Gisela Jonas – Bei Gisela (1959)

FrontCover1Die Gisela aus Schwabing ist tot … Sie starb am 25. Juli 2014 im Alter von 85 Jahren in ihrer Münchner Wohnung …

1929 wurde sie in Moers am Rhein geboren. Später kehrte sie von einem Einkaufsgang nicht mehr nach Hause zurück, sondern gelangte über Frankfurt, Heidelberg und Garmisch 1949 nach München. Sie hatte in der Zwischenzeit im Kirchenchor gesungen, bei Meister Jansen als Schmiermaxe und im “Garmischer Hof“ als Tellerwäscherin gearbeitet – man weiß, dass dies die Vorbereitungen auf große Karrieren sind: Gespannweltmeister oder Präsident eines großen Landes – und fand nun in dem Künstlerlokal „Mutti Bräu“ in Schwabing Unterschlupf, wo sie die Wirtin, eben Mutti Bräu, willkommen hieß. Dort stand Gisela hinter dem Tresen, sang auch das eine oder andere Liedchen für die dort versammelte Künstlerschar.

1952 suchte sie auf Anraten von Freunden ein eigenes Lokal und fand dieses auch – das „Flimmerzelt“. Sie baute und modelte es mit Hilfe ihrer Schwabinger Freunde und Maler, vor allem mit Mac Zimmermann, um, schrieb „Bei Gisela“ darüber und stand von nun an jeden Abend auf der kleinen Bühne neben der krummen Schwabinger Laterne, um dem immer größer werdenden Kreis von Gästen mit ihrer „verruchten“ tiefen Stimme ihre Lieder und Chansons vorzusingen. Es begann eine beispiellose Karriere.

Neben Klassikern („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ oder „Klein Madeleinchen“) sang Gisela viele, zum Teil für sie geschriebene Lieder im Stil des damaligen deutschen Chansons. Das Publikum, das diese Lieder hören wollte, ergab allabendlich eine stimmungsvolle Melange aus Interessierten und Interessanten, aus Studierenden und Musizierenden, aus Schönen und Reichen und denen, die sich für all das hielten.

Gisela05Es gab eine richtige Band, man redete, trank und tanzte – 20 Paare auf acht Quadratmetern Tanzfläche – man rezitierte, verkaufte selbst gefertigten Schmuck, Bildchen und in Schokolade getauchte Erdbeeren, sang und setzte sich in Szene, so gut es eben ging, man ließ Gisela und sich selbst hoch leben. Als dann aber noch der „Nowak“ dazu kam, war der Ruhm nicht mehr aufzuhalten.

Die Melodie und die ersten Strophen des „Nowak“ stammen von Hugo Wiener und wurden 1952 für seine Frau Sissi Craner geschrieben. Das Lied war allerdings in …Österreich verboten. Erst im Jahre 1954 brachte Philipps-Hildebrandt das Lied nach München, wo Gisela es in ihrem Nachtlokal „Bei Gisela“ allabendlich sang. Von den Strophen, die Hugo Wiener geschrieben hatte, sang sie allerdings immer nur die erste, die dann weltberühmt wurde:

„Ich habe einen Mann, den viele möchten,
Der immer mich bewahrt vor allem Schlechten.
Ein jeder kennt ihn, „Nowak“ ist sein Name,
Ihm danke ich, daß heut‘ ich eine Dame.
Ob angezogen oder als ein Nackter,
Der Nowak hat am ganzen Leib Charakter.
Ich hätt’ schon längst ein böses End` genommen,
Aber der Nowak läßt mich nicht verkommen.“

Es ist erstaunlich, wer alles gerade diesen Refrainvers kennt – und nur diesen – auch wenn er das Lied nie selbst gehört hat.

Die restlichen Strophen bezogen sich auf bestimmte Personen der Münchner Szene oder auf immer wiederkehrende Ereignisse wie Handwerks- oder Gastronomenmesse, auf Chirurgen- oder andere Kongresse – aber auch auf Einzelereignisse wie den ersten Weltraumflug eines Menschen oder die Erfindung der Pille. Die meisten jedoch dienten der Selbstdarstellung einer „Verruchten“. Manche der Verse wurden auch wohl nur ein einziges Mal gesungen, manche vielleicht gar nicht.

Aus heutiger Sicht sind viele Texte nur noch um ihrer historischen Aussage oder Komik willen interessant, da die meisten Menschen – auch die Schwabinger – die Zusammenhänge nicht mehr kennen.

Es ist nur schwer verständlich, was damals, in den fünfziger bis siebziger Jahren, als besonders verrucht oder obszön angesehen wurde, – ja, sogar bis vor den Kadi führte. Heute würde es nur ein müdes Lächeln hervorrufen.

Zeitungsartikel

Allerdings war es nicht der „Nowak“, der Gisela vor den Richter brachte, sondern die Rückseite einer Nowak-Platte – „Späte Reue“ und „Morgengrauen“ – derentwegen ein Hamburger Jugendpfleger Anzeige erstattet hatte. Der „Nowak“ wurde, weil bekannter, zur Überschrift heran- und so in Mitleidenschaft gezogen. Der Richter, auch er Gast bei Gisela, bescheinigte ihr, die später viel zitierte „gebildete Dame mit unzüchtigem Charakter“ zu sein und verdonnerte sie dazu, einige ihrer „jugendgefährdenden“ Platten mit einem kleinen Schloss zu versehen, dessen Schlüssel dem Zugriff von Kindern und Jugendlichen zu entziehen war. Ein Werbegag, den Gisela nie hätte bezahlen können.

Nachdem sie mit ihrem Mann 1974 in die bayerische Provinz ausgewandert war, um herauszufinden, wer ihrer vielen Gäste und Freunde ihr folgen und sie besuchen würde – wie viele waren es wohl, was glauben Sie? – blieb sie dort in Dinkelsbühl und später Wallenstein, um ein Restaurant zu betreiben.

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Nach zehn Jahren aber wurde das Heimweh größer – sie kam zurück nach München, arbeitete zunächst bei Gerd Käfer im Deutschen Theater und mit Konstantin Wecker im Café Giesing. 1986 aber hatte sie wieder ein eigenes Lokal, eine neue „Schwabinger Gisela“, allerdings in der Herzog-Heinrich-Straße, ein „Wohnzimmer“, in dem die alten und neuen Freunde wieder zusammenkamen, rauchten, tranken, erzählten und musizierten. 1991 musste sie aus gesundheitlichen Gründen das Lokal aufgeben.

Es wurde still um sie. Seitdem lebt sie in München, der Stadt ihres Lebens, wo sie ihre Freunde trifft, und im hinteren Alpbachtal in einer Hütte, um sich herum ein großartiges Panorama aus steilen Wiesen, Bergen, Wäldern, Almen und schönen Holzhäusern, wo einige ihrer Freunde sie besuchen und von ihr mit einem Schnapsl und einer Tiroler Brotzeit bewirtet werden.
Gelegentlich mal ein Interview: Frau Dialer? Wer war denn gleich Frau Dialer? Ach, die Schwabinger Gisela! Herrje, was waren das für schöne Zeiten!

Dann kam der 24. Januar 1999. Die Frau, die so sehr mit dem Münchner Stadtteil Schwabing verbunden war, dass beide Begriffe in einem Atemzug genannt wurden, die „Schwabinger Gisela“, wurde 70. Sie stand wieder im Schwabinger Rampenlicht!

Der Oberbürgermeister der Stadt München, Dr. Christian Ude, feierte sie mit einer stilvollen Einladung in der schönen Seidl-Villa in Schwabing, bei der sich dann Freunde, Gäste, Musiker, Künstler und Verwandte trafen und den alten Liedern aus dem Lautsprecher lauschten, ein wenig nostalgisch zwar, aber immer noch neugierig und sich an das Alte erinnernd, aber nicht daran hängend.
Man erzählt vom heutigen Schwabing – es war natürlich alles ganz furchtbar!

Die Jungen aber haben ihr eigenes, wie immer ganz anderes Schwabing und die Traumtänzer und Luftschlossarchitekten gibt es immer noch. Man hat Ideen und Vorhaben und so war dies auch zugleich die Geburtsstunde der Idee, Giselas Lieder einem interessierten Kreis wieder zugänglich zu machen und diese CD herauszugeben. Sponsoren und Tonstudio wurden gefunden, alte Platten und Bänder tauchten wunderbarerweise wieder auf.
So schließt sich der Kreis, denn, wie Gisela in einem Interview meinte: „Von Schwabing kommt man nicht los!“ (Pit Seng)

GiselaLive1

Gisela Jonas-Dialer, die noch im Februar 2014 einen letzten öffentlichen Auftritt in der Schwabinger Galerie Roucka hatte, verstarb nach langer schwerer Krankheit am 25. Juli 2014 in ihrer Münchner Wohnung.

Hier nun zum Auftakt ihre „Skandal-EP“ aus dem Jahre 1959 … und in der Tat: sie gibt ganz schön frivoles von sich und befindet sich letztlich in der Tradtion jener zweideutigen Lieder, die wir ja schon aus den 20er und 30er Jahren kennen …

Und wenn ich lese, dass die oben erwähnte CD mittlerweile für 150 € angeboten wird … dann krieg ich das Kotzen … und von daher sind ganz sicher weitere Raritäten von diesem Schwabinger Urgestein hier zu erwarten … Derweil bearbeite ich gerade so eine Art „Material-Band“ vor … der demnächst das Licht der digitalen Öffentlichkeit erblicken wird. Bis dahin viel Vergnügen mit dem Novak und weiteren frivolen Erkenntnissen.

Gisela Jonas (Januar 2014)

Besetzung:
Gisela Jonas (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker (vielleicht waren es die „Occamstreet Footwarmers“, die damals die Hausband in dem Nachtlokal „Bei Gisela“ waren.

UdoGisela

Titel:
01. Der Novak (Parodie) (Forsell/Wiener) 4.45
02. Späte Reue (Forsell/Brüning) 2.41
03. Morgengrauen (Gorski/Forsell) 3.30
+
04. Schwabinger Laterne (Buschor) 2.27

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Ein Fax von Udo Jürgens

Paul Badura-Skoda – Klavierkonzert Nr. 20 D Moll KV 466 (Mozart) (1959)

FrontCover1Also bis dato sagte mir der Namen Paul Badura-Skoda so gar nichts … schaut man sich ein wenig um, so kann man dann festellen, dass er wohl ein sehr geschätzer Pianist war …

Paul Badura-Skoda (* 6. Oktober 1927 in Wien) ist ein österreichischer Pianist, Klavierpädagoge, Musikschriftsteller und Herausgeber.

Am Beginn seiner Karriere stand der Gewinn des österreichischen Musikwettbewerbs 1947. Sein Lehrer war Edwin Fischer. Seit 1949 trat er mit bedeutenden Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan auf. Es folgte eine internationale Karriere, doch wirkte er auch als Professor für mehrere Generationen von Klavierstudenten.

Schwerpunkt seines umfangreichen Repertoires (von ihm existieren mehr als 200 Einspielungen) sind Werke von Mozart, Beethoven und Schubert.

Für einen Pianisten seines Rangs eher ungewöhnlich ist auch seine frühe Zuwendung zur Historischen Aufführungspraxis. Berühmt wurden seine Gesamtaufnahmen der Klaviersonaten von Mozart und Schubert auf historischen Flügeln beim Label Astree.

Paul Badura-Skoda1.jpgPaul Badura-Skoda trat – teilweise mit seiner Frau Eva Badura-Skoda – auch als Musikschriftsteller und Herausgeber von Werkausgaben in Erscheinung. Er ist Ehrendoktor der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Außerdem schrieb er Kadenzen zu Klavierkonzerten von Mozart.

Mehrere von ihm eingespielte CDs sind beim Leipziger Klassik-Label GENUIN erschienen. Im Mozartjahr 1991 führte er in Regensburg sämtliche Klaviersonaten des Komponisten auf.

Im Jahr 2013 wirkte Paul Badura-Skoda als Mitglied der Jury beim Internationalen Deutschen Pianistenpreis in Frankfurt am Main, aus dem Dmitri Levkovich als Laureat hervorging.

Am 15. Oktober 2017 gab Badura-Skoda anlässlich seines kurz zuvor gefeierten 90. Geburtstages im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins ein restlos ausverkauftes Konzert mit folgendem Programm: Ludwig van Beethoven: Sechs Bagatellen für Klavier op. 126; Sonate für Klavier E-Dur, op. 109; Sonate für Klavier As-Dur, op. 110; Sonate für Klavier c-Moll, op. 111. (Quelle: wikipedia)

Und das mit 90 Jahren !!!

Oder aber auch:

Als gebürtiger Wiener gewann er mit 20 Jahren nach dem Krieg den ersten Preis im österreichischen Musikwettbewerb, der ihm ein für sein Leben richtungweisendes Stipendium für Edwin Fischers Meisterkurse in Luzern brachte. Wenig später wurden Furtwängler und Herbert von Karajan auf ihn aufmerksam und die Konzerte mit diesen Dirigenten wurden zum Beginn einer kometenhaft aufsteigenden Karriere, die ihn in die Konzertsäle aller Kontinente und in die Schallplattenstudios von Europa und USA sowie in die internationalen Fernsehstudios brachte.

Paul Badura-Skoda2

Paul Badura-Skoda ist regelmäßiger Gast bei den wichtigsten Musikfestivals und spielt als Solist mit den berühmtesten Orchestern. Außer mit Furtwängler und Karajan ist er mit Dirigenten wie George Szell, Karl Böhm, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Sir Charles Mackerras, Sir Georg Solti, Kent Nagano und John Elliot Gardiner aufgetreten.

Badura-Skoda hat ein umfangreiches Repertoire auf Tonträgern aufgenommen – mehr als 200 LPs und an die hundert CDs, darunter die kompletten Sonatenzyklen von Beethoven, Mozart und Schubert. Der Künstler sieht seine Lebensaufgabe darin, die Werke der Meister im Geiste der Komponisten lebendig zu vermitteln. Er gilt als internationale Autorität in Textfragen, hat hunderte von Autographen und Paul Badura-Skoda3Originalausgaben studiert, von denen er ein umfangreiches Fotoarchiv besitzt. Frucht dieser Studien sind zahlreiche Urtextausgaben, Aufsätze und Bücher über Bach- und Mozart-Interpretation.

Paul Badura-Skoda spielt sowohl auf historischen als auch auf modernen Klavieren. Seine besondere Kenntnis der Tasteninstrumente von Bach über Mozart bis heute macht ihn zu einem Interpreten, der sein Publikum immer wieder begeistert.

Paul Badura-Skoda ist einer der großen Pianisten unserer Zeit – ein legendärer Künstler, der in den Konzertsälen der ganzen Welt zu hören ist. Seine musikalische Persönlichkeit ist geprägt von einer völligen Vertiefung in die Musik, einer leidenschaftlichen Suche nach dem Wesentlichen und einer hohen künstlerischer Verantwortung. Der Zuhörer spürt sofort, dass er die Musik mit jeder Faser seines Wesens liebt. (Quelle: www.gramola.at)

Genug des Lobes … Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1959, eingespielt für das Heliodor Label (das mit bis dato eigentlich eher als Schlager Label bekannt war; Heliodor war ein Sublabel der Deutschen Grammophon).

Und dieses Klavierkonzert von Mozart hat in seinem Schaffen wohl einen ganz besonderen Stellenwert:

Das 20. Klavierkonzert stellt in vieler Hinsicht einen Durchbruch dar. Es ist das erste Beispiel eines sinfonischen Klavierkonzertes. Spätestens im 19. Klavierkonzert hatte sich dies mit großen, eigenständigen Orchesterpassagen und zeitweiser Begleitfunktion des Soloklaviers angedeutet. Das 20. Konzert hat dahingehend ähnliche Bedeutung wie das 15. Klavierkonzert KV 450 für die Entwicklung der Orchesterexposition und der Rolle der Bläser.

Mozart überwand spätestens mit diesem Komposition die Verpflichtung der Musik an Unterhaltungsideale und fand zur Freiheit des individuellen Künstlers. Damit gehört das Konzert KV 466 zu den Wegbereitern kommender musikalischer Epochen. (Quelle: wikipedia).

Bedauerlicheweise gibt es bei der „Romanze“ anfangs ein paar akustische Beenträchtigungen, die sich aber bald wieder legen ..

Ansonsten wünsche ich einen ungetrübten Hörgenuss !

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Original Partitur zum 2. Satz „Romanze“

Besetzung:
Paul Badura-Skoda (piano)
+
Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Milan Horvat

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Titel:
01. Allegro 13.53
02. Romanze 8.00
03. Allegro Assai 7.06

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

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Max Woiski und seine Band – Calypso Nescafe (1959)

FrontCover1Werbeschallplatten gehören für mich stets in die Rubrik „skurilles und absonderliches“ und ich liebe diese Rubrik !

Hier eine einseitige Flexisingle, die man sich 1959 zuschicken lassen konnte, wenn man den entsprechenden Abschnitt aus der Nescafe-Werbung einschickte.

Werbeschallplatten waren zwar 1959 nichts sonderlich neues, aber dennoch gibt es über diese Werbeplatte dann doch folgendes zu berichten:

Bereits Ende der 1950’er Jahre bediente sich das Unternehmen Nestlé einer crossmedialen Strategie.

Sie warben mit einem Song für den neuen Nescafé und wiesen darauf hin, dass dieser Song im Radio, im Kino, sowie im Fernsehen zu hören sei. Es wurde nicht mehr einzig über einen Kanal für ein Produkt geworben und die Möglichkeit bestand diese Kanäle gleichzeitig für einen gemeinsamen Werbezweck zu nutzen.

NescafeWerbung1959In dem man auf die Existenz der anderen Kanäle verwies, setzte man die Marketingmaßnahme in eine gegenseitige Abhängigkeit. Ein verknüpftes, integriertes Konzept entstand. Das Öffnen der Werbestrategie für mehrere Kanäle führte zu der Entwicklung des Crossmedia-Marketings. (Quelle: wikiversity)

Eingespielt wurde der Song von Max Woiski „und seiner Band“.

Nun Max Woiski hatte damals bereits ein bewegtes Leben hinter sich gebracht:

Geboren wurde er 1911 in Domburg (Suriname), einer holländischen Kolonie nördlich von Brasilien. In den 30er Jahren wanderte er dann in die Niederlande aus und eröffnete in Amsterdam das Lokal „La Cubana“.

Wie es dann dazu kam, dass er für Nestle diesen nett-routinierten Calypso-Song aufnahm, ist zumindest mir nicht bekannt.

In den 60er Jahren zog es ihn dann nach Spanien, genauer gesagt nach Mallorca und eröffnete dort einen Nachtclub. 1981 verstarber er dann.

Er hinterließ einen Sohn namens Max Woiski jr., der ebenfalls musikalisch aktiv war.

Interessant wie gerade solch „billige“ Werbemusik ihrenEindruck hinterlassen.

Man kann sich dieses Liedchen auch auf youtube anhören und dann findet man dann Kommentare wie diese:

Erinnerungen

Ich vermute mal stark, dass der Erfolg dieser Single auch viel damit zu tun hat, dass „wir“ Deutschen damals wohl ganz begierig darauf waren, exotisches aus aller Herren Länder in uns aufzusaugen … der Duft der großen weiten Welt sozusagen. Neulich dachte ich mir übrigens, dass auch der Erfolg der James Bond Filme in den 60er Jahren mit all seinen exotischen Schauplätzen damit zusammen hängt. Aber das führt nun wirklich zu weit …

Erfreuen wir uns also an den heiteren Klängen dieser Musik und vergessen dabei aber nicht, dass richtiger Kaffee doch umso vieles besser schmeckt !

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Besetzung:
Max Woiski und seine Band

Umschlag

Und so kam diese Single via Deutsche Bundespost ins Haus

Titel:
Calypso Nescafe  2.36

Musik: Max Woiski, Text: unbekannt (vermutlich die Nestle – Werbeabteilung)

 

Label

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Verschiedene Interpreten – Hits im Doppelpack (2013) (CD 1)

FrontCover1Die Grundidee dieser CD Edition ist schon amüsant:

Man nehme: Original-Schlager und Hits der 50er  vornehmlich aus den USA und stelle sie den dann später folgenden deutschen Cover-Versionen gegenüber und dann gibt es nicht nur ein buntes Stell-Dich-Ein mit Stars dieser Jahre (Willy Hagara, Bibi Johns etc.), sondern es laufen einem auch jede Menge unbekannte Musikanten über den Weg (Jörg Maria Berg, Bob & Eddy, Hula Hawaiian Quartett9

Und wenn auch die meisten Original-Versionen geschmeidiger sind, so gibt es immer wieder deutsche Interpretationen, die einen aufhorchen lassen, z.B. die von der Evelyn Künnecke und natürlich die famose Inge Brandenburg.

Und so manche Songs sind schon ein wenig keck, man ist fast geneigt zu vermerken, dass sich hier ein unsittliches Gedankengut breit gemacht hat, dass doch sehr bedenklich ist !

Und somit ist diese Präsentation durchaus vergnüglich … mehr als eine Prise Nostalgie wird frei Haus geliefert und das schönste ist, ja, dass weitere 9 Exemplare dieser Art folgen werden !

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SingelHüllen02
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KünneckeBoogieFC

Titel:
01 . Mcguire Sisters: Sugartime (Phillips/Echols) (1957) 2.32
02. Willy Hagara: Nur In Portofino (Phillips/Echols/?) (1957) 2.20

03. Glenn Miller: Chattanooga Choo Choo (Gordon/Warren) (1941) 3.16
04. Bully Buhlan: Kötschenbroda Express (Gordon/Warren(?) (1947) 5.14

05. Dean Martin: Bella Bimba (DeMejo) (1952) 2.47
06. Bibi Johns: Bella Bimba (DeMejo/Feltz) (1953) 3.07

07. Johnny Ray: Hernando’s Hideaway (Ross) (1954) 2.24
08. Evelyn Künneke: Hernando’s Hideaway (Ross/Adler/Neumann (1956) 3.01

09. Jimmie Rodgers: Woman From Liberia (Whiting/Rodgers) (1958) 2.07
10. Ted Herold: Isabell (Whiting/Rodgers/Bradtke) (1960) 2.01

11. Franky Lymon: Goody Goody (Vars/Dunham/Mercer) (1957) 2.12
12. Inge Brandenburg: Goody Goody (Vars/Dunham/Mercer/Holland) (1960) 2.08

13. Perez Prado: Patricia (Prado) (1958) 2.20
14. Jörg Maria Berg: Prado (Prado/Beckmann) (1958) 2.52

15. Kay Starr: Rock And Roll Waltz (Allen) (1955) 2.58
16. Evelyn Künneke: Boogie im Dreivierteltakt (Allen/Bradtke) (1956) 2.50

17. Ken Colyer´s Skiffle Group: Casey Jones (Traditional) (1954) 2.33
18. Bob & Eddy: Casey Jones (Traditional/Roda/Petersen) (1959) 2.42

19. Bing Crosby: Jim, Johnny & Jonas (Bond) (1954) 3.03
20. Hula Hawaiian Quartett: Jim, Johnny & Jonas (Bond/Heinzli) (1954) 3.09

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Paul Würges – Pepe + Geisha-Baby (1959)

FrontCover1Weihnachten 2017 wird er nicht mehr erleben …

Paul Würges (* 13. März 1932 in München; † 30. November 2017 ebenda) war ein deutscher Gitarrist und Sänger.

Der im Münchener Stadtteil Berg am Laim geborene Paul Würges lernte seine ersten Gitarrengriffe nach Ende des Zweiten Weltkrieges beim Wanderverein Naturfreunde. 1949 schloss Würges eine Malerlehre ab. Zur gleichen Zeit trat er bereits mit Alex Bauer (Akkordeon) und Fritz Kolb (Bass) unter dem Namen Bavarian Playboys in verschiedenen Clubs im Münchner Raum auf. Bis Mitte der 1950er bestand das Programm der Formation, die vor allem amerikanische Soldaten unterhielt, aus Hillbilly- und Country-Musik.

Danach wurde die Formation immer stärker vom Rock ’n’ Roll beeinflusst und Paul Würges formierte die Moonglow Combo, die 1957 endgültig in Rocking Allstars umbenannt wurde. Als „deutscher Bill Haley“ trat er im November 1956 zweimal in der ausverkauften Kongresshalle des Deutschen Museums auf. Würges, der sich schnell einen Namen als einer der besten E-Gitarristen Deutschlands gemacht hat, arbeitete jetzt mit Profimusikern wie Ambros Seelos zusammen. Es folgten Tourneen in die Schweiz sowie nach Österreich und Polen. Anfang 1957 sang Würges in der Filmkomödie Gruß und Kuß vom Tegernsee den Titel Black Boy Jacky, der wenig später bei Decca als seine erste Single erschien.

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Paul Würges (Mitte) in der Rumba-Bar in der Goethestraße, München (ca. 1960)

Neben zahlreichen Konzerten trat Würges mehrmals im österreichischen Fernsehen sowie im Film Witwer mit fünf Töchtern (1957) auf. 1959 unterzeichnete Würges einen neuen Plattenvertrag bei der erst ein Jahr bestehenden Ariola. Diese veröffentlichte von Würges deutschsprachigen Rock ’n‘ Roll und Instrumentals. Es handelt sich zumeist um Coverversionen amerikanischer Hits. Obwohl Kritiker seinen Aufnahmen mehr Qualität als denen von Peter Kraus oder Ted Herold bescheinigen, gelang Würges kein großer Hit. Einige Titel avancierten dennoch zu Achtungserfolgen, wie etwa die in Stockholm aufgenommenen Eigenkompositionen Honky Tonk und Paul’s Boogie. In Schweden war Würges auch als Gitarrist des schwedischen Sängers Little Gerhard engagiert. Anschließend folgten Europa-Tourneen mit den Orchestern von Max Greger und Ernst Jäger.

Zwischendurch nahm Paul Würges weiterhin Schallplatten auf. Ab 1962 gehörten auch Modetänze wie Twist, Madison und Hully Gully zu seinem Programm. Anfang 1964 trat Paul Würges anlässlich der Olympischen Winterspiele in Innsbruck auf. Der Titel Olympic Nights, der bereits vorab als Single erschien, wurde ein großer Live-Erfolg. Außerdem nahm Würges mit einer Studioformation unter dem Namen The Thunderbirds ein Album auf, das 12 instrumentale Titel umfasste. Als Musiker begleitete er namhafte Gesangsinterpreten wie Paul Anka, Chubby Checker, Billy Sanders oder Tony Sheridan.

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Als Mitte der 1960er Jahre der Rock ’n’ Roll von der nunmehr populären Beatmusik abgelöst wurde, zeigte Würges sich auch diesem Trend gegenüber aufgeschlossen. Mehrere Aufnahmen von Würges wurden unter dem Pseudonym Jeff Jackson & his Explorers auf dem Label Metronome International vertrieben. Daneben wirkte er bei Aufnahmen für Kaufhaus- und Billiglabel mit.

Paul Würges ist bis März 2017 mit seinen Rocking Allstars regelmäßig aufgetreten.

Am 30. November 2017 verstarb Paul Würges. (Quelle: wikipedia)

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Und die Macher von Bear Family nahmen auch Abschied von ihm:

Aus München erreichte uns soeben die traurige Nachricht, dass PAUL WÜRGES vorgestern Abend im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Als einer der wahren Ur-Väter des Rock’n’Roll in diesem Land und einer der besten deutschen Gitarristen überhaupt, wurde Paul Würges schnell zum Kult-Star!

Dem 1932 in München geborenen Ausnahme-Musiker blieben in seiner fast 60-jährigen Karriere Hitparaden-Ehren zwar versagt, doch sein Status ist dennoch auf Augenhöhe mit weitaus populäreren Rock’n’Rollern der damaligen Zeit, wie Ted Herold , Tommy Kent oder Peter Kraus!

Die Musik und das Gitarrenspiel von Paul Würges hat seinerzeit für besonders großes Aufsehen gesorgt, denn er war (fast) der einzige wirklich ernsthafte Rock’n’Roll Star, der das Genre in seinen Liedtexten eben nicht veralberte.

Er widmete sich Gitarren-Instrumentals, deutschsprachigen Liedern, einer ‚Olympia-Melodie‘ (die 1964 unter dem Titel ‚Olympic Nights‘ deutliche Spuren hinterließ) – und immer wieder der Rock ’n‘ Roll-Packung, dass die Funken flogen. Würges war auch mit den Bavarian Playboys, den Thunderbirds, den Watusis und den Hit-Paraders, sowie unter dem Pseudonym Jeff Jackson aktiv und stand noch bis einige Monate vor seinem Tod in München regelmäßig auf der Bühne.

Wer nur einmal sein ‚Twist Around The Clock‘ gehört hat, weiß für alle Zeiten, wie es zu Paul Würges‘ auszeichnendem Titel, ‚der deutsche Bill Haley‘, kommen konnte!

Lieber Paul,

nicht nur München und der gesamte Süden Deutschlands trauert, auch wir von Bear Family im Norden der Republik, werden dich vermissen!

Pass‘ auf dich auf und grüß‘ Bill

R.I.P. Paul Würges!

Bear Family Records / Marc Mittelacher

Nun ja … das Rock N Roll Urgestein aus München ist nun von uns gegangen …

Hier mal seine 2. Single … Der Song „Pepe“ stammt übrigens aus dem gleichnamigen Film

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Seine Abschiedsparty gab er heuer noch, und zwar am 24.03.2017 !

Besetzung:
Paul Würges (guitar)
+
Benny Sky und sein Orchester

BackCover

Titel:
01. Pepe (Pinelli/Dory Langdon/Wittstatt) 2.01
02. Geisha-Baby (Sky/Lordup) 2.53

 

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Paul Würges (* 13. März 1932 in München; † 30. November 2017 ebenda)

 

 

Dany Mann – Alle Tage Liebe + 3 (1959)

FrontCover1Auch wenn sie heute nicht mehr sonderlich gut bekannt ist … diese Frau hatte auch ein sehr bewegte Biographie:

Dany Mann, auch Danny Mann, Sybille Pagel (* 21. Februar 1938 in Stettin; † 29. Mai 2010 in München; bürgerlicher Name Sybille Danielle Pagel), war eine deutsche Schlagersängerin, Jazzsängerin und Schauspielerin.

Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete Sybille Pagel, drittes und jüngstes Kind einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, mit ihrer Mutter nach Hannover. Später zog sie zu ihrer Tante, der Schriftstellerin Eva Döring, nach Basel. Nach Kriegsende kehrte Pagel in die niedersächsische Landeshauptstadt zurück, wo sie ihren Schulabschluss machte und sich an der Akademie für Musik und Theater einschrieb. Als Sängerin der New Jazz Group Hannover trat sie in Hannover und Umgebung auf. Ab Mitte der 1950er Jahre folgten überregionale Auftritte auf zahlreichen renommierten Jazzfestivals.

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Dany Mann mit Peter Kraus

Freunde überredeten Pagel 1955 beim bundesweiten Gesangswettbewerb Die große Chance der Schallplattenfirma Electrola teilzunehmen. Neben dem Sänger Ralf Bendix und dem Pianisten Ingfried Hoffmann gehörte Pagel zu den drei Gewinnern, die einen Plattenvertrag erhielten. Sybille Pagel konnte mit ihrer ersten Single, die zwei von Hans Bertram produzierte und von Paul Kuhn arrangierte Schlager enthielt, keinen Erfolg landen. Auch zwei 1956 veröffentlichte Schallplatten von Electrola fanden nicht genügend Käufer, um sich in den Hitparaden zu etablieren. Neben dem Jazz und der Schauspielerei blieben Plattenaufnahmen für Pagel zunächst nicht mehr als eine interessante Nebenbeschäftigung. 1956 heiratete Pagel den Briten John Mann, mit dem sie schon länger verlobt war. Sie zog mit ihm nach Amsterdam, wo sie erstmals unter dem Künstlernamen Dany Mann als Jazzsängerin auftrat. Später zerbrach die Ehe.

DanyMann021957 unterschrieb Pagel einen Vertrag bei der Plattenfirma Polydor, wo sie unter ihrem bürgerlichen Namen mit Produzenten und Musikern wie Erich Bender, Bert Kaempfert, Werner Müller und Horst Wende zusammenarbeitete. 1958 wechselte sie von Hamburg zum Polydor-Studio Wien zum erfolgreichen Musikproduzenten Gerhard Mendelson, der Pagel unter ihrem Künstlernamen Dany Mann, zunächst Danny Mann geschrieben, vermarktete. Mit Sexie Hexy, der deutschsprachigen Coverversion des Connie-Francis-Hits Stupid Cupid, gelang der Sängerin der Durchbruch. Produzent Mendelson setzte bei der Auswahl weiterer Schlager bewusst auf moderne Arrangements und die jugendlichen Ausstrahlung Danny Manns. Bei Plattenaufnahmen, Konzerttourneen, Film- und Fernsehauftritten arbeitete die Künstlerin mit namhafte Kollegen wie Louis Armstrong, Karlheinz Böhm, Johannes Fehring, Günther Frank, Erwin Halletz, Harald Juhnke, Peter Kraus, Werner Scharfenberger und Peter Weck zusammen.

Bei Filmaufnahmen lernte Dany Mann den Showmoderator und Schlagersänger Chris Howland kennen, mit dem sie eine Beziehung begann. Howland machte den DanyMann03Musikproduzenten und Schlagerkomponisten Heinz Gietz auf seine Partnerin aufmerksam, die 1960/1961 wiederum zum Electrola-Label wechselte. Mit der deutschen Coverversion des Sue-Thompson-Hits Norman gelang Dany Mann 1962 erneut ein Erfolg. Der Titel hielt sich 20 Wochen in den deutschen Charts. Wie zuvor bei der Polydor ließen die Verkaufszahlen ihrer Plattenaufnahmen insgesamt jedoch nach. 1964 veröffentlichte sie ihre letzte Single bei der Electrola; damit war ihre Schlagerkarriere beendet. Sie widmete sich nunmehr vor allem ihrer Karriere als Schauspielerin, trat zunehmend auch in ernsteren Filmrollen auf und heiratete, nachdem ihre Beziehung mit Chris Howland scheiterte, den österreichischen Filmregisseur Herbert Vesely (1931–2002).

Nach der Geburt ihres Sohnes widmete sie sich vordergründig ihren Aufgaben als Mutter und Hausfrau. Mit ihrem Bruder Helli Pagel – 1961 „Lockvogel“ in der Fernsehreihe Vorsicht Kamera mit Chris Howland – nahm sie 1966 bei der deutschen Niederlassung der Vogue ihre vermutlich letzte Schallplatte, die LP Brüderlein Schwesterlein – Deutsche Volkslieder, auf.

Beruflich konzentrierte sich Dany Mann weiterhin auf die Schauspielerei. Sie spielte Theater und stand gelegentlich in Kino- und Fernsehfilmen vor der Kamera. Seit dem Tod ihres Mannes lebte die Künstlerin zurückgezogen in München. Zuletzt litt sie an Altersdemenz und wurde in einem Seniorenstift betreut. Sie starb in einem Krankenhaus in München (Quelle: wikipedia)

Nun, hier eine EP aus dem Jahr 1959 … harmlose Teenager Liedchen aus einer Zeit, als man Teenager eigentlich noch gar nicht sagte … Backfisch war da eher der damals passende Begriff.

Mag ja sein, dass sie mit „Sexy Hexy“ sehr erfolgreich war … zu den Schlagersängerinnen, die meine Sinne betörrend könnte, zählt sie dennoch nicht. Macht ja auch nix … wir hören hier ein Stück bundesdeutsche Glückseligkeit aus der Zeit des Wirtschaftswunders …

DanyMann04

Besetzung:
Dany Mann (vocals)
+
Günther Frank (vocals bei 02.)
+
Orchester Johannes Fehring (bei 01. + 04.)
Orchester Werner Scharfenberger (bei 02. + 03.)

BackCover

Titel:
01. Alle Tage Liebe (Love Me In The Daytime) (Allen/Bradtke) 2.45
02. Wir versteh’n uns fabelhaft (Scharfenberger/Bradtke) 2.46
03. Weil ich noch jung bin (Scharfenberger/Busch) 2.15
04. Hallo, my Boy (A Litlle Bird Told Me) (Brooks/Hertha) 2.18

LabelA

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Max Greger und sein Orchester – Moskauer Nächte + Tiflis (1959)

FrontCover1Das Jahr 1959 war für Max Greger ganz sicher ein ganz besonderes Jahr … denn er durfte vermutlich als einer der ersten deutschen Unterhaltungsmusiker der Nachkriegszeit eine Tournee durch die Sowjetunion antreten. Mit dabei war übrigens u.a. auch Udo Jürgens …

Die Gastspielreise wurde im Rahmen des deutsch-sowjetischen Kulturaustausches organisiert. Und das war dann schon eine kleine Sensation … bedenkt man jene Jahrein denen der „kalte Krieg“ noch ganz schön heiß tobte.

In Moskau wurden die westdeutschen Musikanten gleich am Bahnhof von einer Gruppe bierernster Funktionäre abgefangen. Bevor sie auch nur ihre Koffer auspacken durften, wurden sie ins „Theater der Roten Armee“ verfrachtet.
„Wir mußten angesichts eines dunklen Zuschauerraums, in dem nur die Abordnung des sowjetischen Kultusministeriums Platz genommen hatte, sofort unser geplantes Programm abrollen lassen“, erzählt Udo. „Es war gespenstisch. Keine Hand rührte sich zum Beifall. Nach jeder Nummer hörten wir entweder ein ‚da!‘ (ja) oder ein ’njet‘ (nein). Nur die zahmsten Sachen wurden akzeptiert. Die heißen Nummern, die uns natürlich am meisten Spaß machten, fielen allesamt unter den Tisch. Wir ärgerten uns grün.

UdoJürgens1959

Leicht vermiest kamen wir am Abend ins Theater. Aber dort gingen uns die Augen über. Die Veranstaltung fand nicht im Saal, sondern in einem gigantischen Freilichttheater, das rund 8000 Menschen faßt, statt. Es war bis auf den letzten Platz gefüllt. Kaum hatten wir unsere Show begonnen, als sich in den hinteren Reihen, wo die Jugend saß, heftige Unruhe ausbreitete. Die jungen Leute pfiffen auf den Geschmack ihrer Funktionäre. Sie wollten Jazz von uns hören. Heiße Musik – und sonst gar nichts. Ich werde nie vergessen, wie Max Greger plötzlich Feuer fing und uns kurzentschlossen zurief: ‚Jetzt spielen wir, was wir wollen!‘
Kaum legten wir richtig los, da brach im Theater die Hölle aus. Die Jugend drängte begeistert nach vorn und schmiß die ‚Offiziellen‘ die sich in den ersten Reihen breitmachten, einfach um.
Es war ein Sieg ersten Ranges. Als wir ins Hotel Ukraine zurückkamen, waren wir zwar glücklich, aber wir glaubten felsenfest, daß man uns nun postwendend aus der Sowjetunion ausweisen würde. Doch nichts dergleichen geschah.“ (Edna Roon:“So ist mein Leben – Die große Udo-Jürgens-Story“)

Für die kommerzielle Auswertung dieser Tournee erschienen dann eine Single und eine EP.

Ich fang mal mit der Single an:

Zwei geschmeidige Melodien von russichen Komponisten, wobei „Moskauer Nächte“ in der Tat ein Welthit wurde … kaum ein Orchesterleiter konnte darauf verzichten, seine Version dieser Melodie einzuspielen.

Und die Max Greger muss sich nun wahrlich nicht verstecken … denn der Max verstand schon damals sein Handwerk … und zwar ziemlich souverän !

MaxGreger1959

Max Greger in Moskau, 1959

Besetzung:
Max Greger und sein Orchester

Abflug

Max Greger und sein Orchester vor dem Abflug nach Moskau, 1959

Titel:
01. Moskauer Nächte (Podmoskovnyje Vetchera)(Solovieff/Sedoy/Matusovsky) 2.24
02. Tiflis (Tibilissi Melodie)(Lagidse/Sedoy) 2.35

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PolydorHülle

Mein Exemplar (eine Neuauflage aus den 60er Jahren) steckt in dieser schlichten Polydor-Hülle