Klaus Doldinger – Doldinger in Süd Amerika (1965)

FrontCover1.jpgFür mich ein weiteres Album von Klaus Doldinger, das bis heute mehr als hörenswert ist:

Einen weiteren Paradigmenwechsel vollzog 1965 Klaus Doldinger mit dem Album „Doldinger in Südamerika“: nicht nur die Rhythmussektion wechselte – so etablierte sich neben Schlagwerker Cees See nun Bassgeiger Peter Trunk als zusätzlicher Impuls – und mit Gitarrist Attila Zoller trat ein renommierter Gastmusiker auf, auch der musikalische Ansatz wurde verfeinert und verschob sich zum freien Extemporieren in brasilianischem Klangkolorit. Dass das Goethe-Institut Doldinger und sein Quartett danach durch Brasilien schickte, durfte als weitere Auszeichnung verstanden werden. (jazzecho.de)

Und auch „Der Spiegel“ berichtete über Doldinger´s Südeamerika-Trip:

Spiegel 34_1965.jpgSie jazzten bei 40 Grad Hitze in Santiago de Chile. Sie swingten bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit in Rio de Janeiro. Sie jamten in der sauerstoffarmen Höhenluft der Andenstadt Quito, und sie wetteiferten mit Bossa-Nova -Stars in Salvador: Elf Wochen lang blies, trommelte und orgelte sich Klaus Doldingers Jazz-Quartett durch Südamerika.
Deutschlands Spitzen-Combo, nach Gastspielen in Skandinavien, Italien, Frankreich und Nordafrika zum fünftenmal im Auftrag des Münchner Goethe -Instituts auf Tournee, hatte ein Echo wie sonst nur die großen Amerikaner Louis Armstrong und Duke Ellington. Das Goethe-Institut in Rio de Janeiro zählte allein bei Doldingers Brasilien -Konzerten 493 450 Zuhörer. (Der Spiegel 34/1965 vom 18. August 1965)

Zwar ist der Titel etwas irreführend, da die Aufnahmen v o r der Südamerika-Tournee Doldingers (in Deutschland!) aufgenommen worden sind, aber der Qualität tut dies keinerlei Abbruch.

Die Besetzung ist wirklich vorzüglich: Neben Doldinger (Sopran- und Tenersaxophon) spielen Ingfried Hoffmann (Klavier & Hammond B3), Attila Zoller (Konzertgitarre), Peter Trunk (Bass) und Cees See (Schlagzeug). Hoffmann hat sich leider aus dem Jazzbetrieb völlig zurückgezogen, Zoller, Trunk und See sind inzwischen gestorben.

Ingfired Hoffmann

Ingfried Hoffmann, 1965

Das musikalische Programm ist sehr abwechslungsreich. Einerseits bietet es Saalkracher wie „Guachi Guaro“ mit einer kochenden und fauchenden Orgel und einem aufpeitschenden Ostinatorhythmus, andererseits zarteste Lyrik wie „Subo“, wo Hoffmann das Klavier streichelt und Doldinger in das Sopransaxophon hineinhaucht.

Attila Zoller

Die überaus kompetente Rhythmusgruppe von Trunk und See lässt keine Wünsche offen. Mit Peter Trunk, der am 31. Dezember 1973 bei einem Autounfall in New York ums Leben gekommen ist, hat nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt einen ihrer besten Bassisten verloren.

Niemand, der den deutschen Jazz der Sechzigerjahre kennt, wird diese Platte ohne Wehmut hören können. (Dr. Horst Wolfgang Boger)

LPBackCover

Besetzung:
Klaus Doldinger (saxophone)
Cees See (drums, percussion)
Peter Trunk (bass)
Attila Zoller (guitar)
Ingfried Hoffmann (keyboards)

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Alternatives US Front-Cover

Titel:
01. Fiesta (Doldinger) 4.51
02. Viva Brasilia (Doldinger) 3.37
03. Insensatez (Jobim/de Moares) 4.21
04. Subo (Traditional) 3.16
05. Malaguena (Lecuona) 4.02
06. Negra Sin Sandalia (Traditional) 5.02
07. Recado (De Ferreira/Antonio) 3.24
08. Argentinia (Doldinger) 3-47
09. Guachi Guaro (Traditional) 4.45
10. Präludium Nr. 3 (Villa-Lobos) 3.21

TwenLabelA

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KlausDoldinger1965_01

Klaus Doldinger, 1965

 

Klaus Doldinger – Salz auf unserer Haut (Original Soundtrack) (1992)

FrontCover1.jpgTja, selbst bei einem Großmeister wie Klaus Doldinger ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein eher trauriger Teil seiner ansonsten atemberaubenden Karriere ist dieser Soundtrack zu dem Film „Salz auf unserer Haut“.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Benoîte Groult:

Salz auf unserer Haut (franz. Originaltitel: Les vaisseaux du cœur, wörtlich Die Herzkranzgefäße oder auch als Wortspiel „Die Schiffe des Herzens“) ist ein 1988 erschienener, autobiografisch geprägter Roman der französischen Schriftstellerin Benoîte Groult. In Frankreich war er wegen seiner sehr freizügigen Darstellung einer leidenschaftlichen Liebe zwischen einer Pariser Intellektuellen und einem einfachen bretonischen Fischer zunächst als pornografisch diskreditiert. Doch wurde er schon bald, vor allem in Deutschland, zu einem anerkannten literarischen Bestseller. 1992 entstand der gleichnamige Film von Andrew Birkin.

Salz auf unserer Haut handelt von der heimlichen Liebesbeziehung eines ungleichen Paares. Die Ich-Erzählerin George stammt aus dem Pariser Bildungsbürgertum. Der Geliebte – sie nennt ihn Gauvain – ist Sohn bretonischer Bauern und wird später Hochseefischer. Da die Pariser Familie in Raguénez, einem kleinen Dorf in der Bretagne, ein Ferienhaus besitzt, in dem sie regelmäßig ihren Sommerurlaub verbringt, kennen sich beide von klein auf, ihre unterschiedliche Schichtenzugehörigkeit aber ist unüberbrückbar.

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Diverse Buchausgaben

Als sie 18 ist und er 24, ändert sich ihr Verhältnis zueinander grundlegend. Bei der Ernte entdecken beide ihre erotische Anziehungskraft füreinander. Sie treffen sich zu einem nächtlichen Bad am Strand. Danach verlieren sie sich zunächst aus den Augen. Erst bei der Hochzeit von Gauvains Schwester – er selbst ist inzwischen mit einem Mädchen aus dem Dorf verlobt – flammt ihre Leidenschaft wieder auf. Nach einer Liebesnacht, wiederum am Strand, trennen sich ihre Wege wieder. Die Erzählerin genießt ihr Studentenleben in Paris, Gauvain verrichtet schwere Arbeit auf einem Thunfischtrawler.

Schließlich besucht er sie in Paris, wo sie sich im Hotel ganz ihrer Leidenschaft hingeben. Am letzten Tag bittet er sie, ihn zu heiraten. Er bietet ihr an, seine Verlobung zu lösen, sich weiterzubilden und alles zu tun, um sich ihr anzupassen. Aber George kann sich weder vorstellen, ihn in ihre gesellschaftlichen Kreise einzuführen, noch selbst ein Leben als Frau eines Fischers zu leben. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede. Sie möchte ihn aber auch nicht völlig verlieren. Tief verletzt verlässt Gauvain Paris und damit scheinen sie endgültig getrennte Wege zu gehen.

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Benoîte Groult

Der verantwortungsvolle Gauvain heiratet sein bretonisches Mädchen, wird Vater von vier Kindern und geht seiner Arbeit auf See nach. George beendet ihr Studium der Altphilologie und Geschichte, heiratet einen erfolgreichen Mann aus der Medienbranche und bekommt einen Sohn. Beruflich ist sie zufrieden, ihre Ehe jedoch erweist sich als unglücklich, denn ihr Mann ist ein Egomane und Ehebrecher. Mit 30 Jahren fasst sie den Entschluss, sich scheiden zu lassen. Sie zieht mit ihrem Sohn an die amerikanische Ostküste, wo sie an einer Universität als Dozentin für klassische Philologie unterrichtet. Gauvain erfährt davon nichts.

Während eines Urlaubs, den George mit ihrem Sohn und der Familie ihrer Schwester im Senegal verbringt, trifft sie Gauvain auf einem Markt zufällig wieder. Er gesteht ihr, dass er sie immer noch liebt. Es besteht dort aber keine Möglichkeit, mit ihr allein zu sein. Von nun an haben beide den Wunsch, ihr Abenteuer wieder aufleben zu lassen. Erst über ein Jahr später kommt ihnen wiederum der Zufall zur Hilfe, als Gauvain von seiner Reederei auf einen Thunfischtrawler auf die Seychellen versetzt wird. Dort, im Indischen Ozean, gelingt es ihnen zehn Tage lang, ihren Alltag und ihre Verpflichtungen hinter sich zu lassen. Vor der paradiesischen Naturkulisse spielen auch die Standesunterschiede kaum noch eine Rolle, die später immer wieder zu Missverständnissen, kleinen Streitigkeiten und Verstimmungen führen.

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Filmplakat

Von jetzt an versuchen die beiden ganz bewusst, sich immer wieder eine gemeinsame Auszeit zu nehmen, obwohl die Bedingungen dafür immer schwieriger werden. Einer von Gauvains Söhnen verunglückt schwer, seine Frau muss sich einer Krebsbehandlung unterziehen und schließlich verlegt er seinen „Arbeitsplatz“ vor die Küste Südafrikas. In den kommenden Jahren sind ihnen nur wenige kurze Liebesurlaube vergönnt – in Burgund, auf Jamaika und in Florida und ein zweites Mal auf den Seychellen.

George ist inzwischen nach Frankreich zurückgekehrt. Sie löst die Beziehung zu ihrem amerikanischen Lebensgefährten und heiratet, inzwischen fünfzigjährig, ihren besten Freund, einen französischen Gynäkologen, mit dem sie gemeinsam ein Buch geschrieben hat. Obwohl diese Verbindung intellektuell und emotional perfekt ist, bleibt die Sehnsucht nach der Leidenschaft von Gauvain. Während ihrer alljährlichen Gastvorlesungen besucht dieser sie nun regelmäßig für einige Tage in Montreal. Aber der bevorstehende Ruhestand des Seemanns wirft seine Schatten voraus, denn danach werden sie sich nicht mehr sehen können.

Beim Abschied gesteht Gauvain der Geliebten, dass er sich einer Bypass-Operation unterziehen muss. (Daher der französische Originaltitel „Les vaisseaux du cœur“). Wenige Tage nach dem Eingriff stirbt er im Krankenhaus. Am Grab wird der Erzählerin bewusst, dass die Liebe zu diesem Mann die einzige wirkliche Konstante in ihrem Leben war.

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In Frankreich wurde Salz auf unserer Haut zunächst als „Frauen-Porno“ beschimpft. Andere nannten ihn „eine Hymne an den Phallus“. Dabei war das Werk „eigentlich als feministische Befreiungstat gedacht“. Inzwischen wurden weltweit über drei Millionen Exemplare des Romans verkauft. In Deutschland stand das Buch zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste und wurde hier zehnmal so oft verkauft wie in Frankreich. „Wie in Deutschland kam es auch in den Niederlanden und in Skandinavien inklusive Finnland zu Rekordzahlen. In den mediterranen Ländern hingegen lag das Buch wie Blei in den Regalen.“[2] In ihrer Erklärung dieses geografischen Unterschieds kommt die Autorin zu zwei Hypothesen: „Die erste ist, dass das Bild der Frau, das aus dem Roman hervorgeht, übereinstimmt mit der Position, die die Frau in den nordischen, keltischen, germanischen oder Wikingerkulturen einnimmt. Bei diesen Völkern findet man kraftvolle Frauenfiguren in einer großen Bandbreite von Rollen.“ Ihre zweite Hypothese lautet: „Die Frauen, die bekanntlich die Bücher kaufen – alle Umfragen beweisen es –, haben es irgendwie satt, sich mit verzweifelten Frauenfiguren zu identifizieren. In Salz auf unserer Haut leuchtet ein Bild der Freiheit auf, und das brachte die Leserinnen zum Träumen, zumal in einem puritanischen Land.“

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Die Lebenserfahrung der Autorin (Groult schrieb ihren Roman im Alter von 65 Jahren) und die Leichtigkeit ihres augenzwinkernden Stils haben es vielen Leserinnen ermöglicht, sich mit der Protagonistin zu identifizieren. Die deutsche Schauspielerin Katja Riemann gestand der Autorin, dass Salz auf unserer Haut ihr Denken verändert habe. Zur sprachlichen Leichtigkeit Groults gehört auch die offene, teils frivole, aber niemals pornografische Beschreibung anatomischer Details und der Sexualität insgesamt. „Über ein Detail – glaube ich – war man besonders schockiert: dass ich es wagte, die männlichen Sexualattribute mit Ironie zu beschreiben. In den erotischen Texten kommt grundsätzlich das himmlische, stets triumphierende herrliche Glied vor. Dass eine Frau so respektlos von den Insignien der männlichen Macht spricht, ist eindeutig ein Vergehen, ein unverzeihlicher Übergriff.“

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Der immense Erfolg des Romans erklärt sich jedoch nicht nur damit, dass hier eine moderne, emanzipierte Frau spricht, die beruflich wie privat souveräne Entscheidungen trifft, sondern auch dadurch, dass ihr Geliebter ein ungewöhnlich idealer Gegenpart ist: zwar intellektuell unterlegen, aber attraktiv und von großer moralischer Integrität. Sein Verantwortungsbewusstsein seiner Familie gegenüber und seine absolute Treue zu seiner großen Liebe machen ihn zu einer Art modernem Märchenprinzen. „Es stimmt, dass nicht George die Sympathieträgerin im Roman ist. Gauvain ist der Rührende, weil er durch diese Liebe, die ihn regelrecht verfolgt, aufgewühlt und von Schuldgefühlen zerrissen wird.“[6] Und die Personenkonstellation garantiert, dass sich diese Liebe nicht im Alltag bewähren muss, sondern, auf wenige Etappen beschränkt, lebenslang frisch und leidenschaftlich bleibt. (Quelle: wikipedia)

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Benoîte Groult als gereifte Dame …

‚Tja, und natürlich reizte es dem Bernd Eichinger, diesen literarischen Kassenschlager auch filmisch in Szene zu setzen … das ging bloß ziemlich in die Hose:

Kurz und knapp daher folgende Charakterisierung:

„Bestsellerverfilmung vor steriler Postkartenkulisse – Softsex trifft Rosamunde Pilcher.“ (Cinema)

Und so leid es mir tut … dieser Soundtrack passt dann auch zur Qualität des Filmes (wesentliche Aspekte des Buches kamen einfach sträflich zu kurz), so als wollte Doldinger beweisen, dass er auch als deutscher Francis Lai in die Geschichte eingehen wolle.

So sehr der Film, aber auch die Musik mehr als zwiespältige Gefühle hinterlassen, so sehr ist der Roman jedoch ein kleiner Meilenstein in der Geschichte der Frauenbewegung, die sich damals – und das sehr eindrücklich – mit dem „Recht“ der Frau auf Affären auseinandergesetzt hat, auseinandersetzen musste. Wobei das Thema an sich ja nicht neu ist … auch eine Simone de Beauvoir lebte ja bereits in einer alles anderen als bürgerlichen Beziehung.

Um dieses Thema handelt es sich auch bei dem beigefügten Gespräch zwischen Benoîte Groult und der deutschen Schauspielerin Katja Riemann (Quelle: Die Zeit, 1998) … und das ist nun wirklich lesenswert im Hinblick auf weibliche Biographien.

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Besetzung:
Klaus Doldinger (keyboards, clarinet)
Jürgen Evers (oboe)
Michael Goltz (guitar)
Peter O´Mara (guitar)
Guillermo Marchena (drums, vocals bei 14.)
Roykey Wydh (bass, guitar)
+
Münchner Symphonie Orchester
+
Rod Patterson (vocals bei 04.)

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Titel:
01. Salt On Our Skin (Title Theme) 2.31
02. Harvest 1.52
03. George’s Return To Scotland 1.37
04. Green Grows The Laurel 1.00
05. Hotel Morning 1.21
06. Salt On Our Skin (Cave Love Scene) 3.09
07. Return To Scotland 1.05
08. Not Belonging Together (Sadness Theme) 2.32
09. Gavin’s Song (Green Grows The Laurel) 1,05
10. Paris Love Scene 1.59
11. George’s Sorrow 2.43
12. Virgin Islands Arrival 1.32
13. Virgin Islands Love Scene 3.00
14. Like A Flame 3.50
15. Being In Love 0.48
16. Montreal Riverside 1.48
17. Sadness Theme 2.44
18. Salt On Our Skin (Radio Version) 4.33

Musik: Klaus Doldinger
Texte: Guillermo Marchena

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Klaus Doldinger – Live At Blue Note Berlin (1964)

FrontCover1.jpgHöchste Zeit mich mal wieder mit dem Lebenswerk des Klaus Doldinger zuzuwenden …:

Klaus Doldinger (* 12. Mai 1936 in Berlin) ist ein deutscher Musiker (Saxophon, zunächst auch Klarinette). Er ist vor allem als Jazzmusiker und als Komponist von Filmmusik bekannt. Seine wohl bekanntesten Werke sind die Titelmusik zu dem Film Das Boot, den Serien Tatort, Liebling Kreuzberg sowie Ein Fall für Zwei und die Filmmusik zu Die unendliche Geschichte. Auch die ikonische Constantin AG Film Fanfare, die in einer Vielzahl von deutschen Spielfilmen zu hören ist, stammt aus seiner Feder (nach der vorherigen, komponiert von Peter Thomas). Er ist Mitglied des künstlerischen Beirates der Union Deutscher Jazzmusiker und Aufsichtsratsmitglied der GEMA.

Klaus Doldinger wuchs als Sohn des Diplom-Ingenieurs Erich Doldinger und dessen Ehefrau Ingeborg, geb. Mann, zunächst in Berlin auf. Sein Großvater Bruno Mann war von 1919 bis 1933 Oberbürgermeister von Erfurt. Während des Krieges arbeitete sein Vater als Oberpostdirektor in den besetzten Teilen der Sowjetunion, und die Familie lebte 1940 bis 1945 in Wien. Danach flüchtete sie zunächst nach Bayern und dann nach Düsseldorf.

Von 1947 bis zum Abitur 1957 besuchte Doldinger das Jacobi-Gymnasium und ebenfalls ab 1947 mit einem Stipendium das Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf, wo er zunächst Klavier und ab 1952 Klarinette studierte. Während dieser Zeit sammelte er erste Erfahrungen in der Musikbranche mit der 1952 von Freunden gegründeten Band The Feetwarmers, einer Dixieformation, mit der er 1953 erstmals auftrat und 1955 auch seine erste Plattenaufnahme machte. Zeitweise spielten bei den Feetwarmers auch der Doldinger02.jpgKabarettist Dieter Süverkrüp (Banjo) und der spätere Minister Manfred Lahnstein (Posaune). 1955 gründete Doldinger zudem seine eigene Band Oscar’s Trio, deren Namen er in Anlehnung an sein großes Vorbild Oscar Peterson gewählt hatte. Mit dieser Gruppe gewann er den ersten Preis beim Jazzfestival Brüssel, den Coup Sidney Bechet.
Doldinger Quartett

Nach dem Abitur studierte er Musikwissenschaften und Tontechnik und wurde Tonmeister. Nach einem Erfolg mit seiner Version von Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus für eine US-Getränkefirma ging er 1960 auf seine erste Auslandstournee in die USA, spielte u. a. mit George Lewis und im Jazzclub Birdland und erhielt mit 24 Jahren während seiner ersten US-Tournee die Ehrenbürgerwürde von New Orleans. 1961 spielte er Modern Jazz mit US-Expatriates wie Don Ellis, Johnny Griffin, Idrees Sulieman, Kenny Clarke, Donald Byrd und Benny Bailey. 1962 gründete er das Klaus Doldinger Quartett, mit dem er im Jahr darauf für das Philips-Label seine erste Platte, Doldinger – Jazz Made in Germany veröffentlichte. Die LP wurde auch international ein großer Erfolg, da hier kein weißer „Cool Jazz“ gespielt wurde, sondern Komponenten des Bebop verwendet wurden.

Mitglieder in diesem Quartett waren Doldinger (Tenorsaxophon), Ingfried Hoffmann (Hammond-Orgel), Helmut Kandlberger (Bass) und Klaus Weiss (Schlagzeug). Als weitere LP mit dieser Besetzung wurde 1963 Doldinger live at Blue Note Berlin aufgenommen und 1964 veröffentlicht.[Anmerkung 1] 1964 unternahmen sie eine erste große Auslandstournee im Auftrag des Goethe-Instituts u. a. nach Marokko, ein Aufenthalt, der sein Interesse für afrikanische Musik weckte. Es folgten internationale Auftritte beim Festival in Antibes und im Blue Note in Paris. (Quelle: wikipedia)

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Soweit ein paar biographische Notizen zum „frühen“ Klaus Doldinger.

Und hier sein 2. Soloalbum, mitgeschnitten live im Blue Note Jazzclub, Berlin im Jahr 1963 (und zwar am 17. und 18 Dezember 1963), veröffentlicht dann ein Jahr später.

1963 erschien also das Doldinger-Debüt „Jazz Made In Germany“ und machte ihn und sein Quartett schlagartig bekannt. Entdecker und Produzent war niemand Geringerer als Siegfried E. Loch, heute vor allen Dingen als Gründer des ACT-Labels bekannt. Das Album machte Doldingers verspielten, Blues-betonten und unverwechselbaren Saxophonsound – garniert mit feurigen Soli von Hammondorgelvirtuose Ingfried Hoffmann – quasi über Nacht zum Markenzeichen.

Und bereits im Jahr darauf erschien die groovende LP „Live At The Blue Note Berlin“, die den durch unzählige Tour-Auftritte geschulten Ensemblecharakter der Gruppe herausstellte und auch Bassist Helmut Kandlberger und Schlagzeuger Klaus Weiss prägnante Soli ermöglichte. Bereits hier begann das bloße Adaptieren klassischer Standards zugunsten von starken Eigenkompositionen Doldingers in den Hintergrund zu treten. (Quelle: jazzecho.de)

Und man kann es drehen und wenden wie man will: Bereits der junge Klaus Doldinger spielte auf einem anderen Planeten und von daher bekommen auch diese Aufnahmen aus dem Jahrt 1963 von mir das Prädikat „zeitlos“ verliehen !

Und ich bin wieder mal angefixt vom deutschen Jazz der frühen Jahre der Bundesrepublik Deutschland.

Und den großartigen Ingfried Hoffmann  an der Orgel zu hören ist bis heute ein Genuss !

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Seit jeher weltoffen: Klaus Doldinger in den frühen 60er Jahren

Besetzung:
Klaus Doldinger (saxophone)
Ingfried Hoffmann (organ)
Helmut Kandlberger (bass)
Klaus Weiss (drums)
+
Peter Trunk (bass on 08.)

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Titel:
01. Waltz Of The Jive Cats (Doldinger) 8.09
02. Blue-Note Samba (Doldinger) 5.39
03. Smoke Gets In Your Eyes (Kern/Harbach) 5.40
04. Groovin‘ In Berlin (Doldinger) 3.44
05. Minor Kick (Doldinger) 4.27
06. Careless Love (Traditional) 8.54
07. Ack, Värmeland du Sköna (Traditional) 2.15
08. Two Getting Together (Doldinger) 7.27

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Klaus Doldinger – Das Boot (Die Original Filmmusik- Directure´s Cut) (1981 + 1998)

FrontCover1Selten war man sich wohl so einig über einen Film wie diesem Meisterwerk von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 (okay, es gab auch kritische Stimmen, aber die waren eindeutig in der Minderheit).

Die Geschichte dieses Films ist hinlänglich bekannt:

Das Boot ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Lothar-Günther Buchheim unter der Regie von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981. Der Film spielt im Zweiten Weltkrieg Anfang der 1940er Jahre und schildert die Erlebnisse der Besatzung eines deutschen U-Boots auf Feindfahrt während des U-Boot-Kriegs der Atlantikschlacht.

Es existieren eine ursprüngliche Kinoversion, ein Director’s Cut von 1997, sowie zwei verschiedene mehrteilige Fernseh-Fassungen. Spieldauer und filmischer Charakter der Fassungen unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander. „Das Boot“ war für den deutschen Film – auch nach heutigen Maßstäben – mit 32 Millionen DM eine sehr aufwendige und teure Produktion. Unter anderem wurde, neben mehreren anderen Modellen unterschiedlicher Größe, der gesamte Innenraum eines historischen deutschen U-Boots der Klasse VII detailgetreu nachgebaut. Der Film hatte großen internationalen Erfolg und war einer der Grundsteine für den späteren Wechsel von Regisseur Petersen nach Hollywood. Er war für sechs Oscars nominiert und erhielt einen Golden Globe, einen BAFTA-Award sowie zahlreiche deutsche Filmpreise. Für viele der Schauspieler bedeutete der Film einen Karriereschub bzw. den Durchbruch im Filmgeschäft.

Im Internet finden sich dann natürlich eine Vielzahl von weiteren Informationen zu diesem Film.

DasBoot01

Viele der Schauspieler schafften durch diesen Film den Durchbruch im Filmgeschäft. So waren Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht, Jan Fedder, Martin Semmelrogge, Claude-Oliver Rudolph, Ralf Richter, Oliver Stritzel, Klaus Wennemann und Herbert Grönemeyer bis dahin vorwiegend Theaterschauspieler. Otto Sander und Jürgen Prochnow waren schon länger auch im Filmgeschäft bekannt. Einzig Hubertus Bengsch bekam keine großen Rollen mehr. Er ist aber einer der meistbeschäftigten deutschen Synchronsprecher, unter anderem als Standardsprecher von Richard Gere. (Quelle: wikipedia)

Filmszene mit Herbert Grönemeyer, Rita Cadillac und Martin Semmelrogge

Und der Soundtrack von Klaus Doldinger hatte am großen Erfolg des Films sicherlich auch das seinige beigetragen.

Ausnahmsweise mal eine Besprechung des Soundtracks auf englisch … geschrieben von dem US-Kritiker Thom Jurek:

It was a good thing Klaus Doldinger was offered this opportunity: to write a score for a German film utilizing all the various forms of his musical training. His groundbreaking jazz-rock fusion band Passport had become mired in the muck of schlocky feel-good instrumentals that didn’t even register with his most ardent fans anymore, and he had lost his music direction. Enter director Wolfgang Peterson who was a Doldinger fan and recruited him to write a score for his WWII epoch about the war in the ocean. Doldinger apparently felt it was a gift from the heavens because he put everything he’d forgotten into creating a soundtrack that was every bit as fine a piece of work as the film it accompanied. Utilizing a few key players, such as Herbert Gronemeyer, Klaus Wennermann, and Jurgen Prochnow, old mates from the fuzak days, Doldinger fashioned a score that felt more like a symphony than a soundtrack. In his episodic moments where merely incidental music was called for, Doldinger composed mini-epochs of motion and emotion. His subtle yet profound use of synthesizers as well as a symphony orchestra and the classical guitar created an atmosphere that made the footage under the sea tense and suffocating, full of the kind of adrenaline-pumping wonder Peterson’s narrative called for. In the more driven parts of the score where battle is to be engaged, Doldinger offers simultaneous portraits of horror and grandeur as his strings become the pulse of approaching death and his horns and synths become the courageous, fearless, steely eyed gaze into its face. There are no moments of filler on this soundtrack, made longer by the fact that it now accompanies Peterson’s director’s cut issued in 1998. Make no mistake, Das Boot is high cinematic art, but Doldinger’s score, while it is inseparable from the film’s narrative, is a stunning and moving work of art on its own.

So isses … unglaublich auf was für ein Lebenswerk dieser Doldinger zurückblicken kann !

Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, dass die Titel 25-30 mit Geräuschen und Dialogen versehen sind. Und aufgenommen wurde alles in den Doldinger eigenen Soundport Studio, Icking bei München.

Bei der Premiere des Director´s Cut von "Das Boot" : Dr. Dieter Frank / Ortwin Freyermuth / Hannes Nikel / Jost Vacano / Wolfgang Petersen / Martin Semmelrogge / Erwin Lederer / Uwe Ochsenknecht / Klaus Doldinger

Besetzung:
Freddie Brocksieper (drums)
Curt Cress (drums, percussion)
Klaus Doldinger (alle Instrumente)
Michael Goltz (guitar)
Gabor Kristof (trumpet, flugelhorn)
+
Rita Cadillac (vocals bei 22.)
Rina Ketty (vocals bei
+
Bavarian Brass und Strings

Booklet (Director´s Cut)1

Titel:
01. Anfang 1.06
02. Titel 3.45
03. Appell 0.52
04. U 96 2.32
05. Auslaufen 1.12
06. Erinnerung 2.31
07 . Konvoi 4.18
08. Angriff 2.09
09. Inferno 0.52
10. Heimkehr 2.30
11. Bedrohung 2.34
12. Erinnerung 1.18
13. Gibraltar 4.21
14. Warten 1.10
15. Absinken 1.36
16. Auf Grund 1.16
17. Eingeschlossen 2.23
18. Rettung 2.13
19. Rückzug 1.39
20. Ende 3.23
21. Muss i denn (Traditional) 1.25
22. Mon Gars (Doldinger/Briffaut) 2.33
23. Schwarze Augen (Traditional) 2.35
24. Das Boot (Single-Version) 3.16
25. Konvoi 4.28
26. Angriff 3.41
27. Gibraltar 4.21
28. Absinken/ Eingeschlossen 2.55
29. Rettung  3.03
30. Rückzug/ Heimkehr 2.12

Musik (außer angegeben): Klaus Doldinger

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SingleDasBoot

Die Single „Das Boot“ + „Heimkehr der U 96“

Klaus Doldinger – Jazzmusiker und Komponist (TV rip) (2015)

FrontCoverKlaus Doldinger – er mag´s eigentlich nicht hören … aber wenn einer Deutschland ne Jazz-Legende ist, dann er.

Hier ein ausführliches Interview mit ihm aus dem Jahr 2015, produziert für die Sendereihe „Alpha Forum“:

Im alpha-Forum kommen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Religion und Kultur in 45 Minuten ausführlich zu Wort.

Klaus Doldinger: trat fünftausendmal live auf, machte Tourneen durch 50 Länder und blickt auf mehr als zweitausend Kompositionen zurück – darunter die Musik für den „Tatort“, „Das Boot“ und die „Unendliche Geschichte“.

Und Doldinger schlägt in diesem Interview einen großen Bogen … von seinen Tagen in Schrobenhausen über seine internationalen Einflüsse bis hin zu seinen Filmmusiken …

Moderation: Birgit Muth
Redaktion: Werner Reuß

Der Präsentation liegt auch das Sende-Manuskript (zum nachlesen) bei.

Mein Vater war Diplomingenieur und Oberpostdirektor und viel
unterwegs. Ende der 30er Jahre sind wir daher auch nach Wien
gezogen, weil er dorthin versetzt wurde. Also habe ich meine frühen
Jahre in Wien verlebt und bin dort auch bis zum neunten Lebensjahr zur
Schule gegangen, bis wir auf der Flucht von Wien – mit
Flüchtlingsausweis! – in Schrobenhausen in Bayern landeten. Dort
marschierten dann eines Tages die Amerikaner ein und es war für mich
ein wirklich elementares Erlebnis, meinen ersten Jazz zu hören. Denn bis
dahin ist einem so eine Musik ja völlig vorenthalten worden. Man kannte
natürlich jede Menge Volkslieder und Operettenmelodien und dieses und
jenes …
Muth: Der Jazz war damals ja nicht gerne gesehen und gehört.
Doldinger: Klar. Und plötzlich schlug das wie ein Blitz ein. Im Dorfgasthof nebenan
probte nämlich eine US-Combo: Das war eine Musik, die ich bis dahin
noch nie gehört hatte. Ich war vom ersten Moment an fasziniert.

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Nachts spielen, das kam erst später, das kam erst ab 1953/54, als ich
dann schon mal ab und zu von zu Hause ausgebüxt bin. Denn es gab
damals in Düsseldorf eine sehr lebendige Musikszene: Es gab eine
ganze Reihe von Nachtlokalen, in denen jeden Tag bzw. jede Nacht live
Jazz, also Dixieland, gespielt wurde. Es gab das „New Orleans“, es gab
ein ungarisches Speiserestaurant mit dem Namen „Zum Csikos“ usw.:
Es spielten dort eben auch sehr viele Düsseldorfer Künstler. Ich werde
nie vergessen, dass dort auch mal jemand wie Günter Grass auf dem
Waschbrett gespielt hat. Es kamen in diesem kleinen, ungarischen
Altstadtrestaurant immer viele interessante Leute zusammen, und dann
wurde bis zwei Uhr morgens gespielt. Man bekam 17,50 Mark, wenn
man engagiert wurde und spielte, dazu kamen ein Freibier und eine
Portion serbisches Reisfleisch.

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Einer meiner wichtigsten Bekannten in jener Zeit war der Pianist Ingfried
Hoffmann, der gerade aus Berlin zugereist war. Dessen Bruder war
übrigens ein großer Konzertpianist und auch Ingfried war ein
wunderbarer Pianist. Mit ihm zusammen habe ich dann später mein
Quartett gegründet. Zu den „Feetwarmers“ zählte zunächst einmal der
Trompeter Jürgen Buchholtz, der später Jurist wurde. Später kam dann
noch Manfred Lahnstein dazu, der in die Politik ging und in den 80er
Jahren sogar Bundesminister wurde. Es war auch ein gewisser Alfons
Zschokelt mit dabei, der bei uns Banjo spielte. Später war auch er bei der
Bundesregierung beschäftigt, nämlich als Jurist.

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Muth: Da wir gerade in den 60er Jahren sind: Sind Sie da nicht auch
Ehrenbürger von New Orleans geworden?
Doldinger: Wir hatten das große Glück, dass wir 1960 mit der Band „Feetwarmers“
zum ersten Mal einen Preis gewonnen haben. Gesponsert wurde dieser
Preis von einer großen Getränkefirma, die uns dann auch in die USA
gebracht hat und es uns ermöglichte, dort eine Konzerttournee zu
machen. Wir waren u. a. in New York, Chicago, Atlanta, wo diese Firma
beheimatet ist, und auch in New Orleans. Unsere Gastgeber haben uns
damals in einer kleinen, netten Geste zu Ehrenbürgern gemacht. Aber
das war mehr eine freundschaftliche, gut gemeinte Geste.

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Doldinger: Ich hatte das Quartett, mit dem ich in den 60er Jahren so an die zehn
Platten gemacht habe und mit dem ich auch wirklich weltweit unterwegs
gewesen bin. Wir haben bereits 1965 eine riesengroße USA-Tour
gemacht. Wir sind vor allem auch in Südamerika getourt und ein Album
hieß dann logischerweise „Doldinger in Südamerika“. Wir waren aber
auch im Fernen Osten, in Indien usw. Auf diesen Touren hatte ich auch
immer wieder die Möglichkeit, mit einheimischen Musikern zu
musizieren, die eher aus der folkloristischen Ecke kamen. Das hat bei mir
natürlich Spuren hinterlassen.
Muth: Sie saugen das ja auch auf, bringen diese Inspirationen ein in Ihre Musik.
Doldinger: Ich habe in der Tat, inspiriert von dem einen oder anderen Musiker, den
ich da getroffen habe, neue Stücke komponiert. Das heißt, ich habe das
dann musikalisch so umgesetzt, dass es auch glaubhaft klingt. Das hat
sich bis heute so gehalten: Wir waren in diesem Jahr wieder mal in
Marokko und haben dort auch wieder mit einheimischen Musikern
gespielt. Da hat es in meinem Leben wirklich etliches an Einflüssen
gegeben, die mich als Musiker und Komponist weitergebracht haben.

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Doldinger Anfang der 70er Jahre

Muth: Hat der Jazz noch Konjunktur?
Doldinger: Ach, „Konjunktur“, das klingt so hochtrabend. Ich würde sagen, der Jazz
ist, wie ich leider gestehen muss, unterprivilegiert. Wenn man sich mal
die Feuilletons in den wichtigen Zeitungen und Zeitschriften genauer
anschaut, dann muss man sagen, dass der Jazz leider total
unterprivilegiert ist: Gemessen an dem, was über Ballett,
Operninszenierungen, Konzertabende usw. geschrieben wird, kommt
der Jazz so gut wie gar nicht vor. Man muss sich ja z. B. nur mal die
Programme in München anschauen: Das ist so stark vom Mainstream
geprägt, dass da kaum einmal ein Jazzkünstler zu Wort kommt. Gut, ich
selbst habe ja keinen Anlass zu klagen, weil ich doch immer noch sehr
gut berücksichtigt werde. Aber insgesamt finde ich doch, dass der Jazz in
unserer Kulturszene etwas zu wenig beachtet wird, gemessen daran,
welchen Stellenwert er eigentlich hat für die Menschen. Denn es gibt
unglaublich viele junge Leute, die heute Jazz machen, die lebendig
musizieren und ein Publikum erreichen – und die gerne noch ein
bisschen mehr Publikum erreichen wollen: Dem muss einfach mehr
Rechnung getragen werden in der Öffentlichkeit und auf den Seiten des
Feuilletons. Das ist tolle lebendige Musik, die heute entsteht.

 

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Einer der Wegbegleiter von Doldinger: Lothar Meid

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Doldinger beim Jazzfestival in Burghausen, 2013

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Und hier noch ein paar Fotoschmankerl aus dem Leben des Klaus Doldingers:

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Einen Ehrenpreis der Gemeinde Icking (da lebt der Doldinger) für sein Lebenswerk erhielt Klaus Doldinger. Zur Feier des Tages spielte er zusammen mit der Irschenhauser Danzlmusi.

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Doldinger in den 60er Jahren

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Doldinger mit den Kölner Tatort-Kommissaren

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Doldinger mit Udo Lindenberg

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Paul Nero – Non Stop Hits (1967)

frontcover1Wann immer ich „Paul Nero“ lese, schnalze ich mit der Zunge … denn hinter diesem Namen steckt einer, der für mich einer der größte deutschen Jazzmusiker überhaupt ist: Klaus Doldinger.

Denn: „Doldinger ist musikalisch sehr vielfältig tätig, in den 1960er Jahren veröffentlichte er auch Tanz- und Rock-Musik unter dem Pseudonym Paul Nero.“ (Quelle: wikipedia)

Hier ein Beispiel seiner „Paul Nero“ Phase in den 60er Jahren (die er später – wie wir alle wissen – dann nicht mehr nötig hatte).

Und man höre sich diese Scheibe einfach mal, allein seine Version und sein Saxophon-Spiel bei „Hey Joe“ … löst Gänsehaut pur aus ….  gleiches gilt für sein Spiel bei „A White Shade Of Pale“ …

Und natürlich ist das kein „Passport“ Jazz-Rock … aber wenn einer den James Last jener Jahre übertreffen konnte … dann ist das „Paul Nero“ …

Nur schade, dass das damalös kaum einer mitbekommen hat … hier kann man es aber noch einmal nachholen … auch wenn der eingeblendete Applaus einfach nur nervt.

Und bei den Autorenangaben wurde ein geschummelt … So wurde der Gospelklassiker „Wade In The Water“ dem Paul Nero zugeschrieben … was natürlich blühender Blödsinn ist … es ist schlicht und ergreifend ein Traditional, der erstmalig 1901 in der Musikliteratur aufftauchte.

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Klaus Doldinger — ein wenig albern …

Besetzung:
Paul Nero Orchester unter der Leitung von Klaus Doldinger

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Titel:
01. Medley 01:(3.55)
01.01.A Little Bit Me, A Little Bit You (Diamond)
01.02. Let’s Spend The Night Together (jagger/Richards)
01.03. Ha! Ha! Said The Clown (Hazzard)

02. Medley 02: (3.23)
02.01. Western Union (Rabon/Ezell/Durrill)
02.02. Reach Out I’ll Be There (Holland/Dozier)
02.03. Land Of 1.000 Dances

03. Medley 03:
03.01. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Lennon/McCartney)
03.02. Penny Lane (Lennon/McCartney)
03.03. All You Need Is Love (Lennon/McCartney)

04. Medley 04: (3.10)
04.01. A Whiter Shade Of Pale (Brooker)
04.02. Hey Joe (Roberts)

05. Medley 05: (3.01)
05.01. Memories Of Heidelberg (Mayer/Buschor)
05.02. Lara’s Theme From Dr. Zhivago (Jarre)
05.03. The Boat That I Row (Diamond)

06. Medley 06: (3.59)
06.01. Happy Together (Bonner/Gordon)
06.02. Something Stupid (Parks/Lilibert)
06.03. Puppet On A String (Martin/Coulter/Bader)

07. Medley 07: (2.50)
07.01. Ta Ta Ta (Gerald/Polnareff)
07.02. Okay (Blaikley)
07.03. I Was Kaiser Bill’s Batman (Greenaway/Cook)

08. Medley 08: (3.16)
08.01. Ich sprenge alle Ketten (Holm/Moroder)
08.02. My Friend Jack (Gill/Luker/Rowley/Lund)
08.03. Painter Man (Pickett/Phillips)

09. Medley 09: (2.41)
09.01. You Only Live Twice (Barry/Bricusse)
09.02. Mercy, Mercy, Mercy (Zawniul)

10. Medley 10: (3.32)
10.01:La Bamba (Tradional)
10.02. Indiamo (Nero)
10.03. Wade In The Water (Traditional)

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