach, zu krank oder zu arm waren, um Deutschland, das Land der Täter, sofort zu verlassen, fanden hier eine Unterkunft. Föhrenwald wurde erst 1957 geschlossen, es existierte länger als die anderen DP-Lager in Bayern.

Die Umbenennung von Straßen und Plätzen bei wechselnden politischen oder hierarchischen Veränderungen dient ganz vorneweg einer auch optisch favorisierten Hegemonie neuer Machtverhältnisse. Man kann das in Diktaturen genauso beobachten wie in Volksdemokratien oder adliger Herrschaftsmacht. Sehr deutlich wird diese Praxis im Hörspiel „Föhrenwald“ von Michaela Melián herausgestellt.

Alexander Fuhrmann – Es brennt, Brüder, es brennt… – „Reichskristallnacht“ – 9.10. November 1938 (TV Dokumentation) (1988)

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Mit den Novemberpogromen 1938 trieben die Nationalsozialisten ihren „Krawallantisemitismus“ auf die Spitze und gingen zum offenen Terror über. Hunderte Synagogen brannten nieder, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, 91 Menschen starben. Tausende Juden wurden in KZ verschleppt.

„Reichskristallnacht“ nannte der Volksmund die Ausschreitungen gegen Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Die Propaganda des Joseph Goebbels sprach vom „spontanen Volkszorn“, doch die Terrorakte waren reichsweit bestens organisiert. Aktivisten der NSDAP zündeten hunderte Synagogen an, zerstörten jüdische Geschäfte und Wohnungen. Es kam zu Plünderungen, 91 Menschen wurden getötet, rund 30.000 jüdische Männer vorübergehend in Konzentrationslager verschleppt. Als Vorwand für die Aktionen diente die Ermordung des deutschen Legationsrates Ernst vom Rath in Paris. Mit dem Attentat hatte der 17-jährige Jude Herschel Grynspan auf die Abschiebung seiner Familie aus Deutschland nach Polen reagiert.

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Die Sendung beleuchtet nicht nur Ursachen und Geschehnisse der “Reichskristallnacht”, sie macht auch deutlich, dass der rassistische Antisemitismus Staatsdoktrin im „Dritten Reich“ war. Die Hetz- und Diffamierungskampagnen der Nationalsozialisten fielen auf einen fruchtbaren Boden, viele Deutsche beteiligten sich an der Judenverfolgung und profitierten von der „Arisierung“ jüdischen Besitzes. Zwei Zeitzeugen kommen zu Wort: Alfred Jachmann, der später nach Auschwitz deportiert wurde, und die Berliner Ärztin Hertha Nathorff, der es gelang, Deutschland zu verlassen. (Quelle: Pressetext)

Das Thema ist hinlänglich bekannt, daran zu erinnern bleibt dennoch eine vordringliche Aufgabe.

Und auch bei dieser Dokumentation wird überdeutlich, dass die erst subtile, späer dann brutale Verfolgung der Juden land auf, landab öffentlich propagiert wurde.

Von wegen: „Ich habe von nichts gewusst“.

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Besetzung:

Sprecher:
Anja Buczkowski
Gert Heidenreich

Buch und Regie: Alexander Fuhrmann

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Die Synagoge in der Frankfurter Altstadt (Max Beckmann)

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Die Synagoge in der Frankfurter Altstadt (09.11.1938)

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Er überlebte Ausschwitz … er verstarb dann im Juli 2002

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„Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein
Jud
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
(Martin Niemöller)

Beno Salamander – Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald (2011)

KinderjahreInFöhrenwald01AHeiter ist dieser Beitrag wahrlich nicht … aber auch das Teil dieses blogs … der ja irgendwie so ne Art Bestandsaufnahme deutchen Lebens und deutscher Kultur sein soll.

Und darum geht es:

Das Lager Föhrenwald im Ortsteil Waldram in der Stadt Wolfratshausen in Oberbayern als anfängliche städtische Siedlung wurde zu einem Lager für Zwangsarbeiter und nach 1945 zur einem Lager für Flüchtlinge und ist heute wieder eine Wohnsiedlung.

Erbaut 1937, war die Anlage zunächst eine Wohnsiedlung in Einfamilien- und Reihenhaus-Bauweise zur Unterbringung von Beschäftigten der Sprengstoff- und Munitionsfabriken der Deutschen Sprengchemie GmbH (DSC) und der Dynamit Actien-Gesellschaft (DAG) im Staatsforst von Wolfratshausen. Bei den Beschäftigten handelte es sich um Zwangsarbeiter, Angehörige des Reichsarbeitsdienstes in der Zeit des Nationalsozialismus sowie um zivile Angestellte (vorwiegend in der Verwaltung). Neben dem Lager Föhrenwald existierten in der Nähe noch die Lager Buchberg auf der heute sogenannten Böhmwiese gegenüber dem Rathaus von Geretsried sowie Stein (heute Stadtteil von Geretsried).

Aus dem Lager Föhrenwald entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Auffanglager für so genannte Displaced Persons (DP), die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik entkommen waren. Daher wird das Lager Föhrenwald in der Literatur auch als DP-Lager bezeichnet.

Straße im DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen 1956

Unmittelbar nach dem Kriegsende in Bayern wurde das Lager von der amerikanischen Armee zur Unterbringung von befreiten Zwangsarbeitern verwendet. Auch einige Überlebende des Todesmarsches der Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau wurden nach ihrer Befreiung Anfang Mai 1945 im Lager Föhrenwald untergebracht.

Mit der Zeit kamen immer mehr jüdische Überlebende des Holocaust nach Föhrenwald, so dass das Lager im September 1945 zum Jewish Displaced Person Center erklärt wurde.

Plan des Lagers Föhrenwald

Ab November 1945 übernahm eine internationale Hilfsorganisation, die UNNRA, die Verwaltung aller DP-Lager in der amerikanischen Besatzungszone. Das Lager Föhrenwald wurde danach in weitgehender Selbstverwaltung von einem lokalen Rat unter dem Vorsitz von Henry Cohen geleitet. Diese Veränderungen standen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Vorschläge des Harrison-Reports, der die allgemeine Lage in den DP-Lagern in Deutschland und Österreich scharf kritisiert hatte. Zwischen 1946 und 1948 war Föhrenwald mit ungefähr 5.600 Bewohnern eines der größten DP-Lager in der Amerikanischen Besatzungszone.

Für die meisten Bewohner des Lagers Föhrenwald kam eine Repatriierung in ihre Herkunftsländer oder ein Verbleiben in Deutschland nicht in Frage. Die Mehrheit bemühte sich darum, nach Israel (zunächst noch britisches Mandatsgebiet) beziehungsweise in die Vereinigten Staaten oder Kanada auszuwandern. Viele der Auswanderer kehrten jedoch nach persönlichen Rückschlägen oder infolge von gesundheitlichen Problemen illegal nach Föhrenwald zurück. Ein anderer Teil der Bewohner war durch das erlittene Unrecht geschwächt oder krank. Diese Menschen waren daher dauerhaft auf Unterstützung durch Hilfsorganisationen wie zum Beispiel das American Joint Distribution Committee und die deutsche Fürsorge angewiesen.

Neben denjenigen, die noch auf eine Ausreise warteten, mussten zwischen 1949 und 1953 insgesamt circa 3.500 sogenannte „Rückwanderer“ zeitweise in Föhrenwald untergebracht werden. Dies waren Menschen, die bereits in andere Länder – zumeist nach Israel – ausgewandert waren, die sich jedoch dort keine Existenz hatten aufbauen können, oder aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren mussten.

LageDem Lager Föhrenwald angegliedert war auch eine Barackensiedlung nahe Königsdorf, das ehemalige Hochlandlager, das 1936 für Zwecke der Hitlerjugend und des BDM errichtet worden war. Nach dem Krieg wurden im Hochlandlager von der Hagana Offiziere für die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Staatsgründung Israels ausgebildet.

Ab Dezember 1951 kam das Lager Föhrenwald unter deutsche Verwaltung und wurde zum „Regierungslager für heimatlose Ausländer“ erklärt. Das Lager Föhrenwald wurde offiziell 1956 aufgelöst, die letzten Bewohner verließen das Lager jedoch erst im Februar 1957.

Das Gelände und die Wirtschaftsgebäude waren bereits im Oktober 1955 durch das von Kardinal Joseph Wendel gegründete Diözesansiedlungswerk und die Erzdiözese München und Freising erworben worden, die hier später auch das Spätberufenenseminar St. Matthias mit Gymnasium und Kolleg einrichtete. Ab April 1956 wurden auf dem Gelände heimatvertriebene Familien angesiedelt, so dass zeitweise Displaced Persons und deutsche Heimatvertriebene gemeinsam auf dem Gelände des Lagers Föhrenwald lebten.

Die Gebäude wurden renoviert und zu günstigen Konditionen an Heimatvertriebene und Wolfratshauser Familien verkauft. Im Laufe der Nachkriegszeit entstand so aus dem ehemaligen Lager Föhrenwald seit 7. November 1957 der Wolfratshauser Ortsteil Waldram. (Quelle: wikipedia)

Und ein Beno Salamander (Jahrgang 1944)  hat als Kind in diesem Lager gelebt;

KurzbiographieBenoSalamanderWie es dazu kam, dass er dann schlußendlich seine Erinnerungen an jene Jahre aufzeichnete (veröffentlicht von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit dem Jüdischem Museum, München, 80 Seiten), ist mir grad nicht bekannt, aber es sind wertvolle Erinnerungen, denn Geschichte ist immer auch die Geschichte von Individuen und ganz sicher nicht nur die Geschichte von großen Konferenzen und Plenardebatten.

Beno Salamander kam mit seiner Familie 1951 nach Föhrenwald:
„War das Leben für uns Kinder unbeschwert und voller Abenteuer, so war es für die Erwachsenen bedrückend und voller Entbehrungen: Ein Provisorium mit einer ungewissen Zukunft,“ schreibt Beno Salamander und erzählt auf bewegende Weise über das Leben in einem DP Lager. Er erzählt von den Freundschaften zu anderen DP-Kindern, die teilweise bis heute noch bestehen, aber auch von der schweren Krankheit seiner Mutter. Wer das Leben in einem DP-Lager einmal durch Kinderaugen sehen möchte, dem sei die Lektüre „Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald“ von Beno Salamander empfohlen.

Und nachdem ich mehr als 20 Jahre genau in jener Gegend (also Geretsried und Wolfratshausen) gelebt habe, packt mich das Thema ganz besonders, insbesondere weil ich mich damals sehr wenig über jenen historischen Ort gekümmert habe … Das will und kann ich hier nun ein wenig nachholen.

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Das Zeugnis des Beno Salamanders aus dem Jahr 1951

Kinderheilstätte, Ruhpolding (1952)

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Benno Salamander signiert sein Buch (2012)

Und heute ist er wohl ein erfolgreicher Internist.

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Prospekt der Wanderausstellung