France Gall – Die grossen Erfolge (1969)

FrontCover1Keine vier Wochen ist es her, als ich das erste Mal hier der France Gall ein wenig Platz einräumte … und jetzt ist sie gestorben …

„Die französische Sängerin France Gall ist tot. Sie erlag am Sonntag im Alter von 70 Jahren in Paris einem Krebsleiden, wie ihre Sprecherin Geneviève Salama mitteilte. Gall habe der Krankheit in den vergangenen Jahren mit Würde die Stirn geboten.

France Gall hatte ihre Karriere früh begonnen, mit 15 Jahren fing sie an zu singen. 1965 feierte sie ihren internationalen Durchbruch, als sie mit dem Titel „Poupée de cire, poupée de son“ für Luxemburg den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann. Die Komposition stammte von Serge Gainsbourg.

1987 landete sie mit dem Lied „Ella, elle l’a“, einer Hommage an die US-amerikanische Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald, in Deutschland einen Nummer-Eins-Hit. 1966 bis 1972 sang Gall unter anderem auf Deutsch. Zu ihren Erfolgen aus dieser Zeit gehören „Zwei Verliebte zieh’n durch Europa“, „Kilimandscharo“ und „Mein Herz kann man nicht kaufen“.

France Gall01Nach dem Tod ihres Mannes Michel Berger im Jahr 1992 gab Gall kaum noch Konzerte. 1993 erkrankte sie an Brustkrebs. Als ihre Tochter Pauline vier Jahre später an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose starb, zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. 1994 wurde sie zum Ritter der französischen Ehrenlegion (Chevalier de la Légion d’Honneur) ernannt. Nach mehreren Aufenthalten im Senegal lebte sie schließlich wieder in Paris und engagierte sich für obdachlose Frauen.“ (Quelle: Süddeutche Zeitung)

„Ihre Texte handelten oft zweideutig von Sexualität, Männer traten in diesen Liedern allenfalls als Komparsen auf. Nun ist die französische Chan­so­ni­e­re France Gall gestorben

Das Leichte kann etwas sehr Schwieriges sein, vor allem, wenn man es nicht versteht. „Poupée de cire, poupée de son“ sang France Gall im Jahr 1965, mit einer unsicheren Stimme, wie sie noch einem Kind zugehören könnte (die Sängerin war damals 18 Jahre alt). Serge Gainsbourg, nicht nur selber Chansonnier, sondern auch der Impresario des französischen Pops der Sechziger und Siebziger, hatte dieses Lied geschrieben. Der Refrain beginnt mit der Zeile „Puppe aus Wachs, Puppe aus Klang“, der vermeintliche Schlager entpuppt sich als Selbstgespräch einer jugendlichen Sängerin, die sich zur Schallplatte gepresst und als Bild vertrieben findet, ohne doch die Fantasien einlösen zu können, die ihre Hörer mit ihrer medialen Existenz verbinden. Das Lied endet mit den Worten: „Eines Tages werde ich meine Lieder leben / Puppe aus Wachs, Puppe aus Klang, / Ohne mich vor der Hitze der Jungen zu fürchten“. Die Verse sind nicht nur selbstreflexiv, sondern enthalten auch ein beträchtliches Maß an ironischer Erotik.

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Das Lied gewann den Grand Prix d’Eurovision. Als es kurz darauf auf Deutsch erschien, lautete der Titel „Das war eine schöne Party“, und jede Erinnerung an frivole Zweideutigkeiten war getilgt. Und während in Frankreich mit solchen Liedern ein eigenes Genre entstand, dass den Namen „Yé-yé-Pop“ erhielt (als französische Variante des britischen „Yeah, yeah, yeah“), wurde aus France Gall in Deutschland eine Schlagersängerin, mit beträchtlichem Erfolg („Zwei Apfelsinen im Haar“, 1968; „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“, 1970) und mit nicht minder großem Verlust an Geist.

Der „Yé-yé-Pop“ war hingegen ein Versuch, die Intellektualität und Intimität des Chansons zu wahren und an die veränderten Bedingungen des musikalischen Betriebs anzupassen: in kleinen Formen, mit der Verstärkertechnik des Pop, mit einem eher kunstlosen Gesang. Es waren vor allem Frauen, die das neue Genre gestalteten: Sylvie Vartan, Jane Birkin, Françoise Hardy und eben France Gall. Und je genauer man auf die Texte hört, desto weniger wird man auch nur ein Lied finden, das nicht von Sexualität handelt – reflektiert, gebrochen, aber auf eine Weise frei, für die sich heute nur schlecht ein aktuelles Beispiel finden würde, zumal Männer in diesen Liedern allenfalls als Komparsen auftreten.
Die Luftigkeit ihres Genres schien irgendwann nicht mehr in die Gegenwart zu passen.

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Das Lied „Polichinelle“ (das ist die französische „Pulcinella“, 1967) gilt einer Puppe, die sich im Bett der Sängerin in einen leibhaftigen Prinzen verwandelt, aber augenblicklich wieder ihre ursprüngliche Gestalt annimmt, wenn die Mutter das Zimmer betritt. Und als France Gall darauf angesprochen wurde, dass es in ihrem Lied über „Les sucettes“ („Die Dauerlutscher“, 1966) womöglich um Doppelsinniges gehen könnte, tat sie zwar erstaunt – man glaubt ihr die Überraschung aber nicht, weil das Amoralische in diesem Genre durchgesetzt war, auf eine spielerische Art, die manchmal an die Filme Eric Rohmers („Die Sammlerin“, 1967) erinnert.

France Gall war indessen selbstbewusst und klug genug, um zu wissen, dass nicht nur der deutsche Schlager, sondern auch der „Yé-yé-Pop“ für sie ein Ende nehmen musste. In Frankreich begann sie Mitte der siebziger Jahre, oft in einer Zusammenarbeit mit dem Komponisten Michel Berger, Lieder zu singen, aus denen das Zweideutige verschwunden, die Leichtigkeit aber geblieben war: einfach, aber berührend, beiläufig, aber überraschend präzise, so wie in dem Liebeslied „La déclaration“ (1974) oder aber auch in „Ella, elle l’a“ (1988), einer Hommage an Ella Fitzgerald, die nicht nur in Frankreich, sondern auch in vielen anderen Ländern zu einem Erfolg wurde.

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Seit den Neunzigern, seit dem Tod ihres Komponisten und Ehemannes Michel Berger, lebte France Gall zurückgezogen. Sie dürfte gewusst haben, warum sie die öffentlichen Auftritte aufgab: Während das „Yeah, yeah“ mitsamt seinem in den Sechzigern geschaffenen Repertoire an Formen und Figuren lebendig blieb, so robust und männlich, wie es ist, gibt es an den „Yé-yé-Pop“ und seine Filiationen allenfalls nur vage Erinnerungen

Nicht nur die Luftigkeit und Direktheit dieses Genres, sondern auch dessen Freundlichkeit scheinen nicht mehr in die Gegenwart zu passen. „Die Jungen umarmen die Mädchen / Die Mädchen in langen Hosen / Während wir, die Mädchen, / die Jungen lieben / mit ihren langen Haaren“, hieß es in France Galls Lied „Nous ne sommes pas des anges“ („Wir sind keine Engel“, 1965). Am vergangenen Sonntag starb France Gall im Alter von siebzig Jahren in einem Krankenhaus bei Paris. (Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung)

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Zur Erinnerung so ne Art Best Of Sampler deutschsprachiger Titel (2 französische Titel hatte man auch reingeschmuggelt) aus dem Jahr 1969 … und weil mir grad danach war, habe ich noch weitere deutschsprachige Titel als Bonus dazu gepackt … also: die volle Dröhnung von vielen ihrer deutschsprachigen tralala und hopsassa Liedchen;

Links vom Rhein und rechts vom Rhein
Alle Mädchen wollen glücklich sein
Links vom Rhein und rechts vom Rhein –
Überall da ist es so!
Links vom Rhein und rechts vom Rhein
Keine möchte gern alleine sein
Liebe ist so schön im Mondenschein –
Links und rechts vom Rhein!

Meine Freundin aus Baden-Baden
Die kam zu mir nach Paris
Wir besprachen uns’re Probleme
Und haben festgestellt
Auf der ganzen Welt
Das Hauptproblem ist dies:

Links vom Rhein und rechts vom Rhein
Alle Mädchen wollen glücklich sein … 

Zu meiner Freundin nach Baden-Baden
Da kam ich mit meinem Boy
Auf dem Heimweg vom Casino
Hat er sie heiß geküßt
Und als ich böse war
Da sagte er ganz frei:

Links vom Rhein und rechts vom Rhein
Alle Mädchen wollen glücklich sein … 

Nun ja, warum fällt mir gerade der Film „Her mit den kleinen Französinnen ein“ ?

Wie auch immer … au revoir … France Gall ….

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Besetzung:
France Gall (vocals)
+
Werner Müller und sein Orchester
Alain Goraguer Orchester (bei 04. + 12.)

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Titel:
01. A Banda (de Hollanda/Conta/Weyrich) 2.51
02. Die schönste Musik, die es gibt (Music To Watch Girls By) (Ramin/Velona/Hertha) 2.30
03. Hippie, Hippie (Buchholz/Forester) 2.43
04. Oh! Quelle Famille (Liferman/Gall) 2.00
05. Love, L’Amour und Liebe (Buchholz/Loose) 2.42
06. Alle reden von der Liebe (Striegler/Larssen/Rauchmann) 2.44
07. Der Computer Nr. 3 (Bruhn/uschor) 2.45
08. Samstag und Sonntag (Maier/Feltz) 2.42
09. Was will ein Boy (Mayer/Hertha) 2.13
10. Mein Herz ist weg (Mayer/Hertha) 2.03
11. Haifischbaby (Bébé Requin) (Thomas/Rivat/Dassin/Niessen) 2.27
12. Les Yeux Bleus (Vic/Gall) 2.36

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France Gall mit Udo Jürgens

+
13. Ein bißchen Goethe, ein bißchen Bonaparte (Bradtke) 2.40
14. Singe meinen Song (I Shall Sing) (Morrison/Bradtke) 2.59
15. Links vom Rhein und rechts om Rhein (Bruhn/Buschor) 2.37
16. Mein Herz kann man nicht kaufen (Moroder/Holm) 2.41
17. Ich liebe dich, so wie du bist (Moroder/Holm) 2,31
18. Wassermann und Fisch (Blum) 2.27
19. Merci, Herr Marquis (Bruhn/Buschor) 2.45
20. Zwei Verliebte zieh’n durch Europa (Korn) 2.14
21. Dann schon eher der Pianoplayer (Bradtke/Piester) 2.46
22. Komm mit mir nach Bahia (Weyrich/Juan) 3.12

LabelB

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Abschied

France Gall ( * 9. Oktober 1947 in Paris; † 7. Januar 2018 in Neuilly-sur-Seine)

France Gall – Ich bin zuckersüß + Kommst du zu mir ? (1973)

FrontCover1Eigentlich hätte sie ja als Einstieg in die Welt der Fance Gall eine bessere Single verdient:

France Gall (* 9. Oktober 1947 als Isabelle Geneviève Marie Anne Gall in Paris) ist eine französische Sängerin. Nach einem erfolgreichen Karrierestart in Frankreich gewann sie 1965 für Luxemburg den Eurovision Song Contest mit dem Titel Poupée de cire, poupée de son. Von 1966 bis 1972 sang sie unter anderem auf Deutsch. 1988 hatte sie mit Ella, elle l’a einen Nummer-eins-Hit in Deutschland.

France Gall verließ 1966 Frankreich, ging nach Deutschland und nahm dort bis 1972 auf Deutsch gesungene Platten auf. Sie arbeitete dabei mit Werner Müller zusammen. Für Zwei Apfelsinen im Haar (ihre deutsche Version von A Banda, im Original von Chico Buarque) erhielt sie 1968 eine Goldene Schallplatte.[2] 1968 nahm sie mit Der Computer Nr. 3 am Deutschen Schlager-Wettbewerb teil und belegte den dritten Platz. 1969 wurde sie erneut Dritte beim Deutschen Schlager-Wettbewerb: Ihr Titel Ein bißchen Goethe, ein bißchen Bonaparte erreichte zudem Platz 14 der Charts und war damit ihre bis dahin höchste deutschsprachige Hitparadennotierung. Beim Deutschen Schlager-Wettbewerb 1970 trat sie mit Dann schon eher der Piano-Player an und landete auf dem vorletzten Platz. Sie interpretierte unter anderem Stücke von Horst Buchholz und Giorgio Moroder.

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Oh, la la … France Gall

Zu den bekanntesten Liedern in deutscher Sprache zählen Zwei Verliebte zieh’n durch Europa, Unga Katunga, Kilimandscharo, Mein Herz kann man nicht kaufen, Ali Baba und die 40 Räuber, Ein bißchen mogeln in der Liebe, Ich singe meinen Song, Ich hab’ einen Freund in München, Ich bin zuckersüß, Wassermann und Fisch, Links vom Rhein und rechts vom Rhein, Das war eine schöne Party, Wir sind keine Engel oder Ich liebe dich, so wie du bist. Aufgrund ihrer Popularität erhielt sie 1969 und 1971 den Bronzenen sowie 1970 den Silbernen Bravo Otto der Jugendzeitschrift BRAVO.

Rückblickend äußerte France Gall, die Zeit ihrer Karriere in Deutschland sei nicht die schönste ihres Lebens gewesen. Denn durch ihren Bekanntheitsgrad und die ständigen Auftritte habe sie keine normale Jugend gehabt. Ihre deutschen Schlager stehen stilistisch in starkem Kontrast zu ihrer späteren Karriere in Frankreich.

Sie war von 1969 bis 1974 mit dem Sänger Julien Clerc (* 1947) liiert. (Quelle: wikipedia)

Tja … mir scheint, so etliche Sänger/innen aus Frankfreich wurden hier bei uns als trällernde Schlagerstars vermarktet (Adamo ging´s nicht anders) … und damit hat man France Gall (und nicht nur sie) doch deutlich unter Wert verkauft.

Ein gutes Beispiel ist diese Single … Kategorie: eher albern … aber es gibt es eben auch die andere France Gall … von der wird hier oder anderswo auch noch die Rede sein.

FranceGall02

Besetzung:
France Gall (vocals)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCover1

Titel:
01. Ich bin zuckersüß (Zylka/Holm) 2.45
02. Kommst du zu mir ? (Midnight) (Bouvens/Buschor) 3.09

LabelB1

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France Gall mit Salvador Dali (1969)