Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester – Big Band Berlin (1971)

FrontCover (mit Sticker)1Das ist schon ein Highlight in der Geschichte deutscher Big Band Musik: Paul Kuhn und das SFB-Tanzorchester !:

Die SFB Big Band war eine deutsche Bigband des Sender Freies Berlin (SFB), die von Paul Kuhn geleitet wurde und von 1968 bis 1980 bestand.

Kuhn übernahm 1968 die Leitung des Tanzorchesters des Senders Freies Berlin, das von 1954 bis 1960 unter Leitung von William Greihs stand,  1960 bis 1962 unter der Leitung von Roland Kovac und dann von Jerry van Rooyen gestanden hatte. Es gab in Berlin nach dem Krieg auch einen Vorläufer im Radio Berlin Tanzorchester, das 1950 aufgelöst wurde. Für die Bigband verpflichtete Kuhn internationale Solisten und war über die Grenzen Deutschlands hinaus erfolgreich. Paul Kuhn und die SFB-Big Band bestritten einen großen Teil des musikalischen Unterhaltungsprogramms im SFB-Hörfunk und -Fernsehen; außerdem trat die Bigband bei zahllosen SFB-Gastspielen im In- und Ausland auf. In der Band spielten namhafte Jazzmusiker wie Benny Bailey, Kurt Bong, Bobby Burgess, Eugen Cicero, Roman Dyląg, Rolf Ericson, Remy Filipovitch, Herb Geller, Slide Hampton, Joe Harris, Heinz von Hermann, Carmell Jones, Torolf Mølgaard, Walter Norris, André Paquinet, Milo Pavlović, Åke Persson, Al Porcino, Hans Rettenbacher, Rolf Römer, Ron Simmonds, Ronnie Stephenson und Leo Wright. Die Bigband war mit Kuhn an zahlreichen Produktionen mit internationalen Musikern wie Ray Brown, Ray Charles oder Quincy Jones beteiligt und veröffentlichte auch eine Reihe von Alben, wie Tanz mit Paul Kuhn oder Pauls Pianoparty.[4] 1976 trat der Schauspieler Jerry Lewis im Casino von Montreux in einer Bühnenshow mit der SFB Big Band auf.[5] Im Dezember 1980 löste der SFB die Bigband aus finanziellen Gründen auf (Quelle: wikipedia)

SFBTanzOrchester

Jazzfans, Radiohörer und TV-Zuschauer, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, werden sich gut erinnern: die SFB-Bigband unter ihrem Leiter Paul Kuhn zählte zu den besten Swing-Ensembles in Deutschland. Dieter Finnern, der damalige Unterhaltungschef des Sender Freies Berlin, holte Paul Kuhn im Jahr 1968 nach Berlin um aus der Bigband des Senders, die eh schon von einer internationalen Edelbesetzung mit Solisten wie Leo Wright, Carmell Jones, Ake Persson, Slide Hampton, Eugen Cicero u.a. profitierte, die beste des Landes zu machen. „Paulchen“ Kuhn, ehemals als Schlagersänger und „Mann am Klavier“ bekannt, der vom Bier auf Hawaii geträumt hatte, konnte erstmals wirklich zeigen, was musikalisch in ihm steckte.

Paul Kuhn02

Dabei behilflich war ihm auch die richtungsweisende SFB-Fernsehshow „Paul‘s Party“, bei der eine innovative, lässig-jazzige Partyatmosphäre geschaffen wurde: In einer bequemen Sofa-Landschaft begrüßte Kuhn prominente Gäste zur gemeinsamen Begutachtung der vorab im SFB-Sendesaal aufgezeichneten Musikshow. Die Fernsehpreis-gekrönte Sendung wurde ein voller Erfolg und brachte Jazz und Swing in die Fernsehstuben weit über das Berliner Sendegebiet hinaus. Auch auf Schallplatte wurden die Aufnahmen Erfolge.

Die LP „Big Band Berlin“  zeichnet ein vielschichtiges Bild des Orchesters von groovendem Jazz über Swing bis hin zu Beat. Paul Kuhns Leidenschaft für amerikanische Bandleader ist seinen Eigenkompositionen „Rush Hour“ und „Strippin‘“ anzuhören, aber auch Standards wie „Caravan“ und „My One And Only Love“ erklingen in Top-Versionen. (jazzecho.de)

Und ja … der Paul Kuhn uns das SFB Tanzorchester schafften es neben dem Ellington Klassiker „Caravan“ auch das Popliedchen „Mademoiselle Ninette“ (von den Equals) zu verjazzen und dann folgt gleich der Herbie Mann  Klassiker „Memphis Underground“, damals gamnz aktuell und ebenflls ein Meilenstein der Jazzgeschichte.

Bravo ! Bravo ! Bravo ! (und natürlich vergesse ich nicht, dass es auch noch einen Peter Herbolzheimer gegeben hat)

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Besetzung:
SFB-Tanzorchester unter der Leitung von Paul Kuhn

Eugen Cicero (piano)
Milo Pavlovic (trumpet)
Åke Persson (trombone)
Leo Wright (saxophone)

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Titel:
01. Saturday Night (Styne/Cahn)
02. Bye Bye Blues (Lown/Gray/Bennett/Hamm) 2.29
03. Caravan (Ellington7Mills/Tizol) 3.14
04. Schwarze Augen (Traditional) 3.07
05. My One And Only Love (Wood/Mellin) 4.06
06. Big Mama Cass (Sebesky) 3.04
07. Mademoiselle Ninette (Hildebrandt/Winhauer) 2.31
08. Memphis Underground (Mann) 4.30
09. Alone Together (Schwartz) 4.12
10. Strippin (Kuhn) 1.43
11. The Windmills Of Your Mind (Bergman/Legrand) 3.22
12. Rush Hour (Kuhn) 3.16

LabelB1

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Paul Kuhn (* 12. März 1928 in Wiesbaden; † 23. September 2013 in Bad Wildungen)

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg – Wolfgang Amadeus Mozart aus der Messe in c-moll Salzburg 1783 (1963)

FrontCover1Früher gab es solche Platten nur für die erlauchte Schar der Ärzeschaft, heute gibt es solche Platten  für jedermann und zwar hier …

Die Rede ist wiedermal von jenen Singles, die als Werbegeschenke an die damalige Ärzteschaft kostenlos und „frei Haus“ verteilt wurden, um ein spezielles Medikament zu promoten.

Hier geht es um das Präperat „Supra-Mycin“ der „Chemie Grünenthal GmbH“ (Stolberg).

Dabei handelt es sich um ein Medikament „mit der breiten Klaviatur therapeutischer Möglichkeiten“. Aber so ganz genau habe ich es nicht kapiert, bei welchen Indikationen dieses Medikament damals eingesetzt werden sollte … *schäm*.

Und das pharamzeutische Unternehmen „Chemie Grünenthal“ erwarb sich Anfang der 60er Jahre einen leider sehr traurigen Ruf:

Die Grünenthal GmbH ist ein 1946 in Stolberg (Rhld.) gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Aachen, das sich in Besitz der Unternehmerfamilie Wirtz befindet. Es war das erste Unternehmen, das Penicillin auf dem deutschen Markt einführte, dessen Produktion in Deutschland damals vom Alliierten Kontrollrat untersagt war.

Größere Bekanntheit erlangte Grünenthal durch den Contergan-Skandal, verursacht durch den Wirkstoff Thalidomid im damals als Schlafmittel vertriebenen Contergan. Contergan wurde 1957 als rezeptfrei erhältliches Beruhigungsmittel eingeführt und 1961 wegen gravierender Nebenwirkungen aus dem Verkehr genommen.

Das Unternehmen hat neben den beiden Niederlassungen in Deutschland Tochtergesellschaften in Europa, Lateinamerika, den USA und China und erzielt mehr als 50 % seines Umsatzes mit Schmerzmedikamenten, wie dem von ihm entwickelten Wirkstoff Tramadol. Grünenthal investiert 2012 mehr Geld als der Durchschnitt der Pharmafirmen in Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel[3] und ist Mitglied im Verband forschender Arzneimittelhersteller. (Quelle: wikipedia)

JürgenJürgens

Jürgen Jürgens

Jürgen Jürgens (* 5. Oktober 1925 in Frankfurt am Main; † 4. August 1994 in Hamburg) war ein deutscher Chorleiter und Dirigent.Eingespielt wurden diese Mozart Kompositionen unter der Leitung des Dirigenten Jürgen Jürgens (eine solche Namensgebung mag man kaum glauben):

Jürgens erhielt seine musikalische Ausbildung in seiner Heimatstadt bei Kurt Thomas am Musischen Gymnasium und studierte später bei Konrad Lechner in Freiburg. 1961 wurde Jürgens per Lehrauftrag zum Leiter der „Akademischen Musikpflege“ und am 15. Februar 1966 zum Universitätsmusikdirektor an der Universität Hamburg ernannt. 1973 folgte die Ernennung zum Universitäts-Professor. 1955 gründete er den Monteverdi-Chor Hamburg, den er bis zu seinem Tod leitete und der sich besonders der Pflege Alter Musik und des Werks von Claudio Monteverdi widmet. Zusammen mit dem Chor nahm er zahlreiche Schallplatteneinspielungen auf, von denen viele mit Schallplattenpreisen bedacht wurden. Berühmt machte ihn die Einspielung der Il Vespro della Beata Vergine (Marienvesper) von Claudio Monteverdi mit dem Monteverdi-Chor Hamburg und dem Concentus Musicus Wien in einer von ihm für die Aufnahme erstellten Ausgabe. Jürgens war auch Herausgeber von zahlreichen Noteneditionen, gab Dirigier-Meisterkurse und war Juror in diversen Chorwettbewerben.

1985 wurde er vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Biermann-Ratjen-Medaille für seine künstlerischen Verdienste um die Stadt Hamburg geehrt, 1991 mit der Johannes-Brahms-Medaille. Beigesetzt wurde er auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg. (Quelle: wikipedia)

Und natürlich sticht der betörende, atemberaubende Gesang von Rohtraud Hansmann (diesen Vornamen habe ich bisher ja noch nie gehört) hervor … Und normalerweise bin ich für Gesangsaufnahmen dieser Art eher weniger empfänglich, aber diese Dame … die hat´s drauf !

Rohtraud Hansmann

Rohtraud Hansmann

Sie arbeitete zuerst als Sekretärin und ließ dann sechs Jahre lang ihre Stimme am Konservatorium von Graz ausbilden. Sie besuchte Sommerkurse am Salzburger Mozarteum und studierte auch bei Paula Lindberg in Amsterdam. 1960 Debüt am Stadttheater von Graz als einer der Knaben in der »Zauberflöte«. Es schlossen sich regelmäßige Gastspiele an der Niederländischen Oper in Amsterdam an; 1963 war sie bei den Festspielen von Bregenz als Räuberbraut in »Banditenstreiche« von Fr. von Suppé erfolgreich. 1963 erhielt sie den Mozartpreis beim Internationalen Gesangwettbewerb von Wien. 1964 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Sie gastierte an führenden europäischen Bühnen und trat bei internationalen Festspielveranstaltungen auf, so bei den Wiener Festwochen, beim Flandern Festival und beim Festival von Dubrovnik. Vor allem hatte sie als Konzertsängerin eine erfolgreiche Karriere, und zwar einmal als Solistin in Oratorien und religiösen Vokalwerken, vor allem aber auch als Liedersängerin. Dabei standen Werke aus der Barock-Epoche in ihren Konzertprogrammen an führender Stelle, namentlich Werke von J.S. Bach. Sie trat als Konzertsolistin in Brüssel, Paris, Hamburg, Wien, Berlin, Frankfurt a.M., München, Stockholm und London auf und unternahm eine Australien-Tournee.

Also: einfach mal testen, kostet ja nix !

Booklet

Besetzung:
Rohtraud Hansmann (sopran)
Werner Kauffmann (organ)
+
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
+
Monteverdi-Chor Hamburg

unter der Leitung von Jürgen Jürgens

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Titel:

01. Messe in c-moll (Teil 1)
Gloria In Excelsis Deo. Et In Terra Pax Hominibus Bonae Voluntatis. +   Laudamus Te. Benedicimus Te. Adoramus Te. Glorificamus Te.  7.13

02. Messe in c-moll (Teil 2):
Et Incarnatus Est De Spiritu Sancto Ex Maria Virgine: Et Homo Factus Est. 7.21

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

LabelA1

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Gerhard Polt – Abfent, Abfent (2011)

TitelDas hätte einen ja auch gewundert, wenn ein Gerhard Polt die „staade Zeit“ nicht auch genutzt hätte, um sie auf seine Weise zu beleuchten. Auf seineWeise, das heißt dann … bitterböse, satirisch und mit jener Prise schwarzem Humor gewürzt, der für Polt so charakteritisch ist:

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit präsentiert der größte lebende bayerische Satiriker eine Sammlung neuer und bekannter Stücke rund um die „Stade Zeit“. Wenn vorweihnachtlich die Kassen zu klingeln beginnen, versuchen ja heutzutage selbst Heavy-Rocker und Gangster-Rapper mit Glockenklang verzierten Schnulzen aus dem allgemeinen Besinnungstaumel Kapital zu schlagen. Bei Polt ist der Blickwinkel auf die stillen Tage natürlich ein ganz anderer: Mit beißender Ironie seziert er das rituelle Absolvieren vorweihnachtlichen Pflichtprogramms in der großstädtischen Kleinfamilie („Sankt Nikolaus“), beobachtet Radioreporter auf brauchtumsmäßiger Feldforschung beim Gschwendtner-Bauern (das großartige „Advent“) und die von vorweihnachtlicher Nächstenliebe ergriffene Familie Böhm auf der Suche nach einem „Einsamen“, der bei ihnen den Heiligen Abend verbringen möchte (der aber natürlich „koa Ausländer, Raucher, Jugendlicher oder Tatterer“ sein darf).

Polt-Fans könnten zunächst enttäuscht sein, dass ein Teil der 14 Stücke (wenn auch in anderen Versionen) schon von früheren Polt-Platten oder aus der Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben bekannt sind — aber die neuen Stücke rechtfertigen die Anschaffung dann doch. Ob Poltist oder nicht — Abfent, Abfent…! ist als mentale Vorbereitung aufs Fest der Feste ideal und kann, wenn einen durch eine Überdosis Plätzchen, Glühwein oder weihnachtlicher Kaufhausmusik der Adventskoller packt, durchaus befreiend wirken. (Hanno Güntsch)

Gerhard Polt, geboren 1942 in München, aufgewachsen im Wallfahrtsort Altötting, studierte in Göteborg und München Skandinavistik. Seit 1975 brilliert Polt als Kabarettist, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur („Jean-Paul-Preis“) ausgezeichnet. Polt lebt und schreibt in Schliersee, München und Terracina. Bei Kein & Aber sind zahlreiche Bücher, CDs und DVDs von und mit ihm erschienen, zuletzt die Werkausgaben „Bibliothek Gerhard Polt“ (10 Bände und ein Begleitbuch) und „Opus Magnum“ (9 CDs im Schuber) und das Interviewbuch mit Herlinde Koelbl „Gerhard Polt und auch sonst“.

Irgendwie bin ich mir sicher, dass ein jeder in dieser Text-Sammlung fündig wird; und besonders veredelt wurde dieses Büchlein durch die Illustrationen eines Volker Kriegel (* 24. Dezember 1943 – † 14. Juni 2003) .. kennt den eigentlich noch jemand ?

 

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Und hier geht´s zum gleichnamigen Hörbuch (click on the pic):

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Berliner Philharmoniker – Aus der neuen Welt (Dvorak) (1966)

FrontCover1.JPGDie 9. Sinfonie e-Moll op. 95 (B 178) Antonín Dvořáks trägt den Namen Aus der Neuen Welt (Z nového světa), da sie von Dvořáks dreijährigem Amerika-Aufenthalt inspiriert wurde. Sie wurde zu Lebzeiten des Künstlers als seine 5. Sinfonie bekannt.

Als Antonín Dvořák 1892 amerikanischen Boden betrat, um der Berufung zum Direktor des National Conservatory of Music of America Folge zu leisten, war er bereits ein weltbekannter Komponist. Seinen Ruhm begründete er mit den Kompositionen Die Erben des Weißen Berges (1872), früheren Sinfonien, den Mährischen Duetten und den Slawischen Tänzen. Es war daher nicht verwunderlich, dass Jeannette Thurber, die Witwe eines wohlhabenden Kaufmanns und Mitbegründerin des New Yorker Instituts, ihm diesen lukrativen und prestigeträchtigen Posten anbot.

Mit der 9. Sinfonie, die während seines dreijährigen Amerika-Aufenthaltes entstand, schuf Dvořák sein wohl populärstes sinfonisches Werk. Obwohl Dvořák als Dirigent und Lehrer die Aufgabe übernommen hatte, eine junge Musikergeneration heranzubilden, die einen national-amerikanischen Musikstil entwickeln sollte, ist seine 9. Sinfonie keinesfalls amerikanische Musik. In einem Zeitungsinterview erklärte er seine Vorgehensweise:

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Antonín Dvořáks

„Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl Indianischer Melodien, die mir ein Freund gab, und wurde gänzlich durchtränkt von ihren Eigenschaften – vielmehr ihrem Geiste. Diesen Geist habe ich in meiner neuen Sinfonie zu reproduzieren versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden. Ich habe schlichtweg originäre Themen geschrieben, welche die Eigenheiten der Indianischen Musik verkörpern, und mit den Mitteln moderner Rhythmen, Harmonie, Kontrapunkt und orchestraler Farbe entwickelt. […]
Nun, ich stellte fest, dass die Musik der Neger und die der Indianer praktisch identisch war.“ (Antonín Dvořák)

Der letzte Satz illustriert, dass Dvořáks Kenntnis authentischer Musik von Indianern und Schwarzen nicht sehr tiefgehend gewesen sein kann. Die Einflüsse sind dennoch in verschiedenen harmonischen und rhythmischen Eigenheiten der Sinfonie erkennbar. So basiert die Englischhorn-Melodie des 2. Satzes auf der halbtonlosen fünftönigen Skala der Pentatonik, die in der Musik der Indianer gebräuchlich war. (Wichtiger ist aber die große Rolle, die Longfellows Dichtung über Hiawatha – das ist der Häuptling, der den Irokesen-Bund der Indianer begründete – in der Sinfonie spielt, siehe unten.) Rhythmisch fallen auch die für Negro Spirituals typischen Synkopen auf (1. und 3. Hauptthema des 1. Satzes). Daneben zeigt sich unverkennbar der böhmische Musiker mit seiner in der heimatlichen Volksmusik verwurzelten Tonsprache, wie z. B. beim gemütvollen Ländler des Scherzo-Trios.

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Die Themen der Ecksätze sind kurz und prägnant und der oben erwähnten Grundkonzeption zyklisch untergeordnet: das 1. Hauptthema des 1. Satzes erscheint in allen folgenden Sätzen. Im Finale sind außerdem die Hauptthemen des 2. und 3. Satzes andeutungsweise verarbeitet.

1. Satz: Adagio – Allegro molto:
Der erste Satz beginnt mit einer wehmütigen langsamen Einleitung. Das durch ein Unisono der Streicher und harte Paukenschläge sich allmählich entwickelnde Allegro ist von mitreißendem Schwung erfüllt. Das Hauptthema steigt in den Hörnern auf und wird sogleich vom ganzen Orchester aufgenommen. Ein zweites Thema erscheint zunächst in den Holzbläsern, bevor es gesteigert und rhythmisch verändert wird. Gleichen Charakters tritt hiernach ein Seitengedanke in der Flöte auf, der beide Themen zu verbinden sucht. Beide Themen werden ausführlich verarbeitet. Die Coda bricht mit Urgewalt herein und beendet den Satz in donnerndem e-Moll.

2. Satz: Largo:
Der zweite Satz wurde vom Komponisten als „Legende“ bezeichnet. Dieser bewegende Trauergesang ist nach Dvořáks eigenen Worten durch eine Szene aus Longfellows schon erwähntem Poem „Hiawatha“ angeregt worden und vertont gleichsam die Totenklage Hiawathas, dessen treue Gefährtin Minnehaha dahingeschieden ist. Diese amerikanische Dichtung hatte Dvořák durch die Übersetzung seines Landsmannes Josef Vaclav Sladek kennengelernt. In schmerzlicher Melancholie singt das Englischhorn die Hauptmelodie, mit der dieser Satz in erhabener Ruhe an- und ausklingt.

Ein neuer Gedanke taucht auf und wird wirkungsvoll von Streichertremoli begleitet. Dieses etwas schnellere, ebenfalls gesangliche Thema wird schließlich geschickt mit der Totenklagemelodie verbunden. Wenig später löst eine heitere, an Vogelgesang erinnernde Flötenmelodie einen Stimmungswechsel aus, der sofort vom hervorbrechenden Hauptthema des ersten Satzes unterbunden wird. Das Englischhorn trägt wieder das Hauptthema des Largos vor, mit dem der Trauergesang verklingt.

Originalnoten

3. Satz: Scherzo, molto vivace:
Das Scherzo beginnt mit einem rhythmisch markanten Thema, das den Festtanz der Indianer zur Hochzeit Hiawathas vorbereitet. Wieder ist eine Szene aus Longfellows Epos musikalisch nacherlebt. Dennoch ist die Thematik böhmisch und volkstümlich. Das Scherzo hat einen lyrischen Mittelteil und ist damit komplizierter gebaut als die anderen Scherzi Dvořáks und wurde in dieser Konzeption auch von Anton Bruckner verwendet. Zwischen Scherzo und Trio klingt in den tiefen Streichern leise und bedrohlich das Hauptthema des ersten Satzes an. Das Trio-Teil besteht aus einer anmutigen Walzermelodie, die in ihrer sprunghaften Rhythmik typisch tschechisch ist. Dieser Satzteil bringt die Sehnsucht nach der Heimat zum Ausdruck; er unterbricht vorübergehend das Bild des Freudentanzes der Indianer. Kurz vor dem Ende setzt sich mit aller Kraft wieder das Hauptthema des ersten Satzes durch.

4. Satz: Allegro con fuoco:
Der letzte Satz ist von einer Dynamik erfüllt, wie sie Dvořák zuvor wohl nur in seiner 7. Sinfonie erreicht hatte. Vom vollen Orchester wird das marschartig energische Hauptthema vorgetragen, das pathetisch von der „Neuen Welt“ kündet. Das zweite Thema in den Klarinetten dagegen drückt Dvořáks Sehnsucht nach seinem Vaterland aus.

Kaum ist es verklungen, spitzt sich das Geschehen zu und das erste Thema setzt sich weiter durch. In der Folge wird es mannigfaltig verarbeitet; in diesem Prozess tauchen immer wieder auch Motive aus den ersten drei Sätzen auf. Ein Orchestertutti schmettert anschließend das Hauptthema nahezu gewaltsam heraus, ein Vorgang, der das musikalische Geschehen fast zum Erliegen bringt und durch das zweite Thema fortgesetzt wird. Wieder bricht sich das Hauptthema seine Bahn und führt den Satz zu einem alles mitreißenden Höhepunkt, dem nach einem letzten Innehalten die triumphale Coda folgt. Der Satz wird mit einigen Akkorden beendet, von denen der letzte von den Bläsern ausgehalten wird, was statt eines abrupten Endes ein langsames Verklingen zur Folge hat.

Die Weltpremiere der Sinfonie spielten am 16. Dezember 1893 die New Yorker Philharmoniker in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung von Anton Seidl. Dvořák schrieb über das Konzert: „Die Zeitungen sagen, noch nie hatte ein Komponist einen solchen Triumph. […] Die Leute applaudierten so viel, dass ich aus der Loge wie ein König!? alla Mascagni in Wien mich bedanken musste.“ Die erste Aufführung der Sinfonie Aus der neuen Welt auf dem europäischen Kontinent erfolgte am 20. Juli 1894 in Karlsbad. Die Sinfonie wurde allerorten gefeiert und schnell zum größten Erfolg des Komponisten in dessen Laufbahn.

Die Sinfonie ist heute das bekannteste Werk Dvořáks und gehört zu den meistgespielten Sinfonien weltweit. Dvořák schrieb und plante nach diesem Werk keine weitere Sinfonie mehr. Er begab sich 1895 nach Europa zurück. (Quelle: wikipedia).

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Hier das Werk in einer seltenen Einspielung der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Otto ‚Gerdes:

Otto Gerdes (* 20. Januar 1920 in Köln; † 15. Juni 1989) war ein deutscher Dirigent und Musikproduzent.

Gerdes studierte an der Musikhochschule Köln. Im Jahr 1946 gründete er in Köln ein Tanzorchester, bestehend aus 15 Musikern, das dann als „Kölner Rundfunk-Tanzorchester“ dem NWDR Köln zur Verfügung stand, der damals Nebenstelle des in Hamburg residierenden NWDR war und eine einzige Mittelwelle betrieb.

Das Orchester wurde im Herbst 1947 aufgelöst. Otto Gerdes übernahm beim Sender Koblenz des im Aufbau befindlichen Südwestfunks (SWF) die Dirigentenstelle des Unterhaltungsorchesters. Infolge des Umzugs der Landesregierung von Rheinland-Pfalz von Koblenz nach Mainz ergaben sich beim Sender Koblenz ebenfalls Umstellungen.

Gerdes übernahm später Dirigate bei anderen Orchestern, nun aber im Gegensatz zur Kölner Tätigkeit immer im E-Bereich, also der sogenannten „ernsten“ Musik. Er war als Dirigent, Musikproduzent und künstlerischer Leiter bei Opernhäusern in Berlin und Otto Gerdes01München tätig und ging 1956 in gleicher Eigenschaft zur Deutschen Grammophon.

Der Musikkritiker Norman Lebrecht berichtet in einem seiner Bücher, Otto Gerdes sei aus den Diensten der Plattenfirma entlassen worden, kurz nachdem er morgens den Dirigenten Herbert von Karajan jovial mit „Herr Kollege“ begrüßt habe.

Mit den Rundfunk-Sinfonieorchestern Berlin und Leipzig spielte er für das DDR-Label „Eterna“ verschiedene Titel ein und war dem Vernehmen nach auch für die tschechoslowakische „Supraphon“ tätig.

Otto Gerdes war verheiratet mit der Opernsängerin Margot Janz (1920–2008). Die Ehe wurde in den 1960er Jahren geschieden.

Gerdes erhielt im Jahre 2001 posthum den Ehrenorden der freien Musiker-Loge Baden-Baden für sein Lebenswerk. (Quelle: wikipedia)

Dieser ganz sicher nicht immer knisterfreie Vinyl-Rip ist dennoch beeindruckend und dient quasi als Appetithappen … für diverse andere Interpretationen, die man dann irgendwo auch knisterfrei bekommen kann.

Prädikat: furios !

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Besetzung:
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Otto Gerdes

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Alternatives Front + Back Cover aus UK

Titel:
01. 1. Satz: Adagio: Allegro Molto 9.24
02. 2. Satz: Largo 12.37
03. 3. Satz: Molto Vivace 8.00
04. 4. Satz: Allegro Con Fuoco 11.02

LabelA1

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Rosi Mittermaier, Manfred Vorderwülbecke + Max Greger – Die neue Tele Ski-Gymnastik (1977)

FrontCover1Kommt gerade recht, dieses Album, zumindest für all jene, die sich nun auf die Wintersaison einschließlich eigener Ski-Aktivitäten freuen und vorbereiten wollen..

Wer Rosi Mittermaier ist, wissen vermutlich (fast) alle, wer Max Greger ist, sollten eigentlich alle wissen und Manfred Vorderwülbecke war damals – also in den 70er Jahren auch kein unbekannter:

Manfred Vorderwülbecke (* 3. Januar 1940) ist ein deutscher Sportjournalist und Autor.

Vorderwülbecke war von 1950 bis 1954 Mitglied der Regensburger Domspatzen. Er studierte Germanistik und Sport und schloss mit dem Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Er ist staatlich geprüfter Skilehrer und ehemaliges Mitglied des deutschen Skilehrer-Lehrteams. Daneben moderierte er auch die Fernsehreihe Tele-Ski.

Vorderwülbecke war in den 1980er Jahren bei der ARD Sportreporter und Moderator der Sportschau. Sein Spezialgebiet war der Wintersport, insbesondere der Skilanglauf. Er schrieb mehrere Sachbücher zum Thema Skifahren, Aerobic und Bewegungsspiele für Vorschulkinder.

Seit mehreren Jahren lebt er in Südafrika. Seine Tochter Nina arbeitet in Kapstadt als Meeresbiologin. (Quelle: wikipedia)

VorderwülbeckeMittermaier

Manfred Vorderwülbecke + Rosi Mittermaier

Und dann habe ich genau zu dieser ulkigen LP eine mehr als launige Besprechung gefunden, die euch nicht vorenthalten will:

Kinder der 70er und 80er Jahre dürften sie noch kennen: die Gymnastiksendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sei es die in zackigem Ton moderierten Aerobic-Shows oder gar – dem Zeitgeist folgend – die praktischen Breakdance-Einführungen für Jedermann. Der absolute Klassiker der kalten Jahreszeit und Prototyp aller Fitnessvideos war aber unangefochten die TV-Skigymnastik von und mit dem Sportschaumann und Wintersportexperten der ARD, Manfred Vorderwülbecke.

Vorderwülbecke

Manfred Vorderwülbecke

So klangvoll wie sein Name waren auch seine mit dezent-bayrischem Zungenschlag vorgetragenen Anleitungen. Als Zugpferd außerdem mit dabei: Rosi Mittermaier. Die sei, so wurde einem als Kind gesagt, mal Olympiasiegerin gewesen. Heute kennt man sie als regelmäßigen Bestandteil

irgendwelcher RTL-Chartshows, in denen sie mit ihrem Mann Christian Neureuther von alten Abba-Songs schwärmen darf (“Ja, mei, des war schee”).

Doch zurück zur Tele Ski-Gymnastik: Hierbei ging es grob gesagt darum, sich ab Spätherbst per wöchentlichem Heimtraining fit für die kommende Skisaison zu machen. Begleitend zu den im Dritten ausgestrahlten Sendungen gab es auch Bücher und eben diese Schallplatte, die ich irgendwann in den Neunzigern auf einem Flohmarkt in die Hände bekam – und natürlich sofort zugriff.
Schon das Cover ist der Hammer: Die Hosts Vorderwülbecke und Mittermaier im feschen, schneeweißen Gymnastikoutfit, dahinter – leider ohne Beine hineinretuschiert – der für die Musik zuständige und über beide Ohren grinsende Max Greger. Bis auf diesen sympathischen Grafiker-Fauxpas gibt es aber am Artwork nix auszusetzen. Klassischer und unverkennbarer 70er Jahre Stil. Ein echter Hingucker, von vorne wie von hinten, wo der damalige Bundespräsident höchstpersönlich abgebildet ist. Und auf den Innenseiten des aufklappbaren Covers gibt es für den Heimeinsatz eine hilfreiche visuelle Darstellung der Übungen:

RosiMittermaier

Rosi Mittermaier, 1976

Also Platte auflegen und los geht’s zum Sound vom Greger-Max. Der groovt sich mit seinem Orchester durch die Trainingselemente, die mit zünftig-elanvollen Namen wie “Zwei Brettl im Schnee”, “Jumping in the Snow”, “Winter auf der Alm” oder “Happy Skier” betitelt sind. Swingender Big-Band-Style, der einem die Bilder der TV-Show noch einmal vor das innere Auge holt. In seinem Fernsehstudio hatte Vorderwülbecke immer eine bunte Crew in Trainingsanzügen um sich geschart: neben Ski-Promis wie Mittermaier/Neureuther gewöhnliche Leute aller Altersgruppen, von artigen Kindern über gemütliche Familienväter bis hin zu rüstigen Senioren. Sie alle machten – dauerlächelnd und niemals schwitzend – die einzelnen Übungen vor, die im heimischen Wohnzimmer pflichtbewusst vor der Glotze nachgeturnt wurden. Oder auch nicht, je nachdem. Immer dazu gehörten auch kurze Filmchen mit Benimmregeln für die Piste. Ein lustiges Kerlchen namens “Fuzzy, der Pistenschreck” sollte dem Zuschauer eigentlich zeigen, wie es nicht geht, hatte aber mit seinem Didi-Hallervorden-Flavour trotzdem die Lacher stets auf seiner Seite.

DieNeureuthers

Eine wahrlich sportliche Familie: Felix Neureuther, Christian Neureuther, Rosi Mittermaier

Doch im Prinzip war das alles nur ein langes Warmup für das tatsächliche Highlight zum krönenden Abschluss einer jeden Episode: die Kamerafahrt über eine Weltcup-Abfahrtspiste. Für die solche simplen Effekte noch zu würdigen wissende damalige TV-Gemeinde hieß das: Tief in die Hocke gehen, federn, schanzen, Kurven kratzen. Während der anstrengenden Trockenübung trugen einen die schnellen Greger-Beats schwungvoll dem virtuellen Tal entgegen, während ein geduldiger Vorderwülbecke – der Traum von einem Sportpädagogen – aus dem Off Durchhalteparolen skandierte und auch für den ungelenkigsten Sofasportler noch aufmunternde Worte fand – nie autoritär, sondern stets sanft und väterlich. Die letzten Meter, dann die Zieleinfahrt. Geschafft! Noch ein paar abschließende Lockerungsbewegungen zu “Zwei Brettl im Schnee”, dann war die Gymnastikstunde zu Ende.
Auf der Platte verabschiedet sich Vorderwülbecke an dieser Stelle mit den Worten: “Vielen Dank fürs Mitmachen. Entspannen Sie sich und testen Sie zwischendurch auch einmal unser Trainingsprogramm auf der A-Seite.” Im Fernsehen lief danach Bonanza.(mellokat auf bodenseebass.com)

Also: eine LP mit großem Heiterkeitsfaktor …

P.S.: Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich der geborene Anti-Skifahrer bin ?

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Besetzung:

Sprecher:
Rosi Mittermaier
Manfred Vorderwülbecke

Musik:
Max Greger Orchester

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Titel:

01. Die neue Tele Ski-Gymnastik (Teil 1) 22.24
01.01. Zwei Brettln Im Schnee (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 0.18
01.02. Wedelspringen – Fröhliche Abfahrt im Schnee (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 1.45
01.03. Abfahrt / Kanten – Up And Down (Greffenius) 1.55
01.04. Langlaufschwingen – Loipenwalzer  (Greffenius) 1.00
01.05. Schlittschuhschrittspringen – Skating On Ski (Ehrlinger/Greffenius) 0.56
01.06. Beckenkreisen – Der Winter kommt (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 0.45
01.07. Beinedrehen – Turn Your Legs (Greffenius) 0.40
01.08. Pflugspringen – Jumping In The Snow (Ehrlinger/Greffenius) 0.50
01.09. Entspannungstraining – Relax For A While (Drexler/Schmidt) 0.55
01.10. Schneidersitz / Rückenrollen – Take Seven (Ehrlinger/Greffenius) 0.41
01.11. Doppelstockschub – Sticks Going Up And Down (Greffenius) 0.35
01.12. Pflugschwung – Der erste Schwung (Ehrlinger/Greffenius) 0.50
01.13. Wedelfinale – Zwei Bretteln im Schnee (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 1.46

02. Die neue Tele Ski-Gymnastik (Teil 2) 21.53
02.01. Zwei Bretteln im Schnee (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 0.15
02.02. Ski Mambo (Narrholz/Greffenius/Tyskiewicz) 1.00
02.03. Umsteigen – Umsteigen bitte (Greffenius) 0.58
02.04. Parallelschwingen – Winter auf der Alm (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 0.46
02.05. Langlauf-Springen – Happy Skier (Greffenius) 0.58
02.06. Ausgleichen – Hoch und tief (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 0.38
02.07. Innenski-Charleston – Ski A La Charleston (Greffenius) 1.00
02.08. Entspannungstraining – Wintertraum (Drexler/Schmidt) 0.30
02.09. Wedeln / Kanten – Wedeln zu zweit (Greffenius) 0.46
02.10. Kniestand / Absitzen – Romantic Skiing (Greffenius) 0.58
02.11. Klammern – Fröhliche Schussfahrt (Ehrlinger/Greffenius) 0.45
02.12. Abfahrtstest – Downhill (Traditional/Ehrlinger/Greffenius) 1.35

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Brigitte Extra – Traumhafte Weihnachtsbäckerei (2012)

TitelJetzt erstmal ganz nüchtern:

Als Plätzchen (Diminutiv von mundartlich Platz, „flach geformter Kuchen“, nach der flachen Form übertragen von Platz aus altfranzösisch place) bezeichnet man allgemein zu den Feinbackwaren gehörendes süßes Kleingebäck wie Kekse, Konfekt und Ähnliches. Plätzchen sind ein beliebtes Weihnachtsgebäck.

Ein unterschiedlicher Sammelbegriff ist Teegebäck.
Weihnachtsplätzchen

In Mitteldeutschland und Österreich werden Plätzchen als Kekse bezeichnet, in der deutschsprachigen Schweiz Biscuits, im Dialekt Güetzi, Guetzli, Chrömli und ähnlich, in Süddeutschland auch Platzerl, Bredla, Loible/Loibla oder Guatl/Gutsle/Guatsle, in der Schweiz vereinzelt Brötle (übergreifend für Süßigkeiten).

In den USA ist die Bezeichnung Cookies üblich. In Großbritannien nennt man sie Biscuits (ein englisches Lehnwort aus dem Französischen), auch wenn sie in der Zusammensetzung nicht unbedingt dem deutschen Biskuit entsprechen.

Die üblichen Formen sind runde Taler, rechteckige Schnitten, Ringe, Rauten, Makronen, Häufchen, Kipferl oder mithilfe von Ausstechformen erzeugte Figuren.

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Zu Weihnachten werden traditionell – vor allem in Familien – Plätzchen gebacken. Die rohen Plätzchen werden auf einem Backblech verteilt, das vorher mit Backpapier ausgelegt werden kann. Die Backzeit ist kurz. Dass die Plätzchen fertig sind, erkennt man an einer ganz leichten Bräunung der Oberfläche. Die Herstellung der verschiedenen Plätzchenarten unterscheidet sich durch die verwendeten Zutaten und vor allem bei der Ausformung des Teiges:

Der Grundteig für Plätzchen ist Mürbeteig
Ausstechen mit verschiedenen Ausstechformen aus ausgerolltem Mürbeteig, einfache Formen wie etwa Rauten werden auch mit einem Schneidrad hergestellt
Springerle und Spekulatius werden ausgemodelt, siehe Model.
Das Formen aus einer von Hand gefertigten Teigrolle: Vanillekipferl, Bethmännchen, im weiteren Sinne auch Brezel-, Ring- oder Phantasieformen.
Schneiden von Scheiben aus einer dicken, gekühlten Teig-Rolle
aus Teig gespritzt (Spritzgebäck) oder gepresst.

Häufig werden Plätzchen nach der hauptgeschmacksgebenden Zutat benannt, wie beispielsweise Anisplätzchen, Zimtsterne oder Kokosmakronen.

Die Plätzchenbäckerei entwickelte sich parallel zum Konsum von Kaffee, Tee und Kakao, in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert, v. a. beliebt bei den Damen der gehobenen Gesellschaft. Bei den Kaffeekränzchen wurden auch kleine Gebäckstücke gereicht. Außer Biskuitgebäck waren auch Formgebäcke (Springerle) beliebt. Alle Konditorei-Erzeugnisse, also auch die Plätzchen, waren bis weit in das 19. Jahrhundert hinein Luxus, denn Zucker und andere Zutaten wie Mandeln oder Kakao waren sehr teuer. Das änderte sich, als es gelang, billigen Zucker aus den heimischen Zuckerrüben zu gewinnen. Danach konnten Plätzchen auch in den einfachen Haushalten zu besonderen Anlässen gebacken werden.

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Pfefferkucheform; Kleiner Reiter, um 1900, Bestand des Museum Europäischer Kulturen

Während Plätzchen als Süßspeise konzipiert sind und der Genuss durch süßen Geschmack und Geschmacksbeigaben wie Nüsse und Gewürze im Vordergrund steht, steht beim Keks der Nährwert auf Grund seiner Herkunft als Proviant im Vordergrund (Quelle: wikipedia)

Und hier mal ein Brigitte Sonderheft aus dem Jahr 2012 zum Thema „Traumhafte Weihnachtsbäckerei“ (52 Seiten) … und ich mach´s mal kurz und schmerzlos: Wem hier nicht das Wasser im Mund zusammenkäuf, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Und noch ist es Zeit, sich inspirieren zu lassen (wie z.B. ich mit den Schoko-Amarena Kugeln oder den Aprikosen Kokos Plätzchen).

Und natürlich tun die stimmungsvollen Fotografien ihr übriges …

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Die Rückseite des Heftes

 

Debbie Milke – Der amerikanische Albtraum (aus: Der Spiegel 15/2015) (2015)

DerAmerikanischeAlbtraum01ADas ist die Geschichte der Berlinerin Debra Sadeik;

Debra Jean „Debbie“ Milke (* 10. März 1964 als Debra Sadeik in Berlin-Lichterfelde) ist eine US-Amerikanerin, die am 12. Oktober 1990 wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Sohn zum Tode verurteilt wurde. Während ihrer Zeit in der Todeszelle kamen zunehmend Zweifel an ihrer Schuld auf. Im September 2013 kam Milke frei, im Dezember 2014 wurde die Mordanklage aufgehoben.

Milke wurde am 10. März 1964 als Tochter eines US-Soldaten und einer Deutschen im Berliner Stadtteil Steglitz geboren und zog 1965 mit ihrer Familie nach Arizona in den Vereinigten Staaten. Dort heiratete sie 1984 Mark Milke, 1985 kam Sohn Christopher auf die Welt. Die Ehe wurde nach drei Jahren geschieden.

Am 2. Dezember 1989 fuhren Milkes Mitbewohner James Lynn Styers sowie dessen High-School-Freund Roger Mark Scott[3] mit dem vierjährigen Christopher in die Wüste, wo er erschossen wurde. Nach seiner Verhaftung behauptete Scott, Milke habe ihn und Styers mit dem Mord beauftragt, um an die Lebensversicherung in Höhe von 5000 US-Dollar zu kommen. Diese Lebensversicherung war aber lediglich Teil eines Sozialversicherungspakets, das allen Angestellten in Milkes Firma zustand, und wurde nicht von ihr gezielt abgeschlossen.

Im Anschluss wurde Milke durch den Mord-Ermittler Armando Saldate verhört, von dem polizeiintern bekannt war, dass er die Rechte von Verdächtigen missachtet und bereits unter Eid gelogen hatte. Im Prozess sagte Saldate aus, Milke habe ihm die Anstiftung zum Mord gestanden. Sie habe ihre Tat damit begründet, dass der Sohn nicht werden solle wie sein Vater. Allerdings wurde Milke nicht über ihre Rechte (Miranda Rights) aufgeklärt und ein Geständnis von Milke nie unterschrieben; es gab kein Protokoll des Verhörs, keinen Zeugen und keine Video- und/oder Tonaufnahme. Am 12. Oktober 1990 wurde Milke wegen Mordes, Verschwörung zum Mord, Kindesmissbrauch und Entführung schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

Debbie Milke mit Sohn Christopher, 1989

Debbie Milke mit Sohn Christopher, 1989

In den folgenden Jahren wurden immer mehr Zweifel an ihrer Schuld laut. So wurde beim Mittäter Roger Scott, der Milke belastet hatte, Schizophrenie festgestellt. Auch Armando Saldates Verhörmethoden kamen ans Licht und ließen Zweifel an Milkes Geständnis aufkommen. Obwohl Milke nur die US-Staatsbürgerschaft besitzt, setzten sich viele Prominente aus Deutschland für sie ein.

Der Termin für Milkes Hinrichtung wurde auf Januar 1998 festgelegt. Ein Arzt hatte bereits ihre Venen für den Zugang der Giftinjektion überprüft und auch ein Pfarrer hatte sie schon als seelischer Beistand besucht, bevor Milkes Anwälte die Hinrichtung noch verhindern konnten.

Nach mehreren Anläufen der Verteidigung wurde am 14. März 2013 das strittige Urteil schließlich vom für Arizona zuständigen Appellationsgericht, einer mit drei Richtern besetzten Kammer des United States Court of Appeals for the Ninth Circuit in San Francisco, aufgehoben und die Freilassung von Milke binnen 90 Tagen angeordnet. Gegen diesen Beschluss legte der Generalstaatsanwalt von Arizona, Tom Horne, Berufung ein, weshalb Milke vorläufig weiter in Haft bleiben musste. Diese Berufung wurde am 6. Mai 2013 verworfen.

Am 8. Juli 2013 ordnete das Bundesbezirksgericht schließlich an, den Prozess wieder aufzurollen oder Milke aus der Haft zu entlassen. Wenige Stunden nach dieser Entscheidung erhob das Arizona Attorney General’s Office erneut Anklage gegen Milke. Die Staatsanwaltschaft erwartete im bevorstehenden Prozess eine erneute Aussage von Armando Saldate, diesmal unter Eid.

Am 5. September 2013 wurde Milke gegen eine Kaution von 250.000 Dollar (190.000 Euro) freigelassen. Im Gerichtsbeschluss heißt es: „Das Gericht war bisher nicht in der Lage, die Glaubwürdigkeit von Saldate gegen die Glaubwürdigkeit der Angeklagten zu beurteilen und somit zu entscheiden, ob sie Saldate die Tat gestanden hat oder nicht.“ Die Richterin merkte in ihrer Begründung an, dass es so gut wie keine Beweise für einen Mordprozess gegen Milke gebe. Vorerst wohnte Milke in einer von Unterstützern bereitgestellten Wohnung. Sie musste eine elektronische Fußfessel tragen und durfte zwischen 21 Uhr und 6 Uhr das Haus nicht verlassen. Der Prozess sollte nicht vor Januar 2015 beginnen. Im Dezember 2013 entschied ein Gericht, dass der Hauptbelastungszeuge Saldate auf seinen Antrag hin nicht aussagen muss. Milkes Anwältin kündigte daraufhin an, eine Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Ein Gericht in Phoenix entschied am 18. April 2014, dass der Hauptbelastungszeuge gegen Milke doch aussagen muss.

Die Gefängniszelle der Debbie Milke + Debbie Milke mit dem Ermittler Saldate (bei der Festnahme)

Die Gefängniszelle der Debbie Milke + Debbie Milke mit dem Ermittler Saldate (bei der Festnahme)

Im Dezember 2014 ordnete ein Berufungsgericht an, die Mordanklage fallen zu lassen, da nach der Verfassung der Vereinigten Staaten niemand zweimal wegen desselben Vergehens vor Gericht gestellt werden dürfe. Am 18. März 2015 lehnte der Oberste Gerichtshof in Arizona eine weitere Anhörung ab, was einer Einstellung des Verfahrens gleichkam.

Debra Milke reichte eine Zivilklage gegen die verantwortlichen US-Behörden in Arizona ein, um Schadensersatz für die mehr als 24 Jahre zu erhalten, die sie unschuldig im Gefängnis verbrachte. Nach ihrer endgültigen Freilassung kündigte sie an, nach Deutschland zu ziehen. (Quelle: wikipedia)

Die Verteidiger (die Macho-Pose sei - angesichts der Verdienste beider Juristen - verziehen)

Die Verteidiger (die Macho-Pose sei – angesichts der Verdienste beider Juristen – verziehen)

Soweit in aller Kürze die Fakten … In der Prinausgabe des „Spiegels“ vom 4.4.2015 erschien dann ein 9seitiger Artikel, der sich eben nicht nur mit den Fakten beschäftigen, sondern vorrangig mit der schier unerträglichen Frage, wie ein Mensch mit so einem Damoklesschwert, leben, überleben kann.

Und bevor ich diesen „Spiegel“ dem Altpapier-Container übergebe, wollte ich zumindest diesen Artikel noch ein wenig für die Nachwelt erhalten.

Von daher: lesen, innehalten … auch solche Lebensläufe sind Teil unserer Geschichte.

Nach dem Freispruch am 23. März 2014

Nach dem Freispruch am 23. März 2014
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