Verschiedene Interpreten – Leipziger Folk Sessions Vol. 1 – 18 aus 48 – Das Beste von der Barikade (1998)

FrontCover1Ein ganz besonderer Leckerbissen aus der deutschen Folk-Szene ist nun wirklich dieses Album …

Organisiert wurde diese Studio-Session von Jürgen B. Wolff, der in der DDR mit dem Duo Sonnenschirm  eine Ikone der dortigenFolk-Szene war und nach dem Ende der DDR unverdrossen weitermachte. Und was er hier auf die Beine gestellt hat, ist mehr als bemerkenswert.

“ Man wollte einfach mal wieder ein paar Volkslieder singen und in einer lockeren Runde Leipziger Musiker in einer Art Session zusammen eine CD einspielen. »Keine überzogene Rafinesse – Spontaneität war angesagt«, heißt es im Infotext.

CD-CoverEin Understatement, das durch die Musik Lügen gestraft wird. Wie oft haben wir uns gewünscht, die Gruppe Folkländer noch einmal in der Originalbesetzung jener legendären Langrille »…wenn man fragt, wer hat´s getan« (die inzwischen dankenswerterweise wieder auf CD wiederveröffentlicht wurde) zu hören. Allein, Sänger Jürgen B. Wolff war bisher mit dem Duo Sonnenschirm ausgelastet und der Rest der Truppe firmiert inzwischen nach personellen Wechseln unter dem Namen Bierfiedler überwiegend als Folkstanzband.

Nun spielen auf der vorliegenden CD zwar auch nur drei ehemalige Mitlieder der Originalbesetzung mit, aber neben Ulrich Doberenz (Kontrabaß) und Manne Wagenbreth (Mandoline, Bouzouki, Mundharmonika, Gesang) eben auch Jürgen B. Wolff (Gitarre, Sologesang), dessen unverwechselbare, leicht brüchige Stimme und unnachahmliche Art der Interpretation den Volksliedern das Gütesiegel der »Ostfolk«-Prägung verleihen und die CD »18 aus 48« beinahe wie eine »original«-Folkländer-Platte klingen läßt.

LeipzigerFolkSession1999

Natürlich machte seine Stimme allein nicht jenen Zauber aus, natürlich haben auch die swingend-leichtfüßigen und schräg-skurrilen Arrangements einen großen Teil dazu beigetragen, die voller Spielfreude in teils abenteuerlichen Kombinationen eingesetzen Instrumente nicht minder. Diese Qualitäten findet man hier wieder, nachdem sich den genannten »Alt«meistern eine junge Generation von Musikern zugesellt, die natürlich noch mehr Einflüsse aus moderner europäischer Folkmusik und aus der Welt- und Popmusik einbringen und die Arrangements klingen lassen, wie Folkländer nach einer Frischzellenkur. Allen voran die Uhlmann-Brothers Andreas (Posaunen, Flöten, Schalmei, Maultrommel) und Johannes (Knopfakkordeon, Geige) samt Cousin Till (Drehleier, Geige), zusätzlich vermerkt das Cover so klingende Namen wie Conny Plänitz (Geige), Anne-Kathrin Siegel (Gesang), Uwe Sterzik (Gesang), Dirk Wasmund (Saxofon, Klarinette), Jörg Wolf (Violoncello), Jens-Paul Wollenberg (Gesang) und Eduard Funkner (Balalaika).

Wen wundert´s, daß selbst so vielfach eingespielte Lieder wie »Das Bürgerlied«, »Die freie Republik«, »Das Blutgericht«, das »Badische Wiegenlied« oder »Trotz alledem« frischer und unverbrauchter klingen als die meisten anderen Interpretationen, die man kennt. Moderne deutsche Folkmusik eben, man möchte fast hinzusetzen: Endlich wieder.

Und der dezente Hinweis auf dem Cover, daß es sich um »Vol. I.« handelt, läßt die Hoffnung zu, daß die Rufe jener erhört werden könnten, die nach »meeehr, meeehr, meeehr« lechzen werden.“ (Ulrich Joosten im Magazin „Folker“). (*)

DieFreieRepuplik
Genau so isses … pfiffig, frech und herrlich erfrischend und ich bekam wieder so richtig Lust mich der „deutschenRevolution 1848“ zu beschäftigen …

Ein feines Cover mit vielen Informationen über die einzelnen Lieder (mir natürlich wieder nicht viel genug). So erfährt man z.B. über den Klassiker „Das Bürgerlied“: „War schon im Folkrevival der 70er Jahre ein gern gespieltes Stück, schon weil die im DDR-Alltag die unübliche Anrede Bürger vorkam“.

Klar, die Anrede Genosse war wohl weitaus verbreiteter.

Gewünscht hätte ich mir dann noch einen geschichtlichen Rückblick auf die damaligen Ereignisse, aber das ist jetzt schon arg dreist von mir … denn dieses Edition ist schon auch so außergewöhnlich und superb !

Beigelegt habe ich dieser Präsentation dann noch alle Texte sowie das kleine Magazin „Köpfchen (Ausblicke – Eindrücke – Rückblicke)“, vom März 1999, das sich nicht nur auf diese Aufnahmen bezieht, sondern sich u.a. auch mit dem Thema „Leipzig im Herbst ´89 – Die DDR-Liedermacher und die Wende“ beschäftigt. Lesenwert !

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Besetzung:
Ulrich Doberenz (bass)
Ingeborg Freytag (violin, percussion, vocals, harmonium)
Eduard Funkner (balalaika)
Conny Plänitz (violin)
Anne-Kathrin Siegel (vocals)
Uwe Sterzik (vocals)
Manne Wagenbreth (mandoline, bouzouki, harmonica, vocals)
Dirk Wasmund (saxophone, clarinet)
Jörg Wolf (violoncello)
Jürgen B. Wolff (guitar, vocals)
Jens-Paul Wollenberg (vocals)
Andreas Uhlmann (trombone, flute, schawm, jewish harp)
Johannes Uhlmann (accordeon, violin)
Till Uhlmann (hurdy-gurdy, violin)

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Titel:
01. Bürgermeister Tschech (Traditional/Gungl) 3.03
02. Das Bürgerlied (Traditional) 3.19
03. Mamele, gib mir Brot (Traditional/Wolff) 3,27
04. Die Gedanken sind frei (Traditional) 2.10
05. Lasst uns unsern Geist versenken (v. Fallersleben/Hering) 2.39
06. Sah ein Fürst ein Büchlein stehn (Prinz/Werner) 2.01
07. Die freie Republik (Traditional) 2.47
08. Wanderlust (Eichrodt/Wolff) 6.29
09. Bei einer Pfeif Tabak (v. Fallersleben/Traditional) 1.17
10. Das Blutgericht (Traditional) 4.52
11. Es lebe Hecker (Traditional/Wolff) 2.50
12. Die Festung von Landau (Traditional) 2.22
13. Das Altenburg-Lied (Traditional) 4.09
14. Robert Blum (Traditional) 2.57
15. Badisches Wiegenlied (Pfau/Traditional) 2.33
16. Der deutsche Philister (v. Fallersleben/Traditional) 2.38
17. Mein ganzer Reichtum ist mein Lied (Herwegh/Naumann) 3.39
18. Trotz alledem (Freiligrath/Traditional) 4.09

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Lale Andersen – Ein Schiff wird kommen + Manchmal träum ich vom Kornfeld (1960)

FrontCover1Und jetzt ein unbestrittener Klassiker der deutsche Schlagerkunst … und zuglech ein internationaler Klassiker, hier gesungen von Lale Andersen:

Ein Schiff wird kommen ist die deutsche Version des Schlagers Ta pedia tou Pirea von Manos Hadjidakis aus dem Jahr 1960, mit deutschem Text von Fini Busch. Bekannt wurde die Version durch die Aufnahme von

Auf den zwischen dem 4. und 20. Mai 1960 in Cannes stattfindenden 13. Filmfestspielen wurde der griechische Film Ποτέ την Κυριακή („Pote tin Kyriaki“; deutscher Filmtitel Sonntags… nie!) gezeigt. Drehbuch, Produktion und Regie lagen in der Hand von Jules Dassin, dessen spätere Frau Melina Mercouri (Heirat 1966) im Film die Hauptrolle spielte. In einer Szene legt sie eine Platte auf und singt auf dem Bett liegend mit verrauchter Stimme das Lied Τα Παιδιά του Πειραιά („Ta Paidia Tou Piraia“; Die Kinder von Piräus). Das Stück stammte aus der Feder von Manos Hadjidakis, der für die Szene auch die Partitur schrieb. Bereits am 25. Mai 1960 fand die Premiere in Paris statt, und am 9. September 1960 kam der Film in Deutschland in die Kinos.

Manos Hadjidakis

Manos Hadjidakis

Fini Busch erhielt den Auftrag, als Subtexterin eiligst einen deutschen Text zu schreiben. Dieser handelte — wie im Film — von der erwartungsvollen Sehnsucht einer Prostituierten, die im Hafen von Piräus auf Schiffe mit Kunden wartet, in der sehnsüchtigen Hoffnung, irgendwann würde darunter ein Mann sein, der zu ihr passt und sich ihrer annimmt und sie zu seiner (Ehe-)Frau macht. Bereits am 11. September 1960 stand die inzwischen 55-jährige Sängerin Lale Andersen mit ihrer Altstimme im Kölner Electrola-Tonstudio vor dem Mikrophon und nahm das zu ihr passende Seemannslied Ein Schiff wird kommen / Manchmal träum‘ ich vom Kornfeld (Electrola #21 615) mit dem Orchester Friedel Berlipp und dem Bernd Hansen-Chor auf. Im Mittelpunkt ihrer Version steht ein gesprochener Text mit großer Unmittelbarkeit. Der Aufnahmetag lag somit 2 Tage nach der deutschen Kinopremiere.

Veröffentlicht noch im August 1960, erreichte der Titel am 1. Oktober 1960 Rang eins der deutschen Hitparade für drei Monate und wurde innerhalb der ersten sechs Wochen über 250.000 Mal verkauft; 750.000 Exemplare waren Ende Januar 1961 verkauft, insgesamt setzte die Platte weit über eine Million Exemplare um.

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Noch im selben Jahr erschienen Coverversionen von Caterina Valente, Dalida und Lys Assia. Auch Valentes Coverversion drang nach Veröffentlichung im Oktober 1960 bis auf Rang eins der Hitparade vor und bekam vom Musiklabel eine Goldene Schallplatte für über 500.000 verkaufter Exemplare überreicht.[6] Mercouri konnte mit dem sehnsuchtsvollen Lied den achten Rang erreichen. Es wurde ebenfalls im September 1960 mit dem Orchester Erwin Halletz eingespielt. Lale Andersen sagte zu ihrem Erfolg: „Eine Platte, zu der ich stehe und über die ich glücklich bin.“ Weitere Coverversionen stammen von Manuela, Nana Mouskouri, Daliah Lavi und Waldemar Matuška (unter dem Titel Děti z Pirea). Andrea Berg griff den Evergreen auf ihrem Album Machtlos (Mai 2003) noch einmal auf.

Für ihre Interpretation des Hits Ein Schiff wird kommen und als beliebteste deutsche Schlagersängerin des Jahres 1960 wurde Lale Andersen am 3. März 1961 auf dem Luxusdampfer United States der Silberne Löwe von Radio Luxemburg überreicht. (wikipedia)

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Was sol ich da noch schreiben: Eine Schnulze, wie sie schöner nicht sein kann …. und ja, ein Song gegen die Corona-Depression … definitiv … zumindest für jene Menschen wie mich, die sich gelegentlich ziemlich hemmungslos … jenen sentimentalen Gefühlen zuwenden kann … aus den der Stoff zum Träumen gemacht wird, Und am liebsten würde ich einen Sampler zusammenstellen mi allen deutschen Versionen (mach ich vielleicht auch mal)

Ach ja … ne B-Seite hat diese Single auch noch …

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Besetzung:
Lale Andersen (vocals)
+
Orchester Friedel Berlipp
+
Bernd Hanssen Chor

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Titel:
01. Ein Schiff wird kommen (Busch/Hadjidakis) 2.52
02. Manchmal träum ich vom Kornfeld (Nowa/Wilke) 2.33

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Egon Bahr – Wandel durch Annäherung (1963)

EgonBahrAls Egon Bahr am 19. August 2015 (er war 93 Jahre alt) verstarb überschlugen sich die Gazetten mit vielschichtigen Würdigungen dieses bedeutenden Politikers der SPD.

Und mir erscheint es sichtig, auch 5 Jahre nach seinem Tod einfach mal wieder an ihn zu erinnern. und auf seine mehr als bedeutsame Rede hinzuweisen, die er am 15. Juli 1963 auf einer Tagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing hielt:

„Wandel durch Annäherung war das Ergebnis der Tatsache, dass hier eine Mauer gebaut worden war und wir in West-Berlin festzustellen hatten, dass uns kein Mensch half, die Mauer durchlässig zu machen, geschweige denn, sie wegzubringen.“

„Wandel durch Annäherung“ hieß das politische Konzept, das den Kern der sozialliberalen Ost- und Entspannungspolitik in der Ära Brandt/Scheel bildete. Erstmals öffentlich vorgetragen hat diese Formel der SPD-Politiker Egon Bahr am 15. Juli 1963 auf einer Tagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing. Als Pressechef des Senats von Berlin beriet er damals Willy Brandt, den Regierenden Bürgermeister. Brandt und Bahr deuteten den Bau der Mauer als Zeichen der Angst und des Selbsterhaltungstriebes des SED-Regimes. In seinem Tutzinger Diskussionsbeitrag, Teil eines Streitgesprächs mit dem konservativen Publizisten Matthias Walden, sagte Bahr:

„Die Frage ist, ob es nicht Möglichkeiten gibt, diese durchaus berechtigten Sorgen dem Regime graduell so weit zu nehmen, dass auch die Auflockerung der Grenzen und der Mauer praktikabel wird, weil das Risiko erträglich ist. Das ist eine Politik, die man auf die Formel bringen könnte: Wandel durch Annäherung.“

Egon Bahr + Willy Brandt in den frühen 60er Jahren

Egon Bahr + Willy Brandt in den frühen 60er Jahren

Im Sommer 1963, zwei Jahre nach dem Mauerbau, war die Zeit reif für ein neues politisches Denken: Der amerikanische Präsident Kennedy hatte gerade seine „Strategie für den Frieden“ proklamiert, die die gemeinsamen Sicherheitsinteressen der USA und der Sowjetunion herausstellte. An die Stelle der Konfrontation sollte ein Prozess der friedlichen Veränderung treten. Während die Regierung des CDU-Kanzlers Adenauer weiter den Slogan „Keine Experimente“ propagierte, sahen die Sozialdemokraten Brandt und Bahr in Kennedys Strategie die Chance zu einer Lösung der Probleme des geteilten Deutschlands. Doch als Bahrs Tutzinger Referat unter der Überschrift „Wandel durch Annäherung“ in die Presse kam, hagelte es Kritik von allen Seiten. Die CDU befürchtete „Aufweichungstendenzen“ und verfiel auf die Formulierung „Wandel durch Anbiederung“, der Außenminister der DDR sprach von ´“Aggression auf Filzlatschen“. Auch Teile der SPD kritisierten Brandts Pressechef.

Egon Bahr: „Nicht vergessen kann ich natürlich die schöne Formulierung von Herbert Wehner: ‚Dies ist bahrer Unsinn!’ Mit ‚h’ geschrieben. Eine gewisse Genugtuung ist natürlich, dass das, was ich dort geschrieben habe, ein paar Jahre später Politik der sozialliberalen Regierung wurde. Es war noch kein Programm, sondern es war die Methodik, dem Osten nicht den Rücken zuzudrehen, sondern sich ihm zuzuwenden.“

EgonBahr2Das Modell der späteren sozialliberalen Entspannungspolitik wurde im geteilten Berlin Ende 1963 erstmals konkret. Der Senat verhandelte mit der östlichen Seite über Besuchsmöglichkeiten für West-Berliner.

„Dann ist daraus zunächst einmal nichts anderes geworden als Passierscheine – für eine begrenzte Zeit über Weihnachten und Neujahr und mit einem riesigen Andrang.“

1,2 Millionen Berliner strömten nach dem Passierscheinabkommen in den Osten der Stadt. Die SED hatte mit 30.000 gerechnet. In den Reihen der CDU aber grassierte weiter die Angst vor diesem „Wandel durch Annäherung“. – Egon Bahr beschrieb das so:

„Wenn man einmal mit denen in Ost-Berlin redet, dann begibt man sich auf die schiefe Ebene. Und am Ende wird der Verlust West-Berlins stehen.“

Was mit dem Passierscheinabkommen zwischen West- und Ost-Berlin begann, das setzte die sozialliberale Koalition aus SPD und FDP ab 1969 mit ihrer Ostpolitik fort. Gegen den erbitterten Widerstand von CDU/CSU erkannte die Regierung Brandt/Scheel den Status quo in Europa an. In Abkommen mit Moskau, Warschau und Prag verzichtete sie auf Gewalt. Mit der DDR einigte man sich auf einen Grundlagenvertrag. Er führte 1973 zur Aufnahme der beiden deutschen Staaten in die UNO. Nicht ganz zwei Jahrzehnte später stand trotz des Wettrüstens zwischen Ost- und West – Stichwort: „Raketenschach“ – am Ende dieses „Wandels durch Annäherung“ die Auflösung der Sowjetunion.

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Egon Bahr: „Ich glaube, dass der äußere Druck und die Reduzierung des Gewichts der Ideologie, beide dazu beigetragen haben, dass das Ding gewaltfrei implodierte und plötzlich verschwand.“ (Wolfgang Stenke; Deutschlandfunk)

Ich denke mal, es ist mittlerweile unbestritten, dass dieser visionäre Ansatz, der dann in die „neue deutsche Ostpolitik“ mündete, der entscheidende Impuls war, der dann viele, viele Jahre später dazu führte, dass die Ära des kalten Krieges zu Ende ging.

Und denke ich an die Zeit der ersten sozial-liberalen Koalition, so vergleiche ich heute das Duo Willy Brandt/EgonBahr mit den Fußballtrainern der deutschen Nationalmannschaft 2006, also mit Jürgen Klinsmann und Jogi Löw.

Willy Brandt war der Motivator, der den Menschen auch die neue Perspektive vermitteln konnte, Egon Bahr war der Mann im Hintergrund und nicht zu unrecht heißt es ja auch, dass er der Architekt die neuen deutschen Ostpolitik war.

Ich verneige mich vor einem Mann, der unser Leben derart entscheidend geprägt hat.

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Und hier gibt es seine „Tutzinger Rede“ zum Nachlesen:

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Fleur – Eintagsfliegen + Schwarz auf Weiß (1971)

FrontCover1Ich habe es bis heute nicht kapiert, warum der Chemiekonzern BASF (damals alles andere als ein sauberer Konzern) sich unbedingt ins Schallplattengeschäft einmischen wollte. Ihre größte Heldentat war wohl, dass sie mal kurzfristig den Vertrieb des famosen MPS Labels übernommen hatten … aber sonst …

Nun gut, dann widmen wir uns also mal wieder den Underdogs der deutschen Schlagerszene.

Sie hieß Fleur und das wusste die Werbetexter von BASF über sie sie berichten:

“  Singen war für sie bis vor kurzem noch die „herrlichste Nebensache der Welt“ …
Denn eigentlich ist Fleur Fotomodell – ihr gesangliches Talent entdeckte sie schon früh.
Ihr Vorbild ist Caterina Valente und sie schwärmt für Tom Jones und Udo Jürgens. Noch wohnt die hübsche 24jährige Sängerin in einem Vorort von München.
FleurAber sie hat so bald wie möglich vor in die Münchener Innenstadt zu ziehen. „Am Liebsten würde ich direkt am Stachus wohnen“, beginnt sie.
Fleur ist übrigens nicht, wie man vielleicht vermutet, nur ein „blumenreicher“ Künstlername, sondern steht auch in ihrem Personalausweis.“

Nun denn, ob sie es jemals geschafft hat, am Stachus in München zu wohnen ist nicht überliefert.

Ganz sicher aber ist, dass sie mit dem Titel „Eintagsfliegen“ bewiesen hat, dass sie über prophetische Gaben verfügte.

Denn genau das ist sie wohl auch gewesen: Eine Eintragsfliege im deutschen Schlagergeschäft. Immerhin hat sie es auf 9 Singles und eine LP gebracht … seitdem verlieren sich die Spuren im Sand …

Der Titel handelt natürlich nicht von Eintiegsfliegen im Schlagergeschäft, sondern von jenen rücksichtlosen Männern, die sich Playboys nannten und einer jungen Damen maximal für einen Tag den Kopf verdrehten.

Da mochte ich sie dann schon lieber, wenn ihr Mann namens „Schwarzer Pfeil“ (sollte das am Ende gar ein Indianerlied sein ?), schreiben würde, denn auf ihn würde sie doch glatt warten und zwar „Tag und Nacht“ !

Und, da gibt es einen Hammersong von meinen Alltime Favoriten Humble Pie, der heißt dann „(I´m) A Fool For A Pretty Face“ (Hörempfehlung !!!), aber nicht mal das Argument zieht bei dieser Single … sorry.

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Besetzung:
Fleur (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCover1Titel:
01. Eintagsfliegen (Raschek) 2.38
02. Schwarz auf Weiß (Böttcher/Acim) 2.05

LabelA1

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Erich Kunz – Wiener Lieder (Folge 1) (60er Jahre ?)

FrontCover1Helfen denn nun die klassischen Weaner Lieder gegen die Corona Depression ? Ich habe mich einem Selbstversuch unterzogen.

Interpretiet werden sie auf diesem 10″ Album von Erich Kunz:

Erich Kunz (* 20. Mai 1909 in Wien; † 8. September 1995 in Wien) war ein österreichischer Opernsänger (Bariton).

Kunz war ab 1940 Mitglied der Wiener Staatsoper. Als Mitglied des Wiener Mozartensembles sang er über Jahrzehnte hinweg u. a. den „Papageno“ in Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte, den „Leporello“ in Don Giovanni und die Titelpartie in Le nozze di Figaro. Gastspiele führten ihn an nahezu alle bedeutenden Opernhäuser der Welt. Berühmt war auch sein „Beckmesser“ in Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. In kleineren Partien – etwa als „Mesner“ in Tosca – stand er noch bis in die späten 1980er Jahre hinein auf der Bühne der Wiener Staatsoper. Auch als Interpret von gehobenen Wienerliedern erlangte der sehr humorvolle Künstler höchste

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Erich Kunz

Beliebtheit.

Erich Kunz ist in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt (Gruppe 40, Nummer 174).

Seine Tochter war die 1997 verstorbene Schauspielerin Nicolin Kunz. (wikipedia)

Und glaubt man den Quellen, dann zählten die Faltl-Kemmeter-Schrammeln

damals  zu den prominenteste Ensemble dieser Art.

Und wir hören hier ne bunte Mischung von Melodien, die man gemeinhin als „Wieder Lieder“ bezeichnet:

Hüllentext1

Zumindest zwei der Lieder sind sogar mir bekannt gewesen: „Mei Muatterl war a Weanerin“ und das legendäre „Fiakerlied“:

Hüllentext2

Helfen denn nun die klassischen Weaner Lieder gegen die Corona Depression ?

Mein Selbstversuch hat ergeben: Bedingt … zumindest für Leute wie mich, die jene Mischung aus Sentimentalität, Schmäh und auch einer gewissen Schlitzohrigkeit („Du guater Himmelvater“) durchaus gelegentlich zu schätzen wissen.

Dass dabei auch jede Menge Klischees bedient werden, ist mir natürlich bekannt und das nehme ich dann mal klaglos billigend hin.

BackCover1

Besetzung:
Erich Kunz (vocals)
+
Die Faltl-Kemmeter-Schrammeln

Booklet1

Titel:
01.Es steht ein alter Nußbaum (Zillner/Werner/Hochmuth) 2.36
02. Wenn der Herrgott net will (Arnold) 3.12
03. ‚S Nußdorfer Sternderl (Schneider/Fellner) 3.05
04. Fiakerlied (Pick) 3.11
05. Du guater Himmelvater (Alexander-Krakauer) 2.56
06. In Grinzing gibt’s a Himmelstrass’n (Werner/Hochmuth/Föderl) 2.40
07. Secht’s Leut’ln, so war’s anno Dreißig (Allmeder/Domanig-Roll) 3.20
08. Mei Muatterl war a Weanerin (Gruber) 3.06

LabelB1

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Fiaker

Fiaker im Wiener Prater – Künstler Moriz Jung (1912)

Ramses und die Notenlinientänzer – I bin i (1983)

FrontCover1Vermutlich einer der wohl rarsten LP´s, die ich hier im Laufe der Jahre präsentiert habe und vermutlich auch einer der skurillsten LP´s, die ich hier bisher präsentiert habe … allein der Name dieses Combos „Ramses und die Notenlinientänzer“ sagt ja schon einiges von dem schrägen Humor, der einen hier erwartet.

Und um es gleich vorweg zunehmen. Ich weiss über diese Band so gar nichts, alle bisherigen Recherchen sind quasi in Leere gelaufen. Also kann ich hier nur auf das verweisen, was das Cover hergibt:

Der „Ramses“ heißt eigentlich  Kurt Seiler und der war / ist wohl ein echtes Münchner Gewächs. Wie der dazu kam, diese LP – vermutlich auf eigene Kosten – aufzunehmen weiß ich auch nicht, aber ich weiß, dass er sich mit Begleitmusikern schmücken konnte, die sich wahrlich sehen lassen können.

Allen voran Veit Marvos („Der Keyboarder Veit Marvos spielte bei vielen wichtigen Krautrock-Bands mit, unter anderem bei Twenty Sixty Six And Then, Demon Thor, Emergency, Marz und Tiger B. Smith. Er veröffentlichte 1972 ein Soloalbum.“), aber auch Namen wie Max Greger jr. und Gert Wilden jr. dürften nicht ganz unbekannt sein. Günther Gebauer spielte bei Gott und der Welt …

Musikalisch hören wir einen zuweilen aberwitzigen Stil-Mix … von Funk („Fang-a-Mandl“ mit einem feinen Saxophon), über „bavarian rock n roll“ ala Spider Murphy Gang („I bin i“) und er lässt kaum eine Stilrichtung aus …

Und textlich bietet dieses Album einen Querschnitt über den Zeitgeist jener Jahre und „Meine Süße will nur Gemüse“ gefällt mir dabei ganz besonders.

Aber auch ansonsten lohnt es sich, hinzuhören … da hat ein Querdenker formuliert.

Und wer des bayerischen nicht mächtig ist … der LP lag eine fotokopierte DIN A 4 Beilage bei und die enthielt dann alle Texte …

Mir scheint, da hat sich ein ziemlich schräger Vogel einen Traum erfüllt … und da kann ich nur sagen: Mehr schräge Vögel braucht das Land !

Und: für jeden sachdienlichen Hinweis, wer denn dieser Kurt Seiler war, entzünde ich eine Kerze im Wallfahrtsort Altötting !

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Besetzung:
Steve Englbretson (bass)
Benny Gebauer (saxophone, clarinet, harmonica)
Franz „Fuzzy“ Holesch (guitar)
Veit Marvos (keyboards)
Manfred Schacher (drums, percussion)
Kurt Seiler (vocals)
Gert Wilden jr. (piano, clavinet, synthesizer)
+
Günther Gebauer (bass bei 01., 04. + 07.)
Max Greger jr. (piano bei 01., 02. + 07.)
Dieter Holesch (guitar bei 08. + 10.)
Gerry Will (banjo bei 06.)
+
Background vocals:
Hans Herbert Gebhard – Bimey Oberreit
+
Sandra Konrad (Kinderstimme)

BackCover1

Der Schatten ist da meiner einer .. .es ließ sich einfach nicht vermeiden, sorry

Titel:
01. Fang-A-Mandl 4.59
02. I bin i 3.55
03. Meine Süße will nur Gemüse 3.40
04. Jeda woaß, de Dreißga san hoaß 4.02
05. Du Narr, du Clown 4.36
06. Tingel-Tangel-Lied 3.35
07. Putzn hat koan Zweck 4.11
08. Du redest so vui 4.57
09. Gspusi mit da Musi 3,48
10. Manchmoi 4.57

Musik: Franz Holesch und Kurt Seiler
Texte: Kurt Seiler

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KurtSeiler

Das war er wohl … der Kurt Seiler im Jahre 1983

Verschiedene Interpreten – Das große Stimmungskarussell (1969)

FrontCover1Hilft Stimmungsmusik gegen die Corona Depression ? Ich habe mich einem Selbstversuch unterzogen.

Also da haben glatt über 50 deutsche Volkslieder und Gassenhauer … das müüste genug sein.ann haben wir eine Schar fideler Sänger und Sängerinnen (Frau Wirtin ist natürlich auch dabei)

Und ein Fritz Hipp spielt auf mit seiner „Stimmungskapelle“ …

Und wir bewegen uns musikalisch eher am unteren Ende der Niveau-Skala …

Und das Label Pionier war ein sehr kurzlebiges „low budget“ Sub-Label und gehörte zu der Miller International Schallplatten

Hilft Stimmungsmusik gegen die Corona Depression ? Definitiv nein !

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Besetzung:
Große Stimmungskapelle Franz Hipp
Die Stimmungsknüller
+
Der Jan Maaten-Chor
Die Sänger Vom Finsterwalde

Gartenlokal in Mühlheim, 1965

Passend zur Musik: Hier tobt der Bär …

Titel:

01. Das große Stimmungskarussell (Teil 1): (17.46)
01.01. Ein Prosit der Gemütlichkeit
01.02. Es war einmal ein treuer Husar
01.03. Wir sind die Sänger von Finsterwalde
01.04. Die Vögel wollen Hochzeit machen
01.05. Aus der Jugendzeit
01.06. Schwarzbraun ist die Haselnuß
01.07. Es steht ein Wirtshaus an der Lahn
01.08. Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren
01.09. O du schöner Westerwald
01.10. Guter Mond du gehst so stille
01.11. Auf der Bundesautobahne
01.12. Freut euch des Lebens
01.13. Du, du liegst mir am Herzen
01.14. Mein Hut, der hat drei Ecken
01.15. Oh, du lieber Augustin
01.16. Unrasiert und fern der Heimat
01.17. Ach Ich Hab‘ Sie Ja Nur Auf Die Schulter Geküßt
01.18. Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein
01.19. Schön ist ein Zylinderhut
01.20. Im Krug zum Grünen Kranze
01.21. Ein Prosit der Gemütlichkeit
01.22. Das Wandern ist des Müllers Lust

02. Das große Stimmungskarussell (Teil 2): (17.00)
02.01. Hoch soll er leben
02.02. Schon wieder eine Seele vom Alkohol gerettet
02.03. Das Wandern ist des Müllers Lust
02.04. Dann geh’n wir wieder runter
02.05. Stumpfsinn, Stumpfsinn
02.06. Geh’n wir mal rüber
02.07. Mein Herz, das ist ein Bienenhaus
02.08. Als wir jüngst in Regensburg waren
02.09. Was mögen das für Bäume sein
02.10. Ein Prosit fer Gemütlichkeit
02.11. Tief in dem Böhmerwald
02.12. Warum weinst du holde Gärtnersfrau
02.13. In einem Polenstädtchen
02.14. Muß i denn
02.15. Drum Mädel weine nicht
02.16. Ein Heller und ein Batzen
02.17. Wir ham den Kanal noch lange nicht voll
02.18. Ein Glück, daß wir nicht saufen
02.19. Na, dann woll’n wir noch einmal
02.20. Waldeslust
02.21. Dort oben auf dem Berge
02.22. Beim Kronenwirt
02.23. In der Heimat angekommen
02.24. Und wer ist Schuld daran
02.25. Horch, was kommt von draußen rein
02.26. Alle Möpse beißen
02.27. Oh, Susanna

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