Andreas Vollenweider – Caverna Magica (1983)

FrontCover1Der war lange Zeit so richtig angesagt:

Andreas Vollenweider (* 4. Oktober 1953 in Zürich) ist ein Schweizer Musiker, Komponist, Produzent und Arrangeur.

Seine Musik wurde mit Kategorien versehen wie World Music, Jazz, New Age oder Neoklassik; zwei seiner Alben waren gleichzeitig elf Wochen lang Nummer 1 der Billboard Charts in den Kategorien Classical, Jazz, Pop und Crossover. Seine Musik wird als sehr farbig, dynamisch und geprägt von einer Vielfalt exotischer Klangfarben beschrieben. Neben der Harfe spielt er auch Piano, Orgel, Gitarre, eine Vielzahl verschiedener Blasinstrumente sowie viele exotische Instrumente. Gelegentlich setzt er auch seine Stimme oder die von Gastsängern ein.

Einige seiner musikalischen Begegnungen waren unter anderem mit Bobby McFerrin, Carly Simon, Djivan Gasparyan, Luciano Pavarotti, Ladysmith Black Mambazo, Carlos Núñez, Ray Anderson, Zucchero, Hans Zimmer, Angelo Branduardi, Milton Nascimento, Eliza Gilkyson und Söhne Mannheims.

Vollenweider unternahm bislang zahlreiche Tourneen und gab Freiluftkonzerte in Europa, den USA, Afrika, Asien und Lateinamerika. (wikipedia)

Andreas Vollenweider01

Hier mal sein zweites Album, wurde damals wohl ein großer Erfolg.

Andreas Vollenweider schreibt über dieses Alnum:

„Nach ‚Behind the gardens’ war ‚Caverna Magica’ nun wirklich wie eine Expedition in die Tiefe des Höhlenreiches dieses Musik. Der Vergleich zum Höhlenforscher trifft unsere Erfahrung perfekt; hinter jeder Ecke, in jedem neuen Gang lag unbekannter Raum und es war für uns, wie wenn noch nie jemand seinen Fuss auf diesen vor uns liegenden Weg gesetzt hatte – ein unbeschreibliches Gefühl!”

Und für das Album hat er sich so einiges einfallen lassen:

»Caverna Magica« ist das zweite Studioalbum des World-Music-Künstlers Andreas Vollenweider, das 1983 veröffentlicht wurde. Es ist fast vollständig instrumental und war der direkte Nachfolger von Vollenweiders bahnbrechendem Album »Behind the Gardens«.

Singles

Das Album beginnt mit dem Klang der Schritte eines Mannes und einer Frau, die in einer unbekannten Sprache sprechen (einige der Wörter – vor allem im Spanischen – kann man erkennen, wenn der Titel rückwärts abgespielt wird) und dann in eine widerhallende Höhle stolpern und mit Ehrfurcht reagieren. Das Geräusch des tropfenden Wassers in der Höhle verwandelt sich in den Rhythmus der Musik, die an diesem Punkt verklingt. (jpc.de)

Andreas Vollenweider02

Das Album nahm der Sender „Deutsche Welle“ zum Anlass, Unterrichtseinheiten zu entwickeln (liegt der Präsentation bei).

DW

Da war bei der DW wohl jemand ganz besonders begeistert von diesem Album !

Und viele Andreas Vollenweider – Fans waren natürlich auch begeistert:

„Der Anfang ist perfekt, fast schon Surround-Klang.“

„Eins der besten Schweizer Alben aller Zeiten!“

„Das beste Vollenweider Album aller Zeiten!“

Nun so ganz kann ich in diese Superlativen nicht einstimmen, vermutlich weil ich mit dieser esoterisch angehauchten New Age Musik dann doch nicht anfangen kann … aber dennoch: es ist ganz sicher eines der besten Alben dieser Art. Und natürlich muss erwähnt werden, dass er auch international ein sehr erfolgreicher Musiker war !

Und als Bonus habe ich dann noch „Pace Verde (The Green Peace, Single 1983) dazugepackt.

BackCover1

Besetzung:
Corina Curschellas (voice)
Pedro Haldemann
Walter Keiser (drums)
Andreas Vollenweider (harp, zither, guitar)
+
Jon Otis (percussion bei 02.)

Andreas Vollenweider04

Titel:
01. Caverna Magica 3.56
02. Mandragora 3.12
03. Lunar Pond 2.12
04. Schajah Saretosh 3.17
05. Sena Stanjéna? 2.43
06. Belladonna 5.25
07. Angóh! 2.44
08. Huiziopochtli 5.10
09. Con Chiglia /Geastrum Coronatum / La Paix Verde 5.06
+
10. Pace Verde 4.56

Musik: Andreas Vollenweider

LabelB1

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Andreas Vollenweider03

Die Website von Andreas Vollenweider:
Website

Ein echter Hingucker ist die Hülle des Albums …

Düde Dürst2

… sie stammt von Düde Dürst (* 21.11.1946), der nicht nur Graphiker war, sondern auch Drummer der eidgenössischen Rockband „Krokodil“ war.

Düde Dürst

Underground (Zeitschrift) – August 1969

TitelGeradezu sträflich vernachlässigt habe ich die Serie „underground“, jene Schülerzeitung aus dem famos-großartigem Verlag Bärmeier & Nikel, die dem aufgeschlossenem und progressiven Schüler Ende der 50er Jahre mit den nötigen Informationen und Thesen versorgte.

Grund für die Vernchläsigung: Erst neulich habe ich wieder den Stepel von „underround“ Zeitschriften bei mir wieder entdeckt … *gggg* …

Aber nun kann´s ja weitergehn:

Mehr über die Geschichte dieses wirklich ambitionierten Projektes findet man hier.

Also: Asche auf mein Haupt und ich werde zukünftig regelmässiger diese Publikation präsentieren, da gebe ich mein Ehrenwort (hat hoffentlich ne andere Qualität als das Ehrenwort jenes Barschel, der vor vielen Jahren … ach lassen wir das mal für´s erste).

Auch bei diesem Heft fehlen leider ein paar Seiten, aber dennoch ist es natürlich von Interesse, wie man sich damals als „linke“ Schülerzeitung präsentierte.

Hier ein paar Highlights aus dem Inhalt:

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Frauenzeitschrift „Brigitte“ (die gibt´s ja heute noch)
  • Prügelnde Lehrer und Ausbilder
  • Helmut Kentler über Ehe und Familie
  • Disc-Jockeys: Das geschwätzige Dutzend (Reportage über Radio Luxemburg)
  • Interview mit der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands

sowie die üblichen Rubriken (Buch, Platten-und Filmtipps) … und dann noch die Rubrik „Klimbim“ … man lese diese Kleinanzeigen und man erfährt sehr, sehr viel auch über die damaligen Nöte junger Menschen … empfehlenswert !

Ach ja … und einen Monat später war dann dieses Festival in Woodstock …

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Mehr underground:

MehrUnderground

Gerhard Polt: Gesammelte Aphorismen (02)

Hinein ins das Schätzlein von Gerhard Polt´s Aphorismen … Sie sind an skurrilem Humor kaum zu überbieten:#

Polt

Ein Aphorismus ist ein selbstständiger einzelner Gedanke, ein Urteil oder eine Lebensweisheit. Er kann aus nur einem Satz oder wenigen Sätzen bestehen. Oft formuliert er eine besondere Einsicht rhetorisch als allgemeinen Sinnspruch (Sentenz, Maxime, Aperçu, Bonmot). (wikipedia)

Oskar Gottlieb Blarr & Peter Rübsam – Orgel & Dudelsack (1976)

FrontCover1Da haben sich wohl die richtigen getroffen, 2 musikalische Individualisten:

Oskar Gottlieb Blarr (* 6. Mai 1934 in Sandlack bei Bartenstein, Ostpreußen) ist ein deutscher Komponist, Organist und Kirchenmusiker.

Blarr floh 1945 nach Westdeutschland. 1947 begann er mit dem Musikunterricht in Klavier, Orgel, Violine und Tonsatz. 1952 begann er sein Studium der Kirchenmusik und des Schlagzeugs in Hannover. Er schloss sein Studium der Kirchenmusik zunächst mit dem C- und dann mit dem B-Examen ab. 1958 absolvierte er das Abitur am Abendgymnasium in Hannover. 1960 legte er das kirchenmusikalische A-Examen ab, 1961 das Staatsexamen für Schlagzeug. Er studierte 1964 weiter Komposition bei Bernd Alois Zimmermann, Milko Kelemen und anderen. Von 1961 bis 1999 war er Kirchenmusiker der Neanderkirche in Düsseldorf. Er wirkte ferner als Musikdozent am katechetischen Seminar in Düsseldorf und als Honorarprofessor für Instrumentation an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf.

Oskar Gottlieb Blarr01

Als Komponist schuf Oskar Gottlieb Blarr Oratorien, Orchesterwerke, Kammer- und Orgelmusik. Er komponierte auch zahlreiche Neue Geistliche Lieder und schuf eine Beatmesse. Viele seiner Lieder veröffentlichte er unter dem Pseudonym Choral Brother Ogo. CD-Einspielungen seiner Orgelwerke entstanden mit Wolfgang Abendroth und Martin Schmeding. Er war Mitglied der Oekumenischen Textautoren- und Komponistengruppe der Werkgemeinschaft Musik e.V. und der AG Musik in der Ev. Jugend e.V., heute Textautoren- und Komponistengruppe TAKT.

1983 widmete der israelische Komponist Josef Tal sein Orgelwerk Salva Venia Blarr, der es im darauffolgenden Jahr in Düsseldorf uraufführte. (wikipedia)

Oskar Gottlieb Blarr02

Peter Rübsam (* 1941 in Nümbrecht) ist ein deutscher Bildhauer und Musiker. Rübsam lebt und arbeitet in Düsseldorf in der Künstlersiedlung Golzheim.

Rübsam, Sohn des Bildhauers Jupp Rübsam, lernte bereits als Siebzehnjähriger das Steinmetzhandwerk und arbeitete als Bildhauer dann sowohl mit Stein als auch mit Holz, Bronze oder Beton. Seine Arbeit mit diesen unterschiedlichen Arbeiten verbindet aber ein grundlegendes Interesse an der Form, zu der alle inhaltlichen Bezüge nur das Beiwerk, den Vorwand abgeben. Dabei spielt auch die besondere Wirkung des Lichteinfalls eine wichtige Rolle.

Peter Rübsam, der Musiker:
Peter Rübsam01

Rübsam ist auch Jazzmusiker und tritt mit Dat Kaiser Trio + One in Düsseldorf auf. Bevor Peter Rübsam zum Dudelsack kam spielte er Blockflöte in einer Jazz-Band zusammen mit Horst Geldmacher, der bereits schottische Pipes spielte. Geldmacher berichtete von einer Pipe Band in Laarbruch bei der britischen Royal Air Force. Rübsam begab sich im Jahr 1969 dorthin, fand den Pipe Major und ging von da an für eineinhalb Jahre zweimal wöchentlich zu ihm zum Unterricht. (wikipeida)

Peter Rübsam, der Bildhauer:
Peter Rübsam02

Um es gleich mal vorweg zunehmen. Dieses Album ist genau nach meinem Gusto (1)

Da haben die zwei ganz tief gegraben und allerlei seltene Melodien aus längst vergangenen Jahrhunderten gefunden und dann in einen bezaubernde Weise aufgenommen und zwar in der Neanderkirche, Düsseldorf. Oskar Gottlieb Blarr spielte auf der dortigen Rieger Orgel.

Und das „Seikiloslied“ stammt ursprünglich um 150 v. Chr. … das muss man sich mal auf der Zunge vergehen lassen … und es ist eine betörende Musik …

… wie eigentlich das gesamte Album.

Da haben sich wohl die richtigen getroffen, 2 musikalische Individualisten und wohl auch kauzige Sonderlinge (und das ist jetzt ein Qualitätsmerkmal der besonderen Art !)

BackCover1

Besetzung:
Oskar Gottlieb Blarr (organ)
Peter Rübsam (bagpipes)

Hüllentext01

Titel:
01. Gelobt seist du, Jesu Christ (Traditional) 7.20
02. Benedicto Domino (Traditional) 3.25
03. Slow March „Longueval“ (Traditional) 2.07
04. Pastorale F-dur, 1. Satz BWV 590 (Bach) 3.36
05. Air „Dark Island“ (Traditional) 2.45
06. Musette Et Tambourin (Rameau) 4.02
07. Tanzsuite aus „Terpsichore“ (Praetorius) 2.29
08. Jigs „Seagull“ und „Banjo Breakdown“ (Traditional) 4.34
09. Das alte Schloß (Mussorgski) 2.13
10. Tale „Foxhunting“ (Traditional) 4.14
11. Seikiloslied (Traditional) 11.50

LabelB1

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Hüllentext02

(1) In Deutschland wird Gusto heute nur noch im übertragenen Sinne mit der Bedeutung ‚Vorliebe‘, ‚Geschmack‘ oder ‚Neigung‘ verwendet

Mireille Mathieu – Und der Wind wird ewig singen (1974)

FrontCover1Ich glaube ich muss irgendwie so ne Art Abbitte leisten denn …

… früher konnte ich sie ja gar nicht ausstehen ….

Mireille Mathieu (* 22. Juli 1946 in Avignon) ist eine französische Sängerin. In Frankreich wird sie auch La Demoiselle d’Avignon genannt, in Deutschland ist sie als „Spatz von Avignon“ bekannt. Mathieu hat rund 190 Millionen Platten verkauft.

Mireille Mathieu wuchs als erstes von vierzehn Kindern mit den Eltern Roger, einem Friedhofs-Steinmetz, und Marcelle in ärmlichen Verhältnissen in Avignon auf. Frankreichs ehemaliger Staatspräsident Charles de Gaulle hat im Mai 1967 die Patenschaft des jüngsten Kindes übernommen. Ihren ersten Gesangsauftritt hatte sie im Alter von vier Jahren in einer Mitternachtsmesse. Die Schule verließ sie ohne Abschluss, da sie 1960 als Hilfsarbeiterin in einer Konservenfabrik früh für das Auskommen der Familie mitarbeiten musste. (wikipedia) …

… mehr könnten man z.B. hier lesen.

Hier ein weiteres Album von ihr, speziell für den deutschen Schallplattenmarkt aufgenommen und produziert.

Die Regie bei diesem Album übernahmen das Schlager Komponisten/Texter Duo Georg Buschor und Christian Bruhn.

Und die musikalische Reise geht von Paris (natürlich !) über Andalusien, Hongkong nach Kanada … beliebte Strategie bei deutschen Schlagerkomponisten … frei nach dem Motto: je exotischer desto besser.

Konzertplakat 1974:
Konzertplakat1974

Auf die Texte einzugehen lohnt nicht wirklich; aber „Männer ohne Namen“ soll wohl als kritische Auseinandersetzung mit der Goldgier der Menschen sein (Prädikat: auch verkorkst)

Und bei „Hongkong“ spielte Christian Bruhn genüsslich mit all den Klischees, die man so im Kopf hat, man man an „fernöstliche“ Musik denkt.

Und ähnlich wie bei Adamo beschleicht mich das Gefühl, dass die Mireille Mathieu hier bei uns weit unter Wert verkauft wurde.

Deshalb will ich mich mal mit ihren französischen Originalaufnahmen beschäftigen … denn gute Chansons sind bei immer willkommen.

BackCover1

Besetzung:
Mireille Mathieu (vocals)
+
unbekanntes Studio-Orchester unter der Leitung von Christian Bruhn

Single1

Titel:
01. Und der Wind wird ewig singen (Buschor/Bruhn) 4.16
02. Merci, Antonio (Buschor/Bruhn) 3.13
03. Das Riesenrad (Kunze/Bruhn) 3.52
04. Winter in Canada (Buschor/Bruhn) 3.56
05. Männer ohne Namen (Buschor/Bruhn) 3.26
06. Der traurige Tango (Buschor/Bruhn) 3.03
07. Wenn es die Liebe will (Buschor/Bruhn) 3.09
08. Hongkong (Buschor/Bruhn) 3.33
09. Fragen, Fragen (Buschor/Bruhn) 2.56
10. Andalucia (Er geht zu dir) (Buschor/Bruhn) 3.53
11. Auf Wiedersehen heißt nie ade (Buschor/Bruhn) 3.00

LabelB1

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Mehr von Mireille Mathieu:
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Milva – The Original (1976)

FrontCover1Milva (* 17. Juli 1939 als Maria Ilva Biolcati in Goro; † 23. April 2021 in Mailand) war eine italienische Sängerin und Schauspielerin. Sie sang in mehreren Sprachen – darunter Deutsch – und war auch international erfolgreich. Sie trug die Beinamen La Rossa („die Rote“) und La Pantera di Goro („der Panther von Goro“).

Milva wurde 1961 Siegerin eines Wettbewerbs bei der italienischen Fernsehgesellschaft Rai und erreichte Platz 3 beim Sanremo-Festival. Danach wurde sie in Italien ein Star. Aus ihrer von 1961 bis 1969 dauernden Ehe mit ihrem damaligen Manager und Förderer Maurizio Corgnati stammt eine 1963 geborene Tochter, die Kunstkritikerin Martina Corgnati.

1965 wurde sie von Giorgio Strehler an das Piccolo Teatro in Mailand verpflichtet. Milva sagte darüber später: „Das Theater wurde zu meiner großen Leidenschaft, und ich habe sehr viel und sehr eng mit Giorgio Strehler zusammengearbeitet.“ 1978 nahm sie die Single Zusammenleben mit der Musik von Mikis Theodorakis auf (Text: Thomas Woitkewitsch) und wurde dadurch auch im deutschen Sprachraum bekannt. Es folgten zahlreiche Konzerte, Tourneen und weitere deutschsprachige Aufnahmen, von denen Freiheit in meiner Sprache (Ennio Morricone, Thomas Woitkewitsch) und Hurra, wir leben noch (Klaus Doldinger, Thomas Woitkewitsch) die erfolgreichsten waren.

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Milva nahm zwischen 1961 und 2007 insgesamt fünfzehnmal am Sanremo-Festival teil. Dort war Tango italiano im Jahre 1962 auf dem zweiten Platz ihr größter Erfolg. Sie hält damit den Rekord mit den meisten Teilnahmen ohne Sieg.[4] In den 1980er Jahren wirkte sie in mehreren Spielfilmen mit. Auch mit Songs von Bertolt Brecht machte sich die überzeugte Sozialistin einen Namen. Milva war bei zahlreichen Musiksendungen in den Fernsehprogrammen Mittel-, West- und Südeuropas zu Gast. Sie sang ihre Lieder nicht nur auf Italienisch, sondern auch auf Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Griechisch, Portugiesisch und Japanisch.

Neben dem Chanson war Milva Interpretin von Astor Piazzolla und arbeitete für vielfältige Tango-Aufnahmen mit ihm selbst und Gruppen in seiner Tradition zusammen. Ihr in Deutschland erfolgreichstes Album (in den Charts bis auf Platz 7) war Von Tag zu Tag mit Liedern des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, das auch in einer italienischen (La mia età) und in einer französischen (Attends, la vie) Version produziert wurde. Im August 2008 trat Milva zusammen mit Montserrat Caballé und Angelika Milster auf dem Theaterplatz in Dresden bei Diva Maxima auf.

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2010 teilte Milva mit, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auftreten werde. Sie litt unter Gedächtnisproblemen. Ihr letztes Album, 2010 erschienen, enthält Songs von Franco Battiato. 2011 nahm sie zusammen mit Stephan Sulke das 1984 von Sulke geschriebene Lied Das muss doch gehn im Duett auf. Diese neue Version erschien 2011 auf Sulkes Album Enten hätt’ ich züchten sollen …. Beide trugen das Lied im April 2011 in Klagenfurt in der ZDF-Samstagabend-Sendung von Carmen Nebel vor. Im März 2012 trat sie im Musikantenstadl auf.

Milva trug den Beinamen La Rossa („die Rote“), nicht nur wegen ihrer Haarfarbe, sondern auch wegen ihrer politischen Gesinnung. Sie lebte in Mailand und starb dort im April 2021 nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren. Im Monat zuvor hatte sie sich noch gegen Corona impfen lassen. Nach einer Trauerfeier im Mailänder Piccolo Teatro Strehler wurde sie auf dem Friedhof von Blevio am Comer See beigesetzt, (wikipedia)

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Hier ein früher Sampler mit einem etwas dümmlichen Titel … und man wollte damit natürlich die beginnende Milva Begeisterung in Deutschland befeuern. Das Album erschien ursprünglich in Italien unter dem Titel „I Successi Di Milva“.

Wir hören frühe Stücke von ihr und auch wenn ich kein Worte verstehe und wenn ich auch ihre späteren deutschsprachigen Alben intensiver finde … wenn einer wie ich in diese Sängerin vernarrt ist … dann freut er sich über diese Ergänzung in der eigenen Milva-Sammlung.

Interessant fand ich, dass sie mir ihren Brecht/Weill Interpretationen bereits 1971 begonnen hat. Und im Hüllentext thematisiert man Milva´s Spannungsverhältnis zwischen Schlager, Chansons und Bert Brecht.

BackCover1

Besetzung:
Milva (vocals)
+
diverse Begleitmusiker

Die italienische Originalausgabe:
OriginalFC+BC

Titel:
01. La Filanda [E‘ Ou Nao É] (1971) (Janes/Pallavicini) 2.37
02. Love Story (1973) (Sigman/Lai/Bardotti) 3.57
03. Alberge A Ore [Les Amants D’un Jour] (1970) (Delacluse/Pagani/Monnot/Senlis) 3.30
04. Milord (1970) (Moustaki/Testoni/Monnont) 4.14
05. Quando Sali Di Cuba (1968) (Pieretti/Sanjust/Aguilè) 2.52
06. Little Man (1976) (Mogol/Bono) 3.12
07. Ho Capito Che Ti Amo (1967) (Tenco) 2.32
08. Surabaya Johnny (1971) (Brecht/Weill) 4.22
09. Canzone (1968) (Detto/Bachy) 3.17
10. Un Uomo Una Donna [Un Homme Une Femme] (1973) (Lai/Barouh) 4.20
11. Bella Ciao [La Canzone Delle Mondine] (1972) (Camacino/Omicron) 2.43
12. L’Immensita (1969) (Detto/Backy/Mogol) 3.15

LabelB1

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Hüllentext1Hüllentext2

Mehr von Milva:

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Ärzte ohne Grenzen e.V. – Akut Nr. 2 (2021)

TitelZuweilen kann man hier ja den Eindruck gewinnen, ich bin ein verschrobener Nostalgiker … der mit der Gegenwart so gar nichts zu tun hat … Welch Irrtum !

Auch wenn für ich Tondokumente und Druckerzeugnisse vergangener Jahrzehnte durchaus seinen Reiz für mich haben, so bin ich nicht minder an dem interessiert, was sich gegenwärtig, tagtäglich usw. ereignet und uns und mich beschäftigt.

Und da gibt es zum Beispiel ne Organisation, die sich „Ärzte ohne Grenzen“ nennt:

Und diese Organisation kennen wohl viele … Hier ihre Grundprinzipien:

Charta
Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen ist eine private internationale Organisation. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Ärzte und Pflegekräfte, in unseren Projekten sind aber auch Vertreter zahlreicher anderer Berufe tätig. Sie verpflichten sich auf folgende Grundsätze:

Ärzte ohne Grenzen hilft Menschen in Not, Opfern von natürlich verursachten oder von Menschen geschaffenen Katastrophen sowie von bewaffneten Konflikten, ohne Diskriminierung und ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiösen oder politischen Überzeugung.
Im Namen der universellen medizinischen Ethik und des Rechts auf humanitäre Hilfe arbeitet Ärzte ohne Grenzen neutral und unparteiisch und fordert völlige und ungehinderte Freiheit bei der Ausübung seiner Tätigkeit.

Beispiel12Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verpflichten sich, die ethischen Grundsätze ihres Berufsstandes zu respektieren und völlige Unabhängigkeit von jeglicher politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Macht zu bewahren.
Als Freiwillige sind sich die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen der Risiken und Gefahren ihrer Einsätze bewusst und haben nicht das Recht, für sich und ihre Angehörigen Entschädigungen zu verlangen, außer denjenigen, die Ärzte ohne Grenzen zu leisten imstande ist.

Leitbild
Der Arbeit der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen liegen zudem folgende Leitsätze zugrunde:

Ärzte ohne Grenzen Deutschland trägt dazu bei, medizinische Hilfe für Menschen in Not zu leisten und ihr Leid zu lindern – ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, politischen und religiösen Überzeugungen sowie ihres Geschlechts. Die Hilfe orientiert sich allein an den Bedürfnissen der Notleidenden.
Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass die Zukunft der humanitären Hilfe vor allem durch die Folgen Naturkatastrophen, durch von Menschen verursachte Krisen, immer komplexer werdende Konflikte, knapper werdende Ressourcen und die fortwährende Vernachlässigung bedürftiger Menschen geprägt sein wird.

Beispiel13
Ärzte ohne Grenzen Deutschland verpflichtet sich, einen substanziellen Beitrag zu einem wachsenden internationalen Netzwerk von Ärzte ohne Grenzen zu leisten. Jenseits von nationalen Interessen wollen wir durch eine effiziente Koordination der Aktivitäten sowie durch die Nutzung von Synergien und medizinischen Innovationen auf die Bedürfnisse der Menschen in Not optimal reagieren können.
Ärzte ohne Grenzen Deutschland leistet einen wachsenden finanziellen und personellen Beitrag für die Hilfe für Menschen in Not. Gleichzeitig stellt das Berichten über die Situation in unseren Projekten einen zentralen Bestandteil unserer Arbeit dar. Wir machen es uns zur Aufgabe, die humanitäre Debatte in Deutschland sowie das Verständnis für die humanitären Prinzipien zu stärken.

Humanitäre Prinzipien
Die Idee der humanitären Hilfe klingt einfach, und sie ist es auch: Nothilfe rettet Leben und lindert Leid inmitten von Krieg und Gewalt. Auf dieses Minimum an Menschlichkeit haben sich fast alle Staaten weltweit in den Genfer Konventionen geeinigt. Damit dies gelingt, müssen humanitäre Organisationen unparteilich, unabhängig und neutral sein, da sie nur dann von allen Konfliktparteien akzeptiert werden und den Betroffenen aller Seiten beistehen können. Die Wirklichkeit aber bleibt oft beträchtlich hinter diesem Ideal zurück.

Insbesondere seit dem „Krieg gegen den Terror“ (2001) instrumentalisiert die Politik die humanitäre Hilfe immer stärker, um politische oder militärische Ziele zu erreichen. So forderte Nato-Generalsekretär Rasmussen im Frühjahr 2010 eine engere Zusammenarbeit der Nichtregierungsorganisationen (NGO) mit dem Militär in Afghanistan. Er beschrieb die NGO sogar als „soft power“ der Nato. Ärzte ohne Grenzen hat diese Haltung öffentlich kritisiert und wiederholt alle Konfliktparteien aufgefordert, zwischen politischen und militärischen Zielsetzungen einerseits und medizinischer humanitärer Hilfe andererseits zu unterscheiden. Denn durch die Vermischung laufen die NGO Gefahr, mit westlichen Streitkräften verwechselt und damit selbst zum Ziel von Angriffen der gegnerischen Parteien zu werden.

Im Oktober 1999 erhält die Organisation den Friedensnobelpreis:
Beispiel14

Das bedeutet: Wenn humanitäre Hilfe Menschen in akuten und chronischen Krisen beistehen soll, müssen die in den Genfer Konventionen festgelegten Prinzipien der Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Neutralität befolgt werden.

Unparteilichkeit: Die Hilfe muss nach Maßgabe der Bedürftigkeit geleistet werden, ohne Diskriminierung. Ethnische, politische, ökonomische oder andere Bevorzugungen sind nicht zulässig. Hilfe, die nicht unparteilich ist, die also bestimmte Gruppen anderen vorzieht, ist immer noch Hilfe, aber sie ist nicht humanitär. Sie wird eher als Teil einer politischen Agenda geleistet und deshalb von denen, die im Konfliktgebiet die Macht haben, abgelehnt. Strikt unparteiliche Organisationen haben eher die Chance, sowohl von der betroffenen Bevölkerung als auch von den jeweiligen Machthabern als glaubwürdig sowie auf das Wohl der Patienten fokussiert angesehen und deshalb akzeptiert zu werden.
Unabhängigkeit: ob von politischen Vorgaben, militärischen Verbänden oder staatlichen Geldern. Denn die Konfliktparteien könnten dies als Parteinahme verstehen.
Neutralität: Die Akzeptanz aller Konfliktparteien setzt auch voraus, dass humanitäre Organisationen nicht selbst als Teil eines politischen Lagers angesehen werden und nicht öffentlich Partei ergreifen.

Beispiel15

Und wer denn will, kann natürlich (so wie ich) zahlendes Mitglied werden … und dann kriegt man immer wieder mal die Mitglieder-Zeitschrift „Akut“ zugesandt.

Und nachdem die Organisation seit geraumer Zeit mehr als zu tun hat, hier mal die aktuelle Ausgabe von „Akut“ … gekoppelt einem werbenden Hinweis, mal den Geldbeutel umzudrehen, um zu schauen, ob man nicht den einen oder anderen Taler für diese bemerkenswerte Organisation locker machen könnte.

Und ein Blick in diese Mitglieder-Zeitschrift hilft auch enorm, über den eigenen Tellerrand zu schauen … und dann werden wir feststellen, dass so manche Befindlichkeiten unsererseits … nun ja, in die Kategorie „jammern auf hohem Niveau“ einsortiert werden müssen und dies gilt erst recht in den Zeiten von Corona !

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Die Rückseite des Heftes:
Beispiel13

Beispiel14

Beispiel15

Kleine Wink mit dem Zaunpfahl:
Beispiel16

Kleine persönliche Anmerkung: Vor nicht allzu langer Zeit musste ih hier ja auch kundtun, dass wir unsere geliebte Wohnung verlassen müssen, aus einer – wie ich weiterhin meine – lausigen Eigenbedarfskündigung. Aber wenn man dann durch so ein Heft blättert, relativiert sich doch so mancher privater Verdruss.

Ach ja … wir sind übrigens hinsichtlich eines neuen Wohnraums fündig geworden. Im September wird in die Hände gespuckt … um umzuziehen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Mehr Ausgaben der Mitglieder-Zeitschrift „Akut“:
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Kraan – Andy Nogger (1974)

LPFrontCover1Kraan ist eine deutsche Jazzrock-Band, die in den 1970er und 1980er Jahren zu den bekanntesten Vertretern des Genres in Deutschland gehörte. Ihr musikalisches Verdienst ist die Mischung von Jazz und Rock mit orientalischen und asiatischen Klängen.

Ihre Verdienste für dies Musikrichtung in Deutchland kann man gar nicht genug wertschätzen.

Hier ihr drittes Album:

Andy Nogger war das dritte Studioalbum der Band Kraan. Das Album erschien im Jahr 1974. Für Kraan bedeutete das Album so etwas wie den Durchbruch in Deutschland. Das Album wurde im klassischen Line-Up mit Peter Wolbrandt, Jan Fride, Helmut Hattler und Johannes Pappert eingespielt. Kraan war eine der besten und kreativsten Musikkommunen Deutschlands. Die Band entstammt dem Krautrock, zumindest wird sie sehr oft diesem Genre zugeordnet. Dabei konnten sich Kraan immer etwas aus der Masse dieser Bands herausheben. Ihr Stil war sehr experimentell gehalten. Die Basis lag im Bereich Jazzrock mit Elementen aus Funk und teilweise orientalisch anmutenden Klängen. Heute würde man so etwas vielleicht in das Genre Jazz-Fusion packen.

Die Besetzung war richtig gut. Hellmut Hattler wird zu den besten Bassisten in Deutschland gezählt und genießt in der Bassszene einen vorzüglichen Ruf. Hattler erhob den Bass fast in den Rang eines Melodieinstrumentes. Peter Wolbrandt ist ein unterbewerteter Spitzengitarrist. Technisch spielte Wolbrandt immer auf einem hohen Niveau, auch wenn ihm deshalb manchmal unnötige Frickelei vorgeworfen wurde. Jan Fride trommelte gut und sehr songdienlich. Sein Drumsound auf Andy Nogger ist extrem trocken, passt aber ganz gut. Johannes Pappert zeigte am Alt-Saxofon sein Können. Wenn man das Album hört, würde man schwören wollen, dass ein Keyboarder mitspielt. Aber es sind Sounds vom Altos Sax.

Booklet04+05

Musikalisch lässt die Band auf Andy Nogger nichts anbrennen und zeigt einen guten Querschnitt ihres Könnens. Der Opener „Stars“ geht gut ab, die funky jazzrockige Nummer kommt gut auf den Punkt. Auch der Titelsong „Andy Nogger“ kommt jazzrockig daher. Alto breitet immer wieder schöne Klangstrukturen aus, über die Wolbrandt angenehme Gitarrenmotive legt. „Nam Nam“ beginnt dezent, wird aber im weiteren Verlauf permanent gesteigert. Die Band zeigt sich von der rockigen Seiten, Wolbrandt haut ein bemerkenswertes Gitarrensolo raus. „Son Of The Sun“ ist eine schrille und rhythmisch vertrackte Nummer. „Holiday am Matterhorn“ ist ein Bandklassiker, der vor allem Live zum festen Set der Band gehörte. Hier packt vor allem Hattler seine typischen fetten Delay-Basslinien aus. „Home“ ist ein ruhiger Song mit Anspielungen an Funk und Rock. Abschließend zeigt die Band mit „Yellow Bamboo“, was sie unter Boogie-Rock versteht. Das klingt, in Verbindung mit diesen orientalisch klingenden Sounds, sehr interessant.

Fazit Kraan spielt auf Andy Nogger in Hochform. Die Band geht ohne Kinkerlitzchen zur Sache, es gibt groovige und einfallsreiche Musik zwischen Rock und Jazz-Fusion. Auch wenn die Stärken der Band bekanntlich im Live-Bereich lagen, so bringen Kraan gerade auf Studioalben wie diesen viel ihrer Spielfreude rüber. Gute Songs + gute Band + gute Produktion von Conny Planck = gutes Album. (MP)

Andy Nogger war Kraans drittes Album. Es erschien noch vor „Live“, weshalb viele der hier veröffentlichten Stücke auch auf dem Live-Album enthalten sind. Und es scheint so zu sein, dass die Konzert-Versionen die bekannteren sind. Nicht zu Unrecht vielleicht, denn die ungeheure Spielfreude der Band kommt auf der Bühne nun mal besonders wirksam zum Tragen.

Booklet06+07

Man verachte deshalb das Studio-Album nicht. Es war das erste vom einflussreichen Produzenten Conny Plank betreute Kraan-Album und brachte der Gruppe (unter Erfolgsgesichtspunkten) einen Durchbruch. Presse und Hörer nahmen es äußerst positiv auf. Einige Beispiele dafür kann man im sehr schön gestalteten Booklet der CD-Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2001 lesen. Denn dort finden sich außer erläuternden Liner Notes von Matthias Mineur auch zeitgenössische Fotos und Zeitungsausrisse. Über den da zitierten Satz des (1994 verstorbenen) Mit-Herausgebers des rororo-Rock-Lexikons Barry Graves „Kraan ist heute so gut wie YES!“ musste ich heftig grinsen. Denn auch wenn sich das nicht auf den Stil, sondern die Präzision des Zusammenspiels bezieht, klingt es so wunderbar nach den Kategorien der 70er. Graves schrieb sein Urteil im Jahr der Veröffentlichung von „Andy Nogger“, also 1974, und es ist um so unverständlicher, dass Kraan im Rocklexikon bis heute nicht einmal einen eigenen Artikel haben.

Kraan01

Die Besetzung, die auf „Andy Nogger“ agiert, ist die keyboardfreie mit Saxophonist Johannes Pappert, dessen Instrument aber manchmal so sehr nach einem Keyboard klingt, dass man sich verblüfft die Ohrwaschl reibt. Die kraantypische Kombination aus bassbefeuerter, schlagzeuggetriebener Rhythmik und eleganter Melodiebildung funktioniert auf dieser Platte ausgezeichnet. Wobei sich die Eleganz auf Gitarre und Saxophon bezieht. Der Gesang war bei Kraan stets ein wenig zu kurios, um elegant genannt werden zu können. Ich habe Schwierigkeiten damit, den Begriff „Kraut“, der doch eher für versponnene Schwerfälligkeit steht, mit der (meist) leichfüßigen Kraanmusik zu assoziieren, auch wenn man die Band zum Krautrock zählt. Jedenfalls ist auch viel ausgezeichneter Jazzrock drin.

Hellmut Hattler sagte vor ein paar Jahren, anlässlich des Kraanjubiläums, es sei ein gutes Gefühl, vor dreißig Jahren Material gespielt zu haben, dessen man sich heute nicht zu schämen brauche, weil es immer noch modern klinge. Da ist was dran. (Ralf J. Günther)

Mir gefallen sie freilich immer dann am besten, wenn sie den Mund zu machen … denn der Gesang bei Kraan war auch bei diesem Album alles andere als meisterlich … im Gegensatz zur Musik.

LPBackCover1

Besetzung:
Jan Fride (drums, percussion)
Hellmut Hattler (bass, vocals)
Johannes Pappert (saxophone)
Peter Wolbrandt (guitar, vocals)

Die Labels der US-Edition:
USLabels

Titel: 
01. Stars 5.26
02. Andy Nogger 3.49
03. Nam Nam 5.50
04. Son Of The Sun 5.04
05. Holiday am Marterhorn 7.42
06. Home 5.44
07. Yellow Bamboo 4.25

Musik + Texte:
Jan Fride – Hellmut Hattler – Johannes Pappert – Peter Wolbrandt

LabelB1

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Mehr von Kraan:
Mehr

Air – Teilweise Kacke … aber Stereo (1973)

FrontCover1Ja was haben wir denn da ?

Vermutlich einer der rarsten und obskursten LP aus jener Ära, die als „Krautrock“ nicht nur in die Geschichte der deutschen Rockmusik eingegangen ist. Sammler und Freaks aus aller Welt lieben diese Phase und so wundert es auch, wenn in vielen englischsprachigen blogs über dieses Album berichtet wird. Wobei man noch anmerken kann, dass der geschmackvolle Titel des Albums eigentlich eher in die Punk-Ära passen würde.

Viel weiß man nicht über dieses Quartett …

Ich vermute, dass sie aus der Gegend von Frankfurt kamen, denn aufgenommen wurde das Album am 29. Mai und 7. Juni 1973 im Tonstudio Ravenstein, Frankfurt am Main.

Dieses rein instrumentale Album weißt auf einen guten bildungsbürgerlichen Hintergrund, denn mit viel Freude zitieren die Burschen Kompositionen aus der Klassik (vorrangig aus dem Barock) und schon sind wir bei großen Vorbilden wie „The Nice“ oder „Jethro Tull“.

Somit ist die stilistische Richtung vorgegeben … tonangebend sind vorrangig die Orgel, aber auch der Bassist kann sich ziemlich beeindruckend in Szene setzen.

Was aus den Burschen wurde … Fehlanzeige und auch das Tonstudio Ravenstein hat längst das Zeitliche gesegnet …

Was bleibt ist eine kleine, aber feine Rarität (musikalisch nun wirklich überzeugend !) … aus deutschen Landen.

Auktion

Besetzung:
Michael Brod (organ, flute)
Peter Dettlaff (guitar)
Gerhard Fünfsinn (bass)
Georg Weber (drums)

BackCover

Titel:
01. D-Zug (Brod/Fünfsinn) 3.28
02. Kantate 140,4 (Bach) 3.06
03. Herzinfarkt (Brod) 3.17
04. Blues 2 (Fünfsinn) 13.46
05. Alright, Ernie (Brod) 8.43
06. a-g-E (Brod) 2.42
07. Zopf  (Brod/Fünfsinn/Dettlaff) 11.49

LabelB1

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Review

gnosis2000.net

Gerade noch gefunden. Gitarrist Peter Dettlaff  spielte dann später (1977) in der Gruppe „AG A.M.“ (Arbeitsgemeinschaft Ante Meridiem, Agam) und veröffentlichte das Album „Erinnerungen an eine positive Phase“ (demnächst in diesem Theater)

Wilhelm Furtwängler – IX. Sinfonie (Beethoven) (1955)

BoxFrontCover1Jetzt wird es aber sowas von klassisch:

Der Dirigent und Komponist absolvierte seit den 1920er Jahren bis in das erste Nachkriegsjahrzehnt eine glänzende Karriere als Leiter der Philharmonischen Orchester vor allem in Berlin, aber auch in Wien und London. Unter den Bedingungen der Hitler-Diktatur sah sich Wilhelm Furtwängler trotz seiner kritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus vom Regime vereinnahmt. Dies schmälerte jedoch nicht seine künstlerischen Leistungen, die ihn zum bedeutendsten Dirigenten in der internationalen Musikkultur seiner Zeit erhoben … 

Gustav Ernst Heinrich Wilhelm Furtwängler wurde am 25. Januar 1886 in Berlin geboren.

Er wuchs in bildungsbürgerlichen Verhältnissen in München auf, wo der Vater Archäologie lehrte. Die musikalische Begabung des Kindes trat früh hervor. Neben der Schule erhielt Wilhelm daher Privatunterricht in Musik. Nach dem Studium der Musik, das auch die Kompositionslehre mit einschloss, war Furtwängler 1906/07 als Korrepetitor in Breslau tätig, wo er seine erste Symphonie herausbrachte. 1908 wurde er zum Korrepetitor nach München berufen, danach arbeitete er als Kapellmeister in Straßburg. In derselben Funktion sah man Furtwängler von 1911 bis 1915 in Lübeck und von 1915 bis 1920 in Mannheim.

Im Jahr 1922 ernannte man Furtwängler in der Nachfolge von Arthur Nikisch zum Chef der Berliner Philharmoniker. Dem Traditionsorchester an der Spree stand er mit einer Unterbrechung zunächst bis 1945 vor. Ebenfalls 1922 wurde Furtwängler auch die Leitung des Leipziger Gewandhausorchesters übertragen, die er bis 1928 wahrnahm. Der Ruhm des Dirigenten und Komponisten hatte inzwischen internationale Ausstrahlung erreicht. Von 1925 bis 1927 feierte Furtwängler Erfolge bei mehreren Gastauftritten in den USA. In den Jahren 1928 bis 1930 und 1939/40 leitete Furtwängler außerdem die Wiener Philharmoniker.

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Im Jahr 1931 wurde ihm die musikalische Leitung der Bayreuther Festspiele anvertraut. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme durch Adolf Hitler im Januar 1933 übertrug man Furtwängler die Direktion der Berliner Staatsoper. Außerdem wurde er zum Vizepräsidenten der Reichsmusikkammer erhoben. Doch bereits im April 1933 ging der Musiker auf kritische Distanz zum nationalsozialistischen Regime, indem er sich in einem offenen Brief an den Reichspropagandaminister und Leiter der Reichskulturkammer, Josef Goebbels, für jüdische Kollegen einsetzte. Aus Protest gegen die Kulturpolitik des Regimes, die zu Verboten von Musikaufführungen geführt hatte, trat Furtwängler im Dezember 1934 von allen Funktionen vorübergehend zurück.

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Da er jedoch nicht in die Emigration wollte, ließ er sich nach einer entsprechenden Aussprache mit Goebbels auf eine Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Regime ein. 1935 nahm der Musiker seine öffentliche Tätigkeit wieder auf. Bei offiziellen Anlässen trat Furtwängler nun ab 1937 als musikalischer Repräsentant des Hitler-Deutschland im europäischen Ausland auf. In monumentalen Aufführungen bot er das klassische und romantische Repertoire entsprechend der Ästhetik des Zeitgeistes dar. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft geriet Furtwängler zeitweilig wegen seiner Kooperation mit dem Regime ins Zentrum internationaler Kritik.

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Im Anschluss an die Entnazifizierung konnte er ab 1947 zu den Berliner Philharmonikern zurückkehren. 1952 wurde er zu deren Dirigent auf Lebenszeit ernannt. Bis zu seinem Tod genoss der Dirigent mit dem Berliner Orchester weltweite Erfolge. Daneben dirigierte er in den Nachkriegsjahren außerdem das London Philharmonic Orchestra. Über seine Dirigententätigkeit hinaus schuf der Komponist Furtwängler 1903, 1947 und 1954 drei Sinfonien. Unter seinen Kompositionen finden sich weiterhin ein Te Deum (1910), ein Klavierkonzert und zwei Violinsonaten.

Wilhelm Furtwängler starb am 30. November 1954 in Ebersteinburg bei Baden-Baden. (whoswho.de)

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Seine Verbundenheit mit den Bayreuther Festspielen hat den II. Weltkrieg und seinen Umzug in die Schweiz überdauert und so verwundert es nicht, dass er die Neueröffnung des Festspielhauses Bayreuth musikalisch leitete und zwar mit der Darbietung von „Beethovens Neunte“:

Die 9. Sinfonie in d-Moll op. 125, uraufgeführt 1824, ist die letzte vollendete Sinfonie des Komponisten Ludwig van Beethoven. Im Finalsatz der Sinfonie werden zusätzlich zum Orchester auch Gesangssolisten und ein gemischter Chor eingesetzt. Als Text wählte Beethoven das Gedicht An die Freude von Friedrich Schiller. Als erste sogenannte Sinfoniekantate stellt das Werk eine Zäsur in der Musikgeschichte dar und beeinflusste folgende Generationen von Komponisten. Mit einer typischen Aufführungsdauer von ca. 70 Minuten sprengt die Sinfonie deutlich die damals üblichen Dimensionen und bereitete so den Boden für die zum Teil abendfüllenden Sinfonien der Romantik (Bruckner, Mahler). Heute ist „Beethovens Neunte“ weltweit eines der populärsten Werke der klassischen Musik.

Beethoven

1972 wurde das Hauptthema des letzten Satzes vom Europarat zu seiner Hymne erklärt und 1985 von der Europäischen Gemeinschaft als offizielle Europahymne angenommen. In der Begründung heißt es, „sie versinnbildliche die Werte, die alle teilen, sowie die Einheit in der Vielfalt“. Das in der Staatsbibliothek zu Berlin befindliche Autograph wurde in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. (wikipedia)

Und wir hören eine …

„… aufregende Veröffentlichung der historischen Aufnahme anlässlich der Wiedereröffnung des Festspielhauses in Bayreuth 1951!  Die außerordentliche Klarheit und Frische der Interpretation hat keine Parallelen. Diese Produktion gehört zu Furtwänglers Großtaten, das exzellente Solistenquartett krönt eine große Aufführung.“ (Grand Prix du Disque“ Penguin Guide)

Auch an einer anderen Stelle habe ich mal gelesen, dass es sich hier um eine besonders bemerkenswerte Aufnahmen handeln soll … dann glaube ich das einfach mal.

Beeindruckend ist die Tonqualität; handelte sich doch um einen Privatmitschnitt:

„Dokumentarische Aufnahme aus dem Festspielhaus Bayreuth anlässlich der Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele am 29. Juli 1951 – Veröffentlicht mit Hergestellt nach einem im Privatbesitz befindlichem Tonband – Veröffentlicht mit Genehmigung von Wieland und Wolfgang Wagner und Frau Elisabeth Furtwängler.“ (Hüllentext)

Hüllentext

Die mir vorliegende Erstausgabe kam in einer der damals typischen LP Boxen daher (einschließlich einem Begleitheft), eine Wellpappe sollte für größtmöglichen Schutze der beiden LP´s (Mensch, waren die damals noch „schwer“) sorgen:

Wellpappe

Und die Schallplatten waren noch in einer ziemlich aufwendigen Innenhülle verpackt:

Schallplattenhülle

Live-Mitschnitt aus dem Festspielhaus Bayreuth, 29. Juli 1951

BoxBackCover1

Besetzung:
Orchester der Bayreuther Festspiele unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler
Chor der Bayreuther Festspiele unter der Leitung von Wilhelm Pitz
+
Otto Edelmann (Bass)
Elisabeth Höngen (Alt)
Hans Hopf (Tenor)
Elisabeth Schwarzkopf (Sopran)

Die Hüllen von diversen nationalen und internationalen Wiederveröffentlichungen:
AlternativeFC
Titel:
Sinfonie Nr. IX D-moll Op. 125:
01. Allegro Ma Non Troppo, Un Poco Maestoso 17.50
02. Molto Vivace  (Scherzo) 12.01
03. Adagio Molto E Cantabile – Andante Moderato – Adagio 19.41
04. Presto – Allegro 25.08

LabelD1

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Garantieschein

Amüsantes am Rande: Eine feste Kleiderordnung für das Orchester gab es damals wohl noch nicht; jedenfalls sitzt einer der Geiger so richtig zünftig in der Lederhose da:
Lederhose

(1) Aber auch das war Furtwängler:

Was er aber mit unglaublicher Genauigkeit und Präzision macht, ist die Biografie des Bürgers Wilhelm Furtwängler aufzublättern: die eines Frauenhelden und großen Verführers, eines kleinen Feiglings und Egoisten, eines selbstgerechten Heuchlers, gescheiterten Komponisten und genialen Dirigenten, der fast alles dafür tat, selber im Licht zu stehen. Er schreckte weder davor zurück, Konkurrenten wie Herbert von Karajan bei den Nazigrößen anzuschwärzen, um sie beiseitezudrängen, noch für damalige Zeiten astronomische Gagen zu kassieren, mit denen auch er sein flatterhaftes Liebesleben mit wechselnden Geliebten finanzierte.

Wilhelm Furtwängler, den Thomas Mann immer als „Furchtwängler“ verspottete, hat sich mit den Nazis nicht nur gemein gemacht, er hat sie für sich genutzt und wunderbar von ihnen profitiert. Und das, obwohl er von 1935 an fast nur außerhalb Deutschlands lebte, ab 1944 im schweizerischen Luzern.

Dass er nach dem Krieg versuchte, sich die Maske des Biedermanns überzuziehen und seine Anbiederei als Kniefall vor dem eigenen Orchester, als Rettungsversuch der Berliner Philharmonikern darzustellen, wird von Straub denn auch als schlichte Lüge entlarvt. Ja, Furtwängler hat Juden geholfen, aber ansonsten wohl vor allem an sich gedacht. Das allein ist nicht verwerflich, wenn nicht versucht hätte, all das „in fast metaphysische Zusammenhänge zu rücken und seine Mitarbeit als Widerstand zu deklarieren in Verantwortung für das ewige Deutschland, wie es sich in seiner unsterblichen Musik äußerte“.

Nebenbei erfahren wir zudem, dass er nicht, wie man das erwarten könnte, die Berliner Philharmoniker am meisten mochte, sondern eben die in Wien viel mehr schätzte.

Dass Furtwängler überall auf der Welt als Dirigent präsent und bekannt war, hat zu seinem Ruhm beigetragen. Dass an seinem Versagen in der NS-Zeit die ganze bürgerliche Idee von Bildung schuld sei, die dafür sorgte, dass man sich von der politischen Realität abwendet und damit Gefahr laufe „sittlich zu verwahrlosen“, wie es Straub formuliert, ist zu bezweifeln. Furtwängler entlastet diese These nicht. Dass der große Dirigent eben doch kein großartiger Mensch war, dieses Etikett bleibt wie Pech an ihm haften. (in einer Rezension der Furtwängler Biografie „Eberhard Straub: Die Furtwänglers. Geschichte einer deutschen Familie“,  2007)

WilhelmFurtwängler04

Wie gern, wie frei, wie bewundernd und verehrend lässt sich vom Musiker Wilhelm Furtwängler reden, ja schwärmen. Aber hat nicht auch er seinen Charakterzoll an die Politik zahlen müssen? War nicht auch er Hitlers „Lakai“? Hat er nicht – ein schlechter Konjunktur-Demokrat – noch nach 1945 von biologisch gesunder Musik und Zwölfton-Intellektualität salbadert, obwohl er als junger Dirigent bemerkenswert viel Modernes aufführte? Ist ihm nicht der Hass einer enttäuschten Welt […] während der Nazi-Zeit und erst recht danach entgegengeschlagen? Die großen jüdischen Musiker in Amerika (Rubinstein, Horowitz, Bruno Walter) verhinderten sogar, dass er nach 1945 in die USA reisen durfte (Joachim Kaiser)