Verschiedene Interpreten – Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (1973)

FrontCover1.JPGUnd wieder mal so ein kleiner Beitrag zum Thema bundesdeutsche Fernsehgeschichte:

Drei mal Neun war eine Donnerstag-Abend-Fernsehshow des ZDF, die von Wim Thoelke erdacht und präsentiert wurde.

Mit Auslaufen von Vergißmeinnicht musste Peter Frankenfeld seine Karriere als Showmaster vorübergehend beenden, da das ZDF nun auf den 14 Jahre jüngeren Wim Thoelke setzte. Dieser erfuhr während seines Sommerurlaubs 1970 im südholländischen Badeort Noordwijk, dass man ihn dringend suche: In Bild stand unter der Titelschlagzeile Wim soll Wellen machen, er sei die neue Showhoffnung des ZDF, man wisse aber nicht, wie man ihn erreichen könne. Ein Anruf ergab, dass Thoelke sofort zur Vertragsunterzeichnung nach Mainz kommen solle, da der Showstart bereits für September vorgesehen war. Für diese Show plante Thoelke dann viele Elemente, so dass, wenn jemandem etwas nicht gefiel, er nur fünf Minuten warten musste, um wieder etwas anderes zu sehen. Grundlage war ein Quiz mit vier Mitspielern.

Erst nachträglich nahm Wim Thoelke die Lotterie zu Gunsten der Aktion Sorgenkind in seine Planung auf, für die er 15 Minuten Platz schaffen musste: Diese Lotterie sollte eigentlich mit dem Ende von Vergißmeinnicht eingestellt werden. Da daraufhin aber viele Behinderteneinrichtungen hätten geschlossen werden müssen, wünschte sich der ZDF-Intendant Karl Holzamer ihre Fortsetzung. Thoelke bat im Gegenzug darum, Walter Spahrbier weiter auftreten zu lassen, um die Kontinuität zu wahren.

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Wim Thoelke mit Rabea Hartmann und Gabi Schnelle

Zur Teilnahme lagen in allen Banken, Sparkassen und Postämtern Lose aus, mit denen ein Betrag zwischen 1,11 DM und 9,99 DM einzuzahlen war, was stets mit allen Beträgen mehrfach geschah. In der Sendung wurden ein Betrag ermittelt und dann aus den betreffenden Losen die Gewinner gezogen.

Durch die dreistellige Glückszahl kam Thoelke auf den Namen Drei mal Neun. Dies hatte weitere Sendungen mit Zahlen im Namen zur Folge, darunter die Spielshow Acht nach 8 und insbesondere die Talkshow 3 nach 9 von Radio Bremen.

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Wim Thoelke hätte gerne ein Ende der Sendung gehabt wie jenes von Einer wird gewinnen mit Martin Jente. Allerdings wollte er es nicht direkt nachmachen, zumal solch ein Ideenklau seinerzeit nicht üblich war. Daraufhin beschloss er die Sendung mit der Zeichentrickfigur Wum, einem Hund, gezeichnet und gesprochen von Loriot, mit der er sich unterhielt. Bei den Kindern war Wum äußerst beliebt. Damit sie nicht bis zum Ende der Sendung aufbleiben mussten, verlegte man Wum dann auf einen frühen Zeitpunkt in der Sendung.

Zu Drei mal Neun gehörten neben Walter Spahrbier auch Max Greger mit seiner Bigband, das ZDF-Fernsehballett sowie die beiden Assistentinnen Gabi und Rabea, die stets passend zueinander gekleidet waren.

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Rabea Hartmann begegnete Thoelke erstmals als persönliche Assistentin und Referentin für Mode im Büro von Josef Neckermann. Thoelke hatte bei den beiden angefragt, ob Rabea bei seiner Show mitmachen würde. Rabea Hartmann betrieb später ein eigenes „Studio für Farbentwürfe“ auf Hof Iben bei Bad Kreuznach, das sie 1972 mit Friedrich-Ernst von Garnier gegründet hatte.

Gabi Schnelle war die Empfehlung der Kostümbildnerin; sie wollte eigentlich zum Radio und wurde später eine bekannte Moderatorin von Bayern 3.

Prominente Amateurmusiker:

In diesem Teil musizierten prominente Gäste, bei denen es sich nicht um professionelle Musiker handelte. Darunter waren häufig Politiker. So sangen in der ersten Ausgabe Richard Stücklen, Wolfgang Mischnick und Jockel Fuchs. Zwei Ereignisse dieser Rubrik sorgten dafür, dass Drei mal Neun noch lange nach seiner Einstellung bekannt blieb:

In der 8. Folge spielte der Verteidigungsminister Helmut Schmidt Gershwin-Melodien auf einer elektronischen Orgel. Thoelke hatte zuvor anfragen lassen, ob er ein Instrument zum Üben vorbei schicken sollte, Schmidt hielt dies aber nicht für nötig. In der Sendung verspielte er sich schließlich, so dass er noch einmal von vorne beginnen musste. Dass dies Schmidt passierte, der als Perfektionist galt und gewöhnlich keine Fehler beging, brachte ihm große Sympathie bei den Zuschauern ein.

Von den Musikdarbietungen in der Sendung erschienen mehrere Langspielplatten, von denen ein Teil des Erlöses an die Aktion Sorgenkind floss. Hinzu kam die Single Ich wünsch mir ’ne kleine Miezekatze von Wum.

Drei mal Neun geriet zu einem immensen Erfolg. Bereits die erste Ausgabe wurde in der telefonischen Umfrage mit +4 benotet, spätere Folgen dann sogar mit dem schon sehr guten Wert +5. Die Sehbeteiligung stieg bis auf 73 % an und übertraf sämtliche anderen Shows des ZDF sowie das beliebte Quiz Einer wird gewinnen. Von 1969, also noch zur Zeit von Vergißmeinnicht, bis 1971 stiegen der Lotterieerlös der Aktion Sorgenkind von 1,72 Mio. DM sprunghaft auf 7,29 Mio. DM und die Spendeneinnahmen von 3,92 Mio. DM auf 8,03 Mio. DM. Wim Thoelke erhielt für den überraschend großen Erfolg ein silbernes und ein goldenes Bambi, außerdem eine Honorarerhöhung von 15.000 DM auf 25.000 DM je Sendung für das zweite Jahr – allerdings inklusive Mehrwertsteuer, da er mit Beginn der Reihe seine Festanstellung beim ZDF aufgegeben hatte.

Drei mal Neun wurde wegen des großen Aufwands einer Liveshow aus verschiedenen Städten eingestellt. Es folgte der Der große Preis. Dieser behielt die Zeichentrick-Einspielungen mit Wum bei, ebenso die Aktion Sorgenkind einschließlich des Berichts am Anschluss der Sendung.  (Quelle: wikipedia)

Und hier eine dieser Schallplatten, von denen vorhin die Rede war:

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Und in der Tat, diese Scheibe ist ne Rarität, ganz sicher auch heute noch, speziell für Freunde des schrägen Humor.

Und nachdem etliche der Namen heute eigentlich nur noch Schall und Rauch sind, hier noch ein paar Erläuterungen, Erklärungen:

Dagmar Bergmeister, Irene Koss, Hilde Nocker waren damals populäre TV-Ansagerinnen („der ersten Stunde“) (sowas gibt´s heute nicht mehr…)

Die Schöneberger Sängerknaben spielen hier die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart auf dem Kamm !

Peter Müller, Heinz Neuhaus, Erich Schöppnerwaren damals populäre Boxer (und ja: Boxer können nicht singen)

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Wim Thoelke mit Max Greger und Helmut Schmidt an der Orgel

Helmut Schmidt, damals noch Bundesverteidigungsminister

Lauritz Lauritzen, ein Sozi war damals Bundesministers für Verkehr

Hans Herrmann, Karl Kling, Hermann Lang, damalige Rennfahrer-Asse

Klaus Schwarzkopf, ein von mir bis heute sehr geschätzter Schauspieler, nicht nur wegen seine Rolle als Kommissar Finke im Tatort. (der konnte ganz schön schmettern !)

Klaus Schwarzkopf

Klaus Schwarzkopf

Jochen und Almut Breiter, Mady Riehl, Heinz Wrobel, noch ein paar Nachrichten-Sprecher

Dan Blocker, na klar … der aus „Bonanza“ („Hoss Cartwright“)

Ingrid Mickler-Becker, Heide Rosendahl, Liesel Westermann waren erfolgreiche Leichtathletinnen.

Harry Boldt, Dr. Rainer Klimke, Dr. Josef Neckermann waren erfolgreiche Dressurreiter (einen Sport, den ich bis heute auf den Tod nicht ausstehen kann und dem Neckermann krieg ich grundsätzlich die Krise)

Raimund Harmstorf, na klar … der Seewolf

Raimund Harmstorf

Raimund Harmstorf

Jockl Fuchs, Wolfgang Mischnik, Richard Stücklen, Politiker, die mir schon damals supekt waren.

Und zum krönenden Abschluss dann der Werner Finck, über diesen Kabarettisten mit seinem sich permanent verhaspelnden Sprechweise kann ich mich heute noch schlapp lachen … 

Also, in der langen Reihe dieser „3×9“ Schallplatten-Serie ist dies ganz gewiss die interessanteste … denn wie gesagt, Freunde des schrägen Humor können sich hier getrost bedienen und für Loriot Sammler ist diese LP eh ein muss … hört man ihn doch in den Twischenmoderationen (Prädikat: bemüht humorvoll) mit seiner speziellen Wum-Stimme.

WernerFinck

Werner Finck

Besetzung:
Orchester Max Greger
+
Moderation:
Wim Thoelke & Wum (Loriot)

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Titel:
01. Dagmar Bergmeister, Irene Koss, Hilde Nocker:  Guten Abend (Morenau/Claus/ Hammerschmidt) 1.51
02. Die Schöneberger Sängerknaben: Die kleine Nachtmusik (Mozart) 1.04
03. Peter Müller, Heinz Neuhaus, Erich Schöppner: Weißt du wieviel Sternlein stehen (Traditional/Thoelke) 2.24
04. Helmut Schmidt: I Got Rhythm (Gershwin) 3.21
05. Wum-Chor (Techniker des 3  x 9 Teams): Du, du liegst mir im Herzen (Traditional/Claus) 2.32
06. Lauritz Lauritzen: Snuten und Pooten (Gröder) 2.58
07. Hans Herrmann, Karl Kling, Hermann Lang: Hoch auf dem gelben Wagen (Höhne/ Baumbach) 1.43
08. Klaus Schwarzkopf: Granada (Lara) / Ausklang 3.02
09. Jochen und Almut Breiter, Mady Riehl, Heinz Wrobel: My Fair Lady (Loewe) 1.51
10. Dan Blocker: Ich bin der Hoss (Claus) 1.59
11. Wim Thoelke: Spatzentanz (Claus) 1.31
12. Ingrid Mickler-Becker, Heide Rosendahl, Liesel Westermann: Gold und Silber lieb ich sehr (Schnetzler/Truhn) 1.58
13. Harry Boldt, Dr. Rainer Klimke, Dr. Josef Neckermann; She’ll Be Comin‘ Around The Mountain (Von den blauen Bergen kommen wir) (Traditional) 2.06
14. Raimund Harmstorf: Der Ghost (Claus/Thoelke) 2.53
15. Jockl Fuchs, Wolfgang Mischnik, Richard Stücklen: Oh, wie wohl ist mir am Abend (Traditional/Claus) 1.04
16. Werner Finck: Sketch (Finck) /Ausklang 6.36
17. Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (Teil 1) (ungeschnittene Version) 19.27
18. Wim & Wum präsentieren Prominenz aus 3×9 (Teil 2) (ungeschnittene Version) 20.06

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