Iris Radisch – Die Schule der Frauen – Wie wir die Familie neu erfinden (2007)

FrontCover1Auch wenn dieses Hörbuch nicht all meine Erwartungen erfüllte, ist es ein Hörbuch, das nicht nur originell formuliert ist, sondern, dass auch ein zentrales Thema unser aller Leben zum Thema hat: Die Familie und wie sie sich definieren kann/soll/muss im 21. Jahrhundert:

Unser überkommenes Familienmodell funktioniert nicht mehr. Ein neues aber haben wir auch noch nicht gefunden. Und so probieren, lavieren und lamentieren wir so dahin. Das ist auf Dauer kein Zustand! Das meint auch Iris Radisch, die in Die Schule der Frauen den Ursachen, Folgen und (un)möglichen Auswegen aus unserer Malaise nachspürt, die sehr viel mehr als nur eine demografische ist! Denn nicht nur an Kindern, auch, nein: vor allem an der Fähigkeit zu lieben mangelt es uns: „Ob wir wirklich eine Kinderkatastrophe haben oder auf eine solche zusteuern — wir werden es sehen“, schreibt die Autorin in einem der Schlüsselkapitel des lesenswerten Bandes. „Was wir aber heute schon haben, und was die Vorhut der drohenden Kinderkatastrophe ausmacht, ist eine Liebeskatastrophe.“ Dies habe viele Gründe, vor allem aber „das völlige Fehlen von Vorbildern gelingender Liebe in modernen Lebensverhältnissen“.

IrisRadisch01Radischs Schule der Frauen ist ein mit spitzer Feder, wachem Verstand und Gefühl geschriebener, bei allem Ernst des Themas und bei aller Ernsthaftigkeit der Autorin stellenweise durchaus auch heiterer Essay über den bedauernswerten (Gefühls-)Zustand unserer Gesellschaft und dem Bild, das wir davon haben (oder uns erst noch machen müssen), wie wir in Zukunft leben wollen. Herausgekommen ist eine scharfsichtige Analyse möglicher Rollen, die in dieser Gesellschaft Männer und Frauen und nicht zuletzt Kinder spielen und in Zukunft vielleicht spielen könnten. Und mit Blick auf diese Zukunft geht es Radisch vor allem um die Suche nach einem neuen Ethos der Liebe. Einer Liebe, zu der eben auch Kinder gehören! Die Passagen, in denen die Autorin versucht, wenigstens andeutungsweise zu zeigen, in welcher Weise Kinder uns erst eine wirkliche Lebens- und Liebesperspektive zu eröffnen vermögen, gehören zu den stärksten des Buches.

Radisch zeigt anhand zahlreicher Beispiele, und nicht zuletzt durch die Art ihrer eigenen Reflexion, dass Frauen insgesamt betrachtet offenbar aus der Geschichte ihres Geschlechts — nicht immer freiwillig — ungleich mehr gelernt haben und immer noch lernen, als die immer ratloseren Männer, die gleichwohl immer noch (im Verbund freilich mit mancher ihnen nacheifernden Frau) überwiegend unsere Geschicke bestimmen. Die täten deshalb zu unser aller Wohl gut daran, sich in der Schule der Frauen die Unterweisung und emotionale Inspiration zu holen, ohne die wir uns als nur noch einzelne Menschen immer weiter aus dem Ruder laufen. (Andreas Vierecke – Literaturanzeiger.de)

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Wir hören hier ein sehr geistreiches Hörbuch: einerseits dringend notwendig, andererseits dennoch in einem Stil vorgetragen, der dann auch wirklich Spaß macht, denn: Die Autorin versteht es nicht nur sprachlich sehr eloquent zu formulieren, sondern zudem auch noch stets mit einer Prise augenzwinkenden Humor, so hören wir z.B. Formulierungen wie “ … die unerschöpfliche Lust an der erotischen und emotionalen Optimierung der Existenz … “

Nachdem die Autorin (Jahrgang 1958) gewissermaßen zu meiner Generation gehört, kommt mir vieles sehr, sehr bekannt vor (einschließlich meiner eigenen Narreteien vergangener Jahre). Spannend stets ihre Hinweise auf historische Entwicklungen von Familie (stets mit edem besonderen Blickwinkel auf die Stellung der Frau).

Da könnte ich noch vieles schreiben … denn dieses Hörbuch lenkt auch stets den Blick auf die eigenen Biographie. Aber nicht nur das: Die Autorin teilt auf z.T. köstliche Weise aus und insbesondere Politiker wie Schröder, Scharping und Fischer und ihr so ganz spezielles Paarungsverhalten bekommen ihr Fett ab.

Von daher: ein mehr als empfehlenswertes Hörbuch.

Nur: wirkliche Lösungsansätze zu dem Dilemma moderner Familien (sie hat dabei allerdings stets nur die gut-bürgerliche Mittelschicht im Auge) liefert dieses Hörbuch nicht.

Dabei wäre es ein leichtes gewesen, den Blick nach Skandinvien zu lenken: Dort sind Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer ganz, ganz anderen Art mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

Und irgendwie, ja irgendwie bin ich heilfroh, dass all diese brisanten Themen in meinem Leben keine Bedeutung mehr haben, denn als Vertreter der reiferen Jugend stellen sich andere Themen und Fragen (auch nicht immmer lustig … )

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Besetzung:
Iris Radisch (Sprecherin)

Booklet1

Titel:
01. Kapitel 1 / 10.18
02. Kapitel 2 / 6.41
03. Kapitel 3 / 4.17
04. Kapitel 4 / 8.20
05. Kapitel 5 / 7.19
06. Kapitel 6 / 8.50
07. Kapitel 7 / 6.56
08. Kapitel 8 / 4.56

Text: Iris Radisch

CD1

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