Burkhard Glaetzner u.a. – Sechs Triosonaten (Jan Dismas Zelenka) (1986)

FrontCover1Da habe ich ja eine – wie mir scheint – wichtige musikalische Entdeckung machen dürfen …. Jedenfalls mir war der Komponist Jan Dismas Zelenka (* 16.10.1679 Launowitz – † 23.12.1745 Dresden)bis dato völlig unbekannt.
Ist ja auch eigentlich kein Wunder … er war ja auch lange in Vergessenheit geraten:

Der böhmische Komponist Jan Dismas Zelenka wurde am 16. Oktober 1679 in Launowitz geboren. Ersten Musikunterricht erhielt er von seinem Vater, seine weitere Ausbildung erfolgte am Jesuitenkolleg in Prag. Bis 1710 stand er in Diensten den Grafen Hartig, dann erhielt er eine Anstellung als Kontrabassist am Hof Augusts des Starken in Dresden. Zwischen 1716 und 1719 reiste er nach Wien, um bei Johann Joseph Fux Kontrapunkt zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach Dresden wurde er 1721 Vizekapellmeister, für die Kapellmeisterstelle erhielt Johann Adolf Hasse den Vorzug. 1729 wurde er zum Kapellmeister der Kirchenmusik und 1735 Kirchencompositeur ernannt. Zelenka gilt als der bedeutendste tschechische Barockkomponist. Bedeutung hat er erlangt vor allem durch seine Messen (ca. 20, darunter die sechs Missae ultimae), durch Lamentationen, Responsorienvertonungen und die im neapolitanischen Stil gehaltenen Oratorien. Zelenka starb am 23. Dezember 1745 in Dresden. Sein Grab ist nicht mehr erhalten, eine Gedenkstele erinnert an ihn. (Quelle: klassik-heute.com)

Und der Bayerische Rundfunk schrieb dann noch folgendes:

Zelenka011729 stirbt Johann David Heinichen, der Hofkapellmeister in Dresden. Die Stelle bleibt zunächst unbesetzt. Kommissarisch übernimmt den Posten Jan Dismas Zelenka, der zu diesem Zeitpunkt bereits 50 war. Zurecht kann sich der Musiker Hoffnung auf die Nachfolge machen, schließlich leitet Zelenka seit einigen Jahren die Dresdner Hofkirchenmusik. Doch schließlich macht der 20 Jahre jüngere Opernkomponist Johann Adolf Hasse das Rennen. Zelenka wurde übergangen, ungeachtet seiner außergewöhnlichen musikalischen Leistungen.

„Ich finde, dass er generell zu kurz kommt, weil er ein fantastischer Komponist ist, sehr einfallsreich, sehr individuell, ein fantastischer Meister des Materials. Er war am sächsischen Hof in Dresden tätig, wo er im Schatten der Hofkomponisten stand. Erst war das Heinichen, später Hasse – allerdings, wenn ich die Kompositionen Zelenkas mit diesen beiden Komponisten vergleiche, steht Zelenka auf einem ganz anderen Level.“

(Peter Dijkstra, Künstlerischer Leiter des Chores des Bayerischen Rundfunks)

Jan Dismas Zelenka ist der Sohn eines Organisten und besucht die Jesuitenschule in Prag. Zunächst war er Kontrabassist der Dresdner Hofkapelle, erhält aber bald erste Kompositionsaufträge für die katholische Kirchenmusik. Zu seinen Lehrern gehört auch Johann Joseph Fux. Auffällig ist jedoch Zelenkas gänzliche Unabhängigkeit von Vorbildern. Er hat einen eigenen, hoch expressiven Stil, verbindet meisterhaft ausgeführte kontrapunktische Gefüge mit einem ausgeprägten Gespür für Dramaturgie und kombiniert virtuos hochmoderne Kompositionstechniken mit weiten Rückgriffen in die musikalische Vergangenheit. Seine Werke bis hin zu den herausragenden späten Messen sind von einer überwältigenden Intensität.

Zelenka stirbt 1745 in Dresden, ohne nennenswerte Beachtung erfahren zu haben. Johann Sebastian Bach besaß Abschriften von einigen seiner Werke, beide kannten und schätzten sich wohl auch. Erst im 20. Jahrhundert wird Zelenkas Musik wiederentdeckt. Nicht zuletzt der Komponist und Oboist Heinz Holliger gibt dem Zelenka-Revival seit den 1970ern Jahren kräftige Impulse. So nimmt Jan Dismas Zelenka wenigstens heute zunehmend seinen ihm gebührenden Platz ein, als einer der größten und eigenständigsten Komponisten der späteren Barockzeit. (Quelle: br-klassik.de)

Zelenka02

Und neben den Aufnahmen des Obisten Heinz Hollinger ist auch dieses Doppelalbum dazu angetan, auf ganz wundersame Weise die großartigen Werke des vergessenen Zelenka zu studieren.

G. Pätzig in Stereo 11 / 86 zu Nr. 1-6: »Platte des Monats. ..Die virtuos-noble Gestaltung der fast nur mit dem barocktypischen, geheimnisvollen ›zirkulierenden‹ Endlos-Atem zu bewältigenden Melodieströme und Figurenketten fordert zur Bewunderung heraus. Das stil- und geistvolle Phrasieren und rhetorische Akzentuieren beglückt regelrecht. ..Verkappte Konzerte in hervorragender Solistenbesetzung. Höchste Bewertungen für Interpretation und Klangtechnik.«

Na bitte … wenn das kein Anreiz ist … sich diesem unbekannten Komponisten, dann weiss ich es auch nicht. Na ja, zumindest für die Musikliebhaber, deren Ohren sich an virtuoser Barockmusik erfreuen können.

Der Bayerische Rundfunk schrieb dann auch mal „Auf Augenhöhe mit Bach“  … das finde ich übertrieben, aber mit dem Telemann kann er es durchaus aufnahmen. Welch´ musikalischer Reichtum !

Gedenktafel

Besetzung:
Walter Heinz Bernstein (cembalo)
Achim Beyer (violin)
Burkhard Glaetzner (oboe)
Ingo Goritzki (oboe)
Siegfried Pank (viola da Gamba)
Knut Sönstevold (bassoon)

Booklet1

Titel:

Triosonate F-Dur Zwv 181 Nr. 1:

01. Adagio ma non troppo 3.11
02. Allegro 4.45
03. Larghetto 3.41
04. Allegro assai

Triosonate G-Moll Zwv 181 Nr. 2 5.30:
05. Andante 5.01
06. Allegro 6.51
07. Andante 4.24
08. Allegro assai 5.51

Triosonate B-Dur Zwv Nr. 3 (Original für Violine, Oboe, Fagott und Basso Continuo):
09. Adagio 4.15
10. Allegro 4.20
11. Largo 3.23
12. Allegro – Tempo giusto 6.08

Triosonate G-Moll Zwv 181 Nr. 4:
13. Andante 3.10
14. Allegro 6.03
15. Adagio 3.50
16. Allegro ma non troppo 9.08

Sonate F-Dur Zwv 181 Nr. 5:
17. Allegro 6.59
18. Adagio 3.32
19. Allegro 6.21

Triosonate C-Moll Zwv 181 Nr. 6:
20. Andante 3.23
21. (Allegro) 4.34
22. Adagio 3.12
23. (Allegro) 5.17

LabelD1

*
**

Wer an weiterführenden Informationen, die zur Vertiefung
der einzelnen blog-Beiträgen dienen, interessiert ist,  benötigt ein Passwort.
Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net