Joseph von Westphalen – Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt (Begleitbuch, 1999)

frontcover1Und nun zum bereits angekündigtem Begleitbuch zu der famosen Edition des Jospeph von Westphalen „Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt“.

Aus dem Vorwort:

„Dieses Begleitbuch gibt nähere Auskunft über die Musik,  die auf den 3 CDs zu hören ist und die im Leben des Jarry von Duckwitz eine wichtige Rolle spielt.

Der Autor erklärt auf den folgenden 192 Seiten lang und breit, esklusiv und definitiv, enthuaisimiert und autorisiert, warum sein Romanheld Harry von Duckwitz sich häufig mit Jazz übers Wasser hält und wie er gewisse Jazzstücke in seinem Liebesleben einzusetzen versucht“

Nun denn, man kommt ja auch dem Staunen nicht raus, blättert man sich durch diese Ausgabe ob der Detailfülle und ob des nun wirklich vertieften Wissens des Autors.

Da fragt man sich unwillkürlich, wann der Autor überhaupt noch Zeit gehabt hat, sich der holden Weiblichkeit zu nähern …

Sei´s drum … eine prachvolle Ergänzung zu dieder Edition.

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Der Herr der Platten …

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Aha, so ist das also …

 

Verschiedene Interpreten – Joseph von Westphalen – Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt (Teil 3) (1999)

frontcover1Und nun Teil drei dieser famosen Edition und das Klassik & Jazz Magazin „Rondo“ fand damals (im Gegenteil zur „Zeit“) – also 1999 – durchaus lobende Worte:

Jazzquerschnitte gibt es viele, sowohl hochgelehrte Anthologien als auch sinnentleerte Billigsammelalben. Ein ebenso amüsantes wie originelles Kompendium wie dieser erste Roman-Soundtrack der Literaturgeschichte war aber noch nie zu haben. Und nur selten hat ein Autor so viel Herzblut in ein CD-Begleitbuch gesteckt.
Da dokumentiert der Münchner Schriftsteller Joseph von Westphalen den musikalischen Kosmos seines Romanhelden Harry von Duckwitz mit Meisterwerken des Jazz – vom New Orleans Jazz bis zum frühen Bebop – und kommentiert jede einzelne davon in einem fast zweihundertseitigen, reich illustrierten Buch mit (teils noch unveröffentlichten) Romanpassagen.

Obwohl es sich dabei „nur“ um die Musik handelt, die Duckwitz im Verlauf der Romantrilogie hört, ist das Werk zugleich ein Überblick über die Jazzgeschichte von 1923 bis 1949, zusammengestellt (nach dem erlesenen Geschmack des liebessüchtigen Ex-Diplomaten Duckwitz) unter dem Gesichtspunkt der erotischen Verwendbarkeit.
Da sich Duckwitzens Geschmack chronologisch entwickelt, hat die Zusammenstellung bei aller Verspieltheit einen gewissen Lehrwert – und dies sogar für ausgebuffte Jazz-Fans!

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Kay Starr

Denn Westphalen bietet uns nicht nur Evergreens von Armstrong und Ellington, sondern wartet mit Nevergreens längst vergessener Blues- und Jazzgrößen wie Richard M. Jones, Julia Lee, James Kok oder Trixie Smith auf, die es zu entdecken lohnt.

Man muss weder ein Don Juan noch ein Jazz- oder Literatur-Kenner sein (und auch nicht wie ich eine unmaßgebliche Aufnahme beigesteuert haben), um von diesem Jazz-Erotikon angetan zu sein, denn Westphalen ist besessen von der Vorstellung, dass die Kompilation selbst Jazz-Hasser und Liebhaber der neuen Töne, „die den alten Jazz für pures Geschrammel halten“, erreichen muss. Es scheint, die Quadratur des Kreises dürfte ihm mit dieser preisgünstigen Box gelungen zu sein. Auch wer sie sich nur kauft, um Frauen zu verführen, wird wohl bald selbst verführt werden – zum Jazz. (Marcus A. Woelfle, 30.04.1999)

Und damit ist die musikalische Reise durch die erotischen Melodien des Ex-Diplomaten duckwitz (alias Joseph von Westphalen) beendet.

Was noch fehlt, ist das Begleitbuch (173 Seiten !) und das kommt noch vor Weihnachten auf den Gabentisch !

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Duke Ellington und ein ganzer Schwarm von Verehrerinnen

Titel:
01. Hot Lips Page: My Gal Is Gone (1944) (Page) 3.14
02. Teddy Grace: Love Me Or Leave Me (1938) (Donaldson/Kahn) 3.07
03. Count Basie:  Love Me Or Leave Me (1939) (Donaldson/Kahn) 2.32
04. Dinah Washington: Evil Gal Blues (1943) (Feather) 2.54
05. Gene Krupa:  Stompin‘ At The Savoy (1945) (Sampson/Goodman) 3.06
06. T-Bone Walker: I Wish You Were Mine (1947) (Williams) 2.54
07. Coleman Hawkins: The Man I Love (1943) (Gershwin) 5.08
08. Billie Holiday:  Travelin‘ All Alone (1937) (Johnson) 2.15
09. Hot Lips Page: Evil Man’s Blues (1940) (Feather) 3.27
10. Django Reinhardt: Sweet Sue (1940) (Young/Harris) 2.51
11. Slim & Slam: Dark Eyes (1938) (Traditional) 1.35
12. Charlie Ventura: Dark Eyes (1945) (Traditional) 2.59
13. Nat King Cole:  You Call It Madness, But I Call It Love (Mitte 40er Jahre – Radio-Mitschnitt) (Columbo/Conrad)  2.50
14. Don Byas: You Call It Madness, But I Call It Love (1945) (Columbo/Conrad) 2.54
15. Kay Starr: Stormy Weather (1945) (Koehler/Arlen) 3.15
16. Willie Smith: Tea For Two (1946) (Youmans/Caesar) 2.44
17. Lester Young: Tea For Two (1947) (Youmans/Caesar) 3.08
18. Rubberlegs Williams:  Empty Bed Blues (1945) (Pettiford) 2.33
19. Billie Holiday: I Love My Man (1944) (Holiday) 3.06
20. James P. Johnson: Victory Stride (1944) (Johnson) 4.02
21. Muddy Waters: You’re Gonna Miss Me (1949) (Morganfield) 2.38
22. Hot Lips Page: Rockin‘ At Ryans (1944) (Page) 2.50
23. Dizzy Gillespie: Be-Bop (1945) (Gillespie) 3.10
24. Victoria Spivey: Telephoning The Blues (1929) (Spivey) 3.10
25. Ben Webster: ‚Nuff Said (1944) (Best) 3.03

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Verschiedene Interpreten – Joseph von Westphalen – Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt (Teil 2) (1999)

frontcover1Hier nun Teil 2 dieser köstlich-skurillen Edition des Schriftstellers Joseph von Westphalen.

So gar nicht lustig fand jedoch Ulrich Stock diese Edition. Er schreibt u.a. in „Der Zeit“ (16. 09.1999) folgendes:

„Die erotischen Jazz-Tipps des Joseph von Westphalen

Kaufen Sie diese Mischung aus Buch und CD nicht! Ich schreibe das gleich vorweg, weil nicht jeder Leser bis zum Ende liest und schon die Erwähnung des Titels durch den Rezensenten vielleicht bei dem einen oder anderen – der’s nötig hat – einen Kaufreflex auslöst: „Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt.“ Klingt ja auch zu gut!

Wer das 13 mal 13,5 mal 2 Zentimeter messende Werkstück aus 190 Seiten Text und 4 CDs im Laden zögernd wendet, dem wird von einer aufgedruckten Werbung die aphrodisierende Wirkung nachgerade garantiert: „Käufer! Hast Du im Ernst geglaubt, man könne mit Jazz-Stücken Frauen erobern? Man kann! Dies ist also keine Mogelpackung.“ Und dann sieht der Lüsterne den Preis: 69 Mark. 69?!

Alles Unsinn. Für viel Geld bekommt man zwar ein dickes CD-Booklet (eng bedruckt, mit vielen kursiven Passagen und nahezu wissenschaftlichen, ganz unsinnlichen Querverweisen auf andere Textstellen und weitere Musikstücke, in Klammern gesetzt, die den Textfluss stören) und viereinhalb Stunden Schall, doch lässt beides Frische vermissen. Die Musik ist vornehmlich Blues aus den zwanziger und dreißiger Jahren, so alt, dass für sie keine Tantiemen mehr fällig sind. Den Herausgeber hat sie nichts gekostet außer der Mühe, sie zusammenzustellen. Dafür sind 69 Mark ein unverschämter Preis.

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James Kok Tanzorchester im Grammophon-Aufnahmestudio, Berlin 1935

Wer sich vom Text neue Erkenntnisse erhofft, wie man als reiferer Mann an junges Gemüse herankommt vermittels eines Dosenöffners namens Jazz, der wird schwer enttäuscht. Denn die 190 Seiten sind zu einem großen Teil bereits veröffentlichte oder aus guten Gründen verworfene Textstellen einer Romantrilogie. Der Münchner Joseph von Westphalen schrieb 1991 Im diplomatischen Dienst, 1993 Das schöne Leben und 1996 Die bösen Frauen. Alle Bücher schildern das Treiben des polygamen Weltenbummlers Harry von Duckwitz, der – je mehr man liest – seinem Autor ähnlicher sieht. Auf Seite 52 des CD-Booklets von 1999 dann das Geständnis: „Das meiste, was der Autor zu Papier bringt, ist erlebt.“

Harry Joseph von Westphalen Duckwitz ist einerseits Jazzfanatiker, der seitenlang die Besetzungslisten alter Aufnahmen erörtern kann, und andererseits Verbalerotiker, der ficken vorwärts schreibt und rückwärts nekkif, „also etwa nekkif, nekkif, nekkif, nekkif, nekkif, ja, nekkif gut!“

„Sinep neschtul!“ Das wünscht sich Duckwitz von einer Frau, die er mit Musik beglückt. Alles klar?

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An American in Berlin (1948)

Fast tausend Seiten umfassen die drei Romane, und für diese Buch-CD hat der Autor sie noch mal durchgesampelt, best of sozusagen, dazu ein paar alternative takes. Mag sein, dass das seine Anhänger(innen?) aufs Äußerste entzückt, also, die sollten dann jetzt sofort in die Buchhandlungen und Plattenläden rennen und sich das Zeug holen, bevor es wieder eingestampft wird.

Was mich, als Jazzfreund und Liebhaber, traurig stimmt: Westphalen Duckwitz hat keine Ahnung. Seine gesammelten Lieder, ja, schön, sind rührende Schrammeln wie Black Eyes, Summertime, St. James infirmary, Stompin at the Savoy von Größen wie Billie Holiday, Coleman Hawkins oder Louis Armstrong.

Aber dann kommt es doch einer Erlösung gleich, wenn – als drittletztes Stück – Be Bop von Dizzy Gillespie erklingt. Hey, Leute: Es gibt noch erregende Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg! Westphalen Duckwitz, ausgestattet mit der schnurrbärtigen Kauzigkeit eines Oldtimer-Chauffeurs, glaubt nämlich steif und fest: Nur was alt ist, ist gut. „Miles Davis und John Coltrane, Charles Mingus und Art Blakey, Keith Jarrett, Wynton Marsalis und weitere exquisite Neutöner in Ehren – aber damit läßt sich kaum eine Liebste zum Jazz und schon gar nicht zur Gegenliebe bewegen.“ Art Blakey ein Neutöner? Der Mann starb 1990 als Klassiker. Wynton Marsalis? Der ist erst 37, lehnt aber seit je alles Neue strikt ab!

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Das komplette Begleitbuch gibt´s dann auch demnächst …

Wer mit Jazz die Frauen verführen will, sollte sich für 69 Mark lieber zwei vernünftige CDs kaufen. Zum Beispiel John Scofields A Go Go und Bill Frisells Gone, Just Like A Train. Das ist zu Herzen gehende Musik von heute. Oder Portisheads PNYC, sinnlicher, knisternder TripHop, oder Tarwater Silur, elektronische S(t)imulation aus Berlin. Oder Marc Ribots Los Cubanos Postizos oder – sogar – den Buena Vista Social Club“

Nun gut, der damalige Kaufpreis mag überhöht bzw. dreist gewesen sein … aber ansonsten verkennt Ulrich Stock doch so einiges. Z.B. dass es dem Westphalen eben nicht darum ging, ein Kompendium der Jazzmusik (bei einem solchen hätte natürlich Miles Davis nicht fehlen dürfen !) zu präsentieren, sondern eine augenzwinkernde Edition mit hoffnungslos, ganenlos und großartig  altmodischer Musik.

Und der Schlawiner schmuggelt bei dieser 2. CD so ein paar Schmankerl bei … wie z.B. eine Privataufnahme im Hause Duckwitz, Köln, Juli 1992 oder ein Beitrag einer Schüleraufführung des Puschkin Gymnasiums, Odessa aus dem Jahr 1972.

Ansonsten kann ich nur empfehlen: Hinein in dieses akustische Vergnügen … mit Volldampf voraus ! Vorausgesetzt man geht zum Lachen nicht in den Keller …

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Und schon wieder hat er eine Blondine an der Angel (In diesem Fall Kimberly Hoppe;Redakteurin der Münchner Abendzeitung)

Titel:
01. Julia Lee: Lotus Blossom (1947) (Lee/Turner)) 3.11
02. Chu Berry: Maelstrom (1937) (Berry) 2.51
03. Artie Shaw: The Blues – Part 2 (1937) (Traditional) 2.57
04. Billie Holiday: Summertime (1936) (Gershwin/Heyward) 2.58
05. Duke Ellington: Black And Tan Fantasy (1927) (Ellington/Miley) 3.19
06. Sergej Rachmaninow: Marche Funebre (1930) (Chopin) 2.06
07. Fats Waller: Your Feet’s Too Big (1939) (Benson/Fisher) 3.05
08. Harry James: Jesse (1939) (James/Ammons) 2.43
09. Victoria Spivey: Funny Feathers Blues (1929) (Spivey) 2.57
10. James Kok Tanz Orchester: Jazznocrazy (1935) (Hudson) 2.39
11. Rex Stewart: Linden Blues (1948) (Stewart) 3.33
12. Betty Roché: Trouble, Trouble (1944) (Feather) 3.25
13. Rita Noorani-Kim: Moments Musicaux (1992) (Schubert) 1.49 (*)
14. Trixie Smith: My Man Rocks Me – Part 1 (1938) (Smith/Overstreet) 2.57
15. Johnny Hodges: Krum Elbow Blues (1938) (Ellington/Hodges) 2.35
16. Billie Holiday: Comes Love (1957) (Stept/Brown/Tobias) 4.01
17. Jimmie Noone: Blues (Naughty Sweetie) (1928) (Swanston/McCarron/Morgan) 3.00
18. Louis Armstrong: After You’ve Gone (1929) (Creamer/Layton) 3.24
19. Helen Savage: After You’ve Gone (1929) (Creamer/Layton) 3.05
20. King Oliver: St. James Infirmary (1930) (Primrose) 3.41
21. Schüleraufführung des Puschkin Gymnasiums, Odessa: Agitata Infido Flatu (1972) (Vivaldi) 1.32
22. Coleman Hawkins: Some Of These Days (1935) (Brooks) 2.33
23. Mildred Bailey: Lover Come Back To Me (1938) (Romberg/Hammerstein) 3.16
24. Coleman Hawkins:  Lover Come Back To Me (1943) (Romberg/Hammerstein) 3.04
25. Peggy Lee: September In The Rain (40er Jahre) (Dubin/Warren) 3.09

(*) = Privataufnahme im Hause Duckwitz, Köln, Juli 1992

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Verschiedene Interpreten – Joseph von Westphalen – Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt (Teil 1) (1999)

frontcover1Nein, die Musik hier stammt ganz sicher nicht aus „deutschen Landen“, aber die Idee zu dieser pfiffigen Anthologie stammt aus „deutschen Landen“ und zwar von dem Autor Joseph von Westphalen:

Joseph Graf von Westphalen (* 26. Juni 1945 in Schwandorf) ist ein deutscher Schriftsteller, der vor allem als Satiriker bekannt ist.

Joseph Graf von Westphalens Eltern stammen beide aus alten Adelsfamilien, zur Familie von Westphalen siehe Westphalen (Adelsgeschlecht). Er wuchs in München auf und studierte nach dem Abitur ab 1966 an der dortigen Universität Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. 1978 promovierte er über ein germanistisches Thema zum Doktor der Philosophie. Von 1979 bis 1981 war er für die Verwertungsgesellschaft Wort tätig. Anschließend war er Redakteur bei der Kulturzeitschrift „Westermanns Monatshefte“. Seit 1987 lebt er als freier Schriftsteller in München. Für die Abendzeitung schrieb er nebenbei jahrelang eine Kolumne. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Joseph von Westphalen begann seine schriftstellerische Laufbahn als Journalist mit dem Verfassen von polemischen Glossen, die er selbst als „Entrüstungen“ bezeichnete. Er wurde rasch bekannt als scharfzüngiger Gegner von Zeitgeisterscheinungen aller Art. Seine kritischen Rundumschläge setzte von Westphalen auch in seinen Romanen fort, in denen die Figur des Harry von Duckwitz allerdings auch die andere, hedonistische Seite des Autors verkörpert. – In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre war von Westphalen einer der ersten Autoren, die die Möglichkeiten von Multimedia (CD-ROM „Mein Kosmos“, 1996) und Internet nutzten, um den Lesern quasi einen Einblick in die literarische Werkstatt zu verschaffen.

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Joseph von Westphalen mit Gisela Schneeberger, 2013

Joseph von Westphalen, der seit 1992 dem PEN-Zentrum Deutschland angehört, erhielt 1992 den Ernst-Hoferichter-Preis.

Das 1989 (unter dem Pseudonym David Elphinstone) veröffentlichte Buch „Sinecure“ wurde 2008 nachgedruckt und im Gutshaus Landsdorf (bei Tribsees) in eine Kunst-Installation umgewandelt. (Quelle: wikipedia)

Soweit zur Vita, nun zu diesem Projekt:

Knapp 100 Titel hat Joseph von Westphalen in seinem „Roman-Soundtrack“ (zu den Harry von Duckwitz-Romanen Im diplomatischen Dienst, Das schöne Leben und Die bösen Frauen) in genialer Weise zusammengestellt. Jazzperlen der 20er bis 40er Jahre, die demjenigen Hörer, der Ohren hat zu hören, einen umfassenden Eindruck vermitteln von den elementaren Themen und Stimmungen des Jazz — von bitter und schmerzerfüllt über unverblümt sinnlich-erotisch bis zum hemmungslos wilden Toben. Bekanntes steht neben Wiederentdecktem, ländlich-robustes Schrammeln neben den anspruchsvollen Klängen kunstvoll gestopfter Blasinstrumente.

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Der Spiegel Nr. 39/1999 (27. September 1999)

Westphalen mag keine Trends, er sucht nach dem Authentischen, nach der Substanz in der Musik. Und Achtung: Dies ist keine Kuscheljazz-Sammlung mit Bigband-Brei und Dixie-Seligkeit! Oder wie Westphalen in einem Interview sagt: „Wie gute Rockmusik ist guter Jazz eher hart. Nichts darf süß sein. Schmachtende Nummern müssen bitter sein. In erster Linie war die Jazzmusik zum Toben da (…) (und) zielte auf den Unterleib.“ Die Stichworte zum jeweils (nach Westphalens Interpretation) angemessenen Tanzstil beschränken sich demnach auch nicht auf Tanzschul-Repertoire, sondern kommen direkter zur Sache: Da ist von wirbelnden Knien die Rede, von Bewegungen, die rasch, rau, derb, explosiv und buschtrommelig sind, aber auch von solchen, die eher gleitend, ziehend, raumgreifend, oder „nicht unflott-ölig“ sind. Und — natürlich! — sind auch genügend fein trauernde, weich wiegende, schleppende, depressiv sich windende Stücke dabei für die gepflegte nachmitternächtliche Melancholie.

Jeder, der eine CD-Anlage zu Hause stehen hat und sich für einigermaßen aufgeschlossen und interessiert hält, dem Selbstironie und Sinn für Individualität nicht fremd sind und der seine Beine oder zumindest die Fingerspitzen noch trommelnd auf und ab bewegen kann, sollte diese 4 CDs mit Stolz sein Eigen nennen können. Und alle anderen eigentlich auch. (Kathrin Rüstig)

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Joseph von Westphalen als Charmeur

Die 1999 erstmalig erschienen Ausgabe enthielt 4 CD´s (3 x Jazz, 1 x Westphalen mit Texten aus seinen Romanen), daraus wurden dann bei der 2010 erschienen Wiederveröffentlichung  7 CD´s. Man faßte somit auch die Folgeprojekte dieser Art („Jazz macht Frauen Beine“ und „Mehr Jazz sagten die Frauen“) zusammen. Im Laufe der nächsten Tage folgen dann erstmal die weiteren zwei CD´s der Erstausgabe und dann noch das Begleitbuch (mit 87 Seiten !) Ich bitte um ein wenig Geduld …

Aber jetzt lassen wir erstmal mit „unbekannten, Perlen, fetzigen Raritäten und beschwingten Hits das Blut in Wallungen“ geraten:

Vorder + Rückseite der CD Nr. 1

 

Titel:
01. Louis Armstrong & His Hot Five: West End Blues (Oliver) (1928) 3,16
02. Charles Lavere & His Chicagoans: Ubangi Man (Lavere) (1935) 3.01
03. Clarence Williams & His Bottomland Orchestra: Zulu wail (Skinner/Bibo) (1927) 3.10
04. Tiny Parham & His Musicians: The Head Hunter’s Dream (Parham) (1928) 3.31
05. Valaida Show + Billy Mason & His Orchestra: You Bring Out The Savage In Me (Coslow) (1935) 2.51
06. Barney Bigard & His Jazzpators: Caravan (Ellington/Tizol) 3.03
07. The Lecuona Cuban Boys + Josephine Baker: La conga blicoti (Orefice/de Badet) (1936 2.24
08. Christian Wagner et son orchestre: Pour commencer (Wagner) (1940) 2.55
09. Lee Wiley + Bunny Berigan´s Music: Find Me A Primitive Man (Porter) (1940) 3.14
10. State Street Ramblers: Tiger Moan Cingerana) (1931) 2.42
11. Rita Noorani-Kim: Klavierstück, C-Dur KV 9a (Mozart) Wohnzimmerprivataufnahme) (1985)
12. Wilmoth Houdini + Gerald Clark´s Iere String Band: Sweet Like A Honey Bee (Houdini) (1928) 2.56
13. Richard M. Jones  & His Jazz Wizards: Tickle Britches Blues (Jones) (1929) 2.41
14. Lil Green + Big Bill Broonzy: Why Don’t You Do Right (McCoy) (1941) 2.56
15. King Oliver & His Orchestra: The Trumpet’s Prayer (Oliver) (1929) 3.13
16. Memphis Minnie + Little Son Joe: Me And My Chauffeur Blues (Lawler) (1941) 2.44
17. José Amijo + Marcus Woefle: Yes, Yes (Armijo/Woelfle) (1985/1998/1999) 4.12
18. Clarence Williams´Blue Five: Kansas City Man Blues (Williams/Johnson) 1923 2.56
19. Georgie White: Sensation Blues (unbekannt) (1940) 2.43
20. Little Brother Montgomery´s Quintet: El ritmo (Collins) (1947) 2.57
21. Carlos Gardel: Si soy asi Lomuto/Botta) (1933) 2.06
22. Jimmie Noon s Apex Club Orchestra: My Man Rocks Me With One Steady Roll (Barbour) (1929) 3.04
23. Benny Goodman: That’s A Plenty (Pollack/Gilbert) 2.47
24. Fletcher Henderson & The Dixie Stompers: Wabash Blues (Meinken/Ringle) (1927) 2.57
25. Valaida & Lulle Ellboys Orchestra: Caravan (Ellington/Tizol) (1939) 3.29

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Ach ja, ein Interview mit Joseph von Westphalen habe ich auch noch beigelegt.

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