Timur Vermes – Er ist wieder da (Hörspiel) (2012)

FrontCover1Das war damals ein ganz schöner Knüller … und bis heute bleibt es für mich ein ganz chön zwiespältiger Knüller, denn dieses Hörbuch basierte auf das gleichnamige Buch, bzw. auf den gleichnamigen Film:

„Er ist wieder da“ ist der Debütroman des deutschen Journalisten und Schriftstellers Timur Vermes. Die Hardcoverausgabe erschien 2012 beim Kölner Eichborn Verlag, das Taschenbuch bei Bastei Lübbe. Im Jahr 2015 erschien die gleichnamige Verfilmung. Bei dem Roman handelt es sich um eine Satire, in der Adolf Hitler im Jahr 2011 mitten in Berlin auf einer grünen Wiese wieder zum Leben erwacht.

Nach der Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 stieg der Roman bis auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegels und blieb dort 20 Wochen. Das Hörbuch, gelesen von Christoph Maria Herbst, erreichte ebenfalls Platz 1. Herbst verwendet durchgehend den Duktus des Erzählers Adolf Hitler bzw. spricht andere Personen ebenfalls in deren je eigenem Duktus, wobei zum Beispiel auch ungeschliffener Berliner Akzent in gelangweilter, aggressiver, unterwürfiger oder schnippischer Art zum Einsatz kommt.

Insgesamt wurden bis August 2015 über 2.000.000 deutsche Exemplare sowie über 300.000 Hörbücher verkauft. Die Auslandsrechte wurden an über 41 Länder vergeben und seit Herbst 2014 liefen die Dreharbeiten für die Verfilmung.

Timur Vermes

Timur Vermes

In der galligen Politsatire erwacht Adolf Hitler im Sommer 2011 zu neuem Leben und startet eine Fernsehkarriere als Demagoge, die in ihren Einzelschritten und Details erschütternd plausibel ist.  (Ursula März, Die Zeit)

Die literarische Qualität des Romans, so viel steht schnell fest, kann für den enormen Verkaufserfolg von „Er ist wieder da“ kaum verantwortlich sein.[…] Diese Fokussierung auf Hitler – wahlweise als komische Figur oder aber als Inkarnation des Bösen – läuft Gefahr, die geschichtlichen Fakten verblassen zu lassen. […] Allzu oft lässt sich der Autor dazu hinreißen, seinen Hitler als humorigen Gesellen zu zeichnen und das wirkt letztlich verharmlosend. (Cornelia Fiedler, Süddeutsche Zeitung)

Das Buch

Das Buch

… für eine „Alternate History“ à la Robert Harris („Vaterland“) oder wenigstens eine actionreiche Farce fehlt es an erzählter Zeit … ein Klamauk, der allein darauf basiert, dass der Führer sein Vokabular auf unser Hier und Jetzt anwendet…, wird auf vierhundert Seiten dann doch ein bisschen schal. (Marc Reichwein, Die Welt)

Das Beste an dem Buch ist das Cover … Nach 50 Seiten habe ich angefangen, mich zu langweilen. Dann kennt man die Grammatik des Buches. Ich fand es auch deswegen nicht wirklich gut, weil die Geschichte zu absurd ist. (Sönke Neitzel, Historiker an der Universität Potsdam)

Und dann gab es den Film:

„Er ist wieder da“ ist eine deutsche Filmkomödie des Regisseurs David Wnendt aus dem Jahr 2015. Die Literaturverfilmung basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman des Autors Timur Vermes. Der Film hatte am 6. Oktober 2015 Premiere in Berlin und lief am 8. Oktober in den deutschen Kinos an. Er wurde von mehr als 2,4 Millionen Kinobesuchern gesehen., 69 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wacht Adolf Hitler bei bester Gesundheit in Berlin auf. Aufgrund der veränderten Umgebung und Menschen ist er vorerst ziemlich orientierungslos. Ein Kioskbesitzer gewährt ihm vorläufigen Unterschlupf. Bei der Zeitungslektüre im Kiosk ist Hitler mit einem völlig veränderten Deutschland konfrontiert, das seiner Ideologie entgegensteht und ihm daher auch nicht sonderlich gefällt. Zudem halten ihn alle Menschen, denen er begegnet, lediglich für einen Hitler-Imitator.

Filmbild01

Unweit des Ortes, an dem Hitler aufwacht, dreht der freie Angestellte des Senders MyTV, Fabian Sawatzki, eine Dokumentation über Kinder in einem Berliner Brennpunkt. Da dies aber nicht gut bei den Verantwortlichen des Senders ankommt, wird er entlassen. Sawatzki sichtet das von ihm gedrehte Video erneut und entdeckt Hitler im Hintergrund. Als Sawatzki bald darauf Hitler im Kiosk ausfindig machen kann, unterbreitet er ihm den Vorschlag, mit ihm eine Fernsehsendung zu produzieren, nicht zuletzt, um wieder bei MyTV eingestellt zu werden. Die beiden machen sich auf eine Reise an verschiedene Orte in Deutschland, bei der Hitler im Gespräch mit der Bevölkerung gefilmt wird.

Filmbild02

Nach ihrer Rückkehr nach Berlin stellt Sawatzki Hitler und das gedrehte Material bei den Senderchefs vor. Begeistert von Hitler, beschließt die Vorsitzende Katja Bellini, ihn für seinen ersten Einsatz in der bereits etablierten Sendung Krass, Alter auftreten zu lassen. Im Senderbüro bekommt er eine Sekretärin zur Seite gestellt, die ihm mit einiger Mühe das Internet erklärt. Hitler findet sich allmählich in der Gegenwart zurecht und absolviert erste Bühnenauftritte. Er greift auch seine alten Pläne, die Weltherrschaft an sich zu reißen, wieder auf, erarbeitet sich stattdessen aber mehr oder weniger ungewollt die Rolle eines großen Comedy-Stars, der wenig später bei allen großen Medien gefragt ist. Allerdings kommen nun auch erste Zweifel an dem vermeintlichen Schauspieler auf, da ihn bisher niemand anders erlebt hat als in seiner vermeintlichen Rolle.

Filmbild03

Als Frank Plasberg Hitler in seiner Sendung mit einem Video konfrontiert, in dem Hitler einen kleinen Hund erschießt, wird dessen Show abgesetzt, und er verliert zunächst seine noch frische Popularität. Wegen dieses Vorfalls verliert auch Katja Bellini ihre Anstellung beim Sender und muss den Chefsessel an ihren stillen Rivalen Christoph Sensenbrink abtreten. Parallel zu seinen weiteren Fernsehauftritten, die er absolviert, um seinen Ruf nach dem Hundevideo wieder aufzupolieren, schreibt er ein Buch über die Zeit nach seinem Wiederauftauchen. Es wird, mit Hilfe von Katja Bellini, zu einem Bestseller. Bald darauf wird das Buch sogar verfilmt, woran sich MyTV und Sensenbrink aufgrund des Quotenabsturzes nach Hitlers Imageverlust beteiligen.

Als Hitler aus dem Hotel, in dem der Sender ihn untergebracht hatte, wieder auszieht, kommt er bei seiner Sekretärin Franziska Krömeier unter, mit der Sawatzki mittlerweile zusammen ist. Beim Einzug erkennt Franziskas demente Großmutter den tatsächlichen Adolf Hitler. Nachdem Hitler und Sawatzki die Wohnung verlassen haben, stellt Sawatzki verärgert fest, dass der vermeintliche Schauspieler auch nach diesem Ereignis seine Rolle weiterspielt. Verwundert darüber, und wegen der Reaktion von Franziskas Großmutter und der jetzt bestehenden Zweifel über diesen Mann, geäußert von Mitarbeitern des Senders, beginnt Sawatzki Nachforschungen anzustellen.

 

Vor dem Filmstudio wird Hitler, der auch von Neonazis für einen Komiker gehalten wird, von diesen verprügelt. In ein Krankenhaus eingewiesen, wird er deshalb zu einer Art Märtyrer der Demokratie hochstilisiert. Während sich Hitler im Krankenhaus befindet, sichtet Sawatzki noch einmal das Videomaterial von dem Tage, an dem Hitler in Berlin aufgetaucht war. Dabei stellt er fest, dass dieser einfach aus dem Nichts erschienen ist, lediglich ein Licht deutet auf den Vorfall hin. Als Sawatzki an der gleichen Stelle, an der er auf dem Band das Licht gesehen hat, verbrannte Blätter findet und außerdem ein Schild, welches darauf hinweist, dass dort einst der Führerbunker gestanden hat, wird ihm klar, dass es sich um den echten Adolf Hitler handeln muss. Schockiert von seiner Erkenntnis stürmt er ins Krankenhaus, aus dem Hitler zwischenzeitlich jedoch schon wieder entlassen wurde. Nur Bellini befindet sich noch im Zimmer, die dem völlig aufgelösten Sawatzki jedoch keinerlei Glauben schenkt. Vom Krankenhauspersonal wird der nun wutentbrannt randalierende Sawatzki in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.

Filmbild04

Die Verfilmung des Buches wird abgeschlossen, und Hitler wähnt sich bereits auf der Straße des Sieges. Er ist populärer als je zuvor und sieht Deutschland in einem Zustand, in dem es für seine Rückkehr an die Macht bereit zu sein scheint, allerdings glaubt das Volk weiterhin, es handle sich nur um einen Schauspieler. Der Film endet mit Hitlers Worten „Damit kann man arbeiten“, während die Zuschauer unter anderem Bilder von tatsächlichen politisch motivierten, rechten Gewalttaten und Demonstrationen zu sehen bekommen.
Unterschiede zum Roman:

  • Der Roman spielt im Jahr 2011, der Film im Jahr 2014.
  • Sensenbrink, Sawatzki, Krömeier und Bellini arbeiten beim Fernsehsender MyTV. In der Romanfassung arbeiten sie bei der Agentur Flashlight, die Hitler vertritt und im Auftrag des Senders seine Sendung produziert. Der Konkurrenzkampf zwischen Sensenbrink und Bellini um die Firmenspitze fehlt im Roman.
  • Im Roman lernt Hitler Sawatzki und Sensenbrink durch Zufall am Kiosk kennen. Im Film sucht Sawatzki gezielt nach ihm, nachdem er ihn beim Sichten seines Videomaterials, das er mit den Fußball spielenden Kindern gedreht hatte, entdeckt hat.
  • Im Roman sind die Kinder allein, und niemand sieht Hitlers Ankunft.
  • Sawatzki und Hitler fahren auf eigene Kosten durch Deutschland und befragen Menschen zu politischen Themen, um Anschauungsmaterial für den Sender zu haben und Sawatzkis Wiederanstellung zu erreichen. Im Buch fehlt dieser Aspekt völlig.
  • Im Roman ist der Kiosk auch nach Hitlers Bekanntwerden einer seiner regelmäßigen Anlaufpunkte. Im Film taucht dieser nach seiner Abreise mit Sawatzki nicht mehr auf.
  • Im Buch heißt der Moderator der Show Krass, Alter, in der Hitler seinen ersten Fernsehauftritt hat, Ali Witzgür. Da er im Film von einem deutschstämmigen Schauspieler, nämlich Michael Kessler, dargestellt wird, wurde der Name in Michael Witzigmann geändert.
  • Auch die Vornamen der Figuren Sawatzki, Sensenbrink, Krömeier und Bellini wurden geändert. Während diese Figuren im Roman die Namen Joachim, Frank, Vera und Carmen tragen, wurden im Film die Vornamen der Darsteller verwendet.
    Das Treffen mit Krömeiers Großmutter verläuft im Roman weitaus friedlicher als die Auseinandersetzung im Film.
  • Im Buch erschießt Hitler keinen Hund.
  • Im Film wird Hitler als Autor der Romanvorlage präsentiert. Dieser Aspekt fehlt ebenfalls im Buch. Auch ein möglicher Film über seine Zeit nach dem Aufwachen kommt in der Vorlage nicht vor.
  • Im Roman ereilt Sawatzki ein erfreulicheres Schicksal. Dort heiratet er Vera Krömeier, und das Paar erwartet ein Kind, das wahrscheinlich den Namen Adolf tragen soll.
  • Im Gegensatz zum Film findet im Roman niemand heraus, dass es sich um den leibhaftigen Adolf Hitler handelt.
  • Der letzte Satz Hitlers „Damit lässt sich arbeiten“ wird im Roman in einem weit weniger drastischen Kontext zitiert.

Filmbild05

Kritiken:

Jörg Albrecht schrieb auf der Website des Deutschlandfunks, dass der Film als Mediensatire durchaus Schtonk das Wasser reichen könne. Das Lachen könnte jedoch schnell verstummen, wenn man sehe, dass „die deutsche Willkommenskultur auch für Adolf Hitler gilt“.

In der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau schrieb Daniel Kothenschulte: „Erst ist es nicht richtig witzig, und dann ist es auch wieder nicht schmerzhaft genug.“ Die Bestseller-Verfilmung verschenke große dokumentarische Momente an eine biedere Mediensatire.

Als „dümmsten und perfidesten Film, der seit langem in die Kinos gekommen ist“ bezeichnete Michael Hanfeld bei faz.net die Romanverfilmung. Der Film wolle eine Satire sein, in Wahrheit sei er „eine experimentelle Anordnung und ein Pamphlet“.

Filmbild06

Und dann erschien das Hörbuch zum Film:

Dazu verwendete man ganz einfach die Tonspuren des Films und ergänzete diese um verbindendene Texte, und zwar immer dann, wenn die Bildsprache des Films fehlte …ein irgendwie eigenartiges Verfahren … Diese Texte sprach Fabian Busch, der im Film den Reporter Fabian Sawatzki spielte.

Die volle Wucht des Themas erschließt sich aus meiner Sicht erst, wenn man den dazugehörgen Film kennt … als als eigenständiges Hörspiel können diese Aufnahmen jedenfalls nicht durchgehen.

Unabhängig davon: das gesamte Thema hinterlässt mich mehr als zerrissen … das Thema ist erschreckend, beklemmend, beängstigend und albern zugleich …

BackCover1

Besetzung:
Jakob Bieber: Jüngelchen
Fabian Busch: Fabian Sawatzki
Stephan Grossmann: Staatsanwalt Göttlicher
Christian Harting: Chefredakteur
Christoph Maria Herbst: Christoph Sensenbrink
Michael Kessler: Michael Witzigmann
Ramona Kunze-Libnow: Mutter Sawatzki
Oliver Masucci: Adolf Hitler
Michael Ostrowski: Rico Mancello
Katja Riemann: Katja Bellini
Gudrun Ritter: Oma Krömeier
Lars Rudolph: Kioskbesitzer
Maximilian Strestik: Ulf Birne (NPD)
Thomas Thieme: Senderchef Kärrner
Franziska Wulf: Franziska Krömeier
Christoph Zrenner: Gerhard Lümmlich
+
Cameos:
Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt, Frank Plasberg, Daniel Aminati, Jörg Thadeusz, Roberto Blanco, Micaela Schäfer, Dagi Bee, Freshtorge, Robert Hofmann, Joyce Ilg, Andrea Nahles

Booklet02A

Titel:

CD 1:
Kapitel 01 – 20 / 50. Minuten

CD 2:
Kapitel 21 . 40 / 53 Minuten

CD1A

 

*
**

Booklet01A