Ralph Marco Orchester + Peter Kreuder – Die ganz großen Tangos (1968)

frontcover1Tango in den 60er Jahren: Eher etwas für die reifere Jugend beim Tanztee im Pfarrheim.

Tango in der heutigen Zeit: Eine anerkannte Musikform und Musiker wie Astor Piazolla oder das deutsche Quadro Nuevo Ensemble haben diese Musik auf ihre Weise populär gemacht.

Ach ja … man kann dazu auch tanzen, muss es aber nicht …

Und der Peter Kreuder, der hatte damals seine ganz große Zeit schon hinter sich, dennoch produzierte er auch noch in den 60er Jahren Platten am laufenden Band.

Nicht weniger als 1.200 Schlager, 188 Filmmusiken, vier Sinfonien und zwölf Musicals hat er geschrieben, und er hat sie alle gekannt; Josephine Baker, Marlene Dietrich, Otto Falckenberg, Willi Forst, Friedrich Hollaender, Paul Hörbiger, Curd Jürgens, Zarah Leander, Hans Moser, Pola Negri, ja sogar Evita Peron. (Quelle: peter-kreuder.de)

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Und auch bei dieser Tango-LP hat er eine Komposition beigesteuert. Das Album allerdings „Die ganz großen Tangos“ zu nennen ist allerdings Quatsch … handelt es sich doch vornehmlich um Tango-Kompositionen deutscher Komponisten.

Und auch wenn wir hier den Tango in den üblichen deutschen Weichspüler-Versionen hören, irgendwie war er mit diesem Album seiner Zeit voraus.

Hinter dem Namen Ralph Marco steckte übrigens der Werner Drexler, der dannauf dem Cover auch als musikalischer Leiter genannt wird.

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Gemeinsam mit Josephine Baker Konzerttournee im Jahr 1957 „Die Regenbogenkinder“ durch Europa, mit der gegen nationalen Wahn und Rassendiskriminierung aufgerufen wird.

Besetzung:
Peter Kreuder (piano)
+
Orchester Ralph Marco

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Titel:
01. Olé Guapa (Malando) 2.46
02. Perlenfischer-Tango (Song Of The Pearl Fisher) (Bizet) 2.30
03. Ich küsse ihre Hand, Madame (Erwin) 2.14
04. Tango Notturno (Borgmann) 2.52
05. Santa Lucia (Traditional) 2.13
06. Jalousie (Gade) 3.00
07. Blauer Himmel (Rixner) 2.28
08. Blue Tango (Anderson) 2.29
09. Tango delle Rose (Schrier/Bottero) 2.47
10. Violetta (Klose/Lubscheck) 3.04
11. Le Tango du rêve (Traumtango) (Malderen) 2.48
12. Amagura (Kreuder) 2.13

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Verschiedene – Mendelssohn tanzt Tango (2013)

frontcover1Hach, was liebe ich Privatpressungen wie diese … einfach, weil hier abseis vom mainstream neues ausprobiert, gewagt wird … und wie sehr freue ich mich, hier immer wieder mal, solche Beispiel präsentieren zu können, zu dürfen.

Und darum geht´s bei dieser Privatpressung, live aufgenommen in der Apostelkirche, Gelsenkirchen-Buer:

„Madrigalchor und Ensemble „Faux Pas“ brillierten in der Apostelkirche mit einem Kontrastprogramm: Mendelssohn und lateinamerikanische Klänge:

Brechend voll war am Sonntagnachmittag die Apostelkirche. Denn was dort geboten wurde, gibt es in buerschen Gotteshäusern so häufig nicht zu hören: Tango. Angetreten waren zum einen der Madrigalchor, zum anderen das Tangoensemble „Faux Pas“.

Ins Programm, das unter dem Namen „Mendelssohn tanzt Tango“ stand, startete der Chor mit zwei Liedern aus „Drei geistliche Lieder“. Zunächst hörten die Gäste „Lass, o Herr, mich Hülfe finden“, ein gelungenes Wechselspiel zwischen der Solistin Francisca Hahn und dem Madrigalchor, geistlich, besinnlich und sehr schön. Auch das nächste Stück, der „Choral“, war von ähnlichem Charakter, hier aber trat der Chor kraftvoller auf, schien gelöst.

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Dann stellte das international tätige Tango-Ensemble sein Können unter Beweis. Eine „Einführung“ in den Tango hatte Pastor Stefan Iwanzcik eingangs versprochen. Doch was nun kam, war eine Einführung mit der Holzhammer-Metode. Zu hören gab es Piazollas „Tango del Diablo“, der für Neulinge im Genre sicher fremdartig war, für echte Kenner aber ein Hochgenuss. Dynamisch nahm das Stück an Fahrt auf, wurde dabei aber zunehmend glatter und richtig groovig, im Mittelteil dann aber lieblich, romantisch und leidenschaftlich. Am Ende dominierte wieder die anfängliche Dynamik – einfach großartig. Das Ensemble präsentierte sich hier und in weiteren Stücken virtuos und als wahrlich ausgewiesene Könner des Faches. Ein Konzert-Höhepunkt für die Region, das sich auch mit „Spanish Café“ von Graham Lynch von der besten Seite zeigte, warm in seiner Klangsprache, mit bittersüßer Melancholie und Leidenschaft. Ein Stück, in welchem sich stillere und lebendigere Momente abwechselten – fantastisch.

Und als wäre das nicht schon herausragend genug, kam dann erst, was so lange geprobt worden war. Der Madrigalchor brachte die „Misa a Buenos Aires“ von Martin Palmeri zur Aufführung – der Höhepunkt monatelangen Probens. Und Neuland für die buerschen Sängerinnen und Sänger, die sich hier sehr erfolgreich auf neue Klänge eingelassen hatten.

Begleitet vom Ensemble „Faux Pas“, das die Tango-Messe bereits mehrfach unter der Leitung des Komponisten selbst aufgeführt hatte, sang der Chor diese so ungewöhnliche Messe, die sich im strukturellen Aufbau aber nicht von anderen unterscheidet. Sie beginnt mit einem kraftvollen „Kyrie“, das gleich hohe Anforderungen an die Sänger stellte – welchen diese aber gerecht wurden. Beschlossen wird die Messe vom „Agnus Dei“, stimmungsvoll und ausdrucksstark.

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Francisca Hahn

Nach solch beeindruckendem Konzert gilt es nicht nur, den Sängern und Musikern Respekt zu zollen. Auch die Kantorin Martina Wronski hat ihn verdient, weil sie sich mit dem Projekt auf vielerlei Hinsicht auf neues Terrain wagte. Und das mit großem Erfolg. (Kira Schmidt, WAZ)

Ich denke mal,dieses Projekt ist vor allem der emsigen Martina Wronski zu verdanken …die sich als Kirchenmusikerin eben nicht nur den ausgetrampelten Pfaden zuwendet. Und das – unabhängig, ob mir diese Kirchenmusik nun gefällt oder nicht, nötigt mir viel Respekt ab.

Und es blieb nicht bei dieser einen Aufführung:

„Dieses Konzert ist ein Spagat zwischen der romantischen Musik Mendelssohns, den „Drei geistlichen Liedern“ und der Musik des 1965 in Buenos Aires geboren Komponisten Martin Palmeri, die „Misa a Buenos Aires“. Die Tangomesse ist, wie der Name schon sagt, eine konzertplakat2014Komposition, die den gesamten Messtext in Form von Tangomusik vertont.
Mendelssohn tanzt Tango

Herz und Seele, Traurigkeit und Wehmut des Tangos, aber auch Dramatik, Emotionalität, Lebensfreude und Temperament südamerikanischer Musikkultur, das alles verbindet Palmeri in seiner Messe mit klassisch-barocken Kompositionstechniken im Bach-Stil.
Die Misa a Buenos Aires wurde 1996 uraufgeführt. Der Madrigalchor, die Mezzosopranistin Francisca Hahn und das Tangoensemble „Faux Pas“ (Violine, Kontrabass, Klavier, Gitarre, Bandoneon) bilden das musikalische Fundament des Werkes. Die Misa a Buenos Aires lässt die Verehrung des Komponisten für Astor Piazzolla erahnen.
Das Tangoensemble „Faux Pas“ hat die Messe schon mehrfach unter Leitung von Martin Palmeri aufgeführt. Zuletzt Anfang Oktober 2013 in Buenos Aires.
Das Ensemble wird mit einem  Tangoprogramm von zwanzig  Minuten die Überleitung von Mendelssohn zu Palmeri gestalten.
Die drei geistlichen Lieder von Mendelssohn sind in der für ihn typischen Tonsprache geschrieben – sehr einfühlsam und melodiös und auf ihre Art genauso melancholisch und emotional wie die Tangomesse.“ (Konzertankündigung des Ev. Kirchenkreis Recklinghausen, 2014)

Schade nur, dass bei diesem Livemitschnitt die einführenden Worte von Pastor Stefan Iwanzcik kaum verständlich sind … aber eigentlich spürt man nur hier, dass eben doch Amateure am Werk waren … Ansonsten gibt es von mir viel Sympathiepunkte.

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Martina Wronski

Besetzung:

Madrigalchor der Apostelkirche Gelsenkirchen-Buer unter der Leitung von Martina Wronski

Francisca Hahn (mezzosopran)

Tangoensemble Faux Pas:
Marlene Clement (bandoneon)
Fabian Leu (bass)
Maren Kallenberg (keyboards)
Katharina Pfänder (violine)
Stefan Wurz (guitar)

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Titel:
01. Begrüßung 4.42

Aus „Drei geistliche Lieder für Chor, Alt und Orgel„:
02. Lass o Herr, mich Hülfe finden (Mendelssohn Bartholdy) 3.48
03. Choral (Mendelssohn Bartholdy) 1.44

Tangoensemble Faux Pas:
04. Tango del Diabolo (Piazolla) 4.12
05. La muerto del Angelo (Piazolla) 3.33
06. Spanish Café (Lynch) 6.36
07. Milonga de misamores (Laurenz) 3.01
08. Ilusion de mi vida (Brunelli) 2.49
09. Danzarin (Plaza) 4.34
10. Heavy Tango (Galliano) 3.14
11. Tresminutos  con la realidad (Piazolla) 4.15

Martin Palmeri: Misa A Buenos Aires:
12. Kyrie und Gloria 12.00
13. Credo 9.51
14. Sanctus 3.13
15. Benedictus 3.20
16. Agnus Dei 8.30
17. Gloria 1.41

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Die Apostelkirche in Gelsenkirchen-Buer