Herbert Schneider – Münchner Witz (1981 – 1986)

MünchnerWitz01AHat mich natürlich interessiert, dieses Büchlein, das vorgibt, den „Münchner Witz“ zu präsentieren.

Verfasser der Zusammenstellung ist Herbert Schneider:

Herbert Schneider wird 1922 in der Münchner Vorstadt Schwanthalerhöhe geboren. Er besucht die Realschule bzw. Oberschule, macht sein Notabitur und wird zum Kriegsdienst eingezogen. Seinen Berufswunsch als Radrennfahrer kann er nach 1945 nicht verwirklichen, stattdessen macht er in Garmisch-Partenkirchen ein Zeitungspraktikum und wird Journalist und Schriftsteller. Seit 1950 beim Münchner Merkur tätig, hat er seine eigene Kolumne „Maßgeschneidert“ und schreibt regelmäßig „Das Mittwochfeuilleton“. Bei der tz erscheint zudem seine Kolumne „Der Schwager“.

1959 ist Schneider einer der Mitbegründer der Münchner Autorengruppe Die Turmschreiber. Im Laufe der Jahre verfasst er bis zu 5000 Kolumnen, Geschichten, Glossen, Kommentare, Gedichte sowie Aphorismen. Als einer der ersten Mundartautoren nach dem Krieg veröffentlicht er 1956 den Lyrikband D‘ Münchner Rass, worin er „Milieu, Kolorit und Seele der Münchner mit Gemüt, Witz und leiser Ironie“ (Alfons Schweiggert) schildert. In regelmäßigen Abständen erscheinen seine Feuilletons und sonstigen Geschichten auch in Buchform.

HerbertSchneider1962 wird Schneider mit dem Förderpreis Literatur der Stadt München ausgezeichnet, 1967 erhält er die Ludwig-Thoma-Medaille und das Silberne Poetenschiff der Literarischen Gesellschaft Die Barke, 1969 den Bayerischen Poetentaler, 1986 den Ernst-Hoferichter-Preis und 1990 den Sigi-Sommer-Literaturpreis. 2011 wird Schneider außerdem der Bayerische Verdienstorden verliehen. (Bayerische Staatsbibliothek)

Und hier eines seiner 30 Bücher, in denen er wiedermal die weiß-blaue Fahne hochhält.

.In einer durchaus humprvollen Einleitung versucht er den besonderen Charakter des Münchner Witzes herauszuarbeiten … darüber kann man dann ganz sicher trefflich streiten …

In diesem Vorwort geht er insbesondere auf die legendären „Kare und Lucke“  Witze, die ich selbst noch aus meiner Kindheit kenne, wenngleich der Ursprung dieser beiden Witzfiguren im 19. Jahrhundert lag:

Wenn man heute junge Münchner um die zwanzig fragt, wer denn der Kare und der Lugge sind, dann erntet man nur verständnisloses Achselzucken. Und die Au, die Isarvorstadt, die Ludwigsvorstadt oder Haidhausen, wo diese „Helden“ einst ihr Unwesen trieben, sind längst keine Vorstädte mehr sondern gehören zum innerstädtischen Münchner Bereich, ja Teile davon sind zu wirklichen In-Vierteln geworden, in denen es sich schick und teuer leben lässt.

KareLucke
Es sind die Münchner jenseits der vierzig, die mit den Kare und Lugge-Witzen aufgewachsen sind, zwar auch nur übermittelt von Eltern und Großeltern, aber doch überraschend präsent – wie alles, was man sich immer und immer wieder anhören muss.

Der Kare und der Lugge, das waren die Tagelöhner und Gelegenheitsarbeiter, die Hallodris und Halbseidenen, die Nichtuer und glücklosen G’schäftemacher, die Zuhälter und (Über)lebenskünstler der Münchner Vorstädte des 19. Jahrhunderts – Geschichten, geboren aus dem Elend der kleinen Leute, die Anfang des 20. Jahrhunderts zum Volksgut wurden, besungen in Liedern und Couplets. Eingegangen in die Geschichte der Landeshauptstadt sind sie schließlich als Witzfiguren mit derber Sprache und rauen Sitten, ein bisserl einfältig und ziemlich bauernschlau.

Und dann folgen neben diversen „Kare und Lucke“ Witzen weitere Kapitel, die z.B. mit „Mir san Mir“ oder „Ich bein ein Preuße“ heissen und sich also um thematische Ordnung bemühen.

Viele der Witze sind eher von schlichter Natur, manche arg derb und gelegentlich taucht der schwarze Humor auf, wie z.B. bei diesem Witz:

StarfighterNun gut, dieser Witz macht deutlich, dass Schneider´s Witzesammlung schon sehr alt war, denn Witze um den Starfighter (einer jener unglaublichen Skandale um Franz Josef Strauß), hatte allemals in den 60er Jahren Hochkonjunktur.

Nun, eine überwiegend amüsante, kleine Textsammlung … für alle, die gelegentlich einen Witz für jede nur denkbare Situation suchen … hier könnte man glatt fündig werden. Ursprünglich erschien das Buch 1981, die mir vorliegende Ausgabe stammt aus dem Jahr 1986 und ist eine „erweiterte Ausgabe“. Und es war die ehrwürdigen Hugendubel Buchhandlung, die dieses Büchlein (86 Seiten)veröffentlichte.

Und wie´s guter Brauch ist, hier ein paar Vorschaubilder, bevor es dann zur Präsentation geht:

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