Südmährische Sing- und Spielschar Stuttgart – Wein- und Liebeslieder aus Südmähren (1986)

FrontCover1Diese Formation, gegründet als Erinnerung ans Sudetenland, kann auf eine bemerkenswerte lange Geschichte zurückblicken:

1952, zum Sudetendeutschen Tag in Stuttgart am Killesberg, schrieben Herbert Wessely, Rudl Bar, Walter Gstettner, Helmut Irblich, Walter Urban, Helmut Janku, auf einen Pappkarton „Südmährische Sing und Spielschar“ und postierten sich am Pfingstsonntag gegen Mittag an der Treppenanlage zur Sarotti Halle am Killesberg.
Und sie kamen.
Bis 16.00 Uhr waren es 20 junge Menschen, Studenten, Kaufmännische Angestellte, Lehrlinge, SdJ`ler, Gruppenleiter, Junglehrer.

Unser erster Chorleiter 1952 bis 1972 war der ab 1939 Leiter der Znaimer Musikschule und Professor der Znaimer Lehrerbildungsanstalt Hans Proksch (1914-1987). Ihm folgte sein Sohn Wolfgang (geb.1947), ab 1973 Widmar Hader, 1992 Judith Abele, 1996 Heidemarie Güller, und seit 1998 Dr.Wolfram Hader, Sohn des Widmar Haders.

Hans Proksch sorgte für heimatliche Chorsätze, lehrte auch moderne Musikliteratur und Madrigale. Mit ihm war es jedes Mal, schaurig schön!
Über drei Jahrzehnte und länger schöpfte diese Gruppe aus dem vom Lehrer Wenzel Max, der von 1929 – 1939 in abgelegenen Orten Südmährens deutsche Volksgesänge aufgezeichnet hat.
Er hatte 68 Volkslieder gesammelt und in der Schrift Deutsche Volkslieder Südmährens veröffentlicht. Hans Proksch und Widmar Hader formten dazu 3 – 4 stimmige Chorsätze, die dann mit der Gruppe einstudiert wurden.

Spielschar

Die Spielschar in den 70er Jahren

Herbert Wessely, der Marburger Kreis, Walter Gstettner, Widmar Hader, versorgten die Gruppe mit geistiger Nahrung. Widmars Kompositionen trug die unterdessen etablierte Instrumentalgruppe vor.Bald entwickelte sich ein Blockflötenensemble unter Else Lehle und Martin Rösler.
Walter Gstettner vertonte Mundartgedichte des Südmährers Karl Bacher, auch Gedichte des Marburger Kreises, und wusste diese im Duett mit seiner Schwester Hilde Gstettner mit sehr großem Erfolg in den 50iger und 60iger Jahren publikumswirksam vorzutragen.

Etwa ab 1982 entwickelte sich ein sehr gutes Posaunentrio, mit Willi Doffek, Wolfgang Znaimer und Bernhard Znaimer. Daneben besorgte Martin Rösler das Ensemble für Alte Musik, die für Widmars Aufführung Wassermann und auch für den Keltertanz gebraucht wurde.

Die Schneidermeisterin und Berufsschullehrerin, Spielscharmitglied, Liesl Leisner-Bühler wurde nach ihren langen Recherchen über das Südmährische Trachtenwesen, Trachtenreferentin im Südmährischen Landschaftsrat. Sie entwickelte und betreut fortan die Spielscharleute ob Buben oder Mädchen, mit den richtigen Trachtengewändern.

Ein Wochenende des Monats treffen sich die Mitglieder in den um Stuttgart gelegenen Jugendherbergen. Nun ist das Haus Südmähren in Ehningen, Domizil ihrer Arbeiten. (Quelle:)

Mittlerweile nennt sich das Ensemble „Moravia Cantat“ und die bieten durchaus ein sehr anspruchsvolles Programm (z.B. Musik von jüdischer Komponisten aus Böhmen und Mähren etc.), haben insgesamt 8 LP´s und 4 CD´s veröffentlicht. Und deshalb habe ich eine etwas ausführlichere Bio dieses Ensembles in das Päckchen noch dazugelegt.

Spielschar2

Moravia Cantat in Argentinien (2006)

Aber auch ihr damaliger musikalischer Leiter, Widmar Hader, hatte eine bemerkenswerte Vita:

Widmar Hader (* 22. Juni 1941 in Elbogen, Sudetenland) ist ein deutscher Komponist.

Hader kam als Kind 1946 nach Bad Reichenhall. Nach dem Abitur studierte er in den Jahren 1960 und 1961 am Mozarteum in Salzburg (u. a. Komposition und Tonsatz bei Cesar Bresgen und Friedrich Neumann) und von 1961 bis 1965 an der Staatlichen Musikhochschule in Stuttgart (u. a. Komposition bei Karl Marx (Komponist)).

HaderNach zwei weiteren Studienjahren (Politikwissenschaft u. a. bei Hans Maier und Philosophie u. a. bei Fritz Leist) an der Universität München zog er wieder nach Stuttgart, wo er bis 1990 als Komponist, Musikerzieher, Chor- und Orchesterleiter sowie als externer Lehrer für Tonsatz und Gehörbildung an der Kirchenmusikschule Rottenburg wirkte.

Im November 1990 wurde er Direktor des neu gegründeten Sudetendeutschen Musikinstituts (Träger: Bezirk Oberpfalz) in Regensburg, das am 6. April 1991 offiziell eröffnet wurde und 1995 eine Partnerschaft mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Brünn schloss.

Als Komponist von Opern-, Orchester-, Ballett-, Kammer-, Klavier-, Orgel- und Vokalmusik hatte Hader Aufführungen in fast allen europäischen Ländern, Israel und USA. Mehrere Tourneen führten ihn in die USA als Komponist und Dirigent, darunter Konzerte mit ausschließlich eigenen Werken (u. a. in Washington DC) und mit Vorträgen über seine Kompositionen (u. a. im Curtis Institute of Music in Philadelphia).

Seine Kompositionen wurden aufgeführt vom Israelischen Kammerorchester (Philippe Entremont), dem Südwestdeutschen Kammerorchester (Paul Angerer und Ladislav Czarnecki), dem Münchner Kammerorchester (Hans Stadlmair), den Solistes de Marseille und dem Kurpfälzischen Kammerorchester (Klaus-Peter Hahn), dem Suk-Kammerorchester (Leoš Svárovský), dem Martinů-Kammerorchester (Lubomír Čermák), den Stuttgarter Philharmonikern (Hans Zanotelli und Heinz Finger), dem Baden-Badener Orchester (Werner Stiefel), den Regensburger Philharmonikern (Friedrich Sin), den Reichenhaller Philharmonikern (Willy Barth und Christian Simonis), dem Arcis Quintett, dem Stuttgarter Bläserquintett, dem Vokalsextett Singer Pur und renommierten Solisten wie Armin Rosin, Willy Freivogel, Rose Marie Zartner, Jaroslav Halíř, Bruce Abel.

1978 begründete er die alljährlich in der Woche nach Ostern stattfindenden Sudetendeutschen Musiktage und 1990 die Elbogener Orgelfeste. (Quelle: wikipedia)

Karte

Wer nun aufgrund des Titels der LP glaubt, volkstümlich-deftiges geboten zu bekommen, der irrt: All die kleinen Lieder, der Herkunft dann z.B. so beschrieben wird: „Volksweise aus Unter-Wisternitz bei Nikolsburg“ sind an Harmlosigkeit hinsichtlich moralischer Auschreitungen nicht zu unterbieten.

Und ich musste beim Hören dieser LP mehrfach schmunzeln: Zum einen finde ich es immer wieder erstaunlich, welch unterschiedlichen Mundarten es in deutschen Landen gibt und dann stellte ich nicht minder schmunzeln fest, dass dieser blog ja auch eine Art „musikalische Heimatpflege“ geworden ist …  Hätte ich mir in früheren Jahren so gar nicht zugetraut …

Besetzung:
Chor, Streicher- und Blockflötenensemble der Südmährischen Spielschar Stuttgart unter der Leitung von Widmar Hader
Franx Xaver Streitwieser (clarinhorn)

Booklet1

Titel:
01. Turmmusik (Volksweise aus Südmähren) 1.25
02. Johannissegen (Volksweise aus Unter-Wisternitz bei Nikolsburg) 1.11
03, Heint gemma nimma hoam (Volksweise aus Südmähren) 0.31
04. Borotitzer Ländler (Volksweise aus Hödnitz bei Znaim) 2.16
05. Oxn-Kanon (Weinkellerinschrift/Hader) 1.27
06. Wos der Weinstock für a Plog braucht (Waltner) 0,53
07. Allegro (Knauer) 0.47
08. Komm an, mein Brüderlein (Horn) 2.52
09. Suite Nr. 3 G-Dur (Horn) 4.01
10. Keltertanz (Wessely/Hader) 3.12
11. Ungarischer Tanz Nr. 1 B-Dur (Knauer) 1.45
12. Schworz san de Kerschtn (Volksweise aus Bratelsbrunn) 1.33
13. Au weh, wia follt der Tau (Volksweise aus Mödritz bei Brünn) 1.35
14. Treskowitzer Menuett  (Volksweise aus Südmähren) 1.35
15. Dort drenten an jenem Felsen (Volksweise aus Höflein a.d. Thaya) 2.25
16. Schweig nur still (Volksweise aus Moskowitz) 1.39
17. Feldsberger Menuett (Volksweise aus Südmähren) 1.35
18. In Mödritz steht ein hohes Haus (Volksweise aus Ober-Gerspitz bei Brünn) 1.07
19. Und ich ging einst bei der Nacht (Volksweise aus Mödritz) 1.23
20. Ballo (Horn) 0.48
21. Schönste, die der Himmel liebt (Horn) 3.14

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