Tomi Ungerer – Geschichten für Erwachsene (1992)

TitelSo, jetzt hat es ihn im Alter von 87 Jahren dahin gerafft (vermutliche hätte er nichts gegen diese etwas derbe Ausdrucksweise …)

Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2019 in Cork, Irland) war ein französischer Grafiker, Schriftsteller und Illustrator von Bilderbüchern für Kinder und Erwachsene. Ungerer verstand sich als Elsässer und überzeugter Europäer. Er lebte abwechselnd in Irland und in Straßburg.

Tomi Ungerer wurde 1931 nach zwei Schwestern und einem Bruder als jüngstes Kind der Familie geboren. Sein Vater Théodore Ungerer war der Familientradition nach Uhrmacher und Turmuhrenfabrikant,[1] aber auch ein Künstler, Historiker und Büchersammler, der unter anderem die Astronomische Uhr des Straßburger Münsters wartete. Er entwarf und baute auch die größte astronomische Uhr der Welt im Dom von Messina auf Sizilien. Großvater Alfred Ungerer war ebenfalls Turmuhrenfabrikant. Ungerers Mutter Alice, geborene Essler (gestorben 1989), stammte aus einer oberrheinischen Industriellenfamilie. Er lernte seinen Vater nie richtig kennen, denn dieser starb 1935 an den Folgen einer Blutvergiftung, als Tomi dreieinhalb Jahre alt war. Später widmete er einige Bilderbücher ausdrücklich vierjährigen Kindern.

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Die Mutter zog nach dem Tod des Vaters mit Tomi und seinen drei Geschwistern zurück in ihr Elternhaus nach Logelbach, einem Industrievorort von Colmar, das von der Firma Haussmann zur Verfügung gestellt worden war. Der Vater von Ungerers Mutter war technischer Direktor bei der Spinnerei Haussmann. Ungerer wurde als Kind von seinen Spielkameraden ferngehalten, und zu Hause sprach man nur Französisch, denn Elsässisch galt als die Sprache des Volkes. In seinem Kinderbuch Kein Kuß für Mutter (1974) spielt er auf diese Fürsorglichkeit an. Als Jüngstem in der Familie habe man ihm nie zugehört und ihn nicht ernstgenommen, dafür habe man ihm alle Streiche durchgehen lassen.

Erst im Alter von neun Jahren wurde Ungerer wegen der deutschen Besatzung und ihrer Einführung der Schulpflicht in die Volksschule eingeschult. Innerhalb von drei Monaten erlernte er die deutsche Hochsprache und den elsässischen Dialekt. Auf diese Weise erlebte er die allgemeine Unterdrückung durch die Deutschen zunächst als eine persönliche Befreiung. Ungerer lernte sich anzupassen, zu Hause war er Franzose, in der Schule der deutsche Hans und bei seinen Spielkameraden ein Elsässer. Trotz dieser

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Schön früh so ein durchgeknallter Spaßvogel

Beschwernisse schätzte er sein Familienleben als bildend und aufbauend für Geist und Gemüt ein: „Ich bin wirklich aufgewachsen mit dem Respekt vor der Schönheit der Natur. Und das hat mich total geprägt, mein ganzes Leben. Wir hatten ein echtes altmodisches Familienwesen: Jeden Abend nach dem Essen wurde Karten gespielt, aus Büchern vorgelesen oder gesungen.“ Er wurde von früh an ermutigt, zu zeichnen und zu schreiben. Seine Bushaltestelle zur „Matthias Grünewald-Schule, Oberschule für Jungen“ (heute „Lycée Bartholdi“) in Colmar lag vor dem Musée d’Unterlinden, in dem er sich immer bei Regen aufhielt und so oft Grünewalds Isenheimer Altar bewundern konnte.

Seine Schuljahre wurden zunehmend von Krieg und Besetzung geprägt. Im Erdgeschoss des Elternhauses wurde ein Wehrmachtsoffizier einquartiert. Gegenüber lag die Fabrik Haussmann, die zu einem Gefangenenlager umfunktioniert wurde. Im Winter 1944/1945 wurde drei Wochen lang in einem Stellungskrieg um den Brückenkopf Elsass (frz. Poche de Colmar) gekämpft.

Der zweimalige Wechsel der Unterrichtssprache von Französisch zu Deutsch, was durch autoritäre, nationalsozialistische Lehrer repräsentiert wurde, und wieder zurück zum Französischen, das nun ebenso konsequent durchgesetzt wurde, belasteten ihn ebenso wie die Tatsache, dass nicht nur Hochdeutsch, sondern auch der regionale Dialekt verboten wurde. Ungerer bezeichnet die Vorgehensweise der Franzosen als ein „kulturelles Verbrechen“ (crime culturel) und einen „kulturellen Mord“.[4] Ihm wurde nahegelegt, seinen Akzent abzulegen, bevor er sich mit französischer Literatur beschäftige. Das führte zu Schwierigkeiten mit dem Französischen, so dass er knapp das Baccalauréat (Abitur) verfehlte. Schließlich wurde er in seinem Abschlusszeugnis als „pervers und subversiv“ beurteilt.

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Tomi Ungerer mit seinem Plakat für eine Ausstellung in New York, 1959

Während der Besatzungszeit lernte er nach der Berlitz-Methode so gut Englisch, dass er nach dem Krieg als Dolmetscher für die französischen Offiziere arbeiten konnte. Seine frühen Jahre wurden zu ruhelosen Lehr- und Wanderjahren, er fuhr auf dem Fahrrad durch Frankreich, später quer durch Europa, die Reisen führten ihn auch zu einem Méhari-Kamelreiter-Regiment in Algerien bei der französischen Fremdenlegion, wo man nur „Nazilieder“ gesungen haben soll. Wegen einer Rippenfellentzündung lag er sechs Monate im Lazarett, dabei lernte er die arabische Musik kennen. Nach seiner Ausmusterung führten ihn seine Wanderungen zu Fuß und per Anhalter bis nach Nordnorwegen bei Murmansk ins sowjetische Grenzgebiet, danach war er auf kleinen Frachtern als Matrose im Nordatlantik unterwegs. Im Oktober 1953 schrieb er sich für ein paar Monate in der Straßburger École Municipale des Arts Décoratifs ein.

Sein Respekt vor dem Bildungsgut des Bildungsbürgertums, die Liebe zu den Büchern und besonders zur Malerei einerseits und seine hohe Energie und Willenskraft, sich mit Neuem auseinanderzusetzen und Grenzen zu überwinden, andererseits eröffneten ihm die US-amerikanische Kultur in Straßburg. Im amerikanischen Kulturzentrum (Centre Culturel Américain) entdeckte er die Werke des Cartoonisten Saul Steinberg und des Zeichners James Thurber. Bald stand sein Entschluss fest, sein Glück in der Neuen Welt zu suchen.

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Er wohl der holden Weiblichkeit nicht abgeneigt (hier im Jahr 1984)

1956 wanderte Ungerer mit 60 Dollar und einigen Zeichnungen in der Tasche in die USA, nach New York, aus. Unterernährt und krank und von der Notfallstation eines Krankenhauses abgewiesen, wo man ihm eine Behandlung verweigerte, da er nicht genug Geld hatte, sprach er anderntags bei der Kinderbuchlektorin von Harper, Ursula Nordström vor, um einen Vertrag für sein Kinderbuch zu erhalten. Sie gewährte ihm einen Vorschuss von 500 Dollar. 1957 gewann er seinen ersten Preis für sein erstes illustriertes Kinderbuch, The Mellops go flying, eine Geschichte mit kleinen Schweinchen. Programmatisch für sein Lebenswerk vereinten sich in den Figuren der kleinen Schweinchen kindliche Unschuld und in symbolischer Hinsicht das Laster. Das Buch wurde zum Bestseller. Im selben Jahr knüpfte er den Kontakt mit seinem späteren Hausverlag, dem Zürcher Diogenes Verlag. Nun arbeitete er gleichzeitig als Zeichner, Maler, Illustrator, Kinderbuchautor und Werbegrafiker.

Mitte der 1960er Jahre schockierte Ungerer mit den Cartoonbänden Geheimes Skizzenbuch und The Party, in denen er auf drastisch-satirische Weise die New Yorker Schickeria aufs Korn nahm. Ungerers Kreativität kannte nun auch keine Genregrenzen mehr, und er wandte gern alle Zeichentechniken an. 1969 erschien Fornicon, das später in England verboten wurde. Die Karikaturen stellten Potenzwahn, Sexismus und Gier bloß. Seine Drastik und Radikalität blieben immer die Mittel eines Moralisten. Die Ironie der dargestellten sexuellen Praktiken basierte auf dem Prinzip der Übertreibung und dem Übermaß einer noch nie gesehenen Technisierung und Mechanisierung sexueller Wünsche. Ungerer war daher nicht nur mit der Prüderie in den USA und England konfrontiert, sondern später auch mit der Rachsucht der Ostküsten-High-Society.

Beispiel24

Auf so einen Blödsinn muss manauch erstmal kommen

Daneben zeichnete er auch Film-Plakate u. a. für die Star-Regisseure Stanley Kubrick (Dr. Seltsam) und Otto Preminger. In seiner New Yorker Zeit teilte er sich mit dem Schriftsteller Philip Roth ein Ferienhaus auf Long Island. Zu seinen weiteren literarischen Freunden zählen Tom Wolfe und Saul Bellow.

Trotz einer liberalen Aufbruchsstimmung in den USA stießen seine satirischen und erotomanischen Zeichnungen dort auf immer mehr Kritik. Ungerer wurde vom FBI beobachtet, und auch seine Kinderbücher wurden verboten. Kein Kuss für Mutter erhielt in den USA den Preis für das schlimmste Kinderbuch, da darin u. a. Toby mit seinem Freund Zigarre raucht und beim Frühstück mit seinen Eltern eine Flasche Schnaps auf dem Tisch steht. Mit Bildern wie diesen hält er sich zugute, einen neuen Realismus in die Kinderbuchliteratur eingeführt zu haben: „Keiner hat die Kinderbuchtabus so zerschmettert wie ich.“ In seinen Kinderbüchern spielen eher negativ bewertete Tiere wie Schlangen, Esel, Schweine, Tintenfische und Fledermäuse eine positive Hauptrolle, um damit Vorurteile gegenüber den Tieren und auch im Allgemeinen abzubauen.
Schrittweise Heimkehr.

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Ungerer verließ New York 1971 nach 14 Jahren und suchte mit seiner zweiten Frau, der US-Amerikanerin Yvonne Wright, die ländliche Ruhe und Inspiration auf einer Farm im kanadischen Neuschottland. Nach der jahrelangen Arbeit am Großen Liederbuch (1975) trieb ihn das Heimweh wieder zurück nach Europa. In den 1970er Jahren entwarf er für den französischen Lebensmittelproduzenten Bonduelle mehrere Werbefiguren.[8] Zu Beginn der 1980er Jahre entwarf Ungerer für den deutschen Computerhersteller Nixdorf ein neues Bild in der Werbung und gestaltete Wandkalender mit historischen Schreib- und Rechenmaschinen.

Seit 1976 lebte Ungerer mit seiner Frau, seiner Tochter (geb. 1976) und seinen beiden Söhnen (geb. 1978 und 1980) abwechselnd in Straßburg und auf einer 160 Hektar großen Beispiel26Farm nahe der Stadt Cork in Irlands Südwestprovinz Munster. Dort widmete er sich der Schaf- und Rinderzucht.[10] 1985 wohnte er für einige Monate in Hamburg bei der damals als Domina tätigen Domenica Niehoff, um sich Anregungen für einen Bild- und Interviewband über BDSM-Praktiken zu holen (Die Schutzengel der Hölle, 1986). Ungerer überwand Mitte der 2000er Jahre eine jahrelang andauernde, schwere gesundheitliche Krise mit drei Herzinfarkten und einer Krebserkrankung und fand danach erneut zu seiner alten Produktivität zurück.

In seinen letzten 40 Jahren brachte er rund 40.000 Zeichnungen zu Papier und veröffentlichte über 140 Bücher. Ab 1979 waren seine Werke in etwa 100 Ausstellungen zu sehen.

Ungerer bezeichnete sich selbst als einen „Aufzeichner“: „Ich zeichne, was ich aufschreibe, und ich schreibe auf, was ich zeichne, um einen Gedanken klar, kurz und bündig auszudrücken.“

Ungerer starb in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2019 im Alter von 87 Jahren im Haus seiner Tochter im irischen Cork.

Beispiel27Neben seiner künstlerischen Arbeit setzte sich Ungerer unter anderem auch für Aktionen und Programme ein, um jugendliche Straftäter von der Straße zu holen, für eine Integration von Einwanderern in französischen Schulen sowie für eine Hilfe für Aidspatienten und krebskranke Kinder. Ungerer selbst sah sich nicht als Franzose oder Deutscher, sondern als Elsässer, und bezeichnete sich als überzeugten Europäer. Im Sommer 2010 stellte er für eine Ausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen bei Worms ausgewählte Grafiken und Zeichnungen zur Verfügung. Ungerer war auch ein Gourmet, und als Genießer der elsässisch-badischen Küche war er auch mit Meisterköchen befreundet, so etwa mit Philippe Schadt in Blaesheim (Chez Philippe) oder mit dem Chansonnier und Kabarettleiter Roger Siffer; beide stellen für ihre Gäste Ungerers Aquarelle und Zeichnungen aus. (Quelle: wikipedia)

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Zeichnung von Tomi Ungerer: „40 Jahre deutsch-französischer Freundschaftsvertrag“, deutsche Briefmarke, Parallelausgabe mit Frankreich (2003)

Also … da ist einer nun wirklich seinen Weg gegangen … Ein ganz und gar schräger Paradiesvogel hat uns dabei beschenkt und nun, sucht er sich ne neue Bleibe… vermutlich wird es ihm in der Hölle angenehmer vorkommen.

Ungerer hat ja mehr als 80 Kinderbücher einfühlsam illustriert und dabei stets Partei für Kinder und deren Rechte ergriffen. Seine zahlreichen Erwachsenenbücher und Bildbände dagegen sind geprägt von Provokationen, einem derben Erotik und abgründigen Phantasien, von schneidendem Sarkasmus und beissendend satirischem Humor. (Quelle:Bayerischer Rundfunk)

Beispiel28

Als Hommage an dieser Freigeist und Querdenker, der ein ganz großes Herz für Kinder hatte, hier nun ein für Kinder eher ungeeignetes Buch -… Eine weitere wüste Orgie seiner überbordenden Phantasie hinsichtlich erotischer Gebräuche:

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Bevor es hier mit einer kleinen Auswahl seiner Bilder und Texte aus diesem Buch geht, erlaube ich mir folgenden Warnhinweis:

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Beim Betrachten der folgenden Bilder könnten sensiblen wie minderjährigen Menschen erheblicher Schaden zugefügt werden.

Daher sollten solche Personen den blog nun verlassen und sich statt dessen mal hier umschauen

 

Beispiel08

Und nun geht´s los:

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Beispiel12

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Das müsste ich ja auch mal können …

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Beispiel22

Na ja, kann man ja so sehen … ich seh´s nicht so

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Und hier geht es zu einer interessanten Hördokumentation über Tomi Ungerer (clic on the pic):

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„Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † 8. Februar 2019 in Cork, Irland)

Monika und Peter – Es ist strengstens verboten … (1970)

FrontCover1Mir bleibt jetzt nichts anderes übrig, als alle Besucher dieses blogs unter 18 Jahren dringend aufzufordern, diesen blog zu verlassen .. und zwar auf der Stelle ! Nicht, dass ich hier noch gegen Gesetze verstoße !

Denn hier wenden wir uns nun einem Hörspiel der besonderen Art zu: Es ist schlicht und ergreifend ein pornographisches Hörbuch, allerdings von der eher schlichteren Sorte und ganz sicher wurde diese Langspielplatte „unter der Ladentheke“ verkauft. Ich frag mich grad, in welchen Läden solche „Werke“ erhältlich waren.

Erzählt wird die Geschichte von Monika und Peter, die letztlich die ganze Nacht vögeln .. und man ist gelegentlich erstaunt, mit welcher Potenz dieser Peter ausgestattet ist … damals gab´s ja noch kein Viagra.

Nun ja, ernst nehmen kann man solche Geschichten ja eh nicht …

Und man fragt sich, welche Studenten (oder so) sich ein kärgliches Zubrot verdient haben, als sie mit diesen Texten im Studio zur Tat schritten.

Und wer beim hören dieser stöhnenden Geschichte den Eindruck hat, es knistert, der täuscht sich nicht … das knistern hat allerdings weniger mit der Geschichte, als mit dem Zustand dieser LP zu tun *ggg*.

BackCover1

Tja, mehr gibt die Rückseite des Covers nicht her

Besetzung:
Monika
Peter
+
ein unbekannter Orgelspieler

EsIst

Titel:
01. Monika + Peter (Teil 1) 17.53
02. Monika + Peter (Teil 2) 18.22

 

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Helen Vita – Ursula Herking – Edith Hancke – Unartige Lieder (1966)

FrontCover1So, meine Damen und Herren, jetzt wird´s frivol und von daher ist diese LP auch ausschlieißlich „nur für Erwachsene“ !

Die Rede ist von einem Sampler, der als „Club-Auflage“ 1966 erschien. Die LP enthält Beiträge von Ursula Herking (Seite 1) und Helen Vita und Edith Hancke (Seite 2).

Helen Vita war ja in diesr Zeit als „Skandelsängerin“ verschrien. Und so liest sich das im Rückblick:

Zur Skandalfigur der Saubermann-BRD in den Prä-68ern wurde Vita vor allem als „fromme Helene“ und mit der seinerzeit Aufsehen erregenden Schallplattenserie mit den „frechen Chansons aus dem alten Frankreich“ in deutscher Übersetzung von Walter Brandin. Die aus heutiger Sicht eher harmlosen, über Jahrhunderte tradierten Volks- und Kinderlieder riefen die deutschen Staatsanwälte und Sittenwächter auf den Plan. Was darauf folgte, waren jahrelange juristische Auseinandersetzungen: Die galant-lasterhaften Lieder wurden von Staats wegen zu verbotenen Liedern erklärt, es ergingen Strafbefehle, Urteile wurden verkündet und wieder aufgehoben, Prozesse neu aufgerollt. „Unter Kunst versteht das Gericht ein Erzeugnis, das den Durchschnittsbürger über den Alltag erhebt und ihm das edelste darstellt, was er sich vorstellen kann“, so begründete der Kölner Richter Bubenberger die Beschlagnahmung der „kunstlosen Schweinerei“. Zeitweilig durften die Platten nur noch mit dem Aufdruck „Für Jugendliche verboten!“ unterm Ladentisch verkauft werden, was sie aber umso erfolgreicher machte. Diese Aufnahmen wurden somit unfreiwillig zu einem Zeitdokument für die Doppelmoral des spießigen Post-Adenauer-Deutschlands. Von der Kritik dagegen wurden sie gelobt und erhielten zweimal den Deutschen Schallplattenpreis. Zu den französischen Chansons gesellten sich nun auch die „bawdy songs“ englischsprachiger Troubadoure. Ihre folgenden Platten hießen Dolce Helen Vita Vol. I und Vol. II. Erst 1969 wurde in einem offiziellen Bescheid des Regierungspräsidiums Nordbaden in Karlsruhe festgestellt, dass Helen Vitas Lieder „künstlerisch hochstehend“ seien. (Quelle: wikipedia)

HelenVita

Helen Vita

Ihre Lieder und Duette mit der Ulknudel Edith Hancke sind nicht nur drollig sondern auch pfiffig … und ich verrate keine Geheimnis, dass ca. 4 weitere Helen Vita LP´s jener Zeit auf eine Präsentation in diesem blog warten.

Von ganz besonderer Qualität sind dann aber auch die Beiträge von Ursula Herking. vielen noch bekannt als bissige Kabarettistin der Münchner Lach und Schießgesellschaft:

Ursula Herking (* 28. Januar 1912 in Dessau; † 17. November 1974 in München; eigentlich: Ursula Natalia Klein) war eine deutsche Schauspielerin und Kabarettistin.

EineFraupacktausUrsula Herking war die Tochter der Theaterschauspielerin und Sängerin Lily Herking, die beim Brand des ehem. Hoftheaters (heute: Altes Theater) in Dessau am 25./26. Januar 1922 ums Leben kam. Nach ersten Auftritten in Dessau ging sie 1928 nach Berlin, bestand aber die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Schauspielschule nicht. Daraufhin nahm sie bis 1930 Unterricht an der Schauspielschule von Leopold Jessner.

Sie begann anschließend ihre Karriere am Friedrich-Theater ihrer Heimatstadt Dessau, wo sie die Seeräuber-Jenny in Die Dreigroschenoper und die Großmutter in Emil und die Detektive darstellte. 1933/34 spielte sie am Staatstheater Berlin und wirkte bis zur Schließung 1935 in Werner Fincks Kabarett Die Katakombe mit.

Außer beim Boulevardtheater erhielt sie ab 1933 zahlreiche Filmrollen. In ihren oft nur kurzen, aber prägnanten Auftritten verkörperte sie kumpelhafte, schlagfertige Frauen aus dem Volk. Nach der Theaterschließung im Herbst 1944 arbeitete sie zwangsverpflichtet in einem Rüstungsbetrieb.

Nach dem Krieg ging sie nach München und war ab 1946 der Star in Rudolf Schündlers Münchner Nachkriegskabarett Die Schaubude, wo Erich Kästner, Axel von Ambesser und Herbert Witt zu den Hausautoren zählten. Berühmtheit erlangte sie unter anderem mit ihrer Interpretation von Kästners Marschlied 1945 (… |Meine Schuh‘ sind ohne Sohlen, | und mein Rucksack ist mein Schrank, | meine Möbel ham die Polen | und mein Geld die Dresdner Bank. | …)

1948 war sie Mitbegründerin des Theaters Die Kleine Freiheit, und 1956 gehörte sie zur ersten Generation der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Weitere Stationen waren u. a. das Kom(m)ödchen in Düsseldorf und die Berliner Kabarette Der Rauchfang und Die Hinterbliebenen. Nicht nur im Kabarett, sondern auch als Diseuse machte sie sich einen Namen. Unter anderem ist sie auf der Schallplatte Frivolitäten – 10 Diseusen – 10 Chansons von Polydor zu hören. Mit Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller gründete sie den Nürnberger Trichter.

Daneben ging ihre Filmarbeit mit Chargenrollen vor allem als resolute, oft etwas schrullige Dame unvermindert weiter; die einzige bedeutende Rolle erhielt sie 1955 in dem Antikriegsfilm Kinder, Mütter und ein General als beherzte Mutter, die 1945 ihren kriegsbegeisterten halbwüchsigen Sohn retten will.

Beim Theater spielte sie an der Kleinen Freiheit 1966 die Präsidentin in Jacques Devals Eine Venus für Milo und 1967 June Buckridge in Frank Markus‘ Schwester George muß sterben. Beim Westfälischen HerkingLandestheater in Castrop-Rauxel übernahm sie 1968 die Titelrolle in Die Mutter und am Jungen Theater Hamburg 1972 in Rolf Hochhuths Die Hebamme. In Bern verkörperte sie 1973/74 die Winnie in Samuel Becketts Glückliche Tage. Weitere Auftritte hatte sie an der Komödie Berlin und seit Anfang der 1970er Jahre am Landestheater Tübingen und am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Auch in der im Fernsehen erfolgreichen Rudi Carrell Show trat sie auf.

1967 erhielt sie den Schwabinger Kunstpreis. Auch wurde ihr ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet.

In erster Ehe war Ursula Herking mit dem Industriemanager und späteren CSU-Mitbegründer Johannes Semler verheiratet. Dieser Ehe entstammen die beiden Kinder Susanne Hess (* 1937) und Christian Semler (1938–2013).

Die Schauspielerin wurde auf dem Münchner Westfriedhof beerdigt. 2012 wurde die Urne aus dem in München aufgelassenen Grab auf Betreiben ihres Sohnes Christian in das Grab ihrer Eltern Lily Herking und Willy Klein auf den Friedhof III in Dessau umgebettet. (Quelle: wikipedia)

Ihre Beiträge sind bis heute mehr als hörenswert, karikieren sie doch unvergängliche Themen wie den Schönheitswahn und die bürgerliche Doppelmoral … Ursprünglich erschienen sie auf ihrem Solo-Album „Eine Frau packt aus“.

Und wenn man sich die Autoren dieser Lieder ansieht, weiß man, dass sich auf dieser LP weitaus mehr als „unartige Lieder“ befinden …

 

Besetzung:
Helen Vita – Ursula Herking – Edith Hancke (vocals)
+
Orchester Bert Grund

BackCover

Titel:

Ursula Herking:
01. Es kommt immer darauf an (Mleinek/Bienert) 2.36
02. Eine Animierdame stößt Bescheid (Grund/Kästner) 2.39
03. 7 Jahre Glück (Wollenberger) 8.16
04. Die geschiedene Frau (Grund/Tucholsky) 2.16
05. Olivia Kosmetova (Grund/Wollenberger) 3.41
06. Herbstliche Erkenntnis (Grund/Hassencamp) 3.34
07. Italien-Reise (Grund/Schwenzen) 4.48

Edith Hancke & Helen Vita:   
08. Die Wahl-Küren (Neumann/Nelson) 1.46
09. Mir ist so mulmig um die Brust (Edith Hancke solo) (Grund/Tucholsky) 4.22
10. Die Kleptomanin (Helen Vita solo) (Hollaender) 2.05
11. Mainzer Spezialitäten (Hollaender) 3.13
12. Nach zehn isses Sünde (Edith Hancke solo) (Grund/Mleinek) 3.42
13. Chor der Fräuleins (Grund/Kästner) 1.48
14. Gebet keiner Jungfrau (Helen Vita solo) (Grund/Kästner) 2.36
15. Prinzeßchen (Hollaender) 3.56

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Thorsten Otto – Mensch Otto (ein Gespräch mit Hella Schwerla) (2011)

FrontCover1Da trinkt ein kleines Mädchen Schnaps, damit der Vater nicht soviel davon trinkt … und hört dann im Alter von 11 Jahren auf, Schnaps zu trinken. Das ist nur eine kleine biographische Notiz aus dem Leben der Hella Schwerla, einer absolut ungewöhnlichen Frau.

In diesem Radiogespräch mit dem Bayerischem Rundunk (hier: B3) gibt sie Auskunft über ihr facettenreiches Leben, bei dem einem mehr als einmal die Spucke wegbleibt.

Geboren im Emsland als viertes Kind eines Kleinbauern in einem Fünfhundert-Seelen-Dorf, einer katholischen Diaspora.Mit elf Jahren erster Roman für die Mitschüler, eine Fortsetzungsgeschichte, im vierzehntenJahrhundert angesiedelt.

Hospitanz bei einer Tageszeitung mit Buchverlag.In England und Frankreich als Au-Pair.
Reporterin der Illustrierten „Quick“, danach Redakteurin der Zeitschrift „Bunte“.
Erste Liebe, Heirat, Kind. Nach fünf Jahren Scheidung und freiberufliche Arbeit, als Möglichkeit,sich um das Kind kümmern zu können.

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Hella Schwerla, 22 Jahre im Biergarten

Seit den 80er Jahren:Reporterin und Autorin für den Hörfunk.An die fünfhundert Features und Hörspiele.Gleichzeitig und dann ausschließlich Autorin im Fernsehen, hauptsächlich in der „Unterhaltung“.Texte für Moderatoren, redaktionelle Arbeit, aber auch „vor“ der Kamera, wie für das Porträt über O. W. Fischer.

Begegnungen mit Heilern und Schamanen aus aller Welt.

Buchveröffentlichungen:
1988 „Catch your dreams“ Pseudonym Helena Kayn – Sachbuch

Autobiographisch gefärbte Romane:
1997 – „Auch Hexen können weinen“
2007 – „Prinzen, Parias und wilde Tiere – eine indische Reise“
2011 – „Der Polizist und die Frau“ über Sexualität älterer Frauen.
2014 – „Hitze, Dreck und Erleuchtung“ Im Kral eines afrikanischen Schamanen

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Hella Schwerla, 30 Jahre

Anlass für dieses Gespräch im Rahmen der BR-Sendereihe „Mensch Otto“ war der eben auch biographisch gefärbte Roman „Der Polizist und die Frau“ :

Regina Rosenthal, Psychologin, 63, eine attraktive, charismatische Frau, hat ein Leben hinter sich, in dem sie eines gelernt hat: Hinfallen und Wiederaufstehen. Freunde, Musik, Literatur und ihr Hund – genug für ein erfülltes Leben allein. Eine Beziehung, einen Mann hält sie inzwischen für überflüssig. Erotik: da reichen ihr die Fantasien.

Bis sie Mathias Sailer, 42, Streifenpolizist im Schichtdienst begegnet. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist er Single und braucht eigentlich keine Frau, wie er gern betont. Sex-Affären ja, aber nichts, was nach Bindung aussieht. Er ist Autoerotiker wie Regina, lebt neben dem anstrengenden Dienst nahezu isoliert. Dann verliebt er sich in Regina und geht, ganz gegen seine Art, zum Sturmangriff über. Regina kapituliert. Beide sind glücklich, genießen die Sexualität, die Gefühle füreinander. Gleichzeitig haben sie Angst, ihre Freiheit zu verlieren. Mathias reagiert mit Rückzug, Regina gerät in ein Gefühlschaos wie in jungen Jahren. Sie erinnert sich an die Zeit der sexuellen Revolution und ihren Lieblingsspruch: „Wenn du nicht mit Buchdem sein kannst, den du liebst, liebe den, mit dem du bist.“ So verlässt sie Mathias, hat Liebeleien, versucht offene Beziehungen, lebt ihre Erotik mehr aus als vorher. Heftpflaster für den Schmerz.

Mathias vergräbt sich in den Beruf: „arbeiten, essen, schlafen, arbeiten“. Er spürt sich nicht mehr in seinem inneren Gefängnis. Die gedankliche Verbindung zu Regina reißt nie ab, und sie spürt seine Gedanken. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und die hoffnungslose Romanze bekommt eine neue Wendung …

Es geht also auch um Erotik und Sexualität, und zwar bei einer älteren Frau … auch darüber gibt die Autorin in diesem Gespräch Auskunft, wenngleich auch nur andeutungsweise.

Die Autorin spricht also über ein Tabu (wenngleich in der heutigen Zeit dieses Tab „ältere Frau liebt deutlich jüngeren Mann“schon deutlich kleiner geworden ist) … und übrhaupt: Ihr ganzes Leben cheint ein einziger Tabubruch gewesen zu sein … gelegentlicht argwöhnte ich allerdings, dass wir es hier auch mit einer Frau zu tun haben, die eine sehr üppige Phantasie hat (der Begriff „Münchhausen“ kam mir hin und wieder in den Sinn, ob all der schier unglaublichen Erlebnisse).

Und ich gestehe: So faszinierend diese Biographie auch sein mag, so wichtig auch dieser Tabubruch auch sein mag … so ganz geheuer ist mir diese Frau nicht …

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Artikel in der Münchner Boulevard-Zeitung „tz“

Besetzung:
Hella Schwerla und Thomas Otto

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Titel:
01. Thorsten Otto – ein Gespräch mit Hella Schwerla) 40.13

Thorsten Otto

Thorsten Otto

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Ermunterung

Die 68er und die Folgen (7): Claudia Decker – Die Revolution im Bett – Die 68er und die sexuelle Befreiung der Frau (Radio-Doku, Bayerischer Rundfunk) (2018)

FrontCover.jpgIn dieser Woche gibt es beim Bayerischen Rundfunk eine Themenwoche, die sich mit den „68er Bewegung“ beschäftigt.

Ein Beitrag beschäftigte sich mit:

Die 68er und die sexuelle Befreiung der Frauen

Die 68er stehen zwar für freie Liebe, aber davon profitierten vor allem die Männer. Von der Revolution im Bett spürten die Frauen noch nichts. Mit den 68ern begann allerdings die Emanzipation und mit ihr kam die sexuelle Befreiung der Frauen.

Die Medien stürzten sich ab Ende der 60er Jahre auf Geschichten von wildem Sex in Studentenbetten. Aber für die Frauen gab es in Wahrheit keine Revolution im Bett, sondern bestenfalls eine Evolution. Sie mussten sich erst von der Bevormundung ihrer Genossen emanzipieren und ihre eigene Sexualität entdecken.

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Wolfgang Ettlich Filmemacher und Besitzer einer Kleinkunstbühne in München („Heppel & Ettlich„)

Der Trauschein war für den Mann der Freibrief für Sex. Erfüllte eine Ehefrau ihre Beischlafpflicht nicht, konnte das für den Ehemann ein Scheidungsgrund sein. „Schuldig geschieden“ bedeutete für die Frau, Unterhaltsansprüche und das Sorgerecht für die Kinder zu verlieren. Und wer kein oder kein weiteres Kind haben wollte, tat sich schwer mit Verhütung. Die Pille gab es zwar bereits, aber ein Rezept bekamen nur verheiratete Frauen – oft nur, wenn sie mindestens drei Kinder hatten und der Mann einverstanden war.

Im Jahr 1968 schien es vorbei zu sein mit Keuschheit und Gehorsam. Tabus wurden gebrochen. Die 68er propagierten freie Liebe als Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie. Die Medien stürzten sich darauf. Das Lotterleben der Kommunarden wurde zum Tagesgespräch einer empört-staunenden Öffentlichkeit.

Christina von Hodenberg

Christina von Hodenberg: Historikerin und Professorin an der Queen Mary, University of London

Die Historikerin Christina von Hodenberg schreibt in ihrem Buch „Das andere Achtundsechzig“, so manche Frau fühlte sich unter Hinweis auf den hehren Dienst an der Revolution zum Beischlaf genötigt. Die Frauen im Umfeld der ersten Kommunen und des West-Berliner Sozialistischen Deutschen Studentenbundes SDS berichten übereinstimmend:

„…dass Promiskuität vor allem für die Männer galt und deren sexuelle Befreiung absolut auf Kosten der Frauen ging – ‚immer mit dem Gefühl, wenn du das nicht machst, bist du ne Bürgerliche!'“ (Auszug „Das andere Achtundsechzig– Gesellschaftsgeschichte einer Revolte“ von Christina von Hodenberg)

Bei vielen Revoluzzern der 68er stand die Gleichberechtigung ihrer Mitstreiterinnen nicht auf der Agenda, weder gleiche Rechte in der Küche noch gleiche Rechte und Bedürfnisse im Bett. Die Historikerin Christina von Hodenberg schreibt über die 68er-Studentinnen:

„Sie waren sämtlich Mütter kleiner Kinder, deren Väter ihnen trotz ihres Studiums die Hauptlast der Kinderbetreuung aufbürdeten. Die Entstehung der neuen Frauenbewegung ist untrennbar mit dieser familiären Situation verknüpft.“ (Auszug „Das andere Achtundsechzig– Gesellschaftsgeschichte einer Revolte“ von Christina von Hodenberg)

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Nicolai Tregor: Bildhauer

Der Satz „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ ist legendär. Viele junge Frauen der damaligen Zeit spürten dabei aber weniger Freiheit als Frauenverachtung. Weder das ungehemmte Reden über Sexualität noch deren Zurschaustellung in Medien und Film brachte den 68er-Frauen die Anerkennung ihrer sexuellen Autonomie. Sie mussten ihre sexuelle Befreiung selbst in die Hand nehmen und setzen den Machos des Studentenbundes diesen Satz entgegen: „Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!“

Abseits der Frauen, die in Kommunen lebten und Teil der Dauer-Disco waren, mussten Frauen ihren täglichen Kampf im banalen Alltag ausfechten. Wie befreiten sie sich? Die Ärztin Renate Schicketanz gehörte zum Team der ersten Beratungsstelle von pro familia in München 1969. Sie leistete Pionierarbeit in der Familienberatung nach dem Krieg: Von Information über Empfängnisverhütung bis hin zur Erfahrung des eigenen Orgasmus‘.

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Inga Tränker: Damals Playgirl für Prominente (wie Curd Jürgens), heute: Künstlerin und Schriftstellerin

„Ganz viele Frauen, auch mit Kindern, kannten keinen Orgasmus. Der Mann war wichtig, aber nicht die eigene Sexualität.“ (Renate Schicketanz, Ärztin und Psychotherapeutin)

Basisarbeit war notwendig, um den Frauen zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Revolutionär war die Gruppenberatung für Frauen, die pro familia anbot, und in der die Teilnehmerinnen den weiblichen Körper erforschten. (Pressetext)

Ganz sicher ein Thema, das nicht nur für mich von Interesse ist … Ich selbst – damals pubertierender und arg schüchterner Knabe – wurde natürlich von all diesen „wilden Thesen“ gefesselt … später haben sie dann schon auch mein Leben als erwachsener Mann begleitet.

Die Gespräche mit Zeugen der damaligen Zeit sind bemerkenswert, insbesondere die „Lebensbeichte“ der Inga Tränker … da wäre eine wohl fast verbrannt, ob ihres ausschweifenden Lebens.

Und die Ärztin Renate Schicketanz (Gründerin von pro familia, die mehrere „Beratungsstellen und Informationen rund um Sexualität, Verhütung, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch“ betreibt) weist mit eindringlichen Worten auf die damalige Notwendigkeit, dass die Frauen natürlich auch ihrer Weg hin zu einer selbstbestimmten Sexualität zu gehen hatten … auch wenn´s den Männer nicht immer so gut gefallen hat.

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Redaktion:
Claudia Decker

Titel:
1. Die Revolution im Bett – Die 68er und die sexuelle Befreiung der Frau (Radio-Doku) 22.58

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Klaus Schulze – Body Love (Original Filmmusik) (1977)

FrontCover1Ja hoppla … jetzt wird´s aber schlüpfrig … Musik zu einem Porno … und das in der Adventszeit … sowas aber auch:

Body Love ist ein Pornofilm aus den 1970er Jahren, gedreht und produziert von dem italienischen Regisseur Lasse Braun. Body Love gilt neben Sensations als einer der bedeutendsten Filme von Braun und stellt einen der Klassiker der Stilrichtung Porno Chic dar.

Baron von Goeneveld sorgt sich um seine Familie. Seine nymphomanische Ehefrau Glenda überrascht er, indem er ihr in einem verlassenen Haus zwei Liebhaber zur Verfügung stellt. Und zum 18. Geburtstag der Tochter lässt er eine Party organisieren, die in eine Orgie ausartet.

Der Film wurde von der deutschen Love Film aus Bochum finanziert und kostete rund eine Million DM. Er wurde 1976 im Schloss Groeneveld in der niederländischen Gemeinde Baarn gedreht, die Dreharbeiten dauerten rund eine Woche.

Während der Dreharbeiten wurde das Album Moondawn von Klaus Schulze gespielt, ein sequenzerorientiertes Berliner-Schule-Album. Während des Schnitts stellte Braun fest, dass sich die Darsteller im Rhythmus der Musik bewegt hatten, so dass ein Soundtrack mit einem anderen Rhythmus nicht passen würde. Schließlich beauftragte er Klaus Schulze mit der Komposition der Filmmusik, die den Rhythmus von Moondawn haben sollte. Die LP erreichte den 2. Platz in den Importcharts des US-Magazins Billboard. Der Soundtrack ist bis heute erhältlich, allerdings wurde die ursprüngliche Gestaltung des Covers (mit Szenen aus dem Film) durch eine neutralere Gestaltung ersetzt. (Quelle: wikipedia)

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Und die Musik zu diesem Film wurde hochgelobt:

Gleich nach dem phantastischen „Moondawn“ legte Klaus Schulze 1977 mit dem Soundtrack „Body Love“ ein nächstes faszinierendes Highlight vor.
Bei dem Film von Lasse Braun handelt es sich um einen Porno,weshalb das Cover der Schallplatte keine Bilder aus dem Film zeigt,was dem Verkauf der Scheibe,gerade beim Export,eventuell hinderlich gewesen wäre.
Das Genre des Films konnte den Pionier der elektronischen Musik und Sounds nicht davon abhalten,hier eine seiner schönsten Arbeiten abzuliefern.
Alle drei Tracks begeistern mit sphärischen,atmosphärisch wirkenden Klängen und erzeugen so eine geradezu anheimelnde Magie.
Daß Harald Großkopf,wie schon bei „Moondawn“,an den Drums den wabernden,sanften Klangwolken von Schulze Kontur verleiht,steigert das wohlig-verträumte Gefühl beim hören nur noch.

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Trotz des umschmeichelnden Schönklangs wirkt „Body Love“ intensiv,hypnotisch,trotz der elektronischen Erzeugung warm und weich.
Verfremdete,geheimnisvolle Sounds,künstliche Chöre runden einen Musikgenuß ab,der den,der sich darauf einläßt,zum tiefen Eintauchen in die Musik einlädt und dort verwöhnt.
„Body Love“ mag nicht das innovativste Album von Schulze sein,er geht hier nicht vorwärts,allerdings macht er hier das,was er für mein Dafürhalten am besten kann,und das in seltener Intensität und Perfektion.
Für mich ist daher „Body Love“ klar eines seiner besten,weil emotional fesselndsten Alben.
Ein absolutes Highlight des Künstlers. (high end)

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Das alternative Front + Back Cover

Und der Film zur Musik wurde ebenfalls hochgelobt:

Vorhang auf für einen Porno, dessen Soundtrack von Klaus Schulze komischerweise berühmter ist als der Film selbst. Klaus Schulze, der mit Künstlern wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre häufig in einem Atemzug genannt wird und der die Band Tangerine Dream zum Erfolg führte, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter der elektronischen Musik. Und der Soundtrack für Body Love gilt vielen Klaus Schulze-Fans als sein wichtigstes Werk. Dementsprechend groß war die Neugier auf den Film der sich hinter der Musik versteckt, doch nur wenige trauten sich bislang den Film anzuschauen oder zuzugeben, dass sie ihn gesehen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film über lange Zeit sehr schwer nur zu bekommen war und zudem wenig über ihn geschrieben steht, obwohl z.B. die Deutschland-Premiere von Body Love damals in einem angesehenen Großkino, dem Holi in Hamburg, mit großen Tam Tam über die Bühne ging. Und so wurde schließlich viel darüber fantasiert, was es denn für Pornofilm

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Das Filmplakat

ist, der Klaus Schulze dazu bewegen konnte seine ganze musikalische Kreativität zu entfalten.

Um es kurz zu machen: Der Film verdient den gleichen Ruhm wie sein Soundtrack, denn wir haben es hier wieder einmal mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Porno von Meisterregisseur Lasse Braun zu tun, der jedem, der ihn anschaut, lange im Gedächtnis bleiben wird. Das Spezielle an Body Love ist diese unheimliche New Age-Atmosphäre die der Film ausstrahlt. Alles wirkt irgendwie unwirklich und entrückt und dieser Eindruck wird natürlich verstärkt durch die abgefahrene Synthie-Mucke von Klaus Schulze, doch sind es auch und vor allem die seltsamen Bilder, die den Zuschauer in eine lustvoll-meditative Trance versetzen. (Quelle: pornoklassiker.de)

Nun … ich teile die Auffassung, dass dies ein ganz und gar exquisites Album von Klaus Schulze ist … ich höre es allerdings bedeutend lieber, wenn ich die Bilder des Films nicht sehe …

Dass es überhaupt zu einer solchen Kooperation zwischen Pornographie und elektronischer Musik der Avantgarde kommen konnte, ist für mich der faszinierendste Aspekt dieser Aufnahmen …

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Die 70er Jahre … die „sexuelle Revolution“ entließ ihre Kinder, der pornographische Film wurde in bestimmten Kreisen salonfähig und ganz sicherlich zählte dieser Lasse Braun zu jenen Akteueren dieses Genres, die zumindest ein Mindestmaß an einen gewissen Anspruch hatten … Sein Film „Sensations“ verdeutlich noch viel mehr jene Zeit, in der „Porno, Kunst und Hippietum auf leichte und fast surealistische Art“ kombiniert werden konnte.

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Besetzung:
Harald Grosskopf (drums)
Klaus Schulze (electronics)

LasseBraun

Lasse Braun, 1976

Tracklist:
01. Stardancer 3.38
02. Blanche 11.43
03. P.T.O. 27.12
+
04. Lasse Braun 22.21

Musik: Klaus Schulze

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Die Musik zum Film:

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Der Film zur Musik (des englischen sollte man mächtig sein … aber vielleicht auch nicht):

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Süddeutsche Zeitung Magazin – Nr. 2/2009 – Ein Heft über Sexualität

TitelHier war ja schon öfters mal die Rede von dem „SZ – Magazin“, jener Beilage, die immer am Freitag der Tageszeitung der SZ beiliegt.

Und immer wenn ich in meinem Arbeitszimmer mal wieder am stöbern bin, finde ich ein altes Exemplar …

Diesmal so eine Art Sonderheft zum Thema Sexualität (untertitel: In Zeiten allgegenwärtiger Pornografie ein Heft über Sexualität).

Für mich ist das journalistische Niveau des sz-Magazins ziemlich hoch und so konnten sich die damaligen Autoren auch gut und gerne diesem Thema zuwenden.

Ansonsten gibt es es dann noch die üblichen Rubriken wie z.B. Axel Hacke´s Sicht der Welt usw. usw.

Und auch heute lässt sich dieses Heft (40 Seiten) noch gut lesen. Es ist authentisch, ehrlich und zeigt die vielen Facetten der Erotik, zeigt wie Lust ganz großartige aber auch ganz schwierig sein kann.

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Dazu schreibe man an

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