Verschiedene Interpreten – Die große aktuelle Non-Stop-Revue Folge 4 (1963)

FrontCover1Solche „Non-Stop-Revuen“ waren damals – so meine Vermutung – sehr beliebt, denn es gibt haufenweise solche Scheiben.

Hier ist irgendwie ein ganz besonders schönes Exemplar, denn da folgt ja ein Kracher nach dem anderen.

Es geht schon los mit Hatzy Osterwald und seinem Intro „Musik muß dabei sein“ (wie recht hat er !) …

Und nach einer kurzen Begrüßung gleich der olle Will Brandes mit seiner kleinen Elisabeth (einschließlich heißem Saxophon-Solo !).

Und dann marschieren all die anderen auf, die uns damals noch kurz begeistern konnten, bevor der Liverpool- und Merseybeat-Sound uns mit Haut und Seele für sich einnahm.

Der Song „Bißchen denken beim schenken“ von Gus Backus (mit Pferdegetrampel und Pistolenschüssen) ist ja gar nicht mal so verkehrt, gerade in dieser Jahreszeit !

Sehnsüchtige Texte und Klänge von Sängerinnen wie Mina, Lolita („Träume von der Heirat“, „Einsam steh ich am Strom“) oder auch „Weiße Orchideen“ (Margot Eskens) waren damals ja auch an der Tagesordnung.

Und natürlich war auch das „Cowboy“ Thema unverzichtbar: „Die letzte Rose der Prärie“ (Martin Lauer), „Western Rose“ (Peter Kraus)

Kecke Jungs wie Ted Herold, Peter Kraus (im Duett im Gus Backus !), der Schwerenöter Lou van Burg bringt es mit seinem „Bossa Nova – Casanova“ gleich mal auf den Punkt, Rene Kollo überrascht mit „Eso Beso“

Fernweh Songs wie  „Träume von der Heimat“, „Tahiti, bei Nacht“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Singles
Und der Songs („Nichts ist so schöne wie) „Der Mond von Wanne-Eickel“ ist einfach nur genial.

Und – man glaubt es kaum- ausgerechnet Lolita überrascht mit ihrem „Sag mir wo die Blumen sind) aber auch die durchgeknallte Trude Herr brilliert mal wieder … („tanz mit mir den Spiegel-Twist, auch wenn du von der Krip0 bist … “ … und es gibt noch viel, viel mehr zu entdecken …  wie z.B. das Duo bill Ramsey + Peter Alexander (!) und dabei wünsche ich viel Vergnügen !

Und mit Ausnahme eines Carlos Otero haben viele der Interpreten bis heute noch einen klangvollen Namen !

Hach, was könnt´ ich schwärmen, gerade nach einem heftig anstrengenden Arbeitstag … und somit haben wir schon einmal die Funktion einer solchen Musik ein wenig erklärt.

Und zum besseren Verständnis: Damals presste man die Titel so eng auf die Platte, dass heutzutage eine Aufteilung in die einzelnen Song kaum möglich ist … von daher diesmal beide Seite in jeweils einem Rutsch … da hilft mir das geniale tool namens Audacity auch nicht weiter.

BackCover1

Titel:

Seite 1: (20.20)
01. Hazy Osterwald Sextett:  Musik muß dabei sein (Osterwald/Feltz)
02. Will Brandes & die kleine Elisabeth: Baby-Twist (Twardy(Lilibert)
03. Gus Backus: Bißchen denken beim schenken (Niessen/Rauch)
04. Mina: Tabu (Scharfenberger/Feltz)
05. Martin Lauer: Die letzte Rose der Prärie (Hallets/Bartels)
06. Peter Kraus: Western Rose (Scharfenberger/Feltz)
07. Fred Bertelmann: Mary- Rose (Sherman/Bradtke)
08. Ted Herold: Madison um Mitternacht (Cooke/Relin)
09. Gus Backus & Peter Kraus: Das haben die Mädchen gern (Scharfenberger/Feltz)
10. Lolita: Träume von der Heimat (Scharfenberger/Busch)
11. Lou van Burg: Bossa Nova – Casanova Scharfenberger/Niessen)
12. Friedel Hensch & die Cyprys: Der Mond von Wanne Eickel (Perrin/Blondi/Bader)
13. Trude Herr: Spiegel – Twist (Twardy/Buchenkamp)
14. Peter Kraus: Uns’re Reise fängt an (Caravan,Caravan) (Scharfenberger/Feltz)

Seite 2: (21.12)
15. Gus Backus: Das kleine Wunder vom großen Glück (Scharfenberger/Feltz)
16. René Kollo: Eso Beso (Sherman/Loose)
17.  Günter Kallmann Chor: Annabelle (Laine/Bartels)
18.  Lolita: Einsam steh ich am Strom (Reanrd/Bader)
19. Margot Eskens: Ich bin wie ein Schiff (Schmitz/Weingarten)
20. Gerhard Wendland: Immer wieder lieb‘ ich dich (Presley/Matson/Moesser)
21. Die Tahiti-Tamourés:  Wini – Wini (Hellmer/Petersen)
22. Peter Alexander & Bill Ramsey: Keine Zeit und kein Geld (Osterwald/Feltz)
23. Ivo Robić: Ich denk‘ nur an’s wiedersehen (Kaempfert/Schwabach)
24. Lolita: Sag mir wo die Blumen sind (Seeger/Sholohkov/Colpet)
25. Carlos Otero:  Bye, Bye, Romantica (Götz/Hertha/Hellmer)
26. Margot Eskens: Weiße Orchideen (Halletz/Lilibert)
27. Schuricke Terzett: Tahiti, bei Nacht (Werner/Relin)
28. Peter Alexander: Kann denn Liebe Sünde sein (Brühne/Balz)

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Verschiedene Interpreten – Starparade 1972 (1972)

FrontCover1.JPGUnd wieder mal so eine Benefiz-LP, diesmal galt es, dem Weltkinderhilfswerk der Veinten Nationen (UNICEF) zu unterstützen … mit dem klassischem Slogan „Der Reinerlös aus dem Verkauf dieser Langspielplatte fließt … “
Schirmherrin war die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Frau Hilda Heinemann und dann noch dieser „Senator e.h. Dr. Franz Burda“, der dann auch gleich seine Zeitschrift „Die Bunte“ in die Waagschale warf.

Und auch diese LP bringt so ne bunte Mischung aus populären Melodien, die sich zum Teil noch heute ganz gut anhören lassen.

Klar, da schmettert der Heino („… und der Blacky mischte Karten … und Johnny saß schon wieder bei der Tänzerin … „), da präsentiert sich der Christian Anders als veritabler Gospelsänger (und der Bläser-Riff dieses Gospel-Songs erinnert doch verdammt an „Satisfaction“ von den Rolling Stones), Udo Jürgens versuchte sich bei seinem „…Und dann sagt man sich Goodbye“ (war mir bis dato so gar nicht bekannt), auch als Texter und versuchte dabei an seine „Merci Cherie“ Tradition anzuknüpfen.

Der olle Bill Ramsey schmettert das Liedchen über den „Trödler Abraham“ (abgewandelt wohl die Titelmusik für diesen blog… siehe unten)

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Ebenfalls selten das deutschsprachige Liedchen „Concerto“ von Cliff Richard und auch Adamo hatte schon bessere Lieder im Gepäck gehabt; gleiches gilt übrigens auch für den Sacha Distel … wobei dessen Lied durchaus so mancher Dame das Herz zu überlaufen bringen könnte … ja, ja, dieser alte Charmeur.

Aber dann kommt der Reinhard Mey mit seinem Klassiker „Ankomme, Freitag, den 13.“: noch heute kann ich mir über diese schelmische Ballade köstlich amüsieren …

Ebenfalls ein Klassiker: „Sag mir wo die Blumen sind“ von der großen Marlene Dietrich … noch heute beeindruckend in seiner Schlichtheit, ohne dass dadurch die Tiefe dieses Anti-Kriegs-Liedes leidet.

Ein wenig bombastischer dann die deutschsprachige Version von „Nathalie“, auch textlich hörenswert.

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Ein wenig überraschend taucht dann noch die Anneliese Rothenberger auf … keine Frage: die konnte schon singen … hier singt sie ja schon fast wie ein Engel aus anderen Sphären …

Also ein nette musikalische Zeitreise in eine Epoche, in der durchaus auch anspruchsvollere Lieder Platz auf so einer Benefiz finden konnten.

Interessieren würde mich, wie viele Einnahmen dann tatsächlich an die UNICEF überwiesen wurden …

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Titel:
01. Heino: In einer Bar in Mexico (v.Kleebsattel) 3.17
02. Christian Anders: Du hast sie verloren (Anders/Jay) 3.12
03. Howard Carpendale: Wenn unsere Liebe ewig so bliebe (Clan/Springbock) 2,41
04. Udo Jürgens: …Und dann sagt man sich Goodbye (Jürgens) 3.01
05. Bill Ramsey: Abraham (Hofer) 3.16
06. Cliff Richard: Concerto (Gordoni/Hertha) 2.59
07. Adamo: Komm in mein Boot (Adamo/Brandin) 4.08
08. Reinhard Mey: Ankomme, Freitag, den 13. (Mey) 4.52
09. Sacha Distel: Deine heimlichen Träume (Mayer/Kunze) 2.49
10. Marlene Dietrich: Sag mir wo die Blumen sind (Colpe/Seeger) 3.37
11. Gilbert Becaud: Nathalie (Becaud/Hertha/Delanoe) 2.49
12. Anneliese Rothenberger: Romance Espagnole (Traditional/Grund) 2.01

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Hey Leute, hört beim Trödler Abraham,
seht euch mal um beim alten Abraham!

Zog einst bis an der Erde Ende,
ob ich Sonderbares fände,
Gaben, Lichter, Götter, oder Tand,
fand in Stein gehau´ne Fragen,
Zauberkunst aus alten Tagen,
fand die Weisheit am Poseidon Strand.

Hey Leute, hört beim Trödler Abraham,
seht euch mal um beim alten Abraham!

Narrenspiel und hehre Dramen,
all das trug ich wohl zusammen
für die Jahrmarktsbude dieser Welt.
Wahrheit, Schein, Gerüchte, Lügen,
und kein Jota wird verschwiegen
wenn Abraham den Kirmes hält.

Hey Leute, hört beim Trödler Abraham,
seht euch mal um beim alten Abraham!

Schönes aus den alten Zeiten,
edle Werte, die uns leiten,
und ein gutes Werk, das Heil erbringt.
Was noch für den Schwärmer bliebe,
ein paar Töne zarter Liebe,
wie´s der Gondoliere wohl besingt.

Tschumbamba, ba-tschumbamba, ba-tschumbambambaba!
Ja, kommt und wühlt in Kitsch und Künsten,
Abraham ist stets zu Diensten,
nehmt den Kram und werdet froh damit!
Bam Bam Bam tschumbamba…

Hey Leute, lest beim Trödler Abraham,
seht euch mal um beim alten Abraham!

Verschiedene Interpreten – Die Spitzenreiter 1959 (1960)

FrontCover1Jetzt steht mal wieder so ne heiter-vergnügliche Runde Nostalgie ins Haus. Die Hits des Jahres 1959 aus dem Hause Polydor kamen 1960 auf einem Sampler (sagte man damals noch nicht, der Ausdruck war wohl „Querschnitt“ oder so).

Nun, es ist eine interessante Zeitreise mit vielen unterschiedlichen Aspekten.

Da ist zum einen die Tatsache, dass sich etliche der damaligen Hits in das kollektive Bewußtsein jener Generation (und darüberhinaus !) eingebrannt hat. Damit meine ich z.B. Lieder wie „Mandolinen und Mondschein“, „Morgen“, „Die Gitarre und das Meer“,“Sugar Baby“ und allen voran natürlich der unverwüstliche „Kriminal-Tango“ von Hazy Osterwald.

Aber auch Bill Ramsey´s „Souvenirs“ macht bis heute einfach nur gute Laune.

Und dann lässt sich festellen, dass so etliche der damaligen Stars bis heute einen klangvollen Namen habe. So ist z.B. Peter Kraus bis heute noch aktiv. Apropos Peter Kreuz: ihn hört man auch bei dem Lied „Cowboy-Billy“ gemeinsam mit Jörg Maria Berg hatte er kurzfristig das Duo „James Brothers“ gegründet.

Und da gibt es auch noch ne Handvoll von Sängern, die den großen Sprung über all die Jahrzehnte nicht geschafft haben, wie z.B. das Duo „Tom und Tommy“ die hier den skurillen Song „Eine handvoll Heimaterde“ zum besten geben.

Die Gesangspartnerin von Louis Armstrong, Gabriele Clonisch beendete dann ihre kurze Karriere als Kinderstar im Jahr 1963.

Und auf einen Song will ich dann noch ganz besonders hinweisen: „Charly Brown“ von den „Honey Twins“ (dahinter verstecken sich die Sängerinnen Andrea Horn und Trixie Kühn); begleitet werden sie nämlich vom Max Greger Orchester und der ließ es sich nehmen am Ende des Liedes ein wirklich ganz schön heißes Saxophon-Solo zum besten zu geben … Respekt !

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Und das schreibt die ‚WDR4/Schallplattenbar“ über dieses Album:
Im Herbst 1960 startet die Plattenfirma Polydor mit der Langspielplatten-Serie „Die Spitzenreiter“ ein Großprojekt. Auf einen Schlag werden 11 LP’s mit den größten Hits der Jahre 1949 – 1959 veröffentlicht. Die Titelauswahl für ein abgelaufenes Schlagerjahr erfolgt zwar zwangsläufig aus der Retrospektive, aber in diesem Fall war der zeitliche Abstand teilweise doch schon erheblich. Die „Spitzenreiter 1959“, um die es hier geht, lagen allerdings noch nicht so weit zurück, was bei der Zusammenstellung sicher hilfreich war. Die folgenden Langspielplatten dieser Reihe erscheinen dann im jährlichen Turnus.

Für die Firma Polydor verlief das Jahr 1959 kommerziell gesehen äußerst erfolgreich und die Auswahl an Spitzenhits ist dementsprechend groß. Unter den umsatzstärksten Interpreten des Plattenkonzerns findet man wieder einmal Freddy, der dafür sorgte, dass auch diesmal die Seemannsromantik nicht zu kurz kam. Mit „Die Gitarre und das Meer“ und „Unter fremden Sternen“ bereichert er diese Kollektion als einziger Solist gleich mit zwei Aufnahmen. Dabei handelt es sich um die Titelmelodien der ersten beiden großen Freddy-Filme, die 1959 ihre Kino-Premiere erlebten. Natürlich ist auch Peter Alexander, ein weiterer Erfolgsgarant der Firma, wieder mit von der Partie. Dafür fehlt allerdings Caterina Valente, denn sie wechselte inzwischen zu Decca, in der Hoffnung, ihre Karriere auch international voranzutreiben.

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Dass mittlerweile auch die Teenager einen Großteil der Plattenkäufer ausmachen, sieht man daran, dass mehrere Titel dabei sind, die speziell für das junge Schlagerpublikum produziert wurden. Neue Namen wie Tommy Kent oder die Honey Twins sorgen für frischen Wind, während Peter Kraus und die James Brothers (Peter Kraus & Jörg Maria Berg) bereits unter den Spitzenreitern des Vorjahres zu finden waren. Dass dem Heimatschlager nicht ganz die Puste ausging, ist dem Duo Tom & Tommy zu verdanken. „Eine Handvoll Heimaterde“ blieb jedoch ihr einziger großer Hitparadenerfolg. Es fällt auf, dass diesmal nur noch die Hälfte der Titel von heimischen Autoren stammt. Coverversionen internationaler Hits sind deutlich auf dem Vormarsch.
Zu den Schlagerfavoriten 1959 gehört „Am Tag als der Regen kam“, gesungen von Dalida. Diese Aufnahme erschien allerdings bei der Firma Ariola. Die Polydor hatte den Titel mit einer gewissen Renée Ray nachproduziert. Hinter diesem international klingenden Pseudonym verbarg sich die Sängerin Renée Franke, die ihre große Zeit in den frühen 50er Jahren hatte. Von den Konsumenten wurde ihre Version zwar kaum beachtet, doch bei der Titelauswahl der vorliegenden LP griff man gern darauf zurück. Immerhin konnte man so auch einen Hit der Konkurrenz präsentieren. Diese Möglichkeit hätte man auch beim Nr.-1-Hit „Tom Dooley“ gehabt, der bei der Electrola vom Kingston-Trio in englisch und von den Nilsen Brothers in deutsch gesungen wurde. Die Polydor ließ diesen Schlager vom „Tom Dooley-Trio“ einsingen, zu dem u.a. Ralf Paulsen gehörte. Doch offenbar wurde das bei der Zusammenstellung dieser Schlagerauslese übersehen.

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Die Plattenhülle der LP zeigt – wie bei der kompletten Reihe üblich – ein Reitsportmotiv. Um das auf Anhieb zu erkennen, muß man in diesem Fall aber schon etwas genauer hinschauen. Auf der Rückseite sind alle Interpreten abgebildet. Wobei Peter Kraus gleich zweimal zu sehen ist: Zum einen als Solist, zum anderen als Mitglied der James Brothers. Fans von Kopplungen, die die großen Hits eines Jahrgangs zusammenfassen, dürfte diese Langspielplatte mit Sicherheit zufrieden stellen. Sogar für Raritätensammler ist etwas dabei, denn die Aufnahme mit Renée Ray ist bislang auf keiner CD zu finden.

Ob nun ein weißes Schiff nach Hongkong fährt oder ob Jacky Brown & Baby Miller in einer obskuren Taverne einen Tango tanzen – die „Spitzenreiter 1959“ bieten ein tolles und abwechslungsreiches Schlagerprogramm.

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Titel:
01. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Die Gitarre und das Meer (Olias/Pinelli) 2.28
02. Ivo Robić und die Song-Masters: Morgen (One More Sunrise) (Mösser) 2.34
03. Bill Ramsey (Orchester Werner Twardy): Souvenirs (Bartels/Coben) 1.53
04. Tom und Tommy (Horst Wende-Tanzsolisten): Eine handvoll Heimaterde (Peka/Zalatnay) 2.14
05. Peter Alexander (Orchester Erich Werner): Mandolinen und Mondschein (Mandolins In The Moonlight) (Bartels/Schroeder/Weiss) 2.35
06. Die James Brothers (Orchester Werner Scharfenberger): Cowboy-Billy (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.38
07. Louis Armstrong und Gabriele (Orchester Erwin Halletz): Onkel Satchmo’s Lullaby (Bradtke/Halletz) 2.25
08. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Unter fremden Sternen (Fährt ein weisses Schiff nach Hongkong) (Olias/Pinelli) 2.49
09. Melitta Berg (Horst Wende-Tanzsolisten): Nur du, du, du allein (To Know Him Is To Love Him) (Relin/Spector) 2.26
10. Peter Kraus (Orchester Werner Scharfenberger): Sugar-Baby (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.31
11. Hazy Osterwald-Sextett: Kriminal-Tango (Feltz/Trombetta) 3.32
12. Tommy Kent (Horst Wende-Tanzsolisten): Susie Darlin‘ (Luke/Mösser) 2.40
13.  Honey Twins (Orchester Max Greger): Charly Brown (Blecher/Leiber/Stoller) 2.10
14. Renée Ray (Orchester Glen Marshall): Am Tag als der Regen kam (The Day When The Rain Came) (Bader/Bécaud/Dalanoe) 2.47

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Verschiedene Interpreten – Herzen öffnen – Die schönsten Schlager der 50er Jahre (2005)

FrontCover1Jede Menge klassischer Schmalzfetzen und Schnulzenmusik aus den 50er Jahren. Veröffentlicht zugunsten des „Roten Kreuzes“ im Jahre 2005.

Ursprünglich dachte ich mir, ne nette kleine Ergänzung für alle Nostalgiker, die sich eben auch an jenen Illusuionsmelodien der 50er Jahre erfreuen können, denn bei Interpreten wie Bill Ramsey, Fred Bertelsmann, Caterina Valente, Vico Torriani etc. kann man ja nix falsch machen.

Und in der Tat, dieser Sampler bietet eine netten kleinen Rückblick, und auch mir noch nicht so vertraute Aufnahmen von Lou van Burg oder Lys Assia sind enthalten und von daher, wollte ich eigentlich schreiben „eine nette Sammlung von Schmankerl der musikalischen Art“.

Und dann stieß ich auf das Lied „Die süssesten Früchte fressen nur die grossen Tiere“ von Peter Alexander, das er mit einer gewissen „Leila Negra“ im Jahre 1952 aufnahm.

Und dann wollte ich wissen, wer eigentlich diese „Leila Negra“ war/ist … und ich wurde fündig und ich gestehe, mir blieb, angesichts ihrer Biographie erstmal der Mund offen:

NegraAlexander

Leila Negra & Peter Alexander, 1954

Marie Nejar (* 20. März 1930 in Mülheim an der Ruhr; Künstlername Leila Negra) ist eine ehemalige deutsch-französische Schlagersängerin und Schauspielerin, die während der Zeit des Nationalsozialismus als dunkelhäutige Statistin in Filmen der UFA spielte und mit dem Beginn der 1950er Jahre, ungeachtet ihres wahren Alters, zu einem Kinderstar avancierte. Ihre kurze mehrjährige Laufbahn im Rampenlicht beendete sie Ende 1957 und begann eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Marie Nejar ist die Enkelin einer Dame aus einer großbürgerlichen Hamburger Familie, die – als sie sich mit einem Kreolen aus Martinique verheiratete – von ihrer Familie verstoßen wurde. Das Paar bekam keine sonderliche Unterstützung und zog von Zeit zu Zeit von einem Ort zum anderen, auf der Suche nach einer Anstellung. Die gemeinsame Tochter Cécilie wurde geboren, als sich die Kleinfamilie in Riga niederließ, wo der Großvater Marie Nejars in einer Kneipe erschossen wurde.

Die verwitwete Großmutter zog daraufhin nach Hamburg zurück, wo sie sich niederließ. Ihre erwachsene Tochter Cécilie – Maries Mutter – arbeitete seinerzeit als Musikerin und zog singend von Bar zu Bar. Maries Vater war Kapitänssteward auf einem Schiff aus Liverpool und stammte aus Ghana. Er kehrte sehr bald nach England zurück und sah seine Tochter später nur wenige Male. Ihre Mutter versuchte die Schwangerschaft geheim zu halten und gebar das Baby in einem Waisenhaus in Mülheim an der Ruhr. Marie Nejar ist – entgegen landläufiger Meinung – somit kein so genanntes „Besatzungskind“ – zumal sie 1930 geboren wurde. Drei Jahre später wurde sie auf Drängen der Großmutter, die zwischenzeitlich von der unehelichen Tochter Cécilies erfahren hatte, nach Hamburg geholt.

Marie Nejar wuchs im Stadtteil St. Pauli auf, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe war sie einer Verfolgung sowie Anfeindung offen ausgesetzt, jedoch lag das Augenmerk der Nazis bei den Juden und Regimekritikern, so dass sie vorerst verschont blieb. Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 konnte sie jedoch ihre Schulausbildung nicht beenden und wurde zur Zwangsarbeit in einer Fabrik verpflichtet. Mit Hilfe einer liberalen Klassenlehrerin, eines jüdischen Arztes und der Menschlichkeit von Polizisten der Davidswache konnte sie die ersten Jahre überleben.

Der damalige Propagandaminister Joseph Goebbels suchte schwarze Kinder, die in diversen UFA-Filmen sogenanntes „Buschvolk“ spielen sollten. So wurde Marie Nejar ebenfalls angeschrieben und bald nach Potsdam-Babelsberg eingeladen, wo sie schließlich 1942 in einer Szene im aufwändig produzierten Münchhausen-Film an der Seite von Hans Albers eine schwarze Dienerin mit einem Palmenwedel spielte. „Entschuldigen Sie. Damals war ich ein Kind. Ich fand das toll, und außerdem hatte ich zwei Wochen schulfrei. Mit Unterschrift und auf Anweisung von Herrn Goebbels.“

Ein paar Monate später verkörperte sie neben Heinz Rühmann eine weitere kleine Rolle als Tochter eines Stammeshäuptlings in dem Streifen Quax in Afrika.

Nach Kriegsende 1945 arbeitete sie zunächst in Hamburg in der Er & Sie-Bar. Nach dem Tod ihrer Großmutter (1949) war sie Zigarettenverkäuferin am Timmendorfer Strand, als sie zufällig aufgefordert wurde, ein Mikrofon zu testen, das zur Unterhaltung der Abendgäste diente. Bei dieser „Probe“ sang sie ein damals populäres Lied von Horst Winter, das die Musiker von ihrem Talent überzeugte. In Wien übernahm sie in einer Revue eine Nebenrolle, wobei sie auch singen musste. Daraufhin erhielt die inzwischen erwachsene Frau einen Vertrag mit einer Schallplattenfirma.

Marie Nejar wurde dennoch als 15-Jährige ausgegeben und startete zu Beginn der 1950er Jahre eine Karriere als singender Kinderstar, der zahlreiche deutsche Schlager veröffentlichte. Aufgrund ihrer Hautfarbe war das Interesse an ihr als Nachkriegskuriosität groß, genau wie bei Josephine Baker vor dem Krieg und dem in Tunis geborenen Afrokubaner Roberto Zerquera (Roberto Blanco) sowie dem Trinidad-Deutschen Peter Mico Joachim (Billy Mo) nach dem Krieg.

NeilaNegrad2010

Leila Negra, 2010 (bei einer Veranstaltung der Evangelische Akademie im Rheinland , Bonn)

Marie Nejar hatte ihren größten Schlager-Erfolg unter dem Künstlernamen Leila Negra 1952 zusammen mit Peter Alexander unter dem Titel Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, produziert von ihrem – und Alexanders – Entdecker Gerhard Mendelson. Doch auch andere Lieder wie Mach nicht so traurige Augen oder das Toxi-Lied aus dem gleichnamigen Film (Premiere am 15. August 1952) errangen die Gunst des Publikums und landeten auf guten Mittelplätzen bei der Hitparade. Gemeinsam mit Peter Alexander und anderen Musikern tourte sie in den 1950er Jahren durch Deutschland mit einem großen Teddybären im Arm, was so etwas wie ihr Markenzeichen werden sollte. In einem Interview vom 20. April 1955 bezeichnete sie sich als „Hamburgerin durch und durch“, auch wenn sie die französische Staatsangehörigkeit habe.

Nach Mitwirkung in fünf Filmen und den Aufnahmen von etwa 30 Schlagern endete Leila Negras aktive Karriere Ende der 1950er Jahre. Sie begann 1957 eine Ausbildung zur Krankenschwester und war dann später in diesem Beruf in Hamburg tätig. Marie Nejar lebt heute als Rentnerin in Hamburg (Quelle: wikipedia)

Und so wurde für mich aus einem kleinen, billigem Sampler eine bewegende Zeitreise, die mich gelehrt hat, dass wir unserer Geschichte nicht entfliehen können und sollten …

Ein interessantes Interview mit Leila Negra mit der „taz“ habe ich beigelegt.

Und ich mag einfach mal hoffen, dass all die Groschen, die dem Deutschen Kreuz zugeflossen sind, auch wirklich  dort angekommen sind, wo sie hingehören …

Booklet1

Titel:
01. Bill Ramsey: Souvenirs, Souvenirs (Cohen/Bartels) 1.57
02. Fred Torr: Der lachende Vageabund (Lowe/Mösser) 2.47
03. Rene Carol: Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein (Harden/Hoff) 3.05
04. Caterina Valente: Ganz Paris träumt von der Liebe (Porter/Feltz) 2.52
05. Vico Torriani: Kalkutta liegt am Ganges (Gaze/Bradtke) 2.42
06. Rudi Schurike: Capri Fischer (Winkler/Siegel) 3.11
07. Bruce Low: Das alte Haus von Rocky Docky (Hamblin/Feltz) 3.04
08. Peter Alexander & Leila Negra: Die süssesten Früchte fressen nur die grossenTiere (Mascheroni/Rastelli/Panzeri/Feltz) 2.27
09. Chris Howland: Fraulein (Williams/Fleming) 2.24
10. Gerhard Wendland: Das machen nur die Beine der Dolores (Jary/Balz) 2.26
11. Lale Andersen: Blaue Nacht,o blaue Nacht am Hafen (Carson/Scharfenberger/Wilke) 3.45
12. Lou van Burg: Nicolo, Nicolo, Nicolino (Winkler/Feltz) 2.48
13. Lys Assia: Wenn die Glocken hell erklingen (Villard/Schwenn/Frytag) 2.49

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Verschiedene Interpreten – Ruf doch mal an – Die schönsten Telefon-Schlager (1999)

FrontCover1Und wieder mal ne kleine Zeitreise, die so ganz besonders amüsant ist …

25 Schlager rund ums Thema ‚Telefon‘ Enthält die deutsche Version von Jim Reeves’ Telefon-Klassiker He’ll Have To Go Mit Elke Sommer, Bill Ramsey, Greetje Kauffeld u.v.m. ‚Das Pferd frißt keinen Gurkensalat!‘ Mit diesem gesprochenen Test-Satz stellte 1861 der Lehrer Philip Reis eine bahnbrechende Neuerung vor – das Telefon war erfunden. Seitdem ist es aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Es kann helfen, kann Spaß und Geschäfte machen (und auch manchmal nerven). Der Fernsprecher war schon immer ein willkommenes Thema für Schlager-Komponisten und -Texter. Ob einheimische Interpreten (Gerd Böttcher Ein Herz mit Telefon , Elke Sommer Nachts ging das Telefon ) oder Zugereiste (Alma Cogan Ruf mich an, Sacha Distel Deine Stimme am Telefon, Bill Ramsey Telefon aus Paris) – das Thema produzierte immer neue Variationen.(Werbetext)

Aber diese Edition ist noch viel mehr … Da sind z.B. die launigen kulturhistorischen Betrachtung zur Geschichte und Bedeutung des Telefons von Bernd Matheja … da schlendeert einer mit viel schmunzeln wohl auch durch die eigenen Erinnerungen.

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Na ja … und dann die Musik … das bleibt einem der Mund offen, denn hier begegnet man wahrlich nicht nur bekannten Figuren, sondern Sängern/Sängerinnen von den ich noch nie etwas gehört habe … da tauchen Namen wie Alma Cogan, Nora Nova, Helena Vondrackova oder Little Wölfi und machen ihre Sache gar nicht mal so schlecht (klar, wir reden hier vom Schlager der 60er Jahre !)

Diese Zusammenstellung hat dann auch in den USA eine gewisse Beachtung gefunden, denn aus dem Musikportal allmusic findet sich dann folgende Besprechung:

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A thematic compilation of German songs about telephones, Ruf Doch Mal an! Telefon assembles 25 pop recordings from 1949-1972, cross-licensed from nearly a dozen different labels. About a third of the selections are German-language adaptations of pop hits from other countries, particularly the United States. Paul Anka’s „Kissin‘ on the Phone“ and Brenda Lee’s „The Waiting Game“ and „You Can Depend on Me“ are three such hits that are transformed into sparkling schlager in the hands of these mostly German pop vocalists. Mostly pop (teen and otherwise) in style, these are infectious ditties that tap into the popular infatuation with telephones, especially with regard to their role in facilitating private romantic conversations.

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The theme is possibly more compelling than ever considering the ubiquity of cell phones, and the songs, in that respect, are fascinating for turning a magnifying glass on something that most people take for granted today. A few songs feature German-language recordings by American and British stars such as Eve Boswell of the Boswell Sisters and Alma Cogan, but most feature schlager singers. The essay, in German, recounts the history of the telephone in Germany before offering a photo gallery of picture sleeves and artist photos for each song. (by Greg Adams)

Ja und dann … hat mir beiser Zusammenstellung eigentlich ein ganz besonderer Teleon-Schlager gefehlt und zwar Bill Ramsey´s „Hallo Boss, hallo“ … ein verschmitztes Telefonat mit dem Boss der Firma, der gerade in Italien weilt … anhören !

Und natürlich wurden auch meine Erinnerungen hinsichtlich meiner bedeutsamer Telefonate in meinem Leben wach … oh, oh, oh …da wechselten sich große Glücksmomente mit persönlichen Tragödien ab … ei, ei, ei …

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Titel:
01. Bernd Spier: Memphis, Tennessee (Berry/Monzague/Lilibert) 2.20
02. Alma Cogan; Ruf mich an (Olden/Zimber) 2.53
03. Gigi & Bernd Spier: Dann ging das Telefon (Hilliard/Allen/Blecher) 2.14
04. Marianne: Ruf am Sonntag bei mir an (Nils/Bradtke) 2.37
05. Ruth Berle: Nur am Telefon (Wolf/Bower/Hertha) 2.18
06. Monika Grimm:  Ein Kuss am Telefon (Wilson/Whitcup/Märten) 2.23
07. Max Greger: Hallo Susi! (Lieferman/Maine/Astor/Zeuden) 2.47
08. Charly Cotton und seine Twist Makers: Telefon Twist (Bruhn/Buschor) 2.15
09. Dany Mann: Leider falsch verbunden (Halletz/Bradtke) 2.08
10. Elke Sommer: Nachts ging das Telefon (Kollo) 2.24
11. Topsy: Telefon Fox (Simon) 2.47
12. Bill Ramsey: Telefon aus Paris (Gietz/Feltz) 2.07
13. Gerd Böttcher: Ein Herz mit Telefon (Grabe/Brech/Klomfass) 2.59
14. Greetje Kaufeld: Ruf an (ich bin immer für dich da) (Carpenter/Dunlap/Hines/Feltz) 3.03
15. Sacha Distel: Deine Stimme am Telefon (Peeters/Feltz) 2.57
16. Gerhard Wendland: Ich bin bei dir (J.Allison/A,Allison/Bader) 2.17
17. Nora Nova: Nora (Telefon aus St. Tropez) (Berlipp/Stroem/Lind) 3.14
18. Nana Gualdi: Sprich nicht über Liebe am Telefon (Nowa/Renhard) 2.43
19. Eve Boswell: Liebes Telefon (Hadad/Brown/Fleming) 3.09
20. Hannes Verres: Ruf mich noch einmal an, bevor du schlafen gehst (Niessen) 2.49
21. Nino Ferrer: Das Telefon (Ferrer/König/Bellert) 2.46
22. Helena Vondrackova: Ruf mich an (Ondracek/Rytir/Relin) 2.24
23. Marianne: Ruf mich nir mehr an (Alisch/Mennewisch/Breuer) 2.42
24. Little Wölfi: Klingelingeling, mein Telefon (Kuntze/Volkmann/Harings/Höhne) 2.20
25. Evelyn Künnecke:  Ruf mich mal an per Telefon (Berking/Frankenfeld) 3.08
+
26. Bill Ramsey: Hallo Boss, hallo (Gietz/Bradtke) 3.28

CD1

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AlteTelefone

Verschiedene Interpreten – In Hamburg sagt man tschüss (2013)

FrontCover1Vor vier Jahren war ich mal in Hamburg.  Und da wollte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, einen Rundgang durch St.Pauli bzw. die Reeperbahn zu unternehmen. Und so schlenderte ich auch an dem Lokal „Zum Silbersack“ vorbei, aber erst im „St. Pauli Museum“ erfuhr ich dann ein wenig mehr über dieses Lokal:

„Zum Silbersack ist eine Kneipe in St. Pauli in der Nähe der Reeperbahn.

Gegründet wurde das Lokal 1949 vom Ehepaar Erna und Friedrich Thomsen in Hamburg-St. Pauli auf einem Trümmergrundstück nahe der Reeperbahn. 1958 starb Friedrich Thomsen, Ehefrau Erna führte den Betrieb nun alleine weiter. Die Gaststätte wurde bald zu einer Kult-Kneipe. Auch Prominente wie Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Hans Albers, Freddy Quinn und Hildegard Knef gehörten zu den Gästen.

Am 9. Mai 2012 starb Erna Thomsen im Alter von 88 Jahren an Herzversagen und der

ErnaThomsen

Erna Thomsen

„Silbersack“ wurde geschlossen, da weder Sohn Gerd Thomsen, noch die in Schottland lebende Schwester Heidrun Thomsen die Kult-Kneipe weiterführen wollten.

 

Stammgäste, Anwohner, die Interessengemeinschaft St. Pauli, der St. Pauli Bürgerverein von 1843 und sogar das Bezirksamt Hamburg Mitte und eine Facebook-Initiative mit bald mehr als 1.300 Mitgliedern setzten sich für einen Erhalt ein. Durch Vermittlung des Bezirksamtsleiters Andy Grote wurde die Kneipen-Immobilie mit dazugehörigem Wohngebäude an die „Freunde des Silbersack GmbH & Co. KG“, eine Gesellschaft von 20 Hamburger Immobilien-Kaufleuten, darunter Andreas Rehberg (Grossmann & Berger), Frank Schmidt (Quantum), Stefan Wulff (Otto Wulff Bauunternehmung) und Andreas Fraatz (Fraatz-Bartels-Unternehmensgruppe), Immobilien-Finanzier Christian Holle um geschätzte eine Million Euro verkauft.

Der „Silbersack“ wurde neu verpachtet. Pächter ist der Dortmunder Dominik Großefeld, der 2010 als Mitarbeiter in der Kneipe begann und als Ziehsohn der verstorbenen Silbersack-Wirtin gilt. Er hat mit der neuen Eigentümergruppe einen Vertrag über 10 Jahre mit Option auf weitere 10 Jahre geschlossen.

Silbersack
Das Gebäude mit seiner farbenfrohen, ungewöhnlichen Fassade wurde von verschiedenen Künstlern abgebildet, darunter dem Hamburger Szenemaler 4000, der den „Silbersack“ für seine St. Pauli-Serie malte. (Quelle: wikipedia)

So weit so gut …
Und dann erschien heuer der Sampler „In Hamburg sagt man tschüss“ und liest man sich die Titelliste durch, so kommt man nicht umhin, ein wenig erstaunt zu sein … aber die Erklärung ist eigentlich ne ganz einfache.

Jukebox

Die Jukebox im Silbersack

„Die Geschichte von Erna Thomsen ist gelebte Bundesrepublik. 1949 eröffnete sie mit ihrem Ehemann Friedrich auf einem Trümmergrundstück mitten auf dem Kiez ihre Kneipe Zum Silbersack. Ein Hafen für die Menschen auf St. Pauli, ein Anker für die Gestrandeten der Nacht. Nur neun Jahre nach dem Start starb ihr Weggefährte, und Erna betrieb das Lokal alleine weiter. Mit Hirn, mit Herz und mit Musik.

Die Jukebox, die die legendäre Wirtin mit ihren Lieblingshits bestückte, ist ebenso wie der Silbersack selbst ein ursprüngliches Stück Hamburg, das es zu bewahren gilt. Zu Ehren von Erna Thomsen, die am 9. Mai 2012 im Alter von 88 Jahren starb, veröffentlicht Sony Music nun eine CD mit den favorisierten Songs aus der Musikkiste, die den Schankraum in der Silbersackstraße 9 ein ums andere Mal mit nostalgischem Charme auflud. Der Titel ist schnörkellos wie der Kiez (nur leider in Hamburg-untypischer Orthografie): „Silbersack – in Hamburg sagt man Tschüss!“

Zu den 22 Nummern, mit denen Erna Lebewohl gesagt wird, gehört auch das „Silbersack Lied“ von Jens Rainer Kalkmann. „Mit sicherer Hand lenkt sie ihr Schiff und hat das Ruder fest im Griff“, wird die Tresenfrau da zum Schunkelsound besungen. In ähnlichem akustischen Fahrwasser bewegt sich Vorzeige-Hamburger Jan Fedder mit den Big Balls und der Feierhymne „Rum aus Jamaika“. Das Retro-Gemüt munter ins Schwingen bringen Gottfried & Lonzo mit „Hamburg ’75“. Und auch mit Nummern von Rolf Zuckowski, Heidi Kabel und Hans Albers, mit „Das Herz von St. Pauli“ und „De Hamburger Veermaster“ wird mächtig ins lokalpatriotische Horn gestoßen. Allerdings gab und gibt es hinter der bunt gekachelten Fassade zwischen Echt- und Bierblumen auch Klänge, die sehnsuchtsvoll in die Ferne locken.

Danke

Adamos „Es geht eine Träne auf Reisen“ oder Elvis‘ „Any Day Now“ dürften bei so manchem, der sich zu später Stunde bei Erna ausheulte, das Fass respektive die Seele zum Überlaufen gebracht haben. Für kleine musikalische Stürme im Schnapsglas wiederum sorgen auf der CD Bill Haley mit seinem „Rock Around The Clock“ oder Bill Ramsey mit seiner Anbagger-Ode „Flotter Dampfer“.

Nach Erna Thomsens Tod war einige Zeit unklar, ob nicht der Zapfhahn trocken bleiben und die Jukebox verstummen wird. Mittlerweile hat sich eine Gruppe von Investoren gefunden, die gemeinsam mit den Erben beschlossen hat, die Leitung der Kult-Kaschemme an den langjährigen Mitarbeiter Dominik Großefeld zu übergeben. So können die Gäste dann weiterhin im Silbersack Gerhard Wendlands Zeilen singen: „Tanze mit mir in den Morgen“. (Hamburger Abendblatt)

Und: mir hat diese skurille Musikmischung (aus der Abteilung: aberwitzig) durchaus gefallen … und aller hanseatischen Klischees zum Trotz – die Liebe zu einer Kneipe und zu einer Stadt, die mehrere Generationen durchs Leben begleitet hat … diese Liebe ist hörbar … und das finde ich großartig !

BookletBackCover1
Titel:
01. Jens Rainer Kalkmann:  Das Silbersacklied  (Kalkmann) 3.01
02. Jan Fedder & Big Balls: Rum aus Jamaika (Gerner/Tölcke) 2.59
03. Gottfried & Lonzo: Hamburg ’75  (Westphal/Böttger) 3.39
04. Rolf Zuckowski: Ich liebe diese Stadt (Mein Hamburg) (Zuckowski) 3.14
05. Hamburg Allstars: Mit der Nase im Wind (Lingnau/Jeske) 3.56 (*)
06. Hildegard Knef: Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmid/Knef) 3.10
07.  Heidi Kabel: In Hamburg sagt man „Tschüss“ (Lindau/Winterberger) 2.42
08. Hans Albers: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (Roberts) 3.05
09. Liselotte Malkowsky: Das Herz von St. Pauli (Jary/Albers/Gillo) 3.02
10. Lale Anderson: Lili Marleen (Schultze/Leip) 3.31
11. Elvis Presley: Any Day Now (Hilliard/Bacharach)  2.59
12. Bill Haley & The Comets: (We’re Gonna) Rock Around The Clock (Freedman/De Knight)) 2.09
13. Original Nilsen Brothers:  Aber dich gibt’s nur einmal für mich (Pit/Guley) 3.07
14. Margot Eskens: Cindy oh Cindy (Barron/Feltz) 2.46
15. Hannes Priesterjahn und die Hamburger Straßenmusikanten: De Seilerstroot  (Priesterjahn)     2.26
16. Timm Hein: De Hamburger Veermaster (Traditional) 2.52
17. Bill Ramsey: Flotter Dampfer (Gietz/Bradtke) 2.35
18. Connie Francis: Die Liebe ist ein seltsames Spiel (Greenfield/Keller/Siegel) 2.15
19. Peggy March: Mit 17 hat man noch Träume (Korn/Gerig) 2.43
20. Henry Valentino mit Uschi: Im Wagen vor mir (Blum) 3.28
21. Adamo: Es geht eine Träne auf Reisen (Adamo/Blecher) 2.58
22. Gerhard Wendland: Tanze mit mir in den Morgen (Goetz/Hertha) 2.53

CD1
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Eine wunderbare Hymne der „Hamburg Allstars“ auf die Hansestadt Hamburg:

 

(*) Gesungen wurde diese Hymne von

Bill Ramsey – Carlo Von Tiedemann – Corny Littmann – Dagmar Berghoff – Heidi Kabel – Inga Rumpf – Jan Fedder – Jasmin Wagner – Karl Dall – Lilo Wanders – Rolf Zuckowski – Udo Lindenberg – Ulrich Tukur – Wilhelm Wieben

Verschiedene Interpreten – Singt alle mit (1967/1971)

FrontCover1Also der Bill Ramsey war schon ne ganz besondere Nummer:

Bill Ramsey (* 17. April 1931 in Cincinnati, Ohio als William McCreery Ramsey) ist ein deutsch-US-amerikanischer Jazz- und Schlagersänger, Journalist, Hörfunkmoderator und Schauspieler. Er wurde durch deutschsprachige Schlager wie Souvenirs oder Pigalle (Die große Mausefalle) bekannt.

 

William McCreery Ramsey, genannt Bill, Sohn einer Lehrerin und eines Werbemanagers der Firma Procter & Gamble, sang bereits in seiner Jugend in einer College-Tanzband. Als er von 1949 bis 1951 an der Yale-Universität in New Haven ein Soziologie- und Wirtschaftsstudium begann, sang er nebenher Jazz, Swing und Blues. Zu seinen Vorbildern gehörten Count Basie, Nat King Cole, Duke Ellington und vor allem Louis Jordan.

Aufgrund des Koreakrieges wurde in den USA die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt, und Bill Ramsey musste seinen Dienst bei der United States Air Force in Deutschland ableisten. Auch in dieser Zeit trat er nebenbei in Clubs auf und wurde im damals berühmten und heute noch existierenden Jazzkeller in Frankfurt am Main von einem Angestellten des Soldatensenders AFN gesehen und als Mitarbeiter im Bereich der GI-Betreuung engagiert. Dort wurde Ramsey Chefproduzent und hatte, wenn auch noch immer in Diensten der Air Force, mehr Zeit für Auftritte bei Festivals.

Ab 1953 trat er bei Jazzveranstaltungen unter anderem mit Ernst Mosch, Paul Kuhn, Kurt Edelhagen und James Last auf. Der Jazzpianist und Musikproduzent Heinz Gietz vermittelte Bill Ramsey 1955 einen Auftritt beim Hessischen Rundfunk und engagierte ihn für Playback-Aufnahmen für den Musikfilm Liebe, Tanz und 1000 Schlager mit Peter Alexander und Caterina Valente. Nach Ende seines Militärdienstes setzte er sein Studium in seiner Heimat und ab 1957 in Frankfurt fort.

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Bill Ramsey 1954, „Chief Producer AFN Frankfurt“

1958 bot Produzent Heinz Gietz Ramsey einen Plattenvertrag an, und noch im selben Jahr erschien Ramseys erste Single bei Polydor. Die darauf befindlichen Schlager wurden zu einem kleinen Achtungserfolg und legten damit den Stil fest, mit dem der „Mann mit der schwarzen Stimme“ fortan zahlreiche Verkaufserfolge und Ohrwürmer landen konnte. Mit Souvenirs eroberte Ramsey 1959 die Spitze der deutschen Hitparaden. 1960 war Ramsey weniger erfolgreich, mit dem Foxtrott Gina, Gina von Heinz Gietz erreichte er im Mai lediglich Platz 39 in den Top 50 des Fachblattes Musikmarkt. Der nächste Nummer-eins-Hit gelang ihm 1961 mit Pigalle (Die große Mausefalle).

Seine Musik orientierte sich an den damaligen Hits anglo-amerikanischer Popmusik. Unter den in den 1950er- und 1960er-Jahren veröffentlichten Schlagern Ramseys befanden sich deutschsprachige Coverversionen von Hank Ballard, The Beatles, Fats Domino, Ivory Joe Hunter, Roger Miller, Elvis Presley, Jimmie Rodgers, Andy Williams, Sheb Wooley und anderen. Dazu kamen zahlreiche Originale, die zunächst fast ausschließlich von Heinz Gietz komponiert wurden. Die ironischen, vorzugsweise von Kurt Feltz oder Hans Bradtke stammenden Texte kommentierten oft das aktuelle Zeitgeschehen.

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1962 wechselte Ramsey gemeinsam mit Produzent Gietz zum Columbia-Label der EMI Group, wo er seinen Erfolg zunächst fortsetzen konnte. Bis Mitte der 1960er-Jahre die Beatmusik den Schlagermarkt deutlich verkleinerte, war Bill Ramsey regelmäßig in den deutschen Charts vertreten. Die Popularität verschaffte ihm außerdem zahlreiche Auftritte bei Film und Fernsehen, wo er als Sänger und in komischen Nebenrollen zu sehen war.

Ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre nahm Ramsey überwiegend englischsprachige Lieder auf und widmete sich in erster Linie wieder dem Jazz und dem Blues. In dem musikalisch abwechslungsreichen Jahrzehnt erschienen aber auch Operetten-, Musical- und Beattitel sowie eine LP mit Kinderliedern von Ramsey. 1966 wechselte Ramsey zu Heinz Gietz Plattenfirma Cornet und noch im selben Jahr wiederum zur Polydor. (Quelle: wikipedia)

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Bill Ramsey mit den Westfälischen Nachtigallen

Bill Ramsey als Hans Dampf in allen Gassen … hier nun als drolliger Sänger von mehr oder weniger bekannten Kinerliedern … als „Onkel Bill“ war er damals wohl sehr beliebt. Unterstützt wird er dabei von Sängern wie Willi Hagra, Wencke Myhre Peter René Körner  sowie den Westfälischen Nachtigallen …

Eine durchaus vergnügliche Angelegenheit und überraschend dann, dass das Lied „Heinrich und Liese“ ja eigentlich „Ein Loch ist im Eimer“ ist.

Dieser Sampler speist sich aus zwei LP´s der 60er Jahre. Zum einen „Sing mit Onkel Bill“ und zum anderen „Singt alle mit im Winterwunderland mit Onkel Bill“ … kleiner Hinweis auf die bevorstehende Jahreszeit …

Den Löwenanteil der Lieder bestreitet der Bill Ramsey … und wer seine Art zu singen mag … kommt hier auf seine Kosten.

Und dass Bill Ramsey weitaus mehr drauf hatte, als fidele Kinderlieder zu singen, setze ich jetzt einfach mal als bekannt voraus.

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Bill Ramsey mit Willy Hagara und Peter Rene Körner und den Westfälischen Nachtigallen

Besetzung:
Willi Hagara (vocals)
Wencke Myhre (vocals)
Peter René Körner (vocals)
Bill Ramsey (vocals)
+
Die Westfälischen Nachtigallen (background vocals)
+
unbekanntes Studio-Orchester

BackCover1

Titel:
01. 1. Sing ein Lied mit Onkel Bill (Sonneborn/Relin)
01.2. Als die Schneider Jahrestag hatten (Traditional) 2.01

02.1. Auf einem Baum ein Kuckuck saß (Traditional)
02.2. Der Kuckuck ist ein kluger Mann (Traditional) 2.21

03.1. Frere Jaques (Traditional)
03.2. Droben auf der rauhen Alb (Traditional) 3.55

04. Rosenstock, Holder blüht (Traditional) 0.26
05. Vetter Jacob (Traditional) 2.14
06. Alleweil ein wenig lustig (Rathgeber) 0.40
07. Ich ging emol spazieren (Traditional) 2.14
08. Heinrich und Liese (Traditional) 1.52
09. Hab mein Wage vollgelade (Traditional) 1.40

10.1. Lügenlied (Traditional)
10.2. Es klapperten die Klapperschlangen (Traditional) 3.27

11. Das habt ihr wirklich fein gemacht (Ramsey) 0.23

12.1. Zwoa Brettln, a g´führiger Schnee (Sirl)
12.2. Soviel Schwung (Benes/Feltz)
12.3. An der Ecke steht ein Schneemann (Müller/Bradtke) 2.49

13.1. Eisblumen-Lied (Oldörp/Bradtke)
13.2. Schneewalzer (Dieter/Raschek) 2.22

14. 1. Schneeflocken – Zählen (Oldörp/Bradtke)
14.2. Luftballon, Luftballon (Eastburn/Beckmann) 1.55

15.1. Heute gehen wir auf die Eisbahn (Gietz/Bradtke)
15.2. Die Schlittschuhläufer (Waldteufel) 2.33

16. Wozu ist die Straße da (Lang/Petrak) 1.32
17. Happy Days Are Here Again (Ager/Yellen) 1.05

18.1. Jingle Bells (Traditional)
18.2. So geht es im Schnützelputz-Häuschen (Traditional) 2.58

19. Hei, so eine Schnellball-Schlacht (Froboess/Bradtke) 0.55

LabelB1
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