Fritz Schulz-Reichel – In der Bar nebenan (1961)

FrontCover1Und wieder mal ein Griff in die Mottenkiste deutscher Unterhaltungsmusik der frühen 60er Jahre:

Fritz Schulz-Reichel, genannt „Der schräge Otto“ und „Crazy Otto“ (* 4. Juli 1912 in Meiningen; † 14. Februar 1990 in Berlin) war ein deutscher Jazz-Pianist und Komponist.

Er begann als Konzertpianist und stieß im Jahr 1934 zum Tanzorchester des rumänischen Kapellmeisters James Kok, das nach dessen Emigration 1935 von Erhard Bauschke weitergeführt wurde. Schulz-Reichel spielte dann in der 1937 gegründeten Band von Kurt Hohenberger sowie bei Herb Flemming. Ab 1939 begleitete er Rosita Serrano und 1942 spielte er in Oslo bei Herbert Velmer; er galt zu dieser Zeit – zumindest im Ausland – bereits als bester deutscher Swing-Pianist.

Ab 1946 wirkte er in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone im Radio Berlin Tanzorchester mit, begleitete Walter Dobschinski, Johannes Rediske und Helmut Zacharias. Im selben Jahr komponierte er auch seinen ersten erfolgreichen Schlager Wenn ich dich seh‘, dann fange ich zu träumen an, dem unter anderem 1949 Im Café de la Paix in Paris, 1951 Am Samstag um vier und 1960 Zwei Verliebte in Paris folgten.

Fritz

Richtig populär wurde er seit 1952 als „Schräger Otto“. Er orientierte sich dabei wesentlich auch am Stil der damals in Großbritannien sehr populären Ragtime- und Honky-Tonk- Pianistin Winifred Atwell, im Gegensatz zu ihr spielte er allerdings den Nachkriegs-Deutschen bekannte Evergreens in einem ragtime-ähnlichen Rhythmus und das nicht auf einem Flügel, sondern auf einem Klavier, bei dem die jeweils mittlere Saite leicht nach oben verstimmt war (für die Aufnahme einiger Titel drückte er auch Reißzwecken in den Filz der Anschlagshämmer), so entstand ein ihm eigener, unverkennbarer – eben „schräger“ – Sound, der etwas an ein Kneipen-Klavier der Jahrhundertwende erinnerte.

1955 war er unter dem Künstlernamen Crazy Otto mit seinem gleichnamigen Album auch in den USA sehr erfolgreich. Mit Glad Rag Doll und Smiles, den Versionen zweier Hits aus den 20er Jahren, hatte er zwei Charthits, die Platz 19 bzw. 21 der US-Best-Seller-Charts erreichten. Ein Medley deutscher Melodien unter dem Titel The Crazy Otto im Stil von Fritz Schulz-Reichel vom amerikanischen Ragtime-Pianisten Johnny Maddox hielt sich im gleichen Jahr ganze 14 Wochen lang als Nummer 2 in den US-Charts und wurde die erste über eine Million mal verkaufte Ragtime-Aufnahme überhaupt.

Schulz-Reichel, der als Solist bei mehreren Rundfunkorchestern mitwirkte, komponierte auch einige Filmmusiken, trat in zahlreichen Filmen und regelmäßig in Unterhaltungssendungen des Fernsehens der 1960er- und frühen 1970er-Jahre auf. 1965 hatte er eine eigene Show namens Man müßte Klavier spielen können.

Er war schon ein Star zur Schelllackplatten-Zeit und machte Mitte der 1950er-Jahre ebenso erfolgreich den Wandel zur Vinyl-LP mit; seine Platten erschienen allesamt bei Polydor. (Quelle: wikipedia)

Und sein „In Der Bar Nebenan“ Album mit dem Untertitel „Tanzpotpourri im wechselnden Rhythmus“ … Und zugleich war dieses Album der Start für eine ganze Flut von „In der Bar … “ Alben, die, das darf man ja daraus schließen, sehr erfolgreich war und wohl dem geselligen Freizeitbedürfnis der damaligen Zeit entprach.. Irgendwie verwunderlich, dass die Hülle keine tanzenden Menschen zeigt, da sich die Platte selbst und ihre Musik über einzelnen Tanzstile definiert.

Und dass Fritz Schulz-Reichel im Rahmen seines Genres sein Handwerk meisterlich verstand, nun, davon kann man sich hier überzeugen.

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Besetzung:
Fritz Schulz-Reichel und das „Bristol“ Bar-Sextett

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Titel:

01. Foxtrot:  3.08
– Schön wie der gunge Frühling (Grothe/Hannes)
– Madonna, du bist schöner als der Sonnenschein (Katscher)
– Kann denn Liebe Sünde sein? (Brühne/Balz)
– In einer Nacht im Mai (Kreuder/Schröder/Beckmann)

02. Cha-Cha: 3.37  
– Ich hab‘ dich einmal geküsst (Hajon)
– Sing, Nachtigall, sing (Jary-Balz)
– La Paloma (Traditional)

03. Langsamer Walzer:  3.23
– Guten Tag, liebes Glück (Grothe/Dehmel)
– Einmal von Herzen verliebt sein (Kreuder/Beckmann)
– Und wieder geht ein schöner Tag zu Ende (Winkler/Elsner)

04. Tango:  2.55
– Ich küsse ihre Hand, Madame (Rotter/Erwin)
– Roter Mohn (Jary/Balz)
– Schöner Gigolo (Casucci)
– Wenn du einmal dein Herz verschenkst (Rosen-Schwabach)

  05.  Slow:  3.38
– Es war einmal eine Liebe (Jack)
– Schliess deine Augen und träume (Grothe/Dehmel)
– Durch dich wird die Welt erst schön (Jary/v. Pinelli)

 06. Foxtrot:  2.55
– Zwei rote Rosen, ein zarter Kuss (Kollo/Robitschek)
– Für eine Nacht voller Seligkeit (Kreuder/Schwenn)
– Wenn ein junger Mann kommt (Grothe/Dehmel)
– Im Café De La Paix (Schulz-Reichel)

07.  Charleston:  3.03
– Charleston (Mack)
– Yes, Sir, That’s My Baby (Kahn/Donaldson)
– Toot-Toot-Tootsie, Good Bye (Kahn/Erdmann/Beda/Russo)
– If You Know Susi (de Sylva/Beda)
– Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt‘ (Katscher)

08.  Cha-Cha:  3.10
– Fräulein, Pardon (Meisel)
– Mein Liebling heisst Mädi (Rose/Beda)
– Hallo, was machst du heut‘, Daisy (Donaldson/Amberg/Till)

09.  Langsamer Walzer:  3.41
– Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt (Hollaender)
– Sag‘ beim Abschied leise Servus (Kreuder)
– Charmaine (Rappé/Pollack)

10.  Slow: 3.36
– Lass dein Herz bei mir zurück (Jary/Balz)
– Zwei in einer grossen Stadt (Kollo)
– Du, du gehst an mir vorbei (Misraki/Hess)

11.  Foxtrot: 2.32
– Ich Hab‘ dich und du hast mich (Igelhoff/Steimel/Kräutner/v. Pinelli)
– Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade (Carste)
– Du hast so wunderschöne blaue Augen (Berking)
– Man kann sein Herz nur einmal verschenken (Grothe/Dehmel)

12. Rumba: 2.11
– La Cucaracha (Savino)
– Managua Nicaragua (Irving-Fields)
– Es war ein Mädchen und ein Matrose (Grothe)

 

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