Harry Stein + Udo Wohlfeld – Sozialdemokraten gegen Hitler – Die Widerstandsgruppe Nehrling-Eberling in Weimar (2003)

SozialdemokratenGegenHitler01ADa schreibt einer am 23.12.1943 einen Brief an seine Frau, und der geht so los:

„Meine liebe Heddy !

Ein schönes Weihnachtsfest ! Ich werde heute früh aus Stadelheim (das Gefängnis in München) abgeholt u. soeben wurde mir eröffnet, daß das gegen mich ergangene Todesurteil heute um 14 Uhr vollstreckt wird.“

Und dieser jemand war Kurt Nehrling:

Im Durchgang zur Wohnanlage befand sich in der NS-Zeit auf der rechten Seite ein Wäschegeschäft, das Kurt Nehrling gemeinsam mit seiner Frau Hedwig führte. Kurt Nehrling, 1899 in Weimar geboren, trat bereits im Alter von 19 Jahren in die SPD ein. Der gelernte Schlosser war als Beamter im Öffentlichen Dienst tätig, bis er 1933 aus politischen Gründen in den Wartestand (eine Art einstweiligen Ruhestand) versetzt wurde. Um seine Familie zu ernähren, gründete er das Wäschegeschäft, das sich zu einem Treffpunkt für Weimarer Sozialdemokraten entwickelte. Um Kurt Nehrling und Hans Eberling, einen ehemaligen SPD-Unterbezirkssekretär, bildete sich eine Widerstandsgruppe, der sich vor allem junge Frauen und Männer aus der nunmehr verbotenen Sozialistischen Arbeiterjugend anschlossen. Die Mitglieder trafen sich in Privatwohnungen, tauschten verbotene Bücher und selbstverfasste Druckschriften aus und hielten Kontakt zu Sozialdemokraten in anderen Städten. 1939 wurde Nehrling als Buchhalter für die Polizeikasse wieder in den Landesdienst verpflichtet.

KurtNehrlingAls er an seinem Arbeitsplatz Kritik am NS-Regime übte, wurde er 1942 von Mitarbeitern denunziert. Äußerungen wie die, dass die Sowjetunion den Krieg nicht begonnen habe, sondern sich verteidige, deutete das Oberste SS- und Polizeigericht als „Wehrkraftzersetzung“. Im September 1943 wurde Kurt Nehrling zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1943 im KZ Dachau ermordet. (Quelle: .weimar-im-ns.de)

SozialdemokratenGegenHitler06AUnd in Weimar habe ich eine extrem liebevoll gestaltete Broschüre (66 Seiten) gefunden. Herausgegeben wurde sie vom SPD Kreiverband Weimar, die Autoren waren Harry Stein und Udo Wohlfeld und die beiden trieben Geschichtsforschung der feinsten Art. Sie berichten über die „Widerstandsgruppe Nehrling-Eberling in Weimar“, wobei der Fokus eindeutig auf der Biographie von Kurt Nehrling liegt.

So erfahren wie er in bescheidenen Verhältnissen aufwächst, wie er im I. Weltkrieg war, wie er wegen einer Lungentuberkulose aus dem Militärdienst ausscheiden musste und wie er dann 1919 Mitglied der SPD wurde. Wie er später dann mit seinr 2. Frau (seine 1. Frau sarb 1923 bei der Geburt des zweiten Kindes) eine Wäschegeschäft am Zeppelinplatz in Weimar betrieb.

Und wie er – ohne jemals groß als Widerstandskämpfer hervorgetreten ist, als Sozialdemokrat im III. Reich seinen Weg suchte zwischen Anpassung und (innerer) Rebellion gegen das Nazi-Regime.

Und wie ihm ein paar kritische Worte das Genick brachen, weil Denunzianten nichts besseres zu tun hatten, seine „frevelhaften“ Theorien weterzumelden.

Belegt wird das alles mit einer mustergültigen Sammlung von Dokumenten. Am erschreckendsten ist wohl das ausführliche Urteil, in em die Todesstrafe begründet wird.

Diese Broschüre ist wahrlich keine leichte Kost und mir schnürte es mehr als einmal den Hals zu …  Aber diese Broschüre ist ein wichtiges Dokument, und ein Zeugnis für all jene aufrechten Menschen in diesen Jahren … deren Zivilcourage gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Ergänzt wird die Broschüre dann natürlich auch noch um die Person Hans Eberling und all die anderen Sympathisanten, die sich damals in Weimar auf aufrechte Sozialdemokraten immer wieder quasi konsiparativ trafen, um sich zu stützen und zu stärken, angesichts der braunen Übermacht.

Kurth Nehrling: eine deutsche Biographie, von der man sich nur verneigen kann …

Hier ein paar erste Eindrüke von der Broschüre, die ich nur jedem dringend ans Herz legen möchte:

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Gnadengesuch

Das ist die Sprache der Herrenmenschen

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Ralf Reinders + Ronald Fritzsch – Die Bewegung 2. Juni Gespräche über Haschebellen, Lorenz-Entführung, Knast (1995)

FrontCoverEin Buch über die terroristische Bewegung „2. Juni“, geschrieben von Leuten, die es so ganz genau wissen müssen, denn sie waren aktiv in dieser Bewegung und damit im Untergrund:

Ralf Reinders (* 27. August 1948 in Berlin-Reinickendorf), Spitzname Bär, ist ein ehemaliger Terrorist der Bewegung 2. Juni.

Ralf Reinders wurde 1948 in Berlin als Sohn eines während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppten, niederländischen Zwangsarbeiters und einer Deutschen, die aufgrund ihrer Ehe die deutsche Staatsangehörigkeit verlor, geboren. Er ging nach der 8. Klasse von der Oberschule ab und machte eine Lehre als Rotaprint-Drucker.

1965 war er an der Waldbühnenschlacht beteiligt. Reinders beteiligte sich an Studentenaktionen und Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Mit der Erschießung Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967 begann die eigentliche Politisierung: „Nach all den Prügeln und Schlägen hatten wir das Gefühl, dass die Bullen auf uns alle geschossen haben.“

Der Zentralrat der umherschweifenden Haschrebellen wurde im Juli 1969 gegründet und es wurden Straßenschlachten wegen der Haschisch-Razzien in Szene-Kneipen organisiert. Reinders kam daraufhin für sechs Wochen ins Gefängnis. Im November 1970 tauchte Reinders ab, nachdem eine Fahndung gegen ihn lief.

Es gab erste Kontakte zur Baader-Meinhof-Gruppe, die zu der Zeit die Baader-Befreiung vorbereitete. Nach mehreren Anschlägen, Banküberfällen und anderen Aktionen entstand im Januar 1972 die terroristische Vereinigung „Bewegung 2. Juni“ aus zwölf Leuten von drei verschiedenen Gruppen.

Nach der Lorenz-Entführung, den sog. „Negerkuß-Banküberfällen“ und der Drenkmann-Ermordung wurde Reinders zusammen mit Inge Viett und Juliane Plambeck nach fast fünf Jahren im Untergrund am 9. September 1975 festgenommen.

Am 10. April 1978 begann in Berlin vor dem Kammergericht der „Lorenz-Drenkmann-Prozess“ gegen Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper, Till Meyer, Fritz Teufel, Andreas Vogel und Ralf Reinders. Reinders erhielt 15 Jahre Haft, von denen er zwölf verbüßte. Er wurde am 14. September 1990 aus dem Moabiter Gefängnis in Berlin entlassen. Da er niederländischer Staatsbürger ist, drohte ihm nach der Haftentlassung zeitweise die Abschiebung aus der Bundesrepublik.

Reinders war Anmelder der „revolutionären 1. Mai Demonstration“ in Berlin 2008, nachdem er auf der Demonstration 2007 Opfer der RAF verhöhnt hatte. Nach Angaben der Organisatoren habe man Reinders gebeten, die Demonstration anzumelden, um sich „solidarisch hinter seine Biografie zu stellen“. Unter dem Beifall aus dem Bereich der Antifa rechtfertigte er die RAF-Morde an Buback und Schleyer. Frank Henkel, seinerzeit Innenexperte der Berliner CDU-Fraktion, forderte daraufhin, die Verbindungen zwischen linksextremer Szene und früheren Terroristen sorgsam zu beobachten. (Quelle: wikipedia)

Fahndungsplakat

Fahndungsplakat

Und dann noch Ronald Fritzsch, über den weitaus weniger bekannt ist:

Ronald Fritzsch (* 1951 in Hannover) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Bewegung 2. Juni.

Ronald Fritzsch zog Ende 1970 nach Berlin. Fritzsch agierte bis kurz vor seiner Verhaftung legal, also als bis dahin unerkanntes Mitglied der Bewegung 2. Juni. Nach der Entführung von Peter Lorenz wurde er zusammen mit Ralf Reinders am 9. September 1975 festgenommen. Wegen seiner Beteiligung an der Entführung wurde er verurteilt. Nach fast 14 1/2 Jahren wurde er 1989 aus der JVA Berlin-Moabit entlassen.(Quelle: wikipedia)

Mann, sind wir cool: Die Entführer Gerald Klöpper, Ronald Fritzsch und Ralf Reinders (von links) während der Urteilsverkündung im Oktober 1980

Mann, sind wir cool: Die Entführer Gerald Klöpper, Ronald Fritzsch und Ralf Reinders (von links) während der Urteilsverkündung im Oktober 1980

Nun also dieses Buch, das allein schon wegen der Materialfülle dringend zu empfehlen ist. In einem ausführlichem Interview (das Klaus Hermann gefüjhrt hat) geben die beiden ausführlich Auskunft, wie es zu den „Haschrebellen“ kam und wie daraus dann eben die „Bewegung 2. Juni“ wurde.Und natürlich findet die spektakuläre Entführung des Berliner CDU Politikers Peter Lorenz einen besonders breiten Raum.

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Zur Erinnerung. Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg anlässlich einer Demonstration gegen den Schah Besuch in Deutschland von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen (erst viele, viele Jahre später wurde bekannt, dass Kurras Mitglied der SED war und zudem auf der Gehaltsliste der Stasi stand – aber das ist dann eigentlich ne eigene Geschichte wert).

Und dann gibt es noch weitere Interviews (bei denen dann z.B. auch Fritz Teufel zugegen war) und dann natürlich auch noch ein paar Statements zu den Jahren im „Knast“. Und dann noch eine Chronologie der damaligen Ereignisse (unter Berücksichtigung- historisch unverzichtbar für das Verständnis der „Bewegung 2. Juni“ – von Ereignissen aus aller Welt … )

Und wenn ich das Wort „Verständnis“ schreibe, dann ist das ganz sicher kein Verständnis für diese Form des Protestes, ganz im Gegenteil.

Ich selbst war damals politisch bei den Jusos sehr aktiv und beschäftigte mich zeitgleich viel mit pazifistischen Gedanken (ich bereitete mich wohl sehr eifrig auf die bevorstehenden „Verhandelungen“ hinsichtlich meiner beabsichtigten Kriegsdienstverweigerung (gem. Artikel 4 Abs. 3 Grundgesetz) vor.

Von daher war ich schon damals über diese Bewegung (und erst recht über die RAF) ziemlich angefressen, denn ich hatte die Sorge, dass durch diese Bewegungen, jenes Gedankengut, dem ich damals (wie heute) nahestand, so gewaltig in Misskredit gebracht wird, dass dieses zarte Pflänzchen „mehr Demokratie wagen“ geradezu niedergebombt wurde.

Und auch heute noch vertrete ich die These, dass die damals „historische Situation“ in der Bundesrepublik Deutschland einen gewaltsamen Kampf gegen die „herrschende Klasse“ nicht gerechtfertigt hat. Die Verhältnisse waren halt anders als im Kuba der 50er Jahre.

Und auch wenn dieses Buch natürlich auch jede Menge Selbstbeweihräucherungen enthält, bleibt es bei meiner Empfehlung, denn das Schlagwort „Wie wir wurden, was wir sind“ gilt auch hier … oder auch „talkin´ `bout my generation.“

Aber wenn eine Inge Viett (ebenfalls Mitglied der „Bewegung 2. Juni“) noch im Jahre 2007 den Terror der damaligen Jahre als „Klassenkampf von unten“ defininiert … dann kann ich nur (ziemlich hämisch) lachen und sagen: „Mädel, wach auf“! Aber, ich habe das Gefühl, da ist hinsichtlich der notwendigen Reflexionsfähigkeit Hopf und Malz verloren.

Und mir läuft es heute noch eiskalt den Rücken runter … wenn ich an diese Jahre denke …

Hier – wie immer – ein paar Vorschaubilder, bevor es dann zur Präsentation dieses Buches (182 Seiten) geht:

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Mit dem Mord an Benno Ohnesorg ging es los ...

Mit dem Mord an Benno Ohnesorg ging es los …

Klaus Renft – Ein Leben mit dem Rock`n`Roll (2005)

FrontCover1.jpgGanz sicher war er einer der zentralen Figuren des frühen DDR Rocks, der aber auch ständig, aber auch ständig aneckte:

Klaus Renft (* 30. Juni 1942 in Jena; † 9. Oktober 2006 in Löhma; bürgerlich Klaus Jentzsch) war ein deutscher Musiker. Er wurde in der DDR vor allem durch seine Bands Butlers und Klaus Renft Combo bekannt. Sein Künstlername Renft war der Geburtsname seiner Mutter Charlotte.

Seine Kindheit erlebte Klaus Jentzsch in dem zwischen Jena und Stadtroda gelegenen Dorf Gernewitz, wo er in der dortigen Molkerei wohnte. Sein leiblicher Vater war nicht, wie er später erfuhr, der Ehemann der Mutter, sondern ein Arzt aus Stadtroda. Im April 1952 zog er mit seiner Mutter nach Leipzig um und besuchte hier die Petrischule. 1957 hatte er erste Auftritte mit der Schülerband „Kolibri“. Im Jahre 1958 gründete Renft mit einigen Freunden in Leipzig die „Klaus-Renft-Combo“. Sie bestand bis zum Auftrittsverbot 1962 und wurde daraufhin in „The Butlers“ umbenannt. Klaus Jentzschs Leipziger Wohnanschriften waren Mozartstraße 8 und Hohe Straße 49. Im Jahr 1963 legte Klaus Renft die Facharbeiterprüfung als Möbeltischler ab. Am 1. März 1964 gab es den ersten offiziell erwähnten Auftritt der „Butlers“. Im gleichen Jahr erhielt die Band beim Deutschlandtreffen der Jugend eine Auszeichnung. Bereits 1965 wurde den populären „Butlers“ jedoch aufgrund ihres westlichen Stils diesmal ein „unbefristetes Spielverbot“ ausgesprochen. Das geschah zeitgleich zum Verbot vieler anderer Bands in Leipzig, was die in dieser Form einmalige Leipziger Beatdemonstration auslöste.

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Ab 1967 durfte die „Klaus Renft Combo“ nach ihrem Verbot wieder öffentlich auftreten, ab 1971 waren auch Rundfunkaufnahmen möglich.

Ihre Songs, deren Themen häufig von staatlicher Repression (Ketten werden knapper) handelten oder vielschichtig/zweideutig waren wie (Zwischen Liebe und Zorn, Ermutigung, Nach der Schlacht), hinterfragten das durch die Staatsmacht vorgegebene Bild. Daher geriet die bereits 1964 unter dem Decknamen „Wanderer“ geführte Band verschärft ins Visier der Staatssicherheit. Neue Musikaufnahmen wurden ab 1974 nach ihrem Song Aber ich kanns nicht verstehen (Platz 2 bei der „NBI-Beatparade“) nicht mehr zugelassen.

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Im September 1975 wurde die Klaus Renft Combo erneut verboten. Die Musiker beschwerten sich beim damaligen Kulturminister der DDR Hans-Joachim Hoffmann. In der Folgezeit entstanden heimliche Aufnahmen wie die Rockballade vom kleinen Otto, die eine mögliche Flucht aus der DDR zum Inhalt hatte, oder das Lied Glaubensfragen, das mit dem Thema Bausoldat ein staatliches Tabu ansprach.

Ende Oktober 1975 verlor Renft seine Zulassung durch das Kulturministerium. Er besuchte darauf den Regimekritiker Robert Havemann und gab persönlich am 8. Dezember 1975 einen Brief an Erich Honecker ab. Zeitgleich erschien im Spiegel ein Artikel zur Band und ihrer Situation.

Nachdem am 15. Januar eine Vorladung durch den Rat des Bezirkes Leipzig erfolgt war, stellte er im April 1976 einen Ausreiseantrag. Im Mai konnte er nach West-Berlin ausreisen, weil er seine griechische Freundin heiratete. Mehrere Versuche, musikalisch wieder Fuß zu fassen, unter anderem mit der Gruppe Windminister, misslangen. Olaf Leitner, Rundfunkmoderator beim RIAS, gab Renft nicht nur ein erstes wohnliches Unterkommen in West-Berlin – er verschaffte ihm auch einen Job als Musikredakteur beim Sender. Eine erste eigene Wohnung bekam Renft schließlich in der Gotenstrasse 14. 1981 wechselte er an das Renaissance-Theater, wo er bis 1990 als Inspizient und Tonmeister tätig war. Am 20. Juli 1981 wurde Renft die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt.

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Nach der friedlichen Revolution in der DDR kehrte Klaus Renft zurück und trat ab 1990 wieder gemeinsam mit der „Klaus Renft Combo“ auf. Dennoch gelang es ihr wie vielen anderen DDR-Bands nicht mehr, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. 1996 musste er die Band wegen interner Differenzen vorübergehend verlassen. Ab März 1998, zu den Jubiläumskonzerten „40 Jahre Klaus Renft Combo“, trat er wieder gemeinsam mit seinen Weggefährten aus den 1970er Jahren auf.

Bereits im Oktober 2000 musste sich Renft einer Chemotherapie wegen einer Darmkrebserkrankung unterziehen, die 2000 diagnostiziert worden war. Er erholte sich zunächst und arbeitete wieder intensiv als Musiker. Doch im Sommer 2005 stellten die Ärzte bei ihm einen neuerlichen Tumor fest, an dessen Folgen er in der Nacht zum 9. Oktober 2006 auf dem Weg in die Klinik verstarb. Seine Urne wurde am 21. November 2006 auf dem Leipziger Südfriedhof (Grab 319/324) beigesetzt. (Quelle: wikipedia)

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Und hier hören wir eine Aufzeichnung eines Solo-Abends mit Klaus Renft am 23. April 2005 in der Leipziger „Runden Ecke“, der ehemaligen Stasibezirkszentrale und heutigen BStU, Außenstelle Leipzig. Klaus Renft erzählt von sich selbst: von seiner Karriere, von großen Erfolgen und vom Scheitern, von Träumen, Abgründen und Zweifeln, von den Schwierigkeiten mit der Bürokratie des Ostens und der Kälte des Westens, aber auch von den Konflikten zwischen den Band-Mitgliedern. Klaus Renft: sensibel, anarchisch, ein Leben im Rausch des Rock. Amüsant und kurzweilig vorgetragen, gewürzt mit Anekdoten aus seinem Leben und mit Ausschnitten aus zum Teil unveröffentlichten historischen Tondokumenten der „Butlers“ und der „Klaus Renft Combo“ aus dem Privatarchiv von Klaus Renft. (Hüllentext)

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Und selten habe ich ein derart interessantes und zugleich sympathisches Hörbuch eines Musiker gehört … das weit mehr ist als „nur“ eine Musiker-Biographie“ … Es ist ein Hörbuch auch über den fast täglichen Terror, dem Musiker von Schlage eines Klaus Renft ausgesetzt war … bis er dann halt ausgebürgert wurde.

Oder aber auch:
Ja, so wie unser Jenni leibte und lebte. Ein Muß für jeden Renft-Fan. Witzig, sachlich und immer mit einem bischen Schalk im Nacken. (W. Zahn)

Und ich bekam ne Gänsehaut, als ich den heimlichen Mitschnitt hörte, in dem ihm erklärt wurde, dass nicht mehr musizieren darf …

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Besetzung:
Klaus Renft (Sprecher)

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Titel:
01. Stasi-Akte, Tagebuch, Kindheit in Gernewitz 8.38
02. Pinguin-Mambo, 17. Juni und 49 Meter-Band 9.01
03. Kontrabass, Entenarsch und die Blonde aus Lindenthal 8.57
04. The Butlers, Deutschlandtreffen und Spielverbot auf Lebenszeit
05. Wasserwerfer, Kreuzfuge und Singeclub
06. Underground, Rose und Hitparade
07. Gratwanderung, Boykott und Urteil im Recorder
08. Cognac-Fahne im ZK und Stasi liefert Leumund
09. RIAS, Renaissance-Theater und Mauerfall
10. Ich bin Renft! – Es war da eine Zeit…

Alle Texte: Klaus Renft

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Klaus Renft (* 30. Juni 1942 in Jena; † 9. Oktober 2006 in Löhma)

SZ Magazin – Nr. 40 (4. Oktober 2019)

TitelHier war ja schon öfters mal die Rede von dem „SZ – Magazin“, jener Beilage, die immer am Freitag der „Süddeutschen Zeitung“ beiliegt.

Und vor ein paar Wochen war dann dieses Heft auf dem Küchentisch gelegen.

Das zentrale Thema war jene Veranstaltung am 04. November 1989 am Alexanderplatz in Berlin:

Die Alexanderplatz-Demonstration war die größte nicht staatlich gelenkte Demonstration in der Geschichte der DDR. Die Demonstration fand am 4. November 1989 in Ost-Berlin statt und war die erste offiziell genehmigte Demonstration in der DDR, die nicht vom Machtapparat ausgerichtet wurde. Die Demonstration und die Abschlusskundgebung auf dem Alexanderplatz, die von Mitarbeitern mehrerer Ost-Berliner Theater organisiert wurden, richteten sich gegen Gewalt und für verfassungsmäßige Rechte, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

An der Alexanderplatz-Demonstration nahmen nach Angaben der Veranstalter eine Million Menschen teil. Diese Angabe ist in der Forschung jedoch umstritten. Sie gilt als Meilenstein der friedlichen Revolution in der DDR.

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Die Initiative zur Demonstration ging ab Mitte Oktober von Schauspielern und Mitarbeitern an Ost-Berliner Theatern aus. Unter dem Eindruck der Übergriffe von Volkspolizei und Stasi gegen Demonstranten während der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR fand am 15. Oktober 1989 eine Versammlung von 800 Theaterleuten in Berlin statt, auf der als erste Jutta Wachowiak den Vorschlag einer Demonstration für eine demokratische DDR machte. Wachowiaks Vorschlag war auf Anregung des Neuen Forums entstanden. Am 17. Oktober 1989 stellte eine Gruppe von Theaterleuten den Antrag auf Zulassung einer Demonstration für die Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR, der am 26. Oktober 1989 genehmigt wurde.
Als offizielle Veranstalter fungierten die Künstler der Berliner Theater, der Verband der Bildenden Künstler, der Verband der Film- und Fernsehschaffenden und das Komitee für Unterhaltungskunst. (Quelle: wikipedia)

Und in diesem SZ-Magazin wird ausführlich über jene Stunden am Alexanderplatz berichtet.

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Der Autor Patrick Bauer präsentiert nicht nur die Ereignisse jenes Tages, sondern auch all jene Akteure, die damals auf  dem Alexanderplatz sprachen.

Als das wären (soviel Zeit muss sein):

11:25 Uhr Marion van de Kamp (* 1925), Schauspielerin, Volksbühne Berlin
11:26 Uhr Johanna Schall (* 1958), Schauspielerin, Deutsches Theater Berlin
11:30 Uhr Ulrich Mühe (1953–2007), Schauspieler, Deutsches Theater Berlin
11:36 Uhr Jan Josef Liefers (* 1964), Schauspieler, Deutsches Theater Berlin
11:42 Uhr Gregor Gysi (* 1948), Rechtsanwalt
11:55 Uhr Marianne Birthler (* 1948), Katechetin, Initiative Frieden und Menschenrechte
12:06 Uhr Kurt Demmler (1943–2009), Liedermacher, Mitunterzeichner der Resolution von Rockmusikern und Liedermachern, sang Irgendwer ist immer dabei
12:10 Uhr Markus Wolf (1923–2006), 1952–1986 Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung im Ministerium für Staatssicherheit, Generaloberst a. D.
12:24 Uhr Jens Reich (* 1939), Molekularbiologe, Mitbegründer des Neuen Forums
12:36 Uhr Manfred Gerlach (1928–2011), stellvertretender Staatsratsvorsitzender, Vorsitzender der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands
12:44 Uhr Ekkehard Schall (1930–2005), Schauspieler, Theaterregisseur, Berliner Ensemble
12:48 Uhr Günter Schabowski (1929–2015), Erster Sekretär der Bezirksleitung Berlin der SED, Mitglied des Politbüros des ZK der SED, 1978–1985 Chefredakteur des Neuen Deutschlands
12:54 Uhr Stefan Heym (1913–2001), Schriftsteller
13:02 Uhr Friedrich Schorlemmer (* 1944), Pfarrer, Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs
13:12 Uhr Christa Wolf (1929–2011), Schriftstellerin
13:21 Uhr Tobias Langhoff (* 1962), Schauspieler, Deutsches Theater Berlin
13:24 Uhr Annekathrin Bürger (* 1937), Schauspielerin, Volksbühne Berlin, sang Worte eines politischen Gefangenen an Stalin
13:28 Uhr Joachim Tschirner (* 1948), Dokumentarfilmregisseur
13:33 Uhr Klaus Baschleben (1946–2005), Journalist der National-Zeitung
13:43 Uhr Heiner Müller (1929–1995), Dramatiker, Mitglied der Akademie der Künste
13:48 Uhr Lothar Bisky (1941–2013), Kulturwissenschaftler, Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR
13:55 Uhr Ronald Freytag (* 1959), Student, Humboldt-Universität zu Berlin
13:57 Uhr Christoph Hein (* 1944) Schriftsteller
14:05 Uhr Róbert Juharos (* 1968), Student, Budapest, Verband der jungen Demokraten
14:10 Uhr Konrad Elmer (* 1949) Dozent, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR
14:14 Uhr Steffie Spira (1908–1995), Schauspielerin
Moderator: Henning Schaller (* 1944), Bühnenbildner, Maxim-Gorki-Theater Berlina

Man lasse sich mal all diese Namen durch den Kopf gehen … eine völlig aberwitzige Mischung von Menschen …viele waren Opfer, manche wohl auch Täter …

Berlin, Demonstration; Herbert Köfer

Teilnehmende Schauspieler des Fernsehens der DDR zu Beginn der Demonstration in der Karl-Liebknecht-Straße

Aber natürlich hatte auch dieses SZ-Magazin noch andere Themen (vor allem die üblichen Rubriken), und die wollte ich in meiner Präsentation nicht ausblenden.

Und dann ist mir wieder mal bewusst geworden, dass ein solches Heft sich auch durch Anzeigen finanziert und hier finden wir dann überwiegend Anzeigen aus dem Bereich „lifestyle“ für die Schicki-Micki-Generation …

Nur gut, dass ich da sowas von immun bin …

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Meine Antwort wäre gewesen: Ja, er darf ! Die Antwort der Ratgeberin ist eher dürftig …

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Christa Wolf: „Stell dir vor, es ist Sozialismus  und keiner geht weg“ (Diese Sehnsucht teile ich bis heute)

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Plakat von Peter Waschinsky (Puppenspieler)

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Nett anzuschauen, aber das ist natürlich versteckte Werbung (product placement heißt das wohl)

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Der Typ links könnte glatt ein Fans der „Kinks“ oder der „Byrds“ sein … und mit Wein kenne ich mich halt so gar nicht aus …. 

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Das Rezept zum Bild („Enten-Paté mit Kompott aus grünen Tomaten und Äpfeln“) interessierte mich jetzt eher weniger

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Vermutlich kein schlechter Tipp (aber natürlich auch Schleichwerbung)

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Und der Axel Hacke schreibt und schreibt und schreibt … 

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Die Rückseite des Heftes

Hans Dieter Baroth – Aber es waren schöne Zeiten (2004)

FrontCover1Ein beeindruckendes Hörbuch … verfasst und gelesen vom Hans Dieter Barth:

Hans Dieter Baroth (* 12. Februar 1937 in Oer-Erkenschwick als Dieter Schmidt; † 16. Juli 2008 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Hans Dieter Baroth war der Sohn eines Bergmanns. Er besuchte die Volksschule und erlernte anschließend den Beruf seines Vaters. Bis 1957 arbeitete er unter Tage im Bergbau. Daran anschließend übte er verschiedene Tätigkeiten aus und war von 1959 bis 1961 Gewerkschaftsfunktionär. Er begann für verschiedene Zeitungen zu schreiben, war (unter seinem bürgerlichen Namen Dieter Schmidt) Chefredakteur des DGB-Jugendmagazins ran sowie – bis zu deren Einstellung im Jahr 1988 – der DGB-Wochenzeitung Welt der Arbeit. Ab 1964 begann er, Dokumentarfilme zu drehen. Seit 1963 lebte er in Düsseldorf, ab 1990 in Berlin. Er war verheiratet mit der Historikerin Astrid Brand (* 15. Februar 1959).

Hans Dieter Baroth war in seinen erzählerischen Werken ein nüchterner Chronist des Bergbaus und vor allem des Bergarbeiteralltags im Ruhrgebiet der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Spätere Bücher Baroths befassten sich vor allem mit der Geschichte des Fußballs in seiner Heimatregion. In seinen letzten Lebensjahren schrieb er Reportagen über die Folgen der Wiedervereinigung in den ostdeutschen Bundesländern und an seinem letzten Wohnsitz Berlin.

Hans Dieter Baroth war Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller. Er erhielt 1972 den Deutschen Journalistenpreis der IG Druck und Papier und der Deutschen Journalisten-Union und 1992 den Literaturpreis Ruhrgebiet. (Quelle: wikipedia)

Baroth
Hans Dieter Baroth liest über 70 Minuten aus seinen Büchern. Es sind Geschichten aus den Romanen “Aber es waren schöne Zeiten” und “Streuselkuchen in Ickern”. Er erzählt von der Beichte, dem Gesang in der Kirche und der Angst vor dem Pfarrer. Mit der Stimme des Autors wird sein trinkfester Großvater, “das Ekelpaket”, lebendig. Mehrere Storys aus “Streuselkuchen und Muckefuck” sind zu hören mit Erinnerungen an Klümpkesbuden, Kawenzmänner, Steißtrommler, Schweinepriester und Weihnachten, an dem es meist Krach in der Familie gab. Aus “Jungens, euch gehört der Himmel” liest Hans Dieter Baroth über eine Tour auf einem offenen Lastwagen zu einem Fußballspiel nach Dortmund. (Auszug aus einer Ankündigung des Verlages)

Streit zu Weihnachten: Statt „Ihr Kinderlein kommet“, sangen sie „Anneliese, ach Anneliese.“ Fahrten zum Einkauf in die Städte des Ruhrgebietes gab es einmal im Jahr, bei denen für die Halbwüchsigen zu große Kleidung gekauft wurde. Widerspruch war zwecklos, wenn die Mutter „passt“ gesagt hatte. Der Autor, selbst in der „Kolonie” aufgewachsen, beweist in seinen Geschichten den Blick fürs Detail, das mehr über das Lebensgefühl und die Lebensumstände im Ruhrgebiet der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts aussagt als langatmige Geschichtsbücher.Hans Dieter Baroth, ausgezeichnet mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet 1992, liest Geschichten aus dem Revier, die gleichzeitig Geschichte von unten sind. Die Printausgaben seiner Bücher sind weit mehr als 200.000 mal verkauft worden, hier liest er die besten Erzählungen in einer Auswahl, auch aus teilweise lange vergriffenen Bänden: Vom trinkfesten Großvater, dem Ekelpaket aus dem Revierklassiker „Streuselkuchen in Ickern“. Aus seinem Erstling „Aber es waren schöne Zeiten“ gibt es Berichte von der Beichte, dem Gesang in der Kirche und der Angst vor dem Pfarrer. Mehrere Storys aus dem Erfolgbuch „Streuselkuchen und Muckefuck“ sind zu hören mit Erinnerungen an Klq/4mpkesbuden, Kawenzmänner, Steißtrommler und Schweinepriester. Und aus dem Longseller „Jungens, euch gehört der Himmel“ liest Hans Dieter Baroth von einer Tour mit Hindernissen auf einem Lastwagen zu einem Fußball-Auswärtsspiel, als es nach dem Krieg und der Zerstörung Dortmunds keine Hinweisschilder mehr gab und die Straßennamen nicht mehr stimmten.

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‚All diese Alltagsgeschichten, sehr lakonisch vorgetragen und dennoch sehr intensiv, erzählen exemplarische Geschichten jener Generation, die im III. Reich geboren wurden und somit nicht die „Gnade der späten Geburt“ hatten, sondern all die Folgen der bestialischen Diktatur auszubaden hatten.

Allein die Geschichte „Der Großvater“ muss einen den Hals zuschnürren … denn hier ist auch das Thema „schwarze Pädagogik“ das Thema …

Aber auch all die anderen Geschichten lassen einem das Blut gefrieren … wie wir wurden, was wir sind … und all die psychischen Deformationen, die meine (oder unsere) Kindheit/Jugend begleitet haben …. erklären sich fast von selbst … nicht unbedingt ein Trost … aber eine Erklärung.

Vor einem Autor wie Hans Dieter Baroth kann man nur voller Respekt den Hut ziehen … und danke sagen !

BackCover1Besetzung:
Hans Dieter Baroth (Sprecher)

Das Ruhrgebiet

Titel:
01. In der Kolonie 10.17
02. Der Grossvater 16.28
03. Die Einkaufstour 6.16
04. Der Rektor 10.58
05. Kaleika am Heiligen Abend 6.57
06. Rasierplatz Im Kino 9.55
07. Taubenohren 3.50
08. Auswärtsspiel 5.42

CD1

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Edition Deutsche Zeitgeschichte (I) – Vom Kaiserreich zu Republik (70er Jahre)

FrontCover1Es gab da mal die „Miller International Schallplatten GmbH“, die den meistern Sammlern als jene Firma bekannt ist, die auf ihrem „Erupa“ Label diverse Leckerbissen herausgegeben hat (und das betrifft nicht nur jene Hörspiele für Kinder, die heute einen Kultstatus haben).

Nein, das Miller Label brachte auch Sondereditionen heraus, wie diese eine ist:

Deutsche Zeitgeschichte heißt die 3teilige LP Serien und sie umfasst folgende Dekaden:

1. Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924)

2. Der Weg zur Machtergreifung (1928 – 19339

3. 10 Jahre Wiederaufbau (1945 – 1954)

Völlig unverständlich, warum man die Jahre 1933 – 1945 ausgeblendet hat (Tondokumente aus diesen Jahren gibt es ja nun wahrlich genug). Wieder mal ein kleines Beispiel von fast schon kollektiver Verdrängung.

Nun, hier die erste LP dieser Edition (die beiden anderen liegen mir noch nicht vor, was nicht ist, kann aber noch kommen).

Anhand von Tondokumenten jener Jahre versucht man sich an eine Rekonstruktion jener Jahre. Eine intensive geschichtle Auseinandersetzung erfolgt aber nicht, so bleibt es ein narratives Tondokument.

Wenn man sich all die kriegsgeilen Zitate anhört, dann krieg ich noch heute ne Gänsehaut … Und klar: Die klangliche Qualität muss bescheiden sein … dennoch … diese Präsentation mag für den einen oder anderen schon von Interesse sein.

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Titel:

01. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 1) (16.01)
01.1. Ablösung der Wache am kaiserlichen Schloß zu Berlin
01.2. Kaiser Wilhelm II. spricht auf einer Edison-Walze: „Deutsch sein ist das… „, 1904.
01.3. Ferdinand Graf von Zeppelin ruft zur Nationalspende auf, 1908
01.4. „Aus großer Zeit“ – eine Erinnerung an 1813 mit vaterländischen Gesängen, zusammengestellt 1913
01.5. Kaiser Wilhelm II: Aufruf „An das deutsche Volk“, 1915
01.6. Marsch: Battaillon Garde
01.7. Hindenburg: Aus dem Dankerlaß an die Truppen der 8. Armee nach der Schlacht von Tannenberg, 1914 ‚
01.8. Marsch: Finnländischer Reitermarsch
01.9. Kapitän König, Kommandant des Handels-U-Bootes „Deutschland“, nach seiner Rückkehr aus den USA, 1916
01.10. Marsch: Unsere Marine

02. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 2) (16.09)
02.11. Philipp Scheidemann: „Friedensrede“ im Reichstag
02.12. Scheidemann: Erinnerung an den 9. November 1918 mit der Bekanntgabe des Thronverzichts Wilhelms I. und dem – nicht völlig wortgetreuen – Text der Ausrufung der deutschen Republik
02.13. Lied: Ich hab mich ergeben
02.14. Gustav Noske über die Kämpfe in Berlin im Januar 1919
02.15. Friedrich Ebert, Ansprache vor der Nationalversammlung in Weimar am 21.8.1919 nach seiner Wahl zum Reichspräsidenten
02.16. Ansage aus dem Berliner Vox-Haus: Alfred Braun
02.17. Hans Bredow, Weihnachtsansprache an das amerikanische Volk 1924
02.18. Hugo Eckener, Bericht von der Amerika-Fahrt mit dem Luftschiff ZR II („Zeppelin“) Oktober 1924
02.19. Marsch: Pepita-Marsch

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H. König (Edition M + P) – Sprechstunden Deutscher Geschichte – IV – 1933 (1974)

FrontCover1.jpgUnd jetzt wird es verblüffend, skurril und gruselig zu gleich:

Verblüffend, weil ich mir früher so gar nicht vorsellen konnte, dass das Pharma-Unternehmen Endopharm in Sprendlingen (liegt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz) für die Ärzteschaft eine eigene Edition mit dem (passenden) Namen „Sprechstunden Deutscher Geschichte) zu veröffentlichen. Die Edition umfasst 7 Teile und dokumentiert in Tondokumente deutsche Geschichte zwischen den Jahren 1904 – 1954).

Ich bilde mir ein, alle 7 Teile zu haben und durch Zufall habe ich nun Teil 4 dieser Dokumentation herausgefischt. Dieser Teil dokumentiert ausschließlich das Jahr 1933 und zwar jene Zeit, als Adolf Hitler mit seinem Ermächtigungsgesetz sich quasi die parlamentarische Legitimation für die folgenden Jahre des – erstmal – innenpolitischen – Terrors geben ließ.

Beispiel01

a ist di Eröffnung des 8. Reichstages in Potsdam … noch hatte man ein wenig Kreide gefressen … aber spätestens aber der Debatte über das Ermächtigungsgesetz wurde klar, welch pöbelnd-aggressive Politiker bei der NSDAP an der Macht waren. Die oftmals brüllend vorgetragenen  Redebeiträge von Adolf Hitler und Hermann Göring lassen einen angesichts dieser zynischen Grundhaltung nur noch frieren.

Und dann noch Otto Wels, der als Vertreter der SPD das „Nein“ seiner Partei gegen das Ermächtigungsgesetz begründete und dabei den historischen Satz aussprach:

 „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

Dies war dann die letzte freie Rede im Deutschen Reichstag …

Otto Wels

Es folgt dann noch eine glasklare Ansprache von Joseph Goebbels vor den Intendanten der deutschen Rundfunksender … und ne Radioreportage, in der der Beginn des Nazi-Terrors natürlich auf eine sehr wohlwollende Weise thematisiert wird.

An hämischem Zynismus nicht zu überbieten ist dann die Ansprache des Eugen Hadamovsky nicht zu überbieten:

Eugen Hadamovsky (* 14. Dezember 1904 in Berlin; † 1. März 1945 bei Hölkewiese, Landkreis Rummelsburg i. Pom.) war ein Funktionär der NSDAP sowie zwischen 1933 und 1942 Reichssendeleiter im deutschen Rundfunk.

Man höre sich das mal am besten selber an.

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Bemerkenswert ist es für mich dann noch, dass diese Single mit einem Begleitheft ausgestattet wurde, in dem neben der zu erwartenden Werbung für pharmazeutische Produkte auch relativ ausführliche Begleitinformationen zu den einzelnen Tondokumenten geliefert werden.

Weitere Ausnahmen dieser Edition werden folgen.

Booklet01A

Titel:

Eröffnung des 8. Reichtages am 21. 3. 1933, der „Tag von Potsdam“ (Auschnitte, Archiv Thorofon)

01. Radio Reportage 2.53
02. Ansprache Paul von Hindenburg 1.39
03. Ansprache Adolf Hitler 1.26

Debate über das Ermächtigungsgesetz (Reichtagssitzung in der Krolloper am 23. 3. 1933 (Ausschnitte, DRA und Archiv Thorofon):
04. Franz Stöhr (NSDAP) 1.06
05. Adolf Hitler (NSDAP) 2.04
06. Otto Wels (SPD) 1.38
07. Adolf Hitler (NSDAP) 1.55
08. Ludwig Kaas (Zentrumspartei) 0.23
09. Hermann Göring (NSDAP) 2.03

Rede vor Rundfunkintendanten Am 23. 3. 1933 (Ausschnitt, Archiv Thorofon):
10. Joseph Goebbels 1.03

Radioreportage der“Funkstelle Berlin“ (Ausschnitte, DRA C 1975):
11. Bericht über eine Polizeiaktion am 4./5. 4. 1933 3.07

Rede Im Sportpalast Am 12. 8. 1933 (Ausschnitt, DRA C 1170):
12. Eugen Hadamovsky 2.32

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Beispiel02

Die Rückseite der Single