Die Hamburger Tearjacks mit Jörn Hader und Hans Rosen – Seemannslieder und Shanties (Anfang der 60er Jahre)

FrontCover1Im Augenblick hab ich´s wohl mit all diesen Seemannsliedern … Erst der Achim Reichel, dann der Hans Albers und nun die „Hamburger Tearjacks“ (und eigentlich sollte ich ja noch ein paar Karnevalsscheiben auflegen).

Ganz schön markig und markant sind die Sänger dieser Langspielplatte. Die Rede ist von Jörn Harder und Hans Rosen, die von den „Hamburger Tearjacks“ begleitet werden. Noch nie davon gehört ? Ich auch nicht … und die große Wissensbörse Internet bietet auch keinerlei vertiefte Inormationen … zumindest für mich.

Also reden wir über Shanties:

Ein Shanty ist ein Seemannslied mit Refrain. Diese Liedgattung gehört zum Seemannsbrauchtum.

Das englische Wort shanty ist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Es stammt wahrscheinlich von frz. chanter „singen“ ab.

Shantys sind Lieder der Matrosen zu gemeinschaftlicher harter Arbeit auf Segelschiffen vor dem Mast und lassen sich in ihrem Ursprung von zirka 1450 (im sogenannten „Complayant of Scotland“) bis etwa 1875 mit dem Aufkommen der Dampfschiffe zurückverfolgen. Ein vom Shantyman gesungener Solopart, der oft auch improvisiert ist, wird von Kehrreimzeilen der Mannschaft abgelöst.

Bedingt durch die Art der Arbeit und der unterschiedlichen Herkunft (Sklavenschiffe, Walfänger, Piraten, Kriegsschiffe etc.), haben sich auch unterschiedliche Arten von Shantys gebildet. Zum Beispiel zum Lichten des Ankers (Capstan-Shanty) oder zum Setzen der Segel (Halyard-Shanty). Das Singen half der Mannschaft dabei, die Arbeiten synchron auszuführen. So wurde z.B. bei einem Halyard-Shanty während der vom Shantyman gesungenen Strophe geruht und während dem von der Mannschaft gesungenen Kehrreim im Takt das Segel eingeholt bzw. gesetzt. Der bekannte Shanty What shall we do with a drunken Sailor (ursprünglich Early in the morning) wurde beim Auswechseln der Mannschaft im Marschrhythmus gesungen. Andere Tätigkeiten bedurften dementsprechend anderer Rhythmen. Natürlich wurden Shantys auch am Abend in der geselligen Runde gesungen. Wie auch andere Lieder z. B. aus der Country-Musik, konnten mit den Texten sofort aktuelle Tagesereignisse reflektiert werden.

HamburgerVeermasterNoten
Durch die Internationalität der Seefahrt machten die Shantys schnell die Runde und vermischten sich mit Seemanns- und Volksliedern. Häufig finden sich so deutsche Texte zu englischen Shantys. Bekannt ist hier die Version von The Banks of Sacramento (die Musik entstammt einer christlichen Weise und entstand 1849 bei der sogenannten „Great Immigration“ nach Kalifornien und ist somit streng genommen kein Shanty). In einer Abwandlung wird er auf niederdeutsch als De Hamborger Veermaster gesungen.
Chöre und Interpreten

Das traditionelle Liedgut der Shantys wird heutzutage von „Shanty-Chören“ gepflegt, die sich vor allem in oder in der Nähe von Hafen- oder Küstenstädten bildeten und die meistens vollständig oder überwiegend aus Männern bestehen. In Norddeutschland und insbesondere an der Waterkant gehört der Auftritt von „Shanty-Chören“ zum Kulturgut, gilt inzwischen aber auch als Bestandteil des dortigen touristischen Angebots. Verschiedene neuere Shantys wurden erstmals in dem Dokumentarfilm Windjammer (1958) aufgeführt und gingen eingedeutscht in das Repertoire der Chöre ein.

Als Solisten sind ausschließliche Shanty-Interpreten eher selten anzutreffen; hierzu zählen zum Beispiel der Bremerhavener Günther Bockelmann oder der in Polen sehr bekannte Shanty-Sänger und -Texter Jerzy Porebski. Shantys gehören jedoch mit zum Repertoire von einigen Liedermachern, wie beispielsweise Achim Reichel oder Hannes Wader, und teils auch von Schlagersängern, wie zum Beispiel Sven Jenssen oder Peter Petrel. (Quelle: wikipedia)

Soweit so gut … und dennoch ärgert sich der Chronist und Archivar in mir, dass über die Interpreten dieser Lieder so gar nichts aufzutreiben war. Und auch über den Komponisten der meisten Lieder, ein G.von Haßler schweigt sich google dezent aus.

Und auch über das Label „Mandolino“ erährt man nicht, außer dass es sich um ein „ultrarares“ Label aus den 60er Jahren handelt. Toll ! Die LP wurde gepresst von den Firma Carl v.d. Linnepe, Lüdenscheid (und ich krieg´s im Moment zum verrecken nicht hin … aber dieser Name sagt mir irgendwas, aber was ?)

Vielleicht weiß ja jemand mehr … Auf jeden Fall handelt es sich zwar um ein Billig-Label, aber die Musik klingt für mich (der nun alles andere als ein Nordlicht ist) ziemlich überzeugend und authentisch … Hm, man mag ja sagen, dass hier vielerlei Klischees zelebriert werden, aber: Ist nicht z.B. das Thema „Abschied“ ein notgedrungenes Thema für all die Matrosen ?

Segelschiff

Besetzung:
Jörn Harder (vocals)
Hans Rosen (vocals)
+
Die Hamburger Tearjacks

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Titel:
01. Hamburger Veermaster (Traditional) 3.22
02. Wind nach Westen (v.Haßler) 2.37
03. What Shall We Do (Traditional) 1.41
04. Treu wie zwei Hunde (v.Haßler) 3.03
05. One Pint Of Rum (v.Haßler) 2.04
06. Westward Ho (v.Haßler) 1.49
07. Rolling Home (Traditional) 2.38
08. Ich hab mein´ Schatz verloren (v.Haßler) 1.46
09. Poor Jack (v.Haßler) 2.17
10. Wenn der Wind am Abend weht (v.Haßler) 2.53
11. Hanging Johnny (Traditional) 3.24
12. Farewell, mein Mädchen von Altona (v.Haßler) 2.39

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Matrosenchor Crew X 62 – Rolling Home (50er Jahre)

FrontCover1Und jetzt mal wieder ein Blick in den hohen Norden, an die Waterkant also … und da tummeln sich quasi seit Menschengedenken jene „Shanties§ und Seemannslieder, die wohl zu dieser Region gehören wie die Luft zum atmen.

Und hier hören wir vier Klassiker dieses Benres, dargeboten von einemEnsemble mit dem etwas rätselhaften Namen „Matrosenchor Crew X 62“, na ja, zumindest rätselhaft für ein Landei wie ich es bin.

Und das klingt schon ziemlich gut: fein, sauber und stimmungsvoll intoniert hören wir einen Männerchor, sparsam hin und wieder mit einer Gitarre begleitet.

Interessant ist die Geschichte des Klassiker „De Hamborger Veermaster“

De Hamborger Veermaster (hochdeutsch: Der Hamburger Viermaster) ist ein Shanty auf Plattdeutsch mit englischem Refrain.

Das Lied ist eine Adaption des englischen Shantys „The Banks Of Sacramento“. Die Melodie stammt von einem Kirchenlied, einem Minstrel (Vers), der Refrain des Textes aus der englischen Ballade „Ten thousand miles away“. Es handelt sich um einen Capstan-Shanty (auch Gangspill-Shanty), der von der Besatzung während des VeermasterHeraufhievens der Ankerkette gesungen wurde. Der Gangspill, die handbetriebene zylindrische Ankerwinde auf dem Vorschiff, um die sich die Kette dabei legte, hieß damals auch „Capstan“.

Das Lied wurde zwischen 1934 und 1936 durch das Liederbuch „Knurrhahn“, eine Sammlung deutscher und englischer Seemannslieder, bekannt. Zudem wurde es in studentische Kommersbücher, beispielsweise im Wingolf des Wingolfsbundes, und in den Liedschatz der Jugendbewegung aufgenommen, danach in zahlreiche Liederbücher und Alben.

Der „Hamborger Veermaster“ hat einen sozialkritischen Hintergrund. Derlei Texte über Schiff, Kapitän, Ausrüstung und Verpflegung (der Schiffszwieback kann wegen der Brotmaden von selber laufen) zu singen, gehört zu den aus der Ethnologie bekannten Spottbräuchen (joking relationships), und was über diesen Hamburger Großsegler ausgesagt wird, kann auch auf Missstände des eigenen Schiffs bezogen werden.

Der durch den kalifornischen Gold Rush von 1848/49 im Refrain näher datierbare Shanty könnte sich eventuell auf die „Deutschland“ beziehen, die 1847 von der Hapag in Dienst gestellt wurde. Die Hapag war auf Auswanderertransporte spezialisiert, daher dürfte die „Deutschland“ notorisch überfüllt gewesen sein und kaum in Schuss zu halten (vgl. die Strophen 2 und 3).

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Und so schaut´s dann in einem Hamburger Lokal aus, das sich „Hamborger Veermaster“ nennt.

Während der Text des originalen amerikanischen Vorbildes die Reise um Kap Hoorn beschreibt, wurde die Melodie auch für das Lied „The camptown ladies“ mit dem gleich gebliebenen Refrain verwendet. Dabei geht es um die Damen, die zum Amusement der Männer in den Goldgräberzeltstädten lebten.

Und das Titelbild (eine Reproduktion eines Gemäldes von Johannes „Joh´s“ Holst) schaut einfach nur Klasse aus !

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Besetzung:
Matrosenchor Crew X 62 unter der Leitung von Rolf Martens + Heiner Glitsch

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Titel:
01. De Hamborger Veermaster (Vullrigger) 3.22
02. Johnny – Johnny (Traditional) 3.42
03. Good-night Ladies (Traditional) 2.13
04. Rolling Home (Magelhan) 4.05

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Matrosenchor München – Heut geht es an Bord (1972)

FrontCover1Schon witzig … ein Matrosen-Chor ausgerechnet in München !

Vor einigen Hundert Jahren begann die Zeit der Segel-Schiffahrt und sie endete im letzten Jahrhundert mit der Erfindung der Dampfschiffahrt. Das Leben eines Matrosen war kurz, einsam und freudlos, abgesehen von kurzen Vergnügungen in den Hafenstädten und dem Trost seiner Lieder. Die Lieder waren es auch, die die Arbeiten an Bord begleiteten (Segelsetzen, Anker hieven). Daraus entstanden dann Arbeitslieder, genannt Shanties. Kurze, prägnante Gesänge, die der Arbeit an Bord den Rhythmus gaben, mal frech, mal sehnsüchtig und voller Verlangen. Die Tradition dieser Lieder überlebte das Ende der Windjammerzeit und wurde an Land vielfältig gepflegt.

Dieser Tradition fühlten sich auch 4 ehemalige Fahrensleute aus München verpflichtet und gründeten im November 1961 den Matrosen-Chor. Seitdem leben die Shanties und Seemannslieder auch noch fern der Küste weiter. Im Jahre 1964 wurde der Chor in das Vereinsregister eingetragen. Nach der musikalischen Aufbauarbeit unter professioneller Leitung steigerte sich die Zahl der Auftritte Jahr für Jahr. Auf dem Programm standen öffentliche und private Veranstaltungen in München und Umgebung, aber auch Tourneen an die Ostseeküste, nach Helgoland, Fehmarn sowie in nahegelegene Nachbarländer.

Matrosenchor München

Matrosenchor München (heute unter weiblicher Leitung)

In den 70er Jahren produzierte der Chor zwei Single-Schallplatten, 1984 dann die erste Musikkassette mit dem Titel ”Seemann, deine Heimat”. Die zweite Kassette ”Wolken, Wind und Wogen” folgte 1988. 1996 wurde die erste CD mit dem Titel ”Nimm uns mit, Kapitän” gepresst, die auch noch als MC erhältlich ist. 2001 folgte die CD „Immer ran an den Wind“ anlässlich des 40-Jährigen Chorjubiläums. 2011 schließlich folgt die dritte CD mit den besten Liedern aus 50 Jahren Matrosenchor unter dem Titel: „So schön war die Zeit“. Seit 2012 ist der Matrosenchor München e.V. ein gemeinnütziger Verein. Für das Jahr 2013 ist eine Ostseetournee zur HanseSail in Rostock geplant.

Der Matrosen-Chor München bereichert seit 1961 mit Auftritten bei maritimen und anderen Veranstaltungen das kulturelle Leben der bayerischen Metropole, so ist er regelmäßig auf der Messe f.re.e (ehemals C.B.R) zu Gast, beim Münchner Stadtgründungsfest und Kulturveranstaltungen rund um München. (Quelle: Selbstdarstellung)

Und hier ihre erste Single aus dem Jahr 1972 …

Nun ja … markiger Gesang erwartet uns … und ich muss noch immer grinsen über jene wackeren Matrosen aus München …

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Besetzung:
Matrosenchor München unter der Leitung von Alwin Bauer*
+
Manfred Grabietz (accordeon)
Ludwig Mayer (vocals)
Hans Thurnhofer (vocals)
Michael Wolfsberger (accordeon)

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Titel:
01. Ansage 0.06
02. Heut´ geht es an Bord (Traditional) + Die hohen Masten (v.Stackelberg) 3.33
03. Kari Waits For Me (Gilkyson/Deli/Miller) 3.11
04. Matrosen, wenn sie singen (Traditional) 1.24
05. Liegt unser Schiff (Traditional) 2.00
06. De Hamburger Veermaster (Prigge) 2.02
07. Kameraden, wann sehen wir uns wieder (Prigge) 1.12

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