Biss (Straßenmagazin) – Oktober 2017

TitelJetzt drängt es mich dazu,  über ein ganz großartiges Projekt berichten und zwar über das Projekt BISS aus München. BISS steht für „Bürger in sozialen Schwierigkeiten“. Und das ist die Geschichte von BISS.
BISS ist ein Zeitungsprojekt, das Bürgern in sozialen Schwierigkeiten hilft, sich selbst zu helfen.

Das BISS-Magazin ist die älteste und mit einer monatlichen Auflage von zirka 38.000 Exemplaren eine der erfolgreichsten Straßenzeitungen Deutschlands. Vom Verkaufspreis, derzeit 2,20 Euro, behält der Verkäufer 1,10 Euro. Die Zeitschrift versteht sich auch als Lobby für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen. Sie möchte ein Bewusstsein schaffen für die Belange obdachloser und armer Menschen. Eine schlanke, professionelle Redaktion stellt das Magazin her, das von armen, obdachlosen und ehemals obdachlosen Menschen auf der Straße verkauft wird. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt, ihr Budget wird klein gehalten, denn Geld soll hauptsächlich den Verkäufern zu Gute kommen.

Über 100 Verkäuferinnen und Verkäufer bringen die BISS an die Leser. BISS-Verkäufer kann nur werden, wer bedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) ist. Die Bedürftigkeit wird von BISS geprüft. Dem Verkäufer erschließen sich durch den Verkauf mehrere Möglichkeiten. Er kann sich ein Zubrot zu seiner Sozialhilfe oder zur Grundsicherung verdienen (in diesem Fall ist sein Verkaufskontingent  beschränkt). Er kann auch nur von seiner Arbeit bei BISS leben. Ist er in der Lage, regelmäßig mindestens 400 Exemplare der Zeitschrift zu verkaufen, kann er fest angestellt werden (auch in Teilzeit).

Neben dem Arbeitsangebot geht BISS auch die Entschuldung des Verkäufers und seine gesundheitliche Sanierung an. Beim Erstbezug einer Wohnung stellt ihm BISS Geld zur Finanzierung der Erstausstattung zur Verfügung.

Obdachlosikeit01
Verkäufer, die sich auch in der Zeitschrift engagieren möchten, haben die Möglichkeit, in die BISS-Schreibwerkstatt zu gehen. Einmal in der Woche bringen sie mit Hilfe zweier Journalisten ihre Gedanken und Ansichten zu Papier. Unter der gleichnamigen Rubrik werden die Texte dann veröffentlicht. Durch diese Texte ist BISS in der Münchner Medienlandschaft einzigartig, denn relativ ungefilterte Beiträge von bedürftigen oder armen Menschen gibt es nur in der BISS.

Der gemeinnützige und gleichnamige Verein, der die Zeitschrift herausgibt, hat Ziele, die die Verkäufer betreffen, festgeschrieben: Der Verkauf der Zeitschrift soll Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Der Verkäufer verdient dadurch nicht nur Geld. Die regelmäßige Tätigkeit strukturiert seinen Tag, und er hat die Möglichkeit, Kontakte zu seinen Kunden zu knüpfen. Durch die kontinuierliche persönliche Betreuung, die sich daraus ergibt, wird das Selbstwertgefühl der Verkäufer gestärkt, ihnen wird somit ein schrittweiser Austritt aus ihrer Isolation, Armut und Ausgrenzung ermöglicht. Durch Öffentlichkeitsarbeit wie Diskussionsrunden und Vorträge in Schulen möchte der Verein die Gesellschaft aufklären und sie für Menschen in sozialen Notlagen sensibilisieren.

Das Projekt BISS nützt das professionelle und noch immer engmaschige Hilfesystem der Stadt München auch für seine Verkäufer. Für notwendige Vorarbeiten und Abklärungen sowie für besonders komplizierte Fälle, hat BISS einen Sozialarbeiter auf Teilzeitbasis angestellt. Beim Kauf einer Zeitschrift ergibt sich die Möglichkeit zur unverbindlichen Kontaktaufnahme. Wenn es einen Käufer interessiert, kann er mehr über das Leben eines BISS-Verkäufers erfahren und entdecken, wie er helfen kann. BISS funktioniert, weil es in der Lage ist, die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln. Münchner Bürger, Unternehmen, Werbeagenturen, Kirchenleute und Stiftungen tragen zum Erfolg des Projekts bei.

BISSVerkäuferBISS erhält keine öffentlichen Gelder, sondern finanziert sich durch den Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen. Damit werden die Herstellungskosten des Magazins inklusive der Honorare, die Gehälter des Fachpersonals und die Betriebskosten bezahlt. Bußgelder, die BISS – wie anderen sozialen Einrichtungen in Bayern – sporadisch  von Richtern und Staatsanwälten zugesprochen werden, dienen, soweit notwendig, ebenfalls der Finanzierung des Geschäftsbereichs. Alle Spenden werden nur für Bürger in sozialen Schwierigkeiten eingesetzt.

Die Idee Straßenzeitung kommt ursprünglich aus Amerika. BISS kam am 17. Oktober 1993 als erste Straßenzeitschrift in Deutschland auf den Markt. Mittlerweile gibt es hierzulande über dreißig mehr oder weniger ähnliche Projekte. Seit Bestehen dieser Straßenzeitungen diskutieren die Macher darüber, welches Konzept das richtige ist: Sollen Verkäufer in alle Produktionsschritte der Zeitschrift eingebunden sein, oder genügt es, wenn sie eine von Profis hergestellte Zeitschrift verkaufen und sich damit neue Perspektiven (nicht nur) auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. BISS hat sich für einen Mittelweg entschieden und bindet die Verkäufer durch die Schreibwerkstatt und die Stadtführungen so weit wie möglich ein. Der Erfolg zeigt, dass es eine richtige Entscheidung war.

BISS begann mit null Mark und viel Mut. Ohne eine große Organisation im Rücken gelang es dem gleichnamigen Interessenkreis, etwas Konkretes gegen Armut und Obdachlosigkeit zu tun. Der Interessenkreis bestand aus Journalisten, Sozialarbeitern, Layoutern, Kirchenleuten und obdachlosen Menschen. Durch glückliche Zufälle: Es fanden sich immer die richtigen Mitstreiter zum richtigen Zeitpunkt. Und durch die Unterstützung aller, die sich für diese Idee begeistern können, hat sich BISS zu dem entwickelt, was es ist: eine der wenigen Chancen für Menschen, die die Gesellschaft in puncto Arbeit aufgegeben hatte. (Quelle: biss-magazin.de)

Was man noch wissen sollte:

DenningerMooshammer

Ohne eine Hildegard Denninger, die BISS gründete, wäre dieses Projekt nicht denkbar, sie war für viele, viele Jahre die Seele von BISS und …

… man glaubt es kaum, der schrille Paradiesvogel und Modezar war zeitlebens ein wesentlicher und bedeutender Förderer und Unterstützer von BISS … man glaubt es kaum, aber kennt man die Biographie von Mooshammer, dann wundert das einen nicht wirklich.

Und es gäbe noch viel zu erzählen über dieses Projekt, z.B. über das gescheiterte Projekt BISS Hotel (ein herzliches Dankeschön an die CSU, die FDP und an die „Freien Wähler“ im bayerischen Landtag) … aber – so Gott will – wird davon in den nächsten Wochen und Monaten in diesem blog ganz sicher immer wieder die Rede sein.

Jetzt mal die Oktober 2017 Ausgabe (da war die Frau Denninger allerdings schon in Rente) mit klassischen Themen wie „Leben auf der Straße“ und „Co-Abhängigkeit“, und „bürgernahe Sprache“ der Verwaltung sowie einer tranzparenten Leistungsbilanz der Initiative. Dazu dann auch noch ein Bericht über das Internatione Straßenmagazin-Treffen in Manchester.

Zur Einstimmung auf dieses großartige Maganz (32 Seiten) abseits des mainstreams ein paar erste Eindrücke:

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Man muss the katholische Kirche nicht mögen, aber bei der Versorgung von Menschenohne festen Wohnsitz leisten sie einen erheblichen Anteil

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Hier geht es um bürgernahe Sprache der Verwaltung

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In der „Schreibwerkstatt“ erhalten Betroffene professionelle Hilfe, um ihre Anliegen stilistisch auf entsprechendem Niveau zu formulieren

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Der deutsche Ableger des finischen Konzerns unterstützt die Biss seit vielen Jahren

Und das sind die Geschäftsbereiche von UPM:

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