Dorothee Oberlinger – Flauto Veneziano (2012)

FrontCover1Ja, ja, die gute alte Blockflöte …, dass sie weitaus mehr kann, als nur Kinderliedchen zu trillern oder auch zur Weihnachtszeit zu erklingen, demonstriert dieses Album auf atemberaubende Weise:

Eine Anthologie über drei Jahrhunderte Blockflötenmusik in der Serenissima: Nach ihrer Aufname von französischem Barock-Repertoire erzählt die deutsche Blockflötenvirtuosin und mit dem ECHO Klassik ausgezeichnete Instrumentalistin des Jahres Dorothee Oberlinger in ihrer neuesten CD „Flauto Veneziano“  die Geschichte der Blockflötenkunst in Venedig vom 16. bis 18. Jahrhundert. Das Repertoire reicht von eleganten Tanzformen, instrumental diminuierten polyphonen Madrigalen und klangprächtig besetzten Kompositionen über die expressiven Sonaten des „stile moderno“ bis zu den virtuosen Solokonzerten Antonio Vivaldis.

Und:
Einen hinreißenden Abriss über das „goldene Zeitalter“ der venezianischen Blockflötenmusik geben Dorothee Oberlinger und das Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca auf ihrer CD-Einspielung mit dem bescheiden anmutenden Titel flauto veneziano. Zu welchen Höhen sich die Blockflötenmusik in dieser Epoche aufschwang, das zeigt das die CD einleitende Konzert Antonio Vivaldis La tempesta di mare (RV 433) für Blockflöte, Streichorchester und Basso Continuo aus dem Jahr 17. Mit stupender Virtuosität und energischem Zugriff zeigen die Solistin und das famose Mini-Orchester, was an Ausdruckstärke und Farblichkeit in dieser Musik steckt – von stürmisch herab stürzenden Tonleiterkaskaden bis zu virtuosen Dreiklangsumspielungen. Ein weiteres Konzert Vivaldis steht (fast) am Ende der CD, nämlich das umfangreichere und gewichtigere in a-Moll (RV 445), das der Solo-Flöte mehr Unabhängigkeit einräumt. Dorothee Oberlingers Spiel besticht Oberlingernicht nur durch die Atem raubenden, immer in den Dienst der Musik gestellten Verzierungen und einen nie nur gefälligen, sondern immer markanten und eher scharfen Ton.

Den Beginn dieser Glanzzeit der Blockflöte, die mit Vivaldis Tod 1741 endet, datiert Dorothee Oberlinger auf das Jahr 1535, in dem unter dem Titel Opera intitulata La Fontegara die erste Blockflötenschule überhaupt im Druck erschien, verfasst von Sylvestro Ganassi. Nur ein Jahr später gab Adrian Willaert eine Sammlung von Madrigalen, umgeschrieben für Laute mit einer Flötenstimme, heraus. Entwickelt hatte sich die Flötenmusik aus der Vokalmusik, und als Reminiszenz daran spielt Oberlinger als abschließendes Stück ein solches von Willaert transkribiertes Madrigal von Philippe Verdelot mit Verzierungen im Stil von Ganassi. Die Eleganz der Phrasierung, die Leichtigkeit der „kleinen“ Durchgangsnoten, das alles ist mit absoluter Souveränität und Stilsicherheit interpretiert.

Die Bandbreite der Musik zwischen diesen Polen schließt die mittelalterlich anmutenden, möglicherweise orientalisch inspirierten Kompositionen Giorgio Manierios (die Melodie von Schiarazule Marazula hat der italienische Liedermacher Angelo Branduardi in seinem Song Ballo in fa diesis minore populär gemacht) ebenso ein wie die gefälligen Werke der Brüder Alessandro und Benedetto Marcello oder Antonio Caldara. Das ist durchweg auf allerhöchstem Niveau mit großer Musizierfreude und gehörigem Witz eingespielt. (Stefan Schmöe)

Sonatori de la Gioiosa Marca2011

Sonatori de la Gioiosa Marca, 2011

Oder:
Mit ihrem Charme und ihrem Temperament könnte es Dorothee Oberlinger tatsächlich gelingen, die Blockflöte sexy zu machen und einen die Pieps- und Quietschtraumata, die das Instrument im Musikunterricht bei fast jedem verursachte vergessen zu machen. In den Konzerten und auf den Alben der Professorin und Leiterin des Instituts für Alte Musik am Salzburger Mozarteum bekommen die Kompositionen für Flöte Drive und klingen alles andere als alt. Dafür beschwingt, zart, überschwänglich oder entrückt. In jedem Fall begeisternd. (Vogue Magazin)

So isses … so und nicht anders !

Sonatori de la Gioiosa Marca+Oberlinger

Besetzung:
Lorenzo Cavasanti (recorder)
Dorothee Oberlinger (recorder)
Philipp Spätling (recorder, organ)
Manuel Staropoli (recorder)
Fabio Dalla Vedova (percussion)
+
Sonatori De La Gioiosa Marca:
Giorgio Fava (violin)
Judit Földes (viola)
Roberto Loreggian (cembalo, organ)
Giancarlo Pavan (bass)
Massimo Racanelli (cello)
Giancarlo Rado (lute, theorbe & guitar)
Manuel Tomadin (cembalo & organ)
Giovanni Dalla Vecchia (violin)
Walter Vestidello (cello)

BookleAt

Titel:

Antonio Vivaldi:
Concerto in F Major, Op. 10/1 „La Tempesta di Mare“:
o1.  I. Allegro 2.23
o2. II. Largo  1.50
03. III. Presto 1.54

Giorgio Mainerio:
o4. Schiarazula Marazula (from ll primo libro de balli accomodati per cantar et sonar d’ogni sorte de instromenti)  3.38
o5. La Lavandara Gagliarda (ll primo libro de balli accomodati per cantar et sonar d’ogni sorte de instromenti)  1.46

Giovanni Battista Spadi:
o6. Diminution on „Anchor che col partire“ by Cipriano da Rore 2.57

Giovanni Battista Riccio:
o7. Sonata a 4 (from Il terzo libro delle Divine Lodi) 3.54

Dario Castello:
o8. Sonata prima (from Sonate concertate in stil moderno per sonar, libro secondo) 5.05

Massimiliano Neri:
o9. Sonata a 8 No. 10 (from Sonate da suonersi con varii strumenti, Op. 2) 8.41

Dario Castello:
10. Sonata quarta (from Sonate concertate in stil moderno per sonar, libro secondo) 6.25

Giovanni Bassano:
11. Ricercata quarta (from Ricercate, passagi et cadentie) 2.34

Benedetto Marcello:
Sonata in F major, Op. 2/12:
12.  I Adagio 2.35
13. II. Minuet – Allegro 0.46
14. III. Gavotta – Allegro  0.56
15. IV. Largo  1.01
16. V. Ciacona – Allegro 3.47

Antonio Caldara:
17. Gavotta (from Suonata da camera a tre, Op. 2/2)  1.41

Alessandro Marcello:
Concerto di Flauti:
18.  I. Andante 1.57
19. II. Allegro 1.04
20. III. Presto 1.19

Antonio Vivaldi:
Concerto in E minor per Flautino, RV 445:
21. I. Allegro 4.09
22. II. Larghetto 2.27
23. III. Allegro 3.15

Philippe Verdelot:
24. Madrigal „Benche ‚l misero cor“ 2.39

TitelbildWindkanal Nr3_2008

Als Zugabe lege ich ein Interview mit
Dorothee Oberlinger bei (entnommen der
Zeitschrift „Windkanal“ (Nr. 3/2008)

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