Hans Blum – Charly Brown + Wer weiss warum (1959)

FrontCover1Lange Zeit war er eine feste Größe in der deutschen Schlager-Szene:

Hans-Bernd Blum (* 23. Mai 1928 in Hannover) ist ein deutscher Komponist, Texter, Musikproduzent und Sänger. Er verfasste Schlager wie Beiß nicht gleich in jeden Apfel oder Das schöne Mädchen von Seite Eins und sang 1977 unter dem Pseudonym Henry Valentino den Hit Im Wagen vor mir. Viele seiner Schlager wurden zu Evergreens. Hans Blum lebt in Overath bei Köln.

Blum studierte ab 1941 an der Heeresmusikschule Bückeburg, weil sie finanziell günstiger war als ein Konservatorium. Dort lernte er Kontrabass, Tuba und Klavier. Sein Lehrer spielte Kontrabass beim Leipziger Gewandhausorchester, konnte das schwer transportable Instrument über die Kriegsjahre retten und schenkte es seinem Schüler Blum.[3] Im Jahr 1943 begann in der Heeresmusikschule auch Hans Last das Studium an den gleichen Instrumenten; unter seinem Künstlernamen James Last sollte er später Erfolge feiern.[5] Im April 1945 musste die Schule kriegsbedingt geschlossen werden, so dass die Ausbildung für beide endete. Da Hans Blum vor dem 1. April 1929 geboren wurde, kam für ihn in den letzten Kriegstagen noch die Einberufung, Last hingegen blieb vom Militär verschont.

AutogrammkarteBlum wurde nach seiner Entlassung aus der französischen Kriegsgefangenschaft zunächst Mitglied beim Bernd Rabe-Swingtett, das auf amerikanische Swingmusik spezialisiert war. Im Februar 1948 gründete er das Geller-Quintett, das bis 1950 beim österreichischen Plattenlabel Austroton unter Vertrag war. Es bestand aus Joe Menke,[6] Olga Geller, Paul Giese, Helga Giese (geb. Geller) und Hans Blum. Das Gesangsquintett wurde als Begleitung für eine Vielzahl von Schlageraufnahmen für Interpreten wie Ingrid Lutz, Vera Molnár oder Angèle Durand gebucht. Letztere ließ sich begleiten bei September Song / Wenn Mademoiselle Dich küsst (aufgenommen am 1. August 1951) oder Die wilden Schwäne / Leg’ Deine Hand in meine Hand (19. März 1953). Auch bei Horst Winter (1952; Dreh‘ Dich doch einmal um), Vico Torriani (28. August 1952; Madonna / Maddalena), Bruce Low (Juli 1952; Der Südwind, der weht / Tennessee Waltz; Austroton 16019) tauchten sie als Begleitung auf. Das Quintett nahm aber auch selbst Platten auf, wie Du bist für mich Cleopatra (Austroton 55103; 1951) oder Schlager-Revue (Austroton 55106; 1951), und nahm an zahlreichen Revuefilmen, wie Die verschleierte Maja (Kinopremiere am 31. August 1951) teil.

Das nach Hans-Bernd Blum benannte Hansen-Quartett entstand 1950, als Hans Blum bei den ersten Fernseh-Versuchsprogrammen in Hamburg die Schwestern Ursula und Ingetraut Maschke kennenlernte, die zu dieser Zeit bereits als Geschwister Olden auftraten. Zusammen mit ihnen und Joe Menke formierte er das Hansen-Quartett, das in seiner Gründungsbesetzung aus Ingetraut Maschke, Ursula Maschke, Hans Blum (Kontrabass) und Joe Menke (Gitarre) bestand und künftig einigen personellen Fluktuationen unterlag.

Ab Mai 1952 gehörten Ingetraut Maschke, Nana Gualdi, Hans Blum und Joe Menke zum Quartett, ab Juni 1953 setzte sich die Gruppe aus Ingetraut Maschke, Ingeborg Müller-Menckens, Hans Blum und Rolf Simson zusammen; Besetzung ab Juli 1954: Ingetraut Maschke, Ingeborg Müller-Menckens (später: Ingeborg Langreder), Hans Blum und Tajo Giebeler. Es spielte 1953 auch live in US-Soldatenclubs.

Wie die parallel produzierende Formation Geller-Quintett waren die vier auf Begleitung von Schlagerinterpreten (Fred Bertelmann, Bruce Low) und Teilnahme an Revuefilmen spezialisiert. Als Begleitung tauchten sie für Bibi Johns ab 19. September 1954 (Katharina) bis 1957 auf. Fred Bertelmann ließ sich etwa bei Tina Marie / In Hamburg sind die Nächte lang (3. November 1955) begleiten und nahm ihre Dienste bis 1960 in Anspruch. Die B-Seite war auch Titel des gleichnamigen Films, der am 24. Februar 1956 in die Kinos kam. Kurz darauf heiratete Blum am 5. Mai 1956 das Quartett-Mitglied Ingetraut Maschke.

Unter dem eigenen Namen nahm das Hansen-Quartett eine Vielzahl von Platten auf. Darunter befanden sich die Titel Trompeten-Joe (Electrola EG 8515; 1955), Ragtime Joe / Guaracha Ole (EG 8559; 1955), Ich hab Dich so lieb / Gut’ Nacht mein Schatz, gut’ Nacht (Columbia 27-5555; 1956), Schön ist diese Abendstunde / Rosen in schönster Pracht (EG 8571; 1956) oder Adieu, Monsieur / So ist Paris (EG 8617; 1956). Sie wirkten in den Revuefilmen Gruß und Kuß vom Tegernsee (19. Dezember 1957) und dem einen Tag später uraufgeführten Kinofilm Almenrausch und Edelweiß (Der starke Max aus Halifax, Liebling, denk an mich / Ich tanz heut ohne Schuh; 20. Dezember 1957) mit.

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Hans Blum, Musikerkollege Fred Weyrich und Alexandra, Paris 1966 Eine Zigeunerin, die an seiner Haustüre mit Teppichen handelte, inspirierte Blum zu Alexandas Hit «Zigeunerjunge»

Blum führte auch mehrere Orchester, die er häufig umbenannte wie Orchester Hans Blum, Die Hans Blum-Band, Die Hans Blum-Combo oder das Hans Blum-Ensemble. Letzteres begleitete mit den Hansen Boys und Girls Will Brandes bei seiner Coverversion von Marina (November 1959; Rang 7 der deutschen Hitparade). Dann wagte Blum den Schritt, nicht mehr im Chor andere Interpreten zu begleiten, sondern trat unter seinem Namen bei der von Carl Ulrich Blecher getexteten deutschen Coverversion des Coasters-Hits Charlie Brown auf. Der Text über einen die Lehrer stets provozierenden Schüler hielt sich sehr an die Originalvorlage und wurde in Stereo mit Overdubbing aufgenommen, sodass der Gesang wie eine mehrstimmige Gruppe klingt. Nach Veröffentlichung im Juni 1959 belegte der Titel für drei Wochen die Nummer 1 der Hitlisten und in der Bravo-Musikbox. (Quelle: wikipedia)

Hier nun also diese für Blum enorm wichtige, weil so erfolgreiche Singe aus dem Jahr 1959. „Charlie Brown“ ist natürlich albern ohne Ende, aber vielleicht war das auch notwendig in jenen Jahren … Die B-Seite wurde ursprünglich von Elvis Presley aber auch Wanda Jackson interpretiert und dieser Titel enthält ein wirklich gelungenes Saxophon-Solo … also anhören !

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Hans Blum im reifen Alter von 85 (2013)

Besetzung:
Hans Blum (vocals)
+
Franz Thon und sein Orchester

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Titel:
01. Charly Brown (Leiber/Stoller/Blecher) 2.25
02. Wer weiss warum (Don´t Ask Me Why) (Weismann/Blecher) 2.46

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Alfred Andersch – Der Tod des James Dean (1959 + 1962)

FrontCover1Ein Hörspiel von Alfred Andersch ist die Basis für diesen Beitrag, ein wie ich meine, ziemlich spannender Beitrag aus der deutschen Radiogeschichte:

Alfred Andersch (1914-1980) war als Jungkommunist im KZ Dachau interniert. 1944 lief er in Italien zur US-Armee über. Er war Gründungsmitglied der Gruppe 47 und von 1948 bis 1958 Redakteur beim NWDR und beim SWF. Zu seinem umfangreichen Gesamtwerk zählen auch 15 Hörspiele u.a. eben auch „Der Tod des James Dean“:

„Der Tod des James Dean“ ist eine Collage, die vier Jahre nach dem Tod des US-Filmstars (1955) in Deutschland ästhetisch und politisch als geradezu revolutionär empfunden wurde. Der Rundfunk nahm das Lebensgefühl der „protestierenden Jugend Amerikas, der „geschlagenen Generation“, der Beat-Generation zur Kenntnis. Aus Beat ist längst Pop geworden, der Widerstand ist aufgebraucht. Alfred Andersch, der Autor von „Der Tod des James Dean“, setzte die Collage aus einem Bericht des Schriftstellers John Dos Passos über Leben und Sterben des Filmstars, einer Boxkampfreportage und gerade veröffentlichten Gedichten von Allen Ginsberg, E. E. Cummings, Kenneth Patchen und Kenneth Rexroth zusammen. Mit diesen Beat-Autoren war der neue Ton in die amerikanische Literatur gekommen, Andersch fasste das Lebensgefühl einer Nachkriegsgeneration zusammen, die wusste, was sie nicht wollte, den american way of life, aber nicht, wohin sie gehen wollte. Friedhelm Ortmann heißt der Regisseur der Südwestfunk-Produktion, in der der Trompeter Miles Davis eine getragene, untergründig bewegte,zerreißende, aber ziellos aufrührerische Musik spielt, und diese Musik zu hören, ist der eigentliche Genuss.

Alfred Andersch

Alfred Andersch

Gerade das Spiel dieses Musikers verleiht dem „Klassiker“ die Authentizität. Die deutschen Sprecherstimmen von damals erinnnern in ihrem Pathos noch ein wenig an das bedeutungsvolle Deklamieren, wie es die Ufa-Wochenschau und der Reichsrundfunk geprägt hatten, und wie es in beiden deutschen Staaten bis in die sechziger Jahre hinein unbewusst gepflegt worden ist. Der Tod des narzisstischen, revoltierenden Filmstars James Dean, der mit 24 Jahren auf dem Weg zu einem Wettfahren in einem weißen Sportwagen aus Deutschland verunglückte, hat heute schon eine Spur von Komik. James Dean, das Idol jugendlicher Schönheit, das Sinnbild der „Beat“-Epoche, erfährt immer neue Verwertungen. Gerade erscheinen die James-Dean-Filme in der neuesten Technik für zu Hause, der Digitalen Video-Disk (DVD). James Dean, lebte er noch, wäre ein Herr von siebzig Lenzen. Barbara Schäfer ist die Regisseurin des Remakes, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks. Alfred Andersch hatte zur Musik von Miles Davis bemerkt: „Es lassen sich andere Vorschläge diskutieren, falls eine Musik nachgewiesen wird, die die Aufnahmen an makabrer Trostlosigkeit und musikalischer Qualität übertreffen. “ (Detlef Friedrich; Berliner Zeitung, 6.2.2001)

Und dann gab es eine weitere Fassung dieses Hörspiels, diesmal aufgenommen für eine Twen/Philips LP im Jahre 1962. Twen war damals so ne Art sehr fortschriftliche Jugendzeitschrift, die im Laufe der Jahre eine ordentlichen Kollektionen von LP´s mit ihrem Logo auf den Markt brachten. Hier handelt es sich jedoch eher um eine Ausnahme, da die meisten Twen LP´s eben Musik enthielt.

Gerd Westphal, 1964

Gert Westphal, 1964

Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine „noch konsequenter, hörter gehaltenen Neuaufnahme“ Os meint das jedenfalls Hans Rudolf Hilty, der den ausführlichen und sehr informativen Text auf der Hüllen-Rückseite der LP verfasst hat.

Es war ein Gert Westphal, die bei dieser Neuaufnahme Regie führte. Westphal war bis 1959 im Südwestfunk tätig und kannte von daher die erste Version dieses Hörspiels.

Unabhängig  welche der Versionen man nun als „intensiver“ bezeichnen möchte … beiden ist gemein, dass diese Mischung aus Texten und Musik (von Miles Davis, ausgesucht von Hans-Joachim Behrendt, der damaks ebenfalls beim Südwestfunk arbeitete), dass also diese Collagen-Technik eine enorme Wucht entwickelte. Selten habe ich eine so gelungene Symbiose aus Wort und Musik gehört.

Da fragt man sich, warum man von dieser Form nicht viel öffter Gebrauch gemacht hat. Ok, Gert Westphal ist diesen Weg konsequenter gegangen (z.B. mit seiner „Jazz & Lyrik“ Serie, z.T. auch auf Tonträgern veröffentlicht).

Und dann, um das Thema noch abzurunden, gab es 2001 eine weitere Hörspiel-Version unter der Regie mit Barbara Schäfer und nahmhaften Sprechern wie Christian Berkel, Ben Becker, Dieter Landuris, oder Jan Gregor Kremp- Zu gerne hätte ich diese Fassung auch noch dazu gepackt, dann wäre der Werkvergleich komplett gewesen, aber bedauerlicherweise konnte ich noch keinen Mitschnitt auftreiben.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Hier also eine jener spannenden Hörspiel-Produktionen der50er/60r Jahre, die ganz sicher auch bei etlichen Menschen einen prägenden Einfluss hinterlassen hat.

James Dean

James Dean

Besetzung:

LP – Version (1962):
Kurt Beck (Texte von Allen Ginsberg)
Peter Ehrlich (Texte von Robbin Jeffers – Kenneth Patchen)
Wolfgang Reichmann (Texte von E.E. Cummings – Kenneth Faxroth – Delmore Schwarz)
Walter Richter (Texte von Robert Lowry)
René Scheibli (die Stimme des Jungen)
Gert Westphal (Texte von Dos Passos)

Regie: Gert Westphal

Original – Version (1959):
Horst Bergmann (die Stimme des Jungen)
Hanns Bernhardt (Texte von Delmore Schwartz)
Rolf Boysen (Texte von Robert Lowry)
Friedrich von Bülow (Texte von Kenneth Patchen)
Ludwig Cremer (Sprecher)
Herbert Fleischmann (Texte von Robinson Jeffers)
Klaus Kammer (Texte von Allen Ginsberg)
Heinz Schimmelpfennig (Texte von E. E. Cummings)
Hermann Schomberg (Texte von John dos Passos)
Wolfgang Schwarz (Texte von Kenneth Rexroth)

Regie: Friedhelm Ortmann

Miles Davis, 1962

Verwendete Musikstücke:
Evasion de Julien – Au Bar du petit bac – Gènèrique – Sur l´autoroute – Florence sur les Champs-Elyees

Besetzung:
Kenny Clarke (drums) – Miles Davis (trumpet) – Piere Michelot (bass) – Rene Urtreger (piano) – Barney Wilen (saxophone)

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Titel:
01. Der Tod des James Dean (Teil 1 – LP-Version) 20.41
02. Der Tod des James Dean (Teil 2 – LP-Version) 19.40
03. Der Tod des James Dean (Original-Fassung 1959) 47.40

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Santa Claus Orchestra – Beim Klang der Weihnachtsglocken (1959)

Ich glaube, eine Enzyklopädie der deutsch-traditonellen Weihnachtsaufnahmen ist noch nicht geschrieben worden. Und sollte sich jemand mal dieses Themas annehmen, würde der Begriff Sisyphus-Arbeit mehr als zutreffend sein.

Bei meinen Streifzügen durch deutsche Archive entdecken ich immer wieder was neues, wie hier z.B. ein „Santa Claus Orchestra“ (man beachte diesen englischen Namen – ehr noch ungewöhnliche für die damalige Zeit) spielte 4 Klassiker deutscher Weihnachtsmusik ein (und das gar nicht mal so schlecht und nachdem diese Singe erstaunlich gut erhalten ist, macht es doch Freude, zuzuhören).

Natürlich gibt es auch viel Glockengebimmel … gehört sich ja auch so.

Ansonsten weichen bei den Titeln die Angabe auf der Hülle und dem Label ab (da hat man einfach A und B Seite vertauscht), viel wichtiger ist aber, dass auch hier die Friedenssehnsucht der Menschen angesprochen wird, nicht nur emotional, sondern auch explizit textlich („Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit:  S’ist als ob Engelein singen wieder von Frieden und Freud‘.)

Genauere Informationen über dieses Orchester gibt es natürlich nicht, aber mir scheint, es handelt sich um ein Projekt des deutschen Unterhaltungsmusikers Heinz Alisch (zumindest hat er zwei der vier Titel arrangiert). Und der war eigentlich gar kein so unbekannter:

Heinz Alisch (* 14. Mai 1917 in Spandau; † 20. Juni 1993 in Berlin) war ein deutscher Komponist.

Heinz Alisch wurde als Sohn eines Möbelhändlers geboren. Er kam zuerst auf eine Privatschule und wechselte dann auf das Kant-Gymnasium. Später wechselte er auf das Reformrealgymnasium in Hennigsdorf (Osthavelland). Bei der Pianistin Agnes Mosler-Sturm erhielt er zwischen 1931 und 1933 Klavierunterricht. 1933 besuchte er eine kaufmännische Privatschule und lernte ab April 1934 Klarinette an der Orchesterschule der staatlichen akademischen Hochschule in Berlin. Problematisch für seinen weiteren Lebensweg war, dass er als „Halbjude“ galt, da seine Mutter jüdischer Herkunft war. So konnte er in der Orchesterschule nur aufgenommen werden, weil sein Vater „Frontkämpfer“ gewesen war. Er schloss das Studium 1937 ab, spielte nun Klarinette und Saxophon. In antisemitischen Publikationen Lexikon der HeinzAlischJuden in der Musik und Judentum und Musik wurde er bereits aufgeführt. Er war bereits 1935 als „Halbjude“ aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen worden. Nach kurzer Zeit in der Wehrmacht wurde er 1940 als „wehrunwürdig“ entlassen und zur Zwangsarbeit herangezogen. Ein erneuter Antrag auf Aufnahme in die Reichsmusikkammer wurde 1941 abgelehnt.

Während er in Berlin von Gelegenheitsarbeiten lebte, studierte er das Hauptfach Saxophon an der Staatlichen Hochschule für Musik. Nur gelegentlich konnte er wegen des Berufsverbots illegal als Musiker arbeiten. 1944 und 1945 musste er abermals Zwangsarbeit bei der Organisation Todt leisten. Nach Kriegsende trat er mit Kurt Hohenberger, dem Orchester Kurt Widmann sowie mit dem RIAS Tanzorchester unter Werner Müller auf. Ab 1948 schrieb er für das Orchester Arrangements und dirigierte auch. Ab 1950 begleitete er mit seinem Orchester viele Schlagersänger, darunter Willy Schneider bei dessen Evergreen Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär‘ (Februar 1950). Er entschloss sich 1960, freischaffender Künstler zu werden und komponierte nun Filmmusiken und Lieder, die zu berühmten Schlagern wurden, wie Rote Korallen und Eine Rose aus Santa Monica. Er begleitete mit seinem Orchester Künstler wie Peter Alexander, Esther Ofarim und Robert Stolz. 1972, nach dem Tod seiner Frau, gab er den Musikerberuf auf. Er verstarb in seiner Berliner Wohnung und wurde anonym auf dem Städtischen Friedhof Berlin-Zehlendorf beigesetzt. (Quelle: wikipedia)

Für mich immer aufs neue erschreckend, wie der Nationalsozialismus seine blutige Spur auch durch die deutsche Unterhaltungsmusik gezogen hat.

Weihnachten im II. Weltkrieg

Besetzung:
Das Santa Claus Orchestra
mit
Chorgeleitung und Glocken

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Titel:
01. O du fröhliche, o du selige (Traditional) 2.49
02. O Tannenbaum (Traditional) 2.23
03. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.09
04. Süsser die Glocken nie klingen (Traditional) 2.23

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Verschiedene Interpreten – Die Spitzenreiter 1959 (1960)

FrontCover1Jetzt steht mal wieder so ne heiter-vergnügliche Runde Nostalgie ins Haus. Die Hits des Jahres 1959 aus dem Hause Polydor kamen 1960 auf einem Sampler (sagte man damals noch nicht, der Ausdruck war wohl „Querschnitt“ oder so).

Nun, es ist eine interessante Zeitreise mit vielen unterschiedlichen Aspekten.

Da ist zum einen die Tatsache, dass sich etliche der damaligen Hits in das kollektive Bewußtsein jener Generation (und darüberhinaus !) eingebrannt hat. Damit meine ich z.B. Lieder wie „Mandolinen und Mondschein“, „Morgen“, „Die Gitarre und das Meer“,“Sugar Baby“ und allen voran natürlich der unverwüstliche „Kriminal-Tango“ von Hazy Osterwald.

Aber auch Bill Ramsey´s „Souvenirs“ macht bis heute einfach nur gute Laune.

Und dann lässt sich festellen, dass so etliche der damaligen Stars bis heute einen klangvollen Namen habe. So ist z.B. Peter Kraus bis heute noch aktiv. Apropos Peter Kreuz: ihn hört man auch bei dem Lied „Cowboy-Billy“ gemeinsam mit Jörg Maria Berg hatte er kurzfristig das Duo „James Brothers“ gegründet.

Und da gibt es auch noch ne Handvoll von Sängern, die den großen Sprung über all die Jahrzehnte nicht geschafft haben, wie z.B. das Duo „Tom und Tommy“ die hier den skurillen Song „Eine handvoll Heimaterde“ zum besten geben.

Die Gesangspartnerin von Louis Armstrong, Gabriele Clonisch beendete dann ihre kurze Karriere als Kinderstar im Jahr 1963.

Und auf einen Song will ich dann noch ganz besonders hinweisen: „Charly Brown“ von den „Honey Twins“ (dahinter verstecken sich die Sängerinnen Andrea Horn und Trixie Kühn); begleitet werden sie nämlich vom Max Greger Orchester und der ließ es sich nehmen am Ende des Liedes ein wirklich ganz schön heißes Saxophon-Solo zum besten zu geben … Respekt !

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Und das schreibt die ‚WDR4/Schallplattenbar“ über dieses Album:
Im Herbst 1960 startet die Plattenfirma Polydor mit der Langspielplatten-Serie „Die Spitzenreiter“ ein Großprojekt. Auf einen Schlag werden 11 LP’s mit den größten Hits der Jahre 1949 – 1959 veröffentlicht. Die Titelauswahl für ein abgelaufenes Schlagerjahr erfolgt zwar zwangsläufig aus der Retrospektive, aber in diesem Fall war der zeitliche Abstand teilweise doch schon erheblich. Die „Spitzenreiter 1959“, um die es hier geht, lagen allerdings noch nicht so weit zurück, was bei der Zusammenstellung sicher hilfreich war. Die folgenden Langspielplatten dieser Reihe erscheinen dann im jährlichen Turnus.

Für die Firma Polydor verlief das Jahr 1959 kommerziell gesehen äußerst erfolgreich und die Auswahl an Spitzenhits ist dementsprechend groß. Unter den umsatzstärksten Interpreten des Plattenkonzerns findet man wieder einmal Freddy, der dafür sorgte, dass auch diesmal die Seemannsromantik nicht zu kurz kam. Mit „Die Gitarre und das Meer“ und „Unter fremden Sternen“ bereichert er diese Kollektion als einziger Solist gleich mit zwei Aufnahmen. Dabei handelt es sich um die Titelmelodien der ersten beiden großen Freddy-Filme, die 1959 ihre Kino-Premiere erlebten. Natürlich ist auch Peter Alexander, ein weiterer Erfolgsgarant der Firma, wieder mit von der Partie. Dafür fehlt allerdings Caterina Valente, denn sie wechselte inzwischen zu Decca, in der Hoffnung, ihre Karriere auch international voranzutreiben.

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Dass mittlerweile auch die Teenager einen Großteil der Plattenkäufer ausmachen, sieht man daran, dass mehrere Titel dabei sind, die speziell für das junge Schlagerpublikum produziert wurden. Neue Namen wie Tommy Kent oder die Honey Twins sorgen für frischen Wind, während Peter Kraus und die James Brothers (Peter Kraus & Jörg Maria Berg) bereits unter den Spitzenreitern des Vorjahres zu finden waren. Dass dem Heimatschlager nicht ganz die Puste ausging, ist dem Duo Tom & Tommy zu verdanken. „Eine Handvoll Heimaterde“ blieb jedoch ihr einziger großer Hitparadenerfolg. Es fällt auf, dass diesmal nur noch die Hälfte der Titel von heimischen Autoren stammt. Coverversionen internationaler Hits sind deutlich auf dem Vormarsch.
Zu den Schlagerfavoriten 1959 gehört „Am Tag als der Regen kam“, gesungen von Dalida. Diese Aufnahme erschien allerdings bei der Firma Ariola. Die Polydor hatte den Titel mit einer gewissen Renée Ray nachproduziert. Hinter diesem international klingenden Pseudonym verbarg sich die Sängerin Renée Franke, die ihre große Zeit in den frühen 50er Jahren hatte. Von den Konsumenten wurde ihre Version zwar kaum beachtet, doch bei der Titelauswahl der vorliegenden LP griff man gern darauf zurück. Immerhin konnte man so auch einen Hit der Konkurrenz präsentieren. Diese Möglichkeit hätte man auch beim Nr.-1-Hit „Tom Dooley“ gehabt, der bei der Electrola vom Kingston-Trio in englisch und von den Nilsen Brothers in deutsch gesungen wurde. Die Polydor ließ diesen Schlager vom „Tom Dooley-Trio“ einsingen, zu dem u.a. Ralf Paulsen gehörte. Doch offenbar wurde das bei der Zusammenstellung dieser Schlagerauslese übersehen.

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Die Plattenhülle der LP zeigt – wie bei der kompletten Reihe üblich – ein Reitsportmotiv. Um das auf Anhieb zu erkennen, muß man in diesem Fall aber schon etwas genauer hinschauen. Auf der Rückseite sind alle Interpreten abgebildet. Wobei Peter Kraus gleich zweimal zu sehen ist: Zum einen als Solist, zum anderen als Mitglied der James Brothers. Fans von Kopplungen, die die großen Hits eines Jahrgangs zusammenfassen, dürfte diese Langspielplatte mit Sicherheit zufrieden stellen. Sogar für Raritätensammler ist etwas dabei, denn die Aufnahme mit Renée Ray ist bislang auf keiner CD zu finden.

Ob nun ein weißes Schiff nach Hongkong fährt oder ob Jacky Brown & Baby Miller in einer obskuren Taverne einen Tango tanzen – die „Spitzenreiter 1959“ bieten ein tolles und abwechslungsreiches Schlagerprogramm.

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Titel:
01. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Die Gitarre und das Meer (Olias/Pinelli) 2.28
02. Ivo Robić und die Song-Masters: Morgen (One More Sunrise) (Mösser) 2.34
03. Bill Ramsey (Orchester Werner Twardy): Souvenirs (Bartels/Coben) 1.53
04. Tom und Tommy (Horst Wende-Tanzsolisten): Eine handvoll Heimaterde (Peka/Zalatnay) 2.14
05. Peter Alexander (Orchester Erich Werner): Mandolinen und Mondschein (Mandolins In The Moonlight) (Bartels/Schroeder/Weiss) 2.35
06. Die James Brothers (Orchester Werner Scharfenberger): Cowboy-Billy (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.38
07. Louis Armstrong und Gabriele (Orchester Erwin Halletz): Onkel Satchmo’s Lullaby (Bradtke/Halletz) 2.25
08. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Unter fremden Sternen (Fährt ein weisses Schiff nach Hongkong) (Olias/Pinelli) 2.49
09. Melitta Berg (Horst Wende-Tanzsolisten): Nur du, du, du allein (To Know Him Is To Love Him) (Relin/Spector) 2.26
10. Peter Kraus (Orchester Werner Scharfenberger): Sugar-Baby (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.31
11. Hazy Osterwald-Sextett: Kriminal-Tango (Feltz/Trombetta) 3.32
12. Tommy Kent (Horst Wende-Tanzsolisten): Susie Darlin‘ (Luke/Mösser) 2.40
13.  Honey Twins (Orchester Max Greger): Charly Brown (Blecher/Leiber/Stoller) 2.10
14. Renée Ray (Orchester Glen Marshall): Am Tag als der Regen kam (The Day When The Rain Came) (Bader/Bécaud/Dalanoe) 2.47

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Gisela Jonas – Bei Gisela (1959)

FrontCover1Die Gisela aus Schwabing ist tot … Sie starb am 25. Juli 2014 im Alter von 85 Jahren in ihrer Münchner Wohnung …

1929 wurde sie in Moers am Rhein geboren. Später kehrte sie von einem Einkaufsgang nicht mehr nach Hause zurück, sondern gelangte über Frankfurt, Heidelberg und Garmisch 1949 nach München. Sie hatte in der Zwischenzeit im Kirchenchor gesungen, bei Meister Jansen als Schmiermaxe und im “Garmischer Hof“ als Tellerwäscherin gearbeitet – man weiß, dass dies die Vorbereitungen auf große Karrieren sind: Gespannweltmeister oder Präsident eines großen Landes – und fand nun in dem Künstlerlokal „Mutti Bräu“ in Schwabing Unterschlupf, wo sie die Wirtin, eben Mutti Bräu, willkommen hieß. Dort stand Gisela hinter dem Tresen, sang auch das eine oder andere Liedchen für die dort versammelte Künstlerschar.

1952 suchte sie auf Anraten von Freunden ein eigenes Lokal und fand dieses auch – das „Flimmerzelt“. Sie baute und modelte es mit Hilfe ihrer Schwabinger Freunde und Maler, vor allem mit Mac Zimmermann, um, schrieb „Bei Gisela“ darüber und stand von nun an jeden Abend auf der kleinen Bühne neben der krummen Schwabinger Laterne, um dem immer größer werdenden Kreis von Gästen mit ihrer „verruchten“ tiefen Stimme ihre Lieder und Chansons vorzusingen. Es begann eine beispiellose Karriere.

Neben Klassikern („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ oder „Klein Madeleinchen“) sang Gisela viele, zum Teil für sie geschriebene Lieder im Stil des damaligen deutschen Chansons. Das Publikum, das diese Lieder hören wollte, ergab allabendlich eine stimmungsvolle Melange aus Interessierten und Interessanten, aus Studierenden und Musizierenden, aus Schönen und Reichen und denen, die sich für all das hielten.

Gisela05Es gab eine richtige Band, man redete, trank und tanzte – 20 Paare auf acht Quadratmetern Tanzfläche – man rezitierte, verkaufte selbst gefertigten Schmuck, Bildchen und in Schokolade getauchte Erdbeeren, sang und setzte sich in Szene, so gut es eben ging, man ließ Gisela und sich selbst hoch leben. Als dann aber noch der „Nowak“ dazu kam, war der Ruhm nicht mehr aufzuhalten.

Die Melodie und die ersten Strophen des „Nowak“ stammen von Hugo Wiener und wurden 1952 für seine Frau Sissi Craner geschrieben. Das Lied war allerdings in …Österreich verboten. Erst im Jahre 1954 brachte Philipps-Hildebrandt das Lied nach München, wo Gisela es in ihrem Nachtlokal „Bei Gisela“ allabendlich sang. Von den Strophen, die Hugo Wiener geschrieben hatte, sang sie allerdings immer nur die erste, die dann weltberühmt wurde:

„Ich habe einen Mann, den viele möchten,
Der immer mich bewahrt vor allem Schlechten.
Ein jeder kennt ihn, „Nowak“ ist sein Name,
Ihm danke ich, daß heut‘ ich eine Dame.
Ob angezogen oder als ein Nackter,
Der Nowak hat am ganzen Leib Charakter.
Ich hätt’ schon längst ein böses End` genommen,
Aber der Nowak läßt mich nicht verkommen.“

Es ist erstaunlich, wer alles gerade diesen Refrainvers kennt – und nur diesen – auch wenn er das Lied nie selbst gehört hat.

Die restlichen Strophen bezogen sich auf bestimmte Personen der Münchner Szene oder auf immer wiederkehrende Ereignisse wie Handwerks- oder Gastronomenmesse, auf Chirurgen- oder andere Kongresse – aber auch auf Einzelereignisse wie den ersten Weltraumflug eines Menschen oder die Erfindung der Pille. Die meisten jedoch dienten der Selbstdarstellung einer „Verruchten“. Manche der Verse wurden auch wohl nur ein einziges Mal gesungen, manche vielleicht gar nicht.

Aus heutiger Sicht sind viele Texte nur noch um ihrer historischen Aussage oder Komik willen interessant, da die meisten Menschen – auch die Schwabinger – die Zusammenhänge nicht mehr kennen.

Es ist nur schwer verständlich, was damals, in den fünfziger bis siebziger Jahren, als besonders verrucht oder obszön angesehen wurde, – ja, sogar bis vor den Kadi führte. Heute würde es nur ein müdes Lächeln hervorrufen.

Zeitungsartikel

Allerdings war es nicht der „Nowak“, der Gisela vor den Richter brachte, sondern die Rückseite einer Nowak-Platte – „Späte Reue“ und „Morgengrauen“ – derentwegen ein Hamburger Jugendpfleger Anzeige erstattet hatte. Der „Nowak“ wurde, weil bekannter, zur Überschrift heran- und so in Mitleidenschaft gezogen. Der Richter, auch er Gast bei Gisela, bescheinigte ihr, die später viel zitierte „gebildete Dame mit unzüchtigem Charakter“ zu sein und verdonnerte sie dazu, einige ihrer „jugendgefährdenden“ Platten mit einem kleinen Schloss zu versehen, dessen Schlüssel dem Zugriff von Kindern und Jugendlichen zu entziehen war. Ein Werbegag, den Gisela nie hätte bezahlen können.

Nachdem sie mit ihrem Mann 1974 in die bayerische Provinz ausgewandert war, um herauszufinden, wer ihrer vielen Gäste und Freunde ihr folgen und sie besuchen würde – wie viele waren es wohl, was glauben Sie? – blieb sie dort in Dinkelsbühl und später Wallenstein, um ein Restaurant zu betreiben.

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Nach zehn Jahren aber wurde das Heimweh größer – sie kam zurück nach München, arbeitete zunächst bei Gerd Käfer im Deutschen Theater und mit Konstantin Wecker im Café Giesing. 1986 aber hatte sie wieder ein eigenes Lokal, eine neue „Schwabinger Gisela“, allerdings in der Herzog-Heinrich-Straße, ein „Wohnzimmer“, in dem die alten und neuen Freunde wieder zusammenkamen, rauchten, tranken, erzählten und musizierten. 1991 musste sie aus gesundheitlichen Gründen das Lokal aufgeben.

Es wurde still um sie. Seitdem lebt sie in München, der Stadt ihres Lebens, wo sie ihre Freunde trifft, und im hinteren Alpbachtal in einer Hütte, um sich herum ein großartiges Panorama aus steilen Wiesen, Bergen, Wäldern, Almen und schönen Holzhäusern, wo einige ihrer Freunde sie besuchen und von ihr mit einem Schnapsl und einer Tiroler Brotzeit bewirtet werden.
Gelegentlich mal ein Interview: Frau Dialer? Wer war denn gleich Frau Dialer? Ach, die Schwabinger Gisela! Herrje, was waren das für schöne Zeiten!

Dann kam der 24. Januar 1999. Die Frau, die so sehr mit dem Münchner Stadtteil Schwabing verbunden war, dass beide Begriffe in einem Atemzug genannt wurden, die „Schwabinger Gisela“, wurde 70. Sie stand wieder im Schwabinger Rampenlicht!

Der Oberbürgermeister der Stadt München, Dr. Christian Ude, feierte sie mit einer stilvollen Einladung in der schönen Seidl-Villa in Schwabing, bei der sich dann Freunde, Gäste, Musiker, Künstler und Verwandte trafen und den alten Liedern aus dem Lautsprecher lauschten, ein wenig nostalgisch zwar, aber immer noch neugierig und sich an das Alte erinnernd, aber nicht daran hängend.
Man erzählt vom heutigen Schwabing – es war natürlich alles ganz furchtbar!

Die Jungen aber haben ihr eigenes, wie immer ganz anderes Schwabing und die Traumtänzer und Luftschlossarchitekten gibt es immer noch. Man hat Ideen und Vorhaben und so war dies auch zugleich die Geburtsstunde der Idee, Giselas Lieder einem interessierten Kreis wieder zugänglich zu machen und diese CD herauszugeben. Sponsoren und Tonstudio wurden gefunden, alte Platten und Bänder tauchten wunderbarerweise wieder auf.
So schließt sich der Kreis, denn, wie Gisela in einem Interview meinte: „Von Schwabing kommt man nicht los!“ (Pit Seng)

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Gisela Jonas-Dialer, die noch im Februar 2014 einen letzten öffentlichen Auftritt in der Schwabinger Galerie Roucka hatte, verstarb nach langer schwerer Krankheit am 25. Juli 2014 in ihrer Münchner Wohnung.

Hier nun zum Auftakt ihre „Skandal-EP“ aus dem Jahre 1959 … und in der Tat: sie gibt ganz schön frivoles von sich und befindet sich letztlich in der Tradtion jener zweideutigen Lieder, die wir ja schon aus den 20er und 30er Jahren kennen …

Und wenn ich lese, dass die oben erwähnte CD mittlerweile für 150 € angeboten wird … dann krieg ich das Kotzen … und von daher sind ganz sicher weitere Raritäten von diesem Schwabinger Urgestein hier zu erwarten … Derweil bearbeite ich gerade so eine Art „Material-Band“ vor … der demnächst das Licht der digitalen Öffentlichkeit erblicken wird. Bis dahin viel Vergnügen mit dem Novak und weiteren frivolen Erkenntnissen.

Gisela Jonas (Januar 2014)

Besetzung:
Gisela Jonas (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker (vielleicht waren es die „Occamstreet Footwarmers“, die damals die Hausband in dem Nachtlokal „Bei Gisela“ waren.

UdoGisela

Titel:
01. Der Novak (Parodie) (Forsell/Wiener) 4.45
02. Späte Reue (Forsell/Brüning) 2.41
03. Morgengrauen (Gorski/Forsell) 3.30
+
04. Schwabinger Laterne (Buschor) 2.27

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Ein Fax von Udo Jürgens

Paul Badura-Skoda – Klavierkonzert Nr. 20 D Moll KV 466 (Mozart) (1959)

FrontCover1Also bis dato sagte mir der Namen Paul Badura-Skoda so gar nichts … schaut man sich ein wenig um, so kann man dann festellen, dass er wohl ein sehr geschätzer Pianist war …

Paul Badura-Skoda (* 6. Oktober 1927 in Wien) ist ein österreichischer Pianist, Klavierpädagoge, Musikschriftsteller und Herausgeber.

Am Beginn seiner Karriere stand der Gewinn des österreichischen Musikwettbewerbs 1947. Sein Lehrer war Edwin Fischer. Seit 1949 trat er mit bedeutenden Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan auf. Es folgte eine internationale Karriere, doch wirkte er auch als Professor für mehrere Generationen von Klavierstudenten.

Schwerpunkt seines umfangreichen Repertoires (von ihm existieren mehr als 200 Einspielungen) sind Werke von Mozart, Beethoven und Schubert.

Für einen Pianisten seines Rangs eher ungewöhnlich ist auch seine frühe Zuwendung zur Historischen Aufführungspraxis. Berühmt wurden seine Gesamtaufnahmen der Klaviersonaten von Mozart und Schubert auf historischen Flügeln beim Label Astree.

Paul Badura-Skoda1.jpgPaul Badura-Skoda trat – teilweise mit seiner Frau Eva Badura-Skoda – auch als Musikschriftsteller und Herausgeber von Werkausgaben in Erscheinung. Er ist Ehrendoktor der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Außerdem schrieb er Kadenzen zu Klavierkonzerten von Mozart.

Mehrere von ihm eingespielte CDs sind beim Leipziger Klassik-Label GENUIN erschienen. Im Mozartjahr 1991 führte er in Regensburg sämtliche Klaviersonaten des Komponisten auf.

Im Jahr 2013 wirkte Paul Badura-Skoda als Mitglied der Jury beim Internationalen Deutschen Pianistenpreis in Frankfurt am Main, aus dem Dmitri Levkovich als Laureat hervorging.

Am 15. Oktober 2017 gab Badura-Skoda anlässlich seines kurz zuvor gefeierten 90. Geburtstages im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins ein restlos ausverkauftes Konzert mit folgendem Programm: Ludwig van Beethoven: Sechs Bagatellen für Klavier op. 126; Sonate für Klavier E-Dur, op. 109; Sonate für Klavier As-Dur, op. 110; Sonate für Klavier c-Moll, op. 111. (Quelle: wikipedia)

Und das mit 90 Jahren !!!

Oder aber auch:

Als gebürtiger Wiener gewann er mit 20 Jahren nach dem Krieg den ersten Preis im österreichischen Musikwettbewerb, der ihm ein für sein Leben richtungweisendes Stipendium für Edwin Fischers Meisterkurse in Luzern brachte. Wenig später wurden Furtwängler und Herbert von Karajan auf ihn aufmerksam und die Konzerte mit diesen Dirigenten wurden zum Beginn einer kometenhaft aufsteigenden Karriere, die ihn in die Konzertsäle aller Kontinente und in die Schallplattenstudios von Europa und USA sowie in die internationalen Fernsehstudios brachte.

Paul Badura-Skoda2

Paul Badura-Skoda ist regelmäßiger Gast bei den wichtigsten Musikfestivals und spielt als Solist mit den berühmtesten Orchestern. Außer mit Furtwängler und Karajan ist er mit Dirigenten wie George Szell, Karl Böhm, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Sir Charles Mackerras, Sir Georg Solti, Kent Nagano und John Elliot Gardiner aufgetreten.

Badura-Skoda hat ein umfangreiches Repertoire auf Tonträgern aufgenommen – mehr als 200 LPs und an die hundert CDs, darunter die kompletten Sonatenzyklen von Beethoven, Mozart und Schubert. Der Künstler sieht seine Lebensaufgabe darin, die Werke der Meister im Geiste der Komponisten lebendig zu vermitteln. Er gilt als internationale Autorität in Textfragen, hat hunderte von Autographen und Paul Badura-Skoda3Originalausgaben studiert, von denen er ein umfangreiches Fotoarchiv besitzt. Frucht dieser Studien sind zahlreiche Urtextausgaben, Aufsätze und Bücher über Bach- und Mozart-Interpretation.

Paul Badura-Skoda spielt sowohl auf historischen als auch auf modernen Klavieren. Seine besondere Kenntnis der Tasteninstrumente von Bach über Mozart bis heute macht ihn zu einem Interpreten, der sein Publikum immer wieder begeistert.

Paul Badura-Skoda ist einer der großen Pianisten unserer Zeit – ein legendärer Künstler, der in den Konzertsälen der ganzen Welt zu hören ist. Seine musikalische Persönlichkeit ist geprägt von einer völligen Vertiefung in die Musik, einer leidenschaftlichen Suche nach dem Wesentlichen und einer hohen künstlerischer Verantwortung. Der Zuhörer spürt sofort, dass er die Musik mit jeder Faser seines Wesens liebt. (Quelle: www.gramola.at)

Genug des Lobes … Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1959, eingespielt für das Heliodor Label (das mit bis dato eigentlich eher als Schlager Label bekannt war; Heliodor war ein Sublabel der Deutschen Grammophon).

Und dieses Klavierkonzert von Mozart hat in seinem Schaffen wohl einen ganz besonderen Stellenwert:

Das 20. Klavierkonzert stellt in vieler Hinsicht einen Durchbruch dar. Es ist das erste Beispiel eines sinfonischen Klavierkonzertes. Spätestens im 19. Klavierkonzert hatte sich dies mit großen, eigenständigen Orchesterpassagen und zeitweiser Begleitfunktion des Soloklaviers angedeutet. Das 20. Konzert hat dahingehend ähnliche Bedeutung wie das 15. Klavierkonzert KV 450 für die Entwicklung der Orchesterexposition und der Rolle der Bläser.

Mozart überwand spätestens mit diesem Komposition die Verpflichtung der Musik an Unterhaltungsideale und fand zur Freiheit des individuellen Künstlers. Damit gehört das Konzert KV 466 zu den Wegbereitern kommender musikalischer Epochen. (Quelle: wikipedia).

Bedauerlicheweise gibt es bei der „Romanze“ anfangs ein paar akustische Beenträchtigungen, die sich aber bald wieder legen ..

Ansonsten wünsche ich einen ungetrübten Hörgenuss !

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Original Partitur zum 2. Satz „Romanze“

Besetzung:
Paul Badura-Skoda (piano)
+
Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Milan Horvat

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Titel:
01. Allegro 13.53
02. Romanze 8.00
03. Allegro Assai 7.06

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

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Max Woiski und seine Band – Calypso Nescafe (1959)

FrontCover1Werbeschallplatten gehören für mich stets in die Rubrik „skurilles und absonderliches“ und ich liebe diese Rubrik !

Hier eine einseitige Flexisingle, die man sich 1959 zuschicken lassen konnte, wenn man den entsprechenden Abschnitt aus der Nescafe-Werbung einschickte.

Werbeschallplatten waren zwar 1959 nichts sonderlich neues, aber dennoch gibt es über diese Werbeplatte dann doch folgendes zu berichten:

Bereits Ende der 1950’er Jahre bediente sich das Unternehmen Nestlé einer crossmedialen Strategie.

Sie warben mit einem Song für den neuen Nescafé und wiesen darauf hin, dass dieser Song im Radio, im Kino, sowie im Fernsehen zu hören sei. Es wurde nicht mehr einzig über einen Kanal für ein Produkt geworben und die Möglichkeit bestand diese Kanäle gleichzeitig für einen gemeinsamen Werbezweck zu nutzen.

NescafeWerbung1959In dem man auf die Existenz der anderen Kanäle verwies, setzte man die Marketingmaßnahme in eine gegenseitige Abhängigkeit. Ein verknüpftes, integriertes Konzept entstand. Das Öffnen der Werbestrategie für mehrere Kanäle führte zu der Entwicklung des Crossmedia-Marketings. (Quelle: wikiversity)

Eingespielt wurde der Song von Max Woiski „und seiner Band“.

Nun Max Woiski hatte damals bereits ein bewegtes Leben hinter sich gebracht:

Geboren wurde er 1911 in Domburg (Suriname), einer holländischen Kolonie nördlich von Brasilien. In den 30er Jahren wanderte er dann in die Niederlande aus und eröffnete in Amsterdam das Lokal „La Cubana“.

Wie es dann dazu kam, dass er für Nestle diesen nett-routinierten Calypso-Song aufnahm, ist zumindest mir nicht bekannt.

In den 60er Jahren zog es ihn dann nach Spanien, genauer gesagt nach Mallorca und eröffnete dort einen Nachtclub. 1981 verstarber er dann.

Er hinterließ einen Sohn namens Max Woiski jr., der ebenfalls musikalisch aktiv war.

Interessant wie gerade solch „billige“ Werbemusik ihrenEindruck hinterlassen.

Man kann sich dieses Liedchen auch auf youtube anhören und dann findet man dann Kommentare wie diese:

Erinnerungen

Ich vermute mal stark, dass der Erfolg dieser Single auch viel damit zu tun hat, dass „wir“ Deutschen damals wohl ganz begierig darauf waren, exotisches aus aller Herren Länder in uns aufzusaugen … der Duft der großen weiten Welt sozusagen. Neulich dachte ich mir übrigens, dass auch der Erfolg der James Bond Filme in den 60er Jahren mit all seinen exotischen Schauplätzen damit zusammen hängt. Aber das führt nun wirklich zu weit …

Erfreuen wir uns also an den heiteren Klängen dieser Musik und vergessen dabei aber nicht, dass richtiger Kaffee doch umso vieles besser schmeckt !

BackCover1

Besetzung:
Max Woiski und seine Band

Umschlag

Und so kam diese Single via Deutsche Bundespost ins Haus

Titel:
Calypso Nescafe  2.36

Musik: Max Woiski, Text: unbekannt (vermutlich die Nestle – Werbeabteilung)

 

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