Die Zeit (Hrsg.) – Ausgewählte Texte zum Hören – Ausgabe 01 (2005)

FrontCover1So ein Hörbuch hat man auch nicht alle Tage in der Hand …

Die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ veröffentlichte ab 2005 (zumindest für eine gewisse Zeit) ausgewählte Artikel ihrer Zeitung im Rahmen dieser Hörbuch-Serie.

So ein Hörbuch kostete dann 5 Euro.

Unter den Autoren dieser Ausgabe ist wohl der Michael Naumann der bekannteste:

Michael Naumann (* 8. Dezember 1941 in Köthen) ist ein deutscher Politiker (SPD). Neben seiner Tätigkeit als Journalist, Publizist und Verleger war Naumann erster Kulturstaatsminister der Bundesrepublik Deutschland. Er war Spitzenkandidat der Hamburger SPD zur Bürgerschaftswahl 2008. Von Anfang 2010 bis Mitte 2012 war Naumann Chefredakteur des Monatsmagazins Cicero. Seitdem ist er Geschäftsführer und ab 2015 Gründungsdirektor der Barenboim-Said-Akademie in Berlin.  (Quelle: wikipedia)

Michael Naumann

Michael Naumann

Sein aktueller und zugleich kulturphilosphischer gefärbter Beitrag zur Flutkatastrophe 2004 (Stichwort: Tsunami 2004 in Südost-Asien) beinhaltet in vielerlei Hinsicht gültiges bis zum heutigen Tage …

Die Interessensvertretung der deutschen Beamten interessierte mich auch … kein Wunder, wenn man sich seit nunmehr mehr als 35 Jahre im öffentlichen Dienst bewegt (ohne ein Beamter zu sein), dann hör man schon besonders aufmerksam mit … denn Fragen zum Dienstrecht oder das alte Thema Beamte vs. Angestellte kann einem schon im beruflichen Alltag berühren und beschäftigen.

Den Autor Harald Martenstein schätzte ich seit vielen Jahrzehnten …:

Harald Martenstein (* 9. September 1953 in Mainz) ist ein deutscher Journalist und Autor.

Martenstein arbeitete nach dem Abitur am Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz einige Monate in einem Kibbuz in Israel und studierte dann Geschichte und Romanistik an der Universität Freiburg. In den 70er Jahren war er für einige Zeit Mitglied der DKP. Von 1981 bis 1988 war er Redakteur bei der Stuttgarter Zeitung und von 1988 bis 1997 Redakteur beim Tagesspiegel in Berlin. Dann übernahm Martenstein für kurze Zeit die Leitung der Kulturredaktion bei der Abendzeitung in München, kehrte jedoch wenig später als leitender Redakteur zum Tagesspiegel zurück.

Harald MartensteinFoto: Clemens Fabry

Harald Martenstein

Seit 2002 schreibt er eine Kolumne für die ebenfalls zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörende DIE ZEIT, zunächst unter dem Titel Lebenszeichen und seit dem 24. Mai 2007 im Rahmen des ZEIT-Magazin LEBEN unter Harald Martenstein. In überarbeiteter Form erschien eine Auswahl dieser satirischen Causerien erstmals 2004 in dem Sammelband Vom Leben gezeichnet. Einige Jahre war Martenstein zudem mit Kolumnen in der GEO kompakt vertreten. Martenstein schreibt derzeit für jede Sonntagsausgabe des Tagesspiegels eine Kolumne, darüber hinaus auch regelmäßig Glossen zu den Berliner Filmfestspielen und vereinzelt auch größere Reportagen und Essays. (Selbstdarstellung)

Wobei sein hier hörbarer Beitrag zu seiner eher schwächerer Beiträgen gehört … aber der Martenstein hat sich schon ein ganz eigenes Profil erarbeitet.

Und Reiseberichte mag ich eh so gern …. hier hören wir einen aus der Kategorie „sehr amüsant“.

Wer also anspruchsvollen Journalismus aus dem Jahr 2005 hören will … dem kann ich dieses Hörbuch nur empfehlen.

Hüllentext

Titel:
01. Michael Naumann: Die Welt rückt zusammen 10.58
02. Josef Joffe: Zwei milde Krieger 6.48
03. Wolfgang Gehrmann: Das nein kommt zu den Akten
04. Stefan Schmitt: Politisches Gift 3.49
05. Christoph Drösser: Stimmts ?
06. Thomas E. Schmidt: Renoirs Feldlazarett 7.40
07. Harald Martenstein: Wohlstandselend 4.14
08. Bjoern Erik Sass: Auf der Straße der Erkenntnis 13.24

CD1

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Der CD beigelegt: Ein Infoheft über weitere Hörbücher, die Wissen vermitteln sollen.

 

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Max Greger – Tanz-Turnier mit Max Greger (Ende 50er Jahre)

FrontCover1Max Greger (* 2. April 1926 in München; † 15. August 2015 ebenda) war ein deutscher Jazz-Musiker, Saxophonist, Big-Band-Leader und Dirigent. Er nahm mehr als 150 Schallplatten auf, trat in hunderten Konzerthallen unter anderem mit Louis Armstrong, Duke Ellington und Ella Fitzgerald auf und produzierte rund 3000 Musikstücke. Zu Gregers musikalischen Begleitern zählten Paul Kuhn, Hugo Strasser und James Last.

Max Greger sollte ursprünglich das elterliche Metzgereigeschäft übernehmen. 1936 schenkte ihm sein Großvater jedoch ein Akkordeon und legte damit den Grundstein zur musikalischen Entwicklung des damals Zehnjährigen. Neben dem Besuch einer Aufbauschule absolvierte Greger ein Studium der Klarinette und des Saxophons am Münchner Konservatorium.

Als 18-Jähriger wurde Max Greger 1944/45 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen. Bereits kurz nach Kriegsende spielte er als einer der ersten Deutschen vor allem in amerikanischen Offizierscasinos und wurde somit, gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Hugo Strasser, zu einem Pionier der deutschen

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Single, 1957

Swing- und Jazzszene der Nachkriegszeit. 1948 gründete er sein erstes eigenes Ensemble, welches später zu einem Oktett erweitert wurde. Schon früh schaffte er es, mit Jazz-Größen wie Woody Herman, Stan Kenton und Lionel Hampton zu spielen. Er musizierte tagsüber mit dem Enzian-Sextett hauptsächlich Schlager und Volkstümliches für den Bayerischen Rundfunk und abends als Max-Greger-Sextett Swing und Jazz in den amerikanischen Clubs. Später trat er in der Band des Trompeters Charly Tabor auf und stand unter anderem mit Louis Armstrong und Duke Ellington auf der Bühne.

Erste Schallplattenaufnahmen mit eigenen Tanz- und Schlagerkompositionen wie Auf Bergeshöhen, Rock’n’Roll Boogie, Verliebte Trompeten, Max & Sax, Looping Blues, Keiner küßt wie Du, Teenager Cha Cha und Rock Twist folgten, ebenso wie ausgedehnte Tourneen durch Deutschland und Europa. Als erste westliche Band seit 35 Jahren durfte Max Greger 1959 eine fünfwöchige Tournee in die Sowjetunion starten, wo er mit Maria Hellwig und Udo Jürgens auftrat. Insgesamt gab es 36 ausverkaufte Konzerte. Danach gelang ihm der kommerzielle Durchbruch … (Quelle: wikipedia)

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Max Greger, 1957

In dieser Zeit müssen auch diese Aufnahmen entstanden und veröffentlicht worden sein. Manche Quelle gaben zwar das Jahr 1967 als das Jahr der Veröffentlichung an. Aber das glaub ich nicht, denn die Hüllengestaltung verweis aus meiner Sicht schon eindeutig auf die 50er Jahre.

Sei´s drum.

Ursprünglich wurden diese Aufnahmen bei Ariola veröffentlicht und sie fanden sogar ihren Weg nach Australien, wo sie ebenfalls veröffentlicht wurden. Mein Exemplar ist eine verkürzte 10″ Fassung für das Label des Europäischen Phonoclubs, Opera.

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LP Hülle (Australien)

Wir hören geschmeidige Tanzmusik ala Max Greger, die man gut und gerne auch mal nur so nebenbei hören kann, ohne das Tanzbein zu schwingen … nicht, dass man sich noch das Bein bricht !

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Noch ne andere Hülle (für das Billig-Label „Baccarola“)

Besetzung:
Max Greger Orchester

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Titel:
01. Carolina Moon (Davis/Burke/Rotter) 2.21
02.  Ich schenk‘ mein Herz (Mackeben/Knepler/Welleminsky) 2.25
03.  Diosa Marina (Ort) 2.20
04. In Portugal (Durso/Mitchel/Bradtke/Kahn) 2.15
05. A Fine Romance (Kern/Fields) 1.45
06. Ich hätt‘ getanzt heut Nacht (Loewe/Gilbert) 2.10
07. Perfidia  (Dominguez/Siegel/Schaeffers) 2.10
08. Venus (Marshall/Madinez) 2.07
09. Spanischer Marsch  (Rixner) 2.02
10. La-Le-Lu (Gaze) 2.29

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Peter Horton & Sigi Schwab – Guitarissimo (1978)

FrontCover1Jetzt ein wahrer Leckerbissen für alle Freunde der akustischen Gitarrenmusik.

„Guitarissimo“ nennt sich das Konzept der beiden Vollblutmusiker Peter Horton und Sigi Schwab:

Peter Horton musizierte mit Weltstars wie David Bowie, Robin Gibb (BeeGees), Harry Belafonte, Placido Domingo, Art van Damme, Toots Thielemans, stand mit Peter Herbolzheimer und Kurt Edelhagen u.v.a. auf der Bühne, tourte in den USA als Chansonnier und Entertainer, trat in Japan, Brasilien und Chile auf. Als Gastgeber seiner TV-Serien „Café in Takt“ (ARD) und „Hortons Kleine Nachtmusik“ (ZDF) schrieb er ein Jahrzehnt lang beste deutsche Fernsehgeschichte.

Im Duo „Symphonic Fingers“ spielte er mit der deutsch-bulgarischen Pianistin Slava Kantcheff über 2000 Konzerte.

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Peter Horton

Peter Horton veröffent­lichte als Chansonnier, Gitarrist und Singer-Songwriter etwa 65 Alben und Singles, schrieb an die 600 Musikwer­ke und Chansons und  erreichte als Schriftsteller und Aphoristiker mit 11 Büchern ein beachtlich großes Publikum.
Der aus Ludwigshafen/Rhein stammende Wahlmünchner Sigi Schwab studierte Gitarre und Kontrabass an der Musikhochschule Mannheim. 1965 wurde er als Gitarrist zum RIAS Berlin verpflichtet.

Als Studiomusiker spielte er mit namhaften Orchestern und Interpreten an die 15.000 Titel ein. Darunter Produktionen mit Kurt Edelhagen, Peter Herbolzheimer, Erwin Lehn, Wolfgang Dauner, Eberhard Weber, Charlie Mariano, Chris Hinze, Manfred Schoof, Marcio Montarroyos, George Shearing, Nelson Riddle, Astor Piazzolla, Singers Unlimited, Hermann Prey, Bernd Weikl u. v. a.

Er komponierte hunderte Musikwerke zu TV-Serien und Filmen, für Theater, Ballett und Performances, schrieb eine 4-bändige Folkpicking Schule, brachte mehrere Bände für Gitarre heraus. Der BR und der NDR produzierten je sechs TV-Workshops mit ihm und ZDF, ARD in Co-Produktion mit dem Schweizer-TV je zwei einstündige Portraits.

SigiSchwab

Sigi Schwab

Seine LPs und CDs sind für viele zu Sammlerobjekten geworden.

Und Gott sei´s getromelt und gepfiffen, dass sich der musikalische Weg der beiden Ende der 70er Jahre gekreuzt hat.

Der Name entstand 1979, als Peter Horton und Sigi Schwab in einer TV-Sendung ad hoc miteinander musizierten.

Aus der spontanen und explosiv erfolgreichen Spielfreude entstand die erste Guitarissimo LP. Zusammen mit der kurz darauf nachfolgenden LP Confiança lagen die Verkaufszahlen bald bei etwa 450.000 LPs.

Peter Horton und Sigi Schwab füllten damals mit nur zwei Gitarren Hallen bis zu 5000 Konzertbesuchern.

Und was wir hier nun zu hören können ist ein geniales Album voll mit sinnlichen, lyrischen, turbulenten und fulminanten Gitarrenklängen, die bei zwei der Songs dann auch noch garniert werden mit dem Flötenspiel eines Chris Hinze … wer die Querflöte liebt, kommt an diesem Ausnahmemusiker eigentlich nicht vorbei.

Für Peter Horton war dieses Album die Gelegenheit, sich als wirklich anspruchsvoller Musiker zu präsentieren und Sigi Schwab konnte erneut beweisen, dass er ein Meister seines Faches war und bis zum heutigen Tage geblieben ist.

Oder: Wer Ohren hat zu hören …

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Alternatives Frontcover

Besetzung:
Peter Horton (guitar)
Sigi Schwab (guitar)
+
Chris Hinze (flute bei 05. + 09.)

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Titel:
01. Jagt den Beelzebub (Schwab) 5.23
02. Etude Nr. 1 (Schwab) 2.56
03. Bhagavan (Horton) 2.49
04. Invention Nr. 1 (Bach) 1.02
05. Wer Ohren hat zu hören (Horton) 5.05
06. Cosmic Guitarman (Horton) 2.05
07. Was wir ihnen immer schon spielen wollten (Schwab) 3.43
08. Ladakh (Schwab) 3.33
09. Salut Amsterdam (Horton) 4.46
10. Toccata For A Wild Old Lady (Horton) 2.58

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Verschiedene Interpreten – Es lag in der Luft – Chansons der 20er Jahre (1965)

FrontCover1Irgendwie tröstlich, dass „wir Deutschen“ gar nicht so tugendhaft waren, wie man sich das mal früher gedacht hat … denn diese Sammlung durchaus auch frivoler Chansons aus den 20er Jahren ist schon erstaunlich, bedenkt man, dass sie Mitte der 60er Jahre erschien, also zu einer Zeit, als ein Oswald Kolle erst in den Startlöchern stand.

Aber zurück zu dieser LP. Es handelt sich nicht um einen Sampler, sondern die Aufnahmen wurden eigenes für diese Produktion aufgenommen, die musikalische Leitung hatte Nils Sustrate (* 01.09.1931) … Auch wenn der Name nur wenigen geläufig ist, fast jeder hat seine Kompositonen schon mal gehört, denn er hat u.a. bei diversen Tatorten die Musik komponiert.

Und neben all den frechen Chansons kann man dann auch die bis heute witzig-sarkastischen Gedichte aus der Feder von Erich Kästner hören, gesprochen von dem Schauspieler Wilhelm Borchert.

Und man gab sich mit der Produktion wirklich viel Mühe … Das zeigt sich nicht nur daran, dass sie Spieldauerbei  über 55 Minuten liegt – bedenkt man mal, dass damals so manche Beat-LP´s knapp 30 Minuten dauerte … da staunt man dann schon wenig …

Ich kenne nicht alle der Interpreten, aber so manchen Namen sind mir schon noch geläufig: Hannelore Schroth, Martin Held, Theo Lingen, Victor de Kowa oder Heinz Reincke … das waren damals schon klangvolle Namen.

Ich wünsche also viel Vergnügen bei diesen pfiffigen Interpretationen … charmant, frivol, beschwingt … zuweilen bissig und sarkastisch … zuweilen ein wenig schräg … Herz, was willst Du mehr ?

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Besetzung:

Hannelore Schroth – Ursula Sieg – Karl John- Reiner Brönneke – Andrea Dahmen – Lore Calvies – Martin Held – Joana Maria Gorvin – Theo Lingen – Victor de Kowa – Elfriede Ott – Werner Riepel – Manfed Steffen – Carla Hagen – Christa Bernhardt – Heinz Reincke

Arrangements und musikalische Leitung: Nils Sustrate

Sprecher: Wilhelm Borchert

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Heinz Reincke & Hannelore Schroth

Titel:
01. Es liegt in der Luft (Schiffer/Spoliansky) 2.34
02. Die Zeit fährt Auto (Kästner) 0.53
03. Die Trommlerin (Hollaender) 2.53
04. Koks (Markiewicz/Sustrate) 3.11
05. Die Zunge der Kultur reicht weit (Kästner) 1.08
06. Duett im Romanischen Café (Hollaender) 5.10
07. Hymne an die Zeit (Kästner) 1.18
08. Eine gewisse Republik (Kerr/Sustrate) 1.38
09. Berlin in Zahlen (Kästner) 1.25
10. Tamerlan (Tucholsky/Nelson) 3.58
11. In der Bar zum Krokodil (Beda/Fritz/Engel-Berger) 3.20
12. Wenn die beste Freundin (Schiffer/Spoliansky) 3.17
13. Meine Schwester liebt den Buster (Hollaender) 3.18
14. Legende nicht ganz stubenrein (Kästner) 1.49
15. Eine kleine Sehnsucht (Hollaender) 4.01
16. Besuch vom Lande (Kästner) 0.59
17. Robes, Modes (Beda/Jaffe/Bronx) 2.31
18. Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank (Kästner) 1.25
19. Die Kleptomanin (Hollaender) 2.19
20. Misanthropologie (Kästner) 1.13
21. Das Tauentzienmädel (Tucholsky/Hollaender) 4.01
22. Ballade vom Nachahmungstrieb (Kästner/Sustrate) 3.24
23. Finale (Schiffer/Spoliansky) 0.38

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Variete Silvester 1928 in Berlin

Arno Schmidt – Die Schule der Atheisten (Hörbuch) (1995)

MCFrontCover1Wahrlich eine Rarität aus dem Bereich der deutschen Literatur der Nachkriegssgeschichte … Ein ganz spezielles Hörbuch, das sich mit dem Arno Schmidt Werk „Die Schule der Atheisten“ beschäftigt, ein wahrlich turbulenter Roman aus dem Jahr 1972:

Die Schule der Atheisten (Untertitel: Novellen=Comödie in 6 Aufzügen) ist ein Werk des deutschen Schriftstellers Arno Schmidt mit 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln.

Das Werk erschien zuerst 1972 im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. 1994 erschien es neu in der Bargfelder Ausgabe, Werkgruppe IV, Band 2 als Edition der Arno Schmidt Stiftung im Haffmans Verlag.

Konzipiert und niedergeschrieben wurde das bei weitem komischste unter Schmidts Spätwerken in den Jahren 1969 bis 1971. Schmidt konnte sich dabei auf lokale Recherchen stützen, die er bei einem Besuch in Tellingstedt und im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, auf mehreren Reisen zusammen mit dem Ehepaar Michels, gesammelt hatte. Das katastrophische Szenario vom Untergang Europas durch einen dritten Weltkrieg, das von ihm vorher mehrfach, z. B. in Schwarze Spiegel, Die Gelehrtenrepublik und KAFF auch Mare Crisium behandelt worden war, erhielt dabei eine völlig neue und – für Schmidt überraschend – unbeschwert-heitere Wende. Am Ende gibt es den trügerischen Anschein einer Hoffnung im von den Großmächten geduldeten Fortbestehen des Reservats. Die Handhabung der „verschmidtsten“ Sprache vermeidet alle Gequältheiten, die sich in Zettels Traum doch finden. In Zettels Traum findet sich ein erster Verweis auf das ihm folgende Werk:

„(-:was weißDû vd ‚SCHULE DER ATHEISTEN‘ !:- héh !? -))“

– Zettels Traum: S. 222, rechts Mitte
„….ausgerechnet zu Uns, nach Tellingstedt“
Vernis mou-Radierung von Jens Rusch

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Die USA (als Matriarchat) und China (als Patriarchat) haben als konkurrierende Großmächte den Atomkrieg überlebt, in Europa jedoch nur ein, im für Schmidt typischen Norddeutschen Flachland gelegenes, Reservat an der Eider. Es soll die Kultur, die Sitten und Gebräuche der Vergangenheit des alten Europa als touristische Attraktion museal bewahren. Das Gebiet wird von dem fünfundsiebzigjährigen Senator und Friedensrichter William T. Kolderup regiert. Im Oktober 2014 kündigt sich die Außenministerin der USA, Nicole Kennan, genannt Isis, zu einer Besichtigungstour an und stört die Idylle. Eine Auflösung des Reservats könnte bevorstehen.

Die politischen Schwierigkeiten und Spannungen zwischen den verbliebenen Großmächten erhalten eine jähe Wendung, als Ufos gesichtet werden. Plötzlich besteht die Notwendigkeit, auf dem neutralen Boden des Reservates eine Konferenz mit einer chinesischen Delegation abzuhalten, um den nächsten, drohenden Krieg doch noch zu verhindern. Das Überleben, jetzt nicht nur des Reservats, hängt von einem positiven Ausgang des Treffens ab. Damit dieses Treffen ein voller Erfolg wird, bedient sich der alte Kolderup aller in Kolportage-Romanen üblichen Kniffe. Vor vielen Jahren hatte er mit der Mutter der jetzigen US-Außenministerin einen Schiffbruch vor Spenser Island

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Die Originalausgabe

überstanden. Gerührt durch die damaligen Ereignisse, wird ihm die Ministerin gewogen. Ein Schatzfund (man denke an Schmidts Das steinerne Herz) in Gestalt chinesisch beschrifteter Kacheln, welche sich als wichtiger Bestandteil eines Ahnenschreins entpuppen, eine Reminiszenz an den China-Aufenthalt des Vaters des Verfassers (ein von Schmidt in vielen seiner Bücher geübtes Verfahren) wird hier handlungstragend. Für den chinesischen Verhandlungsführer Yuan Schi Kai stellen die Kacheln wertvolle Geschenke dar. Durch Kolderups geschicktes Agieren kommt es zu einer Übereinkunft der Großmächte und das Reservat erhält eine (vorläufige) Bestandsgarantie.

In die erste Handlungsebene ist raffiniert eine Seereise mit Schiffbruch eingeflochten, als ein „Dazwischenspiel“, am Ende wie ein feingesponnener Traum, der wie eine kalkulierte Fernsehinszenierung mit Tricks hinter den Kulissen für Verwirrung sorgt. Es ist dies der Bericht von der Seereise dreier Atheisten, deren Überzeugung von einer Missionsgesellschaft einer Prüfung unterzogen wird. Dem liegt der reale Bericht über das Missionsschiff Candace zugrunde. Ein den Kolportage-Romanen Karl Mays direkt entsprungener junger Apotheker, der in der „Schule“ den jugendlichen Helden geben darf, steht hier stellvertretend für die May-Bezüge, die in mehreren Werken Schmidts vorhanden sind.

Die in den Text der „Schule“ eingebauten „Geheimgänge“ und Tapetentüren sind damit noch nicht erklärt. Sie sind Gegenstand des eigenen Erkundens.

In Die Schule der Atheisten bedient sich Schmidt der Operette und, wie der Titel durchschimmern lässt, auch der Komödie Die Schule der Frauen des französischen Dramatikers Molière. Handlungstragend ist der von Jules Verne verfasste Roman Die Schule der Robinsons und der von dessen Bruder Paul Verne verfasste Reisebericht Von Rotterdam nach Kopenhagen. Beide Bücher wurden deshalb 1978 in einem Band in der Reihe Haidnische Alterthümer bei Zweitausendeins wieder aufgelegt, wie auch der Roman Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz, der Einfluss auf die Science-Fiction-Handlung des Buchs hatte. Als weitere Quellen dienten die Werke von Theodor Storm, Klaus Groth und Gustav Frenssen.

Tellingstedt

Die Tafel zum Gedenken an den Aufenthalt Arno Schmidts in der Traube in Tellingstedt

Schmidts Rückgriffe auf Romane von Jean Paul und Ludwig Tieck, aber auch auf ältere Literaturformen, wie die Zaubermärchen des Rokoko, wohl über Christoph Martin Wieland vermittelt, lassen die Schule als Schmidts versöhnlichstes Werk erscheinen – zudem altersweise wie Wilhelm Raabes Spätwerk. (Quelle: wikipedia)

Oder aber auch:

Diese »Novellen-Comödie« in 6 Aufzügen und 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln ist ein höchst merkwürdig ernsthafter Spaß, eine »vis comica«, eine Revue mythologischer, religiöser, poetischer & wissenschaftlicher Welterklärungen, ein poetisch-theatraler Diskurs welchen sich der menschliche Geist zum eigenen Genuß vorspielt, vorspiegelt, – schöpfend aus dem dramaturgischen Arsenal barocker Zaubermärchen, Mysterienspiele, Possen mit Liebesidyllen, arkadische Derbheiten & ironische Offenbachiaden.

Im Mittelpunkt des im Jahre 2014 spielenden Geschehens steht der vierundsiebzigjährige William T. Kolderup. Er ist Friedensrichter in einem Reservat. Nach der Aufteilung der Welt in die Hemisphären des US-amerikanischen Matriarchats und des chinesischen Patriarchats haben die beiden Weltmächte je ein Gebiet für sich erhalten, das Kultur, Sitten und Gebräuche der Vergangenheit als touristische Attraktion bewahren soll. Kolderups Tellingstedt, die Erzählstadt also, ist der letzte Rest des alten Europa. Das Reservat rückt für ein paar Tage in den Mittelpunkt der Weltpolitik. Die Außenministerin der USA, Isis, trifft sich hier mit ihrem chinesischen Amtskollegen, um über einen gegenseitigen Duldungsvertrag zu beraten. Durch Kolderups List gelingt es, das Scheitern der Verhandlungen zu verhindern. Ihm ist es auch zu verdanken, daß das Reservat noch einmal verschont wird; denn Isis war auch zur Inspektion nach Tellingstedt gekommen, um zu untersuchen, ob der Luxus dieses kulturhistorischen Museums der Vergangenheit noch weiterhin seinen Sinn habe.

Buchausgaben

Weitere Buchausgaben

In die erste Handlungsebene ist raffiniert ein >Dazwischenspiel< in das Geschehen eingestreut, »das sich am Ende phantasmagorisch wie ein feingesponnener Traum, wie eine kalkuliert ausgeführte Fernsehinszenierung und wie ein pastellhaft-durchsichtiges Diorama auflöst, berichtet von der Reise dreier Atheisten«.

»Die Schule der Atheisten« ist ein vielfältiges Handlungs- und Figurengeflecht, ein komplexer Erzählteppich, der sich zwar gelegentlich in meist karikierten, satirisierten Figuren verdichtet, – doch in bekannt genialer Komposition durchwirkt eine schier unendliche Anzahl poetischer Kombinatoriken & Erfindungen, – jegliche Phantasieschicht der Erzählung, – das gesamte Sprachmaterial. (Quelle: http://www.echoraum.at)

Und hier hören wir nun diese Lesung  – gelesen von drei Enthusiasten: Dabei ist natürlich Jan Philip Reemtsma der bekannteste Name.

Jan Philipp Reemtsma

Jan Philipp Reemtsma

Aber auch ein Bernd Rauschbach ist ein Schwergewicht:

Bernd Rauschenbach (* 30. Juli 1952 in Berlin) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Rezitator.

Rauschenbach studierte Germanistik und Bibliothekswissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Seit 1975 veröffentlichte er literarische Werke und wurde 1982 Sekretär der Arno Schmidt Stiftung. Seit 2001 ist er deren geschäftsführender Vorstand. Er lebt in Eldingen, dem nächstgrößeren Nachbarort von Bargfeld, dem Wohnort Arno Schmidts, in dem die Stiftung ansässig ist. Für sie ist er vor allem als Herausgeber tätig, so beteiligte er sich an der Herausgabe der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts. Außerdem arbeitete er bis ca. 2013 an einer Biographie Schmidts.

Bernd Rauschenbach ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. (Quelle: wikipedia)

DasVorleserTrio

Bernd Rauschenbach (rechts) gemeinsam mit Joachim Kersten (links) und Jan Philipp Reemtsma (Mitte), Hamburg 2013

Und ja … wer war eigentlich dieser Arno Schmidt.

Sein Haus in Bargfeld ist legendär. Seit 1958 wohnte Arno Schmidt in dem kleinen Heidedorf und empfing kaum noch Besuch. Als er nach der Veröffentlichung von „Die Schule der Atheisten“ 1973 den Goethepreis verliehen bekam, mussten die extra angereisten Journalisten Bauern und den Gastwirt interviewen, weil der Schriftsteller keine Audienzen gab. „Jegliche Berührung mit Anderen setzt erfahrungsgemäß meine Leistung herab und stört mich auf Tage hinaus.“ Immer extremer wurde seine selbst gewählte Isolation. In den letzten zehn Jahren lebte er von seiner Frau Alice durch eine Falltür getrennt in dem winzigen Häuschen. Sie oben, er unten. Für den Notfall gab es zwischen den Stockwerken eine Wechselsprechanlage.

Kamera

Die Kamera des Arno Schmidt (Yashica 44)

Arno Schmidt, der am 18. Januar 1914 als Sonntagskind in Hamburg-Hamm geboren wurde, wollte als Literat ganz hoch hinaus, mindestens so hoch wie James Joyce. Sein Name ging ein in die Geschichte. Wer aber hat ihn wirklich gelesen? In der Schule in Görlitz nennen sie ihn „Allah“, weil er ständig über Religion spricht. Auffallen tut er nur als begnadeter Linealfechter.

In seinen Beruf als Buchhalter kehrt er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück, widmet sich nach einer kurzen Zeit als Polizeidolmetscher ganz dem Schreiben. Hermann Hesse, dem Schmidt seine ersten Texte zuschickte, nannte ihn einen MCBackCover1„modernen Desperado“, der den Krieg mit angesehen hat und einem „seinen Ekel ins Gesicht spuckt“. Selbstherrlich und elitär stilisiert sich da einer zum Genius. Frau Alice inszeniert auf Fotos seine Posen und ist sonst mit Schreibarbeiten als ideale Schriftstellergattin zu seinen Diensten.

Mit „Leviathan“ (1949), „Brand’s Haide“ (1951) und „Aus dem Leben eines Fauns“ (1953) erregt er Aufsehen in der Szene. So was hat man noch nicht gelesen. Dort wütet einer gegen Gott und die Welt. Mit ganz eigenen Worten, einer eigenen Orthografie und Interpunktion, weil die alte Sprache nach dem Krieg nicht mehr zu gebrauchen ist. Vor allem aber, weil er alles, was vor ihm war, überbieten will. „Seelandschaft mit Pocahontas“ bringt ihm eine Anzeige wegen Gotteslästerung ein.

Seine Bücher verkaufen sich kaum. Mit Übersetzungen und Radio-Feuilletons hält er sich über Wasser. Um demonstrativ seine Armut zur Schau zu tragen, trägt er kein Hemd unter der Jacke. Die Recherchen für sein Buch über „Fouqué und einige seiner Zeitgenossen“ (1958) – übrigens bis heute die einzige umfassende Biografie über den Romantiker – erledigt er auf dem Tandem. Wenn ein Verleger ihn zum noblen Essen einlädt, empört Schmidt sich, warum er als Genie hungern muss, während der Geldsack im Überfluss lebt.

Immer mehr steigert er sich in sein Ideal vom stillen Menschen, sucht in der Arbeit Heil. Mit der Uhr stoppt er die Stunden am Schreibtisch. Komplizierte Arbeiten fängt er nur bei fallendem Luftdruck an. Während den Recherchen am Opus magnum, „Zettels Traum“ (1970), steht er morgens um ein Uhr auf. In seiner Laudatio zum Goethepreis, die er von seiner Frau verlesen lässt, wettert er gegen das Geschwafel der 40-Stunden-Woche. „Meine Woche hat immer 100 Stunden gehabt.“

Ein Mensch allein kann die philologische Schnitzeljagd des Buches nicht bewältigen, und so bildet sich bald ein „Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikat“. Leben und Literatur verschwimmen immer mehr. Mit Alkohol und Tabletten versucht der Neurotiker, sich am Schreibtisch zu halten. „Man muss sich entscheiden, ob man leben will, oder ein Werk schaffen.“ In seinem letzten Text, „Julia oder die Gemälde“, heißt es: „Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare“. Am 3. Juni 1979 muss Arno Schmidt seinem Lebenswandel Tribut zollen. Er stirbt an einem Hirnschlag und liegt in seinem Garten in Bargfeld begraben. (Welf Grombacher)

Arbeitszimmer

Das Arbeitszimmer des Arno Schmidt

Arno Schmidt war wohl ein arg schräger Vogel … Diese Lesung ist auch irgendwie schräg (mehr as einmal hört man die Sprecher hören), aber voller Leidenschaft … also passen diese Aufnahmen gut zu Arno Schmidt.

Erschienen ist die MC in der „Reihe Mitschnitt“ (Verlag Franz Josef Knape, Augsburg) … ich glaub´… da hab´ ich wieder mal was zu recherchieren …

Und vielleicht ist es wieder mal an der Zeit, einen Querdenker zu entdecken, unglaublich seine Wortabrobatik … hier gepaart mit einem schier unglaublichem Reichtum von skurillen, z.T. aberwitzigen Szenerien.

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Besetzung/Die Sprecher:
Joachim Kersten – Bernd Rauschenbach – Jan Philipp Reemtsma
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Titel:
01. Einleitung/Die Schule der Atheisten (Teil 1) 59.10
02. Die Schule der Atheisten (Teil 2) 56.17

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Diese Präsentation war mir nur möglich, weil die Graugans mir diese MC aus ihrem famosen Schallarchiv als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Vielen Dank !

 

Xhol – Hau-RUK (1971)

FrontCover1Erst hießen sie „Soul Caravan“, dann „Xhol Caravan“ und schließlich nur noch „Xhol“ … und sie waren fantastisch !

Xhol beabsichtigten 1970, auf dem Ohr-Label ein Doppel-Album herauszubringen, eine LP mit Live-, eine weitere mit Studio-Aufnahmen. Für die Live-LP waren die für dieses Album verwendeten Aufnahmen vorgesehen. Da dieses Doppel-Album an R.U.Kaisers Widerstand scheiterrte und deshalb nicht zu realisieren war, erschien Ende 1970 auf Ohr diese Einzel-LP.Man hat lange gerätselt, was den nun der Titel des Albums sei, es hat sich nun manifestiert, dass hau-RUK der Titel ist. RUK bedeutet offensichtlich Rolf Ulrich Kaiser, auf den die Jungs wegen des nicht realisierten Doppel-Albums nicht gerade gut zu sprechen waren. Im Januar 2003 hat Garden of Delight (GOD) eine offizielle Version des Albums in recht guter Tonqualität und mit einem sehr informativen und umfangreichen Booklet sowie einem Bonus-Track herausgegeben. GOD hat 1.000 Exemplare dieser CD aufgelegt, davon sind fast keine mehr in Handel erhältlich, man sollte also zugreifen, wenn noch ein Exemplar angeboten wird. Zuverlässige Bezugsquellen sind Milestone-Mailorder und Green-Brain.

Die zwei am 1. und 2 Juli 1970 im Center Göttingen live aufgenommenen, jeweils ca. 20minütigen Tracks sind vermutlich die musikalisch gelungensten Teile längerer Stücke – Xhol waren ja bekannt für ihre sehr ausladenden Sessions.
„Breit“ ist ein sehr ruhiger, jazzig/psychedelischer Titel, der sich stetig weiterentwickelt, ohne dabei langweilig zu werden. Langsam und ruhig lässt Tim sein elektronisch verstärktes Saxophon eine Melodie finden, untermalt von modulierenden Tönen von Öckis Hammond. Bass und Schlagzeug greifen erst spät in das musikalische Geschehen ein, die schwebend-epische Stimmung bleibt aber auch dann erhalten. Bedächtig, stetig fortschreitend und konsequent entwickelt sich das Stück weiter, nur kurz unterbrochen von einigen freejazzigen Ausbrüchen, die aber schnell wieder zur melancholischen Grundstruktur des Stücks zurückführen. Der Titel wird in manchen Besprechungen mit Titeln aus dem Album Soft Machine III verglichen. Dies stimmt zwar wegen der Länge des Titels und der Instrumentierung, aber musikalisch sind doch einige Unterschiede zu erkennen. Xhols Musik, auch in diesem Titel, ist wesentlich emotionaler und basiert auf anderen, an Soul und Psychedelic orientierten Ursprüngen, dieser Aspekt fehlt bei Soft Machine völlig.

Konzertplakat
„Schaukel“ beginnt mit einer musikalisch unbefriedigenden, man könnte auch sagen, einer technisch etwas misslungenen Einblendung, wird dann sehr bluesig/rockig und endet mit einer melancholischen Melodie aus alten Xhol Caravan-Zeiten, nämlich Talking to my soul. Tims elektrisch verstärktes und verfremdetes, mit Echo und Wah-Wah ausgestattetes Saxophon und Öckis Hammond bestimmen auf beiden Titeln das Geschehen. Drummer Skip übernimmt im rockigen Teil von Schaukel die schrägen vocals

Beide Titel erschliessen sich dem Hörer voll und ganz erst nach mehrmaligem Anhören. Man erkennt dann – aber das gilt ja für die gesamte Musik der Band seit 1969 – wie sich die Musik aufbaut, weiterentwickelt, die Melodien von den Bandmitgliedern improvisiert und variiert werden und zu einem logischen kollektiven Ende geführt werden. Auch viele Details prägen sich einem dann erst nach und nach ein. Auf der Cover-Rückseite hat die Band den schönen alten hessischen Spruch -Haste einen Freund, dann raach mit ihm den Scheund- verewigt. Diese Aufforderung haben bei diesem Konzert, wie bei vielen anderen Konzerten der Band, wohl nicht nur die Musiker, sondern auch die Zuhörer freudig befolgt.

Klanglich entsprechen diese Aufnahmen dem damaligen Stand der Technik für eine Live-Aufnahme, von einem analogen 2-spur Bandgerät kann man nicht mehr erwarten.

Xhol

Eine absolute Überraschung im positiven Sinn – sowohl musikalisch als auch aufnahmetechnisch – ist der ca. 22minütige Bonus-Track „Süden twi Westen“. Er wurde 1974, also 2 Jahre nach der Auflösung der Band, im Dierks-Studio in Stommelen aufgenommen. Leider fehlt Klaus Briest am Bass (ihn ersetzt sehr gut Norbert Dömling von Missus Beastly), dafür ist Hansi Fischer wieder dabei. Die Länge des Titels lässt darauf schliessen, dass ggf. hier ein Album geplant war und dieser Titel eine Seite dieses Album sein sollte. Leider konnte das aber nicht realisiert werden.
Ein direkter Vergleich mit den zwei ursprünglichen Titeln von hau-RUK zeigt, dass es keine Ähnlichkeiten gibt – auch wenn das in diversen Rezensionen behauptet wird. Denn schon nach wenigen Takten ist es wieder da – das typische Xhol Caravan-Feeling von 1969 und 1970, das man auch in den Xhol-Reunion-Konzerten hören konnte: Bass und Drums liefern eine solide rockende und vor allem jazzend/swingende Basis, Öckis Keyboards sorgen für wunderschöne Melodien, Tim und Hansi lassen es röhren wie zu besten Zeiten – beide nun wieder ohne elektronische Verfremdung der Instrumente – und zum Schluss sorgt Öcki für einen richtig schönen melancholischen Ausklang. Für diesen Titel gilt auf jeden Fall: Kopfhörer auf, Lautstärke auf, Augen zu und dann: Jazzen mit rhythmischem Kopfnicken und Fusswippen! (Reinhard Horlacher)

Unglaublich: die Magie dieser Musik ist auch 2014 noch vorhanden … von daher: Ein zeitloser Klassiker … keine Frage !

Booklet02.jpg

Besetzung:
Tim Belbe (saxophone)
Öcki Brevern (keyboards)
Klaus Briest (bass)
Skip van Wyck (drums)
+
Norbert Dömling (bass bei 03.)
Hansi Fischer (flute, saxophone bei 03.)

BackCover1

Titel:
01. Breit (Belbe/Brevern/Briest/v.Wyck) 24.13
02. Schaukel (Belbe/Brevern/Briest/v.Wyck) 20.20
03. Süden twi Westen (Belbe/Brevern/Dömling/Fischer/v.Wyck) 21.52

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Verschiedene Interpreten – Seid nett aufeinander II (1976)

FrontCover1Bei einem Album wie diesem … da komme ich arg ins grübeln …

Oder. Bei einem Album wie diesem kommt mir der Begriff des „fremdschämens“ wieder in den Sinn:

Auf diesem Sampler hören wir „humoristische“ Lieder zum Thema „Sei nett aufeinander“ (ha ha ha) … und dafür nutzte man überwiegend Singles des Hansa Labels aus jenen Jahren …

Und die Flut dieser nichtssagenden Lieder kann einen schon ins grübeln bringen … angesichts der Flachheit all dieser Lieder.

Da strahlt dann ein Gunter Gabriel als Einäugiger unter den Blinden hervor.

Und dann hören wir Lieder der unterirdischen Art von Sängern die sich Rolly Joker, Norman Ascot, Victor Scott, Detlev, Gilla, Löwe & Co., Hermann Hoffmann oder nannten oder auch tatsächlich so hie0en.

Ich geh zum lachen wahrlich nicht in den Keller, aber was hier zum Thema „Sex“ (darum ging´s ja letztlich bei diesem Sampler) dargeboten wird … spottet jeder Beschreibung.

SinglePack1

Nun ja, zumindest sind einige Biographien der Künstler interessant:

Gilla, z.B. wurde in der Mitter der 70er Jahre schon fast als Nymphoman vermarktet:

Gilla (eigtl. Gisela Wuchinger; * 27. Februar 1950 in Linz) ist eine österreichische Sängerin. Sie trat zunächst in der Band ihres Vaters Niki Wuchinger auf. Dann studierte sie in Salzburg Musik und sang in der Band Traffic, die sich später umbenannte in Seventy-Five Music. Danach wurde sie von Frank Farian produziert und konnte mehrere Singles in die Charts bringen. Ihre rauchige Stimme passte sehr gut zu den teilweise sexy-schwülen Songs, die Frank Farian für sie produzierte (z.B. die deutsche Version von Voulez-vous coucher avec moi (Lady Marmalade)). Ihr größter Erfolg war die Single Tu es! (1975/1976).

Gilla01

Nach der Geburt ihrer Tochter Nadja entschied sie sich gegen die Fortführung ihrer Karriere. Sie ist verheiratet mit Helmut Rulofs, der unter dem Pseudonym Chris Denning ebenfalls einige Lieder veröffentlichte und für Frank Farian arbeitete. Unter dem Pseudonym G. Winger schrieb sie den Song (I See A) Boat On The River (ein Top-10-Hit für Boney M.). Später gründete sie die Gruppe Vanilla. Heute lebt sie in Braunfels (Hessen) und tritt nur noch gelegentlich öffentlich auf. (Quelle: wikipedia)

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Werbetext auf der Rückseite der Single Hülle von „Tu´es“)

Und da ist dann noch der Hermann Hoffmann:

Hermann Hoffmann wurde am 22. Februar 1928 in Heilbronn geboren.

Hermann Hoffmann hatte bereits in den Fünfzigern mit einem Schwarzsender seine eigene Sendung „Radio Zitrone“ gesendet. Illegalerweise – und es wurde von der Post aufgedeckt und er musste den Betrieb einstellen. Er machte dann seine Sendungen innerhalb von Unterhaltungssendungen des WDR und NDR aus dem eigenen Tonstudio weiter.

Ich bezeichnete ihn schon in den Neunzigern als den “Urvater der deutschen Radio-Comedy”, obwohl diesen Titel vielleicht auch Peter Frankenfeld verdient hätte.

Hermann Hoffmann

Hermann studierte Musik, war unter Anderem auch Kapellmeister und Produzent von so einigen Tondokumenten, die er auch für Andere produzierte. Er hatte bereits 1962 Radiocomic in Form der „kleinen Dachkammermusik“ oder des „Sender Radio Zitrone“ produziert und vornehmlich über den WDR und NDR ausstrahlen lassen. Er nannte dies den „fröhlichen Einmannsender im Alleingang“.

Er starb leider viel zu früh am 8. April 1997. (www.diekleinedachkammermusik.de)

Das scheint mir eine sehr interessante Biographie zu sein … irgendwie abseits des Mainstreams …

Ja und dazu passt dann auch der Jon Symon:

Jon Symon Hornsby (* 10. Januar 1941 als Simon John Hornsby in Epsom, Vereinigtes Königreich; † 7. Dezember 2015 auf der Isle of Wight, England) war ein britischer Musiker und Komponist, der seit Mitte der 1960er-Jahre in Deutschland lebte und vor allem als freier Rockmusiker tätig war.

Einem breiteren Publikum wurde er Anfang der 1980er-Jahre als Mitproduzent des erfolgreichen Rockballetts Warlock bekannt, bei dem er auch als Rocksänger in der begleitenden Deutschrock-Band mitwirkte.

Jon Symon kam Mitte der 1960er-Jahre als britischer Soldat nach Deutschland und lebt seitdem in Hannover und Barsinghausen. Er gehört der Gründungsgeneration der hannoverschen Rockszene an und spielte ab 1965 in Hannover bei der 1963 gegründeten Beatband Anyones als Gitarrist. 1970 trat er erstmals als Ein-Mann-Band unter dem Namen Rasputin auf. Ein von ihm entworfenes Schlagzeug wurde mit einer speziellen Mechanik ausgestattet, Gitarre und Bass kamen von einer umgebauten Fender Telecaster. Als Rasputin, sowie auch unter dem Namen Jon Symon’s One Man Band, coverte er meistens Songs von bekannten Gruppen, wobei er mit seinem Instrumentarium den Sound einer ganzen Band ersetzte.

Jon Symon

 Jon Symon (auch ein Namen, den ich mir merken will)

Er unternahm Tourneen durch die Bundesrepublik Deutschland und Österreich, trat 1973 im Musikladen der ARD auf und hatte danach mehrere Fernsehauftritte wie 1976 in der ZDF-Musiksendung disco sowie in weiteren Sendungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich. In den 1970er-Jahren brachte er mehrere Singles heraus.

1978 lernte er den Musikverleger Michael Mellethin kennen, der Mitbesitzer eines Tonstudios war, das Symon nutzen durfte. Es entstand das Konzeptalbum Warlock – Memories of a White Magician. Symon konnte für dieses Projekt den Bassisten Klaus-Peter Matziol und den Keyboarder Detlev Schmidtchen von Eloy sowie den Geiger Hajo Hoffmann gewinnen, Jim McGillivray von Epitaph saß am Schlagzeug. (Quelle: wikipedia)

 

SinglePack2

Und der Bass, den Gilla da in den Händen hält, dieses Bass Modell (made by Gibson) spielte auch ein Jack Bruce in seinen Zeiten bei „Cream“ … mein Gott !

Trotz all der interessanten Biographien … die Musiker/Sänger/innen dieses Albums haben sich dennoch mit diesen Aufnahmen nicht mit Ruhm bekleckert …

Wie man bei dieser Präsentation nachhören kann …  wenn man denn will (schräger Humor ist dabei vorausgesetzt

BackCover1

Titel:
01. Gunter Gabriel:  Heut‘ ist nicht mein Tag (Ascot/Gabriel) 2.47
02. Rolly Joker: Das Hick-Hack-Stoßgerät (Gurra) 3.41
03. Norman Ascot: Womit hab‘ ich das verdient (Ascot/Marcard) 3.21
04. Victor Scott: Ohne Hemd und ohne Hosen (Lavigny/Dobar/Makot/Weigel) 3.25
05. Detlev:  Mein Gott Walter (Die Schwulitäten-Version) (Krüger/Danzer/Kämpfe) 4.21
06. Gilla: Tu‘ es (Farian/Jay) 3.35
07. Löwe & Co.: Mein Weib, das zieht sich immer schwarze Unterwäsche an (Breuer/Rose/Bloom/Lob)  2:20
08. Rolly Joker: Ich könnt‘ schon wieder (Zander/Marcard) 3.53
09. Gunter Gabriel: Komm unter meine Decke (Gabriel/Brink/Gordan) 3.53
10. Hermann Hoffmann:  Mit dem Hammer in der Hand (Gabriel/Bungter) 2.41
11. Jon Symon: Auf der grünen Wiese (Benes/Hardt-Warden/Köller) 2.36
12. Detlev: Kerls, Kerls, Kerls (Girls, Girls, Girls) (Kajanus/Kampfe/Gordan) 2.59

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