VEB Lied der Zeit – Schlager Magazin (1976)

TitelUnd jetzt darf ich ein musikgeschichtlich sehr interessantes Puzzel -Teilchen präsentieren:

Der VEB Lied der Zeit Musikverlag ist ein ehemaliger Staatsverlag der DDR für Musikliteratur (VEB = Volkseigener Betrieb). Der Verlag ist aus der Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH hervorgegangen, die aus einem Produktionsbetrieb für Schallplatten und einem Musikverlag bestand. Mit der Verstaatlichung 1953 wurde die Schallplattenproduktion als VEB Deutsche Schallplatten und der Musikverlag unter dem bisherigen Namen als eigenständiger Betrieb weitergeführt.

Nach der Wende wurde das Unternehmen durch den Roba Music Verlag als Lied der Zeit GmbH weitergeführt.
Verlagschronik

Am 12. August 1946 erteilte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland Ernst Busch die Lizenz zur Gründung der Schallplattenfirma Lied der Zeit. Mit der notariellen Beglaubigung am 3. Februar 1947 erfolgte die Eintragung in das Handelsregister am 18. März 1947 als Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH.

Bis Ende 1947 wurden 250.000 Schallplatten fertiggestellt. Ediert wurden zeitgenössisches Liedgut (Lied der Zeit) und klassische Musik (Eterna) sowie Tanzmusik (Amiga). Ab 1950 edierte Lied der Zeit Schallplatten und Noten.

Ernst Busch gab von 1946 bis 1953 die Noten- und Textsammlung Internationale Arbeiterlieder (1. Auflage 32 Seiten, 23. Auflage 260 Seiten) heraus. Diese Sammlung hatte Busch bereits 1937 in Spanien als Canciones de guerra de las Brigadas Internacionales ediert. Schon kurze Zeit später wurde die Serie Spanien 1936–39 verboten und die Restproduktion eingestampft; die darin enthaltene Aussage war aus stalinistischer Sichtweise zu „freiheitlich“.

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„Lied der Zeit“ Single aus dem Jahr 1950

1953 wurde die Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH in Volkseigentum umgewandelt und ging damit faktisch in Staatsbesitz über. Noch im selben Jahr trennte sich die Schallplattenproduktion von der Notenabteilung: Aus den beiden Abteilungen gingen die selbstständigen Betriebe VEB Deutsche Schallplatten und der Musikverlag VEB Lied der Zeit hervor, der sich am 1. April 1954 mit Sitz in Ost-Berlin am Thälmannplatz ausgründete.

1954 erschienen die ersten Notenalben; 1956 wurden Tanzmusiknoten im Abonnement (Teddy-Serie) an Kapellenleiter und Musiker herausgegeben. Dem Verlag wurde 1957 ein eigener Bühnenbetrieb für den Bereich des „heiteren“ Musiktheaters angeschlossen. 1958 erschien das erste Buch. Während der Leipziger Messe wurde das fünfjährige Bestehen des Verlags öffentlich gewürdigt. Von 1959 bis 1960 war Lied der Zeit maßgeblich an nationalen Tanzmusikwettbewerben beteiligt und publizierte die neuen Titel. Erste Komponistenporträts in Albenform erschienen von 1960 bis 1961 für Gerd Natschinski, Gerhard Honig, Wolfgang Kähne, Siegfried Mai, Alo Koll und Helmut Nier.

1962 wurden neue Verlagsräume in der Rosa-Luxemburg Straße in Berlin bezogen. Ein weiterer Produktionszweig wurde 1963 eröffnet; es erfolgte die Herausgabe der ersten farbigen Interpretenfotos.

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Der Verlag auf der Leipziger Herbstmesse, 1949

Mit dem Titel Guten Abend, lieber Sandmann, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fernsehfunk entstanden ist, begann der Verlag 1964 die Herausgabe von Kinderbüchern mit zeitgenössischem Liedgut. Später folgten Herr Fuchs und Frau Elster, Pittiplatsch geht durch die Stadt, Schnatterinchens Puppenecke, Märchen im Lied Teil 1 und 2 und andere.

Zum 15. Jahrestag der DDR hatte das Musical Mein Freund Bunbury von Bez/Degenhardt/Natschinski, das bei Lied der Zeit verlegt wurde, Premiere im Metropol-Theater, Ost-Berlin. Das DDR-Musical wurde bisher in vielen Inszenierungen mit über 1.000 Aufführungen an Theatern der DDR, der Sowjetunion, der VR Bulgarien, der ungarischen VR, der SR Rumänien, der Bundesrepublik Deutschland sowie Österreich aufgeführt. Die Verlagsausgaben der Schlagertexthefte Schlager für Dich wurden 1965 mehr als sechs Millionen Mal verkauft. 1966 wird das Arrangierbuch, eine handliche Anleitung für Berufsmusiker und Amateure und das Buch Jazz Analyse und Aspekte erstmals verlegt.

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In einem DDR Musikstudio

 

Anlässlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution erscheint das Notenalbum Abends In Moskau. Es folgten Alben mit bekannten Melodien anderer Weltstädte.

Als Beitrag zu den 10. Arbeiterfestspielen wurde in Halle das bei Lied der Zeit verlegte Musical Conny und der Löwe von Eidam/Zimmermann aufgeführt.

1969 erschienen anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der DDR die Notenalben Nun sieh mal an, was aus uns geworden ist und Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. Ab 1970 wurden fortan in regelmäßiger Folge attraktive Spielstücke unterschiedlicher Genres für diverse Instrumente herausgegeben.

Für das beliebte Kinderinstrument Triola begann der Verlag 1971 unter dem Titel Wir musizieren auf der Triola mit der Publikation von Spielliteratur.

Mit dem Album Gisela May – Ein Porträt in Noten begann Lied der Zeit, Notenporträts bekannter Interpreten zu publizieren. Es folgten Wir. Monika Hauf/Klaus-Dieter Henkler, Karel Gott, Andreas Holm-exclusiv, Puhdys-Beat und Rock und vieles mehr. 1972 wurde mit Nicht schummeln, Liebling, die Musik zum gleichnamigen erfolgreichen DEFA-Film, verlegt.

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Diverse Notenhefte

Aus Anlass der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 kamen die Porträtbücher Angela Davis, Schlagerstars sozialistischer Länder sowie Fotokassetten mit Porträtfotos beliebter Interpreten, die an den Festspielen teilnahmen, neu ins Angebot. 1973 wurde Wie ein Stern von Frank Schöbel, bei Lied der Zeit verlegt. Mit der zweiten Auflage vom Märchen im Lied wurden mehr als eine Million Kinderbücher mit zeitgenössischem Liedgut produziert und vertrieben.

Schlagertreff 1973 – ein Kalender mit großen farbigen Interpretenfotos für die Jugend – wurde ein verlegerischer Erfolg und ab 1984 neu gestaltet unter dem Titel Show ’84.

Mit Johann Strauß und die Stadt an der schönen blauen Donau verlegt Otto Schneidereit seine erste Komponistenbiographie bei Lied der Zeit. Es folgen Richard Tauber, Franz von Suppé und Franz Lehár (1984). 1974 knüpften Bez/Degenhardt/Natschinski mit dem Musical Terzett, das wieder bei Lied der Zeit verlegt wurde, an ihren Bunbury-Erfolg an.

Venceremos – ein Notenalbum mit Liedern aus Chile – erscheint 1975 als Beitrag des Verlages zur großen Solidaritätsaktion mit dem chilenischen Volk. Der erste Bildband, Fascination Jazz (Drechsel/Rosenhain) und die erste Liedsammlung Das lachende Deck erschienen.

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Diverse DDR Schlagerstars, 1973 (ok, die Mathieu gehört nicht dazu)

1976 wurde das Liederbuch DDR-konkret 1 herausgegeben. Der Verlag begann seine Edition politischen Liedguts. Am Metropol–Theater Berlin wurden 1976 das bei Lied der Zeit verlegte Musical Casanova von Bez/Degenhardt/Natschinski und 1977 das Musical Geld wie Heu von Eidam/Werion uraufgeführt.

Die verlegerische Betreuung der Puhdys begann 1977. Die Otto-Reutter-Biographie Ick wundere mir über jarnischt mehr von Helga Bergmann erschien 1978. Anlässlich des Nationalen Jugendfestivals wurde 1979 das Liederbuch Lieder der FDJ herausgegeben. Zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR erschienen die Alben Chansons – Songs – Lieder von Interpreten der DDR und Wie ein Stern – 30 Komponisten – 30 Schlagererfolge. Das Porträt Lebenszeit von Monica Fehlberg über die Puhdys erschien. Die aktualisierte Nachauflage erfolgte 1982.

Der Soldat und das Feuerzeug – ein Pop-Musical für Kinder von Benecke/Bürkholz – wurde verlegt. Weitere Kinder- und Jugendmusicals folgten. Der Verlag veröffentlichte 1980 das Nachschlagewerk Musical-Geschichte und Werke (Bez/Degenhardt/Hofmann). Die Verlagsrechte der Filmmusik Solo Sunny von Günther Fischer wurden erworben und international vergeben.

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Diverse Ausgaben des Jahrbuches „Schlager Magazin“

Rosa Laub – die Rockoper von Waldtraut Lewin und Horst Krüger wurde verlegt. Die Titel Wer beginnt und Bunte Wagen in der Interpretation von Dagmar Frederic, die Siegermelodien beim Internationalen Festival Goldener Orpheus 1981, wurden 1981 herausgegeben. Die Bücher Von der Edisonwalze zur Stereoplatte (Günter Große) und Berliner Musenkinder-Memorien (Helga Bemmann) erschienen 1981 und die Claire-Waldoff-Biographie Wer schmeißt denn da mit Lehm? (ebenfalls von Helga Bemmann) 1982.

Die Rechte für den Tanzmusiktitel Berührung (Thomas Natschinski/Branoner) wurden erworben und international vergeben. 1983 erschienen Die Puhdys – Ein repräsentativer Bildband von Volker Ettelt mit einem Text von Wolfgang Tilgner und ein vom Verlag initiierte Gisela-Steineckert-Porträt von Detlef Plog. Die Rechte für den Titel Um die Erde zu behalten (Krüger/Steineckert) wurden erworben. Die Robert-Stolz-Operette Der Tanz ins Glück wurde in einer Neufassung verlegt und in Leipzig erstaufgeführt. Neben der Notenproduktion, mit der der Verlag einst begonnen hatte, gab es nun auch eine umfangreiche Bücher- und Broschürenproduktion, eine Foto-, Poster- und Kalenderproduktion sowie einen Bühnenvertrieb. Ldz wurde zu einem bekannten Markenzeichen im Inland wie im Ausland.

Nach der Wende erfolgte die Übernahme durch den Roba Music Verlag in Hamburg und die Fortführung des Verlagsgeschäftes aus Hamburg (Administration) und Berlin (Rundfunk-TV-Sender und Urheberbetreuung). (Quelle: wikipedia)

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Das Logo

Und im Rahmen der Verlagsarbeit erschien jährlich das sog. „Schlager Magazin“, der wohl das gesamte Spektrum der „Unterhaltungsmusik“ der DDR präsentieren wollte. Und deshalb ist der Titel „Schlager Magazin“ schon ein wenig irreführend, denn in diesem Band (94 Seiten) z.B. werden auch Musiker wie Klaus Lenz, Uschi Brühning und Veronika Fischer erwähnt und vorgestellt. Namen bei denen man heute noch mit der Zunge schnalzt !

Die Puhdys sind zwar auf der Hülle … mehr aber auch nicht *seufz*

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Inhaltsverzeichnis

Etliche „echte“ Schlagerstars sind mir nicht oder kaum geläufig und interessant sind natürlich insbesondere all die ideologische Ausführungen zum Thema Schlager im deutschen Arbeiter- und Bauern Staat.

Summa summarum also eine wirklich interessante Zeitreise. Und weitere Zeitreisen dieser Art werden folgend, denn:

Dieser Beitrag wurde nur möglich durch eine großzügige Leihgabe eines Lesers dieses blog, der ungenannt bleiben möchte. Und damit nicht genug: Er hat mir noch diverse weitere Druckerzeugnisse aus der DDR zur Verfügung gestellt … die schlummern momentan noch in meinem digitalem Archiv… aber nicht mehr lange …

Ein herzliches Dankeschön an den Spender !

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Mahnende Worte der Schriftstellerin und Textdichterin Gisela Steineckert

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Ein satirischer Beitrag

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!!!

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Uschi Brüning

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Miriam Makeba

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Ein Bericht über das Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen (oberes Vogtland)

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Dean Reed

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Die Rückseite des Buches

H. König (Edition M + P) – Sprechstunden Deutscher Geschichte – IV – 1933 (1974)

FrontCover1.jpgUnd jetzt wird es verblüffend, skurril und gruselig zu gleich:

Verblüffend, weil ich mir früher so gar nicht vorsellen konnte, dass das Pharma-Unternehmen Endopharm in Sprendlingen (liegt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz) für die Ärzteschaft eine eigene Edition mit dem (passenden) Namen „Sprechstunden Deutscher Geschichte) zu veröffentlichen. Die Edition umfasst 7 Teile und dokumentiert in Tondokumente deutsche Geschichte zwischen den Jahren 1904 – 1954).

Ich bilde mir ein, alle 7 Teile zu haben und durch Zufall habe ich nun Teil 4 dieser Dokumentation herausgefischt. Dieser Teil dokumentiert ausschließlich das Jahr 1933 und zwar jene Zeit, als Adolf Hitler mit seinem Ermächtigungsgesetz sich quasi die parlamentarische Legitimation für die folgenden Jahre des – erstmal – innenpolitischen – Terrors geben ließ.

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a ist di Eröffnung des 8. Reichstages in Potsdam … noch hatte man ein wenig Kreide gefressen … aber spätestens aber der Debatte über das Ermächtigungsgesetz wurde klar, welch pöbelnd-aggressive Politiker bei der NSDAP an der Macht waren. Die oftmals brüllend vorgetragenen  Redebeiträge von Adolf Hitler und Hermann Göring lassen einen angesichts dieser zynischen Grundhaltung nur noch frieren.

Und dann noch Otto Wels, der als Vertreter der SPD das „Nein“ seiner Partei gegen das Ermächtigungsgesetz begründete und dabei den historischen Satz aussprach:

 „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

Dies war dann die letzte freie Rede im Deutschen Reichstag …

Otto Wels

Es folgt dann noch eine glasklare Ansprache von Joseph Goebbels vor den Intendanten der deutschen Rundfunksender … und ne Radioreportage, in der der Beginn des Nazi-Terrors natürlich auf eine sehr wohlwollende Weise thematisiert wird.

An hämischem Zynismus nicht zu überbieten ist dann die Ansprache des Eugen Hadamovsky nicht zu überbieten:

Eugen Hadamovsky (* 14. Dezember 1904 in Berlin; † 1. März 1945 bei Hölkewiese, Landkreis Rummelsburg i. Pom.) war ein Funktionär der NSDAP sowie zwischen 1933 und 1942 Reichssendeleiter im deutschen Rundfunk.

Man höre sich das mal am besten selber an.

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Bemerkenswert ist es für mich dann noch, dass diese Single mit einem Begleitheft ausgestattet wurde, in dem neben der zu erwartenden Werbung für pharmazeutische Produkte auch relativ ausführliche Begleitinformationen zu den einzelnen Tondokumenten geliefert werden.

Weitere Ausnahmen dieser Edition werden folgen.

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Titel:

Eröffnung des 8. Reichtages am 21. 3. 1933, der „Tag von Potsdam“ (Auschnitte, Archiv Thorofon)

01. Radio Reportage 2.53
02. Ansprache Paul von Hindenburg 1.39
03. Ansprache Adolf Hitler 1.26

Debate über das Ermächtigungsgesetz (Reichtagssitzung in der Krolloper am 23. 3. 1933 (Ausschnitte, DRA und Archiv Thorofon):
04. Franz Stöhr (NSDAP) 1.06
05. Adolf Hitler (NSDAP) 2.04
06. Otto Wels (SPD) 1.38
07. Adolf Hitler (NSDAP) 1.55
08. Ludwig Kaas (Zentrumspartei) 0.23
09. Hermann Göring (NSDAP) 2.03

Rede vor Rundfunkintendanten Am 23. 3. 1933 (Ausschnitt, Archiv Thorofon):
10. Joseph Goebbels 1.03

Radioreportage der“Funkstelle Berlin“ (Ausschnitte, DRA C 1975):
11. Bericht über eine Polizeiaktion am 4./5. 4. 1933 3.07

Rede Im Sportpalast Am 12. 8. 1933 (Ausschnitt, DRA C 1170):
12. Eugen Hadamovsky 2.32

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Die Rückseite der Single

Francis Robber + Gerry Reynolds – Square Dances (1983)

FrontCover1Und nun bietet sich die  wohl einmalige Gelegenheit „Square Dances … mit Tanzbeschreibung“ zu hören … Hat man ja auch nicht alle Tage.

Erschienen ist diese Langspielplatte in der Reihe „Rhythmen und Tänze der Völker“ der Calig-Verlag GmbH, München und sie ist einfach so drollig, dass sie schon wieder gut ist.

Es geht also um Square Dance:

Square Dance ist ein Volkstanz, der in den USA entstanden ist. Die verschiedenen Tanzfiguren, die im Square Dance benutzt werden, basieren auf traditionellen Volkstänzen der verschiedenen Völker, die in die USA eingewandert sind. Einige dieser Tänze sind Morris Dance, English Country Dance und die Quadrille. Square Dance wird von vielen Menschen in aller Welt getanzt; nach Deutschland kam er durch die amerikanische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Square Dance wird in Gruppen zu je vier Paaren getanzt, die zu Beginn auf den vier Seiten eines Quadrats (Englisch Square) stehen. Die Figurenfolgen werden durch Ansagen (Calls) eines Callers (Ausrufer) in gesprochener oder gesungener Form angegeben. Diese Calls sind weltweit normiert – so kann ein Tänzer aus Deutschland jederzeit ohne Schwierigkeiten zusammen mit Tänzern aus anderen Ländern tanzen.

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Square Dance:

Traditional Square Dance und den
Western Square Dance auch „Modern Western Square Dance“ oder „Modern American Square Dance“ genannt. Diese moderne Form des Square Dance wird weltweit getanzt und ist auch der offizielle Volkstanz der meisten Bundesstaaten der USA.

Während es beim traditionellen Square Dance fest vorgegebene Choreographien gibt, ist die Reihenfolge der Figuren beim modernen Square Dance mehr oder weniger spontan, einzig und allein der Caller weiß, welche Figur als Nächstes getanzt wird. Je nach choreographischer Technik werden vorbereitete Figurenkombinationen benutzt oder spontan entschieden, welche Figur den erwünschten Effekt hat.

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Die Musik der beiden Formen unterscheidet sich ebenfalls. Im traditionellen Square Dance ist die Musik traditionelle „Country-Dance“-Musik: überwiegend irische und schottische Jigs und Reels sowie Volksmusik aus Québec oder Cape Breton (Kanada), England, Schottland und anderen Ländern. Die Musik wird fast immer durch eine traditionelle Tanzmusikband gespielt. Im Western Square Dance ist die Musik eine Mischung vieler Musikarten, von Pop bis zur traditionellen sowie modernen Country-Musik, Broadway Musicals, Schlager usw. Die Musik wird nur selten von einer Band gespielt, sondern ist aufgezeichnet und der Caller singt live dazu.

Der traditionelle und der moderne Western Square Dance haben eine Anzahl von Calls gemeinsam, aber es gibt kleine Unterschiede bezüglich der Ausführung:

Beispiel: Der „Allemande Left“ wird traditionsgemäß durchgeführt, indem man sich mit einem anderen Tänzer die linke Hand gibt, sich leicht zurücklehnt und um den zentralen Punkt der gefassten Hände herumgeht. Beim Western Square Dance wird der Griff so geändert, dass jeweils der linke Unterarm des anderen Tänzers gegriffen und sich nicht zurückgelehnt wird. Diese Änderung macht es einfacher, die Figur zu tanzen und in eine lange Sequenz von Calls einzubinden.

Der traditionelle Square Dance wird heute nur noch vereinzelt getanzt. Der Modern American Square Dance erlebte dagegen seit den 90er-Jahren einen regelrechten Boom. Neben den USA und Kanada, wo der Tanz seine Wurzeln hatte und daher traditionell sehr stark vertreten war, breitete er sich auch in einigen außeramerikanischen Ländern stark aus. In Europa sind dies insbesondere Schweden, Dänemark, England, Deutschland und Tschechien. Außerhalb von Europa sind Australien und Japan zu nennen. (Quelle: wikipedia)

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Wie auch immer: auch diese LP wird mich nicht dazu verleiten, mich dem Square Dance hinzugeben (trotz ausführlicher Anleitung in dem beigefügtem Begleitheft), aber die Musik ist schon ganz witzig … da wird gefiedelt, was das Zeug hält und dass da keine Zweifel aufkommen, auch das muss man drauf haben … von daher Respekt vor den beiden Bands, die auf dieser LP musizieren (wer auch immer „Francis Robber mit seinen Boys“ und „Gerry Reynolds und seine Texas-Boys sind)

Den Gassenhauer „Oh, Susannah“ kennt eh jeder und besonders pfiffig ist dann das „Jingle Bells“, kann man auch außerhalb der Weihnachtszeit hören und genießen !

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Weitere Aufnahmen aus der Calig-Reihe „Ryhthmen und Tänzer der Völker“

Und wer dazu Lust hat, kann sich im ausführlichen Begleitheft über die unterschiedlichen Tanzschritte-variationen informieren, für jedes Lied hat man entsprechende Angaben/Vorgaben: Mir wurde ganz schummrig bei all den Varianten und ich habe mir vorgestellt, wie ich über meine eigenen Beine purzeln, weil ich da immer wieder was durcheinanderbringen würde … Das ist ja ne echte Wissenschaft für sich !

Und dann hab´ ich mir eben noch vorgestellte, wie man zu „Jingle Bells“ einen flotten Square Dance unterm Weihnachtsbaum in der guten deutschen Stube hinlegt … das hat doch was !

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Besetzung:
Francis Robber mit seinen Boys
Gerry Reynolds und seine Texas-Boys

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Titel:
01. Buffalo Boys 2.34
02. Grand Square 2.45
03. Divide The Ring 3.13
04. Country Dance 2.26
05. Reel Anne-Marie 2.14
06. Camptown Races 2.18
07. Oh, Susannah 2.09
08. Lamplighter’s Reel 2.07
09. Patty Cake Polka 1.42
10. Soldiers‘ Joy 2.35
11. In The Streets 2.12
12. Cotton Eyes Joe 1.49
13. Mexican Waltz 2.23
14. Jingle Bells 2.50

Musik: Traditional

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Wieder lieferbar: Nipso Brantner And The Swinging Cowboys – Die grosse Westernschau (Songs And Music From Texas And Tennessee) (1965)

Wie gewünscht (click on the pic):

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Wer sich über einen Beitrag, der nicht mehr lieferbar ist, dennoch gerne nochmals informieren möchte, schreibe bitte an:

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

Ich werde dann natürlich versuchen, solche Wünsche zeitnah zu erledigen, okay ?

Auch weitere (Musik) Wünsche kann man mir gerne mitteilen; ich schau dann, was sich machen lässt.

Verschiedene Interpreten – Pop Jazz International (1978)

FrontCover1Nun gut der Titel dieser LP ist wenig ungelenkt … Aber das ist schon das einzigem an dem man hier wenig rummäkleln könnte, denn mit Pop hat dieses Album nun wirklich nichts zu tun.

Viel eher hören wir hier exquisiten Jazz-Rock /(mit so etlichen avantgardistischen Tönen).

Freilich, was heoßthier „International“ ? Zwei der Bands kamen aus der DDR, wobei man mir die Formation „Fusion“ um den Pianisten Wolfgang Fiedler besonders aufgefallen ist.

Und über Eberhard Weber müsste man, dürfte man eigentlich gar kein Wort erwähnen … bis zu seiner Erkrankung (Im April 2007 erlitt Weber kurz vor einem Konzert mit der Jan Garbarek Group in der Berliner Philharmonie einen Schlaganfall) war er wohl der wichtigste Bassist in der deutschen Jazz-Szene und auch international sorgte er für Furore, z.B. mit Jan Garbarek.

Aber auch die restlichen 3 Stücke dieser LP können restlos überzeugen. Ein wunderbarer Einstieg in die deutsch/deutschen Jazz-Szene.

Und wo verdammt nochmal sind all die anderen Mitschnitte von diesem Jazzfestival (Die 2. „Internationale Jazzbühne“, veranstaltet vom Rundfunk der DDR) ???

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Fusion im Jahr 1986

Liveaufnahme: Volksbühne, Berlin, 25. und 26. März 1978

Besetzung:

Rundfunk Big Band Berlin:
Werner Schmidt (saxophone)
Musikalische Leitung: Günther Gollasch

Jazz Q Praha:
František Francl (guitar)
Přemysl Faukner (bass)
Martin Kratochvíl (keyboards, synthesizer)
Libor Laun (drums)

Eberhard Weber Colours:
Rainer Brüninghaus (keyboards)
Charlie Mariano (saxophone)
John Marshall (drums)
Eberhard Weber (bass)

Fusion:
Wolfgang Fiedler (piano)
Rainer Gäbler (flute)
Gerhard Eitner (guitar)
Joachim Graswurm (horns)
Hubert Katzenbeier (trombone)

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Titel:

Rundfunk Big Band Berlin:
01. Hallo Ray (Milian) 4.54

Jazz Q Praha:
02. Vzkříšení (Auferstehung) (Kratochvíl) 6.02

Eberhard Weber Colours:
03. Yellow Fields (Weber) 10.24

Fusion:
04. Metamorphosen (Fiedler) 23.04

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Jazz Q Praha

Jazz Q Praha

Karl Richter + Albert de Klerk – Norddeutsche Arp Schnitger Orgeln (1972)

FrontCover1Die Freunde klassischer (barocker) Orgelmusik schnalzen vermutlich mit der Zunge, wenn sie den Namen Arp Schnitger hören:

Arp Schnitger (* 1648, vermutlich in Schmalenfleth; getauft am 9. Juli 1648 in Golzwarden, heute Brake; begraben 28. Juli 1719 in Neuenfelde, heute Hamburg) war einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit und der Vollender der norddeutschen Barockorgel. Sein Wirkungskreis erstreckte sich über Nordeuropa, wo er über 100 Orgelneubauten schuf und stilbildend war. Neben der Hauptwerkstatt in Hamburg arbeiteten Gesellen und Mitarbeiter in Filialen zwischen Groningen und Berlin, um von dort aus neue Orgeln zu errichten oder ältere Werke zu unterhalten oder umzubauen. Schnitger konzipierte seine Werke mit rauschenden Mixturen und starken Bässen zum einen für die Begleitung des Gemeindegesangs. Zum anderen dienten sie der Darstellung der norddeutschen Orgelschule, die sich in den von der Kaufmannschaft organisierten Abendmusiken der Hansestädte entfalten konnte. Etwa 30 seiner Instrumente sind in ihrer Grundsubstanz noch erhalten.

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Eigenhändiger Namenszug „Arp Schnitger Orgelmacher“ mit manu propria

Und auch die Akteure an den Schnitger Orgeln haben/hatten einen klangvollen Namen:

Karl Richter (* 15. Oktober 1926 in Plauen; † 15. Februar 1981 in München) war ein deutscher Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist.

1926 wurde Karl Richter, Sohn eines evangelischen Pfarrers, Kruzianer in Dresden, geboren. Nach dem Krieg studierte er am Konservatorium Leipzig und am Kirchenmusikalischen Institut bei Karl Straube und Günther Ramin und entwickelte sich dort zum Bachinterpreten. 1949 wurde er Thomasorganist. 1951 wechselte er als Kantor an die Markus-Kirche nach München. In München lehrte er an der Musikhochschule und wurde 1956

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Karl Richter

Karl Richter leitete 1968 in Moskau und Leningrad Aufführungen der Johannes-Passion und der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzertes führt den musikalischen Teil der Schallplatte Voyager Golden Record an, die als Botschaft der Menschheit an Bord der Sonden Voyager 1 und Voyager 2 unser Sonnensystem verlassen hat. Richter baute seinen Ruf als Bachinterpret kontinuierlich aus. Seine Auffassungen waren dabei durch seine Herkunft aus der Leipziger Schule bestimmt: Vergleichsweise große Instrumental- und Chorbesetzung, von spätromantischer Musiziertradition geprägte Ausdrucksmittel, hochexpressive Gestaltung. Der bereits zu seiner Zeit einsetzenden, musikwissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehenden „historischen Aufführungspraxis“ stand Richter fern. So setzte er durchgehend modernes Instrumentarium ein. Schüler von ihm sind Hedwig Bilgram, Günter Jena, Walther R. Schuster, Albrecht Haupt und Rudolf Kelber. Mit dem Münchner Geiger Otto Büchner (1924-2008) bestand eine besonders gute musikalische und persönliche Partnerschaft.zum Professor ernannt. 1951 übernahm er den Heinrich-Schütz-Kreis, den späteren Münchener Bach-Chor, 1953 das Münchener Bach-Orchester und wurde damit einer der international bekanntesten Bachinterpreten.

Richter starb 1981 an Herzversagen. Er wurde auf dem Friedhof Enzenbühl (FG 81163) in Zürich beerdigt.

Und Albert de Klerk (* 4. Oktober 1917 in Haarlem; † 1. Dezember 1998 ebenda) war ein niederländischer Dirigent, Organist und Komponist.

Albert de Klerk

Albert de Klerk an der Orgel der St.-Bavo-Kirche (Haarlem)

De Klerk komponierte Werke im Bereich der Kammermusik für Orgel, Klavier, Glockenspiel, Chor und Sologesang. Außerdem betätigte er sich als Dirigent und Orgelimprovisator. (Quelle: wikipedia)De Klerk ist der Sohn des Musikers Jos de Klerk (1885–1969), der als sein erster Lehrer auftrat. Albert de Klerk studierte am Conservatorium van Amsterdam Orgelspiel und schloss sein Studium 1939 mit einem Diplom mit der Note summa cum laude ab. Bereits 1934 folgte er auf Hendrik Andriessen als Organist an der St. Joseph-Kirche in Haarlem, ein Amt, das er bis zu seinem Tode hielt. Von 1946 bis 1964 unterrichtete de Klerk Orgel am Institut für Katholische Kirchenmusik Utrecht, bevor er von 1965 bis 1983 als Professor für Orgel am Amsterdamer Konservatorium lehrte. Von 1956 bis 1986 deckte er zusammen mit Piet Kee das Amt des Stadtorganisten von Haarlem ab.

Den Hörer dieser beiden LP´s (die in einer für jene Zeiten typischen LP-Box veröffentlicht wurden) erwarten also hochwertigste Orgelmusik (akustische Beeinträchtigungen – der Zahn der Zeit – eingeschlossen).

Erfreulich, dass sich auch hier neben den Klassiker wie Bach und Buxtehude weitaus unbekanntere Komponisten erklingen: Namen wie Samuel Scheidt, Jan Pieterszoon Sweelinck, Heinrich Scheidemann oder Jakob Praetorius sind sicherlich nicht jederman geläufig … erklingen aber dennoch prachtvoll. Wer Ohren hat, der lausche !

Weiß der Teufel warum, aber im Augenblick habe ich wohl meine Orgel-Phase, und von daher werden demnächst weitere Beispiele dieses großartigen Instrumentes folgen.

SchnitgerorgelSteinkirchen

Die Schnitger Orgel in Steinkirchen

Besetzung:
Albert de Klerk (organ bei 05 . -)
Karl Richter (organ bei 01. – 04.)

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Titel:

Johann Sebastian Bach:
01. Fantasie G-Dur, BMW 572 (Trés vitement – Gravement – Lentement) 9.43
02. Triosonate Nr. 6 G-Dur, BMV 530 (Vivace – Lento – Allegro) 13.42
03. Triosonate Nr. 3 d-moll, BMV 527 (Andante – Adagio – Vivace) 13.13
04. Pastorale F-Dur, BMV 590 12.28

Dietrich Buxtehude:
05. Präludium und Fuge F-Dur 6.21

Samuel Scheidt:
06. Psalmus „Da Jesus an dem Kreuze stand“ (Choralbearbeitung) 10.23

Jan Pieterszoon Sweelinck:
07. Echofantasie (Fantasia in der Manier eines Echoes) 4.09

Heinrich Scheidemann:
08. Magnificat-Fantasie (im VIII. Ton) 8.52

Jakob Praetorius:
09. Vater unser im Himmelreich (Choralvariationen) 5.20

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Between – Hesse Between Music (1975)

OriginalFrontCover1Und schon wieder so ein Projekt, dass man einfach ambitioniert nennen muss:

Between war eine Instrumentalgruppe in den 1970er Jahren, die sich zwischen Minimal Music, Ethno-Jazz und Weltmusik ansiedelte. Die Gruppe war zunächst als Improvisationsgruppe für Kammermusik konzipiert, spielte aber bereits bei den ersten Plattenveröffentlichungen überwiegend ein festes Repertoire.

Ende der 1960er Jahre begegneten sich in München improvisierende Musiker aus verschiedensten Sparten und spielten „Musik zwischen den Welten“, zwischen Avantgarde, Elektronik, Folklore, Mittelalter, Stegreifspiel und Samba. Between bestand 1970 im Kern aus den beiden jungen Münchner Komponisten Peter Michael Hamel und Ulrich Stranz, dem seit 1966 in München lebenden argentinischen Gitarristen und Instrumentenbauer Roberto Détrée und dem gebürtigen New Yorker Robert Eliscu, zu jener Zeit Solo-Oboist der Münchner Philharmoniker.

PeterMichaelHamel1972

Peter Michael Hamel, 1972

Hinzu kamen 1971 die beiden amerikanischen Perkussionisten Cotch Blackmon und Charles Campbell, der Flötist James Galway aus Irland, damals Soloflötist der Berliner Philharmoniker, und anlässlich der ersten Aufnahmen der Tonmeister Ulrich Kraus. Von 1973 an setzten weitere Musiker aus aller Welt ihre Akzente bei Between: Tom van der Geld (Vibraphon) und Roger Jannotta (Holzblasinstrumente), beide aus den USA, Gary Lynn Todd aus USA (Kontrabass), Jeffrey Biddeau aus Trinidad (Congas), Pandit Sankha Chatterjee aus Kalkutta (Tabla) sowie als Gäste Walter Bachauer (Elektronik), Peter Müller-Pannke (Tanpura), Duru Omson (Bambusflöte, Perkussion), Al Gromer Khan (Sitar), der amerikanische Jazz-Saxophonist Bobby Jones und der damalige Münchner Domorganist Franz Lehrndorfer.

„Stilübergreifend, aus verschiedensten Kulturen schöpfend, entstehen mal fernöstlich inspirierte Klänge, leicht und transparent wie Seidenpapier, dann hört man altvertraute volksliedhafte Melodien, dann plötzlich einen swingenden Charleston. So […] geht es diesen Musikern nicht um Abgrenzungen, sondern um Verbindung, Verständigung, Vertrauen.“ (Quelle: wikipedia)„Einflüsse experimenteller, klassischer und mittelalterlicher Musik mit außereuropäischen Elementen vor allem aus Lateinamerika und Asien. […] Da entsteht wirklich Musik ‚between‘: Und das heißt hier allemal: es wird differenzierter, klischeedurchbrechender Musik gemacht als anderswo in diesem Genre.“

Ihr Album „Hesse Between Music“ war wohl ihr erfolgreichstes Album … Kein Wunder: denn mit der musikalischen Beschäftigung mit Hermann Hesse trfen sie den Nerv der Zeit, zumindest bei jenen Menschen, die sich (wie ich)von Hesse als einerseits spirituellen andererseits Autor begeistern konnten:
Für ihr viertes Album hatten sich Between etwas Besonderes vorgenommen. Ausgesuchte Texte von Hermann Hesse sollten im Mittelpunkt des Albums stehen, vorgetragen von Gert Westphal und musikalisch ergänzt und umrahmt von Between. Das Ganze war wohl hauptsächlich eine Idee von „Jazzpapst“ Joachim-Ernst Berendt, der schon seit den frühen 50er Jahren Projekte unter dem Motto „Dichtung & Musik“ (oder „Jazz & Lyrik“) veranstaltete. Berendt hat „Hesse Between Music“ nicht nur produziert, sondern auch die Texte ausgewählt.

Wort und Musik stehen bei „Hesse Between Music“ also nebeneinander. Westphal liest (spricht) Ausschnitte von Hesse und Between musizieren dazu. Die Musik der Gruppe stellt dabei eine ähnliche Mischung aus Jazz, Indischem, Klassik und einer Spur Elektronischem dar, wie schon auf den Vorgängerscheiben.

HermannHesse

Hermann Hesse

Einige ausgesprochen schöne Stellen sind allerdings bemerkenswert. Da ist einmal „Om Namo Buddhaya“ (welches in anderer Form schon auf „Dharana“ aufgetaucht ist), das mit dem Wolkentext aus „Peter Camenzind“ versehen, federleicht aus den Boxen schwebt. Ähnlich stimmungsvoll, allerdings deutlich indischer, ist „Govinda“ ausgefallen, begleitet von Ausschnitten aus „Siddharta“. Der unumstrittene Höhepunkt des Albums ist allerdings „Suicide“, welches das Ende (in doppeltem Sinne) von „Klein und Wagner“ vertont. Sich langsam steigernd entwickelt sich hier ein ausgesprochen ergreifendes Gebilde aus Wort und Klang, ein Gemenge aus elektronischen Flächen, Sitar, Orgel und Stimme, welches aufs trefflichste den dazu erklingenden Text widerspiegelt: „… aus dem Gesang der Seligen und aus dem endlosen Qualschrei der Unseligen baute sich über den beiden Weltströmen eine durchsichtige Kugel oder Kuppel aus Tönen auf, ein Dom von Musik“! Dabei steigert sich Westphal mit seinem Vortrag in eine Innbrunst hinein, die das Stück, vor allem in der zweiten Hälfte, zu einem unglaublich intensiven Klangerlebnis werden lässt. Welch wichtige Rolle Westphal hier inne hat Vorgängerscheiben. Etwas abwechslungsreicher ist die Musik allerdings ausgefallen, stehen hier doch meditative, hypnotisch-hymnische Klanggebilde, schlichte Improvisationen und filigrane Ethnotongespinste neben fast ordinären Ragtimenummern, konfusem Getröte („Lachen, Lachen, Lachen“) oder „normalen“ Jazz- und Rockstücken. Die Stimmung der Musik passt sich den jeweiligen Hessetexten an, die mal poetisch-wortmalend, mal humorvoll-direkt, gelegentlich auch ironisch, fast sarkastisch ausgefallen sind. Im Grossen und Ganzen gelingt es der Gruppe dabei die richtige Stimmung zu treffen und Text und Musik zu einer Einheit zu verschmelzen. Ein wenig aufgesetzt und aufgezwungen wirkt das Ganze allerdings stellenweise, etwas gewollt intellektuell. Da sich die Musik oft den Texten unterordnet, wirkt dieselbe mitunter auch etwas blass und simpel, wie Begleitmusik eben.

Betweenzeigt der Vergleich mit der auf dem CD-Reissue zu findenden Instrumentalversion (Track 1). Hier wirkt das Ganze wenig spektakulär, klangvoll zwar, doch fehlt die fast manische Intensivität der Textversion.

„Hesse Between Music“ bietet eine interessante Gratwanderung zwischen Musik, Poesie und Lyrik. Ein ähnliches Konzept, allerdings mit deutlich rockorientierterer „Begleitmusik“, hatten die Italiener von Pholas Dactylus. Wer deren einziges Album schätzt, etwas für Hesse übrig hat und den kontemplativen Indojazz(rock) von Between mag, der sollte auch einmal in „Hesse Between Music“ reinhören! (Achim Breiling)

Produziert wurde das Album (aufgenommen im Juni 1974) von dem „Jazzpapst“ Joachim-Ernst Berendt in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk.

Oder um es mal ganz einfach zu sagen: Schlicht und ergreifend ein Meisterwerk !

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Alternatives Frontcover (mit englischsprachigem Sprecher)

Besetzung:
Holger Brandt (drums)
Charles Campbell (percussion)
Roberto Détrée (guitar)
Robert Eliscu (oboe, flute)
Tom van der Geld (vibraphone, harpsichord)
Peter Michael Hamel (keyboards, vocals, tamboura, electronics)
Bobby Jones (saxophone, clarinet)
Gary Todd (bass)
Gert Westphal (narrator)
Jerzy Ziembrowski (bass)
+
Al Gromer (sitar bei 06.)
Franz Lehrndorfer (organ bei 09.)

OriginalBackCover

Titel:
01. Om Namo Buddhaya (Hamel) 4.10
02. Whistlin‘ (Eliscu/v.d.Geld) 2.24
03. From Tom’s Diary (v.d.Geld) 1.20
04. Glück (Nicolai) 1.00
05. Chinese Legend (Hamel/Détrée/Sarangi/Müller) 2.47
06. Suicide (Hamel) 10.41
07. When You’re Smiling (Goodwin/Shay/Fisher) 3.02
08. Zarathustra (Hamel) 2.13
09. Variationen über „Eisenach“ I – III (Lehrndorfer/Hamel/Détrée) 7.23
10. Leb wohl, Frau Welt (Lohmann) 1.20
11. Govinda (Hamel/Sarangi/Müller) 6.50
12. Lachen, Lachen, Lachen (v.d.Geld) 1.44

Alle Texte: Hermann Hesse

LabelB1

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Front + Backcover der CD