Verschiedene Interpreten – Keiner oder alle (1978)

FrontCover1.jpgAusgangspunkt für diesen Beitrag war mein Beitrag über die Polit-Rock LP der Gruppe Oktober mit dem Titel „Uhrsprung“ aus dem Jahr 1976. Den Beitrag kann man natürlich noch nachlesen und zwar hier.

Und bei den Leserbriefen zu diesem Beitrag informierte mich der Michi, dass es da noch eine andere LP gleiche Coleur gäbe … uund die heiße „Keiner oder alle“. Und da hab´ich natürlich geantwortet, dass mich aus diese Aufnahmen sehr interessieren würden, „denn der Polit-Rock jener Jahre hat mich schon stark geprägt.“ … so schrieb ich das.

Und der Michi, ließ sich nicht lumpen und stellte mir nun dieses Album zur Verfügung.

Und so ist dieser blog wieder um eine Facette reicher … da kann ich nur ein herzliches Dankeschön sagen.

Und ja, die Texte (zuweien rotzfrech), sie mögen manchem antiquiert erscheinen, aber im Kern hatten sie damals wie heute ihre Berechtigung … zumindest hinsichtlich der damaligen AKW-Debatten („Atomkraft – Nein danke“) waren all diese Proteste nicht nur sinnvoll und notwendig, sondern zumindest in deutschen Landen dann letztlich erfolgreich … wenn es auch ein langer Weg war.

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Und wenn man sich mal der Musik zuwendet, so kann man erfreut feststellen, dass die Zeit der zuweilen arg grobschlächtigen Klänge der ganz frühen Polit-Rock Scheiben vorbei war (man hören sich diesbezüglich mal die Gruppe „Druckknöpfe“ an).

… und standen Liedermacher wie der Dieter Süverkrup oder der Walter Mossmann als Pate (vermutlich gerne) zur Verfügung.

Lieder, die die RAF als „politische Gefangene“ würdigen, fand ich damals wie heute eher deplaciert … aber das ist ein weites ‚Thema … für hat die RAF so ziemlich alles getan, um „linke Ideen und Gedanken“ in Misskredit zu bringen.

Info-Blatt

Info-Blatt

Der Titel dieses so sympathischen Albums stammt übrigens von dem gleichnamigen Gedicht von Berthold Brecht.

Wie gesagt: manches mag überholt und antiquiert klingen, aber dass die damalige junge Generation sich auch musikalisch in das gesellschaftliche Treiben, das ansonsten von bürgerlichen Politikern und dem Großkapital (jawohl, das darf man durchaus so sagen) bestimmt wurde … ist sehr bemerkenwert. Und heute haben wir die „Friday for Future“ – Bewegung … will this cirlcle never been broken.

Von daher: Ganz, ganz viele Sympathiepunkte meinerseits.

Und  ein Kalla Wefel war damals nicht nur musikalisch an diesem Album beteiligt, sondern stellte auch sein kleines 2-Spur „Eulenspiegel Studio“ in der Annenstraße 8, Hamburg zur Verfügung.

Und von dem Kalle Wefel und seinem weiterem Werdegang wird hier demnächst auch die Rede sein.

Bei ihm ist das auch so schwer, weil er bis heute in der einen oder anderen Weise aktiv ist … und was wurde aus all den anderen Beteiligten … ? Das würde mich doch sehr interessieren, weil mich eben Biographien von Menschen sehr interessieren.

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Titel:
01. Schraubstock: Laßt uns wecken (Wefel) 4.56
02. Zündhölzer: Kinderlied (Zundhölzer) 0.47
03. Eimsbütteler Liederküche: Ich bau mir ein kleines AKW (E.Liederküche) 4-33
04. Uli; Baustellensicherung (Mock) 3.28
05. St. Pauli Gesangsverein V. 1878: Kriminalisierungslied
06. Hamburger Straßentheater: Unterelbelied (HH Straßentheater) 5.15
07. Zündhölzer: Lied vom Tod (Zünderhölzer/Süverkrup) 3.38
08. Druckknöpfe: Los komm mit (Hochhuth) 2.18
09. Kalla Wefel: Folter (Wefel/Zahn) 3.48
10. Hamburger Straßentheater: Lied von den politischen Gefangenen (Mossmann) 4.42
11. Eimsbütteler Liederküche: Der Berichterstatter (E. Liederküche) 3.35
12. Druckknöpfe: Cäsar (Hochmuth/Pursche) 7.16
13. Hamburger Straßentheater: Polizeistaatslied (HH Straßentheater) 3.08
14. Hamburger Straßentheater: Kapplerlied (HH Straßentheater) 1.10
15. Druckknöpfe: Keiner oder alle (Hochmuth/Brecht) 3.42

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Keiner oder alle

Sklave, wer wird dich befreien?
Die in tiefster Tiefe stehen
Werden, Kamerad, dich sehen
Und sie werden hör’n dein Schreien:
Sklaven werden dich befreien.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Hungernder, wer wird dich speisen?
Willst du dir ein Brot abschneiden
Komm zu uns, die Hunger leiden
Laß uns dir die Wege weisen:
Hungernde werden dich speisen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Wer, Geschlagener, wird dich rächen?
Du, dem sie den Schlag versetzten
Reih dich ein bei den Verletzten
Wir in allen unsern Schwächen
Werden, Kamerad, dich rächen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Wer, Verlorener, wird es wagen?
Wer sein Elend nicht mehr tragen
Kann, muß sich zu jenen schlagen
Die aus Not schon dafür sorgen
Daß es heut heißt und nicht morgen.

Keiner oder alle. Alles oder nichts.
Einer kann sich da nicht retten.
Gewehre oder Ketten.
Keiner oder alle. Alles oder nichts.

Verschiedene Interpreten – Festival des politischen Liedes 3 (1973)

FrontCover1Tja, da knn man schon schön gerührt sein … jedenfalls geht´s mir so:

Das Festival des politischen Liedes war eine der größten Musikveranstaltungen in der DDR. Es wurde vom Oktoberklub begründet und fand zwischen 1970 und 1990 jedes Jahr im Februar als offizielle Veranstaltung der FDJ in Ost-Berlin statt. Der Hauptveranstalter war zunächst die FDJ-Bezirksleitung Berlin, ab 1975 der FDJ-Zentralrat. 1980 wurde eine Kompilation der ersten 10 Jahre des Festivals unter dem Titel Zehnkampf – Festival Des Politischen Liedes 1970–1980 herausgegeben. Im gleichen Jahr wurde ein hauptamtliches Büro „Festival des politischen Liedes“ gegründet. Die Organisation des Festivals erfolgte zu großen Teilen ehrenamtlich. Künstler aus 60 Ländern traten auf, darunter Prominente wie Mikis Theodorakis, Miriam Makeba, Quilapayún, Inti-Illimani, Silvio Rodríguez, Mercedes Sosa, Canzoniere delle Lame und Pete Seeger. Das erste Festival fand vom 15. bis zum 21. Februar 1970 statt.

Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR verlor das Festival seine Funktion und die kulturelle Infrastruktur, auf der es basiert hatte. Um das Festival fortzuführen, wurde ein Förderverein gegründet, der 1991 bis 1994 das ZwischenWelt Festival als „neues Festival des politischen Liedes“ durchführte. Der Verein löste sich 1995 wegen finanzieller Probleme auf.

Im Jahr 2000 erfolgte mit einem kleinen Festival ein Neustart unter veränderten Vorzeichen. Die heutige inhaltliche Ausrichtung manifestiert sich seit 2001 in dem neuen Namen Festival Musik und Politik.

Maskottchen des Festivals war ein roter Spatz namens Oki. Der Name Oki ist abgeleitet von Oktoberklub. (Quelle: wikipedia)

Berlin, 3. Festival des politischen Liedes

Einen angeregten Erfahrungsaustausch führten die jungen Musiker der Gruppe „Pacholy“ aus der Bergarbeiterstadt Ruda Slaska mit polnischen Jugendlichen, die gegenwärtig im Kombinat VEB KWO arbeiten, während einer Veranstaltung mit Gästen aus der DDR, Ungarn, Polen, Dänemark, und der BRD im Kulturhaus des KWO. (Original Bildunterschrift der damaligen DDR Bildagentur)

Hier Ausschnitte aus dem 3. Festivalprogramms … und neben diversen DDR – Gruppen tritt auch der Dieter Süverkrüp auas der BRD auf … dazu noch etliche internationale Combos.

Man mag ja feststellen, dass hier viel politische Naivität am Werke war, man muss – aus meiner Sicht – feststellen, vor den politisch falschen Karren haben anspannen lassen.

Aber man kann auch fesstellen, dass etliche der Mitwirkenden ihr Herzblut in die Themen Ausbeutung und Imperalismus gesteckt haben … Und dafür überhäufe ich sie mit Sympathiepunkten.

Und: Viele der Lieder, handeln von Themen, die uns heute noch bewegen müssen … denn heute reden wir von den Folgen er Globalisierung … von nichts anderem handeln auch diese Lieder.

Und bei „Wem soll getraut werden“ krieg ich heute noch eine Gänsehaut …

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Titel:
01. Oktober-Klub Berlin: Lied vom Vaterland (Andert) 4.07
02. Fria Proteatern: Habt ihr gehört, Genossen (Forslund/Idering/Ringbom/Ohrlander) 2,24
03. Dieter Süverkrüp: Ballade von Hans Dickhoff (Süverkrüp) 4.52
05. Gruppe Agit-Prop und KOM-Theater: Auf welcher Seite stehst du (Chydenius/Oksanen) 2.33
06. Silvio Rodriguez: Waffen gegen Waffen (Rodriguez) 2.43
07. Gruppe Sergej Nikitin: Pferde im Ozean (Berkowskij/Slutzkij) 2.41
08. Gruppe vietnamesischer Studenten und Fria Proteatern: Hymne der FNL (Sieng) 2.16
09. Quilapayún: Für Vietnam (Carrasco/Gómez) 2.27
10. Dr. Bhupen Hazarika: Lang lebe Bangladesh (Hazarika) 2.13
11. Gruppe Basta: Camilo Torres (Vigletti) 2.06
12. Gruppe Kalaka: Zigeunerlied (Mikó/Bari) 3.11
13. Agitpop: Europawalzer (Würgler/Holst/Jensen) 3.09
14. Die Conrads: Wem soll getraut werden (Die Conrads/Maiwald) 4.11
15. Oktober-Klub Berlin: Friedenslied (Heicking/Andert) 3.47

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Fria Proteatern

Fria Proteatern aus Schweden

Verschiedene Interpreten – Werkstattwoche der FDJ Singeklubs (1968)

frontcover1Und nun, am Vorabend zum 1. Advent noch ein paar klassenkämpferische Klänge, und zwar aus jenen Jahren, in denen diese Musik wohl die Alternative zu den aufrührerischen Klängen der Beat- und Rockszene des Westens war.

Und hört man sich diese Aufnahmen heute wieder mal an, kann es sein, dass so ganz unterschiedliche Empfindungen sich breit machen können.

Da kann man erstmal feststellen, dass einem diese „Klampfen-Musik“ ganz schön auf den Wecker gehen kann (ich kenne diesen Stil natürlich erst recht von den westdeutschen politischen Liedermachern jener Zeit), da kann man feststellen, dass die Text mehr als engagiert sind. Da kann man feststellen, dass auch viel Naivität in den Texten stecken mag, da kann man feststellen, dass diese Texte überaus wichtige Texte waren.

Und dann aber kann einem eine ganz große Rührung überkommen, ob all der Träume, Hoffnungen Sehnsüchte dieser damals noch ach so jungen Idealisten (die natürlich auch instrumentalisiert wurden).

Und dann taucht auch noch der Name Kurt Demmler auf … eine zentrale Figur der Liedermacher-Szene in der DDR, der sich dann im Februar 2009 in der Untersuchungshaftanstalt Moabit erhängte … er stand damals vor Gericht, wegen des Vorwurfes, des sexuellen Mißbrauches von Kindern …

Aber was wurde aus all den anderen Musikanten … wenn ich ganz viel Zeit hätte … ich würde mich auf Spurensuche machen …

Und so hinterlässt dieses Album bei mir auch viel an jener Wehmut … frei nach dem Motto: wo sind sie alle geblieben, unsere Träume … und was wurde aus ihnen ?

Wir singen, weil wir jung sind …

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Titel:
01. Folkloregruppe der TU Dresden: Carpe Diem (Nutze den Tag) (Walther) 2.36
02. Wolfgang Grahl + FDJ-Singestudio Müritz: Spottlied auf einen Moskaubesucher (Grahl/Lindemann) 2.32
03. Antje Kankel + Singeclub Rostock: Das ist unser Tag (Kankel) 3.02
04. Folkloregruppe der TU Dresden: Zygan Chodit (Traditional) 2.48
05. Panajota Ruli + Klaus-Georg Eulitz: Kathe Mera (Traditional) 1.53
06. Kurt Demmler: Zart soll es bleiben (Demmler) 2.43
07. Kurt Demmler: Kastanie, Kastanie (Demmler) 1.07
08: Antje Thümmler, Ulrich Stephan + Folkloregruppe der TU Dresden: O lenke durch die Welle (Traditional) 1.44
09. Singklub Leipzig: Abendgedanken (Steffen/Schmeißer) 1.06
10. Herbert Lappe + Folkloregruppe der TU Dresden: …Und darum trägt unsere Welt heut rin neues Gesicht (Herz/Rump) 1.39
11. Nora Löhr + Wolfgang Gregor: Venezolanisches Marktlied (Traditional) 2.02
12. Jörn Fechner + Oktober-Klub Berlin: Mamita Mia (Traditional) 1.44
13. Henry Jäger + FDJ-Singestudio Müritz: Musja Pikinson (Jäger/Taegder) 1.25
14. Barbara Kellerbauer + Folkloregruppe der TU Dresden: Lied von der unruhvollen Jugend (Pachmutowa/Oschanin) 2.05
15. Frank Obermann + Sing-Klub 67, Karl-Marx-Stadt: Unsere Welt hat ein Millionengesicht (Gäbler/Krautz) 2.10
16. Hartmut König + Oktober-Klub Berlin: Die Front der Patrioten ruft (Theodorakis/König) 3.15
17. Panajota Ruli + Folkloregruppe der TU Dresden: Drapetis (aus dem „Mauthausen-Zyklus“) (Theodorakis/Kambanellis) 3.01
18. Nora Löhr + Wolfgang Gregor Vom Oktober-Klub Berlin:  Auseinandergehen (Gregor/Braun) 2.21
19. Dorit Gäbler + Chris Baumgarten: Icke (Baumgarten/Steineckert) 1.30
20. FDJ-Singestudio Müritz: Wir singen, weil wir jung sind (Speezen/Grahl/Kolbe) 2.03

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