Chor der Münchner Gewerkschaften – Freie Welt (1960)

FrontCover1Politische Lieder und Gesänge waren vermutlich Ende der 50er Jahre – zumindest in der BRD – nicht gerade der Hit. Umso erstaunlicher und vor allem bemerkenswerter ist diese rare EP aus dem Jahr 1960.

Der „Chor der Münchner Gewerkschaften“ unter der Leitung von Rudolf Lamy (das war der, bei dem ein kleiner Junge namens Konstantin Wecker als Chorknabe seine ersten Lektionen lernte)

Und natürlich sind diese Lieder aus anderem Schrott und Korn, als die damaliger Schlager (die dennoch auch sehr zu schätzen weiss).

Das bekanntes Lied ist natürlich das „Lied der Moosoldaten“. Ein kurzer Blick zurück in jene Zeit, also das Lied entstand:

Das Moorsoldatenlied, Börgermoorlied oder kurz Moorlied wurde 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschaffen. In diesem Lager wurden vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten mussten diese dort das Moor kultivieren.

Texter des Liedes waren der Bergmann Johann Esser und der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff, die Musik stammt von dem kaufmännischen Angestellten Rudi Goguel. Das Lied wurde am 27. August 1933 bei einer Veranstaltung namens Zirkus Konzentrazani von 16 Häftlingen, überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger Arbeitergesangvereins, aufgeführt.

Zwei Tage nach der ersten Aufführung wurde das Lied von der Lagerleitung verboten. Trotzdem war es das Wachpersonal des Lagers, das wiederholt verlangte, dass das Lied von den Häftlingen auf ihren Märschen zum Arbeitsplatz gesungen wurde.

Moorsoldaten

Durch entlassene oder in andere Lager verlegte Gefangene wurde das Lied über Börgermoor hinaus bekannt. 1935 lernte es der Komponist Hanns Eisler in London kennen. Er überarbeitete die Melodie für den Sänger Ernst Busch. Dieser schloss sich während des Spanischen Bürgerkrieges (1936–1939) den Brigadas Internacionales, den Internationalen Brigaden an, die die Spanische Republik gegen den Putschisten Franco verteidigten. Dadurch wurde das Lied verstärkt international bekannt. Doch der originale Anfang der Melodie von Rudi Goguel mit drei gleichen Tönen klingt nicht so zuversichtlich wie die Version von Eisler. Goguel hatte mit drei gleichen Tönen die hoffnungslose Stimmung, aus der heraus das Lied entstand, besser eingefangen, als die von Eisler abgeänderte Melodie.

Heute existieren Versionen des Liedes in mehreren Sprachen, zu den bekanntesten Interpreten gehören Ernst Busch, Hein und Oss Kröher, Paul Robeson, Pete Seeger, Perry Friedman, The Dubliners und Hannes Wader. Neuere Bearbeitungen stammen von der Kölner Saxophon Mafia, Welle: Erdball, Liederjan, Die Toten Hosen, Die Schnitter, Michael von der Heide und Helium Vola. (Quelle: wikipedia)

1.Maifeier1960

Die 1. Mai Veranstaltung in München im Jahre 1960

Und eben auch von diesem Chor der Münchner Gewerkschaften.  Und das wahrlich nicht schlecht.

Und auch die anderen Lieder haben Substanz. Das optimistische „Ein guter Tag zu ende geht“ basiert auf der schottischen Volksweise „Auld Lang Syne“ und das ist schon irgendwie witzig, dass Münchner Gewerkschaftsmitglieder im Jahre 1960 ein schottisches Volkslied singen.

Und die ukrainische Volksweise „Unvergängliche Opfer“ hat auf erschreckende Weise wieder einen ganz aktuellen Bezug.

Klar, der Chorgesang mag antiquiert wirken und/oder klingen. Aber er war wirklich gut aufgestellt und natürlich sind die Inhalte dieser Lieder Teil der deutschen Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung und damit ein verdammt wichtiger Teil deutscher Geschichte.

Eine der zentralen Forderungen der deutschen Gewerkschaften in jener Zeit.

Besetzung:
Chor der Münchner Gewerkschaften unter der Leitung von Rudolf Lamy

BackCover1Titel:
01. Schaffende Hände (Weiß/Adametz) 2.44
02. Ein guter Tage geht zu Ende (Auld Lang Syne) (Schottische Volksweise 2.59
03. Lieder der Moosoldaten (Goguel/Esser) 3.12
04. Unvergängliche Opfer (Ukrainische Volksweise) 3.15

LabelB1

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Streik 1963

Streik der Metallarbeiter in Württemberg-Nordbaden, 29. April 1963

Musiker der Gruppen Oktober + Schmetterlinge u.a. Solisten – Peter P. Zahl – Alle Türen offen (1978)

FrontCover1Hier ein ganz besonderes und ganz sicher auch ein ganz ambitioniertes Projekt aus der Polit-Rock Szene der 70er Jahre. Musiker der damals durchaus bekannten Formationen „Schmetterlinge und „Oktober“ fanden sich in Wien zusammen, um Texte von Peter P. Zahl zu vertonen. Warum sie das taten … davon später mehr …

Und dieser Peter P. Zahl ist dann im Jahre 2011 verstorben. Die „taz“ schrieb folgenden Nachruf:

„Es war unklar, ob der Preisträger persönlich erscheinen konnte, denn er war ein Häftling, der gerade erst aus der Einzelhaft in den Normalvollzug überstellt worden war.

Als dem 1944 in Mecklenburg geborenen Peter-Paul Zahl im Jahr 1980 der Literaturförderpreis der Freien Hansestadt Bremen verliehen wurde, saß dieser junge Autor schon seit rund acht Jahren im Knast. Als mutmaßlicher Terrorist. Er hatte sich im Jahr 1972 seiner Verhaftung widersetzt, dabei von der Schusswaffe Gebrauch gemacht und einen Polizisten schwer verletzt.

Die Haftjahre nutzte Zahl, der bereits 1968 mit einem Buch in Erscheinung getreten war, zum Schreiben nicht nur politischer Texte. 1979 erschien dann schließlich sein berühmtester Roman „Die Glücklichen“, in der Zahl eine Alternativkultur beschrieb, die viele, die von den Utopien der Jahre 68 ff. geprägt waren, sehr gut kannten. „Die Glücklichen“ wurde zum Kultbuch.

Der im Dezember letzten Jahres verstorbene Peter O. Chotjewitz, der nicht nur Schriftstellerkollege, sondern auch Zahls Anwalt war, erinnerte sich vor einigen Jahren, dass er Zahl – obschon dieser immerhin wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war und als politischer Häftling galt – einfach so mit dem Privatwagen aus der Haftanstalt abholen durfte. Chotjewitz, der selbst als Unterstützer der RAF angeklagt gewesen war, musste lediglich garantieren, den Häftling später auch brav wieder abzuliefern. Der Strafvollzug für Staatsfeinde war nach dem Deutschen Herbst des Jahres 1977 nicht immer ohne Witz.

Peter-Paul Zahl (links) und Peter Rühmkorf

Peter-Paul Zahl (links) und Peter Rühmkorf

Zahl nun erhielt den wichtigen Literaturpreis, und seine Schriften wurden somit von der Literaturkritik quasi geadelt. Mit geadelt wurde dabei allerdings auch immer der linksradikale Aktivist, der bei der legendären Berliner Untergrundzeitschrift 883 mitwirkte (und nicht nur bei dieser), der amerikanische GIs bei der Desertation und der Flucht nach Schweden unterstützte, der als Betreiber einer kleinen Druckerei half, so manch einer klandestinen Schrift eine Öffentlichkeit zu geben. Er war der Verleger von Westberliner Anarchisten und Gutlebeleuten, er selbst war auch durchaus ein Lebemensch.

Die Bremer Preisverleihung im Jahr 1980 war ein kleiner Skandal. Der damals noch weitgehend linksliberal gesonnene Literaturbetrieb genoss die Aufregung um den Preisträger. Dieser selbst genoss sie offensichtlich ebenso.

Nach der Haftentlassung, im Dezember 1982, und nach einigen merkwürdigen Wiedereingliederungsmaßnahmen für den bereits anerkannten Schriftsteller blieb Zahl ein linker Aktivist, doch wurde er gemäßigter. Sein Aktionsdrang verlegte sich ins literarische, er bereiste die damals für Linke interessanten Länder, schließlich ließ er sich auf der coolen Kifferinsel Jamaika nieder, der er sich auch literarisch näherte, allerdings oft auch sehr klischeehaft und oberflächlich.

Peter-Paul Zahl, 2006

Peter-Paul Zahl, 2006

Peter-Paul Zahl war kein politischer Theoretiker, kein großer Denker und kein feiner Stilist, er war manchmal derb, weil er nicht anders konnte, große Romane im Sinne der bürgerlichen Literaturkritik hat er nicht geschrieben, dennoch sind die besten seiner vielen Bücher weit mehr als nur Dokumente einer engagierten Linksliteratur. Zahl hatte Humor. Und auch Selbstironie.

Dass der Ruf des Politaktivisten bis zuletzt seinen literarischen Rang überdeckte – es hatte positive und negative Folgen für ihn. Einerseits galt er den meisten Fans der „Glücklichen“ mit allem, was er publizierte, als literarischer Heros, andererseits mied ihn der etablierte Literaturbetrieb zusehends. Er galt als „Figur“, nicht als Autor.

Auch der Umstand, dass ihm mit dem Glauser im Jahr 1995 für seinen Krimi „Der schöne Mann“ einer der wichtigsten Krimipreise verliehen wurde, änderte nichts daran. In den letzten zwei Jahren suchte Zahl noch Verlage für neue und vergriffene Titel, doch er wurde – soweit bekannt ist – nicht mehr fündig. „Miss Mary Huana“ von 2007 ist sein letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Buch.

Dieses Schicksal hat er, bei aller berechtigten Kritik an seinen manchmal doch mit allzu heißer Nadel gestrickten Büchern, nicht verdient.

Am Montag starb Zahl im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Port Antonio auf der Insel Jamaica. Im vergangenen Jahr hatte sich Zahl wegen eines Krebsleidens noch in Deutschland behandeln lassen und kehrte dann in sein Haus in Longbay zurück.“

Zahl war also im Jahr 1978 noch in Haft, als diese Aufnahmen entstanden, und diese Aufnahmen sind ganz sicher auch als eine Aktion der Solidarität mit diesem Schriftsteller zu verstehen. Und für meinen Geschmack haben die Texte wirklich Bedeutung und Qualität … und das erfreuliche ist, dass die musikalische Umsetzung dieser Texte einfach nur grandios ist … im Gegensatz zu manchen Polit-Rock Alben dieser Jahren wird hier auf einem wirklich hohem Niveau musiziert … beeindruckend und auch noch im Jahre 2018 mehr als hörenswert !

Wenngleich, und das muss ich auch noch leider loswerden: Meine Sympathie für „gewaltbereite Linke“ in der damaligen BRD geht gegen Null !

Aufgenommen im August 1978 in den Schmetter-Sound-Studios, Wien

BackCover

Besetzung:
Andreas Hage- (piano)
Ali Husseini (drums, percussion)
Schurli Herrnnstadt (Schmetterlinge) (vocals)
Michael Iven (vocals, guitar)
Trixi Neundlinger (Schmetterlinge) (flute)
Peter Robert (Oktober) (keyboards, synthesizer, strings)
Hansi Schwarz (guitar)———————————–
Kalla Wefel (Oktober) (bass, guitar)
+
Willie Resetartis (Schmetterlinge) („Ostbahn Kurti“) (vocals bei 01.)

Booklet1A

Titel:
01. Meine kultivierten Bekannten (hage/Zahl) 2.57
02. Ninguneo (Iven/Zahl) 22.45
03. Hinter der dunklen Seite des Mondes 4:24
04. Zürückgebombt… (Schwarz/Robert) 6.40
05. Dynamos (Schwarz/Robert) 4.32
06.  …In Die Steinzeit (Schwarz/Robert) 4.52
07. Alle Türen offen (Schwarz/Robert) 4.50
08. Folter (Schwarz/Robert) 4.03
09. Brokdorfer Liebeslied (Schwarz/Robert) 4.01
10. Hierher gehört Leben (Schwarz/Robert) 5.30

Tracks 03. – 10. nach dem Gedicht „Doors“ von Peter P. Zahl

Label1

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Nachruf im "Spiegel" (05/2011)

Nachruf im „Spiegel“ (05/2011)

Verschiedene Interpreten – Lehrlinge halten zusammen (1969)

FrontCover1Um diese ambitionierte, engagierte und klassenkämpferische LP besser zu verstehen, muss man sich zumindest ein wenig vergegenwärtigen, wie sich Ende der 60er Jahre die wirtschaftliche und soziale der „Lehrlinge“ darstellte. Deshalb hier den Anfang einer „Spiegel“ Titelstory aus dem Jahr 1970, die sich eben ausführlich mit dieser Situation auseinandersetzte:

Der Lehrling soll „es wissen und fühlen, daß er eben noch zu lernen hat“. Der „Begriff des Gehorchenmüssens“ soll „erhalten bleiben“.

Der Lehrling soll sich „treu, fleißig, ehrlich“ verhalten, „seinem Meister und andern ihm vorgesetzten Personen … mit gebührender Achtung und Bescheidenheit“ begegnen.

Der Lehrling soll sich „eines frommen und sittlichen Lebenswandels … befleißigen“ und sich „des Besuches öffentlicher Schankhäuser … während seiner Lehrzeit gänzlich enthalten“.

Der Lehrling soll einer „straffen Zucht“ unterworfen und vor „Phrasen über „Freiheit“, geschützt werden, sonst würde er rasch „die zuverlässigste Phalanx der Agitatoren bilden“.

Lehlings-Demo in Hamburg, 1970

Gutachter — Professoren und Wirtschaftsführer, Handwerksmeister und Gewerbevereinsfunktionäre — haben solche Maximen in einem Sammelband niedergeschrieben. Das war im Jahre 1875. Seitdem hat sich nicht viel geändert.

Fast hundert Jahre später soll der Lehrling zur „Folgsamkeit erzogen werden“ und sich „nicht länger als unbedingt notwendig im Bad aufhalten“. Er soll sich „vor keiner Arbeit drücken“ und „sich zum Aufsuchen der Toilette“ beim Ausbilder ab- und zurückmelden — so stand es noch letztes Jahr beispielsweise in den Lehrlings-Vorschriften der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF).

Und weiter hieß es da: Der Lehrling soll „den Wert des … Pfennigs schätzenlernen“ und „zeitig zu Bett gehen“. Er soll „Ordnung beim Stechen“ (Stechuhren) wahren und „immer an seine Zukunft denken“.

DerSpiegel (18_1970)„Ein froher und höflicher Gruß innerhalb und außerhalb des Betriebes“ gehörte laut BASF-Ordnung „zu jedem anständigen Lehrling“. Hingegen: „Eine Künstlermähne (Beatle-Frisur), gezüchtete Backenhaare oder sogenanntes Philosophenbärtchen sind eines frischen und lebendigen Lehrlings unwürdig.“

Noch immer herrschen in Westdeutschlands Lehrbetrieben strikte Hierarchie und materielle Ausbeutung, wie sie die Bildungsprivilegierten an den Gymnasien und Hochschulen niemals erfahren haben.

Noch immer dürfen Lehrlinge nicht streiken, Lehrlinge unter 18 Jahren nicht an Wahlen zum Betriebsrat teilnehmen. Ihre Jugendvertreter genießen keinen Kündigungsschutz wie etwa Betriebsratsmitglieder.

Noch immer verdienen die meisten Handwerkslehrlinge nur ein Drittel des Hilfsarbeiter-Lohns (100 bis 250 Mark), obgleich sie häufig, spätestens im dritten Lehrjahr, dem Unternehmer soviel einbringen wie Gesellen.

„Noch immer … erfüllt die Lehre in vielen westdeutschen Betrieben“, urteilen die Soziologen Wolfgang Lempert und Heinrich Ebel, „ihre herkömmliche Doppelfunktion, wirkt sie zugleich als Werkzeug der Erziehung zum Untertanen und als Waffe des unlauteren Wettbewerbs.“ Der Spiegel 18/1970)

AufrufNun, ich war zwar nie in der Situation, ein Lehrling zu sein, aber in meinem damaligen Bekanntenkreis kannte ich schon einige, die vom Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ihr ganz spezielles Lied singen konnten.

Und von daher war das Anliegen dieses Samplers mehr als ehrenwert und natürlich ein typisches Produkt jener Jahre aus dem Pläne-Verlag … und die paar versprengten DKP-Mitglieder hatten vielleicht nun die Hoffnung, dass es zum Aufschrei und Aufstand der proletarischen Massen kommen könnte. Rockmusik als Transportmittel „radikaler“ Ideen.

Nun, wie wir wissen, war diese Hoffnung trügerisch … Und schon damals hegte ich den Verdacht, dass man mit einer derartigen Musik (Stichwort: wir werden immer mehr) genau jene Massen nicht erreichen kann und wird.

Dehmist dieser Sampler natürlich musikhistorisch ziemlich interessant: Neben dem schon damals durchaus bekannten Dieter Süverkrüp und der Polit-Rock-Gruppe Floh De Cologne sind auch so „Eintagsfliegen“ wie „Die Conrads“, „Interpol“ oder „Vorschlaghammer“ mit ihren Songs zu hören.

Und dann gibt´s noch den Barden Lerryn … und hieter diesem Namen verbirgt sich kein geringerer als Dieter Dehm, der bis heute sich aktiv in Politik und Kultur einmischt. Ursprünglich war er ein langjähriges SPD Mitglied, war entscheidend an dem Erfolg der „Bots“ in Deutschland beteiligt und wechselte dann 1998 zur PDS („Die Linke“) und ist für diese Partei bis heute Mitglied des Deutschen Bundestages.

Der Dehm hat wirklich einen schillernden, zuweilen recht zweifelhaften Lebenslauf hingelegt (es scheint mittlerweile geklärt zu sein, dass er als IM für die Stasi arbeitete). Und damals veröffentlichte er bei Pläne auch eine eigene Single, bei neben dem auf dem Sampler enthaltenen Song „Lehrlings-Machtgebeat“ auch das Lied „Der Gummiknüppelsong“. Und diesen Song habe ich dann noch als Bonus-Titel ergänzend dazugepackt …

Ach ja, mehrfach wird als Texterin Lieselotte Rauner genannt: Lieselotte Rauner war eine deutsche Schriftstellerin, die 1970 den „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ gründete.  Ihr literarisches Werk schilderte vor allem Arbeitsleben und Alltag der westdeutschen Arbeiterschaft schildert und sie zählt für mich zu den eher vergessenen Schriftstellerinnen dieser Zeit.

Allen, die in diesen bewegten Zeiten so allmählich groß gewurden sind schicke ich angesichts dieser zuweilen drolligen Texten einen lieben Gruß !

BackCover1

Titel:
01. Die Conrads: Hoch vom Dach (Die Conrads/Kollektiv SDAJ) 3.28
02. Floh De Cologne:  Hallo Stift (Floh De Cologne)
03. Interpol:  Schaffen sie sich einen Lehrling an (Interpol) 3.47
04. Vorschlaghammer:  Ballade von den bösen Lehrlingen (Vorschlaghammer/Bücher) 2.52
05. Vorschlaghammer: Armer Anton (Vorschlaghammer) 1.12
06. Die Conrads: Nach dreißig Jahren (Die Conrads/Rauner) 1.45
07. Die Conrads/Hannes Stütz: Dick und Doof in der Fabrik (Stütz) 2.53
08. Dieter Süverkrüp: Das Lied vom Nutzen (Süverkrüp) 2.51
09. Floh De Cologne:  Lehrherr unser (Floh De Cologne) 1.52
10. Interpol: Ich bin so glücklich (Interpol) 3.15
11. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Was ein Lehrling alles lernt (Süverkrüp/Siebert) 0.29
12. Die Conrads: Betriebsgeheimnis (Die Conrads/Rauner) 0.59
13. Lerryn / Dadazuzu: Lehrlings-Machtgebeat (Lerryn/Günther) 3.12
14. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Lehrlingsbilanz (Süverkrüp/Rauner) 0.33
15. Münchner Songgruppe: Lehrlinge zusammenhalten (Münchner Songgruppe) 3.21
16. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Wer hat den Lehrling gemacht (Süverkrüp) 2.26
17. Floh De Cologne:  Wir werden immer mehr (Floh De Cologne) 2.08
+
18. Lerryn und Dadazuzu: Gummiknüppelsong (Lerryn) 5.57

Label1

 

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LerrySingelHülle

Ernst Busch – B.B. – Legenden, Lieder und Balladen 1914 – 1934 (1974)

FrontCover1.JPGWieder mal so ein „höchste Zeit“ Beitrag:

Friedrich Wilhelm Ernst Busch (* 22. Januar 1900 in Kiel; † 8. Juni 1980 in Berlin) war ein deutscher Sänger, Schauspieler und Regisseur.

Busch war Sohn des Maurers Friedrich Busch und dessen Ehefrau Emma. Er absolvierte von 1915 bis 1920 eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker und arbeitete anschließend als Werftarbeiter. Er trat 1916 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1918 der SPD. Unter dem Eindruck des Kieler Matrosenaufstandes 1918 ließ er sein Parteibuch Anfang 1919 auf die USPD umschreiben.

1920 nahm Busch Schauspiel- und Gesangsunterricht und wurde von 1921 bis 1924 am Stadttheater Kiel (sein Bühnendebüt machte Busch am 8. Oktober 1921, als der Ministrant in Cavalleria rusticana), danach bis 1926 in Frankfurt (Oder) und anschließend an der Pommerschen Landesbühne engagiert. 1927 zog er nach Berlin, wo er an der Piscator-Bühne engagiert war und ab 1929 in der Künstlerkolonie wohnte. Ab 1928 trat er in Berlin an der Volksbühne, dem Theater der Arbeiter und der Piscator-Bühne in Stücken von Friedrich Wolf, Bertolt Brecht und Ernst Toller auf. In der Verfilmung der Dreigroschenoper von Georg Wilhelm Pabst spielte er den Moritatensänger (mit dem Mackie-Messer-Song).

ErnstBusch01Von 1929 bis 1933 wirkte er in einem Dutzend Filme mit, so spielte er die Hauptrolle in Slatan Dudows Film Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?. Nicht in allen Filmen war er vor der Kamera zu sehen, meist aber als Sänger zu hören.

Busch sollte nach der „Machtergreifung“ der NSDAP von der SA verhaftet werden. Durch glückliche Umstände entging er einer der ersten Razzien in der Künstlerkolonie in Berlin-Wilmersdorf, so auch am 9. März 1933. Als die SA gegen 12 Uhr Busch festnehmen wollte, öffnete niemand, so dass die SA vermutete, Busch sei schon geflohen. Doch Busch war gewarnt und wollte nun Deutschland zügig verlassen. Busch flüchtete daraufhin mit seiner Ehefrau, der Sängerin Eva Busch, zunächst nach Holland. Von dort aus folgten weitere Stationen: Belgien, Zürich, Paris, Wien und schließlich die Sowjetunion, wo er u. a. für Radio Moskau arbeitete.

1935 wirkte er in der Sowjetunion in Gustav von Wangenheims Film Kämpfer mit. 1937 reiste Busch mit der Journalistin Maria Osten nach Spanien und trat als Sänger bei den Internationalen Brigaden auf. Mit seinen Liedern Die Thälmann-Kolonne, No pasaran, Bandiera Rossa äußerte er sich offen gegen den Faschismus. In Spanien gab er Liederbücher heraus (Canciones de las Brigadas Internacionales), nahm Schallplatten auf und sang vor den Mitgliedern der Internationalen Brigaden und im Radio. Mitte 1938 verließ Busch den Kriegsschauplatz und kehrte nach Belgien zurück. 1938 machte er Aufnahmen bei Radio Brüssel, gab Konzerte und spielte Schallplatten ein.

Mit dem Beginn des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 gegen die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg wurde er in Antwerpen verhaftet und nach Südfrankreich in das Internierungslager Camp de Gurs deportiert. Er war dort bis Ende 1942 interniert, dann gelang ihm die Flucht bis zur Schweizer Grenze. Die Französische Grenzgendarmerie verhaftete Ernst Busch vor dem Grenzübertritt, lieferte ihn an die Gestapo aus und er wurde über Paris im Januar 1943 in das Polizeipräsidium Alexanderplatz überstellt. Im März 1943 wurde er in der Haftanstalt Moabit in Einzelhaft genommen. Die Anklage gegen Busch lautete „Vorbereitung zum Hochverrat“. Am 22. November 1943 wurde er bei einem alliierten Luftangriff auf die Haftanstalt schwer verletzt. Durch die Intervention von Anwälten über Gustaf Gründgens entging er aufgrund der im April 1937 erfolgten Ausbürgerung und seiner schweren Kopfverletzung der Todesstrafe und erhielt 1944 letztendlich eine vierjährige Zuchthausstrafe.

Am 27. April wurde er von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit und machte sich von dort aus auf den Weg in das noch umkämpfte Berlin. Im Mai 1945 zog er wieder in das Wohnhaus in der Künstlerkolonie, in dem er bis 1933 gewohnt hatte. 1949 siedelte er mit seiner neuen Lebensgefährtin Margarete Körting nach Treptow im Ostteil Berlins über, ab 1951 wohnten die beiden in der Heinrich-Mann-Straße in Berlin-Pankow. 1945 trat er in die KPD ein und wurde 1946 durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD automatisch Mitglied der SED.

ErnstBusch02
Als Schauspieler war er am Berliner Ensemble, dem Deutschen Theater und der Volksbühne tätig. Außer in seinen Brecht-Rollen machte er sich noch in anderen Rollen um die Entwicklung der Schauspielkunst verdient:

1946 als Satin in Maxim Gorkis Nachtasyl
1947 als Galileo Galilei im Leben des Galilei
1949 als Koch in Mutter Courage und ihre Kinder
1953 als Jago in William Shakespeares Othello
1954 als Azdak in Brechts Kaukasischen Kreidekreis und als Mephisto in Goethes Faust

Busch wurde auch als Interpret der Lieder von Hanns Eisler (Der heimliche Aufmarsch) und internationaler Arbeiter- sowie sozialistischer Propagandalieder bekannt. Daneben

Ernst und Irene Busch (1977)

Ernst und Irene Busch (1977)

leitete er bis 1953 die Schallplatten-GmbH Lied der Zeit, die erste und einzige Schallplattenfirma der SBZ/DDR. Lied der Zeit war der Vorläufer des VEB Deutsche Schallplatten mit den Sublabels Eterna und Amiga, die ebenfalls unter Busch entstanden. 1956, 1966 und 1979 erhielt er den Nationalpreis der DDR. Von 1963 bis 1975 spielte er in der Schallplattenreihe Aurora der Deutschen Akademie der Künste etwa 200 seiner Lieder ein. Er war Mitglied der Akademie.

1961 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück. Busch übte zwar keine öffentliche Kritik an der Politik der SED, hatte aber diverse Streitereien mit Funktionären, darunter Erich Honecker. Seit 1952 war er faktisch kein Parteimitglied mehr, weil er sich beim Überprüfungsverfahren nicht kooperativ gezeigt hatte. 1977 trug ihm die SED ein neues Parteibuch an, das Busch annahm.

Die letzten Jahre verbrachte Busch – zusehends an Demenz leidend – in der Psychiatrie in Bernburg, am Ende in der geschlossenen Abteilung, aus der er mehrfach (vergeblich) zu fliehen versuchte. Er starb in Berlin. Seine letzte Ruhe fand er in einem Ehrengrab in der Abt. 36-28/29 auf dem Friedhof Pankow III.

Den Nachlass von Ernst Busch bewahrt das Archiv der Akademie der Künste in Berlin. (Quelle: wikipedia)

EternaLabels_1965.jpg

Die Eterna Labels aus dem Jahr 1965

Diese Album. ursprünglich bereits 1965 enthält einen Querschnitt von Bert Brecht Texten der Jahre 1914 – 1934. Zusammengestellt hat diese Sammlung dann der Ernst Busch persönlich und es wurde eine großartige Zusammenstellung.

Und ich weiß nicht, was ich beeindruckender finden soll, all die Zeilen des noch jungen Brecht (den Text „Moderne Legende'“ bereits als 16jähriger im Jahr 1914 schrieb). Die Texte, oftmals prophetisch, oftmals bitter, oftmals zynisch aber immer geprägt von viel Zuneigung für diese „Arbeiterklasse“, die es so heute eigentlich kaum noch gibt.

Und der Ernst Busch … ihm hört man an, dass er vonall diesen Botschaften durchdrungen war … sein engagiertes Leben ist dafür das beste Beispiel.

Und ein wenig packt mich dann doch die Wehmut, wenn ich all jene aufrechte Kommunisten denke, deren Ideale vom „real existierenden Sozialismus“ in den Dreck gezogen wurde … denn das unverzichtbare Grundprinzip einer Rosa Luxemburg („Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.“ in: „Zur russischen Revolution“ –  Zuerst veröffentlicht 1922 von Paul Levi nach dem handschriftlichen Manuskript aus dem Nachlaß.) wurde von all jenen „kommunistischen“ Staaten nicht wirklich beachtet oder gar ernst genommen.

ErnstBusch04
Besetzung:

Ernst Busch (vocals)
+
Adolf Fritz Guhl (keyboards bei 01., 02., 07., 10.
Walter Olbertz (piano bei 05.
Werner Pauli (guitar bei 11.
Dieter Rumstig (guitar bei 09.
+
Instrumentalgruppe unter der Leitung von Adolf Fritz Guhl (bei 04., 06., 15.
+
Großer Chor des Berliner Rundfunks unter der Leitung von Adolf Fritz Guhl (bei 15. + 17.)
Berliner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Adolf Fritz Guhl (bei 15. + 17.)

BackCover1.JPG

Titel:
01. Moderne Legende (1914) (Brecht/Busch) 1.59
02. Legende vom toten Soldaten (Sommer 1918) (Brecht) 4.59
03. Als ich ins Exil gejagt wurde (Brecht) 1.11
04. Ballade vom Weib und dem Soldaten (Brecht/Eisler) 3.59
05. Gegen Verführung (Brecht/Busch) 1.20
06. Ein Pferd klagt an (Brecht/Eisler) 3.01
07. Von der Freundlichkeit der Welt (1922) (Brecht/Eisler) 1.18
08.. Gegenlied dazu: Von Der Freundlichkeit Der Welt (1955) (Brecht) 1.23
09. Die Ballade von den Abenteurern (Brecht) 1.49
10. Erinnerung an die Marie A. (Brecht) 4.56
11. Von den verführten Mädchen (Brecht) 1.46
12. Ballade von den Seeräubern (Melodie: L’Etendard De La Pitié) (Brecht/Traditional) 5.33
13. Die Ballade von der Hanna Cash (Brecht/Busch) 5.30
14. Das Lied vom SA-Mann (1931) (Brecht/Eisler) 3.25
15. Solidaritätslied (1931) (Brecht/Eisler) 2.41
16. Die Ballade vom Baum und den Ästen (1933) (Brecht/Eisler) 4.21
17. Einheitsfrontlied (1934) (Brecht/Eisler) 2.27

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ErnstBusch05

Akkord-Arbeiter – Traumurlaub in Zwentendorf + Leben woll’n wir schließlich alle (1979)

FrontCover1Hier halten wir nun eine nicht nur rare, sondern auch durchaus amüsante musikalische Rarität aus den Tagen der Anti-AKW Bewegung in Österreich quasi virtuell in den Händen.

Diese quasi ad-hoc Single wurde von Martin Auer. Er sc hreibt über die Entstehung des Liedes folgendes:

Das Lied habe ich 1979 geschrieben, als ich in der Zeitung gelesen hatte, amerikanische Reisebüros würden Besichtigungstouren nach Zwentendorf zum einzigen Modell eines Atomkraftwerks im Maßstab 1:1 anbieten. Die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf in Österreich wurde bekanntlich durch eine Volksabstimmung verhindert.

Aufgenommen wurde die Single im Schmetter-Sound-Studio und die Gruppe „Akkord-Arbeiter“ bestand von 1976 bis 1981.

Und erschienen ist die Single dann 1980 auf „Extraplatte“ als „Extra-Single Nr. 1“ .

Zwentendorf

Und der Martin Auer ist ganz sicher ein wichtiger Aktivposten in der alternativen Kulturszene von Österreich:

Martin Auer wurde 1951 in Wien geboren. Er hat die Universität besucht und dort ein Jahr lang das Studium von Germanistik und Geschichte und dann ein weiteres Jahr das Dolmetsch-Studium geschwänzt. Stattdessen hat er Theater gespielt. War sieben Jahre lang Schauspieler, Dramaturg und Musiker am „Theater im Künstlerhaus“. Hat dann eine Band gegründet. Ist als Liedermacher aufgetreten. Hat Gitarreunterricht gegeben. Die Weltrevolution vorbereitet (gratis). Als Texter für Werbung und Public Relations Übertriebenes, Unwahres und Einseitiges verbreitet (für Geld). Für Zeitungen gearbeitet. Sich zum Zauberkünstler ausgebildet. Ist bei Betriebsfesten und Kindergeburtstagen aufgetreten. Hat irgendwann einmal auch ein Kinderbuch geschrieben. Das 1986 veröffentlicht wurde.

Seither betrachtet er sich als Schriftsteller und hat aus diesem Grund noch über vierzig weitere Bücher geschrieben, davon ca. zwei Drittel für Kinder. Auch einige Preise eingeheimst, z.B. den Kinderbuchpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen 1990, den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1994, 1998 und 2000, den Förderpreis des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr (das damals auch für Wissenschaft und Kunst zuständig war) 1996 und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien 1997 und 2002. Er wurde nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1997, und für den internationalen Hans-Christian Andersen-Preis 1997. 2005 wurde ihm für Verdienste um die Republik Österreich der Berufstitel Professor verliehen, was er ehrend, aber auch irgendwie lustig findet.

MartinAuer

Martin Auer ist Vater einer erwachsenen Tochter, Großvater von zwei etwas jüngeren Enkeln und Vater einer kleinen Tochter. Er lebt in Wien und hat keine indischen Laufenten. (Selbstdarstellung)

Und beschäftigt man sich mit dem Schaffen von Martin Auer, so kommt man eigentlich aus dem Staunen gar nicht heraus … derartig vielfältig ist sein Werk … a kommt man ja kaum daran vorbei, sich damit mal intensiver zu beschäftigen.

Und mit dieser Single kann man ja einen Anfang machen. Seite 1 enthält eben jene drollige musikalische Posse, auf das AKW Zwentendorf aus Tourismus-Ziel und Seite 2 eines jener der damals typischen Protestlieder für ein besseres Leben ohne der Einengungen und Gefahren durch den sog. „wirtschaftlichen Fortschritt“

Ach ja … Zwentendorf kann man heute tatsächlich besichtigen:

Zwentendorf

Besetzung:
Martin Auer (vocals)
Norbert Ehrenleitner (guitar)
Harald Huber (piano)
Karl Kienzl (violin)
Peter Rosmanith (drums)
Dieter Weiß (bass)
Peter Widhalm (vocals)

BackCover1.jpg
Titel:
01. Traumurlaub in Zwentendorf (Auer) 3.48
02. Leben woll’n wir schließlich alle (Auer) 4.18

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