Pell Mell – Marburg (1972)

FrontCover1.JPGSie waren mit all den Jahren immer irgendwie sympathisch, auch wenn sie es mir mit ihrem Gesang z.T. alles andere als leicht gemacht haben:

Pell Mell war eine aus Marburg stammende Progressive-Rock-Band, ihr Gründer und Bandleader der Geiger und Komponist Thomas Schmitt. Sie verarbeitete häufig klassische Themen und galt deshalb als deutsche Antwort auf Formationen wie The Nice, Emerson, Lake and Palmer, sowie die holländische Klassik-Rockband Ekseption. Mit einer Klassik-Rock-Coverversion ihres bekanntesten Titels Moldau (nach Die Moldau von Bedřich Smetana) hatte Pell Mell einen Single-Erfolg. Die Band war ein gefragter Live-Act und spielte auf großen Festivals und Konzerten, u. a. mit Scorpions, Gentle Giant, Nektar oder Kin Ping Meh. Zudem wurden sie auf eine 10-tägige Tournee durch Polen eingeladen.

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Thomas Schmitt

Auf dem nach ihrer Heimatstadt benannten Debütalbum, das die Gruppe 1972 in den Dierks-Studios (Stommeln) einspielte, produzierte sie einen anspruchsvollen Sound mit vielen klassischen Elementen – charakteristisch dabei der keyboardlastige Sound und der Geigenpart. Die meisten der Stücke waren Instrumentals.

Spätestens mit dem dritten Album, das 1975 in teilweise veränderter Besetzung eingespielt wurde, war der Sound der Gruppe endgültig symphonisch geworden, wobei sie Themen von Liszt und Rachmaninow verwendete.

Auf dem 1978 erschienenen vierten und vorerst letzten Album schrieb der Bandgründer Schmitt alle Kompositionen und setzte verstärkt auf Gesangspartien.

Zusammen mit Otto Pusch, Stephan Rehlich, Michael Grebe sowie Ralph Fricke von der Marburger Rockband Scrifis gründete Schmitt 1980 die Formation Skyrider, die bei EMI das gleichnamige Album veröffentlichte.

Schon ein Jahr später benannten Schmitt, Fricke, Rehlich und Pusch diese Band wieder in Pell Mell um, veröffentlichten Die Moldau erneut, konnten jedoch keine weiteren Erfolge verbuchen. (Quelle: wikipedia)

Hier ihr damals viel beachtetes Debütalbum:

Die deutsche Band Pell Mell veröffentlichte 1972 ihr Debüt mit dem Titel „Marburg“. Meiner Kenntnis nach stammte die Band auch aus der gleichnamigen hessischen Studentenstadt. Pell Mell spielen auf diesem Erstlingswerk einen Stil, der als eine symphonische Version des frühen deutschen Krautrocks bezeichnet werden kann. Stellenweise ist die ganze Sache aber auch sehr abgefahren und es kommt zu häufigen

Rudolf Schön

Rudolf Schön

Stilbrüchen. Besonders markant sind die schweren Klänge der Hammondorgel. Keyboards wie das Mellotron oder der Moog sind auf dem vorliegenden Album jedoch Fehlanzeige. Dagegen hört man aber die Klänge einer Geige, welche teilweise schon etwas schräg gespielt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands aus der Ära des Krautrocks ist die Musik von Pell Mell aber meistens noch nachvollziehbar und man verliert sich nicht in irgendwelchen abgespacten Instrumentalorgien.

Der meist mehrstimmige Gesang ist ein weiteres prägendes Element der Musik von Pell Mell und bewegt sich in den verschiedensten Höhen. Ohne Rücksicht auf irgendwelche Vorgaben hinsichtlich der Harmonie singt sich der Sänger und Geiger Thomas Schmitt in den Vordergrund. Obwohl der Gesang durchweg englischsprachig ist und sich der deutsche Akzent in Grenzen hält, kann man ihn als typisch für eine deutsche Band der 70er Jahre bezeichnen. An manchen Stellen wird das Ganze jedoch schon ein wenig übertrieben und der Sänger überschlägt sich regelrecht. Somit ist festzustellen, dass der Gesang einigen Leuten doch gewisse Probleme bereiten wird.

Das Album beginnt überaus dynamisch in der Form des Titels „The Clown And The Queen“, auf dem sich schon die Hammond als tragendes Element in den Vordergrund spielt. Dieser Titel kann vorweg schon einmal als einer der Höhepunkte des ganzen Albums bezeichnet werden. Durch geschickt eingestreute ruhige Passagen wird das immer wieder auftretende effektvolle Zusammenspiel von Hammondorgel und Gitarre umso mehr aufgewertet.

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Mitch Kniesmeijer

Der zweite Titel „Moldau“ ist rein instrumental und sehr symphonisch angelegt. Dies verwundert jedoch nicht, da es sich um eine Adaption eines Werkes der klassischen Musik aus dem 19. Jahrhundert handelt, welches der tschechische Komponist Friedrich Smetana 1874 komponiert hat. Im Fall der Adaption von Pell Mell handelt es sich jedoch nur um einen kleinen Teil dieser Sinfonie. Die Umsetzung kann als äußerst gelungen bezeichnet werden. Das hier ruhige Spiel der Hammondorgel wird von romantischem Flötenspiel und Geigenspiel ergänzt.

Das darauf folgende „Friend“ beginnt wieder mit dem sehr dynamischem Spiel der Hammond, das mich hier ganz entfernt an Ken Hensley von Uriah Heep erinnert. Dem schließt sich ein total abgefahrener Gesangsteil an, der teilweise a cappella gehalten ist. Eigentlich besteht der Gesang hier nur aus einem einfachen „lalala“ und wahllos ausgestoßenen Tönen, welche den Anschein erwecken, als ob einige der Mitglieder gerade aus einer Nervenheilanstalt entlaufen sind. Diesem folgt ein ebenso schräger Instrumentalteil, auf dem sich auch mal die Gitarre mit einem Solo in den Vordergrund spielt.

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Otto Pusch

„City Monster“ beginnt mit mehrstimmigem Gesang relativ eingängig. Die Hammond wird hier verhaltener gespielt und von zurückhaltendem Geigenspiel ergänzt. Somit wird hier eine geheimnisvolle, bisweilen hypnotische Atmosphäre geschaffen. Mit dem schleppenden Thema vom Anfang wird dieser sonderbare Titel beendet.

Der Abschluß in Form des Songs „Alone“ beginnt mit einer musikalischen Improvisation. Mit kurzem extrovertierten Gekreische meldet sich der Sänger zu Wort. Danach kommt es jedoch zu einem abrupten Stilbruch und die wieder dynamisch gespielte Hammond übernimmt die Melodieführung.. Mit einem von Geige und ruhiger Hammond bestimmten Teil klingt dann dieses ebenfalls sehr eigenwillige Stück aus. Auch der diesmal sehr verhaltene mehrstimmige Gesang ist am Ende noch einmal zu hören.

Mit ihrem Debüt haben Pell Mell ein interessantes Album geschaffen, das stilistisch absolut unvorhersehbar ist. Für Fans des „dreckigen“ Sounds der Hammondorgel ist „Marburg“ empfehlenswert. Natürlich wird der sehr eigenwillige und schräge Gesang nicht jedermanns Sache sein. Als eine Band aus der Frühphase der Progrock-Ära waren Pell Mell auf alle Fälle überaus kreativ und eigenständig. Man biederte sich zu keinem Zeitpunkt an irgendeinem britischen Vorbild an. Obwohl mir gewisse abgedrehte

Jörg Götzfried

Jörg Götzfried

Passagen auch nach diversen Hördurchgängen immer noch ein wenig Bauchschmerzen bereiten, geht von diesem Werk schon eine gewisse Faszination aus. Während die ersten beiden Titel eigentlich relativ schnell ins Ohr gehen, muß man sich den Rest des Albums schon ein wenig „erarbeiten“. (Horst Straske)

Der Gesang ist „nicht jedermanns Sache“, das kann man wohl sagen. Manche der Schreiorgien von „Sänger“ Rudolf Schön bereiten mir schon fast Zahnschmerzen. Schade, denn dadurch wird der Genuss dieses doch sehr abwechslungsreichen und trotz deutlich krautiger Einflüsse gar nicht so typisch krautrockigen Albums doch etwas beeinträchtigt. Wer in dieser Hinsicht also empfindlich ist, sollte vorsichtig sein – ansonsten ist der Mix aus symphonischem Prog und krautigen Elementen durchaus empfehlenswert. (Jochen Rindfrey)

Nein und nochmals nein …. über den Gesang lasse ich mich nicht nochmals aus … Aber über die Smetana Komposition „Moldau“ … ein wirklich starkes Stück … und mir dünkt, da wollten ein paar junge und zugleich rebellische Bildungsbürger den ERwachsenen mal zeigen was ne Harke ist … Und das ist ihnen gelungen … und zwar nicht nur mit dieser Adaption.

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Das Original Label aus dem Jahr 1972

Besetzung:
Jörg Götzfried (bass)
Mitch Kniesmeijer (drums)
Otto Pusch (keyboards)
Thomas Schmitt (violin, flute, mellotron, vocals)
Rudolf Schön (vocals)
+
Andy Kirnberger (guitar)

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Titel:
01. The Clown And The Queen (Götzfried/Kniesmeijer/Pusch/Schmitt/Schön) 8.51
02. Moldau (Smetana) 5.30
03. Friend (Götzfried/Kniesmeijer/Pusch/Schmitt/Schön) 7.11
04. City Monster  (Götzfried/Kniesmeijer/Pusch/Schmitt/Schön) 8.41
05. Alone (Götzfried/Kniesmeijer/Pusch/Schmitt/Schön) 9.25

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