Darek Ensemble – Salon- und Café-Musik von gestern und vorgestern (1987)

FrontCover1Schon lange war hier nicht mehr die Rede von meiner immer wieder innig geliebten Salon- und Café-Musik aus längst vergangenen Tagen. Und deswegen wird es mal wieder höchste Zeit, ein Album mit Musik dieser Art zu präsentieren.

Aber was ist nun eigentlich Salon-und Café Musik ?

Man könnte sagen, sie ist ein Ausdruck für leicht aufnehmbare, sentimentale, sinnliche und oft auch besonders virtuose Musik. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte sich neben dem literarischen auch der musikalische Salon. Die in einem Empfangs-oder Gesellschaftszimmer aufgeführte Musik war an einen spezifischen geselligen Kontext gebunden und diente Unterhaltungszwecken. Im „Salon“ befand sich eine private, meist großbürgerliche Gesellschaft, die den musikalischen Darbietungen eher oberflächlich folgte. In gewisser Weise ist Salonmusik die bürgerliche Fortführung der Kammermusik des Adels aus dem 17./18. Jahrhundert.

Die Salonmusik als musikalische Gattung setzt sich zumeist aus Bearbeitungen von klassischer Musik, Opern-und Operetten-Arien, Gesellschaftstänzen sowie aus poetischen Instrumentalstücken und volkstümlichen Melodien zusammen. Selbst Franz Schubert komponierte Musik für die biedermeierlichen Salons in Wien. Mit zunehmender Kommerzialisierung der Hausmusik gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entstand ein Genre der Salonmusik, das nicht mehr so ernst genommen und von Kritikern als Kitsch bezeichnet wurde. Neben den musikalischen Dilettanten, die sich der Salonmusik annahmen, gab es professionelle, vornehmlich artistische Salonmusik. Franz Liszt glänzte als Klaviervirtuose in den Salons und Jacques Offenbach begann seine Karriere in den Pariser Salons.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Salonmusik kleinbürgerlicher und öffentlicher. Sie war in zahlreichen Cafés, Weinstuben, Hotel- und Konzerthallen zu hören. Neben den Tanzkapellen entstanden Salonorchester in spezieller Besetzung. Häufig musizierte man mit einem Klaviertrio. Jedoch gab es auch erweiterte Ensembles z.B. die Pariser, die Wiener und eine Berliner Besetzung. Das Klavier behielt seine dominante Stellung bei.

SalonMit der Entwicklung von Radio und Grammophon wurde die Salonmusik enorm zurück gedrängt und fristete ein Schattendasein. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts tritt die historische Salonmusik erfreulicher Weise wieder stärker in Erscheinung und wird von zahlreichen Ensembles vorgetragen.

Eine Erweiterung der Salonmusik aus vielen anderen musikalischen Genres wie z.B. Filmmusiken, Schlager, Evergreens, Jazz, Blues, verschiedene Tänze u.a. sind in der heutigen Aufführungspraxis häufig anzutreffen. Dadurch erfreut sich die Salonmusik zunehmender Beliebtheit und hält wieder regen Einzug in den öffentlichen und privaten Gebrauch.
Und die Entwicklung der Kaffeehausmusik ist eng verbunden mit der Gründung der ersten europäischen Kaffeehäuser und der Verbreitung von Kaffeespezialitäten. Die ersten Kaffeehäuser entstanden im osmanischen Reich. Mit der Eröffnung eines Kaffeehauses in Istanbul erreichte diese Institution erstmals den europäischen Kontinent. Im westlichen Europa wurde das erste Café 1647 in Venedig unter den Arkaden des Markusplatzes gegründet. Später folgten in London, Bremen, Hamburg und anderen Städten. In Wien eröffnete ein Armenier namens Johannes Theodat 1685 das erste Kaffeehaus der Stadt. Neben dem Adel saßen auch einfache Leute am gleichen Tisch, redeten, diskutierten und lasen ihre Zeitungen. Gelehrte, Literaten und Politiker wie auch Künstler waren in Kaffeehäusern häufig gesehene Gäste. Im 18. Jahrhundert begann eine neue Ära des Wiener Kaffeehauses.

Das erste Wiener Konzertcafé wurde 1788 von Martin Diegand eröffnet. In der Folgezeit besuchte auch W.A. Mozart gern Konzertcafés, um die Wirkung seiner Musik aus erster Hand begutachten zu können. CafehausBeethoven ließ es sich auch nicht nehmen und musizierte öfter in Kaffeehäusern. Kaffeehausmusik, auch als Salonmusik bezeichnet, verbreitete sich nicht nur in Wien sondern auch in anderen großen europäischen Städten wie Paris und Berlin. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zum großen Durchbruch. Obwohl es teilweise schon um 6.00 Uhr morgens losging, war kein Platz mehr zu bekommen. In Wien war es das Streicherensemble rund um Johann Strauß Senior und Josef Lanner, das für berstend volle Kaffeehäuser sorgte. Ihr Ruf verschaffte ihnen Auftritte in ganz Europa, wo sie wie Popstars umjubelt wurden. Aber auch J. Strauß Sohn und viele seiner komponierenden Zeitgenossen wurden in den Wiener Kaffeehäusern gefeiert. Die heute aufgeführte Kaffeehaus-oder Salonmusik setzt sich aus verschiedenen Musikgattungen zusammen. Sie dient der Unterhaltung beim Genuss von Kaffee, allein oder in geselliger Runde. Man kann Leute treffen und kennenlernen, lesen, eine Auszeit nehmen, und nebenher den Klängen der ruhigen Musik lauschen. Das Kaffeehaus ist eine Stätte der JiriDarekEntspannung und des Wohlbefindens. Die abwechslungsreiche und unterhaltsame Musik wird, wie bei der Salonmusik, in kleineren Besetzungen dargeboten. (Kaffeehaus – und Salonensemble Rudolstadt)

Und mit dem „Darek Ensemble“ wird dieser herrlich-schmalzigen Musik ein Denkmal gesetzt.

Jiri Darek studierte am Konservatorium in Prag und an der Janacek-Akedemie in Brünn. Von jeher war er um eine möglichst vielseitige musikalische Bildung bemüht, und schon während seiner Studienzeit widmete er sich nicht ausschließlich nur den Meisterwerken der solistischen und kammermusikalischen Violinliteratur, sondern spielte ebenso gern auch im Orchester oder in einem kleinen Kaffeehaus-Ensemble.

Im Jahre 1973 wurde der Mitglied, sechs Jahre später Konzertmeister im Rundfunkorchester des Südwestfunks.“ (zitiert aus dem booklet)

Man lasse sich nicht täuschen: Auch diese Musik erfordert durchgehend ein hohes Niveau … und in diesem Ensemble spielte z.B. ein Thilo Berg mit … der später als wirklich bemerkenswerter Jazzdrummer mit seinen eigenen Produktionen durchaus beeindruckend war.

Aber nun: viel Vergnügen mit all diesen verspielten und schmachtenden Melodien !

DarekEnsemble

Besetzung:
Thilo Berg (drums)
Jiri Darek (violin)
Hans-Rolff Hauck (violoncello)
Edmund Högemann (piano)
Klaus Leppla (violin)
Peter Matejcek (clarinet, saxophone)
Winfried Mattern (clarinet, saxophone)
Willie Tiepold (bass)
Georg Uhl (guitar)
Alfred Wurm (clarinet, saxophone)

BookletBackCover1

Titel:
01. Roter Teufel (Plessow/Grünberg) 2.50
02. Ganz leise kommt die Nacht (Grothe/Grünberg) 3.39
03. Avant de mourir (Boulander/Schneiders) 2.46
04. Das blonde Kätchen (di Lazzaro/Grünberg/Darek) 2.53
05. Im Chambre Separee (Heuberger/Darek) 3.28
06. Somewhere Over The Rainbow (Arlen) 3.28
07. Spitzbub (Rixner/Grünberg) 2.03
08. El Toro Loco (Schneiders) 2.02
09. Tea For Two (Youmann/Grünberg) 3.35
10. Puszta Fox (Erdelyi/Schneiders) 2.02
11. Wien wird schön erst bei Nacht (Stolz/Grünberg) 3.30
12. Da Capo (Boulanger/Grünberg/Darek) 2.30
13. Toselli-Serenade (Toselli/Grünberg) 3.25
14. Von der Pusta will ich träumen (Brühne/Grünberg) 3.29

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