Christian Weidner – Every Hour Of The Light And Dark (2016)

FrontCover1Immer wieder gibt es neue und großartige Talente in der deutschenJazz-Szene … wunderbar:

Christian Weidner (* 4. März 1976 in Kassel) ist ein deutscher Jazz-Saxophonist und -komponist.

Weidner studierte von 1996 bis 1998 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 1999 an der Königlichen Musikhochschule Stockholm und von 2001 bis 2002 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Zu seinen Lehrern zählten Jeff Clayton, John Ruocco, Joakim Milder, Fredrik Ljungkvist, Kamalesh Maitra und Kenny Werner.

Zwischen 1992 und 1998 spielte er im Landesjugendjazzorchester Hessen und 1994 bis 1998 im Bundesjazzorchester. 1996 gewann er den Bundeswettbewerb Jugend jazzt.

Von 1994 bis 2002 gehörte er verschiedenen Formationen Gunter Hampels an. 2001 bis 2004 spielte er im Deutsch-Französischen Jazzensemble unter der Leitung von Albert Mangelsdorff. Darüber hinaus arbeitete er in den Jahren 2001 bis 2006 in diversen Projekten mit dem Komponisten und Elektroniker Simon Stockhausen.

Christian Weidner02

2004 erschien sein Debüt-Album „Choral“ im Trio mit Antonio Palesano und Daniel Schröteler, produziert vom Label Pirouet Records. Seitdem verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit dem Label. Daraus resultierten insgesamt acht Veröffentlichungen, darunter drei weitere unter seinem Namen: 2010 das erste Album „The Inward Song“ seines Quartetts mit Colin Vallon, Henning Sieverts und Samuel Rohrer, 2012 das zweite Album „Dream Boogie“, sowie 2016 das dritte Album „Every Hour of the Light and Dark“.

Seit 2011 arbeitet Weidner zusammen mit der Harfenistin Kathrin Pechlof in einem kollektiven Trio mit dem Kölner Kontrabassisten Robert Landfermann.

Ebenfalls seit 2011 ist er Mitglied in Frank Möbus’ Trio Der Rote Bereich.

Christian Weidner03

Des Weiteren wirkt Christian Weidner mit in Frank Gratkowskis mikrotonalem Saxofonquartett Four Alto,[1] in Robert Landfermanns Quintett mit Elias Stemeseder, Sebastian Gille und Jim Black, sowie im Trio des norwegischen Vibraphonisten Karl Ivar Refseth und im Duo mit dem Sprecher Christian Brückner.

Weidner erhielt Studioförderpreise und ein Kompositionsstipendium des Berliner Senats. Er leitete Workshops an den Hochschulen in Dresden, Hannover und Danzig sowie an diversen Orten im Rahmen von Goethe-Tourneen in Südostasien, Afrika und Osteuropa.

Seit 2013 kuratiert er gemeinsam mit Kathrin Pechlof die Konzertreihe Serious Series in Berlin.

Im Herbst 2015 wurde Christian Weidner zum Professor für Saxofon an die Musikhochschule Stuttgart berufen. (wikipedia)

Christian Weidner04

Hier sein 4. Solo-Album:

Die Zeiten, in denen der Free Jazz ähnlich der sogenannten neuen klassischen Musik als Bürgerschreck galt, der für leere Konzertsäle sorgte, sind vorbei. Heute wird diese Strömung des Jazz, deren Bezeichnung auf eine LP Ornette Colemans aus dem Jahr 1960 zurückgeht, weitgehend als eine der zahlreichen Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz goutiert und Konzertveranstalter setzen Bands, wie das Weidner Quartett in seiner aktuellen Besetzung ob der enormen Nachfrage entspannt auf ihr Veranstaltungsprogramm. Immerhin ist ja seit Colemans Weckruf bereits ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen und für beinahe zwei Generationen stellt der Free Jazz den Normalfall dar.

Bei Pirouet ist jetzt mit Every Hour of Light and Dark bereits das vierte Album mit dem Altsaxofonisten Christian Weidner erschienen. Der unmittelbare Vorgänger des aktuellen Albums, dem zweiten Album mit derselben Quartettbesetzung – Dream Boogie – war ob seiner allseits gelobten eleganten, ja geradezu beschwingten, jedoch niemals glatten Gangart international ein enormer Erfolg bei Presse und Publikum. Kein Wunder also, dass sich Pirouet getraut hat, ein weiteres Album mit den Musikern dieses bewährten Quartetts aufzulegen.

Christian Weidner05

Sämtliche Stücke des aktuellen Albums stammen aus dem Ideenpool des Bandleaders, der unter anderem bereits zu einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere von der deutschen Avantgarde-Legende Gunter Hampel, aber auch von Kenny Werner inspiriert erkannt hat, dass eine eigenständige Musiksprache die Voraussetzung dafür ist, als Free Jazzer nachhaltig zu bestehen. Dass er eigenständig Neues zu schaffen vermag hat Christian Weidner bereits mit seinen früheren Alben bewiesen. Dass seine spezielle Gangart noch um einige Grade verfeinert werden kann, demonstriert er gleich mit dem ersten Stück des jetzt vorgelegten Albums. In Thetys schwebt der delikate Saxophonsound, den Weidner aus einem Instrument zaubert, der impressionistischen Welt eines Claude Debussy verwandt, über den Köpfen seiner Quartettkollegen, die dieser unaufgeregten, farbigen Klangwelt eine unaufgeregte Grundlage schaffen, auf der sie erblüht und gedeiht.

Die Gewichtslosigkeit In Weightless, die ausladenden Leerräumen zwischen den Noten geschuldet ist, schafft eine zauberhafte Klanglandschaft, die zeitlos aufgespannt bis ins Unendliche zu reichen scheint. Konträr dazu, nämlich energiegeladen und rhythmisch vorwärtsdrängend geht es im Dance Fantasm zu, bevor die Stimmung nach diesem heiteren, aber kurzen Zwischenspiel mit In Memoriam in ruhiges Fahrwasser zurückkehrt. Der Kreis schließt sich durch Rückkehr zur Stimmung des Anfangstitels in As Long as Now.
Der feinmaschig gewebte, farbige Sound des Quartetts wurde von Jason Seizer im Oberhachinger Tonstudio von Pirouet Records kongenial eingefangen und kompetent abgemischt. (highresaudio.com)

BackCover1

Besetzung:
Achim Kaufmann (piano)
Samuel Rohrer (drums)
Henning Sieverts (bass)
Christian Weidner (saxophone)

Inlets

 

 

 

 

 

 

 

 

Titel:
01. Tethys 5.01
02. Every Hour Of The Light And Dark 6.31
03. Fuzzy Membership 4.33
04. Weightless 7.07
05. Dance Fantasm 1.51
06. In Memoriam 8,12
07. Fairy Tales Friends 5.48
08. As Long As Now 4.29

Musik: Christian Weidner

CD1

*
**

Christian Weidner01

Die offizielle Website:
Website

Nur mal so nebenbei …

… seit es diese Blog gibt, präsentiere ich immer im Dezember diverse Advents- und Weihnachtsmaterialen (Tonträgern/ Druckerzeugnisse unterschiedlichster Art).

Wer sich über all diese Beiträge informieren will … bitte schön:

Weihnachten 2016

Weihnachten 2017

Weihnachten 2018

Weihnachten 2019

Weihnachten 2021

 

Wer noch den einen oder anderen Beitrag nachhören/nachlesen will, schreibe mir einfach !

Thirsty Moon – Blitz (1976)

FrontCover1Thirsty Moon ist eine deutsche Krautrockband der 1970er Jahre. Sie wird dem Bereich Jazz-Rock-Fusion zugerechnet.

Die Brüder Norbert und Jürgen Drogies begannen in den 1960er Jahren, sich in der Bremer „Beatmusik-Szene“ zu betätigen. Die seinerzeitige Konstellation verhielt sich dermaßen, dass Jürgen Gitarre spielte und Norbert, der beim ersten Auftritt in der „Lila Eule“ erst 15 Jahre alt war, hinterm Schlagzeug saß. Die erste Band der Brüder hieß The Outcasts. Neben den zum damaligen Zeitpunkt weitestgehend üblichen Coverversionen wurden schon teilweise erste eigene Stücke gespielt.

Nach einem kurzen Zwischenspiel als DRP (=Drogies-Ranwig-Pickert) und einem Theaterprojekt wurde Anfang der 70er Thirsty Moon gegründet. In der Originalbesetzung waren das Norbert Drogies, Jürgen Drogies, Michael Kobs, Harald Konietzko, Erwin Noack, Willi Pape, und Hans-Werner Ranwig. Kurz vor Aufnahme des zweiten Albums verließ Ranwig die Band, Gitarrist und Sänger Siegfried Pisalla kam in die Gruppe und Andreas Helms, der bereits vorher bei DRP und Tomorrow Too Bass gespielt hatte, löste vorübergehend Harald Konietzko am Bass ab.

Thirsty Moon02

Konietzko und Pisalla hatten in den Jahren 1969–71 in der Bremer Formation „Tomorrow Too“ zusammengearbeitet, die als erste bedeutende Prog-Rock-Band der Region gelten kann. Das selbstgeschriebene Songmaterial dieser Band konnte die Produzenten von Nektar 1970 überzeugen, der Band einen Plattenvertrag anzubieten, den die Band aber zögerlich behandelte und aufgrund personeller Turbulenzen im Folgenden nicht fristgerecht einlösen konnte. Man spielte in renommierten Clubs wie dem „Jaguar“ in Herford, in dem auch Jimi Hendrix vorher mehrfach aufgetreten war.

Thirsty Moon01

Saxophonist und Flötist Willi Pape arbeitete in einer Werbeagentur und kannte daher die Biermarke Thirsty Moon, an die sich der Bandname anlehnte. Akustisch verstand das nicht jeder, deshalb wurde manchmal ”Thursday Moon” gesagt. Thirsty Moon spielte ausschließlich Eigenkompositionen. Durch die wechselnden Besetzungen kam zeitweise Jazz-Einfluss in die Musik.

Anfang der 1970er Jahre gründete die Schallplattenfirma Metronome das Label Brain, speziell für deutsche Gruppen. Die Musik, die hier veröffentlicht wurde, bekam den Spitznamen Krautrock. Dabei waren u. a. Jane, Grobschnitt, Neu!, Scorpions und auch Thirsty Moon.

Vier Thirsty-Moon-Alben sind auf Brain erschienen, das fünfte auf Sky Records, ein sechstes, das Live-Album aus Archivmaterial, 2006 auf Long Hair Music.

Norbert & Jürgen Drogies

Das erste Album mit dem Titel Thirsty Moon wurde aufgenommen und gemischt von dem Toningenieur und Produzenten Conny Plank, der unter anderem auch mit Ultravox und den Eurythmics gearbeitet hat.

Zahlreiche Umbesetzungen folgten auf das erste Album. Das dritte Album Blitz wurde allein von Norbert und Jürgen Drogies komponiert und eingespielt.

Im November 2006 begann die Firma LongHair Music mit einer Serie von Wiederveröffentlichungen der Thirsty-Moon-Alben auf CD. Zusätzlich wurde ein Live-Mitschnitt von 1975 zum ersten Mal veröffentlicht. Die CDs enthalten reichlich ausgestattete Booklets und zusätzliche Bonus-Tracks, die nicht auf den LPs enthalten sind. 2011 erschien bei Sireena Records die CD „Lunar Eclipse“ mit dem Live-Mitschnitt eines Konzerts von 1976.

Seit 2007 hat Gründungsmitglied Jürgen Drogies mit seiner neuen Formation Back to the Moon mehrere Veröffentlichungen getätigt. (wikipedia)

Norbert Drogies01

Die berufenen Musikkritiker taten sich mit der Bewertung des Albums schwer. Im Vergleich zu den beiden ersten Alben hatte sich der Sound auf „Blitz“ verändert. Das Fehlen des Saxophons bedeutete auch eine Abkehr von den früher häufig verwandten Jazzelementen hin zu Rockelementen. Neu war auch das Fehlen von Gesang und die Verwendung des Synthesizers. Der Rezensent der Sounds (Sounds 4/76) schrieb offensichtlich mit knurrendem Magen: „Ein Rock-Eintopf aus deutschen Landen, indem man alles mögliche wiederfindet – angefangen beim WHO-Arrangement über das Stones-Riff bis zum Bo Hansson-Sound. Ganz schön frech, die Jungs. Hoffentlich erschlägt sie darob nicht der Blitz. Und: Beim nächsten Mal, Leute, spielt doch bitte nicht so hölzern. Eine Prise Eleganz würde alles viel genießbarer machen.“ Die Brüder Steven und Allan Freeman urteilten in „The Crack In The Cosmic Egg“ freundlicher und beschrieben Blitz als Instrumentalrockalbum meist basierend auf Gitarren und vielfältigem Trommelspiel und bescheinigten der LP, trotz seiner etwas kommerzielleren Ausrichtung, immer noch das Vorhandensein vieler unverwechselbarer und typischer Thirsty-Moon-Merkmale. In der „Gibraltar-Encyclopedia“ für Progressivrock schreibt Mike Ohman: „Interessant wie die meisten Alben der auf Brain veröffentlichten Bands, aber nicht unentbehrlich. Instrumentale Rockmusik mit starker Betonung der Gitarren und Perkussion.

Booklet01+02

‚Lord of lightning’ ist ein Hard-Rock-Titel mit krachenden Gitarren und elektrisch verstärktem Cembalo. ‚Rainbow’ ist ein höchst spannender, halb improvisierter Titel im 9/4 Takt, mit fesselndem Gitarrenspiel, Beckenzischen und atonaler Orgel, welcher irgendwie an Softmachine ca. „Volume 2“ erinnert. ‚The jungle of your mind’ beginnt mit einem faszinierenden Rhythmus abwechselnd im 8/4 und 7/4 Takt, der bald in einen langen Perkussionsteil übergeht. ‚Magic Moon’ erinnert an die halb elektronische Musik im Stil von Führs und Fröhling und ‚Crickets Don’t Cry’ enthält Elemente des Reggae“. Im Blitzinfo des Metronome Medienservices zum Erscheinen des Albums liest man folgendes: Der Blitz ist als Naturereignis eine Ur-Erfahrung des Menschen. In alten Schriften und Runen, auf vorzeitlichen Abbildungen, findet man das Blitzsymbol. Der Blitz ruft Emotionen hervor, er bedeutet Kraft, Gewalt, Stärke – aber auch Angst, Ausgeliefertsein des Menschen gegenüber der Natur. Der eingefangene vom Menschen beherrschte Blitz, ist die Elektrizität. Bekannt ist das Schild mit dem roten Blitz auf gelben Grund, das vor Hochspannung warnt. Elektrizität ermöglicht elektrisch verstärkte Instrumente, elektronische Instrumente, Synthesizer etc.. Obwohl es sich bei der LP nicht um „Programmmusik“ handelt und keine fortlaufende „Geschichte“ erzählt wird, stehen die einzelnen Stücke, sowohl musikalisch, als auch vom Titel her, in einem gewissen Zusammenhang. Stimmungen werden aufgebaut, gesteigert, verändert, zerstört … Es ist kein fertiges „Hörspiel“, sondern es werden Eindrücke vermittelt, zu denen der Hörer seine eigene „Story“ assoziieren kann.

Single

Jürgen Drogies äußerte damals: „Auf den beiden ersten LPs der Gruppe sind Rock- und Jazzelemente zu finden. Sie wurden aber nicht ständig verschmolzen, sondern bewusst als Kontrast verwendet. Zu Zeiten der zweiten LP tendierte die Musik immer mehr zum introvertierten Jazz. Auf der dritten LP ‚Blitz’ wurden die Rock-elemente der Musik wieder stärker belebt. Anstelle des Saxophons trat als neues Instrument der Synthesizer und eröffnete eine neue, elektronische Dimension.“ Die Veränderung des Sounds der Band auf „Blitz“ ist unverkennbar. Auch wenn die Musik des Albums allein vom Duo Jürgen und Norbert Drogies komponiert, eingespielt und produziert wurde, ist gegenüber den mit fremden Produzenten und im Kollektiv erarbeiteten ersten beiden Alben kein Qualitätsverlust festzustellen. Aufgrund der veränderten musikalischen Ausrichtung ergibt es allerdings keinen Sinn, das Album mit den ersten beiden Alben der Band zu vergleichen. Für die Brüder Drogies war allerdings auch klar, dass sie dieses Album zu zweit nicht würden live promoten können. Nach dem Erscheinen des Albums Anfang 1975 suchten sie nach Mitmusikern und traten im Frühjahr des Jahres zusammen mit dem Keyboarder und Sänger Gert Lueken und dem Bassisten Heinz Sander wieder auf.  (Manfred Steinheuer)

Booklet07+08

Also … das Album ist aller Ehren wert … bereits der Start mit „Lord Of Lightning “ ist ein Kracher, der sich gewaschen hat ! Bedenkt man, dass das Album quasi in Duo-Besetzung eingespielt wurde … ja, das ist schon bemerkenswert !

Das ganze Album ist ja ein Instrumental-Album und demgegenüber fallen dann die Bonustracks weit ab 2 der Sngs wurden 1977 als Single veröffentlicht (die Single enthelt sogar ein kleines Begleit-Werbe-Heftchen) … nicht nur wegen der bescheidenen Tonqualität, sondern auch weil der Gesang … ähm … etwas dürftig ist.

Dennoch: Dicke Hörempfehlung meinerseits und jetzt interessieren mich die eher jazzlastigen Aufnahmen gleich noch mehr … 

Demnächst hier in diesem Theater !

BackCover1

Besetzung:
Jürgen Drogies (guitar, keyboards, vocals)
Norbert Drogies (bass, drums)
+
Uli Harmssen (keyboards bei 10. – 12.)
Junior Weerasinghe (drums, vocals bei 10. – 12.)

Booklet05+06
Titel:
01. Lord Of Lightning 3.41
02. Riding In The Rain 4.42
03. Magic Moon 3.12
04. It Was Love 2.54
05. Speak For Yourself 3.57
06. Südwind 5.10
07. Rainbow 7.29
08. The Jungle Of Your Mind 5.17
09. Crickets Don’t Cry 5.26
+
10. Clouds 5.28
11. I’ll Sing Your Song 6.24
12.  Caught 8.08

Musik und Texte: Jürgen Drogies 

LabelA1

*
**

1974 lernten wir den Bremer Studiobesitzer Rolf Simson kennen, der eigentlich Shanties, Schlager usw. produzierte, aber auch für unsere Musik ein offenes Ohr hatte. Er stellte uns sein Studio auch als Übungsraum zur Verfügung und überließ uns sogar den Platz am Mischpult, den Norbert einnahm. Während die ersten beiden LPs schon mit 16-Spur-Technik aufgenommen worden waren, mussten wir nun mit 8 Spuren auskommen.

Mein Bruder und ich produzierten in Rolf Simsons Studio 1974 das Album „Blitz“ und spielten darauf alle Instrumente. Norbert spielte Schlagzeug und Bass, ich Gitarre und Keyboards. Es gab noch keine Sequencer und einen „Click-Track“ als Rhythmusgrundlage verwendeten wir auch nicht. Wir spielten zuerst Schlagzeug und Rhythmusgitarre gleichzeitig ein. Zu diesem „Grundplayback“ spielten wir dann nach und nach alle anderen Instrumente auf das Band. In der Bremer Stadthalle traten während dieser Zeit einmal Ike und Tina Turner auf. Tina Turner begrüßte das Publikum mit „Are you ready for me?“ Ich beschloss, diesen Satz in meine Komposition „Lord of lightning“ einzubauen, aber auf völlig andere Art. Ich lernte, die Wörter rückwärts zu sprechen, in etwa: „iem roff ider ui rah“, nahm das auf Band auf und ließ diese Aufnahme wiederum rückwärts ablaufen, indem ich die Tonbandspulen mit der Hand drehte. So entstand eine völlig verfremdete Stimme. Auch Naturgeräusche wie Donner und Regen bauten wir ein und als neue Instrumente kamen Synthesizer und Solina String-Ensemble hinzu. Bei späteren Live-Auftritten wurden die Geräusche und auch Synthesizer-Sound-Effekte wie der Wind bei „Südwind“ vom Tonband zugespielt.

Jürgen Drogies

Der Vertrag mit „Brain“ war ausgelaufen und wir wollten unsere neue LP auch nicht als THIRSTY MOON, sondern unter dem Bandnamen BLITZ veröffentlichen. Der Blitz als Symbol für Elektrizität hatte uns dazu inspiriert. „Brain“ zeigte jedoch kein Interesse und auch andere Plattenfirmen lehnten ab.

Wir nahmen neue Demos auf, wieder als THIRSTY MOON, zusammen mit anderen Musikern und präsentierten sie bei „Brain“. Dort hatte 1975 ein neuer Label-Manager das Sagen, der jetzt als erstes „Blitz“ veröffentlichen wollte, original, so wie Norbert und ich es eingespielt hatten, aber unter dem Bandnamen THIRSTY MOON. Es wurde eine erfolgreiche Veröffentlichung, die einen neuen Plattenvertrag mit „Brain“ zur Folge hatte. „Blitz“ wurde sogar in Australien mit offizieller Lizenz gepresst und erschien dort auf dem Label „Clear Light Of Jupiter“.

Beim Bonustrack „Clouds“ handelt es sich um ein Outtake aus unserer Aufnahme-Session zu „Blitz“, der nach Meinung der Plattenfirma nicht mit auf das Album kommen sollte. Eine geliehene 4-Spur-Tonbandmaschine stand zu unserer Verfügung, als wir 1977 im Gulfhaus in Vechta unsere Live-Single „I’ll sing your song“/ „Caught“ aufnahmen. Sie wurde auf Simsons Label „Boccaccio“ veröffentlicht. Die Besetzung der Band bestand zu dieser Zeit aus Uli Harmssen (Keyb.), Junior Weerasinghe (Drums, Voc.), Norbert Drogies (Bass) und Jürgen Drogies (Git., Voc.). Junior, ein humorvoller, lebenslustiger Musiker aus Sri Lanka..(Jürgen Drogies)

Die offizielle Website (Kategorie: arg chaotisch)
Website

Verschiedene Interpreten – Advent Daheim – Bayerisches Adventssingen (ca. 1975)

FrontCover1Und noch so eine Schallplatte aus dem alpenländischen Raum zur Vorweihnachtszeit … genannt Adventszeit.

Initiator dieser Aufnahmen war Thomas Wendlinger:

Thomas Wendlinger (29. April 1909 – 01. Juni 1998) war in der Volksmusik -Szene der 50er – 70er Jahre eine feste Größe. Er war verheiratet mit Hilde Ott. Und trat auch als „Peter Sonnleitner“ in Erscheinung.

Mathilde Ott-Wendlinger (20. Dezember 1930 – 31. März 2016) war eine Jodlerin und damit natürlich prädestiniert für Musik dieser

HildeOtt

Ebenfalls mit von der Partie Die Waakirchner Sänger, die auf eine Tradition zurückblicken können, die bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts begann (siehe unten).

Thomas Wendlinger02

Natürlich kann man diese Art von adventlicher Musik schlicht nennen, aber da bin ich mittlerweile eher zurückhalten geworden … denn auch diese Musik traf und trifft Menschen „mitten ins Herz ihrer Sehnsüchte“ um das mal ein wenig pathetisch zu formulieren.

Und auch wenn dieses Album ganz sicher nicht am 24.12. auf meinen Plattenteller kommt, es ist bleibt ein Stück bayerische Musikgeschichte, die nun mal mit dieser Art von Volksmusik eng verwoben ist.

BackCover1

Besetzung:
Thomas Wendlinger und seine Musikanten,
Alois Moosbacher und seine Hackbrettmusi
Waakirchner Sänger
Hilde Ott (vocals)
Fredi Dürmeier (vocals)

Thomas Wendlinger01

Titel:
01. Jetzt fangen wir zum singen an (Traditional) 1.28
02. Leise rieselt der Schnee (Ebel) 2.09
03. Bei Kerzenlicht (Remar) 2.47
04. Süßer die Glocken nie klingen (Traditional) 3.50
05. Hüatabua (Sonnleitner) 3.09
06. Aba Heidschi Bumbeidschi (Traditional) 3.09
07. Stader Weihnachtsjodler (Traditional) 1.09
08. Weihnachten steht vor der Tür (Wendlinger/Busch) 3.19
09. Der Andachtsjodler (Traditional) 1.09
10. Bauern-Menuett (Traditional) 1.41
11. Eisblumen (Wendlinger/Rauch) 2.05
12. Draußen wird’s kalt (Wendlinger) 2.15
13. Es wird scho glei dumpa (Traditional) 2.06
14. Abendlied zur Weihnachtszeit (Wendlinger/Weisser) 2.27

LabelB1

*
**

Eine Institution verabschiedet sich: Die Waakirchner Sänger hören auf. Aber erst werden Georg Gruber, Helmut Raab, Josef Gottfried und Peter Sigl noch geehrt.

Zur Waakirchner Gemeinderatssitzung am Dienstag kommen sie noch einmal als Waakirchner Sänger zusammen: Sepp Gottfried, Peter Sigl, Helmut Raab und Georg Gruber. Bürgermeister Sepp Hartl wird ihnen danken. Dafür, dass sie bei jedem Jubiläum, jeder Hochzeit oder Beerdigung gesungen haben, wenn sie gerufen wurden. Und dass sie mit ihren Auftritten den Namen Waakirchens in die Welt hinausgetragen haben.

Waakirchner Sänger02

Der Name Waakirchner Sänger war beinahe ein Jahrhundert lang Qualitätslabel. Ihr klangvoller, kraftvoller Gesang und ihre Jodler haben die alpenländische Volksmusik geprägt. Waakirchen wurde mit ihnen und durch ihre Auftritte in Radio und Fernsehen eine eigenständige Größe. Vermutlich wird der Abend im Gemeinderat schon ein wenig die Gemüter anrühren. Das passt den vier Mannsbildern nicht so recht, denn sie wollten sich etwas staader von der öffentlichen Bühne zurückziehen. „Wir haben Ende 2013 gesagt, jetzt hören wir auf“, sagt Peter Sigl, Tenor des Viergsangs. „Man muss aufhören, wenn einen die Leute noch schätzen.“

Also haben sie sich gesagt, singen sie an Weihnachten das letzte Mal – vorm Denkmal, in Erinnerung der Sendlinger Mordweihnacht. „Zusammen sind wir schließlich fast 310 Jahr’ alt“, schäkert Sepp Gottfried, der immer die zweite Stimme sang und auf der Zither begleitete. Das Alter jedes einzelnen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Und so wichtig wollen sie auch gar nicht sein. „Wir haben halt eine Tradition weitergeführt“, erklärt er.

Aber genau das ist das Besondere an den Waakirchner Sängern. Sie haben sich nicht selbst erfunden, sondern etwas weitergeführt. Ihre Anfänge führen bis in die 1920er-Jahre zurück. Als der Kiem Pauli sein legendäres Musikantentreffen in der Rottacher Überfahrt 1930 veranstaltete, war die erste Generation der Waakirchner Sänger dabei. Der Kiem Pauli förderte sie noch, versorgte sie mit Noten und Arrangements. Mal war es in den folgenden Jahren ein Dreigsang, mal ein Viergsang. Mal lief eine zweite Gruppe parallel, die Waakirchner Buam. Aber die ging dann doch wieder in den Waakirchner Sängern auf. Sepp Gottfried ersetzte 1959 den Hinterholzer Kaspar bei den Waakirchner Buam. Seitdem ist er dabei, vor 55 Jahren war das.

Waakirchner Sänger01

Damals war das noch selbstverständlich, dass man irgendwann in einer Gruppe mitsang. Man kannte sich und wurde halt gefragt. „Wir zwei haben uns auf dem Hausdach beim Zimmern kennengelernt“, erzählt Bass Georg Gruber und nickt zu Peter Sigl. „Da hat man angsungen und mitgmacht und gschaut, wias tuat. So ist das kommen.“ 1960 war das. In der jetzigen Formation mit Helmut Raab bestehen sie seit 1997. Sogar mit Max Grießer standen sie schon auf der Bühne. Die „Heilige Nacht“ gelesen und gesungen auf dem Wendelstein, das war ihnen der liebste Auftritt. Sie haben viele Lieder selbst erarbeitet, zehrten noch von dem, was die Alten unter Kiem Pauli gelernt hatten. Der „Sekauer Jodler“ ist so ein Beispiel. Den hatte sich Kiem († 1960) zu seiner Beerdigung von den Waakirchner Sängern gewünscht. (Sonja Still, Münchner Merkur,  

Karat – Die sieben Wunder der Welt (1984)

FrontCover1Höre ich mir heute die alten Amiga-Aufnahmen an und stelle mir dabei die Bedingungen vor, unter denen musikbegeisterte Freaks im ‚“real existierendem Sozialismus“ ihrer Begeisteruncg nachgehen mussten, empfinde ich Achtung und Respekt vor dieser Leistung.

Aber nun ein paar Fakten zu den frühen Jahren von Karat:

Karat ist eine 1975 gegründete Band aus Berlin, die zu den erfolgreichsten in der DDR gehörte und mit deutschsprachiger Rockmusik bis heute erfolgreich ist. Bekanntestes Lied der Band ist Über sieben Brücken mußt du gehn. Für die Dauer eines Markenlöschungsverfahrens nannte sich die Gruppe vom 1. Januar 2006 bis zum 19. Juni 2007 ersatzweise K…!

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen.

Karat1

Nach drei Wochen stieg Steyer aus dem Projekt aus, um sich der Schauspielerei zu widmen. An seiner Stelle engagierte man Ulrich „Ed“ Swillms, den früheren Pianisten von Panta Rhei, der als Koryphäe in seinem Fach galt. Mit Ed Swillms kam auch der ehemalige Sänger und Gitarrist von Panta Rhei, Herbert Dreilich, in die Gruppe, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war. Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten (Du und ich, Schwester, Leute, welch ein Tag und Ich lauf’ durch die Stadt, aufgenommen vom 24. bis 28. Januar 1975), gaben Karat am 22. Februar 1975 in Heidenau bei Dresden ihr erstes Konzert.

Karat03

Und dann ging es quasi Schlag auf Schlag:

Die sieben Wunder der Welt ist das fünfte Album der deutschen Rockgruppe Karat aus dem Jahr 1984.

Die neue LP der Gruppe KARAT enthält zehn Titel, von denen der letzte – was sich auf manchen Schallplatten eingebürgert hat – die instrumentale Version eines Liedes ist; hier „Unterwegs nach Haus“, mit dem die erste Plattenseite abschließt. Das nennt man mitunter Dramaturgie.

Fast ausnahms­los zeichnen Ed Swillms für die Kompositionen und Norbert Kaiser für die Texte. Hin und wieder drängt sich Herbert Dreilich in dieses Autorengespann, dichtet fleißig bei Kaiser mit (oder jener bei Dreilich ?). Auch stammt die Musik zu „Kalter Rauch“ von Dreilich, die zu „Flipper“ ist eine kollektive Hervorbringung von Karat.

Die Besetzung wie letztens immer, mit Dreilich (voc, acc­g), Protzmann (bg), Römer (el-g), Schwandt (dr), Swillms (keyb). Als Keyboarder (und auch als Mundharmonika-Spieler) wirkt auch Thomas Natschinski mit, Karat seit langem freundschaftlich verbunden. Der auffallend schlanke expressive Ton eines Altsaxophons, der im Lied „..und der Mond schien rot“ zu vernehmen ist, wird von Frank Lüdeke erzeugt. Soweit erst einmal einige mitteilenswerte Informationen.

Die BRD Labels:
BRDLabels

Meiner bevorzugten Weise frönend, mir die Titel so oft anzuhören, bis sich ein Gefühl von Urteilssicherheit einstellt, das auch mit dem subjektiver Wertungsgerechtigkeit untrennbar verbunden ist, fiel mir als erstes auf: Es befindet sich kein Lied auf dieser LP, das mich gewissermaßen sofort fesselte, „ansprang“. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, das will nicht viel besagen, man sollte sich hüten, einen Titel nach seinem schnellen Eindruck, den er macht, endgültig einzuordnen. (Obgleich sich so allerdings immer noch der „normale“ Hörer verhält, leider: nach spätestens zweimaligem Hören ist ein Titel durch ihn auf immer bewertet, entweder unter die Urteils­ Guillotine geraten oder am Rande eigentlicher musikalischer Interessen geduldet oder in ständiger Verklärung angehimmelt.)

Also, gerade dieser Umstand, das die zehn Titel einen nicht sogleich stürmisch erobern, sondern man ihnen wirklich genau zuhören muss, um sich ihnen zu nähern, macht sie für mich interessant. Das ist mein vorherrschender Eindruck. Aber ich sehe auch eine Gefahr.

Single2A

Beispielsweise diese, das der assoziative Charakter mancher Texte, ihr bewusst Vages, ihr oft nur Angedeutetes und Ungefähres, das wie ein Reizmittel wirken könnte, den Gedankenfluss in Gang zu bringen, nicht verstanden wird. Ich befürchte, dass das pure Erscheinungsbild mancher Titel als ihr Wesen genommen wird, was es nach meiner Ansicht noch nicht ist.

Ich befürchte, um konkret zu werden, das „Panoptikum“ nicht als makabres, mahnendes Schattenreich der Weltgeschichte begriffen wird, sondern als groteskes, verspieltes, jahrmarkthaftes Panoptikum, oder „Tanz mit mir“ nicht als Symbol des Bösen, das in vielerlei Gestalt Macht ausübt, den Menschen umkrallt, anzieht und unter sich begräbt, sondern als etwas hübsch Mystisches.

Vielleicht, liegt es einfach an den Texten – Kaisers bzw, Dreilich/Kaisers, die nicht genau genug benennen, was zu benennen wäre, und dem Reiz der Andeutung mehr Lust abgewinnen als der unmissverständlichen Fixierung des Gemeinten. An der Musik mit ihren bizarren, wabernden, travestierenden Klängen, ihrer knapp bemessenen intervallischen Engräumigkeit im Melodischen, der prägnanten und charakteristischen rhythmischen Kontur („Panoptikum“) scheint’s mir hier nicht zu liegen.

Karat02

Anders verhält es sich da in „Don Alfredo“, der sachlich kalten Geschichte eines gut honorierten Brudermordes, in Nikaragua oder Honduras womöglich, inszeniert und bestellt von amerikanischer Seite. Da erfahre ich aus dem Text auch keine detaillierten Hinweise auf Ort und Zeit, dennoch wird ein bestimmtes politisches Klima in einer bestimmten geographischen Zone erkennbar, meine Assoziationen werden gelenkt. Die Musik nun (sie erinnert mich etwas an Evita“, was zufällig sein kann) hält sich wie in großer Distanz, fast unbeteiligt, wozu auch die Interpretation Dreilichs beiträgt. Gewünscht hätte ich mir, weil erforderlich scheinend, mehr Schärfe der Mu­sik, ihr Näherrücken, ihren leidenschaftlichen Standpunkt. Zu vernehmen aber ist eine durch Bongo-Rhythmen angewürzte Musik, die einem leichtgewichtigeren Textinhalt zu gehören scheint.

Was ist noch zu sagen? Das in mir der Titel „Die sieben Wunder der Welt“ die deutlichsten Spuren hinterlässt. Kaiser bekennt ganz schlicht, das für ihn zu den Wundern der Gegenwart zählen – jeder Baum, der blüht, das Brot, das man teilt, jeder Kuss, der wärmt, jeder Schuss, der nicht fällt („weil ein Traum ihn besiegt“), jedes Wort, das nicht lügt, jedes Kind, das träumt. Das finde ich sehr schön und anrührend gesagt, und die Musik Swillms verhält sich, obschon die alten Karat-Muster (bestimmte Wendungen, harmonische Abfolgen) durchrosten, entsprechend, hat ein paar große, bedeutende musikalische Erfindungen (die Kraft der Unisoni!).

Single1

Überhaupt ist das volle, runde, farbig – variable, zuweilen klanglich überraschende, glänzend gemischte Klangbild imponierend (Musik- und Tonregie Helmar Federowski).

Auch sagt mir die liedhafte Zurückhaltung, die anspruchsvolle Bescheidenheit mancher Titel zu. Ich denke dabei besonders an „..und der Mond schien rot“, in dem sich ein Mädchen gegen ein Haus mit Ketten an der Tür, hinter die sie ihr Geliebter sperren möchte, wehrt. Und ich zähle auch „Unterwegs nach Haus“ dazu, in dem von jemand die Rede ist, den das „Fernweh an die Hand“ nahm (derlei Platitüden mogeln sich immer mal wieder in Kaisers Texte), die Welt erfährt, ehe ihn die Sehnsucht wieder nach Haus treibt. Dreilich mal anders im quasi-rezitativischen Teil (klaviergestützt), mit Aufenthalt in den tiefsten Räumen seiner Stimmlage.

Diese LP imponiert mir, bei allen Einschränkungen, mehr als andere, die ich von KARAT kenne. Sie strebt nach gewichtiger Aussage und tut dies mit Mitteln des Textlichen und Musikalischen, die den aufmerksamen Hörer brauchen. (Wolfgang Lange, Melodie & Rhythmus 3 / 1984)

Karat04

Also: das Album geht ganz prächtig los und zwar mit „Tanz mit mir“ (mit einer extrem süffigen slide-guitar und einer nicht minder intensiven Blues-Harmonika !)

Und auch „… und der Mond schien rot“ (mit einem Hauch von Peter Maffay und einem grandiosem Saxophone-Solo) ist mehr als hörenswert … aber dann: „Panoptikum“ … stumpfsinnige NDW Klänge und Rhythmen … da mag man sich wohl vor dem Zeitgeist verneigt haben … vermutlich die schlechteste Nummer, die Karat jemals aufgenommen haben.

Bei „Don Alfredo“ höre ich immer wieder die Rolling Stones mit ihrem „Sympathy For The Devil“ raus … nicht die schlechteste Vorlage … 

DEr Titelsong ist Klasse, wenn man denn diese Art von symphonischer Rockmusik mag, gleiches gilt übrigens für die Insrumentalversion von „Unterwegs nach Haus“ als Ausklang dieser LP.

Wenn denn nicht dieses „Panoptikum“ wäre… 

Dennoch: ich empfehle dieses Album !

BackCover1

Besetzung:
Herbert Dreilich (guitar, vocals)
Henning Protzmann (bass, vocals)
Bernd Römer (guitar)
Michael Schwandt (drums)
Ulrich „Ed“ Swillms (keyboards)
+
Frank Lüdecke (saxphone bei 02.)
Thomas Natschinski (keyboards bei 

Inlets

Titel:
01. Tanz mit mir (Swillms/Dreilich/Kaiser) 4.52
02. … und der Mond schien rot (Swillms/Kaiser) 5.02
03. Panoptikum (Swillms/Kaiser) 4.22
04. Kalter Rauch (Dreilich/Kaiser) 4.15
05. Unterwegs nach Haus (Swillms/Kaiser) 4.08
06. Don Alfredo (Swillms/Kaiser) 4.59
07. Die sieben Wunder der Welt (Swillms/Kaiser) 6.10
08. Mich zwingt keiner auf die Knie (Swillms/Dreilich/Kaiser) 3.22
09. Flipper (Karat/Kaiser) 3.38
10. Unterwegs nach Haus II (Swillms) 3.40

LabelB1

*
**

MC1

Mehr von Karat:
Mehr

Die offizielle Website:
Website

 

Verschiedene Interpreten – Die 20 schönsten Weihnachtslieder – Stars wünschen frohe Weihnacht (1981)

FrontCover1Alle Jahre wieder gab´s und gibt es wohl auch noch Weihnachts-Schallplatten (CD´s) wie diese:

Stars und Sternchen (vornehmlich aus dem Bereich der Schlagermusik) trällern allseits bekannte Weihnachtsklassiker zur Einstimmung auf das „frohe Fest“.

Auch wenn mich die LP nun wirklich nicht vom Hocker haut, ein paar Dinge wollte ich schon noch anmerken:

Die Bearbeitung von „Kommet ihr Hirten“ stammt von dem ursprünglichen Jazzgitarristen Ladi Geisler und bei dem schlesischen Volkslied „Auf dem Berge, da wehet der Wind“ (Prädikat: gar nicht mal so schlecht) wandern meine Gedanken zu meinem Vater.

Und bei „Aba Heidschi-Bumbeidschi“ darf Julia Migenes Töchterchen Martina ein paar Takte krächzten … meinetwegen.

Michael Theodore:
Michael Theodore

Und unbekannt war mir bisher der Michael Theodore; der wurde am 17. Juli 1939 in Thessaloniki geboren und machte sich dann, als er irgendwie in seiner Wahlheimat Deutschland landete, auch einen Ruf speziell als Interpret von Weihnachtsliedern. 

Soweit so gut, und auch dieses Album wird nun seinen Platz in meinem Archiv verlieren.

BackCover1

Titel:
01. Mireille Mathieu: Süßer die Glocken nie klingen (Traditional) 2.44
02. Peter Alexander: Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.25
03. Der Bielefelder Kinderchor: O Tannenbaum (Traditional) 1.39
04. Udo Jürgens: Jingle Bells (Optrako) 2.12
05. Renate & Werner Leismann: Kommet ihr Hirten (Traditional) 1.49
06. Rex Gildo: Still, still, still (Traditional) 2.46
07. Günter Noris: Petersburger Schlittenfahrt (Eilenberg) 3.27
08. Bruce Low: White Christmas (Berlin) 2.47
09. Die Münchner Chorbuben: Auf dem Berge, da wehet der Wind (Traditional)  2:09
10. Andrea Jürgens: Alle Jahre wieder (Traditional) 1.40
11. René Kollo: Vom Himmel hoch (Traditional) 2.34
12. Julia Migenes mit Tochter Martina: Aba Heidschi-Bumbeidschi (Traditional) 3.32
13. Rudolf Schock: Es ist ein Ros‘ entsprungen (Praetorius) 2.20
14. Der Tölzer Knabenchor: Ihr Kinderlein kommet (Abraham/v.Schmid/Schulz) 1.56
15. Fritz Wunderlich: Drei Könige wandern aus Morgenland (Cornelius) 1.58
16. Ingeborg Hallstein: Alleluja (Mozart) 2.31
17. Michael Theodore: Herbei, o ihr Gläubigen (Adestes Fideles) (Traditional) 2.10
18. Nini Rosso: The Little Drummer Boy (Simeone/Onorati/Davis) 3.03
19. Erika Köth: O du Fröhliche (Traditional) 2.17
20. Knabenchor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin: Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.11

LabelB1

*
**

Missus Beastly – SWF-Session 1974 (2012)

FrontCover1Missus Beastly war eine deutsche Underground- bzw. Jazzrock-Band, die auch dem Krautrock zugeordnet wird.

Missus Beastly wurde 1968 als am Bluesrock orientierte Gruppe in Herford gegründet und entwickelte sich zu einer der deutschen Psychedelic-Bands. 1970 erschien eine erste selbstproduzierte LP, an der auch Chris Karrer, Dieter Serfas und Hansi Fischer beteiligt waren. Nach ausgedehnten Tourneen löste sich die Band 1971 wegen finanzieller Probleme auf.

Ende 1973 gründete Lutz Oldemeier die Band gemeinsam mit dem Flötisten Friedemann Josch, dem Saxophonisten Jürgen Benz, dem Pianisten Dieter Miekautsch (zuvor bei Embryo) und dem Bassisten Norbert Dömling wieder. Für Venus/Nova nahm die Gruppe im folgenden Jahr eine gleichnamige LP auf. Für Oldemeier kam Butze Fischer und für Miekautsch der Würzburger Keyboarder und Komponist Burkard Schmidl. 1976 gründete Missus Beastly zusammen mit Ton Steine Scherben und Embryo die Musikerkooperative April, aus der der selbstverwaltete Vertrieb Schneeball entstand. Die Band spielte die LP Dr. Aftershave and the Mixed Pickles ein.

Missus Beastly01

Die Besetzung veränderte sich häufig. Die Konstanten waren nun Friedemann Josch und Burkard Schmidl, von dem der Großteil der Kompositionen kam. 1978 entstand die LP „Spaceguerilla“. Im Herbst 1979 trennten sich die Wege: Schmidl spielte im Trio mit Drummer Marlon Klein und dem erneut in die Band geholten Bassisten Norbert Dömling weiter – eine Weile unter dem Pseudonym Dr. Aftershave – ab 1980 wieder unter dem Namen Missus Beastly. 1982 löste sich die Band endgültig auf (letzte Besetzung: Burkard Schmidl, Keyboards, Marlon Klein, Drums, und Matthias Krüger, Bass). (wikipedia)

Missus Beastly02

Hier ein quasi posthum veröffentlichtes Album:

Aufgenommen Anfang 1974 im SWF-Studio in Baden-Baden von der gleichen Besetzung, die zur gleichen Zeit auch das 2. Missus Beastly Album aufnahm. Verbesserte Versionen von älteren Titeln und einige neue Titel beweisen das große Improvisationstalent der Band. Brillanter Sound von brillanten Melodien, gespielt von raffinierten Musikern. Diese Art des instrumentalen Krautjazzrocks ist zeitlos.

Missus Beastly01

Die musikalische Ausrichtung der neuen Missus Beastly orientiert sich eher an afro-amerikanischen als an europäischen Musiktraditionen, aber mit dem gewissen Krautrock-Einschlag. Großartige Musik von einer großartigen Band. Digital remastered vom Original-Masterband. (green-brain-krautrock.de)

Dem kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen … Jazz-Rock vom Feinsten und noch heute teilweise atemberaubend.

Da kann ich nur viel Vergnügen mit diesem Album wünschen !

BackCover1

Besetzung:
Jürgen Benz (saxophone, flute)
Norbert Dömling (guitar, bass)
Friedemann „Friedo“ Josch) (flute, saxophone)
Dieter Miekautsch (keyboards)
Lutz Oldemeier (drums, percussion)

Booklet02A

Titel:
01. Fly Away (Miekautsch) 7.23
02. Simsalabim (Josch) 4.07
03. Talle (Josch) 4.47
04. Free Clinic (Norbert Dömling) 4.05
05. Geisha (Jürgen Benz) 5.18
06. Space In The Place (Miekautsch) 2.08
07. Song For Ann (Miekautsch) 3.16
08. Dauerwurst (Benz) 5.18
09. Julia (Benz) 3.29
10. Einmal ist keinmal (Benz) 3.48
11. Serenade To A Soul Sister (Miekautsch) 3.41

CD1

*
**

Mehr von Missus Beastly:
Mehr

 

Michl Lang – Wenns Christkindl kommt (1969)

FrontCover1Und wieder mal so ein Münchner Volksschauspieler vergangener Jahrzehnte:

Michl Lang, auch Michael Lang (* 16. Januar 1899 in Kempten (Allgäu); † 21. Dezember 1979 in München), war ein deutscher Volksschauspieler. Er verkörperte in seinen Rollen den humorvoll-spitzbübischen Charakter.

Michl Lang war der Sohn eines Schreiners und sollte den väterlichen Betrieb übernehmen. Doch den Jungen zog es zum Schauspiel. Ohne die elterliche Unterstützung schlug er sich zunächst als Käser, Stallknecht und Kellner durch. Ab 1917 leistete er Kriegsdienst bei der bayerischen Feldartillerie.

Nach dem Ende seiner Militärzeit kam Lang 1919 nach München, wo sein Onkel Direktor der Bühne Platzl war. Dieser schickte ihn an das Bauerntheater in Bad Reichenhall, wo er als Requisiteur begann und 1921 seine erste Rolle übernahm. Frühzeitig spezialisierte er sich auf die Darstellung von älteren, kauzigen, schlitzohrigen Typen. Auf einer Gastspielreise lernte er in Bremerhaven Fanny Pröll kennen, die er 1923 heiratete. Die Ehe hielt bis zu seinem Tod.

Michael Lang in Bad Reichenhall, 1921:
Michl Lang01

1927 kehrte Lang an das Münchner Platzl zurück. Der legendäre Leiter dieser Bühne mit Restaurationsbetrieb und Hotel, Weiß Ferdl, war hier sein Partner und bestimmte ihn schließlich zu seinem Nachfolger. Lang leitete 22 Jahre lang die Geschicke des Hauses. Er hatte inzwischen nicht nur alle gängigen einschlägigen Rollen verkörpert, sondern auch selbst diverse Einakter verfasst. Daneben trat er gelegentlich am Staatstheater am Gärtnerplatz und an den Münchner Kammerspielen auf. Lang stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.

Langs Filmlaufbahn begann in den 1930er Jahren mit Rollen in Bauernschwänken des Regisseurs Franz Seitz senior. Der endgültige Durchbruch gelang dem Schauspieler über das Radio mit den Brumml-G’schichten (1947–1953) als grantelnder Familienvater Xaver Brumml an der Seite von Liesl Karlstadt im Bayerischen Rundfunk unter Regisseur Kurt Wilhelm, den der Schauspieler Rudolf Vogel mit Lang bekannt gemacht hatte.

Michl Lang als Pfarrer in „Die Wunder des Heligen Florian“, 1968:
Michl Lang02

Es folgten Rollen in Heimatfilmen und Komödien. In den 1950er und 1960er Jahren war er Mitglied des Ensembles des erfolgreichen Komödienstadels, in dem er neben Gustl Bayrhammer, Max Grießer und Maxl Graf zahlreiche Rollen spielte. Vor allem seine Verkörperung des Verkauften Großvaters machten ihn einem großen Publikum bekannt. In der gleichen Zeit trat Lang auch in einigen Kinofilmen auf, zum Beispiel mehrmals als Onkel Filser in den Lausbubengeschichten.
Krankheit und Tod
Nach Ende der Dreharbeiten zu Die Lokalbahn 1972 zog sich Michl Lang aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück und erledigte als Direktor des Platzl nur noch Verwaltungsarbeiten. 1972 wurde er mit dem Bayerischen Poetentaler ausgezeichnet. Kurz vor Weihnachten 1979 starb er 80-jährig in seiner Wahlheimat München. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof von Pullach im Isartal. (wikipedia)

Michl Lang04

Hier sein Beira zur „bayerischen“ Adventszeit …natürlich mit der entsprechenden sentimentalen Rührseligkeit vorgetragen … so, wie es sich halt für ein traditionelles Herz aus Bayern für dieses Jahreszeit geziemt.

Bei genauem Hinhören sind Beiträge „… Und die Trambahn ist leer“ und das humoristische „Thomas in Bethlehem“ gar nicht mal so übel.

Singen konnte er nicht wirklich, aber seine Stimme, seine angenehme Stimme mag ich noch heute.

BackCover1

Besetzung:
Michl Lang (Sprecher)
+
Alfons Bauer und seine Saitenmusik
Das Alo Schnurrer-Gesangsterzett
+
Brigitte (Sprecherin bei 08. + 09.)
Franzl (Sprecher bei 08. + 09.)
+
Der Kinderchor des Bayerischen Rundfunks (bei 09. + 10.)

Die Illustration stammt von Michl Lang höchstpersönlich:
Illustration

Titel:
01. Wenn’s Christkindl kommt (Hertha) 1.56
02. Back‘ ma Platzerl (Frei/Hertha) 3.12
03. S’Weihnachtsglöckerl (Hertha) 0.32
04. Wenn’s still wird auf der Welt (Frei/Hertha) 2.16
05. … Und die Trambahn ist leer (Hertha) 3.08
06. Ärmer als das Christkind war (Hertha) 2.10
07. S’Weihnachtsglöckerl (Hertha) 0.31
08. Thomas in Bethlehem (Frei/Hertha) 7.44
09. Es wird scho glei dumpa (Traditional) / Die Gschicht‘ vom Skifahr’n (Frei/Hertha) 8.35
10. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.12

Musik: Alfons Bauer

LabelB1

*
**

Hüllentext

Michl Lang03

Fips – Die heitere Post – Nr. 23 (1926)

TitelUnd wieder mal ein Kapitel aus dem Themenbereich „deutsche Firmengeschichte“:

Rama ist eine Marke der Upfield Holdings, unter der seit 1924 größtenteils pflanzliche Streichfette und Margarinen in Deutschland, Österreich und seit 1954 (damals als Planta)[2] auch in der Schweiz angeboten werden. Bis 2018 war der Unilever-Konzern Markeninhaber. Unter der Bezeichnung Rama Culinesse bietet Upfield Holdings auch zum Braten geeignete Erzeugnisse auf Basis von Pflanzenfett an.

Der Markenname Rama für „Butter, Margarine, Speisefette, Speiseöle“ wurde bereits am 15. Januar 1901 in das deutsche Markenregister eingetragen.

Bis zum Jahr 2007 enthielt Rama drei Pflanzenöle, namentlich Rapsöl, Maisöl und Sonnenblumenöl. Danach wurde die Rezeptur geändert. Aus der vorigen Margarine mit einem Fettgehalt von 80 % wurde ein Streichfett mit einem Fettgehalt von 70 %. Hierbei wurde ein Großteil des Fettes durch das ethisch stark umstrittene Palmöl ersetzt.

Zum 2. Juli 2018 übernahm der Finanzinvestor KKR die Brotaufstrich-Sparte von Unilever und führt sie seither als Upfield Holdings. Im Jahr 2018 wurde die Marke Sanella übernommen, die sukzessiv in die Rama-Familie integriert werden soll.

Rama01

Zu Beginn der 1920er Jahre wurde Margarine in Deutschland regional produziert und beworben. So auch bei der Deutschen Jurgenswerke AG. Die Deutsche Jurgenswerke AG beschloss 1924, diese Vielfalt der eigenen Marken durch eine gemeinsame Marke, Rahma, zu ersetzen. Der Name des Pflanzenfettes Rahma sollte Assoziationen mit dem tierischen Rahm erwecken; auch mit Attributen wie „butterfein“ u. ä. wurde Ra(h)ma beworben, bis allerdings eine deutsche Rechtsverordnung Ende 1932 solchen Anlehnungsversuchen ein Ende setzte, indem sie in der Etikettierung und Werbung von Margarine jegliche Hinweise auf Milch, Butter und andere Milcherzeugnisse in Wort und Bild untersagte. Bereits 1926 wurde das „h“ aus dem Markennamen genommen, um eine Verwechslung mit reinen Milchprodukten auszuschließen.

Emaillewerbeschild noch unter dem Namen „Rahma“:
Rama02

In der Zwischenkriegszeit veröffentlichte Rahma bzw. Rama als Marketing-Maßnahme die periodisch erscheinende Kinder- und Jugendlichen-Zeitschrift „Rahma-Post“ bzw. „Rama-Post“.

Nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg führte die Margarine-Union (die deutsche Unilever-Tochter) zunächst nur den Markennamen Sanella wieder ein. Erst 1954 wurde die Marke Rama, die bei den Verbrauchern aus Vorkriegszeiten noch recht bekannt war, mit großem Werbeaufwand als teurere, hochwertige Margarinemarke lanciert. Die Verpackung gestaltete die Unilever-Werbeabteilung nach systematischen Verbrauchertests aus goldfarbenem Papier mit Motiven im Stile von Delfter Kacheln, und als Werbefigur wurde eine junge Frau in Vierländer Tracht eingesetzt, die schon nach wenigen Jahren breite Bekanntheit erlangte und von den Verbrauchern eng mit Margarine in Verbindung gebracht wurde. Die Markteinführung verlief so erfolgreich, dass Rama bereits 1962 einen Anteil von ca. 40 % auf dem stagnierenden, seit 1956 sogar rückgängigen deutschen Margarinemarkt erreichte und Sanella mit ca. 15 % weit abgeschlagen war; die Marken anderer Hersteller waren dagegen vergleichsweise bedeutungslos.

 

Das „Rama-Mädchen“ wurde zu einem bestimmenden Merkmal der Markenidentität des Produkts und wurde, mehrmals überarbeitet, jahrzehntelang als zentrales Motiv der Werbespots der Marke eingesetzt. Anfang 2011 überholte und vereinheitlichte Unilever das Erscheinungsbild einiger seiner Margarinemarken (neben Rama auch Planta und Blue Band), schaffte in dem Zuge das „Rama-Mädchen“ ab und ersetzte es durch Blumenmotive. Nach der Markenübernahme durch Upfield Holdings wurde dieser Schritt zurückgenommen und das Rama-Mädchen in überarbeiteter Form wieder verwendet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vor allem die Produktpalette kontinuierlich erweitert und die Hauptzielgruppe der Hausfrauen mit Werbeslogans beworben, wie „Rama macht das Frühstück gut“ oder die bildliche Assoziation der „Rama-Frühstücksfamilie“.

Rama04Um die Abgrenzung zu anderen Produkten der Produktlinie zu ermöglichen, erhielt das eigentliche Streichfett zwischenzeitlich den Beinamen „Original“, Später den Zusatz „- der Klassiker“ Im Jahre 2008 wurde der Fettgehalt von Rama Original von 80 % auf 70 % gesenkt. 2017 wurde der Fettgehalt auf 60 % reduziert und Rama – der Klassiker darf deswegen nicht mehr als Margarine, sondern nur als Dreiviertelfettmargarine bezeichnet werden.

Seit einiger Zeit werden unter dem „Logo“ von Rama verstärkt auch vegane Produkte zum „Streichen“, „Kochen“ und „Schlagen“ angeboten. Damit folgt Rama einem Trend, der sich zunehmend im Markt verbreitet.

Eine alte Werbetüte:
Rama05

Rama hat seit einer Änderung der Rezeptur im Jahre 2017 einen Gesamtfettgehalt von 60 %.

Zutaten: pflanzliche Öle und Fette (Raps, Palm), Trinkwasser, Fababohnenprotein, Speisesalz (0,5 %), Emulgatoren (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Lecithine), Konservierungsstoff (Kaliumsorbat), Säuerungsmittel (Citronensäure), Aromen, Vitamine (A, D, E), Farbstoff (Carotin).

Der Fettanteil setzte sich 2017 zusammen aus 36 % Raps, 24 % Palm.

Nach der europäischen Streichfettverordnung handelt es sich um eine Dreiviertelfettmargarine (mindestens 60, höchstens 62 %).

Rama enthält Palmöl. Unilever wurde vorgeworfen, mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die nicht nachhaltig wirtschafteten und kriminelle Praktiken anwendeten, beispielsweise dem indonesischen Konzern Wilmar, der auch vor Gewaltexzessen nicht zurückschrecke.

Rama06

Ungefähr zeitgleich mit dem Artikel gab Unilever bekannt, dass der gesamte Bezug von Palmöl bis 2013 nur noch aus nachhaltigem Anbau erfolgen solle. Seit dem Jahr 2010 wird für das eingesetzte Palmöl im D–A–CH–Raum die Nachverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit nach Standards des Roundtable on Sustainable Palm Oil sichergestellt. Im Jahr 2012 teilte Unilever mit, dass dieses Ziel für die europäische Produktion nach dem GreenPalm-Standard bereits erreicht worden sei.

Die Stiftung Warentest untersuchte 2008 in einer Studie die ernährungsphysiologische Zusammensetzung gängiger Margarinesorten. Rama erhielt die Note „Befriedigend“ und schnitt ähnlich wie andere namhafte Markenprodukte überraschend schlechter ab als einige günstige Handelsmarken und Discountmargarinen.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel führte im April 2011 das Produkt „Rama Unwiderstehlich!“ als Beispiel für versteckte Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich an. Der 400-Gramm-Becher „Rama Unwiderstehlich!“ kostet genauso viel wie der 500-Gramm-Becher der Standardsorte Rama. Unilever antwortete auf Anfragen nach den Gründen für diesen Sachverhalt: „es handle sich um zwei Produkte mit unterschiedlicher Rezeptur“. „Rama Unwiderstehlich“ biete ein anderes Geschmackserlebnis und es ergebe sich ein Preis, der „geringfügig höher“ sei. (wikipedia)

Aus Der Spiegel, April 2011:
Rama03

Von solchen Machenschaften war natürlich 1926 noch nicht die Rede.

Dafür aber von einem vermutlich ehr beliebten Kinder-Kundenzeitschrift, z.B. von „Fips – Die heitere Post“ (die andere Zeitschrift für Kinder hieß „Der kleine Coco“):

Die Rama – Post (1925-1933) erschien vom 1.-3.Jahrgang im“ Fips“ -Verlag Goch/Rheinland, vom 3. bis 6. Jahrgang im Verlag “ Rama -Post “ Berlin und vom 6. – 9.Jahrgang im “ LINTAS – GMBH “ – Verlag Berlin.
Die Rama – Post vom lustigen Fips gab es unter diesem Namen ab 1926.
Vorher (seit 1925,1.Jahrgang) hieß die Zeitung “ Fips Lach-Zeitung für liebe kleine Kinder “ u. im 2. Jahrgang noch bis Heft 7 “ Fips- Die heitere Post vom kleinen Coco „.
Beim Einkauf von Margarine “ Rama im Blauband “ erhielt man kostenlos abwechselnd von Woche zu Woche die Kinderzeitung “ Die Rama-Post vom kleinen Coco “ oder “ Die Rama – Post vom lustigen Fips „.
Jede 2. Seite war farbig gedruckt.

Beispiel12

Erscheinungsweise: aller 14 Tage, (26 Hefte im Jahr)
Umfang: 8 Seiten
Format : 24 x 32 cm
Hefte: etwa 208 Hefte gesamt
Jahrgänge: 1 – 8 (1925 bis 1933)
Titel: 1. Jahrgang, “ Fips -Lachzeitung für liebe kleine Kinder “
2. Jahrgang bis Heft 7, 3.Jahrgang), “ Fips die heitere Post vom kleinen Coco “
3. Jahrgang,Heft 8 bis 8.Jahrgang, “ Die Rama-Post vom lustigem Fips“
Preis: gab es kostenlos beim Kauf einer Packung Rama -Margarine (kle-blatt.de)

Hier die Weihnachtsausgabe (8 Seiten) des Jahres 1926:

Prädikat: niedlich !

Beispiel01

Beispiel02

Beispiel03

Beispiel04

Beispiel05

Beispiel06

An diesem Preisausschreiben kann sich jedes deutsche Kind beteiligen:
Beispiel07

Beispiel08

Beispiel09

Beispiel10

*
**

Beispiel11

 

United Jazz + Rock Ensemble – Live At The Musee d’Art Moderne, Paris (1985)

FrontCover1Jetzt behaupte ich ganz einfach mal, was viel besseres (mit Ausnahme von Klaus Doldinger) konnte dem deutschen Jazz-Rock nicht passieren, als dass sich genaz dieses Ensemble zusammengefunden hat:

Das United Jazz + Rock Ensemble (abgekürzt United oder UJRE) war eine Fusion-Band, die von 1977 bis 2002 bestand und Größen des Jazz und Jazzrock aus ganz Europa vereinigte.

In seiner mit fünf bis sechs Bläsern annähernden Bigband-Besetzung spielte das Ensemble überwiegend Eigenkompositionen. Die Stilistik der Stücke ist vor allem dem Jazzrock verbunden, aber auch andere Musikstilrichtungen sind vertreten. Insbesondere Charlie Mariano brachte durch seine Erfahrung mit indischer Musik gelegentlich ethnische Einflüsse in das Repertoire der Band.

Im Jahre 1975 plante der Regisseur Werner Schretzmeier, die Jugendserie Goldener Sonntag für den Süddeutschen Rundfunk zu drehen. Für diese Serie sollte eine Studiogruppe gegründet werden. Schretzmeier wandte sich an Wolfgang Dauner, für den er schon früher, als Manager der Avantgarde-Gruppe et cetera, gearbeitet hatte. Wegen der Zielgruppe sollte die Musik rockiger und kein „reiner“ Jazz sein. Dauner sprach Bekannte an, die rock-orientierter waren als er, wie zum Beispiel Schlagzeuger Jon Hiseman. So entstand die Formation, mit bereits fast allen späteren Mitgliedern von United.

United01
Die einzelnen Mitglieder der Band hatten bereits vor der Gründung und auch parallel zur Existenz des United Jazz + Rock Ensemble erfolgreich Musik in unterschiedlichen Stilrichtungen gemacht, weshalb das UJRE auch „Band der Bandleader“ genannt wurde. Die fachlich herausragende künstlerische Stellung der Musiker wird auch dadurch belegt, dass einige von ihnen an (Musik-)Hochschulen lehrten bzw. noch lehren. Diese prägende Vielfalt aus verschiedenen, gleichwertigen Musikern, von denen jeder eigene Kompositionen – oft aus der Arbeit mit eigenen Ensembles – zum Repertoire beisteuerte, sorgte für viel Abwechslung und gab der Band einen gewissen experimentellen Touch.

UJ+RE05

Im Jahre 2002 kam mit der „Farewell Tour 2002“ der Abschied der Gruppe von gemeinsamen Auftritten. Dieses war nicht zuletzt durch die Parkinson-Erkrankung von Barbara Thompson begründet. (Quelle; wikipedia)

UJ+RE08

Und hier ist ein exzellenter Live-Mitschnitt, der einmal mehr das hohe Niveau zeigt, auf dem dieses Ensemble spielte.
Jazz-Rock vom Feinsten!

Viel Spaß mit dieser Soundboard-Aufnahme!

UJ+RE04

Besetzung:
Ian Carr (trumpet)
Wolfgang Dauner (keyboards)
Jon Hiseman (drums)
Volker Kriegel (guitar)
Albert Mangelsdorff (trombone)
Charlie Mariano (saxophone)
Ack van Rooyen (trumpet)
Barbara Thompson (saxophone, flute)
Eberhard Weber (bass)
Kenny Wheeler (trumpet)

UJ+RE06

Titel:
01. Intro 1.31
02. Ausgeschlafen (Dauner) 8.03
03. Ansage 0.47
04. Die Wiederkehr (Thompson) 7.57
05. Ansage 0.22
06. Randy  (Mariano) 7.08
07. Garberville (Kriegel/Bettermann) 6.37
08. Ansage 0.31
09. Ripp Off (Mangelsdorff) 8.39
10. Lady Bountiful (Carr) 12.34
11. Sometime In Silence (Weber) 6.28
12. Ganz schön heiß, Man (Mangelsdorff/Hiseman) 9.40
13. Circus Gambet (Kriegel) 6.57
+
14. Live At The Musee d’Art Moderne, Paris (uncut edition) 1.21.24

UJ+RE07

*
**

Mehr vom United Jazz+Rock Ensemble:
FrontCover1

Die offizielle Website:
Website

Wolfgang Dauner
(30. Dezember 1935 – 10. Januar 2020)

Volker Kriegel
(24. Dezember 1943 – 15. Juni 2003)

Albert Mangelsdorff
(05. September 1928 – 25. Juli 2005)