Baumstam – On Tour (1976)

FrontCover1.jpgKennt kaum einer, muss man aber auch nicht kennen, dennoch: eine spannende Geschichte aus den Tagen des deutschen Kraut-Rocks der 70er Jahre.

Baumstam ist eine Rockband aus Witten. Die Rockband wurde 1972 von Gerd Stracke, Ulrich Klawitter, Michael Lobbe und Michael Willecke gegründet. Ab 1974 ersetzte der Dortmunder Volker Wobbe den Bassisten Michael Willecke. 1977 trennte sich die Band, die 2004 schließlich ihre Reunion feierte. Für Michael Lobbe kam Ulrich Klawitters Sohn Adrian Klawitter hinzu.

Gegründet wurde Baumstam 1972 von Gerd Stracke, Ulrich Klawitter, Michael Lobbe und Michael Willecke. In den ersten Jahren spielte die Band in ganz Deutschland auch große Hallen und Open-Air-Konzerte. Der Sound mit zwei „Heavy-Fuzz“-Gitarren ging als wegweisend in die deutsche Rockgeschichte ein. 1975 wurde die LP On Tour produziert. Diese LP hat heute in Sammlerkreisen Kultstatus und wird mit bis zu 600 Euro gehandelt. Die Songs werden auch heute noch zum Beispiel in den USA von verschiedenen Radiosendern ausgestrahlt. 1977 trennten sich die Musiker, da man sich nicht einigen konnte, das Plattenvertragsangebot der Deutschen Grammophon anzunehmen.

Konzertplakat.jpgZwischen 1977 und 2004 verloren sich die fünf Mitglieder zwar gegenseitig aus den Augen, aber nie den Hang zur Musik. So spielten Gerd Stracke und Ulrich Klawitter auch später noch unabhängig voneinander in unterschiedlichen Wittener Bands.

Anfang 2004 trafen sich die Musiker von Baumstam anlässlich einer Reissue der Platte On Tour wieder. Für Michael Lobbe stieß der junge Gitarrist und Keyboarder Adrian Klawitter hinzu. Im Januar 2005 erschien die LP/CD Dreams of Yesterday mit neuen Songs im typischen Baumstam-Stil. Anna Weigand (Gesang, Flöte, Percussion) unterstützte den Gesang bei dieser Musikproduktion und blieb von 2004 bis August 2006 in der Band. In den letzten Jahren kamen neuere Einflüsse auch durch Adrian Klawitter hinzu, wobei Baumstam nie den Bezug zur eigenen Geschichte verlor. Seit Anfang 2005 konnte man Baumstam wieder live erleben, und gab somit den Freunden rockiger Musik auf dem Boden der 1970er Jahre die Gelegenheit z. B. auf dem Ümminger Summertime Festival, im RIFF (Bochum) und dem FZW (Dortmund) sich der Musik zu erfreuen. Seit 2007 tourt Baumstam mit noch und wieder aktiven Bands aus der Krautära, wie z. B. Jane, Epitath und Birth Control oder war z. B. als Support für Stan Webb´s Chicken Shack zu erleben. 2008 gab es Gastspiele in Frankreich. Nach der Studio-CD Moment im Jahr 2008 erschien eine weitere Reissue der On Tour mit zwei neuen Liedern und Ende 2009 eine Live-CD und DVD der „Dusty Roads-Tour 2009“. Von Anfang 2009 bis März 2010 war die Band durch den Gitarristen Roman Ronzon verstärkt. Volker Wobbe nahm im Januar 2010 Abschied von der Bühne. Neuer Bassist der Band ist Jens Gubert. Im November 2011 wurde Rex Dehnhardt in die Band aufgenommen. Er spielt Keyboard. Zum 40. Bandgeburtstag ist im März 2012 das neue Studioalbum 72 – 12 = 40 (40th Anniversary) auf CD und LP veröffentlicht worden. Baumstam ist auf der 40th Anniversary Tour wieder live zu erleben. (Quelle: wikipedia)

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Baumstam, ca. 2005

Und da gigt´s einen, der hat mit ganz viel Liebe über diese Band geschrieben:

Die Geschichte der Band Baumstam beginnt hier mit einer bekannten Textzeile von Herbert Grönemeyer … Tief im Westen, wo die Sonne versinkt … Ja, tief im Westen von Deutschland liegt der Ruhrpott. Und mitten im Gewühl aus Hochöfen, Fördertürmen, Zechen und kleinen Arbeitersiedlungen zwischen Bochum und Dortmund liegt die Stadt Witten. Anfang der Siebziger dominierte in Deutschland der Krautrock, ein schwerer, orgellastiger Sound mit harten Gitarren und teilweise psychedelischen Strukturen. Bands schossen wie Pilze aus dem Boden und so geschah es auch in Witten, dass die ehemaligen Schulfreunde Ulrich Klawitter und Michael Lobbe an den Gitarren, Gerd Stracke an der Schießbude und Michael Willecke am Bass eine Band gründeten. Baumstam, geschrieben mit nur einem „M“ am Ende, wurde diese benannt und schwamm von Anfang an auf der Krautrockwelle mit.

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Schon bald bespielten Baumstam größere Hallen und auch Open Air Konzerte. Befreundet mit den Bands Franz K. und Faithful Breath gingen Baumstam mit Franz K. sogar auf gemeinsame Deutschlandtour. Ihr harter, von den beiden Fuzzgitarren bestimmter Sound war nicht gerade alltäglich und sorgte bei den Liveshows für Begeisterung. Dieser Sound mit den beiden harten Gitarren wird teilweise als wegweisend für die deutsche Rockgeschichte bezeichnet. Michael Willecke verließ 1974 die Band und wurde von Volker Wobbe am Bass abgelöst. Den Part am Schlagzeug übernahm Gerhard Meyer von Stracke. 1975 war es dann soweit. Baumstam fand sich im Knöterich Studio von Lothar Simmsheuser in Witten-Annen ein, und an nur einem Wochenende wurden die neun Stücke für die LP eingespielt.

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Ein Schaller Verzerrer und eine alte Framus Deluxe Gitarre – fertig war der maßgebende Fuzz-Sound der Gruppe. Aufgelegt wurde die Platte in Eigenvertrieb auf dem eigenen BMF Label mit der Katalognummer BS 6232 855. Recording Engineers waren Lothar Simmsheuser und Bernd Düfel. Der Chorusgesang wurde durch Düfel, Gerhard Meyer, Michael Lobbe und Birgitt Hahn eingesungen.

Los geht’s auf Seite Eins mit dem Titeltrack „On Tour“. Sofort schreit einen die fuzzige Gitarre an. Der Track, im Midtempo gehalten, hat einen stampfenden Groove und bringt einen sofort zum Kopfnicken. Das schöne Zusammenspiel der beiden Gitarren fällt sehr ins Gewicht. Klawitter singt mit heiserer, rauer Stimme, was sehr gut zum Sound passt. Das folgende „Lucky Strike“ könnte fast als Fortsetzung durchgehen, wäre da nicht der ruhigere Strophenteil der allerdings ab der Liedmitte in eine wahre Orgie an Gitarrenlärm übergeht. Akustischer und ruhiger gehalten beginnt Song Nummer drei, „Hold me“. In langsamer Geschwindigkeit gespielt und nur im Mittelteil mit schneller verzerrter Gitarre bringt der Track einen bluesigen Touch ins Spiel. Mit Jazz hat der vierte Song „Jazz Break“ relativ wenig zu tun. Groovend beginnt er, aber steigert sich im Laufe zu einer typischen schnellen Krautrocknummer, basierend auf der fuzzigen Leadgitarre.

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Ähnlich wie der Titeltrack pflügt „Dusty Road“ durch die Gehörgänge und bringt die Köpfe vier Minuten lang zum Wackeln. Das live eingespielte „Girl I want to stay into your Fire“ erinnert bei Stimmung und Gesang etwas an die alten Rory Gallagher Aufnahmen. Der Song treibt in seiner ungeschlachteten Rohheit ganz schön vorwärts. Mit Brandungsrauschen beginnt „Last Letter“. Die Akustikgitarre spielt die Rhythmusakkorde und die Elektrische schwirrt obenauf mit der Leadstimme. Der Gesang tönt in wehmütiger Stimmung dazu. Eine willkommene Abwechslung der sonst so treibenden Nummern. Schneller wird’s wieder mit „Fifteen Years old Mary“. Im Mittelteil agiert wieder eine Fuzzorgie. Wäre im abschließendem „He’s a Liar“ eine Querflöte dabei, man könnte den Song fast als Jethro Tull Komposition vermuten.

Die Qualität von Band und ihre Musik war bei den Fans beliebt und so hatte Baumstam keinen Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Durch die sehr gute LP Produktion wurden auch einige große Plattenfirmen auf die Wittener aufmerksam und gaben sich teilweise die Türklinke in die Hand. Da sich die Musiker aber nicht über einen angebotenen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon einigen konnten, trennte sich die Band 1977 und das Kapitel Baumstam war erstmal beendet. Für Ulrich Klawitter und Gerd Stracke war damals aber nicht Schluss mit der Musik, sie spielten unabhängig voneinander in Wittener Bands weiter.

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Im Rahmen einer Wiederveröffentlichung der LP On Tour auf dem Amber Soundroom Label trafen sich 2004 die Musiker wieder und stellten fest, dass anscheinend noch viel von der alten Magie vorhanden war. So kam es zur Reunion von Baumstam in der Besetzung Klawitter, Stracke und Volker Wobbe. Für Michael Lobbe kam Ullis Sohn Adrian „Adi“ Klawitter an Gitarre und Keyboards, und Anna Weigand für die Vocals und an der Flöte in die Band. Diese Mischung stimmte so sehr, dass Baumstam wieder ins Studio ging und die LP Dreams of Yesterday aufnahm. Recording-Engineer und Studiobesitzer der involvierten Fanton-Studios war wie 30 Jahre zuvor der altbekannte Lothar Simmsheuser. Die LP auf dem studioeigenen Schöne Töne Label enthält zehn neue Songs im altbekannten Baumstam-Stil. Seit Anfang 2005 spielt die Band auch wieder live in Deutschland und Frankreich. Anna Weigand verließ Baumstam 2006. Die Hinzunahme von Adi Klawitter frischte den Sound der Band mit neuen Einflüssen etwas auf, so dass schon 2007 die nächste Plattenaufnahme anstand. Moment lautet der Name der CD und wiederum zwei Jahre später kam eine Liveplatte zur Diskographie dazu.

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Die Dusty Roads Tour wurde im Juni 2009 in der Wittener WerkStadt mitgeschnitten und unter gleichlautendem Namen wie schon Moment und Dreams of Yesterday auf dem Schöne Töne Label herausgebracht. Auf der Live-CD finden sich neuere Songs genauso wie die alten Kracher der 75er On Tour. Als weiterer Gitarrist war Roman Ronzon mit dabei. Im Jahre 2012 stand das vierzigjährige Bandjubiläum an und so fand sich die Band wieder mal im Studio ein, um dem Jubiläum mit einer neuen Studio-LP Tribut zu zollen. Volker Wobbe wurde jetzt von Jens Gubert am Bass abgelöst und Rex Dehnhardt kam an den Keyboards zu Baumstam. Betitelt wurde das Jubiläumswerk mit der Gleichung 72 – 12 = 40. Der Sinn dahinter ist einfach … 1972 bis 2012 = 40 Jahre Baumstam. Herausgegeben wurde das Werk auf dem Green Tree Label, welches schon die On Tour mehrfach re-releast hatte und enthält elf neue Songs. Die 40th Anniversary Tour führte Baumstam durch zahlreiche Städte der Republik. Anfang 2014 verließ Gerd Stracke die Band, so dass eine weitere Umbesetzung vonnöten wurde. Adi Klawitter übernahm jetzt die Schlagzeugarbeit und Baumstam machen seitdem als Quartett weiter. Auch die Aufnahme eines weiteren Studioalbums ist geplant. Der geneigte Musikhörer darf sich also auf weitere Großtaten aus dem Hause Baumstam freuen und sich bis dahin an den bisherigen Werken aus blueslastigen Kraut-Stoner-Rock’n’Roll erfreuen. Hoffen wir, dass es so erfolgreich weitergeht.

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Da die Originalpressung der On Tour nur in sehr kleiner Auflage vertrieben wurde, bringen besterhaltene Exemplare heutzutage bis zu vierstellige Preise auf dem Markt, da die Platte weltweit extrem gesucht ist. Mittlerweile gibt es einige Nachpressungen auf Vinyl und CD, von denen einige mit Bonustracks ausgestattet sind, die aber nicht die Qualität der neun auf der LP enthaltenen Songs aufweisen können. Die originalen Tracks werden heute noch von einigen Sendern in den USA im Radio gespielt und dienen dem sogenannten Stoner-Rock als Vorbild oder Referenz. (stage-reptiles.com)

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Ganz so euphorisch bin ich insbesondere hinsichtlich des Gesanges nicht (die alte Krankheit: deutsche Bands dieser Jahre konnten nur auf sehr limitierte Sangeskünste zurückgreifen).

Aber was die Burschen mit ihren Instrumenten so alles anstellten, ist aller Ehre wert. Das ist Pog-Rock in Reinkultur und auch heute noch gut hörbar … soweit man allerdiengs mit diesem Kram etwas anfangen kann, so wie ich.

Und natürlich gibt es ganz viel Sympathiepunkte meinerseits.

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Besetzung:
Ulrich Klawitter (leadguitar, vocals)
Michael Lobbe (guitar, background vocals)
Gerhardt Meyer (drums, percussion, background vocals)
Volker Wobbe (bass)
+
background vocals:
Birgitt Hahn – Bernd Düfel

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Titel:
01. On Tour 3.23
02. Lucky Strike 3.29
03. Hold Me 6.08
04. Jazz Break 3.45
05. Dusty Roads 3.52
06. Girl I Want To Stay Into Your Fire (live) 4.01
07. Last Letter 4.57
08. Fifteen Years Old Mary 5,24
09. He’s A Liar 5.47
+
Tonband-Demo-Aufnahmen:
10. Roots One 7.44
11. Arbeit 9.22
12. Leben 3.57
13. Roots Two 5.43

Musik und Texte: Ulrich Klawitter – Michael Lobbe – Gerhardt Meyer – Volker Wobbe

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* (momentan offline)
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Hüllentext1

Irgendwie unfreiwillig komisch — aus heutiger Sicht

LabelsWiederveröffentlichung

Die Labels der Wiederveröffentlichung von 2004

Herbert von Karajan – Carmen (Georges Bizet) (1964)

FrontCover1Es gab ja mal eine Zeit in der Herbert von Karajan nicht auf immer und ewig mit der Deutschen Grammophon verbandelt war.

Und in jenen Jahren prangte sein Name auch noch nicht ziemlich groß auf der Hülle, dennoch hatte sich Karajan bereits einer schwergewichtigen Namen gemacht.

Seine 1964er Einspielung der Georges Bizet Oper „Carmen“ umfasste in der kompletten Originalausgabe 3 LP´s.

Hier die abgespeckte Version als Sonderanfertigung für die „Deutsche Buchgemeinschaft“ (Querschnittaufnahmen nannte man das damals wohl).

Über die Oper Carmen habe ich hier schon mal ausführlich berichtet. Wiederholungen kann ich mir also sparen.

Die Rückseite des Covers bietet ausführliche Informationen über die Oper an, gesungen wird in deutsch und ich bin eigentlich ganz froh, hier nur diesen Querschnitt präsentierten zu können.

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Das Original Cover mit den 3 LP´s

Aber wer weißt, welcher Teufel mich noch reiten wird. Vielleicht präsentiere ich mal die komplette Oper und dann aber 100% knisterfrei !

DasEnsemble

Das Ensemble

Besetzung:
Jean-Christophe Benoît (Bariton: Dancairo, ein Schmuggler)
Maurice Besançon (Tenor: Remendado, ein Schmuggler)
Franco Corelli (Tenor: Don José, Sergeant)
Bernard Demigny (Bariton: Moralés, Sergeant)
Mirella Freni (Sopran: Micaela, ein Bauernmädchen)
Monique Linval (Sopran: Frasquita, Zigeunerin)
Geneviève Macaux (Mezzo-Sopran: Mercédès, Zigeunerin)
Robert Merrill (Bariton: Escammillo, Torero)
Leontyne Price (Sopran: Carmen, Zigeunerin)
Frank Schooten (Bass: Zuniga, Leutnant)
+
Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan
Wiener Sängerknaben unter der Leitung von Helmuth Forschauer
Chor der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Wilhelm Pitz

BackCover1Titel:
01. Ouvertüre 2.15
02. Le cloche a sonnè 4.09
03. L´amour est ub oiseau rebelle 3.35
04. Prés dex vermparts de Séville 4.53
05. Les tringles des sistres tintaient 4.32
06. Votre toast 3.08
07. Nous avons en téte une affaire 4.57
08. Le fleur que tu m´avais jetée 10.09
09. Melons ! Coupons ! 7.51
10. C´est toi ! C´est moi ! 11.02

Musik:Georges Bizet
Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halévy

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Karajan 1964 am Steuer eines Flugzeuges auf dem Flughafen in Salzburg.

Karl May – Old Shatterhand 1 (Hörspiel) (1975)

FrontCover1Das Europa Label von der Miller International Schallplatten GmbH, Hamburg hat sich ja über die Jahre zu einem Art Kultlabel entwickelt. Und ganz sicher hat das auch was mit den Hörspielen, die auf Europa veröffentlicht wurden, zu tun. Und ganz sicher hat das auch damit zu tun, dass für viele diese Hörspiele einfach bleibende Erinnerungen aus Kindheit und Jugend darstellen. Ich freilich war 1975 allerdings schon aus diesem Alter raus *ggg*.

Und ein Autor wir Karl May hat dann natürlich das übrige getan, um kindliche Begeisterung zu entfachen.

Hier nun Teil 1 von „Old Shatterhand“ einschließlich – ganz wichtig –  „Original-Indianermusik und Kriegstänzen“.

Regie führte Heikedine König:

Heikedine Körting hat wie kaum jemand das Bild des kommerziellen Jugendhörspiels in Deutschland geprägt. Die von der Juristin und ihrem Gatten Dr. Beurmann für das EUROPA-Label entwickelten Serien und Einzeltitel gaben in der Bundesrepublik ab Ende der 60er bis in die 90er Jahre hinein in Sachen Qualität und Innovation eindeutig den Ton an. Allenfalls Gruner & Jahr konnten dabei zeitweilig mithalten.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends machen viele neue Hörspiellabels, welche die Vorteile des Internets für sich nutzen, vor allem mit Horror und harten Krimis von sich reden, während man bei EUROPA auf weniger schrille Töne setzt.

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Heikedine König

Ein Großteil der Veröffentlichungen dieser neuen Produzenten verdeutlicht, dass schlüssige Drehbücher, solide Regiearbeit und professionelle Sprecher, wie sie EUROPA unter Heikedine Körting und ihren Mitarbeitern über Jahrzehnte hinweg garantierten, keinesfalls selbstverständlich sind. Die hin und wieder in diversen Internetforen laut werdende und oft ins Persönliche abdriftende Kritik an Frau Körting mutet im Hinblick auf MCihre Verdienste um das Medium, das vielen sehr am Herzen liegt, ausgesprochen kleinkariert an.

Die Webseite hörspieler.de führte im Juni 2007 in Hamburg ein Interview mit Heikedine Körting Deutschlands erfolgreichster `Märchentante´ (Guinness-Buch der Rekorde) zu vergangenen sowie aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, das auch auf ihre Arbeit im Medien- und Kulturbetrieb eingeht (liegt der Präsentation bei).

Und wer sich intensiver für Hörspieler dieser Art interessiert, dem empfehle ich die Seite europa-vinyl.de … dort finen sich diverse weitere Zusatzinformationen (wie z.B. die Kürzungen bei der MC-Version dieser LP – akribisch erfasst anhand eines schriftlich festgehaltenem Textvergleiches) … Und man erfährt auch mehr über die Sprecher wie Heinz Trixner oder Franz-Josef Steffens …

Einen eigenständigen „Old Shatterhand“ Roman von Karl May gibt es übrigens gar nicht. Der Zweiteiler „Old Shatterhand“ erzählt vielmehr eine Geschichte, die der Erzählung „Winnetou III“ entstammt.

Wann sich hier der 2. Teil dieses dramatischen Hörspiels einfinden wird, steht noch in den Sternen, aber dann: Wird Old Shatterhand dem Halunken Fred Morgan sein schmutziges Handwerk legen können ? Wir warten mit angehaltendem Atem …

OldShatterhand01Besetzung:
Horst Breiter (Erzähler)
Reiner Brönneke (Fred Morgan)
Werner Cartano (Major)
Wolfgang Kaven (Bernard Marshal)
Peter Kirchberger (Ka-Womien)
Ernst von Klipstein (Caesar)
Franz-Josef Steffens (Mark Jorrocks)
Heinz Trixner (Old Shatterhand)

Hörspielbearbeitung: Peter Folken
Regie: Heikedine Körting

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Titel:
01. Old Shatterhand 1 (Teil 1):
Mark Jorrocks, genannt Sans-Ear – Fred Morgans Plan – Die Niederlage der Ogellalah 21.41
02. Old Shatterhand 1 (Teil 2);
„Deadly Dust“, tödlicher Staub – Glühendheiße Wüstenstrecke – Old Shatterhand, der Regenmacher 20.34

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Reinhard Mey – Mein Achtel Lorbeerblatt (1972)

FrontCover1ADer Reinhard Mey war damals ein fester und unverzichtbarer Bestandtteil der deutschen Liedermacher-Szene (ich glaub´, die Bezeichnung „Liedermacher“ gab´s damals noch gar nicht). Er war freilich nie so „radikal“ wie z.B. ein Hannes Wader …. Er war eher so eine Art Chronist des Alltäglichen, Fundamentalkritik an unserer damaligen Gesellschaft war ihm eher fremd.

Mein achtel Lorbeerblatt ist das fünfte deutsche Studioalbum des deutschen Liedermachers Reinhard Mey und erschien 1972 bei Intercord.

Das Album beginnt mit dem Lied Musikanten sind in der Stadt, in dem Mey mit leicht ironischem Blick von fahrenden (und bisweilen rabiaten) Musikanten singt.

Das Lied Manchmal wünscht‘ ich ist ein Liebeslied, in dem Reinhard Mey über die gemeinsame Zeit mit einer Angebeteten nachdenkt.

Annabelle, ach Annabelle ist eines der kontroversesten Lieder Meys. Das Lied beschreibt die Sicht des Freundes auf seine studentische Freundin, die sich in der Studenten- und Emanzipationsbewegung zu Beginn der 1970er Jahre engagiert. Das Lied führte zu einem Höhepunkt der Kritik. Thomas Rothschild schrieb in dem Buch Liedermacher: „Mit dieser Karikatur einer linken Studentin […] entpuppte sich Reinhard Mey endgültig als einer, der seinen kleinbürgerlichen Zuhörern, die sich ihre heile Welt nicht rauben lassen wollen, nach dem Mund singt. […] Was offenbar sogar Moderatoren für Humor halten, ist bösartige Lächerlichmachung einer Minderheit. Von der Annabelle, die nie lacht, zum Russen mit dem Messer zwischen den ReinhardMey3Zähnen ist es nur ein Schritt. Mey betreibt mit Annabelle Hexenjagd in Chanson-Form.“ Für das Lied, das ihm nach eigenem Bekunden „jede Menge Ärger, aber auch jede Menge Spaß“ eingebracht hat, schrieb er 1998, Jahrzehnte später, mit „Der Biker“ eine Art Entschuldigungslied, in dem er seine Wertschätzung für Annabelle zum Ausdruck bringt.

Alles, was ich habe ist ein Freundschaftslied an eine Küchenschabe, die des Protagonisten einziger Freund ist, nachdem alle seine anderen Freunde „mit dem Glück“ davon sind.

Im Lied Schade, daß du gehen mußt besingt der Liedermacher einen verstorbenen Zechbruder.

Die heiße Schlacht am kalten Buffet gibt satirisch stark überzeichnet wieder, wie in einer Veranstaltungspause Menschen aus der sozialen Oberschicht ein kaltes Buffet stürmen.

Mein achtel Lorbeerblatt erzählt vom Druck und den Erwartungen, die auf den Singenden ausgeübt werden, und wie dieser damit umgeht.

Ein weiteres Liebeslied findet sich mit Herbstgewitter über Dächern.

Das Lied In Tyrannis (Von Wand zu Wand sind es vier Schritte) enthält den inneren Monolog eines unschuldig Gefangenen in Isolationshaft. Im Verlauf des Lieds beschreibt dieser, was ihm dort geschehen ist. Zum Ende hin wählt er den Weg des falschen Geständnisses, um der ansonsten aussichtslosen Situation zu entrinnen.

Bevor ich mit den Wölfen heule ist ein klares individualistisches Bekenntnis, gegen den Strom zu schwimmen.

Im Lied Ich wollte immer schon ein Mannequin sein besingt Reinhard Mey den vergeblichen Traum eines Handwerkers, endlich einmal als Mannequin über den Laufsteg zu gehen.

Für das Duo Inga und Wolf schrieb Mey unter seinem Pseudonym Alfons Yondraschek das Abschiedslied Gute Nacht, Freunde, das er hier selbst interpretiert. (Quelle: wikipedia)

Und auch wenn Fundamentalkritik z.B. am Kapitalismus nie seine Sache war, so finden sich auch auf diesem Album durchaus Texte, die alles andere als billig sind, sondern eben durch Substanz überzeugen.

Und ja, ich finde „Annabell“ noch heute witzig, denn – so ganz verkehrt war der natürlich überzogenen Text nicht  – bedenkt man den missionarischen Eifer – mit dem so manch „emanzipierte“ Dame in den Kampf zog … damals, als die Alice Schwarzer vom kleinen Unterschied zu berichten hatte.

Und „Gute Nacht Freunde“ ist heute eine warmherzige Reminiszenz an jene Tage, als man/frau noch nächtelang im Kreis von Freunden plauderte, diskutierte, flirtete und sich auch schon mal voller Inbrunst ereiferte …

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Besetzung:
Heinz Cramer (guitar)
Addi Feuerstein (flute)
Hajo Lange (bass)
Reinhard Mey (vocals, guitar)
Heinz Niemeyer (drums)
Kai Rautenberg (piano, cembalo, glockenspiel)
Hubert Schulte (flute)

ReinhardMeyTitel:
01. Musikanten sind in der Stadt 3.23
02. Manchmal wünscht‘ ich  2.57
03. Annabelle, ach Annabelle 4.02
04. Alles, was ich habe 1.57
05. Schade, daß du gehen mußt 4.21
06. Die heiße Schlacht am kalten Büffet 3.16
07. Mein achtel Lorbeerblatt 3.29
08. Herbstgewitter über Dächern 3.13
09. In Tyrannis (Von Wand zu Wand sind es vier Schritte) 5.31
10. Bevor ich mit den Wölfen heule 2.54
11. Ich wollte immer schon ein Manneqin sein 2.10
12. Gute Nacht, Freunde 2.51

Musik und Texte: Reinhard Mey

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Mehr vom Reinhard Mey:

Mehr

Tame & Maffay – Tame & Maffay (1977)

FrontCover1.jpgAuch wenn dieses Projekt bei den damaligen „echten Musikfreaks“ kaum auf Gegenliebe gestoßen ist, interessant war es allemal.

Über Peter Maffay brauche ich eigentlich kaum Worte verlieren … aber ganz sicher wollte er mit diesem Projekt sein Image als Schlagerfuzzi vergessen machen …. dazu später mehr.

Sehr interessant ist aber auch der Werdegang des „Johnny Tame“:

Johnny Tame (* 3. März 1947 in Friedberg/Hessen), der mit bürgerlichem Namen Uwe Reuß heißt, ist ein deutscher Sänger, Gitarrist und Songwriter. Er begann seine musikalische Laufbahn in den frühen 1960er Jahren und konnte sowohl als Solist, als auch als Mitglied verschiedener Bands nationale und internationale Erfolge verzeichnen. Insbesondere seine langjährige Zusammenarbeit mit Peter Maffay brachte ihm einen größeren Bekanntheitsgrad, den er für ein intensives soziales und humanitäres Engagement nutzte. Ende der 1980er Jahre zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück.

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Johnny Tame in den 60er Jahren

Tame ist verheiratet und lebt in Hamburg.

Tame begann seine musikalische Karriere in den frühen 1960er Jahren noch unter seinem richtigen Namen, Uwe Reuß, und wurde als Bassist, Gitarrist und Sänger verschiedener deutscher Bands wie den Rascals (nicht zu verwechseln mit der US-amerikanischen Pop-Band The Rascals), den Gigolos und den Delegates tätig. 1964 wurde er Profimusiker und spielte in zahlreichen Galas und TV-Shows, auch im deutschsprachigen Ausland. 1967 legte er sich seinen Künstlernamen zu, unter dem ihm mit seiner ersten Eigenkomposition „Sand in my Shoes“ sein bis heute größter internationaler Erfolg gelang. Er spielte auf zahlreichen Festivals und vertrat 1968 Deutschland beim internationalen Song-Festival OSCAR auf Malta, bei dem er Platz drei belegte. Im gleichen Jahr sang er unter dem Pseudonym Sherman Space zwei Titel eines Perry Rhodan Films.

Zu Beginn der 1970er Jahre mehrten sich die internationalen Konzert-, TV- und Radio-Engagements, unter anderem in den USA, Portugal, Belgien und Skandinavien. Tame gründete 1972 die Johnny Tame’s Time Machine und war als Bassist und Sänger der Bourbon Family tätig. Zudem spielte er bis 1976 als Bassist und Sänger bei der Orpheus Band von Costa Cordalis. Obgleich seine Medien- und Bühnenpräsenz zunahm, wollte ihm der große Durchbruch jedoch nicht gelingen.

1976 begann seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Peter Maffay, innerhalb derer unter dem Namen Tame & Maffay zwei Country-Rock-Alben produziert wurden. Daraus ergab

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Johnny Tame in den 70er Jahren

sich eine bis 1986 andauernde Kooperation, bei der Johnny Tame mehr oder weniger regelmäßig musikalischer Bestandteil und Special Guest bei Konzerten und Produktionen von Peter Maffay war. Damit stellte sich nun auch der materielle Erfolg ein. Man veröffentlichte Anfang der 1980er Jahre zwei Solo-LPs mit entsprechenden Single-Auskopplungen. Tame zeigte allerdings nur sehr wenig Interesse an einer Kontrolle über seine Einnahmen und Erträge. Er ließ seine Belange von Finanz- und Steuerberatern erledigen, was für ihn letztlich in einem finanziellen und wirtschaftlichen Fiasko mündete.

Während der gemeinsamen Zeit mit Maffay kam es immer wieder zu Problemen bei der Live- und Studioarbeit. Am Ende der Carambolage-Tournee 1984 stand das endgültige Aus zwischen Peter Maffay und Johnny Tame, das auch das Resultat von Alkohol- und Haschischkonsum, sowie Tames schlechtem Gesundheitszustand war, dessen wirkliche Ursachen damals jedoch auch von ärztlicher Seite lange unerkannt blieben. Heute ist bekannt, dass Johnny Tame an einem Chronischen Erschöpfungssyndrom leidet. Nach einer letzten Plattenproduktion 1986 zog er sich vollkommen auf seinen damaligen Wohnsitz Borkum zurück, den er nur noch selten für einige Engagements verließ. Seine bis dato letzten öffentlichen Auftritte fanden 1989 statt. Er war Stargast beim „Tag der Niedersachsen“, wo er eine Auszeichnung als „Künstler des Jahres“ entgegennahm, und er nahm Teil beim Stadtfest in Northeim und bei der Breminale.

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Johnny Tame in den 80er Jahren

Tame nutzte schon sehr früh seine Popularität, um sich für soziale und humanitäre Projekte, sowie für Umweltschutzorganisationen einzusetzen. Dabei stand immer sein bedingungsloses Engagement für die Sache im Vordergrund, nicht der mögliche Nutzen für seine Karriere. Luftverschmutzung, Waldsterben oder die Nutzung der Kernenergie thematisierte Tame teils radikal, lange bevor man in Deutschland und anderswo begann, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Zu Beginn der 1980er Jahre spielte er unter anderem mit Joan Baez auf Konzerten für Amnesty International und Humanitas, trat auf beim Konzert für Afghanistan in Hamburg und engagierte sich immer wieder bei Auftritten für Künstler für den Frieden, AGA Aktionsgemeinschaft Artenschutz oder Greenpeace. Zudem unterstützte er die Nicaragua-Stiftung von Dietmar Schönherr. (Quelle: wikipedia)

Und an diese Tame & Maffay Periode erinnert sich einer, der die damalige Zeit auch miterlebt hat:

Viele mögen jetzt die Augen verdrehen und mit irgendwelchen Schlager-Vorurteilen längs kommen. Aber nüchtern betrachtet, ist das was Maffay ab Mitte-Ende der Siebziger abgeliefert hat, deutschsprachiger Rock – nur das es den damals nicht geben durfte – Rock hatte nach den Ansichten der damaligen Musikjournalisten englischsprachig zu sein und somit war Maffay ein Schlagerfuzzi weil er nun mal deutsch sang.

Nahzu unendeckt in Deutschland hatte Maffay zwei seiner Alben auch auf Englisch eingesungen die u.a. in Israel und in Grossbritannien veröffentlicht wurden. Kein Riesenerfolg, aber die Platten verkauften sich.

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Die Erfahrungen mit den dortigen Konsumenten und sein Interesse für Country Musik sollten bei einem Treffen mit Johnny Tame (brgl. Uwe Reuss) auf fruchtbaren Boden fallen und 1977 mit dem ersten Tame & Maffay-Album Früchte tragen. Die Platte war für so ein extremes Nischenprodukt sehr erfolgreich – die Singleauskopplung „Making it better“ schaffte es sogar bis auf Platz 58 der deutschen Charts, obwohl die meisten Radiosender den Song nicht spielten.

Viele Musikjournalisten ignorierten die LP oder taten sie mit einer Rezension á la „ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“ ab. (makrochip.de)

Und in der Tat. Auch wenn dieses Album keineswegs der „große Wurf“ war … aber soliden und gepflegt-gediegenen Country-Rock bekam man schon zu hören … zur damaligen Zeit eher die Ausnahme in deutschen Landen (sieht man mal von „Truck Stop“ ab).

Und die Liste der Begleitmusiker ist schon auch imposant (Peter Maffay umgab sich ja immer mit exzellenten Musikern !), selbst der Jazzgeiger Hannes Beckmann wirkte mit …

Von daher: eine kleine Verbeugung, auch vor Peter Maffay, dem sie lange Zeit doch ziemlich böse mitgespielt haben.

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Besetzung:
Hannes Beckmann (violin)
Charles Campbell (percussion)
Frank Diez (guitar)
Martin Harrison (drums)
Peter Maffay (vocals, guitar)
Günther Moll (guitar)
Alex Pittwohn (harmonica)
Giuseppe Solera (flute)
Johnny Tame (vocals, guitar)
Eddie Taylor (saxophone)
Michael Thatcher (keyboards)
Stephan Wissnet (bass)

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Titel:
01. Turn It Over (Tame/Maffay) 2.46
02. Making It Better (Tame/Maffay) 3.43
03. Too Many Stones (Tame) 4.07
04. I’m Not A Man Who Wants To Be Alone (Tame/Maffay) 4.05
05. I’m Living In A Dream (Tame/Maffay) 3.38
06. I Can Be So Far Away (Tame/Maffay) 3.11
07. I’m Not Only Passing Time (Tame/Maffay) 4.49
08. Help Me (Tame/Maffay) 2.22
09. See A Star (Tame/Heilburg) 4.59
10. And As I Hide Another Day (Tame/Maffay) 4.18
11. I’m Giving You Love Again (Tame/Maffay) 2.55
12. Nothing Can Be Changed Between Us (Tame/Maffay) 3.19

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Glatter Wahnsinn – Glatter Wahnsinn (1980)

FrontCover1jpgVon einem gewissem Bernd Strohm war hier schon mal die Rede und zwar hier.

Bernd Strohm wurde durch die Musik der Beatles zu seinen ersten musikalischen Gehversuchen angeregt. Schon in den späten 70ern sorgte der aus Duisburg stammende Gitarrist mit seiner Band GLATTER WAHNSINN, einer experimentierfreudigen Jazz-Rock Combo für Aufsehen.

Ca. 1978 gründete er dann diese Gruppe mit dem Namen „Glatter Wahnsinn“  und nahm dann gleich an dem POP ’78 – Nachwuchs Festival“ (ausgerichtet von der Deutschen Phono-Akademie)  und ist auf dem gleichnamigen Sampler mit dem Stück „T.A.F.“ zu hören.

Das damalige Quartett (Bern Strohm, Michael Strohm, Georg Mahr und Rainer Mackenthun) wurde dann verändert und erweitert. Für Mackenthun kam Waldo Karpenkiel und zusätzlich kam dann noch Klaus Dapper hinzu.

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Beide hatten bereits 1973 zusammen in der herausragenden Band Kollektiv gespielt, wirkten bei Peter Bursch (mit und ohne Bröselmaschine) mit und sollten später dann noch in der Jazz-Rock-Bigband Supersession weitermachen. (Heinz Geilich)

Und man kann ohne Übertreibung sagen, dass seine virtuosen, technisch perfekt inszenierten Improvisationen schon damals zum Besten gehörten, was die deutsche Musikszene zu bieten hatte.

Leider war dieser Formation kein langes Leben gegönnt. Nachdem Bernd Strohm sein Musikstudium beendete arbeitete er in den 80ern u.a. mit Klaus Doldinger und Supersession. Nach zahlreichen Gigs im In- und Ausland entdeckte der bis dato hauptsächlich auf der E-Gitarre tätige Musiker in den 90er Jahren seine Liebe zur Akustikgitarre.

Wir hören hier also das Erstlingswerk von Bernd Strohm. Das Album ist damals vermutlich wie Blei in den Verkaufs – Regalen gelegen. An der furiosen Musik, die dem Jazz-Rock jener Jahre huldigt kann es nicht gelegen haben, aber wenn ich mir das verunglückte  Cover anschaue, wundert mich der mangelnde Erfolg dieses Albums nicht mehr.

Aber 2009 kam es dann zu einem kurzfristigem Revival … und zwar mit Bernd Strohm (guitar), Klaus Dapper (saxophone, flute), Thomas Bettermann (keyboards), Waldo Karpenkiel (drums) und Stefan Rademacher (bass). Mehr davon kann man sich dann in dem interessantem Video von „Jazzrock TV“ anschauen.  In diesem Video gibt Bernd Strohm auch Auskunft über seinen musikalischen Werdegang.

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Bernd Strohm und Stefan Rademacher, 2009

Hier aber der Blick zurück … in das Jahr 1980 … und wie gesagt: Feinster Jazz-Rock.

Und von dem Bernd Strohm wird hier noch öfters die Rede sein … Mittlerweile lebt er wohl überwiegend von seiner Tätigkeit als Gitarrenlehrer.

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Besetzung:
Daniel Basanta (percussion)
Klaus Dapper (saxophone, flute)
Waldo Karpenkiel (drums, percussion)
Georg Mahr (keyboards, synthesizer)
Michael Strohm (guitar, bass)

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Titel:
01. Surprise 5:52
A2 Samba La Bamba 6:26
A3 Solo Für Landvogt 6:13
A4 Hallo Ollie 2:25
B1 Skateboard 4:34
B2 Kristallei (Crystal-Egg) 6:15
B3 Taff 6:00
B4 Unelectrified Guitarist 2:02

Musik: Bernd Strohm

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Rosy Singers + Orchester Günther Gürsch – Weltreise in Noten 1 (1970)

FrontCover1Ja, ja … die Rosy Singers: Zetzt erstmal im Telegramm-Stil:

Die Rosy-Singers waren eine deutsche Musikgruppe.

Sie wurde 1964 gegründet von Rosi Rohr und bestand neben ihr aus Angelika Metzger, dem Tenor John Wiseman sowie Susanne und Rolf Jage. Wiseman wurde später von Bernd Grigalat abgelöst. Der Manager der Band war Dr. Erich Rohr. (Quelle: wikipedia). Deshalb auch noch dieser Text:

Wer in den 60er und 70er Jahre ein TV-Gerät besaß, kam nicht an den Rosy Singers vorbei, die in unzähligen TV-Sendungen zu Gast waren.
Auf alles Leichte wird in der Kunst gern herabgeschaut. Ist etwas verständlich, verbindlich oder gar freundlich, kann es nicht allzu viel wert sein. Meinen zumindest viele Kritiker. Die Künstler selbst wissen es besser: am vermeintlich Leichten wird in der Regel besonders schwer gearbeitet. Schriftsteller ringen um jeden Satz der am Ende wie lässig hingeworfen erscheint, Schauspieler studieren jahrelang um schließlich „ganz natürlich“ zu wirken. Das gilt auch für die Rosy Singers, deren jetzt wiederzuentdeckende Aufnahmen nur auf den ersten Blick allein luftig und leicht daherkommen. Hinter ihnen verbirgt sich nämlich handfeste musikalische Kompetenz.

RosySingers
Den blumigen Namen verdanken die Rosy Singers ihrer Chefin und Gründerin Rosemarie „Rosi“ Rohr, geborene Hofmann. Die Berlinerin war zunächst Mitglied von Gesangsgruppen wie dem Sunshine-Quartett, dem Botho Lucas-Chor oder dem Günter Kallmann-Chor, bevor sie 1964 ihre eigene Formation gründete. Nicht nur im Berliner Raum, wo die fünf Sänger der Gruppe zuhause waren, wurden die Rosy Singers bei den Rundfunksendern und in den Studios der Schallplattenfirmen schnell „erste Wahl“ für die vielfältigsten Produktionen. Alle fünf sangen perfekt vom Blatt und garantierten somit nicht nur einen in allen Lagen perfekten Sound, sondern auch eine zuverlässige, schnelle Arbeitsweise. Die Listung aller Auftritte und Aufnahmen der Rosy Singers würde ein Buch füllen, als Beispiele seien daher hier nur mehr als 100 TV-Sendungen, unzählige Backings für Schallplattenaufnahmen von Alexandra, Caterina Valente, Mireille Mathieu, Peter Alexander, Hildegard Knef, Peggy March, Reinhard Mey, Marianne Rosenberg und Martin Böttcher, sowie Werbeaufnahmen für Martini, Henkel, Bärenmarke, Rewe, Underberg, Alka-Seltzer und Wüstenrot genannt. (Quelle: Jazz-Echo, November 2010)

Und im Jahre beschloß man dann, wieder mal ein eigenes Werk auf den Markt zu bringen und entschied sich für die Trilogie „Weltmusik in Noten“. Hier Teil 1 der Triologie (die beiden weiteren folgen demnächst in diesem Theater).

Begleitet wurden Sie dabei von dem Orchester Günther Güsch.

Günther Güsch (Jahrgang 1919) war ein urspürnglich in Stendallansässiger Kapellmeister, der sich dann entschloß in Berlin sein Glück zu machen und dann tatsächlich sich in diversen Formationen (u.a. SFB-Tanzorchester) einen Namen machen konnte.

Er spielte in verschiedenen Tanzorchestern und begann nebenher als Arrangeur zu arbeiten. Die Meisel-Verlage, berühmte Kapellmeister, Orchester und Produzenten baten ihn um seine Hilfe. Günther verstand es, Kompositionen unterschiedlichsten Stils so elegant umzuschreiben, dass selbst mäßige Orchester mit ihnen auftrumpfen konnten. Vielleicht war dies sein größtes Talent: andere zum Leuchten zu bringen, damit durch sie das Wesentliche strahlen konnte, die Musik. (Der Tagesspiegel, 2009)

Und noch ins hohe altzer war er aktiv: So berichtete Max Raabe mehr als einmal, wie wichtig Gürsch für seine Musik als Arrangeur war.

Aber zurück zu diesem Album: „Folklorethemen waren von jeher beliebter Stoff für Jazzbands und Tanzorchester. Die Weltreise in Noten bietet jedoch erstmals tanzbare Folklore in ausgezeichneter Instrumentation, die in der Vollständigkeit der vorliegenden Sammlung einmalig ist.“

Bei diesem Teil widmete man sich dann vorrangig der englischsprachigen Folklore (also aus den Länder des Vereinten Königreiches, Irland und den USA) und gab den einzelnen Medley so drollige Namen wie „Cowboys, Rancher und Indianer“ oder Zu Gast bei MacIntosh, O`Connir und Smith“.

Und darin bündelte man fast Dutzende von Folksongs aus diesen Regionen und … ich war überrascht, wie viele mir davon geläufig waren … diese Lieder gehören wohl schon irgendwie in unser kollektives Gedächtnis.

Die Aufnahmen selbst – wären sie 5 Jahre früher erschienen -wären vermutlich erfolgreicher gewesen, denn 1970 war dieser romantische Western-Kitsch schon eher passé. Dennoch: nett anzuhören und der Drolligkeitswert dieser Ausnahmen ist schon ganz schön hoch.

CDFront+BackCover1994

CD Front + Backcover aus dem Jahre 1994

Besetzung:
Rolf Jage (vocals)
Susanne Jage (vocals)
Angelika Metzger (vocals)
Rosi Rohr (vocals)
John Wiseman (vocals)
+
Orchester Günther Gürsch

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Titel:

01. Cowboys, Rancher und Indianer (Teil A – Modern Swing) 3.37
01.1. My Darling Clementine
01.2. Red River Valey
01.3. Home On The Range
01.4. Shenendoah
01.5. My Old Kentucky Home

02. Cowboys, Rancher und Indianer (Teil B – Walzer) 3.55
02.1. In The Good Old Summertime
02.2. On Top Of Old Smoky
02.3. Carless Love
02.4. The Streets Of Laredo
02.5. Beautiful Dreamer
02.6. Down In The Valley
02.7.  After The Ball

03. Messers, Lassos und rauchende Colts (Teil A – Foxtrott) 2.48
03.1. Oh, Susanna
03.2. Gloryland
03.3. Camptown Races
03.4. Yankee Doodle
03.5. Dixie

04. Messers, Lassos und rauchende Colts (Teil B – Med-Swing) 4.07
04.1. American Patrol
04.2. Old MacDonald Had A Farm
04.3. The Girl I Left Behind Me
04.4. Skip To My Lou
04.5. Polly Wolly Doodle
04.6. Goodnight Ladies

05. Zu Gast bei MacIntish, O´Connor und Smith (Teil A – Slow-Beat) 3.33
05.1. Londonderry Air
05.2. Loch Lomond
05.3. Annie Laurie
05.4. Auld Lang Syne

06. Zu Gast bei MacIntish, O´Connor und Smith (Teil B – Marsch) 2.54
06.1. Tarara Boomdeay
06.2. Early One Morning
06.3. The Drunken Sailor
06.4. Scotland The Brave
06.5. The Campbells Are Comin´
06.6. Three Blind Mice
06.7. A Jolly Good Fellow

07. Old Billy´s Saloon (Teil A – Foxtrott) 3.23
07.1. She´ll Be Comin´ Round The Mountain
07.2. Billy Boy
07.3. The Yellow Rose Of Texas
07.4. Jingle Bells
07.5. Sloop John B.
07.6. When The Saints Go Marching In

08. Old Billy´s Saloon (Teil B – Marsch-Fox) 3.07
08.1.  When Johnny Comes Marching Home
08.2. Frankie And Johnny
08.3. I´ve Been Workin´ On The Railroad
08.4. John Brown´s Body
08.5. There´s A Tavern In The Town

09. Ale, Whisky and Irish Coffee (Teil A – Langsamer Walzer) 2.44
09.1. Greensleeves
09.2. Rolling Home
09.3. Believe Me

10. Ale, Whisky and Irish Coffee (Teil B – Walzer) 3.17
10.1. Daisy Bell (Bicylcle Built For Two)
10.2. The Last Rose Of Summer
10.3. Long, Long Ago
10.4. My Bonnie Lies Over The Ocean

11. Alte Songs der Neuen Welt (Teil A – Med-Swing) 3.43
11.1. Joshua Fit The Battle Of Jericho
11.2. Old Folks At Home
11.3. Down By The Riverside
11.4. Old Black Joe
11.5. Little Brown Jug
11.6. Michale
11.7. He´s Got The Whole World In His Hands

12. Alte Songs der Neuen Welt (Teil B – Slow) 4.01
12.1. Carry Me Back To Old Virginny
12.2. Swing Low, Sweet Chariot
12.3. Nobody Knows The Trouble I´ve Seen
12.4. House Of The Rising Sun
12.5. Tom Dooley
12.6. Just A Closer Walk With Thee

LabelA1

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