Verschiedene Interpreten – Die Spitzenreiter 1959 (1960)

FrontCover1Jetzt steht mal wieder so ne heiter-vergnügliche Runde Nostalgie ins Haus. Die Hits des Jahres 1959 aus dem Hause Polydor kamen 1960 auf einem Sampler (sagte man damals noch nicht, der Ausdruck war wohl „Querschnitt“ oder so).

Nun, es ist eine interessante Zeitreise mit vielen unterschiedlichen Aspekten.

Da ist zum einen die Tatsache, dass sich etliche der damaligen Hits in das kollektive Bewußtsein jener Generation (und darüberhinaus !) eingebrannt hat. Damit meine ich z.B. Lieder wie „Mandolinen und Mondschein“, „Morgen“, „Die Gitarre und das Meer“,“Sugar Baby“ und allen voran natürlich der unverwüstliche „Kriminal-Tango“ von Hazy Osterwald.

Aber auch Bill Ramsey´s „Souvenirs“ macht bis heute einfach nur gute Laune.

Und dann lässt sich festellen, dass so etliche der damaligen Stars bis heute einen klangvollen Namen habe. So ist z.B. Peter Kraus bis heute noch aktiv. Apropos Peter Kreuz: ihn hört man auch bei dem Lied „Cowboy-Billy“ gemeinsam mit Jörg Maria Berg hatte er kurzfristig das Duo „James Brothers“ gegründet.

Und da gibt es auch noch ne Handvoll von Sängern, die den großen Sprung über all die Jahrzehnte nicht geschafft haben, wie z.B. das Duo „Tom und Tommy“ die hier den skurillen Song „Eine handvoll Heimaterde“ zum besten geben.

Die Gesangspartnerin von Louis Armstrong, Gabriele Clonisch beendete dann ihre kurze Karriere als Kinderstar im Jahr 1963.

Und auf einen Song will ich dann noch ganz besonders hinweisen: „Charly Brown“ von den „Honey Twins“ (dahinter verstecken sich die Sängerinnen Andrea Horn und Trixie Kühn); begleitet werden sie nämlich vom Max Greger Orchester und der ließ es sich nehmen am Ende des Liedes ein wirklich ganz schön heißes Saxophon-Solo zum besten zu geben … Respekt !

Singlehüllen1

Und das schreibt die ‚WDR4/Schallplattenbar“ über dieses Album:
Im Herbst 1960 startet die Plattenfirma Polydor mit der Langspielplatten-Serie „Die Spitzenreiter“ ein Großprojekt. Auf einen Schlag werden 11 LP’s mit den größten Hits der Jahre 1949 – 1959 veröffentlicht. Die Titelauswahl für ein abgelaufenes Schlagerjahr erfolgt zwar zwangsläufig aus der Retrospektive, aber in diesem Fall war der zeitliche Abstand teilweise doch schon erheblich. Die „Spitzenreiter 1959“, um die es hier geht, lagen allerdings noch nicht so weit zurück, was bei der Zusammenstellung sicher hilfreich war. Die folgenden Langspielplatten dieser Reihe erscheinen dann im jährlichen Turnus.

Für die Firma Polydor verlief das Jahr 1959 kommerziell gesehen äußerst erfolgreich und die Auswahl an Spitzenhits ist dementsprechend groß. Unter den umsatzstärksten Interpreten des Plattenkonzerns findet man wieder einmal Freddy, der dafür sorgte, dass auch diesmal die Seemannsromantik nicht zu kurz kam. Mit „Die Gitarre und das Meer“ und „Unter fremden Sternen“ bereichert er diese Kollektion als einziger Solist gleich mit zwei Aufnahmen. Dabei handelt es sich um die Titelmelodien der ersten beiden großen Freddy-Filme, die 1959 ihre Kino-Premiere erlebten. Natürlich ist auch Peter Alexander, ein weiterer Erfolgsgarant der Firma, wieder mit von der Partie. Dafür fehlt allerdings Caterina Valente, denn sie wechselte inzwischen zu Decca, in der Hoffnung, ihre Karriere auch international voranzutreiben.

Singlehüllen2

Dass mittlerweile auch die Teenager einen Großteil der Plattenkäufer ausmachen, sieht man daran, dass mehrere Titel dabei sind, die speziell für das junge Schlagerpublikum produziert wurden. Neue Namen wie Tommy Kent oder die Honey Twins sorgen für frischen Wind, während Peter Kraus und die James Brothers (Peter Kraus & Jörg Maria Berg) bereits unter den Spitzenreitern des Vorjahres zu finden waren. Dass dem Heimatschlager nicht ganz die Puste ausging, ist dem Duo Tom & Tommy zu verdanken. „Eine Handvoll Heimaterde“ blieb jedoch ihr einziger großer Hitparadenerfolg. Es fällt auf, dass diesmal nur noch die Hälfte der Titel von heimischen Autoren stammt. Coverversionen internationaler Hits sind deutlich auf dem Vormarsch.
Zu den Schlagerfavoriten 1959 gehört „Am Tag als der Regen kam“, gesungen von Dalida. Diese Aufnahme erschien allerdings bei der Firma Ariola. Die Polydor hatte den Titel mit einer gewissen Renée Ray nachproduziert. Hinter diesem international klingenden Pseudonym verbarg sich die Sängerin Renée Franke, die ihre große Zeit in den frühen 50er Jahren hatte. Von den Konsumenten wurde ihre Version zwar kaum beachtet, doch bei der Titelauswahl der vorliegenden LP griff man gern darauf zurück. Immerhin konnte man so auch einen Hit der Konkurrenz präsentieren. Diese Möglichkeit hätte man auch beim Nr.-1-Hit „Tom Dooley“ gehabt, der bei der Electrola vom Kingston-Trio in englisch und von den Nilsen Brothers in deutsch gesungen wurde. Die Polydor ließ diesen Schlager vom „Tom Dooley-Trio“ einsingen, zu dem u.a. Ralf Paulsen gehörte. Doch offenbar wurde das bei der Zusammenstellung dieser Schlagerauslese übersehen.

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Die Plattenhülle der LP zeigt – wie bei der kompletten Reihe üblich – ein Reitsportmotiv. Um das auf Anhieb zu erkennen, muß man in diesem Fall aber schon etwas genauer hinschauen. Auf der Rückseite sind alle Interpreten abgebildet. Wobei Peter Kraus gleich zweimal zu sehen ist: Zum einen als Solist, zum anderen als Mitglied der James Brothers. Fans von Kopplungen, die die großen Hits eines Jahrgangs zusammenfassen, dürfte diese Langspielplatte mit Sicherheit zufrieden stellen. Sogar für Raritätensammler ist etwas dabei, denn die Aufnahme mit Renée Ray ist bislang auf keiner CD zu finden.

Ob nun ein weißes Schiff nach Hongkong fährt oder ob Jacky Brown & Baby Miller in einer obskuren Taverne einen Tango tanzen – die „Spitzenreiter 1959“ bieten ein tolles und abwechslungsreiches Schlagerprogramm.

BackCover1

Titel:
01. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Die Gitarre und das Meer (Olias/Pinelli) 2.28
02. Ivo Robić und die Song-Masters: Morgen (One More Sunrise) (Mösser) 2.34
03. Bill Ramsey (Orchester Werner Twardy): Souvenirs (Bartels/Coben) 1.53
04. Tom und Tommy (Horst Wende-Tanzsolisten): Eine handvoll Heimaterde (Peka/Zalatnay) 2.14
05. Peter Alexander (Orchester Erich Werner): Mandolinen und Mondschein (Mandolins In The Moonlight) (Bartels/Schroeder/Weiss) 2.35
06. Die James Brothers (Orchester Werner Scharfenberger): Cowboy-Billy (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.38
07. Louis Armstrong und Gabriele (Orchester Erwin Halletz): Onkel Satchmo’s Lullaby (Bradtke/Halletz) 2.25
08. Freddy (Orchester Bert Kämpfert): Unter fremden Sternen (Fährt ein weisses Schiff nach Hongkong) (Olias/Pinelli) 2.49
09. Melitta Berg (Horst Wende-Tanzsolisten): Nur du, du, du allein (To Know Him Is To Love Him) (Relin/Spector) 2.26
10. Peter Kraus (Orchester Werner Scharfenberger): Sugar-Baby (Busch/Scharfenberger/Pinelli) 2.31
11. Hazy Osterwald-Sextett: Kriminal-Tango (Feltz/Trombetta) 3.32
12. Tommy Kent (Horst Wende-Tanzsolisten): Susie Darlin‘ (Luke/Mösser) 2.40
13.  Honey Twins (Orchester Max Greger): Charly Brown (Blecher/Leiber/Stoller) 2.10
14. Renée Ray (Orchester Glen Marshall): Am Tag als der Regen kam (The Day When The Rain Came) (Bader/Bécaud/Dalanoe) 2.47

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Katja Ebstein – Freunde (1971)

FrontCover1Mr. Jancy hat mich völlig zurecht darauf hingewiesen, dass dieses „Inch Allah“ Album kein Original-Album ist, sondern einfach ein Sampler mit Musik aus den Anfängen der 70er Jahre sein. Wie wahr und es tut mir natürlich leid, dass ich da schlampig recherchiert habe. Quasi zum Trost (er ahnte vielleicht, dass ich zerknirscht sein werde) hat dann Mr. Jancy dann gleich ein Original-Album von Katja Ebstein spendiert und zwar ihr 71er Album „Freunde“.

Natürlich war ihr Ehemann Christian Bruhn und Texter Michael Kunze auch bei diesem Projekt federführend beteiligt und sie steuerten so manche Komposition bei und Michael Kunze war fraglos der „Cheftexter“ für Katja Ebstein in diesen Jahren.

Aufgenommen wurde das Album in den I.B.C. Studios, London und bei den Begleitmusikern findet man so etliche Cracks aus der damaligen englischen Musikszene … erwähnen will ich dabei u.a. Chris Spedding, Kevin Peek und Clem Cattini.

Und nicht nur die Musiker waren quasi international, auch etliche der Songs stammten aus der Feder internationaler Künstler, wie z.B. die Bee Gees, Jerry Jefff Walker oder Bob Darin …

Und es ist wohl ein typischer Katja Ebstein Album für diese Zeit: Der ewige Spagat zwischen hitparadentauglichem Material und anspruchsvolleren Liedern … Und auch wenn ich mich heute als bekennender Ebstein-Fan bezeichnen mag … damals hatte die Dame einfach keine Chance bei mir … dröhnender Hardrock ala Mountain oder Humble Pie oder fulminanter Jazz-Rock alaColosseum oder The Flock standen bei mir damals hoch im Kurs … da hatte die Ebstein wahrlich keine Chance … aber gut, dass man im Leben mehr als einmal ne Chance bekommt … heute mag ich sie nicht mehr missen.

Kleine Ergänzung (soviel Zeit muss sein): Im inlet des Albums zeigte die Katja Ebstein ja nicht nur viel von ihren Beinen … mein männlicher Blick erkennt natürlich auch messerscharf, dass ihr Mini-Rock so mini war, dass man auch noch ihren Slip sehen kann … mich wundert es ein wenig, dass dies damals kein Skandal war … oder hatte Oswald Kolle schon so erfolgreich seine Botschaften unter das Volk gebracht ?

BackCover1

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
Alan Beever (saxophone, flute)
Sheila Bromberg (harp)
Nick Bush (horn)
Tony Camp (bass)
Clem Cattini (drums)
Eric Ford (guitar)
Steve Gray (piano)
Barry Guard (percussion)
Cliff Hicks (guitar)
Gordon Huntley (guitar)
Martin Kershaw (guitar)
Richard Lee (recorder)
Richard Morgan (oboe)
Al Newman (flute)
Kevin Peek (guitar)
Ken Salmon (piano)
Reiner Schuelein (recorder)
Chris Spedding (guitar)
Trevor Spencer (drums)
Wally Smith (trombone)
Richard Tattersal (guitar)
+

violin:
Tony Gilbert – Bill Miller – Charles Vorsanger – Homi Kanger – Paul Scherman – Peter Poole – John Kirkland – Raymond Keenlyside – Gerald Emms – David Katz – George Lauland – Geoffrey Wakefield – Larry Rossi

viola:
Kenneth Essex – Chris Wellington – John Graham

cello:
Boris Rickelman – Peter Willison – Charles Tunnell

trumpet:
Tony Fisher – Paul Tongay – Leon Calvert – Ian Hammer

(hoffentlich habe ich keinen vergessen !)

Booklet1
Titel:
01. Freunde (Kunze/Bruhn) 2.52
02. Gibt es ein Herz das niemals bricht? (How Can You Mend A Broken Heart?) (Kunze/B.Gibb/R. Gibb) 4.00
03. Johnny Callaghan (Mr. Callaghan) (Kunze/Marnay/Monay) 3.20
04. Dr. Faustus (Bruhn/Kunze/Doucet) 3.37
05. Seit du nicht mehr bei mir bist (Kunze/Bruhn) 3.43
06. Ein kleines Lied vom Frieden (Hertha/Darin) 3.26
07. Nur beim Abschied nicht weinen (Loose/Bruhn) 2.38
08. Das alles war ich ohne dich (Mey) 3.20
09. Mr. Bojangles (Kunze/Walker) 4.28
10. Muss das Leben so hart sein? (Kunze/Maffay) 3.23
11. Das kleine Glück einer kleinen Liebe (Schäuble/Kunze/Christopher/Thompson) 3.45
12. Frieden in mir (Peace In My Mind) (Kunze/Gibb) 3.55

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Verschiedene Interpreten – Halbstark – Die wilden 50er und 60er (1991)

FrontCover1Da haben wir auf der einen Seite so einen „billigen“ Sampler, der 1991 erschienen ist und von dem Privatsender „Pro 7“ promoted wurde und dann haben wir auf der anderen Seite einen Sampler, der letztlich das musikalisch kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation repräsentiert … einer Generation die mittlerweile in Rente ist (oder demnächst in Rente gehen wird … ) Und natürlich ist hier nur von der pre-Beat-Ära die Rede … denn als Liverpool musikalisch die Welt eroberte, erloschen viele dieser Schlagerstars …

Und dennoch: Es wird nicht nur mir so gehen: Viele Titel sind mehr als gut bekannt, viele Titel haben uns in der späten Kindheit/frühen Jugend begleitet und keine Frage: So etliche Songs enthielten erste Attacken auf jene bigotte Spießbürger-Welt, die es galt , aus den Angeln zu heben. „Schuld war nur der Bossa Nova“ war eine Provokation, „Halbstark“ war erst recht ein weitere Provokation. Und mit der deutschen Fassung von „Tobacco Road“ versuchten sich die Lords als sozialkritische Kapelle. Und auch „Wenn ich ein Junge wär“ von Rita Pavone war eine kaum verhohlene Attacke auf die damaligen Geschlechterrollen. Und der Gitte Song „Ich will einen Cowboy als Mann“ ist hier noch gar nicht enthalten..

Über dieses Album habe ich dann noch eine interessante Besprechung gefunden:

„Wilde“ deutschen Songs aus den Jahren 1958-65 — das ist natürlich ein Widerspruch in sich. Erst Mitte der 1960er begannen einige Beat-Bands wie die Boots, tatsächlich mal ein bisschen zu rocken und nicht nur weichgespülte Schlagersoße auszudünsten. Trotzdem muss man der Auswahl zugutehalten, dass zumindest versucht wurde, „fetzige“, „pfiffige“ Stücke auszuwählen, und es sind auch einige nette Songs vertreten (u.a. von den Yankees, Drafi Deutscher und Benny Quick). Allerdings ist auch viel dabei, was ich persönlich schwer ertrage, oftmals unsäglich eingedeutschte Coverversionen. Trotzdem — es gibt sicherlich wesentlich schlechtere Sampler dieser Richtung; wer noch Material zum Beschallen einer Kitsch-Kult-Schlager-Oldie-Party sucht, der wird hier fündig. (Die zweite Teil Halbstark, Folge 2: Teenagermelodien zum Shaken, Twisten und Knutschen ist genauso „gut“. (Herr „Dr. Kurt Euler“ Offler)

DieHalbstarken01

So ganz kann ich dem wertem Dr. da nicht folgen. Natürlich gab es auch vor den Boots „wilde Songs“, denn das „Halbstarken-Milieu“ in Deutschland war definitiv vorhanden, und die bürgerliche Presse hatte immer wieder seine Gründe, sich darüber aufzuregen. Zu weiteren Vertiefung dieses Themas habe ich dieser Präsentation den lesenswerten Aufsatz der Historikerin Vanessa Erstmann „Halbstark! – Generationskonflikte in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik“ (Quelle: aventinus nova Nr. 23 [04.08.2010] / Perspektivräume Jg. 1 (2010) Heft 1, S. 57-91) beigelegt.

Und mehr als einmal wanderten meine Gedanken zu der Frage, was aus all den Jugendlichen geworden ist, die damals ihre Münzen in die Musik-Box warfen, um ihre wilden aber auch sentimental-kitschigen Hits zu hören … Nun ja …, meinen Werdegang kenne ich ja *ggg*

Und um das Paket komplett zu machen, habe ich mir die „Mühe“ gemacht, alle Single-Hüllen der hier vertretenen 36 Lieder in eine eigene „Cover-Galerie“ zu packen.

SingleHüllen

Wie gesagt: Für die einen einfach eine nostalgische Schmunzeltour, für die anderen aber auch die Möglichkeit inne zu halten und über die Fragen „Wie wir wurden, was wir sind“ zu reflektieren. Für mich war bei der Beschäftigung mit diesem Sampler beides möglich. Und natürlich will ich darauf hinweisen, dass sich auf diesem Sampler auch so etliche Raritäten befinden wie z.B. „He, Little Blondie“ (von Steff und dahinter versteckt sich der spätere Liedermacher Stephan Sulke), „Wilhelm Tell Twist“ (von den rätselhaften Charly Cotton und seine Twist-Makers; dahinter versteckte sich Christian Bruhn, dem späteren Ehemann von Katja Ebstein) oder „Der Twist (The Twist)“ (von Oliver Twist & The Happy Twistler; über die weiß man eigentlich gar nichts …) … und … und … und …

BackCover1

Titel:

CD 1:
01. Die Yankees: Halbstark (Adamowsky,/Bartelt 2.15
02. Drafi Deutscher: Marmor, Stein und Eisen bricht (Bruhn/Loose) 2.41
03. Benny Quick: Motorbiene (Laudis/Helmer) 2.36
04. Manuela: Schuld war nur der Bossa Nova (Weill/Mann/Buschor) 2.30
05. Rex Gildo: Speedy Gonzales (Kaye/Lee/Hill/Gerard)  2.37
06. The Swinging Blues Jeans: Tutti Frutti (deutsche Version) () 2.03
07. Ted Herold: Da Doo Ron Ron (Spector/Barry/Greenwich/Niessen/Alzner) 2.23
08. Connie Francis: Ich geb‘ ne Party heut‘ Nacht (Bush/Hunter/Vincent) 2.18
09. Ricky Shayne: Ich sprenge alle Ketten (Moroder/Holm)  2.13
10. Teddy Parker: Nachtexpress nach St. Tropez (Mayer/Niessen) 2.27
11. Rita Pavone: Wenn ich ein Junge wär (Buchholz/Loose) 2.14
12. Charly Cotton und seine Twist-Makers: Wilhelm Tell Twist (Weinzierl/Rieden) 1.56
13. Jan & Kjeld: Hello, Mary Lou (Pitney/Blecher) 2.14
14.  Rita Pavone & Paul Anka: Kiddy, Kiddy Kiss Me (Munro/Arnie) 2.42
15.  Conny Froboes: Diana (Anka/Strtöm) 2.15
16.  Detlef Engel:  Mr. Blue (Nicolas/Blackwell) 2.23
17.  Oliver Twist & The Happy Twistler:  Der Twist (The Twist) (Ballard/Helmer) 2.42
18.  The Lords: Tobacco Road (Loudermilk/Moesser) 2.11

CD 2:
01. Drafi Deutscher: Shake Hands (Relin/Gaze) 2.15
02. Manuela: Ich geh‘ noch zur Schule (Traditional/Bruhn/Loose) 2.29
03. Benny Quick: Twist um Mitternacht mit Susi (Hertha/Götz/Hellmer) 2.21
04. Rex Gildo: Liebe kälter als Eis (Devil In Disguise) (Kaye/Giant/BaumBuchenkamp) 2.18
05. Connie Francis: Schöner fremder Mann (Nicolas/Gordon/Hosey) 2.41
06. Five Tops: Rag Doll (Bader/Crewe/Gaudio) 2.52
07. Steff:  He, Little Blondie (Little Honda) (Wilson/Nicolas/Love) 2.12
08. Helen Shapiro: Frag‘ mich nicht warum (Tell Me What He Said) (Barry/Siegel) 2.48
09. Peter Kraus: Sugar Baby (Scharfenberger/Busch/v.Pinelli) 2.30
10. Tommy Kent: Susie Darlin‘ (Luke/Moesser) 2.34
11. James Brothers: Wenn (When) (Evany/Reardon/May/Blecher) 2.20
12. Lil Malmkwist: Bobby’s Girl (Klein/Hofman/Felming) 2.21
13. Ted Herold: Moonlight (Scharfenberger/Busch) 2.42
14. Oliver Twist & The Happy Twistler: Steiler Zahn (Crier/Schwabach) 2.43
15. Hans Blum: Charly Brown (Blecker/Leiber/Stoller) 2.26
16. Swinging Blue Jeans: Good Golly Miss Molly (Deutsche Version) (Marascalgo/Martinez/Blackwell/Retter) 2.04
17. Conny Froboess: I Love You Baby (Anka/Siegel) 2.10
18. Johnny Hallyday + The Rattles: Das alte Haus in New Orleans (House Of The Rising Sun) (Traditional/Price/Hellmer) 3.58

Horst Buchholz in dem Film "Die Halbstarken" (1956)

Horst Buchholz in dem Film „Die Halbstarken“ (1956)

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Ulli Martin – Meine Fehler seh´ ich ein + Du bist frei (1980)

FrontCover1.jpgUnd jetzt ein – aus meiner Sicht – besonders tragisches Beispiel aus jener glitzernden Schlagerwelt, die oftmals auch sehr tückisch sein kann.

Ulli Martin, bürgerlich: Hans Ulrich Wiese (* 19. Juli 1946 in Osnabrück) ist ein deutscher Schlagersänger.

Hans-Ulrich Wiese begann seine Karriere in den 1960er Jahren als Sänger in einer Beatgruppe (The Bats, später umbenannt in The Mad Bats). Für seine Mutter hatte er ein Band mit einigen Liedern besungen, das durch Zufall dem Musikproduzenten Leo Leandros in die Hände fiel. Er erkannte das Potential des jungen Sängers und produzierte mit ihm einige Singles, die aber unbeachtet blieben. Im Sommer 1971 landete die Single Monika auf Platz 2 der deutschen Hitparade. Dieser Titel basierte auf dem patriotischen bulgarischen Schlager Moja strana, moja Bulgaria von Emil Dimitrov. Auch mit den beiden folgenden Singles Ich träume mit offenen Augen von dir (Platz 3, 1972) und Du mußt nicht weinen (Platz 10, 1972) hatte er Erfolg. Leo Leandros verlor aber schnell wieder das Interesse an ihm, weil er sich auf die Karriere seiner Tochter Vicky Leandros und die des aufstrebenden Demis Roussos konzentrierte.

UlliMartin01.jpgDementsprechend wurde Ulli Martin mit durchschnittlichen Liedern versorgt, die sich nur noch mäßig verkauften. Bis 1974 hatte er mit Ein einsames Herz, das braucht Liebe (Platz 25, 1972), Ich liebe dich (Platz 21, 1973), Du bist das allerschönste Mädchen (Platz 42, 1974) und Mariann, Mariann (Platz 42, 1974) weitere Hits, bevor er in der Versenkung verschwand. Es folgten bis in die frühen 1980er Jahre diverse Comebackversuche, die aber scheiterten. (Quelle: wikipedia)

Was dieser wikipedia Beitrag allerdings verschweigt, ist der Rest der Geschichte:

Steiler Aufstieg, tiefer Fall:

„Ich wurde zum Superstar befördert“, erinnert sich Ulli Martin, der mit „Monika“ und „Ich träume mit offenen Augen von dir“ in den 70er Jahren zwei Top-Ten-Hits landete. Heute kennt ihn kaum noch jemand.

Der Stern des von Leo Leandros entdeckten und später von Ralph Siegel gemanagten Sängers, der vorher eine Schauspiel- und Gesangsausbildung genossen hatte, fiel so schnell, wie er aufgestiegen war. Heute lebt Ulli Martin (bürgerlich: Hans Ulrich Wiese) nach Depressionen und Alkoholsucht in einem Pflegeheim in Bad Bramstedt. Der Kieler Filmemacher Karl Siebig und Bernd Soffner porträtieren ihn in der Doku „Ulli Martin – Was vorher war, das zählt nicht mehr“.

Steiler Aufstieg und tiefer Fall sind in der „von Haifischen beherrschten Glitzerwelt des Schlagers“ (Siebig) nicht selten. Warum also gerade Ulli Martin als Protagonist? Sein Freund Bernd Soffner, Sozial-Betreuer Martins, hatte Siebig gefragt, ob man über Ulli nicht einen Film machen sollte. Siebig zweifelte zunächst, dachte dann aber an sein dokumentarfilmerisches Credo: „Wenn Menschen in extreme, existentielle Situationen geraten, seien es positive oder negative, kommt der Kern ihrer Person zum Vorschein.“

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Zwei Jahre lang begleiteten die Filmemacher Martin, ließen ihn erzählen, brachten ihn mit den alten Kollegen Tex Haper und Tony Tornado zusammen, und zeigen, wie Martin auch mit 71 Jahren gegen alle Kränkungen und Katastrophen immer noch von einem Comeback mit nun selbst geschriebenen Songs träumt. „Ich habe ein Näschen für Hits“, weiß Ulli, hat auch einige Demos aufgenommen, aber wie einst „kein glückliches Händchen, das in klingende Münze umzusetzen“.

„Er gehörte zu den wenigen in der Schlagerbranche, die wirklich singen konnten“, erinnert sich Tony und lobt das „Vibrato-Timbre“, das seine Stimme besonders romantisch machte. „Doch das hat mir nichts genützt, weil ich mich nie gut verkaufen konnte“, ergänzt Martin. Er bekommt heute lediglich ein Taschengeld von 100 Euro im Monat, weil er sich um Alterssicherung nie gekümmert hat, geschweige seine ehemaligen Manager und Produzenten. (Jörg Meyer, Kieler Nachrichten, 16. Mai 2018)

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Nun, in der Tat, viel tiefer kann man nicht fallen …

Diese Single stammt aus seiner späten Schaffensphase, ist einerseits eigentlich kaum einer Erwähnung wert.

Aber zumindest textlich hat ist es ein interessantes Zeitdokument, denn hier wird das Verhältnis der Geschlechter, so wie der damalige Zeitgeist tendenziell tickte, thematisiert.

Und natürlich geht es erstmal um den Mann. Auf Seite eins hören wir den modernen Mann … reumütig … international gab´s ja auch mal diesen Schmachtfetzten „Please Forgive Me“.

Auf der Seite zwei hören wir den modernen Mann, der die Zeche zu zahlen hat, eventuell weil er nicht reumütig genug war.

Na ja, so wie sich das halt Schlagertexter vorstellen.

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Besetzung:
Ulli Martin (vocals)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

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Ulli Martin bei einer Autogrammstunde in der Ostseehalle Kiel (1976)

Titel:
01. Meine Fehler seh´ ich ein (Traditional) 3.42
02. Du bist frei (Brügge/Arnie/Arling) 2.25

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Marion Maerz – Singt Burt Bacharach (1971)

LPFrontCover1Es gibt da ja Schlager-Kenner, die schnalzen bei diesen Aufnahmen nur so mit der Zunge,.

Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins ist ein Musikalbum der Sängerin Marion Maerz. Das Werk enthält 12 deutschsprachige Coverversionen des US-amerikanischen Komponisten Burt Bacharach. Arrangeur und Orchesterleiter der Studioproduktion war Ingfried Hoffmann. Das Album erschien 1971 als Langspielplatte auf dem Label Reprise Records und wurde 2009 unter dem Titel Marion Maerz – Burt Bacharach Songbook mit veränderter Titelreihenfolge erstmals auf CD wiederveröffentlicht.
Maerz mit dem Beat-Schlager Er ist wieder da einen großen Erfolg verbuchen. Der von Christian Bruhn komponierte Titel kletterte Anfang 1966 bis auf den sechsten Platz der deutschen Hitparaden. Die nachfolgenden Singles verkauften sich zunächst zufriedenstellend, konnten den Erfolg des Hits Er ist wieder da aber nicht wiederholen. In den ausgehenden 1960er Jahren war Marion, damals noch ohne Nachnamen vermarktet, zunehmend unzufrieden mit der Titelauswahl ihres Produzenten Peter Meisel. 1970 verließ die Interpretin das Musiklabel Hansa.

MarionMärzEinige Monate später wurde der Musikproduzent Siegfried E. Loch auf die Künstlerin, nunmehr ohne Plattenvertrag, aufmerksam. Loch war in den 1960er Jahren zu einem erfolgreichen Produzenten zeitgemäßer und anspruchsvoller Unterhaltungsmusik avanciert. Er produzierte unter anderem Schallplatten von Klaus Doldinger, Katja Ebstein, George Gruntz. den Rattles und Attila Zoller. 1970 wurde der erst dreißigjährige Plattenproduzent Gründungsgeschäftsführer der in Hamburg ansässigen Kinney Musik GmbH, die wenig später in WEA Records umbenannt wurde.

In Zusammenarbeit mit Marion Maerz entwickelte Siegfried E. Loch die Idee zur Produktion eines Konzeptalbums mit deutschsprachigen Coverversionen des erfolgreichen Songwriter-Duos Burt Bacharach und Hal David. Für die meisten Stücke lagen Liedtexte namhafter Texter wie Ernst Bader, Michael Kunze oder Günter Loose vor. Vereinzelt waren bereits textgleiche deutsche Versionen von Bacharach-Titel erschienen, darunter Ein Haus ist kein Zuhaus / A House Is Not a Home (Corry Brokken), Frag doch nur dein Herz / Trains and Boats and Planes (Die Five Tops), Warten und hoffen / Wishin’ and Hopin’ (Dusty Springfield), Wenn ich die Regentropen seh’ / Raindrops Keep Fallin‘ on My Head (Caterina Valente), Alles ist nun vorbei / Anyone Who Had a Heart (Petula Clark), Geh vorbei / Walk On By (Dionne Warwick) und So wie ich / Close to You (Gerhard Wendland).

Als Arrangeur und Orchesterleiter wählte Siegfried E. Loch den Organisten Ingfried Hoffmann, mit dem er bereits mehrere Jazz-LPs produziert hat, die international Beachtung fanden. Im März 1971 wurde das Album im Cornet-Studio in Köln unter der Leitung des Toningenieurs Wolfgang Hirschmann aufgenommen. Die Produktions-Koordination übernahm der aus Liverpool stammende Schlagzeuger Gibson Kemp (ex- Rory Storm Group)

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Das Album kam 1971 auf dem Label Reprise Records unter Verwendung des neuen Künstler-Nachnamens Maerz als LP mit dem Titel Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins in den Handel (Bestellnummer: REP 44135). Obwohl die Langspielplatte von der Programmzeitschrift TV Hören und Sehen ausgiebig beworben wurde und der NDR zu einigen Liedern Clips ausstrahlte, landete Maerz damit einen kommerziellen Misserfolg. Die ursprünglich von Siegfried E. Loch angedachte Produktion weiterer, ähnlicher Langspielplatten (Seite zwei, Seite drei,…) wurde nicht mehr realisiert. Es kam auch nicht zur Auskopplung einer Single. Im Zuge des Easy-Listening-Revivals seit den 1990er Jahren wurde die LP schließlich zu einem gesuchten Kultobjekt. Im Februar 2009 erschien bei dem Label Bureau B die Wiederveröffentlichung des Albums auf CD (Bestellnummer: bb 20) mit neuer Titelreihenfolge und neu gestaltetem Cover.
Kritiken

Die Wiederveröffentlichung des Albums erhielt überwiegend positive Kritiken. Für Philipp Schmidt von der Musikzeitschrift now! geriet die Umsetzung durch Arrangeur Hoffmann höchst ansprechend. Die Songs hätten diesen gewissen leichten Swing und würden von Maerz mit gutem Gespür interpretiert. Auch Stefan Weber lobte im Online-Magazin von Computer Bild das jazzige, üppig orchestrierte Easy-Listening-Gewand, das den Songs hervorragend stehe, und fügte hinzu: „Ihre wahre Stärken offenbaren Maerz und ihre Mitstreiter aber gerade jenseits dieser luftig-leichten Popsongs, das träumerische „Ein Haus ist kein Zuhaus“ („A House Is Not A Home“) etwa wird in ihrer Interpretation zum gravitätisch-schwermütigen Chanson.“

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Das vom Verlag SuKuLTuR betriebene Onlinefeuilleton satt.org kam zu der Schlussfolgerung: „Deutscher Schlager ist das alles nicht, sondern eher schwer einzuordnende, international ausgerichtete Musik zwischen Jazz, Musical, Easy Listening und Pop. […] Auch wenn es Marion Maerz nicht gelang, sich mit Bacharachs Songs als ernstzunehmende Chansonette zu etablieren, kann sie heute stolz darauf sein, dieses Wagnis unternommen zu haben.“ Mario Lasar von der Musikzeitschrift Intro fand hingegen, dass „der deutschsprachige Gesang die Stücke in Schlagernähe“ rücke, die „Brillanz der Kompositionen“ jedoch unangetastet lasse. Zudem hätte sich im Zuge der Übersetzung das Maß an Unmittelbarkeit erhöht, mit der man die Songinhalte wahrnehme.

Kevin Macneil Brown vom New Yorker Online-Magazin dusted schrieb: „Die Arrangements weisen oft eine fremdartige, traumhafte Qualität auf.“ Der von Maerz „mit einem Hauch von Brecht-Weill“ vorgetragene Track Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) klinge gar „bizarr, vielleicht sogar expressionistisch“. Der US-amerikanische Jazzkritiker Will Layman von PopMatters bemängelte hingegen, dass die deutschen Texte, die er inhaltlich nicht verstehe, für amerikanische Hörer einige „Ecken und Kanten“ aufwiesen. Die cleveren Arrangements der Bacharach-Originale seien nunmehr eine „blasse Nachahmung“. Maerz klinge „hell und melodisch“ und ungefähr so amerikanisch wie „Sängerinnen im Mickey Mouse Club“. (Quelle: wikipedia)

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Und auch in der WDR Schallplattenbar überschlug man sich angesichts dieser Aufnahmen:

1971 veröffentlicht der amerikanische Plattengigant Warner Brothers auf „reprise“ die erste von drei Langspielplatten mit Marion Maerz. Als „Marion“ hatte sie 1965 ihren ersten großen Hit gehabt: „Er ist wieder da“.

Die Platten, die folgten, schafften den Sprung in die Hitlisten meistens nicht. Dies war aber nicht der einzige Grund der Unzufriedenheit der Künstlerin. Marion Maerz wollte nicht nur beathafte Schlager singen, sie wollte sich weiter entwickeln. Anfang der 70er erhielt sie die Chance dazu. Siegfried E. Loch (bekannt als Beat und Jazz-Produzent, später Chef von Warner Brothers in Europa) suchte einen deutschen Star und war von Marion angetan. Für die zweite Karriere bekam Marion einen Nachnamen. Der Name „Marion Maerz“ sollte für zukünftige romantische Produktionen passen. 1971 produzierte Siggi Loch mit Marion Maerz eine LP, die ausschließlich mit Melodien von Burt Bacharach bestückt war.

MarionMärz5.jpgBacharach war in den 60er Jahren zu einem der bekanntesten Komponisten sanft arrangierter Popmusik („Easy Listening“) aufgestiegen. Seine Songs wurden mit Dionne Warwick, Marlene Dietrich, Aretha Franklin oder Tom Jones zu Hits und Evergreens.
Die LP „Seite eins“ war ein ehrgeiziges Projekt, denn die Melodien von Bacharach gelten als schwierig zu singen. Doch selbst Dionne Warwick, die viele der Bacharach-Kompositionen im Original gesungen hatte, war voll des Lobes für diese Marion-Maerz-LP. Die Arrangements stammen übrigens von Ingfried Hoffmann (früher: Klaus Doldinger-Quartett).

Auch in der Gestaltung der LP-Hülle gab man sich Mühe; zumindest was die Vorderseite anbelangt: Sämtliche Worte und Logos sind auf einer Folie gedruckt, die man beiseite blättern kann, sodass man das gezeichnete Portrait von Marion Maerz auch ohne Schrift genießen kann. Umso schmuckloser ist allerdings die Cover-Rückseite.

Insgesamt eine wunderbare Langspielplatte, aber sie wurde ein kapitaler Flop. Trotz der Werbe-Zusammenarbeit mit einer bekannten Fernsehzeitschrift wurde die LP wenig gekauft (Artikel in TV Hören und Sehen: „So romantisch sang sie noch nie“). Unter Umständen kam die Platte zu früh, denn heutzutage gilt sie als seltenes Kultobjekt. (Quelle: wdr.de/kultur/musik/schallplattenbar)

Diese LP wurde dann am 28.10.2006 als LP in voller Länge gespielt. Und stolz berichtete man damals:

Man sollte denken, dass die heutige Plattenindustrie reagiert und die Aufnahmen dieser LP auf CD wieder veröffentlicht. Da wird man aber wahrscheinlich ewig warten müssen, denn die Originalbänder gelten als verschollen. WDR 4 spielte diese LP komplett – und erinnerte so an eine der schönsten und seltensten Langspielplatten.

Auch wenn man sich vergegenwärtig, wie welchem Aufwand dieses Album produziert wurde (Ingfried Hoffmann erinnert sich da z.B. in dem Begleitheft der CD; dieses ist übrigens vorbildlich, einschließlich eines Interviews mit Marion Maerz), so erschließt sich mir der Kultstatus dieser LP nicht so ganz …

Dennoch präsentiere ich sie hier nur zu gerne … denn diese Aufnahmen sind ein wunderbares Beispiel für jenen Trend, Schlagersängerinnen von ihrem Image zu lösen. Dazu hätte allerdings auch einer anderen Hüllengestaltung bedurft: Diese LP Hülle gehört für mich in die Kategorie „schauderhaft“.

Aber das Album zeigt auch textlich ein wenig vom damaligen Zeitgeist: „Auf dieser Welt ist Platz für jeden“ … schön wär´s ja.

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CD Frontcover

Besetzung:
Marion Maerz (vocals)
+
ein kleiner Haufen Studiomusiker
+
Blechbläser der Kurt Edelhagen Band
+
Streicher und Holzbläser des Gürzenichorchester

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1974 erschien dann dieses Album in der Reihe „Star Collection“ …

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… und 1979 als MC

Titel:
01. Frag doch nur dein Herz (Trains and Boats and Planes) (Bader) 2.33
02. So wie ich (Close to You) (Kunze) 3.19
03. Warten und hoffen (Wishin’ and Hopin’) (Kunze) 2.46
04. Ein Haus ist kein Zuhaus (A House Is Not a Home) (Loose) 3.37
05. Geh vorbei (Walk On By) (Bader) 2.28
06. Auf dieser Erde (All Kinds of People) (Kunze) 2.34
07. Einsame Träume (Odds and Ends) (Loose) 3.15
08. Das Ende der Reise (Twenty Four Hours from Tulsa) (Baier) 3.17
09. Nimm nicht alles so schwer (Don’t Go Breaking My Heart) (Kunze) 2.27
10. Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) (Bradtke) 3.10
11. Alles ist nun vorbei (Anyone Who Had a Heart) (Bader) 2.32
12. Ich wünsche mir so viel von dir (I Say a Little Prayer) (Hertha) 2.51

Musik: Burt Bacharach
Original Texte: Hal David

LabelA1

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Katja Ebstein – Inch Allah (1973)

FrontCover1Anfang der 70erJahre hatte die Katja Ebstein ganz sicher einen prall gefüllten Terminkalender. Und es war ganz sicher auch kommerziell ihre erfolgreichste Zeit … hier ein paar Stationen aus dieser Zeit:

Am 16. Februar 1970 gewann Katja Ebstein die deutsche Vorentscheidung mit dem von Christian Bruhn komponierten und von Günther Loose getexteten Wunder gibt es immer wieder und erreichte damit beim Eurovisionsfestival in Amsterdam den dritten Platz. Dieser Wettbewerb war der Start in Ebsteins internationale Karriere. Ihre Lieder erschienen weltweit auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Japanisch. Noch zweimal nahm Katja Ebstein am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil. Den Titel für den Wettbewerb 1971 in Dublin, Diese Welt, komponierte Dieter Zimmermann, der Text stammte von Fred Jay. Mit dem Umweltsong erreichte sie erneut den dritten Platz. Bei ihrer dritten und letzten Teilnahme im Jahre 1980 mit Theater, geschrieben von Ralph Siegel und Bernd Meinunger, belegte sie den zweiten Platz. Auch diese beiden Titel wurden Evergreens in Deutschland und sind weltweit in verschiedenen Sprachen auf den Markt gekommen. Aufgrund ihres Verdienstes um den Grand Prix moderierte sie die Vorentscheidung 1981 und war des Öfteren gern gesehener musikalischer und Gesprächsgast in diversen Grand-Prix-zugehörigen Sendungen.

Ebenfalls noch 1970 wurde sie beim Internationalen Songfestival in Rio de Janeiro zur besten Sängerin gewählt. Eine Tournee mit dem Orchester James Last schloss sich von September bis November 1970 an, weitere Tourneen – unter anderem auch mit dem Orchester Paul Kuhn – durch die damalige Sowjetunion folgten in den Jahren darauf, in denen Ebstein mit Titeln wie Und wenn ein neuer Tag erwacht, Ein kleines Lied vom Frieden, Der Stern von Mykonos oder Ein Indiojunge aus Peru in Deutschland zu einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen avancierte. 1972 trat sie erstmals in der DDR in der Sendung Ein Kessel Buntes auf.

KatjaEbsteinDie Musikbranche ehrte sie derweil mit zahlreichen Auszeichnungen: „Beste Sängerin“ beim internationalen Song-Festival in Rio de Janeiro, beliebteste ausländische Sängerin in Spanien, sie erhielt in Italien die Rose von Rom – aber auch in Deutschland wurde sie mehrfach geehrt, unter anderem wurde sie zweimal mit der „Goldenen Europa“ ausgezeichnet und erhielt die Goldene Stimmgabel, später den Lale Andersen- und den Fred-Jay-Preis.

1975 veröffentlichte sie gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Gesellschaft einen Heine-Zyklus in der Vertonung von Christian Bruhn (Katja Ebstein singt Heinrich Heine, EMI Electrola). (Quelle: wikipedia)

Und genau aus dieser Zeit stammt diese LP, die für mein dafürhalten sträflich unterbewertet ist … Denn: dieses Album bietet so einige Überraschungen. Das geht schon mal los mit dem stimmungsvollen Titelsong, dere über 5 Minuten dauert und damit ein klares Signal ausstrahlt, das da lautet: Ich bin alles andere als eine einfache Schlagersängerin … die 2 – 3 Minuten Lieder trällern will.

Auch wenn sie an Schlagern auch bei diesem Album nicht vorbeikam („Ich will ihn“), so setzt sie doch ein ums andere Mal auch andere Akzente … Spürbar die innere künstlerische Anspannung zwischen Chanson und Schlager …

Und natürlich kann man auch auf treffliche Weise ihren ganz speziellen Gesangsstil studieren, diese jubilierend-triumphale Stimmung. Am besten kommt diese bei der James Last Komposition „Wind in der Nacht“ zur Geltung.

Eine weitere Überraschung mag sein, dass diese Album von Klaus Doldinger produziert wurde … da wundert es einen nicht, dass die Musik sehr überzeugend eingespielt wurde.

Ärgerlich wieder mal, dass man es seites UA Records nicht für nötig hielt, die beteiligten Musiker zu erwähnen …

Ändert aber nichts daran, dass ich wieder mal total begeistert bin … ich hab´ wohl einen Narren an der Katja Ebstein gefressen …

Single - Auskoppelungen

Single – Auskoppelungen

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
Ein Haufen unbekannter Studiomusiker
BackCover1

Titel:
01.  Inch Allah (Adamo/Brandin) 5.10
02.  Nur der Wind kennt meine Träume (Gaze/Bradtke) 3.09
03. Ich will ihn (Moesser) 3.17
04. Sie geht fort (Bruhn/Loose) 3.36
05. Port Of Spain (Moesser/Relin) 3.00
06. So viel Liebe fehlt (Bacherach/David/Loose) 3.00
07. Rosen (Bruhn/Kunze) 3.30
08. Das kleine Glück einer kleinen Liebe (Thompson/Christopher/Kunze) 3.45
09. Wind in der Nacht (Last/Hertha) 4.58
10. Ein kleines Lied vom Frieden (Darin/Hertha) 3.26

LabelA1

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Vicky Leandros – A Taste Of Vicky (1967)

FrontCover1Vicky Leandros ( * 23. August 1952 in Paleokastritsa auf Korfu;  Vassiliki Papathanasiou, bürgerlich seit 1986 Freifrau von Ruffin) ist eine Sängerin aus Griechenland mit deutscher und griechischer Staatsbürgerschaft, die über 55 Millionen Tonträger weltweit verkaufte.

Durch die Unterstützung ihres Vaters Leandros Papathanasiou, der bereits in Griechenland und Deutschland als Leo Leandros erfolgreich war, machte auch sie eine Karriere in beiden Ländern. Vicky Leandros bekam eine Gesangs-, Ballett- und Gitarrenausbildung. 1958 kam die Sängerin nach Deutschland und wurde fortan ‚Vicky‘ genannt. Die Familie verbrachte gemeinsame Jahre in Hamburg, bis sich Vater Leo 1961 von seiner Frau Kyriaka Protapapa scheiden ließ. Vicky wuchs beim Vater in Hamburg auf und besuchte das Gymnasium an der Wartenau.

Bereits ihre erste Single, Messer, Gabel, Schere, Licht (1965), wurde in Deutschland zu einem Erfolg. 1967 nahm sie für Luxemburg (Télé Luxembourg) am Grand Prix de la Chanson (Eurovision Song Contest) in Wien teil und erreichte mit dem Titel L’amour est bleu den vierten Platz. Das Lied wurde besonders in der Instrumentalversion von Paul Mauriat zu einem internationalen Erfolg und zum Evergreen. Im gleichen Jahr nahm sie auch an der französischen Vorentscheidung mit dem Lied Les Amoureux teil, gewann aber nicht und konnte deshalb für Luxemburg starten. Nach einigen Hits in Europa und Vicky01Übersee nahm sie 1972 zum zweiten Mal für Luxemburg am Grand Prix teil, dieses Mal in Edinburgh, und erreichte mit dem von Klaus Munro und Leo Leandros komponierten Titel Après toi (dt. Dann kamst du) nicht nur den ersten Platz, sondern auch einen großen kommerziellen Erfolg. Von der Single wurden in mehreren Sprachen (engl. Come What May) weltweit über 5,5 Millionen Exemplare verkauft. Ihr größter Hit in Deutschland wurde der Gassenhauer Theo, wir fahr’n nach Lodz, der sich 1974 viele Wochen auf Platz 1 der deutschen Verkaufshitparade hielt und Leandros im deutschsprachigen Raum das Image der Schlagersängerin einbrachte, was ihrer künstlerischen Vielseitigkeit hinsichtlich internationaler Chansonerfolge nicht gerecht wurde:

Vor allem von Ende der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre nahm Vicky Leandros die meisten ihrer Singles nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Griechisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Japanisch und Spanisch auf. (Quelle wikipedia)

Und auch auf diesem Album ihr zweites Album für den deutschen Markt singt sie mehrsprachig und so machte sie ihren Anspruch deutlich, als internationer Star gehandelt zu werden.

Und auch dieses Frühwerk kann im Rahmen des Genres Schlager überzeugen sie hatte einfach ne großartige Stimme und das Orchester Arno Flor fand eine passende Instrumentieruung.

Gar nicht auszudenken, hätte man der Vicky schon damals anspruchsvollere Lieder für ihre Interpreationen vorgelegt  … denn auch hier schrammt sie gelegengtlich knapp an dem Begriff Chanson vorbei.

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Vicky mit ihrem Vater Leo Leandros

Besetzung:
Vicky Leandros (vocals)
+
Orchester Arno Flor

BackCover1

Titel:
01. Sag mir, wo ist mein Boy (New York Mining Disaster 1941) (B.Gibb/R.Gibb/Bader) 2.12
02. Un Jour Mon Rêve (Lebwohl Jasmina) (Panas/Munro/Pac/Chauby) 2.44
03. Die Sterne unserer Liebe (Munro) 2.41
04. Tell Me (Panas/Richmond/Rasch) 2.51
05. Talisman – Talisman (Town Of Tuxley) (R,Gibb/B.Gibb/Munro) 2.38
06. Not So Long Ago (Insel unserer Liebe) (Panas/Harrison/Bremer) 2.09
07. Grünes Licht (Panas/Arnie) 2.23
08. A Taste Of Honey (Marlow/Scott/Loose) 3.00
09. Sunshine Boy (Riopelle/Roberds/MacLeod/Munroe) 2.36
10. Les Amoureux (Mardell/Blackburn/Zimber) 3,05
11. Kapou Yparch‘ I Agapi Mou (Hadjidakis/Schwab) 3.02
12. Laß mir meine Träume (Panas/Harrison/Arnie) 2.40

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