Panko – Weil es so schön perlt (2014)

CDFrontCover1Wahrlich eine Raritte aus der Embryonalphase des deutschen Krautrocks:

Panko kamen aus Berlin und benannten sich nach dem gleichnamigen Stadtteil, wobei allerdings das W verschütt ging. Die Formation geht auf eine namenlose Gruppe zurück, die von Helmut Sucker und Frank Graeber 1968 in Berlin-Lichtenrade gegründet wurde. Bis zum Anfang der 70er Jahre wuchs das nun Panko genannte Projekt zu einem Quintett heran (das auf dem hier zu rezensierenden Tonträger zu hören ist), das häufig in Berlin (man war zeitweise die Stammband des Kreuzberger Jugendtreffs Dachluke) und bisweilen auch im nördlichen und mittleren Westdeutschland auftrat. 1972 fiel die Gruppe auseinander.

Einen Tonträger hat man zu Lebzeiten nicht veröffentlicht. Allerdings wurden verschiedenen Auftritte und Probenraumjams von Frank Graeber mitgeschnitten. Die Aufnahmen landeten aus irgendeinem Grund bei Reinhard Stey, der 1983 in kleiner Auflage Teile eines irgendwann Mitte 1971 stattgefundenen Auftritts in der Dachluke auf einer Tonbandkassette mit dem lustigen Titel „Weil es so schön perlt“ veröffentlichte.

MC
Fast 30 Jahre später kursierten diese Aufnahmen im Internet, kamen so den Machern von Garden of Delights zu Ohren, die Peter Gentsch und den Grossteil der ehemaligen Bandmitglieder kontaktieren konnten, was schließlich 2014 zur erweiterten Wiederveröffentlichung des Materials auf CD führte.

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Konzertplakat 1971

In einem im (schwer lesbaren – dem originalen Cover entsprechend ist es Orange auf Blau gedruckt!) Beiheft des CD-Reissues abgebildeten Veranstaltungskalender der Jazzgalerie in Berlin-Wilmersdorf aus dem Jahre 1972 werden Panko als Pop-Jazz-Quintett bezeichnet. Das passt einigermaßen, wenn man berücksichtigt, dass Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in Berlin etwas andere Klänge populär waren, als heute. Ein jazzig-krautiges Gejamme ist auf „Weil es so schön perlt“ zu finden, oft ausladend-meditativ, bisweilen versehen mit leichten nahöstlichen Weltmusikanklängen, ansonsten erdig jazz- und bluesrockend, ab und zu angereichert mit ein paar elektronischen Verzierungen und dominiert von Flötenklängen.

Panko

Gelegentlich ist auch ein Sax zu hören; im abschließenden „Muppelkas“ (fast die beste Nummer hier) auch anonymes Blechgebläse (dem Beihefttext ist aber zu entnehmen, dass zeitweise ein Trompeter und ein Posaunist mit der Gruppe auftraten). Xhol, Out of Focus und Kollektiv haben damals recht ähnliche, auch oft von Querflöten geprägte Musik gemacht, aber auch Embryo und Thirsty Moon bewegten sich in ähnlichen Gefilden, zumindest live.

Ein recht zeittypischer, lässig-meditativer, jazzig-jamartiger Krautrock kommt hier also aus den Boxen, durchaus kompetent und schwungvoll vorgetragen, etwas holprig mitunter, selten versehen mit humorvollem Gesang (oder gesprochenem Text), aber alles in allem ziemlich unterhaltsam (wenn man denn krautig-wirres Gejamme schätzt), wenn auch nicht überbordend originell oder anders als die Musik der schon genannten Gruppen (wobei Panko mitunter früher dran waren).

Reinhard Stey

Reinhard Stey

Der Klang ist gut (auch der der beiden Bonusnummern), etwas dosig und roh, aber für eine semiprofessionelle Aufnahme vom Anfang der 70er Jahre durchaus sehr ordentlich. Krautkomplettisten und Freunde von erdigen bis schwebenden jazzig-rockigenen Jams à la Xhol können (sollten) somit durchaus zugreifen! (Achim Breiling)

Klingt gut: für „Freunde von erdigen bis schwebenden jazzig-rockigenen Jams“ … genau meine Kagenweie … zumindest hin und wieder.

und gar nicht genug loben kann man das Begleitheft … viel vorbildlicher könnte das gar nicht sein.

Booklet07A

Besetzung:
Peter Gentsch (bass, background vocals)
Frank Graeber (flute, saxophone, vocals)
Peter Paszek (flute, vocals, percussion)
Reinhard Stey (drums)
Helmut Sucker (guitar)
+
Wolfgang Trosiener (trumpet bei 08.)

Booklet09A

Titel:
01. Eröffnung 6.28
02. Teppich (Hutzel Perpa) 5.10
3 Porky Pig 4.20
4 Baby Please Don’t Go 4.35
5 Kasbians Abenteuer 12.50
6 Elektronisches 8.16
+
7 Dadidadumm 11.33
08.  Muppelkas 11.47

Musik + Texte: Reinhard Stey + Peter Gentsch

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