Eberhard Schoener u.a. – Medienverbund Meditation (1973)

FrontCover1Viel ambitionierter gehts nicht mehr, wenn es darum geht, eine Musik in einem der Musik angemessenem Rahmen zu vertreiben, zu verkaufen.

In einer dicken Box findet sich da nicht nur die LP, sondern auch diverse Kunstdrucke (Olivia K. Fischer-Lüdtke), eine Mediations-Dia-Serie sowie ein 20 seitiges DIN A 4 Beiheft, die ausführlich über die Musik und der damit verbundenen Möglichkeiten der Meditation informiert.

Ausgangspunkt für diese Projekt war die LP „Mediation“ vonn Eberhard Schoener:

Geboren 1938 studiert er von 1954 bis 1959 Violine und Chorleitung an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold. Seit den 60er Jahren wirkt er als klassischer Violinist und Operndirigent. 1965 gründete er die Münchener Kammeroper. Ausgehend von der Klassik experimentiert er seitdem mit verschiedensten Musikrichtungen. Es reicht ihm nicht, nur eines Musikherrn Diener zu sein. Die Vision, gänzlich neue Klänge zu erschaffen, tritt immer dominanter in den Vordergrund.

Vor allem die bis dato kaum genutzte Elektronik hat es ihm angetan. Entsprechend richtet er 1968 in den Bavaria Studios ein eigens gegründetes Experimentallabor für rein elektronische Musik ein. Ab diesem Zeitpunkt ist Schoener der erste Deutsche, welcher bereits einen Moog Synthesizer besitzt und nutzt. Mit diesem Moog spielen später auch Popol Vuh und bis heute Klaus Schulze.

Ebenso ist er der erste Künstler weltweit, der ein Meditationsalbum herausbringt, welches auf rein elektronischer Instrumentierung basiert (Meditation 1973). Die hier errungenen Erkenntnisse des schwäbischen Schöngeistes münden in den 70ern in Fusionen orchestraler Klänge mit Synthies und unbearbeiteten Naturaufnahmen. (laut.de)

Kunstdruck01AUnd diese Meditations-LP hatte auch seinen tieferen Sinn:

„Die Musik meditation entstand nach der Rückkehr von einer längeren Asienreise. Während der Reise war mir klar gerworden, daß die Suche – der Versuch – die Sucht, insbesondere der Jugend, durch Nachahmung fernöstlicher Meditationsübungen Selbstbefreiung, das heißt sich selbst, zu finden, eher auf einem Irrweg und häufig genug in eine Gasse ohne Wiederkehr führen.“

Dem setzt Schoener nun eigenes entgegen:

„Die Bezugsquellen von meditation hingegen sind verwurzelt in unserer westlichen Existenz. Die Phänomenologie dieser Musik liegt nicht in ihrer Form, sondern wird von jedem durch eigene Reaktionsweisen selbst bestimmt, d.h.: Das Konzept von meditation erlaubt aktives Mitsingen und Mitmusizieren.“

Aha ! Kleine Anmerkung meinerseits: Eberhard Schoener nahm dann ein paar Jahre später mit Musikern aus Bali eine vielbachtete LP auf … er gestattete es sich also durchaus, sich mit dem asiatischen Kulturkreis intensiver zu beschäftigen.

Wie auch immer: der christlich orientierte Christopherus Verlag, Freiburg kam dann wohl auf die Idee, daraus einen „Medienverbund“ zu schmieden. Und in dem schon erwähntem Begleitheft kann man akribisch genau nachlesen, auf was es alles bei dieser Form der Meditation ankommt und man erhält klare Instruktionen, wie man damit zu verfahren hat (z.B. auf Jugendfreizeiten etc.).

Und natürlich darf auch folgendes Kapitel nicht fehlen: „Folgen für die religiöse Praxis“. Verasst wurde das Buch von Peter Göpfert und Klaus Röhring, ihres Zeichens Relgionslehrer bzw. evangelischer Pfarrer.

TitelBeiheftDiaSerie

Titelbild des Beiheftes – Dia-Serie

Und so oppulent und beeindruckend das Werk auch ist, hinterlässt es dennoch einen zwiespältigen Eindruck. Bedient man sich – ganz im Gegensatz zu Schoeners Absichten im starken Maße asiatischer Meditationstexte und es bleibt natürlich der fade Beigeschmack, Mütterchen Kirche macht mal auf „modern“.

Zudem sind Schoener´s musikalische Beiträge eher lau (da hilft es auch nichts mehr, dass da ganze quadrophonisch aufgenommen wurde) … aber mag ja auch daran liegen, dass ich zu wenig Empathie für diese Art von Musik habe.

Gegen Meditation habe ich ansonsten gar nichts einzuwenden. Es mag durchaus heilende und/oder befreiende Elemente haben …

Trotz all meiner kritischen Anmerkungen: ein wahrlich ambitioniertes Projekt !

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Besetzung:
Eberhard Schoener (synthesizer)

Kunstdruck02A

Titel:
01. Music For Meditation (Part 1) 17.29
02. Music For Meditation (Part 2) 18.27

Kompositionen: Eberhard Schoener

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OriginalFC+KuckuckLabel

Original Frontcover + Label einer Wiederveröffentlichung im Jahr 1982