Dieter + Ben Süverkrüp – Süverkrüp singt Graßhoffs Bellman (1996)

FrontCover1Den Dieter Süverkrüp kennt doch schon so einige in Deutschland, so ist das nichts. Dennoch vermute ich mal, diese Aufnahme eher unbekannt ist und von daher bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten ist.  Und dass ist schade, denn:

„Carl Michael Bellman (1740-95), der Dichter der Schweden, ist leider in Deutschland nie so gewürdigt worden wie er es verdient hätte. Die Ursache dafür, liegt sicher in der begrenzten Kenntnis der schwedischen Sprache Ein französischer oder englischer Bellman wäre längst bei uns aufgenommen und vielfach interpretiert worden. Nicht umsonst wird Bellman, von Kennern und Liebhabern seiner Schriften, der nordische Villon genannt. Fritz Graßhoff , bekannter Maler und Schriftsteller, hat nach jahrelangen Studien in Schweden, 1995 die erste komplette singbare Übertragung des Bellman´schen Epistolars als Buch vorgelegt. Das Buch, Bellman auf Deutsch „ Fredmans Episteln“, liebevoll ausgestattet mit vielen, vielen Vignetten und umfangreichen Informationen zu Bellman, bildet die Grundlage zur vorliegenden CD. Dieter Süverkrüp, Interpret der CD, beschreibt das so; „Die graßhoffschen Übersetzungen, schon als Gedichte vorzüglich, verhalten sich, wenn sie auf ihre Melodien treffen, wie ein guter Wein, der Luft bekommt: Sie entfalten erst die volle Blume. Text und Musik schäkern, treiben Spott miteinander, streiten und versöhnen sich, es entsteht ein amüsantes semantisches Rankenwerk, beinahe wie zwischen Fredman und Ulla Winblad. Die Musik, übernommen aus französischem Singspiel, europäischem Liedergut oder zurechtgebogen bis zur Unerkennbarkeit ihres Ursprungs – querbeet von Händel bis Mozart, von Vivaldi bis Pergolesi und ahnungsvoll weiter, Bellman nahm Sie und verband sie mit seinen Texten zu einer fugenlosen Einheit …….und Dieter Süverkrüp hat den Figuren des Carl Michael Bellman Leben eingehaucht. Überschäumende Lebensfreude, Selbstmitleid, Liebe, Trauer und Suff, all die menschlichen Hoch´s und Tief´s zwischen Lustwiese und Leichengondel, all das wird lebendig und greifbar.“ (Werbetext)

Und jetzt weiter im Text:

Carl Michael Bellman (1740-1795)

Bellmann

Carl Michael Bellman, Gemälde von Per Krafft d.Ä., 1779

Heute würde man ihn einen Singer-Songwriter nennen – Bellman ist im eigentlichen Sinn der Urvater des Liedermachers. Beheimatet im Stockholm Gustavs III., ist er musikalisch ein Freund Mozarts und Händels, und benutzt deren Melodien, genauso wie damals aktuelle «Hits» der Opéra comique mit großer Freiheit für seine eigenen Lieder.
Bellman selbst versteht sich jedoch hauptsächlich als Dichter. In seinen Liedern bildet er auf eine unvergleichliche Art die Menschen und Ereignisse seiner Umgebung ab; und diese Menschen waren das
der Wein, der Branntwein, das Bier…bunte Volk, das sich durch die branntweingeschwängerte Luft der Stockholmer Tavernen und Bordelle bewegte. Vier Themen dominieren seine Lieder:

die Liebe,
der Tod, der im damaligen Stockholm ein hartes Regime führte,
und, dazu vermeintlich fast im Gegensatz, einige der schönsten Naturschilderungen des nordischen Rokoko.

Aus dieser unnachahmlichen Mischung, die mit viel Humor in eine Dichtung von allerhöchster sprachlicher Qualität gegossen wird (in Schweden wird er in einem Atemzug mit Shakespeare genannt!), entsteht die Faszination und die ungebrochene Aktualität, die von seinen Liedern heute noch ausgeht. Das wirklich Besondere an Bellman ist dabei, daß sich die Begeisterung für seine Lieder quer durch alle sozialen und alle Altersschichten zieht.

Die Schwierigkeit bei der Interpretation seiner Lieder besteht zum einen darin, dass Bellman nur rudimentäres Notenmaterial hinterlassen hat (allein und mit seinen Musikerfreunden hat er das Meiste improvisiert), und zum anderen in der Gratwanderung zwischen den teilweise derb-fröhlichen Texten und dem äußerst anspruchsvollen Rokoko-Gesang.

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Das Ensemble Pratum Musicum hat versucht, einige dieser Kleinode aus der «Welt der allzu schweren Getränke und der allzu leichten Liebschaften» (Felix Niedner) in einem Gewand wiederauferstehen zu lassen, wie sie damals geklungen haben könnten: mit improvisatorisch angelegten Arrangements im Stil der Zeit und der Begleitung einer originalen Cister (Bellmans eigenem Instrument).

Und jetzt zu Fritz Graßhoff:

Fritz Graßhoff (nach seiner Auswanderung auch: Fritz Grasshoff, * 9. Dezember 1913 in Quedlinburg; † 9. Februar 1997 in Hudson, Kanada) war ein deutscher Zeichner, Maler, Schriftsteller und Schlagertexter.

Fritz Graßhoff verbrachte seine Jugend in Quedlinburg, wo sein Vater (früher Seemann) als Kohlenhändler lebte. Das derbe Milieu hinterließ später viele Spuren in seinen Balladen und Songs. 1933 machte er sein Abitur und begann zunächst eine Lehre als Kirchenmaler; später war er journalistisch tätig. 1938 kam er zum Militär und geriet im Krieg nach Russland und zum Schluss in englische Gefangenschaft.

Fritz Graßhoff, 1984

Fritz Graßhoff, 1984

Von 1946 bis 1967 lebte er in Celle. In dieser Zeit reiste er viel nach Griechenland und lebte zeitweise auch in Schweden. Gleich bei seiner ersten Ausstellung (1954 in Hannover) erfolgten Ankäufe von der Kunsthalle Hamburg und dem Lehmbruck-Museum Duisburg. Parallel dazu verlief seine schriftstellerische Tätigkeit. Sein Geld verdiente er hauptsächlich mit Schlagertexten (er schrieb z. B. diverse Hits für Lale Andersen und Freddy Quinn, aber auch den Evergreen Nimm mich mit Kapitän, auf die Reise für Hans Albers), während er neben seinen oft derben Songs und Balladen (vertont von Musikern wie Heinz Gietz, Lotar Olias, Siegfried Strohbach, Wolfgang „Schobert“ Schulz von Schobert und Black oder James Last, damals noch Hans Last) auch ernsthafte Lyrik schrieb sowie Texte des schwedischen Nationaldichters Carl Michael Bellman und aus der römischen und griechischen Antike übersetzte. Zeitweise war Graßhoff einer der meistrezitierten deutschen Schriftsteller – namhafte Interpreten wie René Deltgen, Gustav Knuth, Inge Meysel oder Heinz Reincke machten seine Werke durch mehrere Schallplattenproduktionen populär. Auch Graßhoffs eigene Lesungen, z. T. als Jazz- und Lyrik-Events mit Schlagzeugbegleitung von einem Lastwagen herunter gesprochen, hatten einigen Zulauf.

Graßhoff hielt sich vom Literaturbetrieb fern; er litt darunter, dass er hauptsächlich nach seinen Schlagertexten bewertet wurde, und als sein biographischer Roman Der blaue Heinrich 1980 kaum Beachtung fand, wanderte er, enttäuscht von den deutschen Verhältnissen aus Zwingenberg an der Bergstraße nach Kanada aus, wo er die letzten 14 Jahre seines Lebens in seinem Haus am Ottawa-River verbrachte. Inzwischen hat Graßhoff, vor allem durch seine späte Lyrik (Von der Wichtigkeit der Dinge) und eine Neubewertung seines Romans Der blaue Heinrich einen anerkannten Platz in der Literatur gefunden, was sich in zahlreichen Essays in Literaturzeitschriften widerspiegelt. (Quelle: wikipedia)

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Entstanden ist wahrlich keine leichte Kost, sondern eher ein Album, in das man sich anfangs ein wenig hineinwinden muss … enn sperrig ist es schon … dann aber entfaltet sich die ganze Brillianz dieser Aufnahme und ein ganz großes Kompliment an Ben Süverkrüp der sich diesem „europäischem Liedergut“ angenommen hat und daraus faszinierende Interpretationen dieses Melodien aus lang vergangenen Jahrhunderten gemacht hat.

Dieses Album kann man gar nicht genug über den grünen Klee loben … und das vorbildlich gestaltete Begleitheft ist dann das Sahnehäubchen !

DieSüverkrüps

Dieter + Ben Süverkrüp, 1996

Besetzung:
Reinhold Cieslik (clarinet)
Solita Cornelis (flute)
Birgit Engelhardt (flute)
Bernd Frietsch (bassoon)
Wilfried Gödde (violin)
Fritz-Ludwig Hauck (bass)
Hans Rolf Hauck  (cello)
Markus Hötzel (trombone)
Gerhard Hüttel (clarinet)
Jochen Ille (drums)
Viktor Khodyko (viola)
Guido Marggrander (drums)
Winfried Mattern (clarinet)
Harald Paul (violin)
Ben Süverkrüp (keyboards, cembalo)
Dieter Süverkrüp (vocals, guitar)
Uwe Zaiser (trumpet)
Stefan Zillmann (clarinet)

Booklet06ATitel:
01. Liebwerte Brüder (Epistel 9)
02. Prost, prost! Bei Tag und Nacht (Epistel 1)
03. Sterne verschwinden (Epistel 21)
04. Kerl, Du bist alt (Epistel 27)
05. Mutter, wer hat dich (Epistel 23)
06. Kulkus, alter Pintenbruder (Epistel 60)
07. Nun stimm deine Geige (Epistel 2)
08. Mollberg, hab acht (Epistel 37)
09. Zupft, ihr Orpheusknecht (Epistel 14)
10. Sturm und Wogen schlafen ein (Epistel 39)
11. Alles in Ordnung (Epistel 57)
12. Movitz, mich trifft der Hammer (Epistel 52)
13. Liebste, an dieser Quelle (Epistel 82)

Texte: Carl Michael Bellman + Fritz Graßhoff
Musik: europäisches Liedgut (Bearbeitung: Ben Süverkrüp)

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Briefmarke

Übrigens: bei meinen Nachforschungen über diesen Carl Michael Bellman konnte ich
feststellen, dass er diversen deutschen Liedermachern interpretiert wurde. Von
daher ist es gut möglich dass unser dieser kauzige Liedermacher des 18. Jahrhunderts
hier noch öfters über den Weg läuft.

 

Verschiedene Interpreten – Lehrlinge halten zusammen (1969)

FrontCover1Um diese ambitionierte, engagierte und klassenkämpferische LP besser zu verstehen, muss man sich zumindest ein wenig vergegenwärtigen, wie sich Ende der 60er Jahre die wirtschaftliche und soziale der „Lehrlinge“ darstellte. Deshalb hier den Anfang einer „Spiegel“ Titelstory aus dem Jahr 1970, die sich eben ausführlich mit dieser Situation auseinandersetzte:

Der Lehrling soll „es wissen und fühlen, daß er eben noch zu lernen hat“. Der „Begriff des Gehorchenmüssens“ soll „erhalten bleiben“.

Der Lehrling soll sich „treu, fleißig, ehrlich“ verhalten, „seinem Meister und andern ihm vorgesetzten Personen … mit gebührender Achtung und Bescheidenheit“ begegnen.

Der Lehrling soll sich „eines frommen und sittlichen Lebenswandels … befleißigen“ und sich „des Besuches öffentlicher Schankhäuser … während seiner Lehrzeit gänzlich enthalten“.

Der Lehrling soll einer „straffen Zucht“ unterworfen und vor „Phrasen über „Freiheit“, geschützt werden, sonst würde er rasch „die zuverlässigste Phalanx der Agitatoren bilden“.

Lehlings-Demo in Hamburg, 1970

Gutachter — Professoren und Wirtschaftsführer, Handwerksmeister und Gewerbevereinsfunktionäre — haben solche Maximen in einem Sammelband niedergeschrieben. Das war im Jahre 1875. Seitdem hat sich nicht viel geändert.

Fast hundert Jahre später soll der Lehrling zur „Folgsamkeit erzogen werden“ und sich „nicht länger als unbedingt notwendig im Bad aufhalten“. Er soll sich „vor keiner Arbeit drücken“ und „sich zum Aufsuchen der Toilette“ beim Ausbilder ab- und zurückmelden — so stand es noch letztes Jahr beispielsweise in den Lehrlings-Vorschriften der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF).

Und weiter hieß es da: Der Lehrling soll „den Wert des … Pfennigs schätzenlernen“ und „zeitig zu Bett gehen“. Er soll „Ordnung beim Stechen“ (Stechuhren) wahren und „immer an seine Zukunft denken“.

DerSpiegel (18_1970)„Ein froher und höflicher Gruß innerhalb und außerhalb des Betriebes“ gehörte laut BASF-Ordnung „zu jedem anständigen Lehrling“. Hingegen: „Eine Künstlermähne (Beatle-Frisur), gezüchtete Backenhaare oder sogenanntes Philosophenbärtchen sind eines frischen und lebendigen Lehrlings unwürdig.“

Noch immer herrschen in Westdeutschlands Lehrbetrieben strikte Hierarchie und materielle Ausbeutung, wie sie die Bildungsprivilegierten an den Gymnasien und Hochschulen niemals erfahren haben.

Noch immer dürfen Lehrlinge nicht streiken, Lehrlinge unter 18 Jahren nicht an Wahlen zum Betriebsrat teilnehmen. Ihre Jugendvertreter genießen keinen Kündigungsschutz wie etwa Betriebsratsmitglieder.

Noch immer verdienen die meisten Handwerkslehrlinge nur ein Drittel des Hilfsarbeiter-Lohns (100 bis 250 Mark), obgleich sie häufig, spätestens im dritten Lehrjahr, dem Unternehmer soviel einbringen wie Gesellen.

„Noch immer … erfüllt die Lehre in vielen westdeutschen Betrieben“, urteilen die Soziologen Wolfgang Lempert und Heinrich Ebel, „ihre herkömmliche Doppelfunktion, wirkt sie zugleich als Werkzeug der Erziehung zum Untertanen und als Waffe des unlauteren Wettbewerbs.“ Der Spiegel 18/1970)

AufrufNun, ich war zwar nie in der Situation, ein Lehrling zu sein, aber in meinem damaligen Bekanntenkreis kannte ich schon einige, die vom Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ihr ganz spezielles Lied singen konnten.

Und von daher war das Anliegen dieses Samplers mehr als ehrenwert und natürlich ein typisches Produkt jener Jahre aus dem Pläne-Verlag … und die paar versprengten DKP-Mitglieder hatten vielleicht nun die Hoffnung, dass es zum Aufschrei und Aufstand der proletarischen Massen kommen könnte. Rockmusik als Transportmittel „radikaler“ Ideen.

Nun, wie wir wissen, war diese Hoffnung trügerisch … Und schon damals hegte ich den Verdacht, dass man mit einer derartigen Musik (Stichwort: wir werden immer mehr) genau jene Massen nicht erreichen kann und wird.

Dehmist dieser Sampler natürlich musikhistorisch ziemlich interessant: Neben dem schon damals durchaus bekannten Dieter Süverkrüp und der Polit-Rock-Gruppe Floh De Cologne sind auch so „Eintagsfliegen“ wie „Die Conrads“, „Interpol“ oder „Vorschlaghammer“ mit ihren Songs zu hören.

Und dann gibt´s noch den Barden Lerryn … und hieter diesem Namen verbirgt sich kein geringerer als Dieter Dehm, der bis heute sich aktiv in Politik und Kultur einmischt. Ursprünglich war er ein langjähriges SPD Mitglied, war entscheidend an dem Erfolg der „Bots“ in Deutschland beteiligt und wechselte dann 1998 zur PDS („Die Linke“) und ist für diese Partei bis heute Mitglied des Deutschen Bundestages.

Der Dehm hat wirklich einen schillernden, zuweilen recht zweifelhaften Lebenslauf hingelegt (es scheint mittlerweile geklärt zu sein, dass er als IM für die Stasi arbeitete). Und damals veröffentlichte er bei Pläne auch eine eigene Single, bei neben dem auf dem Sampler enthaltenen Song „Lehrlings-Machtgebeat“ auch das Lied „Der Gummiknüppelsong“. Und diesen Song habe ich dann noch als Bonus-Titel ergänzend dazugepackt …

Ach ja, mehrfach wird als Texterin Lieselotte Rauner genannt: Lieselotte Rauner war eine deutsche Schriftstellerin, die 1970 den „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ gründete.  Ihr literarisches Werk schilderte vor allem Arbeitsleben und Alltag der westdeutschen Arbeiterschaft schildert und sie zählt für mich zu den eher vergessenen Schriftstellerinnen dieser Zeit.

Allen, die in diesen bewegten Zeiten so allmählich groß gewurden sind schicke ich angesichts dieser zuweilen drolligen Texten einen lieben Gruß !

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Titel:
01. Die Conrads: Hoch vom Dach (Die Conrads/Kollektiv SDAJ) 3.28
02. Floh De Cologne:  Hallo Stift (Floh De Cologne)
03. Interpol:  Schaffen sie sich einen Lehrling an (Interpol) 3.47
04. Vorschlaghammer:  Ballade von den bösen Lehrlingen (Vorschlaghammer/Bücher) 2.52
05. Vorschlaghammer: Armer Anton (Vorschlaghammer) 1.12
06. Die Conrads: Nach dreißig Jahren (Die Conrads/Rauner) 1.45
07. Die Conrads/Hannes Stütz: Dick und Doof in der Fabrik (Stütz) 2.53
08. Dieter Süverkrüp: Das Lied vom Nutzen (Süverkrüp) 2.51
09. Floh De Cologne:  Lehrherr unser (Floh De Cologne) 1.52
10. Interpol: Ich bin so glücklich (Interpol) 3.15
11. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Was ein Lehrling alles lernt (Süverkrüp/Siebert) 0.29
12. Die Conrads: Betriebsgeheimnis (Die Conrads/Rauner) 0.59
13. Lerryn / Dadazuzu: Lehrlings-Machtgebeat (Lerryn/Günther) 3.12
14. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Lehrlingsbilanz (Süverkrüp/Rauner) 0.33
15. Münchner Songgruppe: Lehrlinge zusammenhalten (Münchner Songgruppe) 3.21
16. Die Conrads & Dieter Süverkrüp: Wer hat den Lehrling gemacht (Süverkrüp) 2.26
17. Floh De Cologne:  Wir werden immer mehr (Floh De Cologne) 2.08
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18. Lerryn und Dadazuzu: Gummiknüppelsong (Lerryn) 5.57

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LerrySingelHülle

Floh De Cologne & Dieter Süverkrüp – Vietnam (1968)

FrontCover1Und jetzt kommt Politrock … und zwar von einer Gruppe, die sich wohl als erste so ganz konsquent ausschließlich politischen Themen zuwandte:

Floh de Cologne war eine zwischen 1966 und 1983 aktive Kölner Politrock-Band und Kabarettgruppe der linken außerparlamentarischen Opposition und des Umfelds der Neuen sozialen Bewegungen in der westdeutschen Bundesrepublik.
Floh de Cologne wurde am 20. Januar 1966 von Kölner Studenten zunächst als Politkabarett gegründet. Die Band stammte aus der Kölner APO um den SDS, ihre politische Ausrichtung veränderte sich über die Jahre hinweg zu einer klar dialektisch-marxistischen Position; unabhängig voneinander traten die Mitglieder der Band zwischen 1970 und 1973 in die DKP ein.

Ihr legendärster Auftritt bleibt wohl der auf dem Fehmarn-Festival am 6. September 1970 nach Jimi Hendrix; dies war dessen letzter Auftritt vor seinem Tod. 1973 trat Floh de Cologne als musikalischer Teil einer westdeutschen Abordnung bei den X. Weltfestspielen der Jugend in Ost-Berlin auf. Ab 1980 waren Teile der Band (Vridolin Enxing als Vorsitzender) aktiv bei Rock gegen Rechts, im selben Jahr erhielt die Gruppe den Deutschen Kleinkunstpreis zusammen mit Gerhard Polt. 1983 löste sich Floh de Cologne auf. (Quelle: wikipedia)

Floh de Cologne im Jahr 1969: v.l. Gerd Wollschon, Hansi Frank, Markus Schmid, Dick Städtler, Dieter Klemm
Floh de Cologne im Jahr 1969: v.l. Gerd Wollschon, Hansi Frank, Markus Schmid, Dick Städtler, Dieter Klemm

Auf diesem Debütalbum war dann auch noch ein gewisser Dieter Süverkrüp , der sich schon damals einen Namen als kritischer Geist und Liedermacher gemacht hatte, während Floh de Cologne noch die klassischen Nobodies waren.
Die Musik mag ja aus heutiger Sicht ein wenig hölzern wirken … die Texte jedoch waren und sind bitter, böse und leider mehr als zutreffend.

Für mich war das damals eine einerseits schmerzliche Zeit … musste ich doch Abschied nehmen von den „großen USA“, die mir Kaugummi und Cocal Cola (und den Blues) gebracht haben …  dieser Erkenntnisprozeß war mühsam … aber notwendig und begleitete dann auch noch meine Pubertätszeit …  Die Zeit war damals reif, sichvon Illussionen zu verabschieden.

Texte wie diese haben entscheidend dazu beigetragen.
Dieter Süverkrüp

Dieter Süberkrüp, 1963

 Besetzung:
Britta Baltruschat (vocals)
Hans-Jörg Frank (drums, vocals)
Dieter Klemm (bass, Percussion, vocals)
Markus Schmidt (guitar, bass, vocals, piano)
Gerd Wollschon (vocals, bass, percussion)
+
Dieter Süverkrüp (vocals, guitar)
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Titel:
01  Einführung (Schmidt/Baltruschat/Frank/Klemm/Wollschon) 1,34
02. Ansprache (Weiss) 1.32
03. Zuerst kommen… (Schmidt/Wollschon) 3.18
04. Tango (Hitler/Springer/Lodge/Satre/Johnson/Taylor/McNamara/Thant) 3.34
05. Western-Ballade (Süverkrüp) 1.40
06. Kinderlied I (Traditional/Schmidt) 0.13
07. McNamara 62 (Dallas Morning News/Express International/cNamara) 1.35
08. Kinderlied II (Traditional/Schmidt) 0.09
09. Partisanenbekämpfung (Süverkrüp) 1.05
10. Kinderlied III (Traditional/Schmidt) 0.09
11. Interview (McNmara/The Sun) 0.30
12. Hexenverbrennung (Süverkrüp) 1.46
13. Vater unser (Wollschon) 0.31
14. Rein technisches (Süverkrüp) 0.53
15. Zitat (The New York Times) 0.45
16. Viet-Test (Schmidt/Der Spiegel) 3.35
17. Führung (Russell) 1.16
18. Wirtschaftsbericht (Süverkrüp) 0.43
19. Kapitalismus, 1. Teil (Süverkrüp) 2.18
20. Jack Miller (Schmidt) 3.54
21. Sprüche (Goldberg/Schmidt/Baltruschat/Frank/Klemm/Wollschon/Ball/Lodge/Johnson/Thant) 1.08
22. Kapitalismus, letzter Teil (Süverkrüp) 3.25

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GerdWollschon

Gerd Wollschon (* 11. Februar 1944 in Zobten; † 9. September 2012) war ein deutscher Autor, Musiker und Kabarettist.

Wollschon war bis 1978 Texter der Rock- und Kabarettgruppe Floh de Cologne (auch Bass, Percussion, Gesang) und danach Autor seines „Solokabaretts für Staatsfeinde“ (1979). Die FAZ sah Wollschon hierin ein „vielfarbiges Bild“ entwickeln, eine „prächtige Kulisse gesellschaftlicher Zustände; seine Akteure – Polizisten, Nationalisten, Feministen und Sozialisten“ – lasse er „schonungslos nach seiner satirischen Pfeife tanzen“. Der Hessische Rundfunk hob den „formalen Einfallsreichtum“ des Programms hervor. Für Hanns Dieter Hüsch verfasste der Satiriker überdies die TV-Serie Der goldene Sonntag mit.
Mit seiner Frau Saskia war Wollschon in den 1970ern auch Herausgeber der Sudelbücher mit Texten von satirischen Liedermachern wie Franz-Josef Degenhardt, Franz Hohler, Hanns Dieter Hüsch, Diether Dehm oder Hannes Wader. Als Buchautor zeichnete er verantwortlich für die Sudel-Lexika (1977 und 1983) und für eigene Satirebände. Wollschon wanderte in die Karibik aus. Die letzten Jahre lebt er u. a. in Altea an der Costa Blanca.
Gerd Wollschon verstarb am 9. September 2012 nach längerer schwerer Krankheit.