Le Théâtre de la Choucrouterie – Hommage a Tomi Ungerer – Heute hier, morgen fort (2008)

FrontCover1.jpgAlso, für meine Ohren ist das ein ganz besonderer Leckerbissen:

Da gib es das Théâtre de la Choucrouterie in Straßburg:

Elsässisch par excellance – die Choucrouterie in Strasbourg ist ein selten Stück dreisprachiges Kulturgut: lustig, ohne volkstümelnd albern, ernst ohne verbissen , historisch ohne langweilig zu sein und dabei noch unglaublich lecker. Die zumindest regional äußerst prominenten Kabarettisten um Chef Roger Siffer versammeln immer wieder neue Kleinkünstler um sich und schaffen so wechselnde Programme im Theaterteil der Choucrouterie. Das Restaurant derweil versteht sein Handwerk nicht weniger gut: aus Weisswein von all den kleinen tollen Winzern, Forellen, Brot, Gemüse, etc von den Bauern der Region entstehen leidenschaftlich gekochte Gerichte, die man so nicht überall findet und die man drum auch eine Weile in der Erinnerung behält: Bodenständig, regional und gut.

RestaurantSchildUnd so zitiert Roger Siffer auf der dazugehörigen erläuternden Website den großen Erasmus von Rotterdam: Wozu sich den Bauch mit so vielen guten Speisen beschweren , wenn Augen , Ohren und die ganze Seele sich nicht an Lachen, Witzen und freundlichen Worten ergötzen. (Quelle: yelp.de)

Also: Das Theater des Sängers und Schauspielers Roger Siffer steht in einer ehemaligen Sauerkrautfabrik (daher der Name) in Straßburg. Dort spielt er mit seiner Truppe Theaterstücke, Chansons und auch satirische Revuen gleichzeitig auf Elsässisch und Französisch.

Und ja, ohne dem Roger Siffer …

Roger Siffer (* 1948 in Villé (Weiler), Arrondissement Sélestat-Erstein) ist ein elsässischer Kabarettist, Liedermacher, Sänger und künstlerischer Leiter des „Théâtre de la Choucrouterie“ in Straßburg.

Siffer begann ein Studium der Philosophie in Straßburg, das er zugunsten der Musik kurz vor dem Abschluss abbrach. Sein erster großer öffentlicher Auftritt fand im Alter von 20 Jahren beim alljährlichen Sauerkrautfest in Colmar statt, vor „2000 Leuten und einer schlechten Anlage“. Er verblüffte sein Publikum durch die französischsprachige Version US-amerikanischer Rockmusik wie etwa die seines großen Vorbilds Bob Dylan. Lyrisch wurde er mehr von den Chansonniers Léo Ferré und Georges Brassens beeinflusst. Der Straßburger Kulturpolitiker und Kabarettist Germain Muller lud Siffer ein, auf dessen Bühne, dem Barabli, Songs und Sketche zu spielen. Er fing zuerst mit Kinderreimen und Coverversionen an, doch Muller drängte ihn zum Verfassen eigener Texte. Zwei Jahre dauerte seine „Lehrzeit“ beim „Barabli“.

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Roger Siffer

Siffer nutzte den Leerstand einer bis in die 1980er Jahre produzierenden Sauerkrautfabrik in der rue Saint-Louis im Viertel Finkwiller am Rande der Altstadt von Straßburg, renovierte das Gebäude und nannte es nun Théâtre de la Choucrouterie, Sürkrüt-Theat’r oder auch kurz: la Chouc. Dort befinden sich neben zwei Bühnen auch ein Restaurantbetrieb (Sürkrüt-Stub) und die Künstleragentur Créations Nouvelles Alsace Culture (CNAC). Das Ensemble wechselt während einer Vorstellung von einer Bühne zur anderen, um jeweils auf Elsässisch oder Französisch zu unterhalten. Zu den bekanntesten Mitarbeitern des Ensembles gehören Jean-Pierre Albrecht, Cathy Bernecker, Cookie Dingler, Roland Kieffer und Huguette Dreikaus. Viele elsässische Nachwuchskünstler hatten hier ihren ersten großen Auftritt. Aus Respekt vor seinem Vorbild Muller verzichtete Siffer bis zu dessen Tode 1994 auf eigene Kabarettdarbietungen, mittlerweile (2006) hat Siffer seine 12. satirische Revue erstellt. Bei bis zu 180 Vorstellungen besuchen jährlich 21.000 Zuschauer das Kabarett. Zu seinen berühmtesten Gästen konnte das „Chouc“ Marcel Marceau, Claude Nougaro, Juliette Gréco und Jack Lang zählen.

RogerSiffer03Jeden Sommer geht sein Kabarett auf die „Tournée d’été“ (Sommertour) in die elsässischen Dörfer und Städte und bezieht dabei sein Publikum mit in seine Aufführungen ein – einschließlich der „maires“ (Bürgermeister). Beim alljährlichen Festival der Europäischen Kulturtagen 1998 führte das Ensemble um Roger Siffer Szenen und Lieder zur Badischen Revolution auf. Bei den Europäischen Kulturtagen 2002 nahm seine Revue die Differenzen und Gemeinsamkeiten im vereinten Europa aufs Korn.

Berühmt geworden ist sein in Frankreich populäres Chanson von Mademoiselle „Anne-Marie“, das irrtümlich für ein Volkslied gehalten wird, tatsächlich aber aus seiner Feder stammt. Nach Aussage von Siffer sind Elsässer nicht sehr gut in Frankreich angesehen, da ihre Kultur deutsche Einflüsse aufweise. Deutsche Musik sei nach den Leiden des Zweiten Weltkrieges immer noch strikt verpönt bei den Franzosen. Als einmal Siffer in Paris in elsässischer Sprache gesungen hatte, protestierte das Publikum, das keine Lieder von den „Boches“ hören wollte. Heute gilt Siffer in seiner Heimat als „Galionsfigur der elsässischen Identität“.

Roger Siffer ist seit 2015 mit der aus Kiel stammenden Kabarettistin Susanne Mayer (* 1946) verheiratet, mit der er bereits lange Jahre liiert war. Das Paar hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. (Quelle: wikipedia)

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Roger Siffer singt „Die Gedanken sind frei“ anlässlich der Gedenkfeier zum Tode von Tomi Ungerer

Und bei so einem künstlerischem Anspruch verwundert es nicht, dass dieses Ensemble sich auch mal dran mache, diese liebevolle Hommage an Tomi Ungerer zu inszenieren.

Und was nun den Tomi Ungerer betrifft, darf ich auf folgenden Beitrag verweisen, der sich hier finden lässt.

Die Kabarett-Revue ist eine Hommage an den elsässischen Künstler, Buchautor, Satiriker und Weltbürger Tomi Ungerer. Das nach einer Idee von Roger Siffer entstandene Schauspiel gibt in Elsässisch, Französisch und Deutsch interessante und amüsante Einblicke in Leben und Schaffen Tomi Ungerers.

In 20 Liedern und vielen Texten, die Tomi Ungerer gewidmet sind oder direkt von ihm stammen, unternehmen elsässische Schauspieler mit dem Publikum eine Reise durch das Leben des weltberühmten Künstlers: vom Elsass über New York und Kanada nach Irland. Mit der Projektion von über 300 Zeichnungen Ungerers auf zwei Leinwände werden Zeichnungen aus seinen Kinder- und Jugendjahren, aus seinen vielen erfolgreichen Kinderbüchern, zu seinem politischen Engagement (z.B. gegen den Vietnamkrieg und für die Europäische Einigung), bis hin zu seinen erotischen Werken in die Kabarettrevue eingebaut.

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Tomi Ungerer Plakat in Straßburg

Bei arte kündigte Roger Siffer im April 2001 seine Idee zum „Kabarett Tomi“ wie folgt an „Ich möchte was ganz Neues aufziehen. Tomi Ungerer wird bald 70, er hat gerade eine Aphorismensammlung herausgebracht, „Limericks“ wie die Deutschen sagen. So etwas wie: „Das Elsass ist wie ein Klo, immer besetzt“. Ich möchte aus solchen Sprüchen eine witzige Show zusammenstellen, und zwar mit einem Musiker namens Cookie Dingler. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Tomi und trinkt auch gern Whisky, er mag die Stones und macht gern anarchisch-alkohol-betonte Shows nach irgendwelchen Tresenwitzen. So etwas möchte ich gern aufziehen.“

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Cookie Dingler

Und das ist mehr als gelungen:
Die musikalische Mischung dieser Aufnahmen ist mindestens genauso bunt, wie vermutlich dieser blog auch: Von Pete Townshend bis hin zu Heino, („Und in der Heimat“), von daher ist diese Mischung natürlich auch genau meine Kragenweite … Und natürlich fehlen auch nicht alte Volkslieder sowie eigene Kompositionen (zuweilen sehr melancholisch) des Ensembles.

Und das passt natürlich auch zum Tomi Ungerer; wir wir wissen hat er bezaubernde Kinderbücher illustriert, um dann wieder in den Tiefen von zuweilen arg heftigen pornographischen Werken zu steigen.

Von daher: eine viel bessere musikalische Hommage an den großen Tomi Ungerer kann es eigentlich nicht geben … und das mit einer spielerischen Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht.

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Besetzung:
Roger Siffer (vocals, guitar)
+
Cathy Bernecker – Cookie Dingler – Gérald Muller – Matthieu Pallas – Jean-Pierre Schlagg – Bas Sluis

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Titel:
01. Tommy Can You Hear Me (Townshend) 2.51
02. Muss i denn (Traditional) 2.02
03. Les enfants et les soldats (Duguet/Dingler/Geiss) 2.22
04. Knochen (Traditional) 2.30
05. O Strassburg (Traditonal) 2.45
06. The Party (Duguet/Dingler/Geiss) 3.18
07. Lustig ist das Zigeunerleben (Traditional) 1.46
08. Abattoir (Diependaele/Dingler/Geiss) 5.09
09. Acadie (Duguet/Dingler/Geiss) 5.23
10. Drei Königskinder (Traditional) 2.43
11. Attendez-vouz a l´inattendu (Duguet/Dingler/Geiss) 3.47
12. Mécaniques métalliques (Duguet/Dingler/Geiss) 3.43
13. Heute hier, morgen dort (Wader/Giess) 3.06
14. Und in der Heimat (White/Geiss) 2.12
15. Alsachiens (Duguet/Dingler/Geiss) 3.03
16. Monsieur Racine (Siffer/Geiss) 4.14
17. S´Elsassische verschwindt (Siffer/Geiss) 2.38
18. Totempole (Duguet/Dingler/Geiss) 3.03
19. Forét Noire (Traditional/Siffer/Geiss) 2.20
20. Servus Europa (Kröher/Godmann/Geiss) 2.47
21. Die Gedanken sind frei (Traditional) 4.08

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„Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † 8. Februar 2019 in Cork, Irland)

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