Heinz Schirk – Die Wannseekonferenz (DVD rip) (1984)

FrontCover1Die Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte im  Jahr  2008 eine zwölfteilige Dokumentation mit dem Titel „Deutschland: Schicksalsstunden““

Und der Untertitel zu dieser Edition lautete dann: „Zwölf legendäre Doku-Dramen von der Wannseekonferenz bis zur Wiedervereinigung – 12 DVDs und ZEIT Begleitbuch“.

Teil 1 dieser Edition beschäftigte sich mit der sog. „Wannseekonferenz“:

Auf der Wannseekonferenz kamen am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin 15 hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und SS-Behörden zusammen, um unter dem Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich als Präsident von Interpol, und damit Hausherr der IKPK-Wannseevilla, den begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren.
Auftrag Hermann Görings an Reinhard Heydrich vom 31. Juli 1941
Ein Dokument der Wannseekonferenz; hier die vorbereitete Liste der jüdischen Bevölkerung in Europa.

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Auftrag Hermann Görings an Reinhard Heydrich vom 31. Juli 1941 (1)

Entgegen verbreiteter Meinung war es nicht Hauptzweck der Konferenz, den Holocaust zu beschließen – diese Entscheidung war mit den seit dem Angriff auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) stattfindenden Massenmorden in vom Deutschen Reich besetzten Gebieten faktisch schon gefallen –, sondern in den Grundzügen die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten zu organisieren und die erforderliche Koordination sicherzustellen. Die Teilnehmer legten den zeitlichen Ablauf für die weiteren Massentötungen fest, grenzten die dafür vorgesehenen Opfergruppen genauer ein und einigten sich auf eine Zusammenarbeit unter der Leitung des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), das Heydrich führte.

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Auftrag Hermann Görings an Reinhard Heydrich vom 31. Juli 1941 (2)

Dies war das Hauptanliegen Heydrichs, den der Reichsmarschall Hermann Göring am 31. Juli 1941 mit der Gesamtorganisation der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt hatte. Daraufhin hatte Heydrich im Dezember 1941 zu der streng geheimen Konferenz eingeladen, an der Staatssekretäre aus verschiedenen Reichsministerien und dem Generalgouvernement, ein Ministerialdirektor der Reichskanzlei sowie leitende Beamte der Sicherheitspolizei (SiPo), des Sicherheitsdienstes (SD) und der Parteikanzlei teilnahmen. Protokollant war der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, Heydrichs Referent für „Judenangelegenheiten“.

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Die Einladung zur „Wannseekonferenz“

Der erst nach dem Zweiten Weltkrieg geprägte Begriff „Wannseekonferenz“ ergab sich aus dem Tagungsort, dem Gästehaus der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, Am Großen Wannsee 56/58. Die ehemalige Villa Marlier in Berlin-Wannsee wurde 1914/1915 nach Plänen von Paul Otto August Baumgarten erbaut. Heute ist das Haus eine Gedenkstätte für den Holocaust.

Die Judenliste

Ein Dokument der Wannseekonferenz; hier die vorbereitete Liste der jüdischen Bevölkerung in Europa.

Und hier nun die ARD Produktion zu diesem grässlichem Ereignis aus dem Jahr 1984:

Der Film spielt am 20. Januar 1942 in Berlin. Der SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich hat Repräsentanten verschiedener Ministerien und Dienststellen des Dritten Reiches zu einer Konferenz in eine Villa am Großen Wannsee eingeladen. Die Sitzung dauert ungefähr 85 Minuten. Der Film dokumentiert den Verlauf dieser Sitzung, die als Wannseekonferenz in die Geschichte eingegangen ist. Nach Aufforderung von Hermann Göring berät diese Gruppe unter Leitung von Heydrich organisatorische Fragen im Zusammenhang mit der so genannten Endlösung der Judenfrage. Der Film entstand auf Grundlage des Originalprotokolls.

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„Der Film bemüht sich um einen authentischen Bericht dieser folgenschweren Konferenz, indem er die Einheit von Ort und Zeit beibehält; ein eindrucksvolles und erschütterndes Dokumentarspiel; fürs Fernsehen entstanden, inzwischen in einigen Ländern im Kino ausgewertet.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Drehbuchautor Paul Mommertz, 54, freut sich: ‚Ein optimaler Film, auf beachtlichem Niveau.‘ Das Lob gilt vor allem dem Regisseur Heinz Schirk, zu Recht: Er hat es mit einer Riege bewährter Schauspieler, allen voran Dietrich Mattausch in der Rolle des Heydrich und Gerd Böckmann als Eichmann, verstanden, dem Mommertz-Stück jene Atmosphäre rassistischen Säuberungswahns und kaltschnäuziger Bürokratenperfektion einzuhauchen, die die Wannseekonferenz zu der wohl schauerlichsten Hitler-Deutschlands machte. Doch was sich hier als dokumentensichere Rekonstruktion der Zeitgeschichte gibt, erweist sich bei näherem Hinsehen auf weiten Strecken als ein Produkt televisionärer Fabulier- und Kombinationslust. Denn: Dies ist nicht die Wannseekonferenz, wie sie die Historiker kennen. Es ist die Wannseekonferenz a la Paul Mommertz.“ (Heinz Höhne: Eine Falle der Betroffenheit. In: Der SPIEGEL 51/1984)

Ganz so hart will ich dann nicht urteilen: Diese Fernsehproduktion ist zumindest eine erste Annäherung an ein Ereignis, das man mit Worten kaum fassen kann.

Das Judentum wird eine statistische Größe, der Holocaust ein Aktenvorgang, der Genozid ein Transportproblem. Eine Gruppe durchaus normal wirkender Menschen löst eine in der Geschichte einmalige Vernichtungsaktion aus: den „verwalteten“, „ordentlichen“ Völkermord. Die Diskrepanz zwischen der Durchschnittlichkeit der Täter und der Ungeheuerlichkeit der Tat macht den Film zu einer schockierenden Erfahrung.

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Der Film erhielt den „Grimme-Preis“

Besetzung: 
Dietrich Mattausch: Reinhard Heydrich
Harald Dietl: Dr. Alfred Meyer
Jochen Busse: Dr. Georg Leibbrandt
Peter Fitz: Dr. Wilhelm Stuckart
Dieter Groest: Erich Neumann
Rainer Steffen: Dr. Roland Freisler
Reinhard Glemnitz: Dr. Josef Bühler
Hans-Werner Bussinger: Martin Luther
Günter Spörrle: Gerhard Klopfer
Franz Rudnick: Friedrich Wilhelm Kritzinger
Robert Atzorn: Otto Hofmann
Friedrich G. Beckhaus: Heinrich Müller
Gerd Böckmann: Adolf Eichmann
Gerd Riegauer: Dr. Karl Eberhard Schöngarth
Martin Lüttge: Dr. Rudolf Lange
Anita Mally: Sekretärin

Regie Heinz Schirk
Drehbuch Paul Mommertz
Produktion Siegfried B. Gloeckner
Kamera Horst Schier
Schnitt Ulla Möllinger

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Eine Übersicht über alle Teile dieser Edtion:

Von der Wannseekonferenz 1942 über den Beginn der Studentenrevolte 1967 bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten: DIE ZEIT präsentiert zwölf fesselnde Dokumentationen und Doku-Dramen zu epochemachenden Ereignissen und Wendepunkten der jüngsten deutschen Geschichte. Mit preisgekrönten Beiträgen von Heinrich Breloer, Hans Christoph Blumenberg, Oliver Storz und anderen.

„Die Wannseekonferenz“
15 Nazigrößen beraten über die sogenannte Endlösung der Judenfrage

„Eine geschlossene Gesellschaft“
Die Bundesrepublik in den Fünfzigern: Jugendliche Freiheitsträume treffen auf verknöcherte Beichtstuhlmoral

„Der Aufstand“
Ost-Berlin, 1953: Der Aufstand gegen das SED-Regime und seine Niederschlagung

„Die Nacht der großen Flut“
Die dramatischen Stunden des Jahres 1962, in denen Hamburg von einer katastrophalen Flut überschwemmt wurde

„Der Polizeistaatsbesuch“
Ein Zeitdokument über den Schah-Besuch und die Studentenproteste von 1967

„Der Olympia-Mord“
Das Terror-Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972

„Im Schatten der Macht“
Willy Brandt und die Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume 1974

„Todesspiel – Teil 1: Volksgefängnis“
Die Geiselnahme Hanns Martin Schleyers durch die RAF 1977

„Todesspiel – Teil 2: Entführt die Landshut“
Das Drama um die Befreiung der von Terroristen gekaperten Lufthansa-Maschine in Mogadischu

„Deutschlandspiel – Teil 1: Auf die Straße“
Die Ereignisse in der DDR bis zum Fall der Mauer

„Deutschlandspiel – Teil 2: Eilig Vaterland“
Das internationale Macht- und Ränkespiel um die Vereinigung der beiden deutschen Staaten

„Jeder schweigt von etwas anderem“
Die DDR-Justiz und das Leben der „Staatsfeinde“ von einst