Connie Francis – Melodien die die Welt erobern (1966)

frontcover1Freiweg von der Leber: In den 60er Jahren war als 10jähriger Steppke von diversen Schlagersängerinnen hellauf begeistert, ich schmachtete sie geradezu an … dazu zählte dann auch die Connie Francis. Und so ging der Connie Francis Hype in Deutschland los:

In den USA war sie schon ein Star, in Deutschland sollte sie es werden: Connie Francis flog ein, nahm „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ in deutscher Sprache auf und flog wieder ab. Und hinterließ der Plattenfirma ein großes Problem, dass nur dank einer Schere gelöst werden konnte.

Während sich Connie Francis in den USA innerhalb kurzer Zeit zum Superstar entwickelte, verliefen in Deutschland die Verkäufe ihrer Schallplatten etwas schleppend. Man wusste mit der englischen Sprache noch nicht viel anzufangen, daher war die Nachfrage nach ausländischen Produktionen eher mäßig. Auch im Rundfunk – abgesehen von Radio Luxemburg – wurde kaum fremdsprachige Musik gesendet. Doch der Plattenproduzent Gerhard Mendelson erkannte mit seinem Gespür für Trends und Talente das Potential der jungen Sängerin, holte sie über den großen Teich und ließ sie auf deutsch singen.

ConnieFrancis02.jpg

Das Repertoire der MGM wurde in Deutschland unter dem Dach der Polydor veröffentlicht. Die Original-Single von 1960 mit der „gekürzten“ Fassung – Connie Francis wurde von einem Orchester unter der Leitung von Joe Sherman begleitet.

Aufhänger für ihren Besuch war die erste Fernsehshow, die Peter Kraus selbst produzierte: „Herzlichst, Ihr Peter Kraus – Ein musikalisches Autogramm“. Im Mai 1960 wurde die Sendung mit Connie Francis als Stargast aufgezeichnet – ein eindrucksvoller Auftritt, wie in der „Bravo“ stand: „Es war nur ein Trick. Aber was für einer: da standen am oberen Ende einer schlichten Treppe mehrere hohe Spiegel. In den Spiegeln erschien die Gestalt der singenden Connie Francis. Zweifach, dreifach…. Sie sang über Playback „My Happiness“ mehrstimmig und bewegte sich so zwischen den Spiegeln, dass es dem Zuschauer nicht möglich war, zu erraten, was Spiegelbild und was die wirkliche Connie war“.

ConnieFrancis01.jpg

Peter Kraus mit Connie Francis

Bei dieser Gelegenheit entstand auch Connie Francis’ deutschsprachiges Plattendebüt. Ihr Hit „Everybody’s somebody’s fool“ wurde mit einem deutschen Text versehen. Ralph Maria Siegel, der Vater von Ralph Siegel, dichtete „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Gerhard Mendelson ließ Connie Francis im Plattenstudio den deutschen Text auf das bestehende Playback singen. Dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und ihr die Aussprache des Textes Schwierigkeiten bereitete, fiel zunächst nicht ins Gewicht. Schließlich waren deutsch singende Ausländer en vogue und und ein Akzent hatte ja auch einen gewissen Charme.

Als Mendelson das fertige Band abhörte, schlug die anfängliche Begeisterung jedoch um und er wollte den Titel nicht mehr veröffentlichen. Der Grund war Francis’ deutsche Aussprache, die größtenteils unverständlich war. Was läge in solch einem Fall näher, als die Aufnahme einfach zu wiederholen? Dies war allerdings unmöglich, da bestehender Termindruck dafür sorgte, dass Connie Francis unmittelbar nach dem Einsingen bereits wieder im Flieger saß. Ein Rückruf der Künstlerin wäre viel zu teuer geworden, so dass ein Aufnahmeband zurückblieb, welches nicht verwendbar war.

Singles.jpg

Der Anfang: Ihre frühen Singles

 

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ wäre somit in den Archiven verstaubt, hätte das Band nicht ebenfalls eine Reise angetreten. Ziel war der Sitz der Polydor in Hamburg, wo sich der Produzent Bobby Schmidt der Sache annehmen sollte, um zu retten, was zu retten ist. Über seine Aufgabe erzählte er in einem Interview: „Ich hörte mir das Ganze noch ein paar Mal an, ging dann ins Studio, stellte mich selbst vors Mikrofon und synchronisierte Francis nach. Allerdings nur einzelne Laute, vor allem die „s-Laute“, wie „sp“ oder „st“. Dann haben wir diese „s-Spur“ zum Rest gemischt. Es hatte geklappt, man konnte nun dem Text bestens folgen“.

Die erste Strophe des Liedes war allerdings nicht zu restaurieren. Diese fiel rigoros der Schere zum Opfer. Dies erklärt, dass „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ zu den wenigen Titeln gehört, die mit dem Refrain und einem Tonartwechsel beginnen. Dass sich die Mühe gelohnt hatte, belegten die Verkäufe bald nach der Veröffentlichung. Das Stück wurde ein Superhit , belegte im Oktober 1960 für zwei Wochen den 1. Platz und fand sich auch in der Jahresauswertung unter den zehn meistverkauften Singles. (Quelle: swr.de)

ConnieFrancis03.jpg

Na ja … und dann ging´s Schlag auf Schlag und dass sie in Deutschland in der ersten Hälfte der 60er Jahre sehr erfolgreich wurde, zeigt auch die Tatsache, dass man ihr dann 1966 einen Sampler  spendierte.

Es handelte sich dabei um eine Zusammenstellung bereits früher erschienenen Titel. Meist wurden dafür die Originalaufnahmen aus den USA genommen und die deutsche Gesangsspur im overdub Verfahren addiert.

Ein Blick auf die Titelliste lohnt sich … da hören wir nicht nur „O mein Papa“ sondern auch „Over The Rainbow“ und selbst die Titelmusik des Filmes „Alexis Sorbas“ gibt es hier als „Zorbas Tanz“.

Und abseits meiner damaligen kindlichen Schwärmereien … ein nettes Stückchen Zeitgeschichte aus dem Bereich des deutschen Schlagers der 60er Jahre.

ConnieFrancis04.jpg

Besetzung:
Connie Francis (vocals)
+
diverse US Orchester

backcover1

Titel:
01. Wenn du in meinen Träumen bei mir bist (Somewhere Over The Rainbow) (Arlen/Harburg/Verch) 3.52
02. Malagueña (Lecuona) 3.10
03. Deine Liebe (True Love) (Porter/Glando) 3.13
04. Heißer Sand (Feltz/Scharfenberger) 3.02
05. Für immer (Moon River) (Mancini/Mercer/Relin) 2.44
06. Zorbas Tanz (Theodorakis/Bader) 3.23
07. Drei Münzen im Brunnen (Three Coins In The Fountain) (Styne/Cahn/Beckmann) 3.10
08. O Mein Papa (Burkhard) 3.32
09. Sag, weißt du denn was Liebe ist (Love Is A Many Splendored Thing) (Webster/Fain/ Verch) 2.49
10. Blaue Nacht am Hafen (Jealous Heart) (Carson/Wilke) 2.31
11. Vay Con Dios (Pepper/James/Russel/Feltz) 3.18
12. Romantica (Verde/Bonifay/Rascal/Berthier) 3.10
+
13, SWR Radio Portrait (anlässlich ihres 80. Geburtstag am 12.12.2018) 3.45

LabelB1.jpg

*
**

Weihnachten 2018 (31): Johann Sebastian Bach – Weihnachtsoratorium (Karl Richter) (1965)

OriginalFrontCover1Nein, dieses Werk gehört nicht in die Abteilung Resteverwertung, denn:

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist ohne jeden Zweifel eines der bedeutendsten klassischen Werke zur Weihnachtszeit. Und die Aufnahme von dem Bach Experten Karl Richter aus dem Jahr 1965 kann man durchaus als Referenz-Album bezeichnen.

… Karl Richter zum Beispiel machte sich im Jahr 1965 im Münchner Herkulessaal an eine aufwändige Plattenaufnahme, die neben dem Bach-Chor und dem Bach-Orchester auch herausragende Solisten wie die Sopranistin Gundula Janowitz und den Tenor Fritz Wunderlich vor den Mikrofonen versammelte. Das Resultat war bestechend. Richter gelang es, bis ins Details der dynamischen Gestaltung die einzelne Komponenten ausgewogen zu gewichten. Gerade in den vertrackt kontrapunktischen Chorpassagen konnte er seine Fähigkeit ausspielen, große Klangkörper nuanciert zu lenken. Sein „Weihnachtsoratorium“ wurde zu einer zentralen Einspielung des Werkes, beseelt vom kongenialen Zusammenwirken von Text und Interpretation. (Klassikakzente 06.12.2002)

KarlRichterEin paar einführende Worte zu diesem Werk sollen an dieser Stelle nun wirklich genügen:

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt.

Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium.

 

Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. (Quelle: wikipedia)

OriginalFC1965

Originalcover aus dem Jahr 1965

Ergänzend sei angemerkt, dass hier auch der von mir so geschätzte Maurice André an der Trompete zu hören ist !

Wohlan: lasset den Worten Taten folgen: anhören und schwelgen !

FrontCover (Ungarn).jpg

Die ungarische Ausgabe dieser Aufnahmen

 

Besetzung:
Franz Crass (bass)
Gundula Janowitz (sopran)
Christa Ludwig (alt)
Fritz Wunderlich (tenor)
+
Maurice André (trumpet)
Willy Beck (horn)
Hedwig Bilgram (organ)
Otto Büchner (violin)
Herbert Duft (bass)
Kurt Engert (cello)
Bernhard Gediga (trumpet)
Kurt Hausmann (oboe)
Ludwig Kiblböck (bass)
Karl Kolbinger (fagott)
Detlev Kühl (fagott)
Paul Meisen (flute)
Gustav Meyer (english horn)
Wilhelm Oppermann (trumpet)
Kurt Richter (horn)
Edgar Shann (english horn, oboe)
Oswald Uhl (cello)
+
Münchener Bach-Orchester + Münchener Bach-Chor unter der Leitung von Karl Richter

Noten01

Eröffnungschor aus Teil I, in dem Bach den Text der Parodievorlage „Tönet, ihr Pauken! Erschallet Trompeten!“
in die Partitur übernimmt, durchstreicht und zu „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ korrigiert.
Titel:

CD 1:

Erster Teil: Am Ersten Weihnachtsfeiertage:
01. Coro – Jauchzet, Frohlocket!  8.17
02. Recitativo (Evangelist) – Es Begab Sich Aber Zu Der Zeit 1.40
03. Recitativo (Alto) – Nun Wird Mein Liebster Bräutigam 1.07
04. Aria (Alto) – Bereite Dich, Zion  6.02
05. Choral – Wie Soll Ich Dich Empfangen 1.19
06. Recitativo (Evangelist) – Und Sie Gebar Ihren Ersten Sohn 0.30
07. Choral, Recitativo (Chor-Sopran, Basso) – Er Ist Auf Erden Kommen Arm 3.35
08. Aria (Basso) – Groβer Herr Und Starker König 5.38
09. Choral – Ach, Mein Herzliebes Jesulein! 1.28
Zweiter Teil: Am Zweiten Weihnachtsfeiertage:
10. Sinfonia (Hirtenmusik) 7.12
11. Recitativo (Evangelist) – Und Es Waren Hirten In Derselben Gegend 1.01
12. Choral – Brich An, O Schönes Morgenlicht 1.07
13. Recitativo (Evangelist, Engel) – Und Der Engel Sprach Zu Ihnen 0.59
14.  Recitativo (Basso) – Was Gott Dem Abraham Verheiβen 0.56
15. Aria (Tenor) – Frohe Hirten, Eilt, Ach Eilet 3.56
16. Recitativo (Evangelist) – Und Das Habt Zum Zeichen 0.28
17. Choral – Schaut Hin! Dort Liegt Im Finstern Stall 0.45
18. Recitativo (Basso) – So Geht Denn Hin, Ihr Hirten, Geht 0.59
19. Aria (Alto) – Schlafe, Mein Liebster, Genieβe Der Ruh     11:12

Libretto

Titelseite und erste Seite des Librettos, Leipzig 1734

 

CD 2:

Zweiter Teil: Am Zweiten Weihnachtsfeiertage (Fortsetzung):
20. Recitativo (Evangelist) – Und Alsobald War Da Bei Dem Engel 0.18
21. Coro – Ehre Sei Gott In Der Höhe 2.42
22. Recitativo (Basso) – So Recht, Ihr Engel, Jauchzt Und Singet 0.35
23. Choral – Wir Singen Dir In Deinem Heer  1.34
Dritter Teil: Am Dritten Weihnachtsfeiertage:
24. Coro – Herrscher Des Himmels, Erhöre Das Lallen 2.12
25. Recitativo (Evangelist) – Und Da Die Engel Von Ihnen Gen Himmel Fuhren 0.11
26. Coro – Lasset Uns Nun Gehen Gen Bethlehem 0.54
27. Recitativo (Basso) – Er Hat Sein Volk Getröst’t  0.58
28. Choral – Dies Hat Er Alles Uns Getan 0.47
29. Duetto (Soprano, Basso) – Herr, Dein Mitleid, Dein Erbarmen 8.19
30. Recitativo (Evangelist) – Und Sie Kamen Eilend 1.24
31. Aria (Alto) – Schlieβe, Mein Herze, Dies Selige Wunder 6.11
32. Recitativo (Alto) – Ja, Ja! Mein Herz Soll Es Bewahren 0.30
33. Choral – Ich Will Dich Mit Fleiβ Bewahren 0.48
34. Recitativo (Evangelist) – Und Die Hirten Kehrten Wieder Um 0.35
35. Choral – Seid Froh, Dieweil Daβ Euer Heil 0.48
36. Da Capo – Herrscher Des Himmels, Erhöre Das Lallen 2.13
Vierter Teil: Am Neujahrstage:
37. Coro – Fallt Mit Danken, Fallt Mit Loben 5.54
38. Recitativo (Evangelist) – Und Da Acht Tage Um Waren 0.41
39. Recitativo, Arioso (Chor-Sopran, Basso) – Immanuel, O Süβes Wort 3.12
40. Aria (Soprano) – Flöβt, Mein Heiland, Flöβt Dein Name 5.41
41. Recitativo, Arioso (Chor-Sopran, Basso) – Wohlan! Dein Name Soll Allein 1.44
42. Aria (Tenor) – Ich Will Nur Dir Zu Ehren Leben 4.54
43. Choral – Jesus Richte Mein Beginnen 2.56

BookletA1

CD 3:

Fünfter Teil: Am Sonntage Nach Neujahr:
44. Coro – Ehre Sei Dir, Gott, Gesungen 6.47
45. Recitativo (Evangelist) – Da Jesus Geboren War Zu Bethlehem  0.29
46. Coro, Recitativo (Soprano, Alto) – Wo Ist Der Neugeborne König Der Juden 2.29
47. Choral – Dein Glanz All‘ Finsternis Verzehrt 0.49
48. Aria (Basso) – Erleucht‘ Auch Meine Finstre Sinnen 4.22
49. Recitativo (Evangelist) – Da Das Der König Herodes Hörte 0.14
50. Recitativo (Alto) – Warum Wollt Ihr Erschrecken 0.37
51. Recitativo (Evangelist) – Und Lieβ Versammeln Alle Hohenpriester  1.36
52. Terzetto (Soprano, Alto, Tenor) – Ach! Wann Wird Die Zeit Erscheinen, Wann? 5.20
53. Recitativo (Alto) – Mein Liebster Herrschet Schon 0.35
54. Choral – Zwar Ist Solche Herzensstube 0.47
Sechster Teil: Am Feste Der Erscheinung Christi:
55. Coro – Herr, Wenn Sie Stolzen Feinde Schnauben 5.12
56. Recitativo (Evangelist, Herodes) – Da Berief Herodes Die Weisen Heimlich 1.09
57. Recitativo (Soprano) – Du Falscher, Suche Nur Den Herrn Zu Fällen 1.00
58. Aria (Soprano) – Nur Ein Wink Von Seinen Händen 4.04
59. Recitativo (Evangelist) – Als Sie Nun Den König Gehöret Hatten 1.31
60. Choral – Ich Steh‘ An Deiner Krippen Hier 1.12
61. Recitativo (Evangelist) – Und Gott Befahl Ihnen Im Traum 0.23
62. Recitativo (Tenor) – So Geht! Genug, Mein Schatz Geht Nicht Von Hier 2.01
63. Aria (Tenor) – Nun Mögt Ihr Stolzen Feinde Schrecken 4.09
64. Recitativo (Soprano, Alto, Tenor, Basso) – Was Will Der Hölle Schrecken Nun 0.32
65. Choral – Nun Seid Ihr Wohl Gerochen  3.16

Komposition: Johann Sebastian Bach

LabelF1.JPG

*
**

BoxBackCover (Ausschnitt).JPG

Dieser Hinweis findet sich auf der Rückseite der Box: Diese Box stammt aus dem Familienfundus. Tragikomisch ist es, dass mein Bruder, dem dieser Hinweis galt, längt gestorben ist, während meine Tante (die damals Beschenkte) heute noch mit ihren 93 Jahren lebt.

Helen Vita – Die frechsten Chansons aus dem alten Frankreich (1965)

FrontCover1Und jetzt wird´s frivol … und zwar mit der fidelen Helen Vita:

Helen Vita, bürgerlich: Helene Vita Elisabeth Reichel, verheiratet: Baumgartner (* 7. August 1928 in Hohenschwangau; † 16. Februar 2001 in Berlin) war eine Schweizer Chansonsängerin, Schauspielerin und Kabarettistin.

Helen Vita wurde als Tochter des Konzertmeisters Anton Reichel und der Solo-Cellistin Jelena Pacic als Helene Vita Elisabeth Reichel geboren. Nach der Ausweisung 1939 aus Deutschland zog die Familie nach Genf in die Schweizer Heimat des Vaters.

Nach der Schauspielausbildung am Conservatoire de Genève sammelte sie 1946 ihre ersten Bühnenerfahrungen am Théâtre du Vieux Colombier in Paris. Zwei Jahre war sie dann am Schauspielhaus Zürich engagiert, wo sie in der Uraufführung von Bertolt Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti mitwirkte. Bertolt Brecht war es auch, der ihr komisches Talent entdeckte und sie dazu ermunterte, Kabarett zu machen. Dem HelenVita01.jpgWunsch, an sein Berliner Ensemble mitzukommen, folgte sie nicht, da sie Brechts Eintreten für ein sozialistisches Deutschland nicht teilen konnte. Stattdessen trat sie 1949 ins Zürcher Cabaret Fédéral ein. 1952 ging sie nach München und spielte an der Kleinen Freiheit, für die Erich Kästner die zeitkritischen Texte schrieb. Hier traf sie auf Friedrich Hollaender, dessen Lieder sie in ihr Repertoire übernahm. Später wirkte sie bei den Berliner Wühlmäusen mit. Aus ihrer 1956 geschlossenen Ehe mit dem Schweizer Komponisten Walter Baumgartner gingen zwei Söhne hervor. In Berlin bezog sie 1965 ihre Zweitwohnung.

Schon in den frühen 1950er Jahren war Helen Vita für den Film entdeckt worden. Sie spielte in 58 Kino- und Fernsehfilmen mit: zumeist Heimatfilme, Schlagerschnulzen und Sexklamotten, worin sie oft den drallen Gegenpart zu Caterina Valente und Sonja Ziemann mimte. Das Klischee «scharfe Nutte mit viel Ausschnitt» verfolgte sie jahrelang. Nicht in dieses Klischee passte die Rolle der Cornelia Gatzka im 5. Teil des Fernsehklassikers Am grünen Strand der Spree, in dem sie als Partnerin von Gerhard Just und Günter Pfitzmann zu sehen war. Sie spielte auch in den 08/15- und den Immenhof-Filmen mit. Später stand sie in dem Musical-Film Cabaret neben Liza Minnelli in der Rolle des Fräulein Kost vor der Kamera. Doch gelten liess sie zeitlebens nur ihre Rollen in einigen Filmen von Rainer Werner Fassbinder: Liebe ist kälter als der Tod, Satansbraten, Berlin Alexanderplatz und Lili Marleen.

Während ihrer Filmkarriere blieb Vita stets ihrer grossen Leidenschaft, dem «seriösen» Theater treu. In Klassikern von Shakespeare, Molière und Goethe überzeugte sie ebenso wie in modernen Stücken von Thornton Wilder, T. S. Eliot oder Hans Henny Jahnn. An der Seite von Hans Albers spielte sie in Liliom und war später über Jahre am Münchner Volkstheater eine umjubelte «Seeräuber-Jenny» in der Dreigroschenoper.

HelenVita02Zur Skandalfigur der Saubermann-BRD vor 1968 wurde Vita vor allem als «fromme Helene» und mit der seinerzeit aufsehenerregenden Schallplattenserie mit den «frechen Chansons aus dem alten Frankreich» in deutscher Übersetzung von Walter Brandin. Die aus heutiger Sicht eher harmlosen, über Jahrhunderte tradierten Volks- und Kinderlieder riefen deutsche Staatsanwälte und Sittenwächter auf den Plan. Es folgten jahrelange juristische Auseinandersetzungen: Die galant-lasterhaften Lieder wurden von Staats wegen zu verbotenen Liedern erklärt, es ergingen Strafbefehle, Urteile wurden verkündet und wieder aufgehoben, Prozesse neu aufgerollt. «Unter Kunst versteht das Gericht ein Erzeugnis, das den Durchschnittsbürger über den Alltag erhebt und ihm das edelste darstellt, was er sich vorstellen kann», so begründete der Kölner Richter Bubenberger die Beschlagnahmung der «kunstlosen Schweinerei». Zeitweilig durften die Platten nur noch mit dem Aufdruck «Für Jugendliche verboten!» unter dem Ladentisch verkauft werden, was sie aber umso erfolgreicher machte. Von der Kritik dagegen wurden sie gelobt und erhielten zweimal den Deutschen Schallplattenpreis. Zu den französischen Chansons gesellten sich nun auch die «bawdy Songs» englischsprachiger Troubadoure. Ihre folgenden Platten hiessen Dolce Helen Vita Vol. I und Vol. II. Erst 1969 wurde in einem offiziellen Bescheid des Regierungspräsidiums Nordbaden in Karlsruhe festgestellt, dass Helen Vitas Lieder «künstlerisch hochstehend» seien.

Ihre zahlreichen Soloprogramme trugen so selbstironische Titel wie: Lotterlieder von Brahms bis Brecht, Von wejen Liebe, Helen Vita total und Die Seuse singt. 1985 erhielt sie den Deutschen Kleinkunstpreis. Immer dabei: der 1989 verstorbene Pianist Paul Klein. Ab 1991 wurde sie begleitet von dem Pianisten und Kabarettisten Frank Golischewski, der ihr zahlreiche Chansons („Die Alte singt ja immer noch“ u. a.) schrieb sowie das Programm „Drei Alte Schachteln unterwegs“ initiierte und begleitete. Songs von Hollaender und Brecht/Weill sowie Texte von Kästner und Tucholsky gehörten stets zu ihrem Lieblingsrepertoire.

HelenVita04

Ihren letzten grossen Erfolg feierte sie Ende der 1990er Jahre mit Evelyn Künneke und Brigitte Mira als eine der Drei alte Schachteln. Bis kurz vor ihrem Tode wirkte sie noch in zahlreichen Fernsehproduktionen mit und stand mit ihrem Programm Die Alte singt ja immer noch auf der Bühne.

Helen Vita trat auch als Hörspielsprecherin in Erscheinung. So spielte sie 1969 in Rolf und Alexandra Beckers Dickie Dick Dickens die Gangsterbraut «Effi Marconi».

In ihrer Wahlheimat Berlin erlag sie am 16. Februar 2001 einem Krebsleiden. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof Zollikerberg/Zollikon bei Zürich. (Quelle: wikipedia)

OriginalFC+BC.jpg

Front + Back cover der Originalausgabe aus dem Jahr 1965

Hier ihr drittes Album ihrer sogenannten oder tatsächlichen „frechen Chansons“ aus dem alten Frankreich. Überlegt man sich die damaligen juristischen Auseinandersetzungen um diese Aufnahmen, kann man heute tatsächlich nur noch den Kopf schütteln.

Also, uns erwartet harmloses Zeug … aber dennoch, insbesondere durch den kecken Gesangsvortrag der Helen Vita wird einem schon deutlich, dass sie mit diesen LP´s dem Klischee des keusch-schüchternem Weibes doch einiges entgegen zu setzen hatte …

Von daher … eine alte Scheibe (mir liegt die Wiederveröffentlichung von Bellaphon vor). die einem zum schmunzeln verleiten kann.

OriginalLabelA+B.jpg

Die Labels der Originalausgabe aus dem Jahr 1965

Besetzung:
Helen Vita (vocals)
+
Bert Grund und sein Orchester

BackCover1

Titel:
01. Der Geigenunterricht (Dans Notre Ville Est Venu …) 3.31
02. Die Mädchen in Camaret (Les Filles Du Camaret) 3.03
03. Der Keuschheitsgürtel (La Ceinture) 4.27
04. Floh und Spinne (Le Pou Et L’Araignée) 4.28
05. Oh Komm‘, Mein Treuer Schäfer (O, Mon Berger Fidèle) 2.34
06. Eines Tages ging Suzette … (La P’tite Suzette) 2.20
07. In einem Turm zu London (Dans Un Tour De Londres) 4.01
08. Jeanneton nahm ihre Sichel … (Jeanneton Prend Sa Faucille) 1.54
09. Ach, mein armes Mütterlein! (O, Ma Mère, Ma Pauvre Mère!) 2.33
10. Plaisir d’Amour (Plaisir D’Amour) 3.43

Musik: Bert Grund
Deutsche Texte: Walter Brandin

LabelB1.JPG

*
**

  • Eva ist die umgearbeitete, verbesserte und gekürzte Ausgabe von Adam.
  • Männer sind wie Taschenlampen – sie blenden ohne viel Licht zu verbreiten.
  • Frauen sind wie Fluglotsen: wenn sie nicht wollen, kann keiner landen.
  • Es kann nur Männern einfallen, nächtliche Aktivitäten als „Tagungen“ zu bezeichnen. (Helen Vita)
HelenVita03.jpg

Helen Vita, 1996

Herbert Hisel – Der Astronaut + Die Herrenpartie (1965)

FrontCover1.jpgSein Humor war schlicht und ergreifend einmalig … mag ja sein, dass dieser Humor insbesondere auf dem Hintergrund des damaligen Zeitgeist so besonders köstlich war … aber auch heute noch, kann ich mich, ob den Schlitzohrigkeit seiner Pointen, kringelig lachen.

Von daher ist es höchste Zeit, dem Herbert Hisel hier entsprechend zu würdigen:

Und ich beginne mal mit einer LP, auf der diverse Singles aus den Jahren 1964 – 1968 zusammengefasst wurden.

Und wer war nun dieser Herbert Hisel:

Herbert Hisel (* 22. Juni 1927 in Nürnberg; † 21. September 1982 nahe Toronto, Kanada) war in den 1960er und 1970er Jahren der bekannteste fränkische Humorist. Die Beteuerung „Jou wergli“ war sein Markenzeichen. Seine mit Komik und Witz in Nürnberger Mundart gespickten Vorträge brachten dem Redekünstler acht Goldene Schallplatten ein.Autogramm-Karte, 1964

Hisel wurde 1953 in Nürnberg mit seinem ersten Auftritt als Büttenredner sofortiges Stadtgespräch. Die Tücken eines gemimten „Faltbootfahrers“ sollten noch Jahre später das närrische Publikum begeistern. Hisel studierte Maschinenbau und wurde als Ingenieur bei der Grundig AG eingestellt, wo er im Werk Nürnberg-Langwasser als Abteilungsleiter tätig war. Hier notierte er Klatsch und Begebenheiten des Alltags im Mikrokosmos einer Weltfirma. In seiner Freizeit trat er als Komiker auf. Er erzählte „Gschichtla“ auf Betriebs- und Weihnachtsfeiern, bei Vereinsfesten und im Bierzelt. Bekannt wurde er bei Auftritten am Nürnberger Volksfest und auch im Fürther Geismannsaal. Diese Termine nahmen überhand. 1961 gab er seinen Abteilungsleiterposten auf und entschied sich dafür, als Berufskomiker durchs Leben zu gehen.

Herbert Hisel ließ sich als Präsident in den Elferrat der „Nürnberger Trichter Karnevalsgesellschaft e.V. 1909“ wählen. Fünf Jahre lang moderierte der Komiker die Karnevalssitzungen des Vereins und verschaffte Nürnberg den Ruf einer veritablen Humor-Hochburg. 1966 beendete der Komiker sein Amt als Aktiver im Karneval, tat dies aber standesgemäß mit der Rolle des Faschingsprinzen Herbertla I. in der Frankenmetropole.

Mit Jahrgang 22 kam 1963 Hisels erste Single bei dem Label Tempo auf den Markt und wurde ein großer Erfolg. Weitere Plattenaufnahmen mit ihm stießen in den 1960er Jahren auf eine kräftige Nachfrage. Ab 1967 reizten den Komiker neben seinen abendlichen Darbietungen vor Publikum auch Filmauftritte. Die Mitwirkung in seichten Klamauk-Sexstreifen der im Kino einsetzenden Sexfilmwelle war kein Tabu für ihn.

Am 3. September 1969 überlebte Hisel einen Absturz mit seinem Privatflugzeug schwer verletzt. Im Dezember 1969 heiratete er in Las Vegas die Schauspielerin und Regisseurin Sissy Löwinger, die mehrfach seine Bühnen- und Filmpartnerin war. Im Herbst 1970 führte beide eine Theatertournee der Löwinger-Bühne mit dem Stück Das Manöverkind (Premiere 3. April 1970 in Wien) bis nach Amerika und Kanada. Die kinderlos gebliebene Ehe wurde im Dezember 1972 geschieden.

Im Jahr 1975 floh der Humorist vor mehreren hunderttausend Mark Steuerschulden nach Kanada. Dort und in den USA bestritt er mit Auftritten vor Deutschstämmigen seinen Lebensunterhalt. Er glich die Steuernachforderungen des deutschen Fiskus aus. Anschließend versuchte er 1978 in der Bundesrepublik ein Comeback. Es erschien auch eine neue Langspielplatte. Die gewohnten Erfolge blieben aber aus. Seine Art von Humor kam nicht mehr an, manches war ein Aufguss von früher oder Stammtischwitz. Enttäuscht zog er sich wieder zurück nach Amerika, wo ihn das deutschsprachige Publikum hofierte. Am Steuer seines Autos ereilte ihn 1982 in Kanada ein tödlicher Herzinfarkt mit einem schweren Verkehrsunfall als unmittelbarer Folge. Er erhielt seine letzte Ruhestätte auf dem Nürnberger Westfriedhof. Im Frühjahr 2006 wurde das Grab aufgelassen.

Zu seinem 25. Todestag am 21. September 2007 wurde die Errichtung eines Denkmals in Nürnberg angeregt. Das Vorhaben wurde schließlich im November 2008 in Form eines Gedenksteins auf dem Nürnberger Westfriedhof verwirklicht. (Quelle: wikipedia)

LinerNotes

Wie gesagt: ein ganz spezieller Humor, den man mögen muss … und ich mag ihn, trotzall seiner Schlichtheit. Von daher drohe/kündige ich schon mal an, dass diverse weitere Aufnahmen von ihm hier im Laufe der Wochen präsentiert werden … und ein gewisser Mr. Yancy (der kein Franke ist !) hat dies ermöglicht …  Jou, werkli …

Der "alte" Herbert Hisel

Der „alte“ Herbert Hisel

Besetzung:
Herbert Hisel (Sprecher)

BackCover1.jpg

Titel:
01. Der Astronaut (Hisel) 7.24
02. Die Herrenpartie (Hisel) 5.50

LabelB1.jpg
*
**

Nipso Brantner And The Swinging Cowboys – Die grosse Westernschau (Songs And Music From Texas And Tennessee) (1965)

FrontCover1.JPGUnd jetzt mal wieder ein – einerseits – munterer Griff in meine Skurrilitätenkiste und dann aber – andererseits – ein spannendes und recht wenig erforschtes Thema, das ich da mal mit „die frühe Country Musik in Deutschland und ihre Folgen“ umschreiben möchte.

Und da haben wir zum einen den Nipso Brantner, über den das Bear Family Lexikon folgendes zu berichten hat:

Nipso Brantner: geb. 11. 9. 1935 in Villach – Österreich Nipso Brantner, ein Geigenvirtuose, der über den Jazz und den Rock ’n` Roll zur Country Music fand. In den späten50er Jahren spielte er bei Jim Carter`s Texas Rangers und 1966 gründete er zusammen mit Frank Baum, dem deutschen Steel Guitar Spieler, die „Swinging Cowboys“. Später folgten Engagements bei Hazy Osterwald und Jim Briscoe. 1971 nahm Nipso Brantner am „Gipfeltreffen“ der vier besten Jazz-Geiger der Welt teil. 1980 tat er sich noch ein- mal mit Frank Baum zusammen und gründete die Gruppe ,Train“.

Eigentlich hätte man da ja schreiben müssen … „der über die Country Music zum Jazz und Gypsy Swing fand“ … denn seine großartigen Jazzaufnahmen auf dem MPS Label waren ja dann erst einige Jahre später.

Nipso Brantner01

Üblicherweise treffen wir hier öfters mal deutsche Unterhaltungsmusiker wie James Last oder den Max Greger an, die vom Jazz kamen, um dann später sich dann doch eher der „leichten Muse“ zu zu wenden … hier ist es ausnahmsweise mal anders … spannend !

Na, und dann noch der Chuck Herrmann, dem Urgestein der Münchner Musikszene:

Wolfgang „Chuck“ Herrmann (* 1941 in Holzkirchen) ist Musiker, Radiomoderator und vermutlich der dienstälteste DJ im Großraum München. Den Spitznamen gab er sich in Anlehnung an sein Idol Chuck Berry

Herrmann legte erstmals 1957 in einem Holzkirchener Café auf. 1962 gründete er eine Rock ’n’ Roll-Band. 1963 kündigte er seinen Job als Steuersachbearbeiter im Holzkirchener Rathaus und war ab dann erfolgreich als CountryW-Sänger in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Italien unterwegs. Er tourte durch US-Army-Clubs, spielte in Nipso Brantners Band „Swinging Cowboy“ und gründete schließlich die erfolgreiche Band Chuck Herrmann and Honky Tonk. Seit 1994 arbeitet er nur noch als DJ und ist seit 1969 mit einer mobilen Disco unterwegs.

Chuck Hermann01

Chuck Hermann, ca. 1965/66 … und ja, es darf gekichert werden …

Seit dem 3. Dezember 1972 veranstaltet er sonntäglich die „Fifties Record Hop“-Veranstaltungen für Rock ’n’ Roll-, Boogie- und Swing-Fans. Bereits 1976 legte er im damaligen Pop Club und im Cadillac Salsa aus. Als „Salsa-König“ geläufig, legt er unter anderem immer noch regelmäßig im Night Club des Hotels Bayerischer Hof und im Salsa-Club der Max Emanuel Brauerei auf.

Herrmann ist auch als Radiomoderator tätig, früher auch beim AFN Munich, dann bei der Jazz Welle Plus und heute noch einmal im Monat bei Lora München. (Quelle: .muenchenwiki.de)

Tja, und der Nipso Brantner fiedelt sich hier die Seele aus dem Leib … und wir hören eine pedal-steel Gitarre und auch eine Dobro … wer kannte diese Instrumente damals schon  … außerhalb der US Army Clubs ?

Da haben sich also Enthusiasten ins Zeug gelegt und auch die Song-Auswahl zeigt dies … da musste man schon vertiefte Kenntnisse von der Materie haben … „The Slivery Tomahawk“ z.B. scheint ein indianisches Volkslied zu sein …

Na ja … und dann mag ich noch auf „Red River Valley“ hinweisen … der Kenner früher Musik erkennt hier unschwer die Basis des „Red River Rocks“, ein Rock N Roll  Kracher, der durch „Johnny & The Hurricanes“ weltweit bekannt wurde.

Von daher: nicht nur ein Griff in die Skurrilitätenkiste (die LP ist auf dem Billig-Label „Fass“ erschienen), sondern auch und ganz besonders ein kleiner Beitrag zur Frühgeschichte der Münchner Musikszene jener Jahre …

Nipso Brantner02

Nipso Brantner, ca. 1971

Besetzung:
Laczy Brantner (drums, percussion)
Nipso Brantner (fiddle, banjo, vocals)
Frankie Baum (steel-guitar, dobro)
Willie Haunschild (bass)
Chuck Herrmann (vocals, guitar)

BackCover1.JPG

Titel:
01. Rovin‘ Gambler (Traditional) 2.09
02. Golden Slippers (Traditional) 2.18
03. The Wabash Cannon Ball (Traditional) 2.40
04. Home On The Range (Traditional) 2.49
05. Devil’s Dream (Traditional) 1.51
06. On Top Of Old Smoky (Traditional) 2.18
07. The Slivery Tomahawk (Traditional) 2.06
08. She’ll Be Comin‘ ‚Round The Mountain (Traditional) 2.19
09. Put Your Little Shoes Right Away (Traditional) 1.39
10. Same Old Town (Herrmann) 2.19
11. Wake Up Suzie (Traditional) 1.42
12. Frankie’s Waltz (Baum) 2.50
13. Oh Susannah (Traditional) 2.01
14. Red River Valley (Traditional) 2.30

LabelB1.jpg

*
**

Chuck Hermann03

Chuck Hermann02

Da strahlt der Sammler ….

Willy Millowitsch – Ich hab´ Musik so gern (1965)

FrontCover1Er war ganz sicher ein Prototyp der rheinischen Frohnatur … wie ihn die Deutschen in den 60er Jahren geliebt haben:

Willy Millowitsch (* 8. Januar 1909 in Köln; † 20. September 1999 ebenda) war ein deutscher Theaterschauspieler und einer der bekanntesten Kölner Volksschauspieler. Er war Leiter des privaten Kölner Millowitsch-Theaters.

Willy Millowitsch stammte aus einer alten Schauspielerdynastie. Seine Eltern waren der in Düsseldorf geborene Schauspieler Peter Wilhelm Millowitsch (1880–1945) und dessen Ehefrau Käthe, geborene Planck, eine Wienerin. Seine Tante war die Schauspielerin und Sängerin Cordy Millowitsch. Schon als Kind hatte er sich mehr für das väterliche Theater interessiert als für die Schule. Bereits 1922 wechselte er ohne Schulabschluss in den Schauspielerberuf. 1940 übernahm er die Leitung der väterlichen Bühne. Dabei war er sehr oft als Regisseur und Hauptdarsteller tätig. 1939 heiratete Willy Millowitsch Linny Lüttgen; die Ehe wurde später geschieden.

Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges hatten das Millowitsch-Theater an der Aachener Straße in Köln nur wenig beschädigt. So wurde der Spielbetrieb auf Wunsch des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer bereits im Oktober 1945 wiederaufgenommen, und bis ins Jahr 1949 fanden täglich Vorstellungen statt. Über viele Jahre leitete Millowitsch das Haus jetzt mit seiner Schwester Lucy Millowitsch, mit der er auch jahrzehntelang gemeinsam auf der Bühne stand. Das Geschwisterpaar galt als Idealbesetzung, wenn es darum ging, temperamentvolle Paare darzustellen.

AutogrammKarteAm 28. September 1946 heiratete Millowitsch Gerda Feldhoff; sie bekamen vier Kinder: Katarina, Peter, Susanne und Mariele. Bis auf Susanne haben die Kinder das Interesse an der Schauspielerei geerbt; Peter Millowitsch hat 1998 das Theater übernommen.

Seit 1949 wirkte er in zahlreichen Kinofilmen mit; erster war Gesucht wird Majora, der am 2. September 1949 in die Kinos kam. In der Folge trat er in den unterschiedlichsten Filmrollen auf. Seine über 125 Filme (bis 1996) und Fernsehrollen sorgten für zusätzliches Einkommen im Hinblick auf die eher schwankenden wirtschaftlichen Erfolge seines Theaters. Zu den Kinofilmen gehörten insbesondere Drei Mann auf einem Pferd (1957), Zwei Herzen im Mai (1958), Scampolo mit Romy Schneider (1958) sowie in Zum Teufel mit der Penne (1968) als Vater von Hansi Kraus und als Nebendarsteller in der Hollywood-Produktion Hilfe, die Amis kommen an der Seite von Chevy Chase (1985). Seine bekannteste Fernsehrolle war die des „Kommissar Klefisch“ im WDR-Fernsehen ab 7. Januar 1990, die in 6 Folgen bis zum 7. Januar 1996 ausgestrahlt wurde.

Millowitsch versuchte sich schließlich auch als Schlagersänger. Bei Ariola erhielt er 1960 einen Schallplattenvertrag. Sein erster Titel dort war das vielsagende Wenn dieses Lied ein Schlager wird (A 35 061). Es folgte wenige Monate später sein erster Titel über Alkohol Heut‘ sind wir blau (A 35 262). Sein größter Hit war das Karnevals- und Stimmungslied Schnaps, das war sein letztes Wort (November 1960), das mehr als 900.000mal verkauft wurde. Jahrzehntelang gehörte er im Rheinland zu den erfolgreichsten Interpreten von Karnevalsliedern. Bis heute ist das Lied Ich bin ene kölsche Jung von Fritz Weber mit seinem Namen verbunden.

Die erste deutsche Live-Übertragung eines Theaterstücks erfolgte am 19. Oktober 1953 mit dem Etappenhasen, einem Stück des niederdeutschen Dichters Karl Bunje, in dem Willy Millowitsch die Hauptrolle spielte. Diese Aufführung machte sein Theater überregional bekannt. In den folgenden Jahrzehnten übertrug das Fernsehen zahlreiche Lustspiele aus seinem Hause. Diese wurden zu regelrechten Straßenfegern, was auch an seiner Bühnenpartnerin Elsa Scholten lag, die bereits seit 1920 zum Ensemble des Theaters gehörte.

Am 14. September 1968 erlebte man Millowitsch im Rahmen der ARD-Fernsehlotterie in einer Gastrolle auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Dort spielte er unter der Regie von Hans Mahler den Amtsrichter Dr. Kleinfisch in der Komödie Die Kartenlegerin.

AutogrammKarte2Willy Millowitsch unterhielt sein Publikum mit zahllosen von ihm selbst entworfenen und oft vom Fernsehen – dann meist unter der Regie seines Theaterfreundes Prof. Dr. Karl Wesseler – aufgezeichneten Bühnenstücken über vierzig Jahre lang, oft zusammen mit seiner Schwester und seinen Kindern. Wie er in einem Interview sagte, konnte er allerdings selbst keine Stücke schreiben, was er sehr bedauerte.

Willy Millowitsch starb am 20. September 1999 im Kölner St.-Elisabeth-Krankenhaus (Hohenlind) an Herzversagen. Am 25. September 1999 wurde er auf dem Melaten-Friedhof in Köln beigesetzt. Die Totenmesse wurde von Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann im Kölner Dom gehalten, was sonst fast ausschließlich kirchlichen Würdenträgern vorbehalten ist. Zum Auszug des Sarges spielte der damalige Domorganist Prof. Clemens Ganz eine Improvisation in Moll über sein erfolgreiches Lied Ich bin ene kölsche Jung. Der Trauerzug über Neumarkt und Aachener Straße bis zum Friedhof wurde durch das WDR-Fernsehen live übertragen. Sein Nachlass befindet sich heute in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Köln. (Qulle: wikipedia)

Entdeckt man dieses Album, so stellt man natürlich fest, dass sich Millowitsch stark an die Schlager und Gassenhauer früherer Jahrzehnte orientiert und so hört man diverse Klassiker dieses Genres. Letztlich war er der Max Raabe der 60er Jahre und begleitet wird er von dem famosen Axel Weingarten Orchester (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der im Nachkriegsdeutschland enorm erfolgreicher Produzent Hans Bertram !)

Natürlich werden all´ diese Gassenhauer mit seinem so ganz eigenem Gesangsstil  vorgetragen … Kann dann gelegentlich durchaus Vergnügen bereiten !

Und nachdem die LP im „Potpourri-Stil“ aufgenommen wurde … habe ich mir mühselige Schneiderei gespaart und präsentiere Seite A + B in einem Rutsch an.

WillyMillowitsch

Besetzung:
Willy Millowitsch (vocals)
+
Orchester Axel Weingarten

BackCover1

Titel:

01. Potpourri I (18.25):
Ao1. Wir sind alle kleine Sünderlein (Volksweise)
Ao2. Ich hab‘ die schönen Maderln net erfunden (Scjmidseder/Prosell)
Ao3. Heut‘ kommen d‘ Engerln auf Urlaub nach Wien (Wunsch/Hub)
Ao4. In einer Nacht im Mai (Kreuder/Schröder/Bechmann)
Ao5. Jeden Tag, da lieb‘ ich dich ein kleines bißchen mehr (Schütz/Baer)
Ao6. Mit dir möcht‘ ich am Sonntag angeln geh’n (Kollo/Rideamus)
Ao7. Ich hab‘ das Fräulein Helen baden seh’n (Raymond/Grünbaum)
Ao8. Komm, spiel mit mir Blindekuh (Kreuder/Beckmann)
Ao9. Was machst du mit dem Knie, lieber Hans (Fall/Beda)
A10. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 wo ist meine Frau geblieben (Kreuder/Beckmann)
A11. Für eine Nacht voller Seligkeit (Kreuder/Schwenn)
A12. In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine (Grothe/Dehmel)
A13. Gnädige Frau, wo waren sie gestern (Schröder/Beckmann)
A14. Sprich nicht drüber (Lindström)

02. Potpourri II (18.19):
B01. Ich hab‘ Musik so gern (Korn)
B02. Wiener Blut (Strauß)
B03. Mei Mutterl war a Wienerin (Gruber)
B04. Wenn der Herrgott net will (Arnold/Kaps)
B05, Wien Bleibt Wien (Schrammel/Johann)
B06. Mit Musik geht alles besser (Bochmann(Knauf)
B07. Das Karusell (Jary/Beckmann)
B08. Mir geht’s gut (Bochmann/Baltz)
B09. Schöner Gigolo, armer Gigolo (Brammer/Casucci)
B10. Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Schröder/Beckmann)
B11. Das gibt’s nur einmal (Heymann/Gilbert)
B12. Sing mit mir (Grothe/Dehmel)
B13. Musik, Musik, Musik (Kreuder/Beckmann)
B14. Wir machen Musik (Igelhoff/Steimel/Käutner/v.Pinelli)

LabelB1

*
**

Single

Richard Oesterreicher Quartett – Swing im Night Club (1965)

FrontCover1Von Richard Oesterreicher war hier schon mal die Rede und zwar im Zusammenhang mit seiner Single aus dem Jahr 1977, auf der er Klassiker wie „An der schönen blauen Donau“ im Discoi-Gewand präsentierte. Damals schreib ich angesichts seiner Biographie, dass man da eigentlich nur staunen könne.Und ich zitiere mal wieter:

„Richard Oesterreicher (fälschlich oft Österreicher; * 10. November 1932 in Wien) ist ein österreichischer Dirigent und Jazzmusiker.

Richard Oesterreicher ist der Sohn eines Musiklehrers. Er studierte zunächst beim Vater und begann ab 1947 eine Lehre als Schriftsetzer, neben der er am Konservatorium der Stadt Wien Gitarre und Klavier studierte. Er absolvierte ein Studium bei Walter Heidrich in Wien. Von 1958 bis 1967 war er als Berufsmusiker mit eigener Combo tätig, danach als Studio-Gitarrist, Arrangeur und Musiker im ORF-Unterhaltungsorchester.“

Hier eines seiner Frühwerke; mit seinem Quartett zelebriert er „Swing im Night Club“ und macht dabei eine fast durchgehend gute Figur, zumindest wenn man jazzige Unterhaltungsmusik jener Tage mag. So ist z.B. ihr „If I Had A Hammer“ wirklich pfiffig arrangiert (sie orientieren sich freilich am Arrangement von Trini Lopez). Leider sind die Stücke für meinen Geschmack zu kurz geraten.

Das besondere an dieser LP ist allerdings, dass wir hier die ganz frühe, junge Marianne Mendt als Sängerin zu hören bekommen. Mendt war damals mit ihrer eigenen Combo „The Internationals“ als Sängerin und Bassistin aktiv. Hier also „nur“ als Sängerin, möglichweise handelt es sich bei diesen Aufnahmen um ihr Schallplattendebüt. Jedenfalls macht auch sie ne gute Figur und von daher ist diese LP einfach ein akustischer Ohrenschmaus …

(Die akustischen Beeinträchtigungen bei „April In Paris“ bitte ich zu entschuldigen … ist halt so)

 

BackCover1

Besetzung:
Richard Oesterreicher Quartett
+
Marianna Mendt (vocals bei 09. – 11.)

Titel:
01. Dancing In The Dark (Schwartz/Dietz) 2.03
02. Frauen sind keine Engel (Mackeben/Beckmann) 1.58
03. Si Yote Quiero (Oesterreicher/Weizmann) 2.24
04. Casino (Oesterreicher) 2.43
05. Signorina (Kruntorad/Weizmann) 2.56
06. Ay Merenge (Oesterreicher/Weizmann) 2.46
07. Twist On The Blues (Oesterreicher/Weizmann) 1.58
08. If I Had A Hammer (Seeger/Hays) 2.57
09. Mackie Messer (Weill/Brecht) 2.55
10. Non Ho L´eta (Nisa/Panzeri) 1.49
11. Danke schön (Kaempfert/Schwabach/Gabler) 4.07
12. A Foggy Day In Londontown (Gershwin) 2.30
13. I Left My Heart In San Francisco (Cory/Cross) 3.02
14. April In Paris (Duke/Harburg) 2.04
15. All Right, OK, You Win (Wyche/Mayme) 3.06
16. So schön wie damals (Oesterreicher/Weizmann) 2.27

LabelA1

 

*
**