Deutsches Rundfunkarchiv – Rückkehr in die Fremde – Remigranten und Rundfunk in Deutschland (1945-1955) (2000)

FrontCover1Hier hören wir nun eine Produktion des Deutschen Historischen Museums Berlin, des Deutschen Rundfunkarchivs Frankfurt/M. und Potsdam – Babelsberg, des Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der Akademie der Künste, des Museums für Post und Kommunikation und des Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute (AsKI)
Diese CD erschien anläßlich einer Ausstellung, die ab März 2000 – beginnend in Berlin – an mehr als zehn Orten der Bundesrepublik Deutschland bis in das Jahr 2002 zu sehen war.

Die Ausstellung, im Auftrag des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute e.V. Bonn federführend von der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv in Kooperation mit der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Berlin erarbeitet, befaßte sich mit Remigranten und Rundfunk in Deutschland von 1945 bis 1955. Sie geht den Fragen nach, unter welchen Bedingugen Remigranten, die während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur aus Deutschland hatten fliehen müssen, im Nachkriegsdeutschland, vor allem beim Rundfunk, haben Fuß fassen können und wie sie inhaltlich die Programme dieses Mediums (mit)geprägt haben.
In 17 Tonaufnahmen ist neben Persönlichem vor allem Politisches festgehalten – in Interviews mit Betroffenen, Kommentaren und Vorträgen, Hörspielen und Hörfolgen. (Verlagsankündigung)

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Ein Tondokument  … das einen einerseits gruseln lässt … insbesondere jener „Bericht aus dem Konzentrationslager Oranienburg“ vom 30.09.1933 …  wobei es wohl stimmt, das der SPD Politiker Alfred Faus damals im KZ Oranienburg nicht zu Tode geprügelt wurde:

1917 trat Faust der USPD bei. 1918, nach seiner Rückkehr nach Bremen, trat er für die Bremer Räterepublik ein. Im Dezember 1918 war er Delegierter beim 1. Reichsrätekongress in Berlin. Im Januar und Februar war Faust Mitglied des Rats der Volksbeauftragten in Bremen. Außerdem war er auch Mitglied des Bremer Vollzugsrates sowie Leiter des Kommissariats für Presse und Propaganda und Redakteur der beschlagnahmten Bremer Bürger-Zeitung.

Nach der Niederschlagung der Räterepublik wurde Faust Chefredakteur der Bremer Arbeiterzeitung. Im März 1919 wurde er in die verfassungsgebende Bremer Nationalversammlung gewählt. Von 1920 bis 1933 war Faust Mitglied der Bremer Bürgerschaft. Im Jahr 1922 wechselte er zusammen mit der Rumpf-USPD zur SPD über.

AlfredFaust

Alfred Faust

Beruflich war damit der Wechsel als Redakteur zu der von Wilhelm Kaisen geleiteten Bremer Volkszeitung verbunden. 1928 wurde er Chefredakteur der Zeitung.

Am 6. November 1932 wurde Faust in den Reichstag gewählt aber erst im März 1933 wurde seine Wahl bestätigt. Ende März 1933 verhalf Faust Rudolf Breitscheid zur Flucht in die Schweiz, kehrte aber selbst nach Bremen zurück. Bereits am 28. April 1933 wurde er von der SA der Nazis in Schutzhaft genommen und in die Konzentrationslager Mißler in Findorff und Ochtumsand sowie im Bremer Untersuchungsgefängnis gefangen gehalten. Besonders im KZ Mißler wurde Faust körperlich stark misshandelt.

Unmittelbar danach saß er bis 1934 in einem Gefängnis in Bremen ein. Nach seiner Entlassung wurde Faust aus Bremen ausgewiesen und siedelte nach Berlin über. Dort arbeitete er auf Vermittlung durch Ludwig Roselius bis 1944 im Angelsachsenverlag. Als dieser geschlossen wurde, floh Faust 1944 in seine Heimat Elsass und arbeitete dort bis 1949 als Redakteur in Mülhausen.

Faust kehrte im August 1949 nach Bremen zurück und leitete zunächst den Angelsachsenverlag. Er engagierte sich wieder in der SPD. Vom 11. Juli 1950 bis zu seinem Tod war er Leiter der Pressestelle des Bremer Senats. Nach seinem Tode fand für ihn ein Staatsakt im Bremer Rathaus statt. (Quelle wikipedia)
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Beeindruckend der „Abschied von Zürich “ von Wolfgang Langhoff, einem deutschen Schauspieler, dem ab 1933 folgendes passiert ist:

Am 28. Februar 1933 wurde Langhoff von der Gestapo verhaftet und zunächst im Düsseldorfer Polizeigefängnis inhaftiert, wo er schwerer Folter durch die SA ausgesetzt war. Wenige Tage später wurde er in das Düsseldorfer Zuchthaus Ulmer Höh verlegt. Im Juli 1933 wurde er ins Konzentrationslager Börgermoor im Emsland verbracht. Dort überarbeitete er im August 1933 einen Text von Johann Esser zum später weltberühmt gewordenen Moorsoldaten-Lied. Die Melodie komponierte der Mithäftling Rudi Goguel. Nach der Verlegung ins KZ Lichtenburg erfolgte 1934 die Entlassung Langhoffs im Rahmen der so genannten Osteramnestie. Insgesamt war Langhoff 13 Monate in Haft und Konzentrationslagern. Drei Monate später – im Juni desselben Jahres – floh er in die Schweiz, kurz vor Schließung der Grenze.

Wolfgang Langhoff

Wolfgang Langhoff

Am Schauspielhaus Zürich fand er Unterkunft und Arbeit als Regisseur und Schauspieler. 1935 wurde der autobiographische Bericht Die Moorsoldaten. 13 Monate Konzentrationslager veröffentlicht, der nach der Übersetzung durch Lilo Linke ins Englische weltweit Beachtung fand als eine der ersten Augenzeugenschilderungen der Brutalität in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Langhoff war Gründungsmitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland in der Schweiz.

Nach seiner Rückkehr in die Sowjetische Besatzungszone war Langhoff für den Kulturbund Mitglied im 2. Deutschen Volksrat. (Quelle: wikipedia)

Nicht minder beeindruckend, der Kommentar zur Lage in Deutschland von Fritz Eberhard, mit dem vergeblichen Plädoyer gegen die Atombombe.

Und dann Ernst Reutter … der Humanist und Sozialdemokrat … und das Hörspiel von Walter Jens aus dem Jahr 1952 … beeindruckend ohne Ende.

Ein Tondokument … sofern man sich darauf einlassen will oder kann … einen nicht nur schaudern lässt, sondern auch ein wenig stolz macht … ob all dieser Menschen, dieser „deutschen“ Menschen … die sich dem Irrsinn, dem Wahnsinn des Nationalsozialismus widersetzt haben.

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Titel:
01. Bericht aus dem Konzentrationslager Oranienburg (30.09.1933)  4.23
02. Thomas Mann: Ansprache „Deutsche Hörer!“ (18.03.1941)  5.06
03  Tran und Helle: Über das Abhörverbot ausländischer Sender im Dritten Reich (1940) 2.26
04. Bruno Adler/Annemarie Hase: Frau Wernicke. Über das Abhören von „Feinsendern (11.03.1941) 3.02
05. Wolfgang Langhoff: Abschied von Zürich (12.10.1945) 2.36
06. Fritz Eberhard: Kommentar zur Lage in Deutschland (24.11.1945)  2.39.
07. Markus Wolf: Kommentar zum Ende des Nürnberger Prozesses (01.10.1946) 1.45
08  Hans Mayer:  im Gespräch mit Joachim-Felix Leonhard und Hans-Ulrich Wagner über die Remigration (20.05.1999) 7.12
09. Werner Milch: Vortrag über Victor Gollancz (03.11.1947) 3.21
10  Alfred Kantorowicz: Rede auf dem Ersten Deutschen Schriftstellerkongreß (05.10.1947) 4.05
11. Alfred Döblin: im Gespräch mit Herbert Bahlinger (08.08.1948  ) 2.08
12  Thomas Mann: Ansprache im Goethe-Jahr in der Paulskirche Frankfurt am Main (25.07.1949) 6.45
13  Friedrich Karl Kaul: Hörspiel „Funkhaus Masurenallee“ (16.10.1951) 5.14
14  Ernst Reuter: Ansprache „Wo uns der Schuh drückt“ (27.09.1953) 2.50
15. Walter Jens: Der  Besuch des Fremden (Hörspiel) (18.11.1952) 5.43
16. Erika Mann und Theodor W. Adorno: Im  Gespräch mit Adolf Frisé (29.01.1958)
17  Die Vergessenen: Hörfolge über das Leben deutscher Juden in Paris von Peter Adler (10.03. 1956) 4.27

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