Junge Philharmonie Köln (Leitung: Volker Hartung) – Ouvertüre zur Oper Die verkaufte Braut + Cellokonzert h-moll op 104 (2009)

FrontCover1Ich habe ja bekanntermaßen einen Faible für Privatpressungen und hätte hätte ich mal eine im Angebot aus dem Bereich der klassischen Musik und die Rede ist von der Jungen Philharmonie Köln unter der Leitung von Volker Hartung:

Die Geschichte der Jungen Philharmonie Köln beginnt im Jahre 1972. Erich Kluge, Solo-Kontrabassist des Tonhalle-Orchesters Zürich, war es leid, als festangestellter Musiker zu arbeiten. Stattdessen wollte er „Musik als Abenteuer“ erleben, wie er es in einem frühen Interview mit dem WDR-Fernsehen formulierte. Was tun? Kluge trommelte junge Talente zusammen und gründete mit ihnen zusammen ein Ensemble. „Das Orchester, das zunächst gewissermaßen als Hausensemble an der Pädagogischen Hochschule Köln wirkte, war das Alternativorchester in Deutschland schlechthin“, erinnert sich Volker Hartung, der damals noch als Bratschist im Orchester spielte. Als 17-Jährigen hatte Kluge den heutigen Chefdirigenten in sein „Abenteuerorchester“ eingeladen. 14 Jahre später trat Hartung die Nachfolge des frühverstorbenen Gründers an.

Jenseits ausgetretener akademischer Pfade will die Junge Philharmonie Köln ihren ganz persönlichen Weg zur Musik gehen. Das war die Idee von Erich Kluge, der Volker Hartung bis heute treu geblieben ist. „Erich war eine ungeheuer facettenreiche Persönlichkeit. Ein Entdecker und Pionier, der für die Sache seines Orchesters gebrannt hat“, meint Hartung über seinen Vorgänger, den er als großes Vorbild sieht.

 

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Volker Hartung

Das gefiel auch einem gutaussehenden älteren Herrn in weißem Anzug, der seinen Pudel spazieren führte und sich folgendermaßen vorstellte: „Hallo, ich bin Cary Grant – hättet ihr Lust, beim Filmfestival in Cannes zu spielen?“ – Gesagt getan.Gerne erinnert sich Volker Hartung an die im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerlichen Anfangszeiten und die manchmal verschlungenen Wege, auf denen das Orchester zu sich fand. Als die Musiker von ihrer Tätigkeit in Köln genug hatten, entschieden sie sich, die Stadt zu verlassen und reisten erst einmal an die Côte d’Azur. Dort bekamen Einheimische wie Touristen ein Kammerorchester zu sehen, das auf den Promenaden von Cannes und Saint-Tropez unter freiem Himmel im Frack aufspielte.

Zurück in Deutschland wurde aus dem Festival- ein Fernsehorchester: In Alfred Bioleks Kultsendung „Bio’s Bahnhof“ spielte die Junge Philharmonie Konzerte für junges Publikum oder auch einmal Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 unter dem Stab eines prominenten Gastdirigenten, dem britischen Ex-Premier Sir Edward Heath.

Auf ihren Reisen rund um den Globus leisten die Musiker oft genug Pionierarbeit: Wenn es zum Beispiel nach Australien geht, dann spielt die Junge Philharmonie Köln nicht nur im berühmten Opernhaus von Sydney, sondern unternimmt ausgedehnte Konzertreisen durch Dörfer und Kleinstädte, in denen sich sonst nie ein ausländischer Klangkörper verirrt. Abenteuerlich bleibt es für Junge Philharmonie Köln nicht zuletzt aber auch, weil das Orchester bis heute ohne Subventionen auskommt. Im ständigen Austausch mit dem Publikum sucht es den Ausgleich zwischen Innovation und Tradition.

Das Hauptanliegen der jungen Menschen, die in diesem Orchester spielen, ist es, die sinnlichen und emotionalen Triebkräfte der Musik hörbar zu machen – egal ob sie Musik der Romantik spielen oder sich in die Gefilde der sogenannten U-Musik vorwagen, Filmmusik von Bernard Hermann unter Spannung setzten oder sich auf die Spuren des Kölner Barden Willi Ostermann begeben. Weil diese Gratwanderung gelingt und die Instrumentalisten ihre Liebe zur Musik hörbar machen, begeistert die Junge Philharmonie Köln seit 40 Jahren ihr Publikum.

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Und noch ein paar Informationen zu dem Dirigenten, Volker Hartung:

Geboren in Köln, begann Volker Hartung das Erlernen der Violine und Viola im Alter von neun Jahren. Er studierte an der Musikhochschule Köln mit Lehrern wie Gérard Ruymen und Rainer Moog, sowie dem Amadeus-Quartett.

Im Jahr 1980 ermöglichte ihm ein amerikanisches Stipendium das Studium an der Juilliard School of Musik in New York City unter Meistern wie Ivan Galamian, Joseph Gingold und dem Juilliard String Quartet.

Anschließend studierte er am California Institute of the Arts in Los Angeles, mit Alan de Veritch und William Primrose. Zurück in Deutschland, studierte er Dirigieren bei Andreas Brockmann in Wuppertal und Sergiu Celibidache in München.

Volker Hartung ist seit 1986 Chefdirigent der Jungen Philharmonie Klöne, mit der er in weltweiten, erfolgreichen Konzertreisen auf allen Kontinenten und auf zahlreichen internationalen Musikfestivals bekannt wurde.

Hier nun ein weiteresAlbum von diesem Ensemble. Geboten wird Friedrich Smetana und Antonin Dvoràk … es handelt sich dabei um Liveaufnahmen und deshalb wird im Text darauf auch ingewiesen:

Hinweis
Und in der Tat, die Lebendigkeit dieser Aufnahmen überwiegt bei weitem … viel Genuss darf ich wünschen !

 

Booklet1Besetzung:
Junge Philharmonie Köln unter der Leitung von Volker Hartung
Guido Schiefen (violoncello)

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Titel:

Friedrich Smetana:
01. Ouvertüre zur Oper „Die verkaufte Braut“ 6.05

Antonin Dvorak: Cellokonzert h-moll op. 104
02. Allegro 15.06
03. Andante semplice 12.01
04. Finale Allegro con brio 13.09

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Klassische Musiker mal ganz leger

Tschechische Philharmonie (Karel Ančerl) – Mein Vaterland (Smetana) (1964)

FrontCover1Für mich eines der bedeutsamsten Werke der klassischen Musik überhaupt und für mich das Werk, mit dem ich erstmals wirklichen Zugang zur Klassik bekommen habe … vorher war sie per se „gute Musik“ und damit aus und basta !

Mein Vaterland (tschechisch Má vlast) ist ein Zyklus von sechs sinfonischen Dichtungen von Bedřich Smetana, der als vollständiges Werk am 5. November 1882 in Prag uraufgeführt wurde. Der populärste Teil des Zyklus ist Die Moldau (Vltava).

Die Komposition des Zyklus steht in engem thematischem Zusammenhang mit der Oper Libusa aus dem Jahr 1872, die Smetana als nationales Festspiel konzipiert hatte. Der Zyklus, dessen Entstehungszeit von der völligen Ertaubung des Komponisten überschattet war, war zunächst als Vierteiler geplant; erst nach einer dreijährigen Schaffenspause entstanden die letzten beiden Teile. Themen des Zyklus sind Mythen (1, 3), Landschaft (2, 4) und Geschichte (5, 6) von Smetanas tschechischer Heimat.

Die Aufführung von Mein Vaterland bildet traditionell jedes Jahr am 12. Mai, dem Todestag des Komponisten, die Eröffnung des musikalischen Prager Frühlings.

Der Zyklus besteht aus sechs Teilen:

Vyšehrad (Lento – Largo maestoso – Grandioso poco largamente – Allegro vivo non agitato – Lento ma non troppo)

Vltava – Die Moldau (Die beiden Quellflüsschen der Moldau – kalte und warme M.: Allegro comodo non agitato – Waldjagd – Bauernhochzeit: L’istesso tempo ma moderato – Mondschein, Nymphenreigen: L’istesso tempo – Tempo I – St. Johann-Stromschnellen – Die Moldau strömt breit dahin : Più moto)

Šárka (Allegro con fuoco ma non agitato – Più moderato assai, a la Marcia – Moderato, ma con calore – Moderato – Molto vivo – Più vivo)
Z českých luhů a hájů – Aus Böhmens Hain und Flur (Molto moderato – Allegro poco vivo, ma non troppo – Allegro, quasi Polka – Tempo I – Allegro – Presto)

Tábor (Lento – Grandioso – Molto vivace – Lento – Molto vivace – Lento maestoso – Più animato)

Blaník (Allegro moderato – Andante non troppo – Più allegro ma non molto – Tempo di Marcia – Grandioso – Tempo I – Largamente maestoso – Grandioso meno – Allegro – Vivace)

Vyšehrad wurde von Ende September bis zum 18. November 1874 komponiert und am 14. März 1875 in Prag uraufgeführt.

Smetana01Smetana beschreibt hier die Geschichte der Prager Burg Vyšehrad. Er beginnt mit den Harfenklängen des Barden Lumír (Lumier), worauf ein kriegerisches Crescendo folgt, und auf einmal erscheint die Burg in voller Pracht. Im nächsten Teil besinnt sich Smetana der Geschichte von Vyšehrad, bis nach einem Marsch die Burg einstürzt. Nun erklingen wieder die Harfenklänge Lumírs, und die Musik erinnert sich noch einmal an die Burg. Es folgt das Strömen der Moldau, und zum letzten Mal erklingen die Klänge von Lumír.

Smetana komponierte das Stück Vltava (,Moldau‘, geläufiger Titel im Deutschen Die Moldau) vom 20. November bis zum 8. Dezember 1874. Am 4. April des folgenden Jahres wurde Die Moldau uraufgeführt.

Die Moldau ist ein Beispiel für Programmmusik mit Tonmalerei. Das rondoartig wiederholte Hauptthema besteht aus einer Melodie, die auch im italienischen Renaissance-Lied La Mantovana aus dem 17. Jahrhundert auftaucht und ebenfalls im schwedischen Volkslied Ack Värmeland, in der israelischen Nationalhymne haTikwa und im Kinderlied Alle meine Entchen leicht abgewandelt verwendet wird. Smetana beschreibt das Werk wie folgt:

„Die Komposition schildert den Lauf der Moldau, angefangen bei den beiden kleinen Quellen, der kalten und der warmen Moldau, über die Vereinigung der beiden Bächlein zu einem Fluss, den Lauf der Moldau durch Wälder und Fluren, durch Landschaften, wo gerade eine Bauernhochzeit gefeiert wird, beim nächtlichen Mondschein tanzen die Nymphen ihren Reigen. Auf den nahen Felsen ragen stolze Burgen, Schlösser und Ruinen empor. Die Moldau wirbelt in den Johannisstromschnellen; im breiten Zug fließt sie weiter gegen Prag, am Vyšehrad vorbei, und in majestätischem Lauf entschwindet sie in der Ferne schließlich in der Elbe.“

Moldau

Die Moldau

Es gibt eine gesungene Version von Karel Gott, sowohl auf tschechisch (Vltava) als auch auf deutsch (Die Moldau oder Die Täler meiner Heimat). Hanns Eisler griff bei der Vertonung von Brechts Lied von der Moldau auf die Melodie zurück.
Šárka

Smetana beendete den Teil Šárka am 20. Februar 1875, er wurde am 17. März 1877 aufgeführt.

Dieser Teil handelt von der Amazonenkönigin Šárka, die der Männerwelt Rache geschworen hat. Sie ist als Köder an einen Baum gebunden, als sich der Prinz Ctirad mit einem Marsch ankündigt. Er wechselt ein paar Worte mit der Amazonenkönigin und verliebt sich sofort in sie. Es folgt eine kurze Romanze. Die beiden feiern Hochzeit, und als alle eingeschlafen sind, ruft die Šárka mit ihrem Horn die Amazonen heran. Die sinfonische Dichtung endet mit der männermordenden Szene, siehe auch: Mägdekrieg.

Smetana stellte die Komposition von Z českých luhů a hájů (geläufiger Titel im Deutschen Aus Böhmens Hain und Flur) durch „Gedanken und Gefühle beim Anblick der böhmischen Heimat“ am 18. Oktober 1875 fertig, die Uraufführung erfolgte am 10. Dezember 1878. In diesem Werk bringt Smetana dem Hörer die Natur näher. Im ersten Teil zeichnet er die Majestät des Waldes. Unter anderem erklingt ein kleines Gebet, dann wird eine Melodie gepfiffen und es folgt der Teil „im Hain säuselt der Wind“. Die Hörner spielen nun eine kleine Melodie, die aber erst beim dritten Anlauf vom ganzen Orchester ergriffen wird. Danach endet der Wald. Es ertönen abwechselnd eine Polka und das Hornmotiv, und auf einmal ist man in einem Landfest. Inspiriert wurde Smetana durch die Landschaft um Jabkenice, wo er sich damals aufhielt.

Böhmen

Böhmens Hain und Fluren

Tábor:

Smetana beendete die Komposition am 13. Dezember 1878. Die Uraufführung fand am 4. Januar 1880 statt.

Die südböhmische Stadt Tábor war in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Hauptlager der Hussiten (benannt nach Jan Hus, dem 1415 in Konstanz hingerichteten Religionsreformator). Tábor wurde im 19. Jahrhundert ein Symbol der tschechischen nationalen Wiedergeburt. Das Thema dieses wie auch des folgenden Teils beruht auf dem alten Hussitenchoral Die ihr Gottes Streiter seid (Ktož jsú Boží bojovníci).

Die Komposition wurde am 9. März 1879 beendet. Die sinfonische Dichtung wurde am 4. Januar 1880 gemeinsam mit Tábor uraufgeführt, aus dessen Schlussmotiv sie unmittelbar entspringt.

Tabor

Tabor

Blaník ist ein Berg, in dem ein tschechisches Ritterheer – vom Heiligen Wenzel geführt – verborgen schläft und dem tschechischen Land in schlechtesten Zeiten helfen wird.

In der Coda dieser sinfonischen Dichtung verknüpft Smetana das Hussiten- mit dem Vyšehrad-Motiv und rundet damit den Gesamtzyklus ab. (Quelle: wikipedia)

prirodni reservace Maly Blanik - Podlesi, Bykovicky rybnik, Poblanicko, Ceska republika

Der Berg Blanik (ist ja eher ein Hügel)

Die hier präsentierte Aufnahme dieser symphonischen Dichtung stammt aus dem Jahr 1964 und wurde von der Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Karel Ančerl eingespielt:

Karel Ančerl (ursprünglich Antscherl, geboren 11. April 1908 in Tučapy, Österreich-Ungarn; gestorben 3. Juli 1973 in Toronto, Kanada) war ein tschechischer Dirigent. Er war viele Jahre Leiter der Tschechischen Philharmonie.

Karel Ančerl wurde in einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren und wurde mit elf Jahren als Geiger Orchestermitglied in seiner Heimatgemeinde. Gegen den Willen seiner Eltern studierte er am Konservatorium Prag Komposition bei Jaroslav Křička, Dirigieren bei Pavel Dědeček, und Schlagzeug. Großen Einfluss übten auf ihn in dieser Zeit auch der Neutöner Alois Hába sowie der damalige Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie Václav Talich aus.

Von 1931 bis 1933 leitete Ančerl das Orchester des avantgardistischen Theaters Osvobozené divadlo und war anschließend bis 1939 Dirigent beim Rundfunk. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht und der Annexion Tschechiens verlor er alle Ämter und wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Die Filmaufnahmen des nationalsozialistischen Propagandafilms Theresienstadt zeigen ihn 1944 in einer Szene, wie er unter Zwang das KZ-Orchester zu dirigieren hatte. Als Einziger seiner Familie und fast aller Darsteller des Films überlebte er die anschließende Deportation in das KZ Auschwitz.

Karel Ancerl

Karel Ančerl

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wirkte Ančerl u. a. an der Prager Oper des 5. Mai als künstlerischer Direktor, bevor er am 1. September 1947 Chefdirigent des Prager Rundfunksinfonieorchesters wurde.

Im Oktober 1950 wurde Ančerl zum künstlerischen Direktor der Tschechischen Philharmonie ernannt, der er in den folgenden Jahren bis 1968 einen Spitzenplatz unter den Orchestern des Ostblocks sicherte und Einladungen in die ganze Welt einbrachte. Er erweiterte das Repertoire vor allem um moderne Musik (Schönberg, Bartók, Britten) und setzte sich mit Hingabe auch für unpopuläre Komponisten seines Heimatlandes wie Bohuslav Martinů ein.

Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings emigrierte Ančerl im August 1968 nach Kanada und leitete dort bis 1972 das Toronto Symphony Orchestra. Seine Grabstätte ist auf dem Vyšehrader Friedhof in Prag zu finden. (Quelle: wikipedia)

Was für eine Biographie …

LabelsOriginalausgabe

Die Labels der tschischen Originalausgabe

Umso mehr kann man sich darüber nur freuen, dass seine Aufnahmen erhalten sind … so wie auch diese … viel triumphaler kann man dieses Werk nicht einspielen….

Und ich sitze hier gedankenverloren an meinem Schreibtisch und erinnere mich mit welch unterschiedlichen Emotionen mich der Begriff „Heimat“ zeitlebens begleitet hat.

Originalausgabe

Das Cover der tschechischen Originalausgabe (1963)

Besetzung:
Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Karel Ančerl

Booklet1

Titel:
01. A Vysehrad
02. Die Moldau
03. Sarka
04. Aus Böhmens Hain und Flur
05. Tabor
06. Blanik

Musik: Friedrich Smetana

LabelB1

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Smetana02

 Friedrich Smetana
(* 2. März 1824  in Litomyšl –  † 12. Mai 1884 in Prag)