Wilhelm Semmelroth – Nibelungen (Friedrich Hebbel) (Hörspiel) (1954/2001)

FrontCover1.jpgDa ist mir wieder mal ne ganz freudige Überraschung vor einigen Tagen ins Haus (und da bedanke ich mich ganz herzlich an den edlen Spender !!!) geflattert  … Dieses Hörspiel aus dem Jahre 1954 … basierend auf der Nibelungen-Sage:

Die Nibelungen-Sage hat sich tief in das deutsche Bewußtsein geprägt … behaupte ich jetzt einfach mal so:

Die Nibelungensage ist eine im germanischen und skandinavischen Raum weitverbreitete Heldensage, die über Jahrhunderte in zahlreichen voneinander abweichenden Fassungen überliefert ist. Ihre bekannteste schriftliche Fixierung ist das mittelhochdeutsche Nibelungenlied (um 1200, wahrscheinlich aus dem Raum Passau).

Die Sage schlägt sich in mittelalterlichen Quellen außer im Nibelungenlied in der Saga von Dietrich von Bern (Thidrekssaga, altnordisch mit niederdeutschen Quellen, ca. 1250) und zahlreichen Liedern der Liederedda nieder. Unter diesen sind mehrere Sigurdlieder und das ältere Atlilied (altnordisch, aufgezeichnet im 13. Jahrhundert nach teilweise viel älteren Quellen oder Vorstufen). Prosa-Nacherzählungen der Eddalieder finden sich in der Edda des Snorri Sturluson (altisländisch, ca. 1220) und in der Völsunga-Saga (altnordisch, ca. 1250). Vom Ende des 13. Jahrhunderts stammt der Nornagests þáttr. (Quelle: wikipedia)

Und hier das wohl legendäre Hörspiel aus dem Jahr 195r4, basierend auf der Textfassung von Friedrich Hebbel:

Die Nibelungen ist ein deutsches Trauerspiel in drei Abteilungen und war ursprünglich zur Aufführung an zwei Abenden gedacht. Die einzelnen Abteilungen heißen: Der Gehörnte Siegfried, Siegfrieds Tod und Kriemhilds Rache. Friedrich Hebbel verfasste das Drama in den Jahren von 1850 bis 1860. Es handelt sich um eine der am meisten beachteten Bearbeitungen des Nibelungenstoffes im Theaterfach.

Handlung:

Der Gehörnte Siegfried
Stagnation und Langeweile herrschen am Hofe des Burgunder Königs Gunther in Worms. Es ist Ostersonntag, die Jagd ist verboten. Ein Lied des Spielmannes Volker soll für Zerstreuung sorgen. Es handelt von der schönen, aber unbesiegbaren Brunhild. Für Gunther ist klar, dass er diese Frau will. In dieser Situation kommt der Held Siegfried an den Hof der Nibelungen. Er ist jung, voller Tatendrang, bärenstark und will sich mit jedem messen, der sich ihm in den Weg stellt. Es kommt zu einem Wettkampf. Das Werfen von Steinen soll einen Schwertkampf vermeiden. Siegfried besiegt Gunther und dessen Brüder Gernot und Giselher. Er sieht Kriemhild, die Schwester Gunthers, und verliebt sich in sie. Nach dem Sieg erzählt Siegfried von seinen Heldentaten: Davon, wie er das Schwert Balmung und den Nibelungenhort samt einer Tarnkappe erlangte und einen Drachen tötete. Er berichtet vom Bad im Blut des Drachen, das seine Haut

OriginalBuchTitel

Friedrich Hebbel „Die Nibelungen“ (Schulausgabe um 1900, Wien/Brünn)

unverletzlich machte und ihm die Möglichkeit gibt, die Sprache der Vögel zu verstehen. Die Vögel führten ihn nach Isenland, wo er ungesehen Brunhild erblickte, aber nicht mit ihr kämpfen wollte. Auch von seiner Einsamkeit erfahren die Burgunder. Gunther will die Situation für sich nutzen. Er schlägt Siegfried einen Pakt vor: Siegfried soll Gunther helfen, Brunhild zu seiner Frau zu machen, dafür wird dieser einer Heirat Siegfrieds mit Kriemhild nicht im Wege stehen. Verschwiegenheit wird vereinbart. Gemeinsam brechen Gunther, sein Bruder Gernot, Gunthers Onkel Hagen von Tronje und Siegfried nach Isenland, der Heimat Brunhilds, auf.

Siegfrieds Tod
Brunhild empfängt die Recken und stellt klar, dass keiner Isenland lebend verlassen wird, wenn sie nicht besiegt würde. Da Gunther dafür nicht die nötige Kraft besitzt, kämpft Siegfried unter der Tarnkappe für ihn. Brunhild, die die Täuschung nicht bemerkt, muss mit Gunther ziehen. Siegfried eilt voraus nach Worms, um die Ankunft Brunhilds anzukündigen. Bei dieser Gelegenheit sieht er Kriemhild das erste Mal länger und erlangt einen Gunstbeweis von ihr. Auch wird er ihrer Mutter vorgestellt. Mit der Ankunft der anderen Isenlandfahrer mischen sich Misstöne in die Szene. Die kriegerische Brunhild will sich nicht in den Hof einordnen. Hagen weist Siegfried auf ein zusätzliches Problem hin: Gunther kann seine Ansprüche gegenüber Brunhild im Bett nicht durchsetzen. Siegfried

FriedrichHebbel

Friedrich Hebbel

muss noch einmal helfen. Er soll mit Hilfe der Tarnkappe Brunhild in der Hochzeitsnacht gefügig machen. Wieder wird absolutes Stillschweigen vereinbart. Hagen konstatiert: „Der Vierte in unsrem Bunde sei der Tod“. Im Gerangel entreißt Siegfried Brunhild einen Gürtel, welcher dann in Kriemhilds Hände gelangt. Kriemhild stellt Siegfried zur Rede. Siegfried erzählt ihr daraufhin von Gunthers Schmach und seinem Part bei der Geschichte. Am Kirchentor des Wormser Doms kommt es zum Eklat. Im Streit um den Vortritt ins Kircheninnere beschimpft Kriemhild Brunhild als „Kebsweib“ (Hure/ Mätresse) ihres Gatten Siegfried. Brunhild ist tief gekränkt und fordert von König Gunther den Tod Siegfrieds. Hagen ist bereit, Brunhilds Schmach zu rächen. Mit der Erlaubnis des Königs und unter einem Vorwand bringt er Kriemhild dazu, ihm die Stelle zu verraten, an der Siegfried verwundbar ist. Beim Bad im Drachenblut fiel ein Lindenblatt zwischen Siegfrieds Schulterblätter, nur dort ist er verwundbar. Hagen, Gunther, Gernot und Volker beschließen Siegfrieds Tod, nur Giselher spricht dagegen. Sie laden Siegfried zur Jagd. Siegfried sagt zu und schlägt die Warnung Kriemhilds in den Wind: „Ich zieh hinaus mit lauter guten Freunden, und wenn die Berge nicht zusammenbrechen und uns bedecken, so kann mir nichts geschehen.“ Während der Jagd ersticht Hagen Siegfried, der sich zum Trinken über eine Quelle gebeugt hat, hinterrücks. Kriemhild schöpft Verdacht und fordert Klage über Hagen, die ihr von König Gunther verweigert wird.

 

Personen

Kriemhilds Rache
Sieben Jahre ziehen ins Land. Kriemhild sinnt immer noch auf Rache. Hagen hat inzwischen den Nibelungenhort für die Burgunder an sich gebracht und im Rhein versenkt, um Kriemhild daran zu hindern, Söldner anzuwerben. Noch einmal wendet Kriemhild sich an Gunther. Er solle Hagen den Prozess machen. Gunther lehnt ab. Kriemhild erkennt, dass sie unter den Nibelungen keine Freunde mehr hat. Als Markgraf Rüdiger im Namen Etzels, der Heunen König, um ihre Hand anhält, willigt sie ein. Markgraf Rüdiger muss jedoch vorher schwören, dass er jeden ihrer Befehle befolgen wird. Hagen ist gegen die Hochzeit Kriemhilds mit Etzel. Gunther geht aber nicht auf seine Warnungen ein. Weitere sieben Jahre später besuchen die Nibelungen Kriemhild auf König Etzels Burg mit großem Gefolge. Auf der Reise kommen sie auch auf Rüdigers Burg. Dort verlobt sich Giselher mit Rüdigers Tochter Gudrun. Dietrich von Bern, ein freiwilliger Vasall Etzels, warnt die Nibelungen vor Kriemhilds Rache. „Frau Kriemhild weint noch Tag und Nacht“. Kriemhild verlangt von Etzel, dem sie einen Sohn, Odnit, geboren hat, Rache für Siegfried. Mord um Mord. Etzel weist sie ab, da die Nibelungen das Gastrecht genießen. Kriemhild wendet sich an Werbel, dem sie den Nibelungenhort verspricht, wenn er die Nibelungen aus dem Weg räumt.

Handschrift

Nibelungen-Handschrift C – Donaueschingen 63 – Alpenländischer, d. h. alemannisch-bairischer Raum, [2. Viertel des 13. Jh.]

Während des Festmahls der Fürsten schlachtet Werbel das Gefolge der Nibelungen ab. Als die Nachricht des Geschehenen zu Etzels Bankett vordringt, schlägt Hagen Odnit den Kopf ab. Der Kampf bricht nun auch unter den Fürsten aus. Am Ende sind von den Nibelungen nur noch Gunther, Gernot, Giselher, Volker und Hagen am Leben. Kriemhild fordert von Rüdiger, seinen Treueschwur zu halten. Er erschlägt Gernot und Giselher, scheitert aber an Hagen. Nun greift Dietrich in den Kampf ein, überwindet Hagen und Gunther und bringt sie gefesselt zu Kriemhild und Etzel. Kriemhild lässt Gunther töten und erschlägt Hagen. Hildebrand, ein Gefolgsmann Dietrichs, ist so angewidert, dass er Kriemhild erschlägt. Angesichts des Blutbads legt Etzel seine Krone ab und übergibt die Herrschaft Dietrich von Bern. (Quelle: wikipedia)

Kann man’s noch spielen, sprechen? „In Strömen rinnt das Blut, und wie’s erstarrt, / Verdunkelt sich das Gold, um das es floß, / Und strahlt in hellerm Schein. – Ho, ho! Das Gold!“ Kann man’s noch hören? „… Nein, Hund, ich tat es selbst, / Und sei gewiß, du wirst mir nicht entkommen, / Wenn du auch noch die nächste Sonne siehst. / Ich will zurück in meines Siegfrieds Gruft, / Doch muß ich mir das Totenhemd erst färben, / Und das kann nur in deinem Blut geschehn.“

Verse, die wildesten von einer Frau geschrien, aus Friedrich Hebbels Nibelungen – Deutsches Trauerspiel in drei Abteilungen (1850 bis 1860).

Es ist  gut, dass Wolfgang M.Schwiedrzik, dem es gelungen ist, sein noch junges Hörbuch-Unternehmen, Edition Mnemosyne – Verlag für alte Hüte & neue Medien, mit Original-Tonaufnahmen zu einer der ersten Adressen zu machen, jetzt eine Produktion des WDR aus dem Jahr 1954 herausbringt. Unter der Regie von Wilhelm Semmelroth sprechen, nein: spielen für die Ohren eine Adelsliste damaliger deutscher Schauspielkunst und Sprachkultur.

Hier gehen einem die Ohren über, auch wenn (oder gerade deshalb?) es manchmal raunt, gelegentlich dröhnt, oft der „hohe Ton“ der Tragödie die CD zu wölben scheint. Welche Kunst. Welche Verständlichkeit bis in die Nebensilben.

Welcher Dienst am Wort, an der Verständlichkeit einer Dichtersprache in fünfhebigen Jamben, die nicht verhehlen können, dass sie vor anderthalb Jahrhunderten geschrieben worden sind („… Denn diese Königin / Braucht andre Morgenlieder, als die Lerche / Sie hören läßt, die in der Linde pfeift!“).

Semmelroth und seine Sprech-Künstler weichen der Herausforderung „alter“ Verse nicht aus – ohne die Hebbel und seine von Deutschnationalen und Nationalsozialisten als „Deutsche Ilias“ oder „Deutsche Nationalbibel“ ausgebeutete Tragödie nicht zu haben ist. Ein 52 Seiten starkes Begleitheft hilft dem literarischen, politischen und rezeptionsgeschichtlichen Verständnis des Monumentalwerks. Dessen altnordische, urgermanische Vorbilder – „Eisenmänner, Riesenweiber“ – konnte sich Friedrich Theodor Vischer, der kritische Ästhetiker zu Hebbels Zeit, nicht als Helden eines Schauspiels, wohl aber als Heroen eines musikalischen Dramas vorstellen. (*) (Rolf Michaelis, Die Zeit vom 15. Februar 2001)

(*) (Das hat sich dann leider der Richard Wagner nicht nehmen lassen).

WilhelmSemmelroth

Wilhelm Semmelroth

Uncd in der Tat, dieserHeldenepos wurde mit einer Dramatik und Präzision aufgenommen, dass einem mehr als einmal die Spucke wegbleibt. Insbesondere die „rachsüchtige Kriemhild“ brilliert auf grandiose Weise …

MeisterdramenHier ist alles geboten: Vasallentreue, Schuld, Verrat, Sex als Instrument der Macht, politische Intrigen, Lug & Trug … usw. usw … wie halt das Leben so ist … eventuell ist die Nibelungen Sage die erste deutsche Soap Opera …

Ergänzend findet sich dann in dieser Präsentation noch der Gesamttext der Hebbel Version (diesen haben ich der Hebbel Gesamtausgabe „Die Meisterwerke“, Leipzig, 1911 entnommen).

Wobei ich noch nicht so ganz ergründen kann, warum diese Sage scheinbar so bedeutend für die deutsche Volksseele ist … aber da mach ich mich mal auf die Spur.

Diese Präsentation ist von daher der Auftakt einer kleinen Serie über die Nibelungen-Sage, in der ich unterschiedliche Varianten und Medien zu diesem Thema präsentieren möchte (einschließlich der beiden Filme aus dem Jahr 1967 … u.a. mit Terence Hill *ggg*).

Sprecher

Die Sprecher/Sprecherinnen im Studio, 1954

Besetzung:
Maria Becker (Kriemhild)
Gerd Brüdern (Gunther)
Max Eckardt (Siegfried)
Ulrich Haupt (Volker)
Fritz Kortner (Etzel)
Bernhard Minetti (Dietrich)
Karl Maria Schley (Thüring)
Hermann Schomberg (Hagen)
Lieselotte Schreiner (Brunhild)

Regie: Wilhelm Semmelroth

BackCover1

Titel:

CD 1:
01. Widmung 2.39
02. Der gehörnte Siegfried, 1. Szene 6.05
03. Der gehörnte Siegfried, 2. Szene 2.42
04. Der gehörnte Siegfried, 3. Szene 7.34
05. Der gehörnte Siegfried, 4. Szene 9.34
06. Siegfrieds Tod, 1. Akt, 1. Szene 5.51
07. Siegfrieds Tod, 1. Akt, 2. Szene 6.49
08. Siegfrieds Tod, 2. Akt, 1. – 4. Szene 6.12
09. Siegfrieds Tod, 2. Akt, 6. Szene 7.59
10. Siegfrieds Tod, 2. Akt, 8. Szene 3.08
11. Siegfrieds Tod, 3. Akt, 3. Szene 2.55
12. Siegfrieds Tod, 3. Akt, 4. Szene 3.25
13. Siegfrieds Tod, 3. Akt, 6. – 8. Szene 7.00
14. Siegfrieds Tod, 3. Akt, 10. Szene 1.25

CD 2:
01. Siegfrieds Tod 4. Akt, 2. Szene (Worms, Halle) 3.28
02. Siegfrieds Tod 4. Akt, 3. Szene (ebenda) 2.27
03. Siegfrieds Tod 4. Akt, 6. – 7. Szene (ebenda) 6.37
04. Siegfrieds Tod 4. Akt, 9. – 16. Szene (ebenda) 3.03
05. Siegfrieds Tod 5. Akt, 1. – 2. Szene (Odenwald) 7.28
06. Siegfrieds Tod 5. Akt, 3. – 8. Szene (Kriemhilds Gemach) 6.24
07. Siegfrieds Tod 5. Akt, 9. Szene (Dom) 9.13
08. Kriemhilds Rache 1. Akt, 1. – 2. Szene (Worms, GroBer Empfangssaal) 10.53
09. Kriemhilds Rache 1. Akt, 3. – 9. Szene (Kriemhilds Kemenate) 10.20
10. Kriemhilds Rache 2. Akt, 1. Szene (Donauufer) 4.33
11. Kriemhilds Rache 2. Akt, 2. Szene (Bechlarn, Empfangssaal) 5.46
12. Kriemhilds Rache 2. Akt, 7. – 11. Szene (Garten) 3.04

CD 3:
01. Kriemhilds Rache, 3. Akt, 1.-2. Szene 3.05
02. Kriemhilds Rache, 3. Akt, 3.-5. Szene 5.34
03. Kriemhilds Rache, 3. Akt, 6.-7. Szene 6.52
04. Kriemhilds Rache, 3. Akt, 8.-15. Szene 3.54
05. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 1. Szene 3.01
06. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 3.-4. Szene 7.33
07. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 5.-6. Szene 1.43
08. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 9. Szene 1.35
09. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 13.-14. Szene 4.13
10. Kriemhilds Rache, 4. Akt, 15.-23. Szene 6.08
11. Kriemhilds Rache, 5. Akt, 1.-8. Szene 5.48
12. Kriemhilds Rache, 5. Akt, 9.-11. Szene 7.38
13. Kriemhilds Rache, 5. Akt, 12.-13. Szene 3.52
14. Kriemhilds Rache, 5. Akt, 14. Szene 3.52

NichtMehrLieferbar

Tja, so kann man sich täuschen …

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