Das Egerländer Blasorchester – Egerländer Blasmusik (ca. 1965/66)

FrontCover1Und nun mal wieder Musik aus der Kategorie „Musik der Heimatvertriebenen“, diesmal aus dem Egerland:

Das Egerland (Eghaland, tschechisch Chebsko) ist im engeren Sinne eine Region im Westen Tschechiens. Sie ist benannt nach dem Fluss Eger (tschechisch Ohře). Zum Egerland im weiteren Sinne gehören auch angrenzende Bereiche Oberfrankens und der Oberpfalz.

Das Gebiet des historischen Egerlandes liegt heute in Tschechien und Bayern. Der tschechische Teil mit einer Fläche von knapp 1000 km² bildet den größeren Teil des Okres Cheb, ohne den nach Deutschland hineinragenden Ascher Zipfel. Es umfasst das Egerer Becken (Chebská pánev) mit Teilen seiner Randgebirge, dem Elstergebirge im Norden, dem Český Les (Ostseite des Oberpfälzer Waldes) im Südwesten und dem Kaiserwald (Slavkovský Les, früher auch Císarský Les) im Osten. Die Ostgrenze verlief entlang des Leibitschbaches (Libocký Potok) und von dessen Mündung in die Eger weiter südwärts bis zum Tillenberg (Dyleň). Auch Teile des Sechsämterlands sowie die Städte Karlsbad (Karlovy Vary), Loket (Elbogen), Sokolov (Falkenau), Marienbad (Mariánské Lázně), Teplá (Tepl) und Luditz (Žlutice) gehörten zum Egerland.

In der Antike wurde das Gebiet von den den Illyrern zugerechneten Naristern (Laristern) bewohnt, die in römischer Zeit unter germanischen Einfluss kamen. In der Völkerwanderungszeit wurde es von Slawen besiedelt.

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Districtus Egranus (Karte von Johann Christoph Müller, ca. 1710)

Eine Urkunde von 1061 über die Ostkolonisation im benachbarten oberen Maingebiet erwähnt mit dem von dort aus ostwärts führenden Handelsweg auch den Ort Eger. 1135 wurde die Regio Egire erstmals als Teil des bayrischen Nordgaues im Besitz der Grafen von Vohburg erwähnt. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation wanderten bairische Siedler ein. Durch Erbschaft kam das Egerland 1167 an Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Geschlecht der Staufer. Daher ist Eger der einzige Ort der Tschechischen Republik mit einer Kaiserpfalz. Die Staufer bauten die Provincia Egrensis zum reichsunmittelbaren Musterland aus. Das reichsunmittelbare Land wurde nach dem Niedergang der Staufer aufgeteilt.

Der Westen des Gebietes mit Anteil am Fichtelgebirge gelangte Stück für Stück in die Herrschaft fränkischer Hohenzollern.

Bereits nach 1268 eignete sich König Ottokar II. widerrechtlich die Stadt Eger und ihr Umland an, was maßgeblich zum Konflikt mit König Rudolf beitrug und in die Schlacht von Dürnkrut mündete. Die seit 1277 formal reichsunmittelbare Stadt Eger und das dazugehörende Landgebiet wurden von Kaiser Ludwig dem Bayern 1322 dem Kurfürsten und König von Böhmen Johann von Luxemburg verpfändet „bei Garantie der völligen Unabhängigkeit vom Königreich Böhmen“. Die historische Bezeichnung für das Egerland ist daher Reichspfandschaft Eger. Dieses Pfand konnte von Ludwig und seinen Rechtsnachfolgern niemals eingelöst werden. Nachdem die Kronen des Heiligen Römischen Reiches und des Königreichs Böhmen unter Karl IV., dem Sohn Johanns, in einer Hand vereinigt waren, war für eine Einlösung des Pfandes kein Grund mehr gegeben. Dies hatte zur Folge, dass das Egerland lange Zeit einen eigenen Landtag besaß und nicht als staatsrechtliches Territorium Böhmens galt.

Egerland02

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Egerland teils von den Kriegsparteien wie ein Teil Böhmens behandelt, teils betonten die Mächtigen die Eigenständigkeit aus ihrem Machtinteresse heraus. So verwehrte Rudolf II. der zeitweilig dem Luthertum zuneigenden Reichsstadt Eger die zu dieser Zeit den böhmischen Ständen zugestandene religiöse Toleranz. 1628 wurde die staatliche Einheit Bayerns formal wiederhergestellt, das Egerland verblieb dennoch als nichteingelöstes Reichspfand bei Böhmen. Die formale Eigenständigkeit innerhalb der Habsburgermonarchie verlor immer mehr an Bedeutung. 1751 wurde das Gebiet dem Elbogener Kreis (Loketský kraj) zugeordnet, einer Untergliederung des Königreichs Böhmen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1806 wurde es integraler Bestandteil des österreichischen Kronlandes Böhmen.

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Bei der Auflösung der Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Egerland 1918/19 Teil der Ersten Tschechoslowakischen Republik. Der Versuch der gleichzeitig ausgerufenen Republik Deutschösterreich, Böhmen und Mähren zu teilen und die mehrheitlich von Deutschböhmen bewohnten Randgebiete dem Deutschen Reich zuzuführen, scheiterte. Die Verfassung der Tschechoslowakei war ohne Beteiligung des deutschen Bevölkerungsteils ausgearbeitet worden, die deutschen Bürger der Republik waren zwar offiziell als Staatsbürger gleichberechtigt, jedoch führte die praktizierte Nationalitätenpolitik mit Bevorzugung der Tschechen gegenüber den nationalen Minderheiten zu Spannungen im Land. Die Konfrontationen zwischen mehrheitlich deutschen Gemeinden und dem tschechoslowakischen Staat hörten nie ganz auf und nahmen nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland deutlich zu. Auch im Egerland gewann Henleins Sudetendeutsche Partei, die die Spannungen zwischen den Nationalitäten anheizte, zunehmend an Macht und Einfluss.

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Nach dem Münchener Abkommen vom 29. September 1938 und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins Sudetenland am 1. Oktober 1938 wurde das Egerland mit seinen 88.000 Einwohnern Bestandteil des Deutschen Reichs. Im neu geschaffenen Sudetengau wurde es dem Regierungsbezirk Eger mit 800.000 Einwohnern auf 7466 Quadratkilometern mit Sitz in Karlsbad zugeordnet, welcher größtenteils aus altböhmischem Gebiet mit verschiedenen traditionellen Regionen, wie dem Ellbogener (Loketský), Pilsener (Plzeňský), Tachauer (Tachovský) und Saazer (Žatecký) Kreis, bestand.

Das Egerland war bis 1945 zu mehr als 90 Prozent von Deutschböhmen bewohnt, von denen die meisten nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Beneš-Dekrete enteignet, ausgewiesen und vertrieben wurden.

Nach dem Krieg 1945 setzte eine verstärkte und staatlicherseits geförderte Zuwanderung hauptsächlich aus Zentralböhmen, aber auch aus Mähren und der Slowakei ein. Ferner zogen viele Repatrianten sowie Angehörige der ethnischen Minderheit der Roma in das Egerland. In den Städten wie beispielsweise Cheb wohnen viele Vietnamesen, die während der Zeit der ČSSR als RGW-Vertragsarbeiter in das Land kamen.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

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Burg Elbogen (Loket) an der Eger

Der historische Begriff Regio Egrensis wird seit 1990 von der grenzüberschreitenden Landesplanung reaktiviert.

Unter dem Begriff Euregio Egrensis ist 1991 eine Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Mitteleuropa entstanden. Die Organisation wurde zu einem Wegbereiter für Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien. Neben der Euregio Egrensis haben sich die grenznahen Orte um das vogtländische Dreiländereck – Ortschaften des Böhmischen Vogtlands um Aš und des sächsischen Vogtlandkreises – zur tschechisch-deutschen Mikroregion Freunde im Herzen Europas zusammengeschlossen.
Kultur

Die volkstümliche Kultur des Egerlandes war ein Teil der deutschsprachigen Kultur in Böhmen. Typisch für das Egerland sind die stattlichen Fachwerkhöfe mit großen Speicherbauten. Schönbach (Luby) wurde wegen seiner Herstellung von Musikinstrumenten als das Cremona Österreichs bezeichnet. Die Instrumentenproduktion lebt fort und es gibt in der Stadt eine Fachschule für Instrumentenbau. Auch in Graslitz gab es eine bedeutende Instrumentenproduktion. Hier stellte unter anderem die Firma Koestler Blech- und Holzblasinstrumente von hoher Qualität her.

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Ernst Mosch gründete 1956 die Original Egerländer Musikanten.

Das Egerland war bis nach dem Zweiten Weltkrieg das letzte deutschsprachige Gebiet, in dem der traditionelle Bock, ein böhmischer Dudelsack, gespielt wurde.

1907 wurde der Bund der Eghalanda Gmoin e. V. gegründet, der sich der Pflege der Egerländer Mundart widmet und heute von Deutschland aus weitergeführt wird, wobei der Begriff Egerland hier auf das ganze Gebiet des früheren Regierungsbezirkes Eger ausgeweitet wird. (wikipedia)

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Blick auf Maria Loreto von der böhmischen Seite aus

Wie man sieht … hatte auch das Egerland im  Laue der Jahrhunderte vielen Herren zu dienen.

Und hier nun die passende Musik:

„Kaum eine Blasmusik ist so bekannt und beliebt wie die böhmische Blasmusik. Schwungvolle Melodien, gefühlvoll und schmissig gespielt, sprechen Herz und Gemüt an, begeistern so die ständig wachsende Fangemeinde und sind ein Garant für volle Konzertsäle.“

Aha, kann man wohl oder auch vermutlich so sehen …

Ich bin ja mittlerweile in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schon fast verschrien, dass ich mich auch mit obskuren Tonträgern aller Art beschäftige. Und so kommt es, dass ich immer öfters zu einem musikalischen Nachlassvererwalter werde, wenn wiedermal der Haushalt älterer Herrschaften aufzulösen ist.

Aus einem solchen Fundus stammt auch die LP … und dass ich sie hier präsentieren fällt unter die Rubrik „ein letzes Blick“  (so formulierte es mal die Graugans)

Und dann noch ein Wort zum Cover: wie man darauf kommen konnte, diese zerrupfte Baumgruppe auf die Vorderhülle der LP zu packen, ist mir bis heute ein Rätsel; die Wiederveröffenlichung weist ein weitaus stimmungsvolleres Motiv auf.

BackCover1

Besetzung:
Das Egerländer Blasorchester

AlternativesFront+BackCover

Alternative Front + Back Cover

Titel:
01. Blasmusik vom Egerland 1.55
02. U wenn i froih 2.19
03. Bauern Polka 1.56
04. Annaberger Polka 2.51
05. Ich kann dich nicht vergessen 2.36
06. Hohe Tannen 1.45
07. Die gute alte Zeit 4.07
08. Af Matzl Booch bin i gefoare 1.45
09. Kuckucks Polka 2.10
10. Böhmischer Wind 3.09
11. Klarinetten Polka 2.46
12. Ein Herz voller Liebe 3.14
13. Freiberger Kirmes 3.19

LabelB1

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Egerland03

 

Kapelle Rohrfrei – Fernrohr (2007)

FrontCover1Auf boarisch würde man wohl sagen: Die Buam und dös oane Madel san sauguat … aber nachdem es sich bei diesen „Buam“ um waschechte Franken handelt, wäre diese Einführung unpassend. Also lasse ich sie einfach mal selber zu Wort kommen.
Musik aus Franken und anderen schönen Ländern:

Wir blasen den Staub von der Mottenkiste, in der traditionelle fränkisch-bayerische Tanzmusik viel zu lange abgelagert wurde: So selbstverständlich wie wir in der eigenen Region zu Hause sind, überschreiten wir auch deren Grenzen. Durch Einflüsse aus aller Herren Länder, aus 50 Jahren Popmusik und aus der Tätigkeit der einzelnen Musiker in unterschiedlichsten Stilrichtungen entsteht ein erfrischender und unverkrampfter Mix irgendwo zwischen Polka und Bossa, Zwiefachen und Blues, Landler und Tango, Rheinländer und Reggae, Kärwaliedla und Rock. Manche Stücke werden in der überlieferten Form belassen, manche bekommen durch witzige Arrangements ein neues Kleid, bei einigen wird schamlos von Welthits geklaut, wieder andere sind Eigenkompositionen.

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Schräge Vögel sans scho …

Die Kapelle ist für ihr Improvisationstalent und ihre mitreißende Spielfreude bekannt – und nicht zuletzt dafür, dass wir auch schon mal acht Stunden aufgetreten sind ohne ein Stück zu wiederholen oder ein Notenblatt zu benutzen. Alle vier musizieren seit frühester Kindheit und haben eine klassische Ausbildung auf mehreren Instrumenten, von denen bei Rohrfrei diejenigen zum Einsatz kommen, die „unplugged“ gut zu hören sind: Wir haben Power auch ohne Strom und fühlen uns im Biergarten oder Wirtshaus genauso wohl wie auf großen Bühnen. Nur in den Musikantenstadl bringen uns keine zehn Pferde. (Selbstdarstellung)

Und in der Tat: was die „Kapelle Rohrfrei“ hier abliefert ist schon fast aberwitzig … Volksmusik auf höchstem Niveau … aber stets ein wenig gegen den Strich gebürstet … selten haben ich mich über „traditionelle“ Klänge so amüsieren können.

Und es wundert nicht, dass diese Kapelle, fester Bestandteil der „Antistadl – Volxmusik ist Rock ’n ‚Roll“ Bewegung ist …

Und ich wünsche mir mehr von solchen schrägen Kapellen, denn wo hört man schon solche volkstümliche Klänge, bei denen gelegentlich Miles Davis durchklingt ( wie z.B. bei dem  „Spotzafrack-Blues“) …

DieMusikanten01Besetzung:
Stefan Gessler (trumpet, flugelhorn, bass)
Katja Lachmann (tuba, bass, flute)
Christoph Lambertz (clarinet)
David Saam (accordion)

DieMusikanten02Titel:
01. Galopp aus der Rhön (Traditional) 2.05
02. Summerzeitwalzer (unbekannt) 2.58
03. Galizisch (Traditional aus Spanien) 2.43
04, Kleiner Bossa (Traditional) 2.58
05. Krouhanest (Traditional) 3.00
06. Emma/Trallen (Traditional aus Finland + Schweden) 3.56
07. Zwixd mi (Traditional) 2.36
08. Tubasco (Traditional aus Rumänien) 2.07
09. Die Aidhäuser (Traditional) 2.03
10. Ochrid Mess (Traditional) 3.34
11. Über der Wilhelmshöh (Traditional) 3.12
12. Jägermasder (Traditional) 3.08
13. Mitternacht in Großenried (Traditional sephardisch) 3.27
14. Münchner Polka (Traditional) 3.02
15. Spotzafrack-Blues (Traditional) 4.03
16. Polska (Traditional aus Schweden) 2.57
17. Schottisch aus Hohendilching (Traditional) 2.51
18. Krummer 9er (Traditional) 2.42
19. Topporzer Kreuzpolka (Traditional aus der Slowakei) 2.34
20. Mexikantenstadl (Traditional aus Mexiko) 2.14

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Shaw

Und es gibt sie immer noch … hier ihre aktuelle „Corona“ website:
website

Hubert von Goisern und die Alpinkatzen – Wia die Zeit vergeht (1995)

FrontCover1Auch so einer, der uns damals beibrachte, die traditionelle Volksmusik auch mal mit anderen Ohren zu hören. Und dieses Live-Doppel-Album war damals was ganz besonders, denn mit diesem Album nahm Hubert von Goisern Abschied von seiner ersten „Alpinkatzen“ – Periode und diesen Abschied beschrieb er damals so:

Das wars…

Es ist fürchterlich, diesen Text zu schreiben. Wie soll man, ohne rührselig zu werden, sagen: Das wars. Das waren die Alpinkatzen. Diese Live-CDs sind der Abschluß einer viele Jahre dauernden Zusammenarbeit von fünf Musikern.
Aber genau das ist es. Nicht ganz vielleicht. Denn hinter uns arbeitete ein etwa 20köpfiges Team mit einem Einsatz, einer Präzision und Kreativität, die ihresgleichen suchen. Das heißt nicht, daß immer alles funktioniert hat. Es gab Tage, da ging alles schief. Nein – nicht alles. Die Konzerte waren, bis auf eines, immer gut, immer etwas ganz Besonderes. Daß dem so war, verdanken wir dem Publikum.

Und ich glaube, es ist uns gelungen, dieses gegenseitige Zuneigung, die Aufmerksamkeit und die Magie des Augenblicks festzuhalten.
Goisern01Es war auch nicht zuletzt dieser Zauber des gemeinsamen Erlebens, welcher mich davon abhielt, nachträglich im Studio noch etwas auszubessern. Die Nacharbeiten beschränken sich deshalb auf die Auswahl der besten Momente und die Erstellung eines einheitlichen Klanges.

Diesen Klang, den oft zitierten Alpinkatzen-Sound, hat vor allem einer entscheidend mitgeprägt; jener Mann, der schon für das Hörerlebnis in den Konzertsälen verantwortlich war und der auch die vorliegenden CDs gemischt hat: Wolfgang Spannberger.
Nicht nur ihm, sondern auch dem Lichtdesigner Christof Mandel und Hage Hein, dem unermüdlichen Botschafter meiner Ideen, danke ich stellvertretend für alle anderen, die mich hierher begleitet und bereichert haben.
Mein ganz besonderer Dank und Respekt gilt aber meinen Mitmusikern: Sabine, Stefan, Wolfgang und Reinhard. Gott behüt Euch. Und vielleicht hat unsere Geschichte eine Fortsetzung. Dieser Gedanke ist jedoch nicht mehr als ein Traum. Aber was wäre das Leben ohne Träume.

Pfiat Euch! (Hubert Goisern im Februar 1995)

Dieses Album (entstanden auf der Abschieds-Tournee 1995) bietet alles, was den Hubert von Goisern und den Alpinkatzen damals so populär gemacht hat: Rock, Blues, Heavy, Jodelexzesse, Balladen, gänsehauterzeugender,mehrstimmiger Gesang … eine aberwitzige Mischung, aber wirklich wie us einem Guß … Da passt einfach alles !

Summa summarum: ein triumphales Album … ein „Best Of“ in bester Live-Stimmung … und davon krieg ich eigentlich nie genug.

Goisern04

Hubert von Goisern und die Alpinkatzen

Besetzung:
Stefan Engel (bass, keyboards, vocals)
Hubert von Goisern (vocals, accordeon, guitar, cornett, beefhorn)
Sabine Kapfinger (vocals)
Wolfgang Maier (drums)
Reinhard Stranzinger (guitar, vocals)
+
Evert van der Waal (percussion bei 14., 18. + 19.)
Hochtraxlecker Sprungschanzenmusi (bei 20.)

Booklet01ATitel:

CD 1:
01. Solide Alm (v.Goisern/Staribacher) 4.59
02. Spinni (v.Goisern) 5.14
03. Iawaramoi (Steirer) (v.Goisern) 3.33
04. Schleiniger (Traditional) 2.05
05. Kokain-Blues (Davis/v.Goisern) 7.29
06. Kuahmelcher (Traditional) 3.33
07. Weit, weit weg (v.Goisern) 6.37
08. Gott erhalts (Haydn/v.Goisern) 4.52
09. Kiahsuacha (Traditional) 1.51
10. Landlertanz (v.Goisern) 9.35
11. KGB (Kuahglockenblues) (v.Goisern) 4.30

CD 2:
12. Da Juchitzer (v.Goisern) 8.00
13. Wildschütz Räp (v.Goisern) 7.41
14. Wieder hoam (v.Goisern) 5.54
15. Goisern (Carmichael/v.Goisern) 5.11
16. Kren & Speck (v.Goisern/Staribacher) 10.33
17. Oben und unten (v.Goisern) 5.15
18. Koa Hiatamadl (Traditional) 7.44
19. Heast as nit (v.Goisern/Staribacher) 6.57
20. A ganze Weil (Karl) 3.01

CD2A

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Goisern03

In den Anfängen …

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Bairisch Diatonischer Jodel-Wahnsinn – Aus tiefster Brust (1995)

FrontCover1Von diesem anarchistischen Bayern-Trio war hier ja schon mal die Rede (und zwar hier).

Hier nun ihr Debut –  Album …

Und auch dieses Album ist Quell´ der Freude und des skurillen Humors, basierend auf rotzfrechen Texten und einer Musik (gepeist aus einem unglaublich Arsenal von Instrumenten).

Und so schrieb damals die Presse über die drei:

„Das Münchner Anarcho-Trio (Monika Drasch, Josef Brustmann und Otto Görtler) bringt dabei einen äußerst interessanten Spagat zustande: Einerseits orientieren sich die „Bairisch Diatonischen“ an klassischem Volksmusikgut und stehen in alt-baierischer G’stanzl-Tradition, andererseits haben sie keinerlei Hemmungen, auch andere Musikrichtungen in ihren Inspirationsbrei hineinzumischen – Punk, Rap, aber auch Klassisches und Bluesiges taucht auf.
Auch das Instrumentarium spiegelt diese musikalische Vielfalt: gewohnte Volksmusikinstrumente (wie Zither, Geige, Ziehharmonika) stehen neben ungewöhnlichen, bisweilen sogar experimentellen, selbst gebastelten Instrumenten (oder haben Sie schon einmal eine E-Gitarre gesehen, die in ihrem früheren Leben eine Pfanne war?). Die Texte schließlich sind sowieso was ganz Eigenes – verbalanarchisch, aggressiv und kritisch.

DieDrei

„Nur der Bairisch Diatonische Jodel-Wahnsinn wandert stracks wie die Schnur auf dem Pfad der sanften Volksmusikerneuerung. (…) Der Charme des ober/niederbayerischen Trios zeigt sich in höchst melodisch verpackten Derbheiten (…) ist Kleinkunst im besten Sinne und, so gesehen, ein liebenswerter Anachronismus.“
(Süddeutsche Zeitung)

„Ihre Volksmusik ist grantig und gamsig, mal drollig und mal traurig — dümmlich aber ist sie nie.“
(Stuttgarter Zeitung)

„Der Zwiefache hat den Blues (…) Ein Dunst von Anarchie dräut auf die Bühne, wenn der ‚Bairisch Diatonische Jodel-Wahnsinn‘ ausbricht. Gnadenlos unbekümmert tragen sie vom Steinbruch Volksmusik schwere Trümmer ab.“
(Tiroler Tageszeitung)

„Und wer dem Bayrischen nicht mächtig ist, genießt diese Art von Musik, gewürzt mit Blues, Rap, Rock und Wortwitz, diese Bayern nehmen kein Blatt vor den Mund.“

Oder, oder, oder … Hörempfehlung, ganz einfach !

Aufgenommen im Theater im Fraunhofer, München, 30.11. – 03.12. 1994

BDJW01Besetzung:
Josef Brustmann (guitar, bass, vocals)
Monika Drasch (violin, vocals, hurdy gurdy)
Otto Göttler (accordion, vocals)
+
diverse weitere Instrumente

Booklet02ATitel:
01. Wie klingt’n des heit (Traditional) 0.12
02. Durchmarsch (Traditional) 1.32
03. Wanzenlied (Göttler/Brustmann) 2.04
04. Lodenfrey-Polka (Traditional/Göttler) 1.16
05. Dudelsackjodler (Traditional) 2.09
06. Negerlein (Brustmann) 6.38
07. Mäkki (Traditional/Göttler) 3.52
08. Finge-, Finge-, Finge (Brustmann/Drasch/Göttler) 1.11
09. Eckhaus (Traditional/Göttler) 3.10
10. Kappler-Alm (Traditional/Brustmann/Drasch/Göttler) 4.02
11. Biergarten-Gstanzerl (Brustmann/Kloos) 3.33
12. Kontratänze (Traditional) 2.48
13. Kindsmörder-Ballade (Traditional(Drasch) 4.44
14. Anette (Traditional) 2.31
15. Bauernhofsterben (Clemens non Papa/Drasch) 3.07
16. Vater unser (Brustmann) 4.48
17. Schmierer-Rap (Traditional/Göttler) 3.00
18. Musikprobe (Traditional/Drasch) 3.03
19. Zarathustra (Strauss) 1.08
20. Garderobe (Brustmann/Drasch/Göttler) 10.41

CD1

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Nachtrag:
2002–2015 gehen die Mitglieder eigene Wege. Monika Drasch spielte zunächst in der Band von Hubert von Goisern und präsentiert seitdem eigene Programme, Josef Brustmann spielte zusammen mit Kollegen der ebenfalls aufgelösten Giesinger Sautreiber bei der MonacoBagage und debütiert als Kabarettist. Otto Göttler stellte mit dem Rockbarden Sepp Raith zusammen sozialkritisch-satirisches Musikkabarett vor, gründete die neue Formation Unverschämte Wirtshausmusik u.a. mit der Harfenistin Konstanze Kraus und die Gruppe Diatoniks – Elektrische Volksmusik – mit Wolfgang Neumann, Titus Waldenfels und Michael Reiserer.

Aber dann …

2014 entschieden Otto Göttler und Josef Brustmann wieder gemeinsam aufzutreten, diesmal mit der Geigerin Petra Amasreiter. Seit März 2015 tourt das Trio und präsentiert sein Programm Die Zeit ist reif.

BDJW02Und vor 5 Jahren habe ich sie dann nochmal sehen können …  der pure Wahnsinn …

Ticket2015

Pollinger Blasmusik – Pollinger Blasmusik (1995)

FrontCover1Jetzt wird´s wieder mal ganz schön traditionell, wenn nun die Pollinger Blasmusik vorgestellt wird:

1960 setzte Willi Hausner (damaliger Dirigent der Stadtkapelle Weilheim und Obersöchering) seine Idee, in seiner neuen Heimat Polling eine Kapelle zu Gründen, in die Tat um. Mit einer Spende in Höhe von DM 350.- der Gemeinde Polling, einem starken Willen und 9 Musikanten konnte bereits 1961 das neue Jahr angeblasen werden.

1962 spielten die bis auf 20 Musiker ange-wachsene Kapelle bereits Ihr 1. Weihnachts-konzert am 26.12.62 beim Klosterwirt in Polling.

1963 zählte die Kapelle bereits 25 junge Musikanten. Die Pollinger Musikanten traten dem Musikbund von Ober- und Niederbayern bei und nahmen in diesem Jahr schon an vielen Veranstaltungen, wie beim Festzug in Böbing, Fahrt auf die Fraueninsel im Chiemsee, Konzert- und Marschwertung beim 6. Bezirksmusikfest in Peißenberg, teil. Schließlich entschloss man sich am 19.12.63 den Musikverein Polling zu Gründen.

1964 , im Mai, starteten die Musiker zusammen mit der Trachtengruppe aus Raisting Ihre 1. große, zehntägige Reise quer durch Frankreich (unter anderem besuchten sie auch Paris). Im August konnte man in der Konzertwertung beim Musikfest in Bad Kohlgrub in der Mittelstufe eine 1. Rang und in der Marschwertung einen 1. Rang mit Auszeichnung erreichen. (Auszug aus der Chronik der Kapelle)

Und für die ortsunkundigen … hier liegt Polling (3.253 Einwohner):

PollingUnd natürlich verfügt auch Polling über eine Blaskapelle, hier ein Auszug aus der Chronik:

„1960 setzte Willi Hausner (damaliger Dirigent der Stadtkapelle Weilheim und Obersöchering) seine Idee, in seiner neuen Heimat Polling eine Kapelle zu Gründen, in die Tat um. Mit einer Spende in Höhe von DM 350.- der Gemeinde Polling, einem starken Willen und 9 Musikanten konnte bereits 1961 das neue Jahr angeblasen werden.

1962 spielten die bis auf 20 Musiker angewachsene Kapelle bereits Ihr 1. Weihnachts-konzert am 26.12.62 beim Klosterwirt in Polling.

1963 zählte die Kapelle bereits 25 junge Musikanten. Die Pollinger Musikanten traten dem Musikbund von Ober- und Niederbayern bei und nahmen in diesem Jahr schon an vielen Veranstaltungen, wie beim Festzug in Böbing, Fahrt auf die Fraueninsel im Chiemsee, Konzert- und Marschwertung beim 6. Bezirksmusikfest in Peißenberg, teil. Schließlich entschloss man sich am 19.12.63 den Musikverein Polling zu Gründen.

1964, im Mai, starteten die Musiker zusammen mit der Trachtengruppe aus Raisting Ihre 1. große, zehntägige Reise quer durch Frankreich (unter anderem besuchten sie auch Paris). Im August konnte man in der Konzertwertung beim Musikfest in Bad Kohlgrub in der Mittelstufe eine 1. Rang und in der Marschwertung einen 1. Rang mit Auszeichnung erreichen.“

Und natürlich ging es so munter durch die folgenden Jahrzehnte, bis man dann 1995 erstmal im Studio stand.

PollingerBlasmusikMan erinnert sich:
Unter unserem damaligen Dirigenten Berthold Reitinger nahmen wir 1995 in den Trixi Studios in München unsere CD in Arbeit.
Berthold stellte dafür ein gemischtes Programm zusammen, das aus traditioneller und moderner Blasmusik besteht.

Und natürlich stand die traditionelle Blasmusik im Vordergrund, aber es gibt da z.B. auch einen gepflegten Bossa Nova mit dem Namen „Cubana“ (da griff man dem Sound der famosen „Cuba-Boarischen“ voraus. Wer´s dann wieder etwas gepfefferter haben will, dem sei der „Bayrische Defiliermarsch“ empfohlen und schon fühlt man sich ins Bierzelt versetzt.

„Musik ist Trumpf“ ar die Titelmusik einer gleichnamigen ZDF Show, die von 1971 bis 1985 ausgestrahlt wurde. Die Melodie wurde von Heinz Gietz komponiert und stammte aus dem Film Musik ist Trumpf, die Hazy Osterwald-Story von 1962.

Ergo: die Blaskapelle hatte durchaus viele Facetten auf Lager und es gibt sie natürlich heute noch und da kann es schon mal sein, dass sie „Westside Story“ von Bernstein spielen oder ein auch mal ein furioses Udo-Jürgens Medley …

Als: reinhören könnte sich durchaus lohnen. Das Cover (mal was ganz anderes für Musikprodukte dieser Art) stammt übrigen von dem Illusions-Kunst-und Lüftlmaler Jürgen Schütt aus Polling-Oderding.

Polling1

Das schöne Polling im schönen Oberbayern

Besetzung:
Pollinger Blasmusik unter der Leitung von Berthold Reitinger

Booklet1

Titel:
01. Blauer Enzian (Hoffmann) 2.18
02. Schwarze Augen (Hotovy) 2.51
03. Böhmisches Gold (Hardenbergh/Zittne) 2.30
04. Burgrainer-Polka (Hoffmann) 2.34
05. Camille (Waignein) 5.21
06. Cubana (Schneider) 3.14
07. Bayrischer Defiliermarsch (Scherzer) 2.22
08. Sechserl Polka (Pleyer) 2.37
09. The Way We Were (Bergmann/Hamlish) 3.52
10. Musik ist Trumpf (Gietz) 2.05
11. Dompfaff (Mosch) 2.20
12. Erzherzog-Albrecht-Marsch (Komzák) 2.44

CD1

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Das Rheinland Orchester – Am deutschen Rhein (1970)

FrontCover1Ja, ja, der Rhein … er ist halt nicht nur ein zentraler Fluß in Deutschland sondern insbesondere für die dortigen Bewohner emotional wohl weitaus mehr als eine Wasserstraße.

Und so wundert es nicht, dass der Rhein – ich weiß nicht wie oft – auch musikalisch gewürdigt wurde.

Hier haben wir gleich ne ganz LP, eingespielt (wie passend) vom „Rheinland-Orchester“ unter der Leitung von einem Jackie Spranger.

Von dem Jackie Spranger (wenn er denn überhaupt so hieß) weiß ich auch nichts, außer dass er bei diversen Billig-LP´s der 70er Jahre mit von der Partie war (eigentlich schade, denn der Chronist in mir, will da immer mehr wissen).

Und auch wenn das natürlich ne tradtionelle LP mit Blasmusik ist, hat sich der Jackie Spraner doch einiges einfallen lassen, um mit Soundgimmicks zu überraschen:

So hört man z.B. „Die Lust am Rhein“ weiblichen Seufzer … könnte man ja schon fast als obszön bezeeichnen. Bei „Die böse Weinkuh“ erklingen dann passende Muh-Geräusche einer Studiokuh … Beim „Echo vom Weinberg“ wird geschickt mit musikalischen Echovarianten gearbeitet …. usw. usw.

Wer sich mal ein musikalischen Späßchen leisten will, der greife hier zu … ziemlich pfiffige Arrangements schallen einem da entgegen. Die Name der Musikstücke sind beachtenswert, denn sie können durchaus Heiterkeit auslösen.

Und veröffentlicht wurde diese LP auf einem Sublabel von Metronome, dass sich „Perl Serie“ nannte.

Allerdings fehlen die Komponisten-Angaben und das erzürnt den Chronisten in mir doch sehr …

Aber dennoch werde ich heuer vielleicht am Rhein ein paar Tage der Erholung verbringen …

Postkarte
Besetzung:

Das Rheinland Orchester unter der Leitung von Jackie Spranger

BackCover1Titel:
01. Klänge aus dem Faß 3.17
02. Die Lust am Rhein 3.54
03. Der Specht am Weinstubenfenster 3.15
04. Tanzboden frei 2.57
05. Die böse Weinkuh 3.20
06. Echo vom Weinberg 3.07
07. Der närrische Posaunenbläser 2.46
08. Rebenwalzer 2.57
09. Rheinländer mit Holzschuhen 3.16
10. Zittern am Rhein 2.39
11. Heinzelmännchen am Rhein 3.05
12. Küfners Feierabend 2.18

LabelB1


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Herbert Roth – Erfolge (1976)

FrontCover1Trotz aller Widrigkeiten, er war wohl der ungekrönte König volkstümlicher Musik i der DDR:

Herbert Roth (* 14. Dezember 1926 in Suhl; † 17. Oktober 1983 ebenda) war ein deutscher Komponist und Interpret volkstümlicher Musik.

Schon früh nahm Herbert Roth Musikunterricht (Klavier, Akkordeon, Klarinette) und trat bereits als Jugendlicher öffentlich auf. 1948 legte er nach einer Friseurlehre seine Meisterprüfung ab und arbeitete zunächst im Salon seiner Eltern. Herbert Roth begann als Amateurmusiker und gründete 1950 die Suhler Volksmusik. Der erste öffentliche Auftritt des Ensembles fand am 15. April 1951 in Hirschbach statt, der letzte am 3. März 1983 in Oberhof.

Von 1951 bis 1983 stand er gemeinsam mit Gesangspartnerin Waltraut Schulz und seiner Instrumentalgruppe in etwa 10.000 Veranstaltungen auf der Bühne, ab 1980 auch mit Tochter Karin Roth. Als seine wichtigste und schönste Aufgabe betrachtete er laut eigener Aussage in diversen Interviews die musikalische Betreuung der Urlauber in den Ferienorten des Thüringer Waldes. In den Herbst- und Wintermonaten ging die Gruppe meistens auf Tournee durch zahlreiche Bezirke der DDR. Herbert Roth war mit seiner Instrumentalgruppe oft in diversen Rundfunkveranstaltungen präsent und hatte bei Stimme der DDR eine eigene wöchentliche Sendung, in der ausschließlich seine Titel gespielt wurden. Ab 1974 war er Stammgast in der TV-Show Oberhofer Bauernmarkt. Kurz vor seinem frühen Tod produzierte er für Fernsehen („Von der Wartburg bis zur Saale“) und Schallplatte noch einige Gesangstitel gemeinsam mit seiner Frau Edelgard.

Single1955A

Die erste Single aus dem Jahr 1955

Über 300 Kompositionen schrieb Herbert Roth, darunter zahlreiche Lieder wie Kleines Haus am Wald, Auf der Oberhofer Höh’ oder Berge der Heimat. Die meisten Liedtexte stammen von seinem Jugendfreund Karl „Kaschi“ Müller, mit dem Herbert Roth zeitlebens freundschaftlich verbunden war. Als bekanntestes Werk des Thüringers gilt das Rennsteiglied, das er komponierte und sang. Auch zahlreiche Instrumentaltitel wurden produziert. Charakteristisch für den Herbert-Roth-Sound war neben den beiden Akkordeons der solistische Einsatz der Zither, deren natürlicher Klang auf der Bühne und im Studio durch den Einsatz von magnetischen Tonabnehmern und Gitarrenverstärkern zum Teil stark modifiziert wurde. Ebenso typisch für die Musik Herbert Roths ist der konsequente Einsatz eines Kontrabasses statt einer Baßgitarre, welche er ablehnte. Herbert Roth machte auch nie Experimente mit anderen Besetzungen seiner Instrumentalgruppe. Interessant sind zahlreiche Titel aber aus studiotechnischer Sicht, da oft innovative Hall- und Echoeffekte verwendet wurden. Herbert Roth spielte ab Ende der 1950er Jahre als einer der ersten DDR-Künstler ein Akkordeon der westdeutschen Marke Hohner, Modell Atlantic IV Deluxe.

HerbertRothKarlMüller

Herbert Roth & Karl Müller

Herbert Roths musikalisches Schaffen war von Anfang an sehr umstritten. Da er seine Lieder nur in Hochdeutsch schrieb und interpretierte, wurde ihm von Kritikern vorgeworfen, mit am Absterben der Thüringer Mundart beteiligt gewesen zu sein. Insbesondere in den 1950er Jahren betrachteten verschiedene DDR-Musikwissenschaftler, Kulturverantwortliche und Journalisten seine Lieder als „Heimatschnulzen“ im westlichen Stil und es gab sogar Bestrebungen, Roths öffentliche Veranstaltungen verbieten zu lassen. Während dieser Zeit fanden Anti-Roth-Demonstrationen von Musikstudenten und anderen Intellektuellen statt, die auch in den Fokus der Staatssicherheit gerieten. Salonfähig wurden Herbert Roth und seine Musik erst Ende der 1950er Jahre nach einem Konzert vor Walter Ulbricht, der damals äußerte, dass ihm diese Musik gefalle. Unter dem Pseudonym Matthias Wendt komponierte Herbert Roth auch Schlager – so zum Beispiel 1967 Reisen, reisen, in die weite Ferne für den Gerd Michaelis Chor sowie Tanz- und Unterhaltungsmusik für diverse Interpreten.

HerbertRoth03

Herbert Roth war mit Edelgard Roth verheiratet. 1996 wurde zu Ehren von Herbert Roth auf dem Rennsteig, 800 Meter südlich der Schmücke an der L 2632, ein Gedenkstein (50° 38′ 47,1″ N, 10° 46′ 23″ O) gesetzt, der von seiner 1951 geborenen Tochter Karin enthüllt wurde. In Suhl wurden eine Straße und ein Rundwanderweg nach ihm benannt.

Herbert Roth starb mit nur 56 Jahren an Krebs. Seine Ruhestätte befindet sich auf dem städtischen Friedhof in Suhl.

Eine ständige Herbert-Roth-Ausstellung befindet sich im Ort Vesser bei Suhl. Seine Tochter Karin ist ebenfalls Volksmusikerin. (wikipedia)

Volksmusik

Und wäre er nicht so populär gewesen, hätte es wohl auch nicht dieses Album gegeben – Ein Sampler, ein Querschnitt mit seinen erfolgreichsten Liedern.

Nun denn, wir hören hier eher schlichte und eindimensionale Lieder … in der mit arg einfachen Worten die Schönheit von Thüringen und deren „Berge“ (sind für mich als Bajuwaren natürlich eher Hügel) besungen und beschworen werden.

Und dennoch: in mir ist das Interesse gewachsen, welche Menschen Herbert Roth, seine Frau  Waltraut Schulz und der Textdichter Karl Müller wohl waren … Eine interessante Annäherung kann man auf yotube sehen („Herbert Roth – Eine ostdeutsche Legende“, 1 1/2 Stunden !)

Und vermutlich nicht minder interessant: Welcher Persönlichkeitsstruktur bedarf es, um eine solche Musik, die nichts anderes im Sinn hat, als verkitschte „heile Welt“ Empfindungen zu wecken … Vermutlich krieg ich auf diese Fragen wohl nie eine Antwort.

BackCover1

Besetzung:
Herbert Roth (vocals, accordeon)
Waltraut Schulz (vocals, accordeon)
+
Ensemble

HerbertRoth02

Waltraut Schulz & Herbert Roth

Titel:
01. Über Stockund Stein (1974) (Roth) 2.33
02. Rennsteig-Lied (1963; neu produziert 1970)  (Roth/Müller) 3.06
03. Kleines Haus am Wald (1963; neu produziert 1970) (Roth/Müller) 3.35
04. Am Bergsee (1970) (Roth) 2.03
05. Im Thüringer Land (1974) (Roth) 1.56
06. Der alte Schmückewirt (1974) (Roth/Müller) 2.13
07. Ins Grüne hinaus (1970) (Roth) 2.08
08. 
Picknick am Rennsteig (1967) 3.08
09. Am schönen Saalestrand (1967) (Roth/Müller) 2.30
10. Probier´s mal mi
t Jodeln (1967) (Roth) 2.48
11. 
Auf Bergeshöhn (1967) (Roth) 2.29
12. So klingt´s in den Bergen (1967) (Roth/Müller) 3.06
13. Auf 
Wiederseh’n in grünen Bergen (1963; neu produziert 1970) (Roth) 2.06
14. 
In Windeseile (1974) (Roth) 2.06

LabelB1

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Blinde Musiker München – Des san mia (2010)

FrontCover1Die Blinden Musiker von München sind einfach ne Wucht … oder auf boarisch: sauguad !

Blinde Musiker München ist ein deutsches Musikensemble. Als Blaskapelle, Jazzband, Blockflötengruppe und Chor ist es das einzige professionelle Orchester Deutschlands, das aus blinden Mitgliedern besteht. Musikalischer Leiter ist der hauptberufliche Gautinger Lehrer Franz Ludwig Schachtner.

Die Gruppe ging aus einem Berufsausbildungsprojekt für junge blinde Menschen hervor, das 1991 vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) initiiert wurde. Ab 1995 firmierten die Blinden Musiker München als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Das Repertoire umfasst mehr als 300 Stücke. Die Ensemblemitglieder studieren ihre Stücke nicht mit Hilfe von Blindennotenschrift ein. Sie erlernen diese durch das Vorspiel seitens ihrer Musiklehrer.

Die Gruppe absolviert inzwischen bis zu 350 Auftritte deutschlandweit im Jahr[6], traditionell auch beim Neujahrsempfang des Bayerischen Ministerpräsidenten. Der Filmemacher Jens-Tibor Homm realisierte 2013 ein knapp dreißigminütiges Filmporträt über das Ensemble, das auch im deutschen Privatfernsehen (Kabel Eins) gezeigt wurde.

Oliver Möckel, Pianist und Trompeter im Orchester von 1997 bis 2002, gründete 2003 in Frankfurt am Main die Selbsthilfegruppe Blinde Musiker Frankfurt/Main. (Quelle: wikipedia)

BlindeMusikerMünchenOder aber auch:

Die Blinden Musiker München sind das einzige Profiorchester in Deutschland mit blinden Musikern. Anders als normale Musiker hören sie die Musik, lernen zahlreiche Musikstücke auswendig, können Tonarten erkennen und Tonstücke in andere übertragen. Sie proben fast täglich, touren durch Deutschland und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Der Film begleitet die Musiker und zeigt sie in ihrem Probenraum und bei Konzerten. Der alljährliche Auftritt beim Konzert der Stiftung „’s Münchner Herz“ im Prinzregententheater ist einer der Höhepunkte des Konzertjahres für die Blinden Musiker München. (kabeleins.de)

Wie funktioniert das überhaupt, fragt man sich unweigerlich. Wie übt man »Oh when the Saints«, den »Bozner Bergsteiger-Marsch« oder Melchior Francks »Spielmusik« ein, wenn man weder Noten noch die Gesten des Dirigenten sehen kann? Die Antwort liegt auf der Hand: Wer nicht sehen kann, muss hören – und das können Blinde durchaus besser als Sehende. (clarino.de)

Hier ihre 4. CD und zum ersten Mal rein Bayerisch „a bisserl lustig und tanzbar“ (Pressetext).

Dass den Musikern bei diesen Aufnahmen der Schalk im Genick saß kann man schon beim 1. Titel hören: „Hansl-Gstanzl“, fast schon in der Manier der „Biesmösl Blosn“ wird hier die Tradition des Gstanzl aufgegriffen.

Und dann folgen mit viel Augenzwinkern diverse bayerische Volksweisen, lupenrein und mit viel Humor eingespielt. Von daher ein rundum vergnügliches Angebot !

Inlay03ABesetzung:
Marco Eller (trumpet, vocals)
Theo Kalaitzidis (horn, flute, vocals)
Assin Khan (euphonium, vocals)
Lourdes de Melo (drums, flute, vocals)
Jörg Schiener (horn, flute, vocals
Astrid Schweitzer (trumpet, flute, vocals)
Marko Simonowski (trumpet, flute, vocals)

Inlay02ATitel:
01. Hansl-Gstanzl (Traditional/Gruber) 3.11
02. Auf’s Tanzn bin i ganga (Traditional) 1.18
03. Musikanten spiel’n heut auf (Lener) 2.03
04. Laternen Landler (Sirowy) 2.12
05. Rosenheimer Hochzeitsmarsch (Traditional) 2.30
06. Auf der Vogelwiese (Poncar) 3.24
07. S‘ letzte Blattl (Dingler/Kraus) 1.02
08. Schützenliesel Polka (Bern) 2.23
09. Zwiefacher (Traditional)2.52
10. Des san mia (Gruber) 2.30
11. Auf der Gampenalm (Stern) 3.32
12. Festmarsch Nr. 10 (Traditional) 3.18
13. Haberstrohwalzer (Traditional) 2.43
14. Amtsgericht Polka (Rosenberger) 2.27
15. Speisezettel (Zöllner) 2.21
16. Landler von den Grassl Musikanten (Traditional) 2.21
17. Anni Walzer (Traditional) 2.38
18. A ganze Weil (Karl) 1.54

CD1

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Verschiedene Interpreten – Otis Schlachthof – Das Beste aus Otis Schlachthof (1997)

FrontCover1Ich vermute mal „Otis Schlachthof“ war über die bayerischen Landesgrenzen hinaus, bekannt. Wenn nicht, hier ein paar Hintergrundinformationen:

Ottis Schlachthof war eine Kabarett-Reihe des Bayerischen Rundfunks. Moderator der Sendung und Namensgeber war Ottfried Fischer. Die Sendung wurde von 1995 bis 2012 im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

Gastgeber Fischer lud sowohl etablierte Kabarett-Kollegen als auch Nachwuchskünstler und neu entdeckte Talente ein. Die Gäste boten kurze Auftritte auf der Bühne, bevor sie am Stammtisch über aktuelle, zuvor festgelegte Themen diskutierten. Oft gaben Musiker aus der Kleinkunstszene Einlagen.

Zehnmal im Jahr, jeweils (in der Regel) am letzten Freitag im Monat, begrüßte Ottfried Fischer seine „Stammtischbrüder und -schwestern“. Die Sendungen wurden am Abend aufgezeichnet und um 22:30 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Seit 1995 wurden über 170 Sendungen mit je 60 Minuten Länge produziert. Von Mai 2012 bis zur letzten Sendung am 23. November 2012 war der Kabarettist Michael Altinger als fester Stammgast und Gesprächspartner in jeder Sendung dabei.

Die Sendungen wurden im Wirtshaus im Schlachthof in München aufgezeichnet. Hier war 1986 auch die Fernsehserie Zur Freiheit von Franz Xaver Bogner gedreht worden; inzwischen ist die Gaststätte ein beliebter Kulturtreffpunkt.

Fischer01
Unter anderem waren auch Helge Schneider, Harald Schmidt und Hagen Rether Gäste in Fischers Sendung.

Ende Juli 2012 kündigte Ottfried Fischer die Einstellung der Sendung zum Ende des Jahres 2012 aufgrund seiner fortschreitenden Parkinsonerkrankung an. Die letzte Sendung wurde am 23. November 2012 ausgestrahlt. Seit März 2013 wird vom Bayerischen Rundfunk eine Nachfolgesendung mit dem Namen schlachthof produziert.

Seit dem 15. November 2014 moderiert Fischer Ottis Aquarium, eine neue, 30-minütige Kabarettsendung im Pay-TV-Sender Heimatkanal, die ebenfalls im Wirtshaus im Schlachthof aufgezeichnet wird. (Quelle: wikipedia)

Hundsbuam Miserablige

Hundsbuam Miserablige

Und immer, wenn ich mit Ottfried Fischer beschäftige, werde ich ein wenig wehmütig, denn: Ich habe ihn bereits erlebt, als er noch völlig unbekannt war, das war so ca. 1978, wo er in einem der damaligen Kleinkunst-Bühnen Münchens brillitantes Kabarett bot und dann, ein wenig später in der mittlerweile zur Kultserie mutierten Serie „Irgendwo und sowieso“, einer der Hauptakteuere dieser definitiven 68er Jahre in Bayern-Serie agierte. Aber das ist alles lange her …

Später war er dann als „Bulle von Tölz“ bundesweit bekannt … er wurde immer seichter, dann kamen noch Sexskandale dazu und dann, na ja … und das wünscht man keinem … jene Parkinson-Erkrankung, die seine weitere Schaffenskraft zum erlahmen brachte …

Ach, über die Entwicklung des Ottfried Fischers gäbe es noch viel zu berichten, aber dafür werd´ich mir mal später ein wenig mehr Zeit nehmen.

Peter Horton + Slava Kantscheff

Peter Horton + Slava Kantscheff

Wenden wir uns daher nun dieser seltenen Scheibe zu, die vom Bayerischen Runfunk in seinem Shop veröffentlicht wurde. Anders als der Titel der CD vermuten lässt, handelt es sich bei dem überwiegendem Teil der Titel um Studioaufnahmen der jeweiligen Künstler von ihren damaligen Alben, die sie aber wohl mal in der Sendung von Fischer präsentiert haben.

Eigentlich schade, denn Liveaufnahmen haben mir für mich schon einen ganz speziellen Reiz.

ZitherManä

Zither Manä

Dennoch erhält man hier einen ganz hervorragenden Überblick, über die damalige bayerische Musikszene, die sich als Alternative zur traditonellen Volksmusik verstand (und man sieht: es gab halt nicht nur die Biermösl Blosn !).

Und so kann man etliche jener schrägen Vögel hören, die damals landauf landab auf den Kleinstbühnen des Freistaates ihr Unwesen trieben.

Und die nennen sich dann z.B. Hundsbuam Miserablige, Bairisch Diatonischer Jodel-Wahnsinn, Bluatschink oder auch Gerhard Egger & Die Mostrocker.

Mit Peter Horton und der Jazz Gitti waren auch österreichische Musiker mit am Start und bis heute mag ich die Zydeco Klänge des Ludwig Seuss (der sich ansonsten bei der Spider Murphy Gang als keyboarder betätigt) und die bluesigen Hackbrettklänge des Zither Manä.

Hier also wieder mal ein Angebot das „andere Bayern“ mit seinen vielfältigen, zuweilen auch arg schrägen musikalischen Angeboten zu entdecken.

Und aufgrund meiner Herkunft als „original Münchner Kindl“ wird das hier ganz sicher nicht das letzten Angebot dieser Art bleiben.

Also: hinein in das Vergnügen !

Und natürlich ist der kabarettistische Beitrag eines Christian Udes „Michael Jackson im Rathaus“ ein ganz besonders Schmankerl … Wer´s nicht mehr weiss: Christian Ude war lange, lange Zeit Oberbürgermeister von München und betätigte sich auch in dieser Zeit als Freizeitkabarettist und mir sind so etliche Abende mit ihm in gar köstlicher Erinnerung.

Booklet1
Titel:

01. Ottfried Fischer: Im Wartezimmer (Fischer) 0.56
02. Hundsbuam Miserablige: Holzhakka Pogo  (Traditional) 2.56
03. Bairisch Diatonischer Jodel-Wahnsinn: Vater unser (Brustmann) 4.47
04. Bluatschink: Funka Fliaga (Knittel/Kaufmann/Peter/Penzias) 3.56
05. Ludwig Seuss: Zydeco Boogie (Seuss) 2.58
06. Zither Manä: Hasenmord (Zick) 3.22
07. Broadlahn: Telegraphenpostamt (Huber/Manus) 2.02
08. Unterbiberger Hofmusik: Maxglaner Polka (Traditional) 4.42
09. Knister Sister: Time After Time (Hahn-Stadler) 4.20
10. Zauberberg: Short People (Newman) 3.42
11. Peter Horton & Slava Kantscheff: Concerto Korsakoff (Horton) 3.56
12. Gerhard Egger & Die Mostrocker: Für nix und wieder nix (Egger) 3.26
13. Jazz Gitti & Her Disco Killers: Der Bastler (Danzer) 3.25
14. Sepp Raith: Mertlmischer Ferdl (Riepl/Raith) 3.56
15. Krauthobel: Sayonara Tante Klara (Krauthobel) 3.25
16. Rudi Zapf (Zapf’nstreich): Zapf’nstreich 2000 (Zapf) 2.38
17. Barcarole: Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen (Brühne) 3.06
18. Christian Ude: Michael Jackson im Rathaus (Ude) 2.55

CD1

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BookletBackCover1

Diese Vermarktungs-Angebote gehen mir bis heute ganz schön auf den Keks

Verschiedene Interpreten – Das goldene Hackbrett-Album (1974)

FrontCover1Und jetzt wenden wir uns mal einem Instrument zu, das wohl wie kein zweites Instrument für alpenländische Musik steht … und jetzt folgt erstmal ne Prise geballtes Wissen über dieses Instrument:

Das Hackbrett ist ein Typ einer Kastenzither, deren Saiten mit Klöppeln angeschlagen werden. Die Klöppel oder Schlägel bestehen aus Holz und können mit Leder oder Filz überzogen sein. Hackbretter sind Saiteninstrumente, die nach der Art der Tonerzeugung auch zu den Schlaginstrumenten gezählt werden. Zwischen Nordamerika, West- und Osteuropa, dem Mittleren und dem Fernen Osten sind regional unterschiedliche Formen von Hackbrettern verbreitet. Unter der deutschen Bezeichnung „Hackbrett“ werden im engeren Sinn Formvarianten verstanden, die in der alpenländischen Volksmusik beheimatet sind.

Das Instrument kann Trapez-, Halbtrapez-, Rechteck- oder Flügelform aufweisen. Moderne Instrumente haben die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Darüber laufen meist über zwei Stege Metall-Saiten. Pro Ton sind in der Regel zwei, drei oder mehr Saiten gruppiert, das Hackbrett ist also zwei-, drei-, vier- oder fünfchörig. Die Saiten werden mit Stimmwirbeln gestimmt. Bauart und Auswahl der Schlägel haben eine wesentliche Auswirkung auf die Klangfarbe. Zur Erzielung besonderer Effekte kann man die Saiten auch mit den Fingern zupfen (Pizzicato).

Hackbrett01

Engelsdarstellung mit Hackbrett im Kloster Himmelkron

Das Hackbrett könnte aus dem Byzantinischen Reich nach Europa gekommen sein, vor der Mitte des 15. Jahrhunderts gibt es jedoch kaum Hinweise auf seine Existenz. Die älteste bekannte Abbildung, die sich zuverlässig als Hackbrett identifizieren lässt, ist ein Medaillon auf dem Elfenbeindeckel des byzantinischen Melisende-Psalters, der um 1140 datiert wird. Darauf ist König David zu sehen, der mit zwei Stöckchen ein trapezförmiges Saiteninstrument schlägt. Ein direkter organologischer Bezug zu den erst 300 Jahre später, Anfang des 15. Jahrhunderts, in Mitteleuropa auftauchenden, rechteckigen Hackbrettern ist zweifelhaft. Als eher wahrscheinlich gilt eine eigenständige europäische Entwicklung dieses Typs mit dieser Spielweise.

Hackbrett02

Hackbrett nach Virdung 1511

Paul M. Gifford (2001) meint, Voraussetzung für die Schlagtechnik bei Saiten sei ein gezogener Stahldraht, den es erst seit dem 14. Jahrhundert gebe. Geschmiedeter Draht sei für Musikinstrumente ungeeignet, und Darmsaiten ergäben gezupft einen besseren Klang. Ein Einfluss aus dem Nahen Osten liegt allerdings für einen der Vorläufer des Hackbretts nahe, das Psalterium. Gifford datiert das Psalterium seit dem 11. Jahrhundert, es wurde aus den genannten Klanggründen eher gezupft als geschlagen.

Die Version, die sich in Frankreich aus dem Psalterium entwickelte, wurde auf Französisch doulcemèr genannt, dieser Name stammt vermutlich vom lateinischen dulce melos, „süßes Lied“ oder „lieblicher Klang“. Im englischen Sprachraum heißt das Hackbrett heute noch dulcimer. Anscheinend wurde die deutsche Bauform jedoch populärer als die französische. Zweifelsfrei belegt ist das Hackbrett seit 1370 in einer Reihe mitteleuropäischer Darstellungen als langgestrecktes Bassinstrument, das zunächst mit nur einer, später mit bis zu drei Saiten bezogen ist. Der Korpus des Instruments wurde beim Spielen an der Schulter angelehnt. Dieses mitteleuropäische (deutsche) Hackbrett hat sich aus der string drum, dem tambourin à cordes oder Saitentamburin entwickelt, einem mit einem Stock geschlagenen Instrument, oft nur mit einer Saite, das auch heute noch in der Provence von Musikanten gespielt wird, die gleichzeitig dieses Instrument und eine Einhandflöte (galoubet) spielen. Daraus entstand das heute überwiegend gespielte Hackbrett.

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Um 1450 werden die Bezeichnungen Dulce Melos (lateinische Traktate), Doulcemer und Hackbrett (1447 in einem Zürcher Ratsbuch) verwendet. Ein Kupferstich von 1470 zeigt ein weiterentwickeltes Instrument, gespielt von einer Dame höheren Standes. Es ist mit vier Saiten über zwei Teilungsstegen ausgestattet und somit auf eineinhalb Oktaven (diatonische Stimmung) erweitert. „Dulce Melos“ ist die Bezeichnung des Hackbretts in der lateinischen Gelehrtensprache des 15. Jahrhunderts. Sie findet sich zuerst in einer unbetitelten Handschrift des Arztes und Astronomen Heinrich-Arnold von Zwolle, verfasst um 1440 in Dijon. Behandelt sind darin Harfe, Orgel, Cembalo und Clavichord. Das außerdem erwähnte Dulce Melos sei ein Saiteninstrument, das mit einem Stab geschlagen werde („cum baculum fit contactus cordarum“). Die gleiche Bezeichnung kommt auch im „Tractatus de musica“ (verfasst ca. 1460) des Paulus Paulirinus de Praga vor. Danach war das Dulce Melos ein rechteckiges Instrument mit einer Schallöffnung, über dessen Resonanzboden Metallsaiten gespannt waren. Wenn diese mit einem Stäbchen (ligniculo) oder einem Plektrum (penna)angeschlagen würden, ergäben sich die süßesten Töne und Klänge.

Hackbrett05

Ein Altarblatt des holländischen Malers Oostzanen bezeugt bereits 1512 die wechselweise Saitenführung über einen Teilungssteg und durch dessen Öffnungen hindurch. Auch das oben gezeigte Bild von Virdung (1511) lässt diese Saitenführung erahnen.

Unter der Bezeichnung Dulcimer ist das Hackbrett 1470 in England nachweisbar, die amerikanische Variante hammered dulcimer ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts bekannt. Sie unterscheidet sich vom Appalachian dulcimer, einer schlanken, amerikanischen Bordunzither. Das iranische Hackbrett Santur wurde im 17. Jahrhundert erstmals dargestellt, sein Name ist jedoch älter. In den 1950er-Jahren fand der Santur Eingang in die nordindische klassische Musik. Das thailändische Hackbrett heißt Khim. Ab dem 18. Jahrhundert gelangten mit Schlägeln geschlagene Kastenzithern wahrscheinlich von Europa nach China (Yang-Qin). Eine andere Theorie besagt, dass die iranische Variante des Hackbretts (Santur) den Landweg über Zentralasien eingeschlagen habe. Dem steht jedoch entgegen, dass die Wirbel des Yang-Qin wie beim europäischen Hackbrett auf der abgeschrägten Deckplatte angebracht, beim iranischen wie beim irakischen Santur jedoch an der Flanke angebracht sind. Von China aus verbreitete es sich weiter nach Korea (Yanggum), Japan (Sangen Dakin), Vietnam und Kambodscha (Khîm).

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Das osteuropäische Cymbal ist erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts in Ungarn belegt. Es wird seit 1637 auch von jüdischen Wandermusikanten genutzt, die in Prag die böhmische Cymbaltradition anstoßen. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts bringen Wandermusikanten unterschiedlicher Provenienz das Instrument als Bandura in die Ukraine und nach Weißrussland. Die Entwicklung des zu seiner Zeit legendären pantalonischen Cymbals 1697 von Pantaleon Hebenstreit fußt auf böhmischer Tradition. Es war etwa viermal so groß wie das normale Hackbrett, hatte einen doppelten Resonanzboden und verwendete sowohl Metall- als auch Darmsaiten.

1717 fasste das englische Dulcimer an der Küste Nordamerikas Fuß, gleichzeitig wird es in China als Yangqin (yang ch’in, fremde Zither) adaptiert. Währenddessen fand das Hackbrett in der Gestalt des Salterio (salterio tedesco, wörtlich deutsches Psalterium), Eingang in die italienische und spanische Barockmusik. Nach zögerlichen Anfängen kam das Hackbrett im Verlauf des 18. Jahrhunderts in einigen Regionen Österreichs (Kärnten, Salzkammergut, Osttirol und Steiermark) sehr in Mode.

Hackbrett03

Ein E-Hackbrett

1874 erfand Venczel József Schunda in Budapest das in kürzester Zeit sehr erfolgreiche Pedalcymbalon, kurz Zymbal genannt, in chromatischer Stimmung und einem Saitenaufbau ähnlich dem Salzburger Hackbrett, jedoch teilweise noch diatonisch. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelten der Salzburger Tobi Reiser und der Instrumentenbauer Heinrich Bandzauner ein vollchromatisches Hackbrett ohne Teilungsstege, das zu den 6-plus-6-Instrumenten zählt. (wikipedia)

Booklet1

Und nach dieser prallen Ladung an Hintergrundwissen nun eine pralle Ladung Hackbrettmusik.

Auf dieser Doppel-LP hören wir sage und schreibe 24 Musiktitel, bei denen das Hackbrett im Mittelpunkt seht und kein Gesang stört den Klang dieses Instruments. Und so können wir diesen wirklich interessanten und beeindruckenden Klang in Reinkultur hören … meist begleitet von dezenter Begleitmusik.

Und so manches komt z.B. ziemlich pfiffig daher, wie z.B der „Kuhstall-Boarischer“.

BackCover1

Titel:

Ebersberger Volksmusik:
01. Hackbrett-Boarischer (Krammer) 2.21

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
02. Im goldenen Tal (Kulzer/Linner) 2.12

Ebersberger Volksmusik:
03. D’Rumpelies (Krammer) 3.07

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
04. Landerusch (Kulzer/Linner) 2.20

Ebersberger Volksmusik:
05. Barbara-Tanzerl (Krammer) 2.18
06. Hackbrett-Stück’l (Krammer) 1.35

Die Geisskopf Musikanten:
07. Bayerischer Zwiefacher (Traditional) 3.27

Ebersberger Volksmusik:
08. Da Sensauer (Krammer) 2.42
09. Lieserl-Walzer (Krammer) 2.30

Leitzachtaler Musikanten und Irmi Huber:
10. Der Schneidige (Kulzer) 2.51

Ebersberger Volksmusik:
11. A‘ Landerischer (Krammer) 2.36
12. Schoßgeigen-Menuett (Krammer) 1.37
13. Zither-Polka (Krammer) 1.40
14. Ebrachtaler-Walzer (Krammer) 2.29

Die Geisskopf Musikanten:
15. Geißkopf-Ländler (Kraus) 1.59

Ebersberger Volksmusik:
16. In der Gunk’l-Stub’n (Krammer) 2.56

Nahringer Hackbrettmusik:
17. Kuhstall-Boarischer (Kulzer) 3.08

Ebersberger Volksmusik:
18. A‘ stade Weis‘ (Krammer) 1.56

Leitzachtaler Musikanten und Irmi Huber:
19. Tanzboden (Kulzer) 2.38

Ebersberger Volksmusik:
20. Der Tegernauer (Krammer) 2.30
21. Schoßgeigen-Polka (Krammer) 1.47
22. Der Schneider-Boarischer (Krammer) 2.06

Leitzachtaler Hackbrettmusik:
23. Stammtisch-Polka (Sonnauer/Franzten) 2.14

Ebersberger Volksmusik:
24. A‘ bnoarisch Tanzerl (Krammer) 1.58

LabelD1

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Hüllentext