Le Théâtre de la Choucrouterie – Hommage a Tomi Ungerer – Heute hier, morgen fort (2008)

FrontCover1.jpgAlso, für meine Ohren ist das ein ganz besonderer Leckerbissen:

Da gib es das Théâtre de la Choucrouterie in Straßburg:

Elsässisch par excellance – die Choucrouterie in Strasbourg ist ein selten Stück dreisprachiges Kulturgut: lustig, ohne volkstümelnd albern, ernst ohne verbissen , historisch ohne langweilig zu sein und dabei noch unglaublich lecker. Die zumindest regional äußerst prominenten Kabarettisten um Chef Roger Siffer versammeln immer wieder neue Kleinkünstler um sich und schaffen so wechselnde Programme im Theaterteil der Choucrouterie. Das Restaurant derweil versteht sein Handwerk nicht weniger gut: aus Weisswein von all den kleinen tollen Winzern, Forellen, Brot, Gemüse, etc von den Bauern der Region entstehen leidenschaftlich gekochte Gerichte, die man so nicht überall findet und die man drum auch eine Weile in der Erinnerung behält: Bodenständig, regional und gut.

RestaurantSchildUnd so zitiert Roger Siffer auf der dazugehörigen erläuternden Website den großen Erasmus von Rotterdam: Wozu sich den Bauch mit so vielen guten Speisen beschweren , wenn Augen , Ohren und die ganze Seele sich nicht an Lachen, Witzen und freundlichen Worten ergötzen. (Quelle: yelp.de)

Also: Das Theater des Sängers und Schauspielers Roger Siffer steht in einer ehemaligen Sauerkrautfabrik (daher der Name) in Straßburg. Dort spielt er mit seiner Truppe Theaterstücke, Chansons und auch satirische Revuen gleichzeitig auf Elsässisch und Französisch.

Und ja, ohne dem Roger Siffer …

Roger Siffer (* 1948 in Villé (Weiler), Arrondissement Sélestat-Erstein) ist ein elsässischer Kabarettist, Liedermacher, Sänger und künstlerischer Leiter des „Théâtre de la Choucrouterie“ in Straßburg.

Siffer begann ein Studium der Philosophie in Straßburg, das er zugunsten der Musik kurz vor dem Abschluss abbrach. Sein erster großer öffentlicher Auftritt fand im Alter von 20 Jahren beim alljährlichen Sauerkrautfest in Colmar statt, vor „2000 Leuten und einer schlechten Anlage“. Er verblüffte sein Publikum durch die französischsprachige Version US-amerikanischer Rockmusik wie etwa die seines großen Vorbilds Bob Dylan. Lyrisch wurde er mehr von den Chansonniers Léo Ferré und Georges Brassens beeinflusst. Der Straßburger Kulturpolitiker und Kabarettist Germain Muller lud Siffer ein, auf dessen Bühne, dem Barabli, Songs und Sketche zu spielen. Er fing zuerst mit Kinderreimen und Coverversionen an, doch Muller drängte ihn zum Verfassen eigener Texte. Zwei Jahre dauerte seine „Lehrzeit“ beim „Barabli“.

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Roger Siffer

Siffer nutzte den Leerstand einer bis in die 1980er Jahre produzierenden Sauerkrautfabrik in der rue Saint-Louis im Viertel Finkwiller am Rande der Altstadt von Straßburg, renovierte das Gebäude und nannte es nun Théâtre de la Choucrouterie, Sürkrüt-Theat’r oder auch kurz: la Chouc. Dort befinden sich neben zwei Bühnen auch ein Restaurantbetrieb (Sürkrüt-Stub) und die Künstleragentur Créations Nouvelles Alsace Culture (CNAC). Das Ensemble wechselt während einer Vorstellung von einer Bühne zur anderen, um jeweils auf Elsässisch oder Französisch zu unterhalten. Zu den bekanntesten Mitarbeitern des Ensembles gehören Jean-Pierre Albrecht, Cathy Bernecker, Cookie Dingler, Roland Kieffer und Huguette Dreikaus. Viele elsässische Nachwuchskünstler hatten hier ihren ersten großen Auftritt. Aus Respekt vor seinem Vorbild Muller verzichtete Siffer bis zu dessen Tode 1994 auf eigene Kabarettdarbietungen, mittlerweile (2006) hat Siffer seine 12. satirische Revue erstellt. Bei bis zu 180 Vorstellungen besuchen jährlich 21.000 Zuschauer das Kabarett. Zu seinen berühmtesten Gästen konnte das „Chouc“ Marcel Marceau, Claude Nougaro, Juliette Gréco und Jack Lang zählen.

RogerSiffer03Jeden Sommer geht sein Kabarett auf die „Tournée d’été“ (Sommertour) in die elsässischen Dörfer und Städte und bezieht dabei sein Publikum mit in seine Aufführungen ein – einschließlich der „maires“ (Bürgermeister). Beim alljährlichen Festival der Europäischen Kulturtagen 1998 führte das Ensemble um Roger Siffer Szenen und Lieder zur Badischen Revolution auf. Bei den Europäischen Kulturtagen 2002 nahm seine Revue die Differenzen und Gemeinsamkeiten im vereinten Europa aufs Korn.

Berühmt geworden ist sein in Frankreich populäres Chanson von Mademoiselle „Anne-Marie“, das irrtümlich für ein Volkslied gehalten wird, tatsächlich aber aus seiner Feder stammt. Nach Aussage von Siffer sind Elsässer nicht sehr gut in Frankreich angesehen, da ihre Kultur deutsche Einflüsse aufweise. Deutsche Musik sei nach den Leiden des Zweiten Weltkrieges immer noch strikt verpönt bei den Franzosen. Als einmal Siffer in Paris in elsässischer Sprache gesungen hatte, protestierte das Publikum, das keine Lieder von den „Boches“ hören wollte. Heute gilt Siffer in seiner Heimat als „Galionsfigur der elsässischen Identität“.

Roger Siffer ist seit 2015 mit der aus Kiel stammenden Kabarettistin Susanne Mayer (* 1946) verheiratet, mit der er bereits lange Jahre liiert war. Das Paar hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. (Quelle: wikipedia)

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Roger Siffer singt „Die Gedanken sind frei“ anlässlich der Gedenkfeier zum Tode von Tomi Ungerer

Und bei so einem künstlerischem Anspruch verwundert es nicht, dass dieses Ensemble sich auch mal dran mache, diese liebevolle Hommage an Tomi Ungerer zu inszenieren.

Und was nun den Tomi Ungerer betrifft, darf ich auf folgenden Beitrag verweisen, der sich hier finden lässt.

Die Kabarett-Revue ist eine Hommage an den elsässischen Künstler, Buchautor, Satiriker und Weltbürger Tomi Ungerer. Das nach einer Idee von Roger Siffer entstandene Schauspiel gibt in Elsässisch, Französisch und Deutsch interessante und amüsante Einblicke in Leben und Schaffen Tomi Ungerers.

In 20 Liedern und vielen Texten, die Tomi Ungerer gewidmet sind oder direkt von ihm stammen, unternehmen elsässische Schauspieler mit dem Publikum eine Reise durch das Leben des weltberühmten Künstlers: vom Elsass über New York und Kanada nach Irland. Mit der Projektion von über 300 Zeichnungen Ungerers auf zwei Leinwände werden Zeichnungen aus seinen Kinder- und Jugendjahren, aus seinen vielen erfolgreichen Kinderbüchern, zu seinem politischen Engagement (z.B. gegen den Vietnamkrieg und für die Europäische Einigung), bis hin zu seinen erotischen Werken in die Kabarettrevue eingebaut.

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Tomi Ungerer Plakat in Straßburg

Bei arte kündigte Roger Siffer im April 2001 seine Idee zum „Kabarett Tomi“ wie folgt an „Ich möchte was ganz Neues aufziehen. Tomi Ungerer wird bald 70, er hat gerade eine Aphorismensammlung herausgebracht, „Limericks“ wie die Deutschen sagen. So etwas wie: „Das Elsass ist wie ein Klo, immer besetzt“. Ich möchte aus solchen Sprüchen eine witzige Show zusammenstellen, und zwar mit einem Musiker namens Cookie Dingler. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Tomi und trinkt auch gern Whisky, er mag die Stones und macht gern anarchisch-alkohol-betonte Shows nach irgendwelchen Tresenwitzen. So etwas möchte ich gern aufziehen.“

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Cookie Dingler

Und das ist mehr als gelungen:
Die musikalische Mischung dieser Aufnahmen ist mindestens genauso bunt, wie vermutlich dieser blog auch: Von Pete Townshend bis hin zu Heino, („Und in der Heimat“), von daher ist diese Mischung natürlich auch genau meine Kragenweite … Und natürlich fehlen auch nicht alte Volkslieder sowie eigene Kompositionen (zuweilen sehr melancholisch) des Ensembles.

Und das passt natürlich auch zum Tomi Ungerer; wir wir wissen hat er bezaubernde Kinderbücher illustriert, um dann wieder in den Tiefen von zuweilen arg heftigen pornographischen Werken zu steigen.

Von daher: eine viel bessere musikalische Hommage an den großen Tomi Ungerer kann es eigentlich nicht geben … und das mit einer spielerischen Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht.

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Besetzung:
Roger Siffer (vocals, guitar)
+
Cathy Bernecker – Cookie Dingler – Gérald Muller – Matthieu Pallas – Jean-Pierre Schlagg – Bas Sluis

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Titel:
01. Tommy Can You Hear Me (Townshend) 2.51
02. Muss i denn (Traditional) 2.02
03. Les enfants et les soldats (Duguet/Dingler/Geiss) 2.22
04. Knochen (Traditional) 2.30
05. O Strassburg (Traditonal) 2.45
06. The Party (Duguet/Dingler/Geiss) 3.18
07. Lustig ist das Zigeunerleben (Traditional) 1.46
08. Abattoir (Diependaele/Dingler/Geiss) 5.09
09. Acadie (Duguet/Dingler/Geiss) 5.23
10. Drei Königskinder (Traditional) 2.43
11. Attendez-vouz a l´inattendu (Duguet/Dingler/Geiss) 3.47
12. Mécaniques métalliques (Duguet/Dingler/Geiss) 3.43
13. Heute hier, morgen dort (Wader/Giess) 3.06
14. Und in der Heimat (White/Geiss) 2.12
15. Alsachiens (Duguet/Dingler/Geiss) 3.03
16. Monsieur Racine (Siffer/Geiss) 4.14
17. S´Elsassische verschwindt (Siffer/Geiss) 2.38
18. Totempole (Duguet/Dingler/Geiss) 3.03
19. Forét Noire (Traditional/Siffer/Geiss) 2.20
20. Servus Europa (Kröher/Godmann/Geiss) 2.47
21. Die Gedanken sind frei (Traditional) 4.08

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„Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † 8. Februar 2019 in Cork, Irland)

Mehr vom Tomi Ungerer:

Mehr

Tomi Ungerer – Geschichten für Erwachsene (1992)

TitelSo, jetzt hat es ihn im Alter von 87 Jahren dahin gerafft (vermutliche hätte er nichts gegen diese etwas derbe Ausdrucksweise …)

Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2019 in Cork, Irland) war ein französischer Grafiker, Schriftsteller und Illustrator von Bilderbüchern für Kinder und Erwachsene. Ungerer verstand sich als Elsässer und überzeugter Europäer. Er lebte abwechselnd in Irland und in Straßburg.

Tomi Ungerer wurde 1931 nach zwei Schwestern und einem Bruder als jüngstes Kind der Familie geboren. Sein Vater Théodore Ungerer war der Familientradition nach Uhrmacher und Turmuhrenfabrikant,[1] aber auch ein Künstler, Historiker und Büchersammler, der unter anderem die Astronomische Uhr des Straßburger Münsters wartete. Er entwarf und baute auch die größte astronomische Uhr der Welt im Dom von Messina auf Sizilien. Großvater Alfred Ungerer war ebenfalls Turmuhrenfabrikant. Ungerers Mutter Alice, geborene Essler (gestorben 1989), stammte aus einer oberrheinischen Industriellenfamilie. Er lernte seinen Vater nie richtig kennen, denn dieser starb 1935 an den Folgen einer Blutvergiftung, als Tomi dreieinhalb Jahre alt war. Später widmete er einige Bilderbücher ausdrücklich vierjährigen Kindern.

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Die Mutter zog nach dem Tod des Vaters mit Tomi und seinen drei Geschwistern zurück in ihr Elternhaus nach Logelbach, einem Industrievorort von Colmar, das von der Firma Haussmann zur Verfügung gestellt worden war. Der Vater von Ungerers Mutter war technischer Direktor bei der Spinnerei Haussmann. Ungerer wurde als Kind von seinen Spielkameraden ferngehalten, und zu Hause sprach man nur Französisch, denn Elsässisch galt als die Sprache des Volkes. In seinem Kinderbuch Kein Kuß für Mutter (1974) spielt er auf diese Fürsorglichkeit an. Als Jüngstem in der Familie habe man ihm nie zugehört und ihn nicht ernstgenommen, dafür habe man ihm alle Streiche durchgehen lassen.

Erst im Alter von neun Jahren wurde Ungerer wegen der deutschen Besatzung und ihrer Einführung der Schulpflicht in die Volksschule eingeschult. Innerhalb von drei Monaten erlernte er die deutsche Hochsprache und den elsässischen Dialekt. Auf diese Weise erlebte er die allgemeine Unterdrückung durch die Deutschen zunächst als eine persönliche Befreiung. Ungerer lernte sich anzupassen, zu Hause war er Franzose, in der Schule der deutsche Hans und bei seinen Spielkameraden ein Elsässer. Trotz dieser

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Schön früh so ein durchgeknallter Spaßvogel

Beschwernisse schätzte er sein Familienleben als bildend und aufbauend für Geist und Gemüt ein: „Ich bin wirklich aufgewachsen mit dem Respekt vor der Schönheit der Natur. Und das hat mich total geprägt, mein ganzes Leben. Wir hatten ein echtes altmodisches Familienwesen: Jeden Abend nach dem Essen wurde Karten gespielt, aus Büchern vorgelesen oder gesungen.“ Er wurde von früh an ermutigt, zu zeichnen und zu schreiben. Seine Bushaltestelle zur „Matthias Grünewald-Schule, Oberschule für Jungen“ (heute „Lycée Bartholdi“) in Colmar lag vor dem Musée d’Unterlinden, in dem er sich immer bei Regen aufhielt und so oft Grünewalds Isenheimer Altar bewundern konnte.

Seine Schuljahre wurden zunehmend von Krieg und Besetzung geprägt. Im Erdgeschoss des Elternhauses wurde ein Wehrmachtsoffizier einquartiert. Gegenüber lag die Fabrik Haussmann, die zu einem Gefangenenlager umfunktioniert wurde. Im Winter 1944/1945 wurde drei Wochen lang in einem Stellungskrieg um den Brückenkopf Elsass (frz. Poche de Colmar) gekämpft.

Der zweimalige Wechsel der Unterrichtssprache von Französisch zu Deutsch, was durch autoritäre, nationalsozialistische Lehrer repräsentiert wurde, und wieder zurück zum Französischen, das nun ebenso konsequent durchgesetzt wurde, belasteten ihn ebenso wie die Tatsache, dass nicht nur Hochdeutsch, sondern auch der regionale Dialekt verboten wurde. Ungerer bezeichnet die Vorgehensweise der Franzosen als ein „kulturelles Verbrechen“ (crime culturel) und einen „kulturellen Mord“.[4] Ihm wurde nahegelegt, seinen Akzent abzulegen, bevor er sich mit französischer Literatur beschäftige. Das führte zu Schwierigkeiten mit dem Französischen, so dass er knapp das Baccalauréat (Abitur) verfehlte. Schließlich wurde er in seinem Abschlusszeugnis als „pervers und subversiv“ beurteilt.

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Tomi Ungerer mit seinem Plakat für eine Ausstellung in New York, 1959

Während der Besatzungszeit lernte er nach der Berlitz-Methode so gut Englisch, dass er nach dem Krieg als Dolmetscher für die französischen Offiziere arbeiten konnte. Seine frühen Jahre wurden zu ruhelosen Lehr- und Wanderjahren, er fuhr auf dem Fahrrad durch Frankreich, später quer durch Europa, die Reisen führten ihn auch zu einem Méhari-Kamelreiter-Regiment in Algerien bei der französischen Fremdenlegion, wo man nur „Nazilieder“ gesungen haben soll. Wegen einer Rippenfellentzündung lag er sechs Monate im Lazarett, dabei lernte er die arabische Musik kennen. Nach seiner Ausmusterung führten ihn seine Wanderungen zu Fuß und per Anhalter bis nach Nordnorwegen bei Murmansk ins sowjetische Grenzgebiet, danach war er auf kleinen Frachtern als Matrose im Nordatlantik unterwegs. Im Oktober 1953 schrieb er sich für ein paar Monate in der Straßburger École Municipale des Arts Décoratifs ein.

Sein Respekt vor dem Bildungsgut des Bildungsbürgertums, die Liebe zu den Büchern und besonders zur Malerei einerseits und seine hohe Energie und Willenskraft, sich mit Neuem auseinanderzusetzen und Grenzen zu überwinden, andererseits eröffneten ihm die US-amerikanische Kultur in Straßburg. Im amerikanischen Kulturzentrum (Centre Culturel Américain) entdeckte er die Werke des Cartoonisten Saul Steinberg und des Zeichners James Thurber. Bald stand sein Entschluss fest, sein Glück in der Neuen Welt zu suchen.

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Er wohl der holden Weiblichkeit nicht abgeneigt (hier im Jahr 1984)

1956 wanderte Ungerer mit 60 Dollar und einigen Zeichnungen in der Tasche in die USA, nach New York, aus. Unterernährt und krank und von der Notfallstation eines Krankenhauses abgewiesen, wo man ihm eine Behandlung verweigerte, da er nicht genug Geld hatte, sprach er anderntags bei der Kinderbuchlektorin von Harper, Ursula Nordström vor, um einen Vertrag für sein Kinderbuch zu erhalten. Sie gewährte ihm einen Vorschuss von 500 Dollar. 1957 gewann er seinen ersten Preis für sein erstes illustriertes Kinderbuch, The Mellops go flying, eine Geschichte mit kleinen Schweinchen. Programmatisch für sein Lebenswerk vereinten sich in den Figuren der kleinen Schweinchen kindliche Unschuld und in symbolischer Hinsicht das Laster. Das Buch wurde zum Bestseller. Im selben Jahr knüpfte er den Kontakt mit seinem späteren Hausverlag, dem Zürcher Diogenes Verlag. Nun arbeitete er gleichzeitig als Zeichner, Maler, Illustrator, Kinderbuchautor und Werbegrafiker.

Mitte der 1960er Jahre schockierte Ungerer mit den Cartoonbänden Geheimes Skizzenbuch und The Party, in denen er auf drastisch-satirische Weise die New Yorker Schickeria aufs Korn nahm. Ungerers Kreativität kannte nun auch keine Genregrenzen mehr, und er wandte gern alle Zeichentechniken an. 1969 erschien Fornicon, das später in England verboten wurde. Die Karikaturen stellten Potenzwahn, Sexismus und Gier bloß. Seine Drastik und Radikalität blieben immer die Mittel eines Moralisten. Die Ironie der dargestellten sexuellen Praktiken basierte auf dem Prinzip der Übertreibung und dem Übermaß einer noch nie gesehenen Technisierung und Mechanisierung sexueller Wünsche. Ungerer war daher nicht nur mit der Prüderie in den USA und England konfrontiert, sondern später auch mit der Rachsucht der Ostküsten-High-Society.

Beispiel24

Auf so einen Blödsinn muss manauch erstmal kommen

Daneben zeichnete er auch Film-Plakate u. a. für die Star-Regisseure Stanley Kubrick (Dr. Seltsam) und Otto Preminger. In seiner New Yorker Zeit teilte er sich mit dem Schriftsteller Philip Roth ein Ferienhaus auf Long Island. Zu seinen weiteren literarischen Freunden zählen Tom Wolfe und Saul Bellow.

Trotz einer liberalen Aufbruchsstimmung in den USA stießen seine satirischen und erotomanischen Zeichnungen dort auf immer mehr Kritik. Ungerer wurde vom FBI beobachtet, und auch seine Kinderbücher wurden verboten. Kein Kuss für Mutter erhielt in den USA den Preis für das schlimmste Kinderbuch, da darin u. a. Toby mit seinem Freund Zigarre raucht und beim Frühstück mit seinen Eltern eine Flasche Schnaps auf dem Tisch steht. Mit Bildern wie diesen hält er sich zugute, einen neuen Realismus in die Kinderbuchliteratur eingeführt zu haben: „Keiner hat die Kinderbuchtabus so zerschmettert wie ich.“ In seinen Kinderbüchern spielen eher negativ bewertete Tiere wie Schlangen, Esel, Schweine, Tintenfische und Fledermäuse eine positive Hauptrolle, um damit Vorurteile gegenüber den Tieren und auch im Allgemeinen abzubauen.
Schrittweise Heimkehr.

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Ungerer verließ New York 1971 nach 14 Jahren und suchte mit seiner zweiten Frau, der US-Amerikanerin Yvonne Wright, die ländliche Ruhe und Inspiration auf einer Farm im kanadischen Neuschottland. Nach der jahrelangen Arbeit am Großen Liederbuch (1975) trieb ihn das Heimweh wieder zurück nach Europa. In den 1970er Jahren entwarf er für den französischen Lebensmittelproduzenten Bonduelle mehrere Werbefiguren.[8] Zu Beginn der 1980er Jahre entwarf Ungerer für den deutschen Computerhersteller Nixdorf ein neues Bild in der Werbung und gestaltete Wandkalender mit historischen Schreib- und Rechenmaschinen.

Seit 1976 lebte Ungerer mit seiner Frau, seiner Tochter (geb. 1976) und seinen beiden Söhnen (geb. 1978 und 1980) abwechselnd in Straßburg und auf einer 160 Hektar großen Beispiel26Farm nahe der Stadt Cork in Irlands Südwestprovinz Munster. Dort widmete er sich der Schaf- und Rinderzucht.[10] 1985 wohnte er für einige Monate in Hamburg bei der damals als Domina tätigen Domenica Niehoff, um sich Anregungen für einen Bild- und Interviewband über BDSM-Praktiken zu holen (Die Schutzengel der Hölle, 1986). Ungerer überwand Mitte der 2000er Jahre eine jahrelang andauernde, schwere gesundheitliche Krise mit drei Herzinfarkten und einer Krebserkrankung und fand danach erneut zu seiner alten Produktivität zurück.

In seinen letzten 40 Jahren brachte er rund 40.000 Zeichnungen zu Papier und veröffentlichte über 140 Bücher. Ab 1979 waren seine Werke in etwa 100 Ausstellungen zu sehen.

Ungerer bezeichnete sich selbst als einen „Aufzeichner“: „Ich zeichne, was ich aufschreibe, und ich schreibe auf, was ich zeichne, um einen Gedanken klar, kurz und bündig auszudrücken.“

Ungerer starb in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2019 im Alter von 87 Jahren im Haus seiner Tochter im irischen Cork.

Beispiel27Neben seiner künstlerischen Arbeit setzte sich Ungerer unter anderem auch für Aktionen und Programme ein, um jugendliche Straftäter von der Straße zu holen, für eine Integration von Einwanderern in französischen Schulen sowie für eine Hilfe für Aidspatienten und krebskranke Kinder. Ungerer selbst sah sich nicht als Franzose oder Deutscher, sondern als Elsässer, und bezeichnete sich als überzeugten Europäer. Im Sommer 2010 stellte er für eine Ausstellung in der Gedenkstätte KZ Osthofen bei Worms ausgewählte Grafiken und Zeichnungen zur Verfügung. Ungerer war auch ein Gourmet, und als Genießer der elsässisch-badischen Küche war er auch mit Meisterköchen befreundet, so etwa mit Philippe Schadt in Blaesheim (Chez Philippe) oder mit dem Chansonnier und Kabarettleiter Roger Siffer; beide stellen für ihre Gäste Ungerers Aquarelle und Zeichnungen aus. (Quelle: wikipedia)

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Zeichnung von Tomi Ungerer: „40 Jahre deutsch-französischer Freundschaftsvertrag“, deutsche Briefmarke, Parallelausgabe mit Frankreich (2003)

Also … da ist einer nun wirklich seinen Weg gegangen … Ein ganz und gar schräger Paradiesvogel hat uns dabei beschenkt und nun, sucht er sich ne neue Bleibe… vermutlich wird es ihm in der Hölle angenehmer vorkommen.

Ungerer hat ja mehr als 80 Kinderbücher einfühlsam illustriert und dabei stets Partei für Kinder und deren Rechte ergriffen. Seine zahlreichen Erwachsenenbücher und Bildbände dagegen sind geprägt von Provokationen, einem derben Erotik und abgründigen Phantasien, von schneidendem Sarkasmus und beissendend satirischem Humor. (Quelle:Bayerischer Rundfunk)

Beispiel28

Als Hommage an dieser Freigeist und Querdenker, der ein ganz großes Herz für Kinder hatte, hier nun ein für Kinder eher ungeeignetes Buch -… Eine weitere wüste Orgie seiner überbordenden Phantasie hinsichtlich erotischer Gebräuche:

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Bevor es hier mit einer kleinen Auswahl seiner Bilder und Texte aus diesem Buch geht, erlaube ich mir folgenden Warnhinweis:

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Beim Betrachten der folgenden Bilder könnten sensiblen wie minderjährigen Menschen erheblicher Schaden zugefügt werden.

Daher sollten solche Personen den blog nun verlassen und sich statt dessen mal hier umschauen

 

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Und nun geht´s los:

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Das müsste ich ja auch mal können …

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Na ja, kann man ja so sehen … ich seh´s nicht so

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Und hier geht es zu einer interessanten Hördokumentation über Tomi Ungerer (clic on the pic):

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„Tomi“ Ungerer (* 28. November 1931 in Straßburg, Frankreich; † 8. Februar 2019 in Cork, Irland)

Oksana Sowiak, Fritz Mühlhölzer & Birgit Klaus – Memento Tomi – Hommage´a Tomi Ungerer (2001)

FrontCover1Eigentlich könnte man, müsste man über Tomi Ungerer viel mehr schreiben; dennoch will ich es heute mal bei diesem Kurzportrait belassen:

Tomi Ungerer, geboren 1931, stammt aus einer Straßburger Uhrmacherfamilie. Mitte der 50er Jahre ging er nach New York, wo sein unaufhaltsamer Aufstieg als Zeichner, Maler, Kinderbuchautor und Werbegrafiker begann. Nach einigen Jahren auf einer Farm in Nova Scotia (Kanada) lebt er heute mit seiner Familie in Irland und in Straßburg. 2004 erhielt Tomi Ungerer für seine besonderen Verdienste um die pädagogische Weiterentwicklung der Kultur des Kinderbuchs die Ehrendoktorwürde der Universität Karlsruhe (TH). 2008 wurde ihm der „Prix de l’Académie de Berlin“ für seinen kulturellen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung verliehen.

Und, betrachtet man sein Lebenswerk, so überrascht es nicht, dass er schon ziemlich viele Ehrungen über sich ergehen lassen durfte/musste.

Diese Hommage ist irgendwie ein ganz besonders liebenswürdige, weil unspektaktulär, aber sehr innig und intim.

Birgit Klaus spricht mit Tomi Ungerer (leider sind davon viel zu wenige Passagen zu hören) und Oksana Sowiak (Gesang) und Fritz Mühlhölzer (Gitarre) musizieren und nehmen sich dabei diverse Stile vor: Von „Die Gedanken sind frei“ über eine Reihe „frivoler“ Schlager früherer Jahrzehnte bis hin zu  Kinderlieder und „Yiddish Songs“ … und genau diese bunte Mischung scheint mir sehr geeignet zu sein, um die vielen Facetten des Tomi Ungerer musikalisch zu illustrieren.

Was schreib´ich … ich glaube man muss dieses Kleinod selbst auf sich wirken lassen … eine kleine, aber feine eher unbekannte Perle anspruchsvoller deutscher Musik … eine Edition, die wie ein kleiner Stern glänzt … und im booklet finden sich diverse weitere Informationen und Anregungen … und wieder mal verspreche ich hoch und heilig, dass von diesem Ungerer hier noch mehr zu finden sein wird.

Birgit Klaus kim Gespräch mit Tomi Ungerer

Birgit Klaus im Gespräch mit Tomi Ungerer

Besetzung:
Fritz Mühlhölzer (guitar)
Oksana Sowiak (vocals)
+
Tomi Ungerer im Gespräch mit Birgit Klaus

Booklet07A

Titel:
01. Die Gedanken sind frei 0.29
02. Gespräch mit Tomi (1):  Das Geheimnis der letzten Behausung 0.57
03. Liegt denn hier ein Zar begraben 0.27
04. Gespräch mit Tomi (2):  Engagement des Existentialisten 1.39
05. Die alte Kasche (Die alte Frage) 1.54
06. Gespräch mit Tomi (3): Erotische Fantasien 1.21
Deutsche Chansons:
07. Kann denn Liebe Sünde sein 3.26
08. Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt 4.50
09. Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben 3.41
10. Du musst die Männer schlecht behandeln 4.30
11. Gespräch mit  Tomi (4): Tomi Ungerers Zentrum in Strasbourg und die Sammelwut der Elsässer 0.59

Kinderlieder:
12. Alte Töpfe, alte Tiegel 2.07
13. Der Mückerich 2.37
14. Herr Kater 3.16
15. Die Maus in der Uhr 2.07
16. Gespräch mit Tomi (5): Ich hab’ New York geliebt 1.08

Yiddish Songs:
17. Friling 2.52
18. Ssore 0.48
19. Mamenju, ljubenju 3.02
20. Majn ru’e – plaz 2.48
21. Gespräch mit Tomi (6): Humor 1.17
22. Die Gedanken sind frei 0.43

CD1

 

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Tomi Ungerer - seine deftige Seite

Tomi Ungerer – seine deftige Seite