Michael Jary – Für die Hausbar (ca. 1963)

FrontCover1.JPGUnd wieder mal so ein Altmeister der gepflegten deutschen Unterhaltungsmusik:

Michael Jary (* 24. September 1906 in Laurahütte bei Kattowitz; † 12. Juli 1988 in München; eigentlich Maximilian Michael Andreas Jarczyk) war ein deutscher Komponist.

Jarys Vater war Werkmeister in der Königshütte, seine Mutter Schneiderin. Sein Bruder Herbert Jarczyk wurde als Film- und Fernsehkomponist bekannt. Als Kind wollte Maximilian Missionar werden, seine Schulzeit verbrachte er deshalb im Kloster der Steyler Missionare bei Neiße. Er entdeckte dort seine Liebe zur Musik. Mit 18 Jahren verließ Jary das Kloster und besuchte das Konservatorium in Beuthen. Er leitete einen Kirchen- und Arbeiterchor und schrieb erste Kammermusikwerke, die der Sender Gleiwitz ausstrahlte. Das Stadttheater von Neiße und Plauen engagierte ihn schließlich als zweiten Kapellmeister.

1929 wurde Jary in die Staatliche Musikhochschule Berlin aufgenommen; er studierte bei Franz Schreker, Paul Hindemith, Arnold Schönberg und Igor Strawinsky. Nebenbei arbeitete er als Pianist in Cafés und Kinos. 1931 wurde ihm der Beethoven-Preis der Stadt Berlin verliehen. Beim Hochschul-Abschlusskonzert am 8. Februar 1933 dirigierte er sein Konzert für zwei Klaviere, Trompete und Posaune und wurde von Mitgliedern des Kampfbundes für deutsche Kultur ausgebuht. Paul Graener, der neue Direktor des Stern’schen Konservatoriums, diffamierte das Werk als „kulturbolschewistisches Musikgestammel eines polnischen Juden“.

Jary03Jarczyk musste untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen war. Er schrieb unter den Pseudonymen Jackie Leeds Arrangements und unter Max Jantzen Chansons. Bei der Unterschrift zu seinem ersten Filmvertrag wurde er daran erinnert, dass er mit einem polnisch klingenden Namen keine Karriere machen könne. Ein Freund strich daraufhin drei Konsonanten aus dem Nachnamen und wählte seinen zweiten Vornamen: Geboren wurde Michael Jary. Sinfonische Untermalungsmusik war seine Domäne; 1936 komponierte er für den nach einer Romanvorlage Honoré de Balzacs 1936 gedrehten Film Die große und die kleine Welt seine erste Filmmusik.

Auch Swing-Arrangements und Jazz gehörten trotz des staatlichen Diktats zu seinem Repertoire. Er gründete das Kammertanzorchester Michael Jary, ein reines Studioorchester, das niemals öffentlich aufgetreten ist, sich aber einen großen Namen machen konnte. Unter anderem entstand ein Zyklus von Tierkreiszeichenvertonungen in diesem Stil. Als Zugehöriger der Jazz- und Swingszene im Deutschland der 1930er Jahre ein ausgewiesener Kenner dieser Epoche, erklärte Jary in den 60er Jahren für die Schallplatte Papas Tanztee ist nicht tot! anhand zahlreicher Musikbeispiele ihre wichtigsten Rhythmen, Melodien und Vertreter.

Jarys Durchbruch als Schlagerkomponist kam 1938 mit Roter Mohn. Zuvor hätte er der Unterhaltungsmusik beinahe den Rücken gekehrt. Als Dirigent des Szymanowski-Gedächtniskonzertes in Berlin erhielt er eine Einladung von Ernest Ansermet nach Genf. Doch die deutschen Behörden verweigerten Jary die Ausreise. So komponierte er, meist zusammen mit dem Textdichter Bruno Balz, für die Ufa Filmhits, die heute Evergreens sind: Von Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (aus dem Film Paradies der Junggesellen mit Heinz Rühmann, Josef Sieber und Hans Brausewetter, 1939) über Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n und Davon geht die Welt nicht unter (aus dem Film Die große Liebe mit Zarah Leander, 1942) bis zu Karussell.

Jary02.jpg

Das Kammertanzorchester Michael Jary (ca. 1942)

Kurz vor Kriegsende gründete Jary eine neue Kapelle. Mit diesem Grundstock (und verstärkt durch Musiker anderer Orchester, etwa aus Charlie and His Orchestra) im Auftrag der sowjetischen Kontrolloffiziere mit dem 48 Mann starken Radio Berlin Tanzorchester (RBT-Orchester) konnte er bereits neunzehn Tage nach der Kapitulation (8. Mai 1945) auftreten. Als Solisten für die Rundfunksendungen engagierte er unter anderem Ilse Werner und Bully Buhlan.[2] Im Jahr darauf gründete Jary das Rundfunkorchester von Radio Saarbrücken.

1948 gründete er seinen eigenen Verlag, die Michael Jary-Produktion, die in den 1950er Jahren sogar ein Büro in New York unterhielt. 1949 ging „Mäcki“, wie ihn seine Freunde nannten, nach Hamburg. Es folgen weitere erfolgreiche Filme und Schlager. Lieder wie Leise rauscht es am Missouri, Das machen nur die Beine von Dolores, Mäcki-Boogie, Heut’ liegt was in der Luft und viele andere gehören heute zu den Standardwerken der Unterhaltungsmusik. Interpreten wie Zarah Leander, Rosita Serrano, Evelyn Künneke, Lale Andersen, Gerhard Wendland, Heinz Rühmann, Hans Albers sangen Michael Jarys Lieder.

Jary04

Michael Jary mit Hazy Osterwald, 1974

Für die deutsche Vorentscheidung zum Grand Prix 1960 komponiert Jary für Heidi Brühl Wir wollen niemals auseinandergehn. Bei der Festivaljury belegte das Lied nur den zweiten Platz; es gilt aber bis heute als einer der größten Erfolge der deutschen Schlagergeschichte.

Nach diesem Erfolg fand Jary zu seinen Wurzeln zurück. Er schrieb das Musical Nicole, das 1963 in Nürnberg uraufgeführt wurde und später auch in Polen aufgeführt wurde. In seiner Schweizer Wahlheimat oberhalb des Luganersees schrieb er sinfonische Werke. 1973 erlitt er drei Herzinfarkte.

Jary01.jpg

Man gönnt sich ja sonst nichts … 

Michael Jary war in zweiter Ehe mit dem Mannequin Christiana verheiratet und ist der Vater der Schriftstellerin Micaela Jary.
Er starb am 12. Juli 1988 in München. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg am Familiengrab Jarczyk, Planquadrat M 17 (südlich Cordesallee östlich Ringstraße). (Quelle: wikipedia)

Grab.jpg

Das Grab von  Michal Jary im Friedhof Ohlsdorf, Hamburg

Und wir hören hier Musik ausschließlich aus der Feder des Michael Jary, deshalb kann man ja auch auf der Hülle lesen „Michael Jary spielt Michael Jary“. Zweitverwertung nennt man da wohl.

Wie auch immer: gefällige Unterhaltungsmusik (böse Zungen können auch behaupten „schleimige Unterhaltungsmusik“) bei seinen „Solisten“ fällt eigentlich nur der Gitarrist auf, der gelegentlich dezente Solos zum Besten gibt (mit jenem Hauch Jazz jener Zeit).

Gedenktafel

Berliner Gedenktafel für Jary an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Fasanenstraße

Besetzung:
Michael Jary mit seinen Solisten

BackCover1.JPG

Titel:

01. Medium-Medley 6.05
01.1. Winke, winke (Jary/Balz)
01.2. Qui Madame (Jary/Balz)
01.3. Meine Mutti (Jary/Balz)
01.4. Heute liegt was in der Luft (Jary/Balz)
01.5. Zwei Herzen im Mai (Jary/Balz)
01.6. Der Onkel Jonathan (Jary/Balz)

02. Valse-Medley 6.15
02.1. Liebe ist ja nur ein Märchen (Jary/Balz)
02.2. Unter den tausend Laternen (Jary/Heckfeld)
02.3. Lebe wohl, du schwarze Rose (Jary/Balz)
02.4. Der kleine Liebesvogel (Jary/Balz)
02.5. Leise rauscht es am Missouri (Jary/Balz)
02.6. Wir wollen niemals auseinandergehn (Jary/Balz(de Voss)

03. Fast-Medley 5.05
03.1. Ich möcht‘ auf deiner Hochzeit tanzen (Jary/Balz)
03.2. Wenn ich will, stiehlt der Bill für mich Pferde (Jary/Balz)
03.3. Er heißt Waldemar (Jary/Balz)
03.4. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (Jary/Balz)
03.5. Das Karussell (Jary/Beckmann)
03.6. Robinson (Jary/Balz)

04. Slow-Beguin-Medley 5.53
04.1. Greif nicht nach den Sternen (Jary/Balz)
04.2. Durch dich wird die Welt erst schön (Jary/Pinelli)
04.3. Sing, Nachtigall, sing (Jary/Balz)
04.4. Das machen nur die Beine von Dolores (Jary/Balz)
04.5. Roter Mohn (Jary/Balz)

05. Blues-Walzer-Medley 5.40
05.1. Virginia-Blues (Jary/Balz)
05.2. Wenn der Herrgott will (Jary/Schwabach)
05.3. Valse Musette (Jary)
05.4. Das letzte Hemd (Jary/Stani)
05.5. Davon geht die Welt nicht unter (Jary/Balz)

06. Swing-Medley 5.56
06.1. Mäckie-Boogie (Jary/Balz)
06.2. Haben sie schon mal im Dunkeln geküßt? (Jary/Beckmann)
06.3. Optimisten-Boogie (Jary/Balz)
06.4. Allerdings, sprach die Sphinx (Jary/Schwabach)
06.5. Ausgerechnet du (Jary/Scheu)
06.6. Rio Mambo (Jary/Balz)

LabelA1.JPG

*
**

Cocktail Rezept.jpg

Wer damals sich wohl einbildete, ein guter Gastgeber für ne Hausparty zu sein, der servierten seinen Gästen natürlich einen Cocktail

Roberto Delgado – Caramba (1965)

FrontCover1Da haben wir wieder mal so ne Größe der deutschen Unterhaltungsmusik, die vorrangig in den 60er Jahren durch eine Flut von Aufnahmen auf sich aufmerksam machte:

Horst Wende (* 5. November 1919 in Zeitz; † 23. Januar 1996 in Hamburg) war ein deutscher Orchesterleiter, Komponist, Arrangeur und Akkordeonist. Er trat auch unter den Pseudonymen Roberto Delgado, Die Akkordeon Melodiker und Mister Pepper auf.

Horst Wende wirkte schon im Alter von sechs Jahren in der Tanzkapelle seines Großvaters mit. Er spielte Klavier, Akkordeon, Xylophon sowie Marimba. Nach seinem Abitur studierte er am Landeskonservatorium der Musik in Leipzig. Im Zweiten Weltkrieg wurde Wende als Soldat eingezogen. Gegen Ende des Krieges lernte er in einem britischen Gefangenenlager in Dänemark den Gitarristen Ladi Geisler kennen, mit dem er eine Band zusammenstellte.

Nach dem Krieg ließ sich Wende in Hamburg nieder, wo er mit Geisler (Gitarre), Hans Bekker (Schlagzeug) und Franz Rasch (Kontrabass) ein Quartett gründete, in dem er selbst Akkordeon spielt. Im Vergnügungsviertel St. Pauli fanden sie mit aktuellen amerikanischen Hits schnell ein begeistertes Publikum. Wende arbeitete unter anderem mit Edmundo Ros und dem noch unbekannten Freddy Quinn zusammen.

Passend zum Fasching ...

1950 wurde Wende, der praktisch alle populären Stilrichtungen beherrschte, von der Plattenfirma Polydor entdeckt. Dort nahm er, zumeist mit einer kleinen Besetzung, zahlreiche eigene Singles auf. Außerdem begleiteten Horst Wende und seine Tanz-Solisten namhafte Interpreten wie Lale Andersen, Melitta Berg, Bully Buhlan, Margot Eskens, Renée Franke, Gerhard Gregor, Monika Grimm, Friedel Hensch und die Cyprys, Udo Jürgens, Lonny Kellner, René Kollo, Detlev Lais, Danny Mann und Peter Steffen bei deren Schallplattenaufnahmen. 1956 nahm er mit Freddy Quinn den Titel Heimweh (Dort wo die Blumen blüh’n) auf. Die deutsche Version des US-amerikanischen Hits Memories Are Made of This hielt sich 14 Wochen auf dem ersten Platz der deutschen Charts. In den 1960er Jahren arbeitet Wende unter anderem mit Knut Kiesewetter zusammen.

1954 erschien erstmals eine Single von Wende unter dem Pseudonym Roberto Del Gado, das später in Roberto Delgado geändert wurde. Unter diesem Namen spielte Wende mit Studio-Orchestern vor allem Instrumental-Titel mit südamerikanischen Rhythmen sowie Cover-Versionen aktueller Hits ein. Außerdem wurden ganze Langspielplatten von Delgado Kompositionen aus Skandinavien, Russland, Griechenland, Israel und anderen Ländern gewidmet. Neben seinem Weggefährten Ladi Geisler wirkten namhafte Studiomusiker aus den Orchestern von Bert Kaempfert, Alfred Hause und James Last an den Produktionen mit. In den 1960er und 1970er Jahren fanden die Musikalben von Roberto Delgado im In- und Ausland großen Absatz. Zu seinen größten Single-Hits gehörten Mexico (1962) und Letkiss (1964). Parallel dazu erschienen weiterhin Schallplatten unter seinem eigenen Namen, die vor allem Polka- und Stimmungsmusik enthalten.

AlternativesFrontCover.jpg

Alernatives Front Cover

Wende, der sich Anfang der 1980er ins Privatleben zurückzog, starb am 23. November 1996 in seinem Wohnort Hamburg. Im Zuge des Easy-Listening-Revivals sind seit Ende der 1990er Jahre immer wieder Aufnahmen von Horst Wende alias Roberto Delgado auf CD erschienen. (Quelle: wikipedia)

Hier eine LP aus dem unerschöpflichen Repertoire des Horst Wende: Ebenfalls passend zum Karneval betörende Latin und Rumba Klänge aus Südamerika … ja, ja, wenn die Brasilianer erstmal Karneval feiern, dann bleibt uns Deutschen der Mund offen … Caramba !

Inlet01A.JPG

Auf diesen inlets konnte man sich dann immer informieren, was es sonst noch so gab … auch wenn es sich hier Werbung für EMI handelte (aber darin steckte meine LP halt)

Besetzung:
Roberto Delgado And His Orchestra

BackCover1

Titel:
01. Rumba Tambah (Hernández) 2.01
02. Bésame Mucho (Velázquez) 2.52
03. Navidad Negra (Barros) 2.06
04. En Un Pueblito Español (Wayne/Lewis/Young) 2.27
05. Siboney (Lecuona/Manzo) 2.20
06. Moliendo Café (Manzo) 2.32
07. Macarenas (La Virgen De La Macarena) (Monterde) 2.11
08. El Manisero (The Peanut Vendor) (Simons/Sunshine/Gilbert) 2.52
09. Tres Palabras (Farres/Gilbert) 2.30
10. Amapola (Lacalle/Gamse) 2.55
11. Rumba De La Playa De Miami (Fields/Gamse) 2.07
12. Mucho Mucho (Grever/Paquale) 2.27
13. Marianella (Scotto) 2.15
14. Tabú (Stillman/M. Lecuona) 2.00

LabelB1.JPG

*
**

Richard Oesterreicher Quartett – Swing im Night Club (1965)

FrontCover1Von Richard Oesterreicher war hier schon mal die Rede und zwar im Zusammenhang mit seiner Single aus dem Jahr 1977, auf der er Klassiker wie „An der schönen blauen Donau“ im Discoi-Gewand präsentierte. Damals schreib ich angesichts seiner Biographie, dass man da eigentlich nur staunen könne.Und ich zitiere mal wieter:

„Richard Oesterreicher (fälschlich oft Österreicher; * 10. November 1932 in Wien) ist ein österreichischer Dirigent und Jazzmusiker.

Richard Oesterreicher ist der Sohn eines Musiklehrers. Er studierte zunächst beim Vater und begann ab 1947 eine Lehre als Schriftsetzer, neben der er am Konservatorium der Stadt Wien Gitarre und Klavier studierte. Er absolvierte ein Studium bei Walter Heidrich in Wien. Von 1958 bis 1967 war er als Berufsmusiker mit eigener Combo tätig, danach als Studio-Gitarrist, Arrangeur und Musiker im ORF-Unterhaltungsorchester.“

Hier eines seiner Frühwerke; mit seinem Quartett zelebriert er „Swing im Night Club“ und macht dabei eine fast durchgehend gute Figur, zumindest wenn man jazzige Unterhaltungsmusik jener Tage mag. So ist z.B. ihr „If I Had A Hammer“ wirklich pfiffig arrangiert (sie orientieren sich freilich am Arrangement von Trini Lopez). Leider sind die Stücke für meinen Geschmack zu kurz geraten.

Das besondere an dieser LP ist allerdings, dass wir hier die ganz frühe, junge Marianne Mendt als Sängerin zu hören bekommen. Mendt war damals mit ihrer eigenen Combo „The Internationals“ als Sängerin und Bassistin aktiv. Hier also „nur“ als Sängerin, möglichweise handelt es sich bei diesen Aufnahmen um ihr Schallplattendebüt. Jedenfalls macht auch sie ne gute Figur und von daher ist diese LP einfach ein akustischer Ohrenschmaus …

(Die akustischen Beeinträchtigungen bei „April In Paris“ bitte ich zu entschuldigen … ist halt so)

 

BackCover1

Besetzung:
Richard Oesterreicher Quartett
+
Marianna Mendt (vocals bei 09. – 11.)

Titel:
01. Dancing In The Dark (Schwartz/Dietz) 2.03
02. Frauen sind keine Engel (Mackeben/Beckmann) 1.58
03. Si Yote Quiero (Oesterreicher/Weizmann) 2.24
04. Casino (Oesterreicher) 2.43
05. Signorina (Kruntorad/Weizmann) 2.56
06. Ay Merenge (Oesterreicher/Weizmann) 2.46
07. Twist On The Blues (Oesterreicher/Weizmann) 1.58
08. If I Had A Hammer (Seeger/Hays) 2.57
09. Mackie Messer (Weill/Brecht) 2.55
10. Non Ho L´eta (Nisa/Panzeri) 1.49
11. Danke schön (Kaempfert/Schwabach/Gabler) 4.07
12. A Foggy Day In Londontown (Gershwin) 2.30
13. I Left My Heart In San Francisco (Cory/Cross) 3.02
14. April In Paris (Duke/Harburg) 2.04
15. All Right, OK, You Win (Wyche/Mayme) 3.06
16. So schön wie damals (Oesterreicher/Weizmann) 2.27

LabelA1

 

*
**

 

James Last Band – Beat In Sweet (1965)

FrontCover1Hier ein Frühwerk des damals noch in den Startlöchern stehenden kommenden Großmeisters der deutschen Unterhaltunsmusik. Das James Last Orchester war damals noch die „James Last Band“.

Bei der bereits  Jahr später erneuten Veröffentlichung dieses Albums stand auf der neuen Rückseite allerdings bereits „James Laster Orchester“ … Die Marktstrategen von Polydor basteln also schon eifrig am Gesamtkunstwerk James Last und dessen Vermarktung.

Musikalisch war James Last voll auf der Höhe der Zeit und sop gab es etliche Hits der damaligen „Beat“ Szene im Weichspülprogramm und da kann einem schon ein wenig das Herz bluten, hört man Klassiker wie „Like A Rolling Stone“, „Mr. Tambourine Man“ oder „Eve Of Destruction“ in diesem „Happy Sound“. Und natürlich war es kein Problem, dann auch noch Roy Black´s „Du bist nicht allein“ ebenfalls in das Programm mitaufzunehmen.

JamesLast1964

James Last, 1964

Irgendwie ging diese LP damals unter, denn im gleichen Jahr erschien die erste Ausgabe von „Non Stop Dancing“, die sich dann 60 Wochen in den Charts tummelte und wohl der Start dieser unvergleichlichen Karriere war. Und diese LP findet nicht mal eine Erwähnung auf der website des James Last Fanclubs „Jams Last Info Club“ (was schon sehr erstaunlich ist).

Und wenn man sich mit der Discographie des James Last beschäftigt, wird einem eh schwindelig, swo kann man z.B. auf wikipedia lesen: „Last veröffentlichte bis zu zwölf Alben pro Jahr. Gewöhnlich dirigierte er tagsüber im Studio Rahlstedt und arbeitete abends zu Hause in seinem Arbeitsraum die Partituren aus, im Schnitt einen Titel pro Tag. Mitunter mussten mehrere Alben parallel produziert werden. Dann kam es vor, dass das Einspielen schon begann, obwohl noch gar nicht alle Instrumente arrangiert waren oder dass der Chor für die eine LP sang und zur selben Zeit die Streicher für die nächste spielten.“

Von daher ist schon mal klar, dass er hier immer wieder auftauchen wird.

BackCover

Besetzung:
James Last Band

AlternateBackCover

Titel:
01. I Got You Babe (Bono) 3.10
02. Frag den Abendwind (Gordoni) 3.32
03. Baby Don’t Go (Bono) 3.09
04. You’ve Lost That Lovin’Feelin‘ (Spector) 2.59
05. Eve Of Destruction (Sloane) 2.31
06. Teenage Love (Stahl) 3-22
07. Mr. Tambourin Man (Dylan) 2.28
08. Du bist nicht allein (Arland) 3.20
09. For Somebody (Last) 3.02
10. Like A Rollin’Stone (Dylan) 3.15
11. Du bist meine Liebe (Last) 3.18
12. Yesterday (Lennon/McCartney) 2.13

LabelB1

*
**

Max Greger – Trimm und tanz dich fit mit Max Greger (1973)

FrontCover1Irgendwie finde ich solche Scheiben ganz schön amüsant … spiegeln sie doch immer wieder gesellschaftliche Entwicklungen in deutschen Landen.

Hier geht´s um die „Trimm dich“‚ Bewegung in den 70er Jahren:

Die Trimm-dich-Bewegung geht auf eine durch den Deutschen Sportbund am 16. März 1970 gestartete Krankheitsprävention zurück. Unter dem Motto „Trimm Dich – durch Sport“ wurde mit Unterstützung der Politik, von Krankenkassen und der Wirtschaft dem Übergewicht und den zunehmenden Kreislauferkrankungen der Kampf angesagt. Zudem sollte die in der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft durch das „Wirtschaftswunder“ stark gestiegene Zahl Herzinfarktgefährdeter durch sportliche Betätigung verringert werden. Auch medial wurde auf die Initiative aufmerksam gemacht. Werbespots mit dem Slogan „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“ wurden im Fernsehen geschaltet.

Mit den Olympischen Spielen 1972 erlebte die Trimm-dich-Bewegung einen Boom. 94 Prozent der Bevölkerung und sogar 99 Prozent aller Jugendlichen kannten die Trimm-dich-Aktion. Das Maskottchen der Aktion und damit vieler Trimm-dich-Pfade ist „Trimmy“, ein freundliches Männchen mit Turnhose und hochgerecktem Daumen.

In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden so genannte Trimm-dich-Pfade (Schweiz: Vita-Parcours) eingerichtet. Von den in den 1980er-Jahren einst ca. 1500 Anlagen in Deutschland verfielen im Laufe der Zeit zahlreiche, da die Trimm-dich-Pfade aus der Mode kamen und stattdessen das Joggen als Breitensport modern wurde. Im Zuge neuer Modesportarten geriet die Trimm-dich-Bewegung allmählich in Vergessenheit. Dazu kam, dass viele Kommunen auf Dauer kein Geld hatten, um ihre Trimm-dich-Pfade instand zu halten. Bestehende Trimm-dich-Pfade wurden von den unter Finanzschwierigkeiten leidenden Kommunen oftmals dem Verfall preisgegeben. Einige Trimm-dich-Pfade überlebten und können heute noch genutzt werden. (Quelle: wikipedia)

Booklet1

Als Teil der Kampgne wurde dann 1973 diese LP veröffentlicht, bei denen Bandleader Max Greger als Sprecher mit diversen Gymnastikübungen die Volksgesundheit fördern wollte. Die Texte stammten übrigens von Hans Mohl, vielleicht noch dem einen oder anderen als Moderator des ZDF-Gesundheitsmagazins bekannt. Musikalisch gab´s halt den typischen Max-Greger Sound … ganz nett und amüsant anzuhören.

Um das Bild jener damaligen Trimm dich Bewegung abzurunden, habe ich 2 pdf Dateien beigefügt, die sich mit diesem damaligen Trend beschäftigen. Und jetzt darf man sich natüprlich auf zur körperlichen Ertüchtungen inspierien lassen, wenn´s der Maxl Greger schon so fein vorführt ! Und beim „Beat-Medley“ wird dann z.T. wirklich nett gerockt und selbst Chuck Berry kommt zu Ehren … wenn das keine Motivationshilfe ist !

TrimmDichMännchen

 

Besetzung:
Max Greger und sein Orchester

BackCover1

Titel:

Seite 1: Trimm dich fit:
01. Das 600-Sekunden-Fitness-Programm: Fitness I (Drexler/Schmidt) 9.57
02. Das 300-Sekunden-Herz-Programm: 5.23
– In The Mood (Razaf/Garland)
– Raindrops Keep Fallin‘ On My Head (Bacharach/David)
– Chattanooga Choo Choo (Warren/Gordon)
–  I’ll Never Fall In Love Again (Bacharach/David)
–  Freedom Come, Freedom Go (Hammond/Hazlewood/Cook/Greenaway)
–  Memphis Tennessee (Berry)
03. Das 500-Sekunden-Ausgleichsprogramm: Fitness II ((Drexler/Schmidt) 8.50

Seite 2: Tanz dich fit:
04. La Bostella (Gustin/Pilar) 2.54
05. Rucki-Zucki (Traditional) 2.16
06. Casatschok (Rubaschkin) 2.38
07. La Bamba (Traditional) 2.41
08. Letkiss (Lehtinen) 2.18
09. Beat-Medley: 8.34
– Little Willy
– Good Grief Christina
– (This Is The Way To) Amarillo

LabelA1.JPG

*
**

Berry Lipman And His Orchestra – From Germany With Love (1975)

FrontCover1.jpgJetzt mal ein wenig ausführlicheres zu Berry Lippman, der ja eigentlich Friedel Berlipp hieß und die deutsche Unterhaltsungsmusik über Jahrzehnte hinweg entscheidend prägte.

Berry Lipman, mit richtigem Namen Friedel Berlipp, wurde am 11. Januar 1921 in Burgdorf bei Hannover geboren. Bereits mit sieben Jahren begann er seine musikalische Karriere mit klassischem Violinenunterricht.
Später schloss er ein klassisches Musikstudium am Konservatorium Hannover mit Kompositionslehre ab. 1940 war Lipmann Mitglied des Luftwaffen-Musik-Korps Celle und Oldenburg.Trotz des Verlustes zweier Finger der rechten Hand im Zweiten Weltkrieg, der ihn zum Umsatteln auf die Gitarre zwang, erhielt Berlipp 1945 sein erstes Engagement als Musiker.
Erste Station seiner Laufbahn war ein Engagement am Staatstheater Oldenburg, wo er auch seine ersten Kompositionen und Bühnenarrangements schrieb.

Bis zum Erfolg war es jedoch ein langer Weg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug sich der studierte Komponist, Geiger und Posaunist mitGelegenheitsauftritten in kanadischen und amerikanischen Clubs durch und besserte sich so sein Taschengeld auf. Oftmals gab es als Gage US-Zigaretten, die Lipman für Lipmann02Lebensmittel eintauschte. 1947 ging er als Komponist an die Wuppertaler Bühnen und kam mit Rhythm & Blues als Arrangeur, Komponist und Instrumentalist beim NWDR und SWF Koblenz in Kontakt. Als Gast bei mehreren Rundfunkanstalten erhielt er Angebote aus der Schallplattenindustrie, die ihm die Möglichkeit gaben, international zu arbeiten. Schnell sammelte er auch erste Erfahrungen als Arrangeur für verschiedene Radiosender, bis ihn 1951 der Ruf der Schallplattenindustrie (Decca) ereilte. 1952 wird Friedel Berlipp Mitbegründer des Harald-Banter-Orchesters beim Westdeutschen Rundfunk Köln.

Drei Jahre später wurde er Orchester-Chef und Komponist bei der EMI, wo er u.a. Hits für Gitte, Conny Froboess, Chris Howland, Lale Andersen und Cliff Richard schrieb und arrangierte. Später kamen weitere internationale Künstler hinzu, z.B. Charles Aznavour, Dalida und Zarah Leander. Unter der Regie von Heinz Paul schrieb Friedel Berlipp 1959 Musikarrangements für den Musikfilm „Hula-Hopp Conny“. Im gleichen Jahr folgte die Musik zum Film „Das blaue Meer und Du“.

Die Deutsche Vogue berief ihn 1964 zum Chefproduzenten, wo er u.a. Petula Clark, Pat Boone, Billy Vaughn, Dionne Warwick und Jonny Teupen produzierte. Damals legte ihm sein Musikverlag nahe, sich einen internationaleren Namen zuzulegen: Berry Lipman war geboren. Noch im selben Jahr gründete er das Berry Lipman Orchester, für das er mit seinem prägnanten „Berry Lipman Sound“ einen Evergreen nach dem anderen schrieb. So brachte er nicht nur deutsche Partys auf Hochtouren, sondern wurde auch zum festen Bestandteil vieler Radiosender.

Es entstanden Klassiker, die auch heute im Zeitalter des Easy Listening-Revivals, nichts an

Lipmann04Charme verloren haben. Sein erster großer Erfolg erschien 1969 mit dem von James Lloyd gesungene Song „Keep on Smiling“. Es sollte ein Welterfolg werden. „Ich wusste, dass es ein Hit wird“, sagte Lipman über den wohlklingenden Popsong. Seine Lieblingswerke und größten Erfolge waren in den 70er Jahren „The Girls from Paramaribo“ und „La Parranda“, zwei Instrumentalstücke mit Gute-Laune-Garantie und internationale Bestseller. Mit dessen typischem Easy-Listening-Sound traf Lipman den Nerv der Zeit. Er komponierte ganz untypisch für ihn 1974 „“ für einen Kirchenchor. „Der Erlös dieser Platte war für einen guten Zweck, damit wollte ich mich bei Gott bedanken für mein tolles Leben.“

Seine Frau Trine von Stolzenau, eine Pastorentochter, schrieb den Text dazu. Mitgewirkt an der Langspielplatte hatten u.a. Graham Bonney, Die Jay Five, Chor der evangelisch freikirchlichen Gemeinde Wetter-Volmarstein, Joe & Erik und Bill Ramsey. Die Uraufführung fand 1980 im Staatstheater Oldenburg statt. 1978 produzierte er die Musik zum Kindermusical „Mr. Mock“, welches seine Frau Trine von Stolzenau und Gabriele Fritsch schrieben. Später wurde das Musical auch als Hörspiel bei de- Label EMI-Elektrola veröffentlicht. Jahrelang feierten der Orchesterleiter und sein 28-Mann-Ensemble in den Partykellern dieser Welt große Triumphe. Ähnlichkeiten mit dem „Happy Party Sound“ von James Last sind nicht von der Hand zu weisen, der Musiker aus Bergheim-Glessen allerdings bezeichnet seine Klangwelt als „eleganter“.

Auf europäischer Ebene arbeitete er für Künstler wie Petula Clark, Sandy Shaw oder Pat Boone.

Lipmann05Das Gesangsduo Cindy und Bert hatte er entdeckt. Ihre größten Erfolge haben sie Berry Lipman zu verdanken. „Die Mädchen aus dem Weltraum“ (Star Maidens), eine britisch-deutsche Science-Fiction-TV-Serie des britischen Regisseurs Eric Paice gab Berry Lipman 1976 den unverkennbaren Sound. Berry Lipmans Soundvielfalt für die „Star Maidens“ braucht wie die TV-Serie selbst den Vergleich mit den Sounds & Bildern der legendären Raumpatrouille Orion nicht zu scheuen. Im Jahre 1978 vertonte er den Film des Regisseurs Anthony Spinelli „SexWorld“ und schreibt für Toni McVey den Filmtitel. Für den Zeichentrickfilm „The Ren & Stimpy Show“ von John Kricfalusi verfasst er den Titel „Hawaii In Beat“, den er bereits als Peter Poll 1988 auf den Sampler „Hawaii & South Pacific“ erfolgreich veröffentlichte.

Bis in die 80er Jahre komponierte er die Musik vieler Werbespots, wie zum Beispiel für „Bonduelle“, „Sparkasse“, „Boeing 747“. Unter Friedel Berlipps Pseudonymen Berry Lipman & His Orchestra, Berry Lipman Band, Rex Brown Company oder auch Peter Poll sind im Laufe der Jahre weltweit über 5.000 Produktionen von ihm komponiert und arrangiert worden. Zu seinen vielen Auszeichnungen gehörte 1965 die „Ehrenurkunde Deutsche Schlagerfestspiele“ und 1975 der „Awards Record World“ USA. Mit Fug und Recht kann Friedel Berlipp von sich behaupten, die Populärmusik der 50er, 60er und 70er Jahre entscheidend beeinflusst zu haben – als Produzent, Arrangeur und Komponist. Gepflegte Unterhaltung produzieren, das war immer der Anspruch des Wahl-Bergheimers. (Quelle: Phono Media Group)

Wahrlich ein reiches musikalisches Leben !

Lipmann03

Nun zur Illustration seines Schaffens eine LP aus dem Jahr 1975. Ein wenig rätselhaft der englische Titel, die Platte war für den deutschen Markt produziert. Aber ansonsten kann man auf der einen Seite feststellen, dass es routinierte Unterhaltungsmusik im typischen „Party-Sound“ jender Zeit, dass aber gelegentlich ein schon fast spitzbübischer Spielwitz auftaucht, wenn r z.B. mit skurillen Soundideen kokettiert oder ganz in den Jazz-Bereich zumindest kurzfristig abdriftet (so z.B. bei „Farmers Walking“).

Ansonsten gilt: man mag sich an dieser Musik erfreuen oder auch nicht … sie ist Teil unseres kollektiven musikalischen Gedächtnisses aus jener Zeit.

Lipmann06

Besetzung:
Berry Lipman And His Orchestra

Lipmann01

Titel:
01. Rosamunde (Vejvoda/Ebner) 2.45
02. The Happy Husar (Traditional) 2.27
03. Du, Du, Du (Olias) 2.46
04. Blinky (Lipman/v.Stolzenau)) 3.08
05. Bavarian Special (Lipman) 3.18
06. Danke schön (Kaempfert) 2.30
07. Wa-Wa-Song (Lipman) 2.28
08. Liechtensteiner Polka (Lindt/Kotscher) 2.36
09. In Hamburg sind die Nächte lang (Bertelsmann/Blum) 2.27
10. Farmer’s Walking (Lipman) 2.40
11. Sailor Boy (Jussenhoven) 3.06
12. Muss i denn (Traditional) 3.23

LabelA1

*
**