Manfred Scheuch – Historischer Atlas Deutschland (1997)

TitelFür historisch interessierte ist dieser „Historische Atlas“ ganz sich von Interesse. Und wir reden hier von einer immensen Fleißaufgabe:

Manfred Scheuch hat mit seinem Historischen Atlas Deutschland erstmals einen detaillierten Überblick der einzelnen Territorien Deutschlands erstellt und präsentiert übersichtlich die oftmals komplizierte Entwicklung der zahllosen Grafschaften und Reichsstädte, Kurfürstentümer und Herzogtümer, Erzstifte und Abteien. Mehr als 200 Planskizzen und historische Karten ermöglichen einen Überblick über die wichtigsten Stationen des Gesamtstaates: Von den Germanenstämmen der Vorzeit über das Frankenreich als Vorstufe zum Ersten Reich, das als Heiliges Römisches Reich eine Sonderstellung in Europa einnahm. Vom Zerfall in viele kleine Herrschaftsgebiete bis zur größten Katastrophe der deutschen Geschichte und den Erfahrungen daraus. Vom schwierigen Weg zur Wiedervereinigung in einem sich wandelnden Europa. Neben den heutigen Bundesländern werden auch jene Gebiete behandelt, die sich nur vorübergehend im Verband des Reiches befanden. Ein ausführlicher Anhang über die wichtigsten Kaiser und Könige, Staatsoberhäupter und Regierungschefs komplettiert dieses Geschichtsbuch, das sowohl als Nachschlagewerk zur raschen Orientierung als auch zur Vertiefung in Teilgebiete der deutschen Geschichte funktioniert.

Beispiel02

Manfred Scheuch hat mit seinem Historischen Atlas Deutschland erstmals einen detaillierten Überblick der einzelnen Territorien Deutschlands erstellt und präsentiert übersichtlich die oftmals komplizierte Entwicklung der zahllosen Grafschaften und Reichsstädte, Kurfürstentümer und Herzogtümer, Erzstifte und Abteien. Mehr als 200 Planskizzen und historische Karten ermöglichen einen Überblick über die wichtigsten Stationen des Gesamtstaates: Von den Germanenstämmen der Vorzeit über das Frankenreich als Vorstufe zum Ersten Reich, das als Heiliges Römisches Reich eine Sonderstellung in Europa einnahm. Vom Zerfall in viele kleine Herrschaftsgebiete bis zur größten Katastrophe der deutschen Geschichte. (Verlagsankündigung)

Ergänzt werden musss dann aber noch, dass auch die Länder Österreich und die Schweiz ebenfalls in ihrer historischen Entwicklung präsentiert werden.

Geschichtsbücher haben ein Problem: Sie müssen ein unerschöpfliches Reservoir an Daten und Fakten zu einer möglichst verständlichen, sinnvollen Darstellung zusammenfassen. Dabei werden zwangsläufig große Teile der verfügbaren Informationen weggelassen oder nur sehr am Rande gestreift. Vor allem eine historische Übersicht, die mehrere Jahrtausende eines größeren Raumes thematisch aufarbeiten will, kommt ohne Auslassungen nicht zu einem präsentablen Ergebnis.

Beispiel06.jpg

Manfred Scheuch versucht nichts weniger als die komplette Geschichte Deutschlands darzulegen. In Form eines Atlanten, der ein ausreichend großes Format für Karten, Bilder und grafische Zusatzinformationen bietet, versucht er von den Anfängen des germanischen Wirkens noch vor Christi Geburt bis zur Wiedervereinigung möglichst erschöpfend zu schildern. Daran anschließend geht er auf knapp einhundert Seiten auf die Geschichte der deutschen Bundesländer ein.

Jedes einzelne Kapitel beinhaltet eine moderne Übersichtskarte aus dem jeweiligen Zeitraum, historische Karten, Bilder, Tabellen und Diagramme. Doch der Großteil der Informationen ist im Textteil zu finden. Hier fallen der komplexe Stil und die Liebe zum kleinsten Detail auf. Diesem Bericht ist nicht immer einfach zu folgen, denn die Fülle an Einzelschicksalen, Jahreszahlen und Anekdoten ist nicht jedermanns Sache. Manchmal wirkt der Text wie aus einem Geschichtslexikon entlehnt. Doch hat man sich erstmal an Stil, Methodik und die inhaltliche Gliederung gewöhnt, beginnt man zusammenhängend zu verstehen, worauf es dem Autor ankommt. Er will ein Gefühl für die Epoche wecken, neben Details auch die Übersicht geben und die Bedeutung der Handlungsträger hervorheben.

Beispiel10.jpg

Brillant sind die Karten und Faksimiles, die dem teilweise langen Text beigegeben wurden. Sie vereinfachen die Informationsaufnahme, geben ein Gerüst und erleichtern den Zugang zu den komplexen Vorgängen. Hier ist sehr sorgfältig darauf geachtet worden, dass auch der Laie problemlos verstehen kann, was wann geschehen ist und inwiefern es wichtig für die Entwicklung Deutschlands ist.

Immer wieder gibt es in der chronologischen Abfolge der einzelnen Kapitel Einschübe, die langfristigere Zusammenhänge beleuchten. So wird beispielsweise gesondert auf die Lage der Juden in Deutschland von 1048 bis 1848 eingegangen, die Hochzeit der Hanse dokumentiert oder auf die deutschen Kolonien eingegangen. Hier liegen die Stärken des Autors, der solche langen Zeiträume in wenigen Sätzen sehr klar zusammenfassen und verdeutlichen kann.

Beispiel19.jpg

Ein weiterer Abschnitt des Atlases beschäftigt sich mit den „Früheren Ländern des Reiches“. Hier wird in kurzen Kapiteln auf Österreich, das Elsass, Lothringen, die Schweiz, Savoyen, die Niederlande, Belgien und Luxemburg, Schlesien, Böhmen und Mähren eingegangen.
Im Anhang finden sich ein Personenregister, eine Liste der Kaiser und Könige, der Landesfürsten, eine Literaturliste und ein Bildnachweis.

Ein „Historischer Atlas Deutschland“ gehört in jedes Haus. Ob es das Werk von Manfred Scheuch sein muss, bleibt dem Leser überlassen. Zu groß ist die Liste der möglichen Bücher und Fachwerke zu diesem Thema. Für den „Scheuch“ spricht sein für dieses Unterfangen sehr großes und angemessenes Format, die hervorragenden Karten und historischen Belege, der einfache Zugang und die sehr kompakte Zusammenfassung. Des Weiteren ist der Blick auf die Bundesländer und die früheren Länder des Reiches eine sinnvolle Erweiterung. Nur der Stil des Textes macht es nicht immer leicht, sämtliche Informationen sofort zu erfassen, doch bietet er einen sinnvollen Kompromiss zwischen Komplexität und Allgemeinverständnis.

Exzellent ist für ein Buch dieses Umfangs und dieser Druckqualität der Preis. Hier kann man nichts falsch machen. (Stefan Erlemann)

Beispiel22

Aber natürlich gab´s bei der Veröffentlichung auch kritische Stimmen:
Der Historische Atlas Deutschland von Manfred Scheuch ist als Atlas eine Fehlanzeige.
Es ist in Wirklichkeit nur ein ganz normales Buch mit viel Text und mit Bildern (Fotos, Gemälden). Karten gibt es zwar auch. Sie sind aber nur Teil des WortßTextes und in der Regel so simpel und schematisch gezeichnet, dass man von einer Wikipedia Karte mehr Details erfährt.
Was man eigentlich von einem historischen Atlas erwartet, nämlich Geographische Entwicklungen, Kulturlandschaften, politische Grenzen, Langzeitentwicklungen, Historie von Grenzziehungen und spezielle graphische Darstellungen von Bevölkerungsentwicklungen, Religionsverteilung, Seuchen usw. fallen gänzlich unter den Tisch.
Zum Text: konventionelle 08/15 Ländergeschichten. Auch dies völlig unoriginell aufbereitet. Halb Ereignisse & Politik, halb Anekdoten bunt gemischt. Von Geschichte im Raum und Raum in der Geschichte keine Spur. (Ohrwurm)

Beispiel37

Also dieser harschen Kritik kann ich mich nun wirklich nicht anschließen.Dass selbst ein Buch mit 256 Seiten niemals die „ganze Wahrheit“ sein kann, (es handelt sich ja „nur“ um 2000 Jahre deutsche Geschichte) erschließt sich eigentlich von selbst.

Für mich bleibt es ein Standardwerk, das zu einer übersichtsartigen Beschäftigung mit der deutschen Geschichte durchaus verwendet werden kann.

Mich störte viel mehr, dass hier die Geschichte überwiegend aus der Sicht der Herrschenden beschrieben wird … aber für die andere Sicht habe ich dann ja meinen Bernt Engelmann mit seinen „Anti-Geschichtsbüchern“ (kann gar nicht genug empfohlen werden).

Beispiel55

 

Beispiel01.jpg

Beispiel05.jpg

Beispiel07.jpg

Beispiel08.jpg

Beispiel09.jpg

Beispiel11

Beispiel12

Beispiel13.jpg

Beispiel14.jpg

Beispiel15.jpg

Beispiel16.jpg

Beispiel17.jpg

Beispiel18.jpg

Beispiel20.jpg

Beispiel21

Beispiel23.jpg

Beispiel24.jpg

Beispiel25.jpg

Beispiel26

Beispiel27

Beispiel28.jpg

Beispiel29.jpg

Beispiel30

Beispiel31

Beispiel32

Beispiel33

Beispiel34

Beispiel35

Beispiel36

Beispiel38

Beispiel39

Beispiel40

Beispiel41

Beispiel42

Beispiel43

Beispiel44.jpg

Beispiel45

Beispiel46.jpg

Beispiel47

Beispiel48.jpg

Beispiel49.jpg

Beispiel50

Beispiel51.jpg

Beispiel52

Beispiel53

Beispiel54.jpg

Beispiel56

Beispiel57

Beispiel58.jpg

Beispiel59

Beispiel60.jpg

*
**

Über den Autor:

Manfred Scheuch (* 31. Juli 1929 in Wien; † 3. Februar 2016[1] ebenda) war sozialdemokratischer österreichischer Journalist, Historiker und Autor.

Nachdem Manfred Scheuch sein Geschichtsstudium 1961 mit einer Dissertation über die Frühzeit der Arbeiterbewegung in Vorarlberg und dem Dr. phil. beendet hatte,[2] trat er 1963 als Journalist in die Arbeiterzeitung (AZ), das Zentralorgan der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ), ein. Die Partei befand sich damals, bis 1966, in einer so Beispiel61genannten „großen Koalition“ mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP).

In der AZ stieg er 1967 (1966 war die SPÖ bis 1970 Oppositionspartei geworden) zum Ressortleiter der Innenpolitik auf. 1970 wurde Manfred Scheuch vom Parteivorsitzenden Bruno Kreisky, damals soeben Bundeskanzler einer SPÖ-Minderheitsregierung geworden, als Nachfolger von Paul Blau zum Chefredakteur der AZ bestellt. (Kreisky blieb nun bis 1983 Regierungschef von SPÖ-Alleinregierungen.)

Als Parteizeitung hatte es die AZ in der Medienkonkurrenz der 1970er und 1980er Jahre immer schwieriger. 1989 verkaufte die SPÖ ihr Blatt an den Werbemanager Hans Schmid (dem in der Folge auch kein Erfolg mit der Zeitung beschieden war). Scheuch schied aus der AZ aus.

1990 und 1991 war Scheuch Chefredakteur des Wiener Blattes, 1992 bis 1996 des SPÖ Wien Telegramms und danach Redakteur des Wiener Teils im Österreich Magazin der SPÖ.

Scheuch war in der Folge vor allem als Autor historischer Fachliteratur anerkannt. (Quelle: wikipedia)