Jens Thomas – Plays Ennio Morricone (You Can’t Keep A Good Cowboy Down) (2000)

frontcover1Jetzt drängt es mich geradezu, hier endlich den deutschen Jazzpianisten Jens Thomas vorzustellen, der in seiner bisherigen musikalischen Laufbahn mehr als ein Glanzlicht gezündet hat:

Jens Thomas (* 1970 in Braunschweig) ist ein deutscher (Jazz-)Pianist, Stimmperformer und Komponist.

Thomas ist in Hannover aufgewachsen und studierte Klavier bei Dieter Glawischnig an der Musikhochschule Hamburg. Er war zunächst ausschließlich als Pianist tätig und brachte mit seiner ersten Band Triocolor (Jens Thomas: Klavier; Stefan Weeke: Kontrabass; Björn Lücker: Schlagzeug, 1993 bis 2001) die beiden Alben Up to now (1994) und KlängeMachenGehen (1997) heraus. Die Gruppe gewann 1994 den Europ`Jazz Contest Belgium. Ab 1994 folgte eine umfangreiche Konzerttätigkeit sowohl als Solist als auch mit der Gruppe Triocolor – zunächst nur in Deutschland und ab 1996 dann zahlreiche Tourneen für das Goethe-Institut im Ausland. 1997 veröffentlicht Thomas seine Solopiano CD Endlich allein. Von 1999 bis 2009 trat er auch im Duo mit dem Saxophonisten Christof Lauer auf. Es entstanden die beiden Alben Shadows in the Rain (2001) und Pure Joy (2003). Von 2000 bis 2003 arbeitete Thomas im Morricone-Trio mit Paolo Fresu (Trompete) und Antonello Salis (Akkordeon). Dabei entstand das Album „You can`t keep a good cowboy down“- Jens Thomas Plays Ennio Morricone. Einladungen zu den Jazz-Festivals in Montreux, Paris, Berlin, Helsinki, Frankfurt, Klaviersommer München folgten.

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Für die Othello-Inszenierung von Luk Perceval an den Münchner Kammerspielen 2003 arbeitete Thomas erstmals mit seiner eigenen Stimme. Seitdem tritt er neben seiner Tätigkeit als improvisierender Pianist auch als Stimmperformer in Erscheinung. 2005-2007 war er Artist in Residence am Schauspielhaus Bochum, wo er unter dem Titel PianoVoices mit zahlreichen Gästen aus unterschiedlichsten Genres Konzerte und Performances improvisierte.  In dieser Zeit entstand sein CD-Projekt „Goethe! Gesang der Geister“. Mit der Tänzerin und Choreographin Henrietta Horn gestaltete Jens Thomas 2007 den Tanzabend Solo II/ Now! und das Projekt Freigang, mit den Tänzern des FTS (Folkwang Tanzstudio), wobei der Schwerpunkt auf der freien Improvisation von Musik und Tanz lag. 2008 folgte die Solo-Performance Hallo Bochum am Schauspielhaus Bochum. Nach weiteren Theaterarbeiten entstand 2012 das Album Speed of Grace, in dem er den Hardrock von AC/DC in kammermusikalische Balladen verwandelte.

Seit 2013 arbeitet Jens Thomas mit dem Schauspieler Matthias Brandt zusammen. Gemeinsam entwickelten sie die Programme „Psycho“ und „Angst“, Collagen aus Lesung, Konzert und Theater. Irmgard Keuns Das kunstseidene Mädchen wurde 2015 von Thomas und Fritzi Haberlandt für die Bühne adaptiert.

Zwischen 1999 und 2004 unterrichtete er an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin Jazz-Klavier. Seit 2009 ist Thomas auch als Stimm-Coach tätig.
Thomas wurde u.a. mit dem SWR-Jazzpreis (2000), dem Internationalen Jazzpreis Nürnberg und dem Kunstförderpreis Niedersachsen ausgezeichnet.(Quelle: wikipedia)

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Und hier eines seiner frühen Glanzlichter:

Kaum einer kennt seinen Namen. Denn Jens Thomas ist neu in der internationalen Jazz-Szene. Der 29-jährige Pianist aus Braunschweig begann erst vor einem Jahrzehnt, sich zunächst klassisch seinem Instrument zu widmen. 1991 ging er nach Hamburg und studierte bei Dieter Glawischnig. Er gründete seine Combo Triocolor, arbeitete mit erfahrenen Kollegen wie dem Saxofonisten Christof Lauer und gelangte über die NDR-Bigband schnell in Kontakt mit Koryphäen wie Carla Bley, Gebhard Ullmann, Albert Mangelsdorff. Thomas verdichtete eigene klangästhetische Ideen zu einer neomodernen Individualstilistik in der Mitte zwischen Rachmaninow, Bill Evans und Keith Jarrett. Und als er eines Tages das Familienepos Es war einmal in Amerika im Kino sah, wusste er, dass ihn die Melodien des Filmes nicht so schnell verlassen würden. Denn die Themen gruben sich tief in sein Gedächtnis und mündeten in den Wunsch, aus der Musik von Ennio Morricone ein eigenes Projekt zu entwickeln.

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Signor Morricone bedankt sich artig für diese Interpretationen seiner Werke

Im Herbst 1999 tat sich Thomas daher mit dem Trompeter Paolo Fresu und dem Akkordeonisten Antonello Salis zusammen und archivierte das ungewöhnliche Tribute You Can’t Keep A Good Cowboy Down. Der Newcomer präsentiert sich damit als Visionär mit präzisen Vorstellungen kammerjazziger Klangintensität. Mal pathetisch wuchtig, mal ironisch kommentierend widmet er sich den spannungsgeladenen Motiven Morricones, abstrahiert sie zu schwebenden, pastellartigen Tongemälden, um sie in mächtigen Akkordausbrüchen wieder zu konzentrieren. Fresu und Salis ergänzen einige der Melodien um vorsichtige Ornamente, erhalten aber sorgsam die Transparenz der Arrangements. You Can’t Keep A Good Cowboy Down ist daher die raffinierte Visitenkarte eines Jazz-Novizen, der noch manches von sich hören lassen wird. (Ralf Dombrowsk)

nteressant am zwischen Zartheit und Härte, zwischen Disziplin und freien Ausbrüchen vermittelnden, rhythmisch imposanten, Sound-orientierten Spiel des Jens Thomas ist, dass er musikalisch von einem ganz anderen Ausgangspunkt startete als die meisten Jazzpianisten, von denen nicht wenige behaupten, ihren Monk, Bud Powell und Herbie Hancock quasi mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Seine Einflüsse hießen Police, AC/CD und BAP (!), Schönberg, Ligeti und Wolfgang Rihm. Dass Jazz ihm erst im „fortgeschrittenen Alter“ bewusst wurde, hat Jens Thomas zwar einige peinliche Momente beschert, aber heute findet es der Pianist wichtig, damals mit einer gewissen Grundnaivität und Unschuld an den Jazz herangegangen zu sein.

So hat er sich auch an das verantwortungsvolle Thema Morricone herangemacht. Er sei kein scharfer Analytiker, sagt Thomas, sondern jemand, der sich emotional mit jensthomastriomusikalischen Vorgaben und Einflüssen auseinander setzt. Die Morricone-Themen hat er solange im Kopf kreisen lassen, bis er das Gefühl hatte, es sei seine eigene Musik, die da zirkuliere. Jens Thomas hatte als Jugendlicher Sergio Leones monumentalen Film „Es war einmal in Amerika“ gesehen und war wie erschlagen von der Wucht der Bilder. Erst später ist ihm aufgegangen, wie sehr ihn die Musik getroffen und wie „unfassbar sentimental“ sie ihn gemacht habe. Später hat der Einfluss der Morricone-Musik sich bei ihm fast immer dann bemerkbar gemacht, wenn er Balladen spielte oder schrieb. Besonders aufgefallen sei ihm das, als er im Auftrag des Goethe-Instituts in Lissabon ein Streichquartett komponierte. Im langsamen Satz wurde deutlich, wie sehr Morricone auf ihn abgefärbt hat.

Nun liegt das vom Maestro selbst hochgelobte „You Can`t Keep A Good Cowboy Down“ vor, ein Werk, das die wichtigsten Themen des Tonsetzers, der weiß Gott nicht nur Italo-Western untermalte, enthält. Mit unglaublichem Gespür für Stimmungsbilder, mit liebevoller Neugestaltung der rhythmischen, harmonischen und melodischen Ursprünge demonstriert Thomas, wie frei und gleichzeitig respektvoll man mit Vorbildern umgehen kann. Acht Stücke hat er solo eingespielt, sich bestenfalls mal ein Metronom zur Hilfe genommen, dessen laut klickendes Pendel in die Musik integriert wurde. Und auf vier Stücken hören wir neben Jens Thomas zwei wichtige Exponenten der italienischen Jazz-Szene, zwei äußerst raffinierte Klangmaler: den sardischen Trompeter Paolo Fresu und den Akkordeon-Virtuosen Antonello Salis.

Gute Film-Musik muss auch ohne bewegte Bilder für die Netzhaut auskommen. Jens Thomas kreiert Musik, die einen Film in Gang setzt, der nur für das innere Auge bestimmt ist. Seine Bilder entstehen im Kopf der Zuhörer.(Promo-Text)

Jetzt gilt es nur noch, dieses Meisterwerk zu entdecken … es war nicht das letzte Meisterwerk von Jens Thomas !

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Jens Thomas, 1999

Besetzung:
Paolo Fresu (trumpet, flugelhorn)
Antonello Salis (accordion)
Jens Thomas (piano)

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Titel:
01. Overture To You Can’t Keep A Good Cowboy Down (Thomas) 3.23
02. The Man With The Harmonica (Morricone) 4.55
03. The Good, The Bad And The Ugly (Morricone) 3.04
04. Cockeye’s Song (Morricone) 6.40
05. Once Upon A Time In America (Morricone) 3.47
06. Deborah`s Theme (Morricone) 5.05
07. The Battle Of Laatzen (Thomas) 4.44
08. Once Upon A Time In The West (Morricone) 8.49
09. For Maestro Morricone (Thomas) 3.41
10. Poverty (Morricone) 6.31
11. Pioggia (Thomas) 3.04
12. Here’s To You (Morricone) 7.32

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