Franz Konwitschny – Grosse Dirigenten der Vergangenheit (Werke von Brahms, Mozart und Beethoven) (1994)

FrontCover1Seine politischen Ansichten waren mehr als dubios (er trat bereits 1923 der NSDAP bei, da war er gerade mal 22 Jahre alt), sein Status als Stardirigent in der DDR der 50er Jahren war dennoch unumstritten.

Franz Konwitschny (* 14. August 1901 in Fulnek, Nordmähren; † 28. Juli 1962 in Belgrad) war ein deutscher Dirigent.

Konwitschny entstammte einer mährischen Musikerfamilie. Von 1920 bis 1923 nahm er zunächst Geigenunterricht an der Akademie des Musikvereins in Brünn, bevor er von April 1923 bis 1925 Schüler von Hans Bassermann (* 1888) am Konservatorium der Musik in Leipzig wurde. Während dieser Zeit war er aushilfsweise als Geiger und Bratscher im Gewandhausorchester beschäftigt. 1925 wurde Konwitschny als Bratscher Mitglied des 1894 gegründeten Fitzner-Quartetts in Wien;[1] 1927 ging er nach Stuttgart, zunächst als Korrepetitor, ab 1930 als Erster Kapellmeister am Staatstheater. Mit Beginn der Spielzeit 1933/34 wurde er musikalischer Oberleiter des Philharmonischen Orchesters Freiburg in Freiburg im Breisgau, wo er 1934 zum Generalmusikdirektor ernannt wurde. 1938 übernahm er die Position Musikdirektor und musikalischer Leiter der Oper in Frankfurt am Main.

Konwitschny trat am 1. Juli 1923 in Fulnek, Kreis Mährisch-Ostrau erstmals der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer 2.756). Seine damalige politische Überzeugung kam auch in einer Freiburger Fidelio-Aufführung vom 1934 zum Ausdruck, wo er anlässlich von Hitlers Geburtstag SA-Männer und SA-Fahnen auf die Bühne bringen wollte, was aber von der Intendanz untersagt wurde. Andererseits dirigierte er im November desselben Jahres in einem Abonnementskonzert die Sinfonie Mathis der Maler des verfemten Komponisten Paul Hindemith. Zum 1. August 1937 trat Konwitschny erneut in die NSDAP ein (Nr. 5 508.995). Am 16. Oktober 1937 dirigierte Konwitschny bei der Schlusskundgebung der unter dem Motto „Rasse und Kultur“ stehenden 2. Badischen Gaukulturwoche vor der Rede Alfred Rosenbergs den Germanenzug von Bruckner. Im Dezember 1942 war Konwitschny Gastdirigent in der Ghetto-Stadt Łódź, wobei nach der Litzmannstädter Zeitung vom 17. Dezember 1942 der „von stärkster Vitalität getragene Musizierstil“ faszinierte.

Er wirkte auch an der Staatsoper in Hamburg und war in den Kriegsjahren 1943/44 Chefdirigent des Orchesters in Ludwigshafen, der heutigen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

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Franz Konwitschny und Sängerin Margarete Klose bei einem Gastspiel in Moskau (Dezember 1955)

Franz Konwitschny verstarb während einer Konzertreise am 28. Juli 1962 in Belgrad. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

Original Cover

Besonders bekannt wurde Konwitschny als Dirigent der Opern von Richard Wagner und von Konzerten mit Werken von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss, Max Reger und Anton Bruckner.

Sein Sohn Peter Konwitschny (* 1945) ist ein bekannter Opernregisseur. (Quelle: wikipedia)

Fest steht wohl, dass sein Tod in der Stadt Leipzig große Erschütterung ausgelöst hat …

Auf dieser CD sind seine letzten Einspielung zusammengefasst, sie entstanden 1 Monat vor seinem Tod und in der Originalveröffentlichung heißt diese CD dann auch „Die letzte Aufnahme des großen Dirigenten“

Nicht dass ich mich jetzt als wirklich guten Kenner dieser Musik ausweisen könnte: Dennoch eine für meine Ohren absolut überzeugende Aufnahmen, mit einer bestechenden Dynamik und einem z.T. atemberaubenden Klangvolumen. Kurzum: in Genuss, denn auch die Klanqualität ist beeindruckend (die Burschen von Eterna verstanden ihr Handwerk !)

Eine kleine Anekdote noch am Rande:

„Franz Konwitschny, 59, Generalmusikdirektor, Professor, Ehrendoktor, Chefdirigent der Ostberliner Staatsoper Unter den Linden und des Leipziger Gewandhaus – Orchesters, wurde in der Berliner Ausgabe der „Bild“-Zeitung durch ein wohlwollendes Konwitschny-Feuilleton („Er liebt die Musik und eine gute Küche“ – „Wunderknabe Franzl“ – „Papa Konwitschny“) nebst zweispaltigem Konwitschny-Photo geehrt, nachdem der Dirigent in Hamburg gegen „Bild“ Strafanzeige erstattete. „Bild“, das sich einige Wochen vorher mit Konwitschnys Trinkfreudigkeit beschäftigt hatte, ging einem lästigen Prozeß aus dem Wege und brachte nach einer Absprache der Rechtsanwälte die positive Konwitschny -Würdigung.“ (Spiegel 38/1960)

Ach ja, das Brahms Konzert wurde bereits 1962 (vermutlich kurz nach seinem Tode) in der DDR auf Eterna Schallplatten veröffentlicht (siehe unten).

 

FranzKonwitschny

Besetzung:
Gewandhaus-Orchester Leipzig unter der Leitung von Franz Konwitschny

Booklet1

Titel:

Johannes Brahms –  Symphonie No. 1 c-moll:
01. Un poco sostenuto – Allegro  14.00
02. Andante sostenuto 10.37
03. Un poco Allegretto e grazioso 5.12
04. Adagio – Allegro non troppo, ma con brio 18.30

Wolfgang Amadeus Mozart:
05. Adagio und Fuge c-moll KV 546 9.50

Ludwig van Beethoven:
06. Große Fuge B-Dur op. 133 17.34

CD1

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Das Brahms Konzert „Symphonie No. 1 c-moll“ auf Eterna Schallplatten, 1962

Gewandhaus Orchester Leipzig u.a. – Weihnachtsoratorium (Johann Sebastian Bach) (1959/

FrontCover1Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist ohne jeden Zweifel eines der bedeutendsten klassischen Werke zur Weihnachtszeit.

Ein paar einführende Worte zu diesem Werk sollen an dieser Stelle nun wirklich genügen:

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt.

Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium.

Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. (Quelle: wikipedia)

Und die Aufnahme mit dem Gewandhaus Orchester Leipzig  aus dem Jahr 1959 kann man durchaus als Referenz-Album bezeichnen.

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Als diese Aufnahme von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium 1959 von der Kölner Electrola auf den Markt gebracht wurde, war das eine kleine Sensation und ein höchst willkommenes Weihnachtsgeschenk für alle Klassik-Freunde. Meines Wissens war es die erste ungekürzte Gesamteinspielung. Allerdings konnte sich noch längst nicht jeder Musikliebhaber die Aufnahme leisten: Die Erstausgabe in Stereo erschien auf 3 1/2 LPs und kostete stolze 73,50 DM. Das war für viele damals noch unerschwinglich. Doch schon bald gab es auch Auszüge, so daß sich die weniger Begüterten wenigstens ein paar Ausschnitte anschaffen konnten.

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Das Original Cover aus dem Jahr 1959

Es war eine der wenigen gesamtdeutschen Produktionen, die zu dieser Zeit, im Dezember 1958, noch möglich waren. Aus dem Westen waren die Solisten angereist: Agnes Giebel (Sopran), Marga Höffgen (Alt), Josef Traxel (Tenor) und Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton), während die ostdeutsche Seite den berühmten Thomanerchor und das nicht weniger berühmte Gewandhausorchester Leipzig zur Verfügung stellten.
So ist die alte Aufnahme nicht nur von künstlerischer, sondern auch von zeitgeschichtlicher Bedeutung.

Das Ergebnis kann sich jedenfalls noch heute hören lassen. Sowohl das Solo-Quartett als auch der weltberühmte Chor und das nicht weniger renommierte Orchester sind in bester Verfassung, und die Stereotechnik, die damals noch in den Kinderschuhen steckte (das technische Equipment mußte aus dem Westen nach Leipzig gebracht werden, weil die DDR-Plattenindustrie noch nicht für Stereo ausgerüstet war), ist von erstaunlicher Transparenz und Klarheit.

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Es ist nicht zu leugnen, daß man nicht erst seit heute tempomäßig andere Maßstäbe setzt, und so mag manchem jüngeren Hörer die Aufnahme bei ersten Abspielen ein wenig gewöhnungsbedürftig sein. Das wird aber alles wettgemacht durch die herausragende künstlerische Qualität. Sowohl Agnes Giebel als auch Marga Höffgen zeigen großartige Leistungen, Josef Traxel ist ein idealer Evangelist, ganz in der Tradition eines Karl Erb, und zeigt auch in seinen Arien großes Einfühlungsvermögen. Schließlich der damals noch junge Dietrich Fischer-Dieskau: Er singt mit solcher Begeisterung und mit einem jugendlichen Elan, wie es in späteren Produktion bei ihm nicht immer selbstverständlich war. Hier ist nichts von Überpointierung oder Manierismen zu verspüren, die man ihm vor allem seitens der Kritik oft vorgeworfen hat. Hier ist er voll und ganz bei der Sache und singt seine Partie mit unübertrefflicher Schönheit.

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Der ehrwürdige Thomanerchor ist in allen Lagen spitzenmäßig besetzt, und über das altehrwürdige Gewandhausorchester ist kein Wort des Lobes zu viel gesagt. Es wird vom damaligen Thomaskantor Kurt Thomas mit viel Feingefühl dirigiert.
Alles in allem eine wunderbare Produktion, die ihren Wert über die Zeiten behalten wird und für viele Hörer noch heute eine Bereicherung der Weihnachtszeit darstellt. (K.H. Friedgen)

Meine 3 LP Box war eine der vielen Wiederveröffentlichungen … hier aus dem Jahr 1985.

 

Wohlan lasset den Worten Taten folgen: anhören und schwelgen !

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Besetzung:
Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton)
Agnes Giebel (Sopran)
Marga Höffgen (Alt)
Josef Traxel (Tenor)
+
Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Kurt Thomas
+
Thomanerchor Leipzig unter der Leitung von Kurt Thomas

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Titel:

Kantate I: Am ersten Weihnachtstage:
01. Chor: Jauchzet, frohlocket! 8.42
02. Rezitativ: Es begab sich aber zu der Zeit 1.32
03. Arioso (Alt): Nun wird mein liebster Bräutigam 1.13
04. Arie (Alt): Bereite dich Zion 6.11
05. Choral: Wie soll ich dich empfangen 1.23
06. Rezitativ: Und sie gebar ihren ersten Sohn 0.27
07. Choral: Er ist auf Erden kommen arm / Rezitativ: Wer kann die Liebe recht erhöhn
08.  Arie (Baß): Großer Herr und starker König 5.06
09. Choral: Ach, mein herzliebes Jesulein 1.19

Kantate II: Am zweiten Weihnachtstage:
10. Rezitativ: Und es waren Hirten in der selbigen Gegend 0.52
11. Choral: Brich an, o schönes Morgenlicht 1.10
12. Rezitativ: Und der Engel sprach zu ihnen 0.59
13. Rezitativ (Baß): Was Gott dem Abraham verheißen 0.47
14. Arie (Tenor): Frohe Hirten 3.52
15. Rezitativ: Und das habt zum Zeichen 0.26
16. Choral: Schaut hin! 0.41
17. Arioso (Baß): So geht denn hin! 1.04
18. Arie (Alt): Schlafe, mein Liebster 5.41
19. Rezitativ: Und deshalb war da bei dem Engel 4.12
20. Chor: Ehre sei Gott in der Höhe 3.28
21. Rezitativ (Baß): So recht ihr Engel 0.29
22. Choral: Wir singen dir in deinem Heer 1.52

Kantate III: Am dritten Weihnachtstage:
23. Chor: Herscher des Himmels, erhöre das lallen 2.07
24. Rezitativ: Und da die Engel von ihnen gen Himmel 0.10
25. Chor: Lasset uns nun gehen gen Bethlehem 0.56
26. Rezitativ (Baß): Er hat sein Volk getrößt´t 0.49
27. Choral: Dies hat er alles uns getan 0.48
28. Duett (Sopran Und Baß): Herr, Dein Mitleid, dein Erbarmen 8.42
29. Rezitativ: Und sie kamen eilend und fanden beide 1.27
30. Arie (Alt): Schliesse, Mein Herze 5.25
31. Rezitativ (Alt): Ja, ja, mein Herz soll es bewahren 0.33
32. Choral: Ich will dich mit Fleiss bewahren 0.58
33. Rezitativ: Und die Hirten kehrten wieder um 0.25
34. Choral: Seid froh dieweil, daß euer Heil 0.48
35. Chor: Herrscher des Himmels 2.09

Kantate IV: Am Neujahrstage:
36. Chor: Fallt mit danken, fallt mit loben 6.24
37. Rezitativ: Und da acht Tage um waren 0.40
38. Rezitativ Und Arioso Mit Choral (Solo-Baß Und Solo-Sopran): Immanuel, O süßes Wort 2.53
39. Arie (Sopran): Flößt mein Heiland, flößt dein Namen 5.47
40. Rezitativ (Baß): Wohlan! Dein Name soll allein in meinem Herzen sein! 2.04
41. Arioso (Sopran): Jesu, meine Freud´ und Wonne 2.34
42. Arie (Tenor): Ich will nur dir zu Ehren leben 6.18
43. Choral: Jesus richte mein beginnen2.34

Kantate V: Am Sonntage Nach Neujahr:
44. Chor: Ehre sei dir, Gott, gesungen
45. Rezitativ: Da Jesus geboren war zu Bethlehem
46. Chor: Wo ist der neugebohrene König der Juden!
47. Rezitativ (Alt): Sucht ihn in meiner Brust
48. Chor: Wir haben seinen Stern gesehen
49. Rezitativ (Alt): Wohl euch, die ihr dies Licht gesehen 2.09
50. Choral: Dein Glanz all´Finsternis verzehrt 0.48
51. Arie (Baß): Erleucht´auch meine finstre Sinnen 4.12
52. Rezitativ: Da das der König Herodes hörte 0.17
53. Rezitativ (Alt): Warum wollt ihr erschrecken? 0.46
54. Rezitativ: Und lies versammeln alle Hohepriester 1.47
55. Terzett (Sopran, Alt und Tenor): Ach! Wann wird die Zeit erscheinen! 5.55
56. Rezitativ (Alt): Mein liebster herrschet schon 0.38
57. Choral: Zwar ist solche Herzensftube 0.52

Kantate VI; Am Feste der Erscheinung Christi:
58. Chor: Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben 6.09
59. Rezitativ: Da berief Herodes die Weisen 0.48
60. Rezitativ (Sopran): Du Falscher, suche nun den Herrn zu fällen 0.55
61. Arie (Sopran): Nur ein Wink von seinen Händen 3.49
62. Rezitativ: Als sie nun den König gehöret hatten 1.19
63. Choral: Ach steh an deiner Krippen hier 1.08
64. Rezitativ: Und Gott befahl ihnen im Traum 0.25
65. Rezitativ (Tenor): So geht! Genug mein Schatz 2.03
66. Arie (Tenor): Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken 5.16
67. Rezitativ (Sopran, Alt, Tenor und Baß): Was will der Hölle Schrecken nun 0.38
68. Choral: Nun seid ihr wohl gerochen 3.52

Musik: Johann Sebastian Bach

 

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