Martin Lauer – Die letzte Rose der Prärie + Die blauen Berge (1962)

FrontCover1So hört sich das an … wenn Sportler singen …

Martin Lauer (* 2. Januar 1937 in Köln) ist ein ehemaliger deutscher Leichtathlet, Olympiasieger und Schlagersänger.

Der 1,86 m große und 76 kg schwere Athlet, Mitglied des Sportvereins ASV Köln, war im Zehnkampf und als Hürdenläufer über die 110-Meter-Distanz erfolgreich. Als einer von wenigen Europäern konnte der 16-malige Deutsche Meister über diese Strecke in die Phalanx der Vereinigten Staaten einbrechen, die bis dahin fast übermächtig waren.

Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne wurde er Vierter über 110 Meter Hürden und Fünfter im Zehnkampf.

Am 7. Juli 1959, ein Jahr vor seinem Landsmann Armin Hary, gelangen ihm im Zürcher Letzigrund innerhalb einer Dreiviertelstunde in zwei Läufen drei Weltrekorde. Zuerst stellte er eine Bestzeit von 13,2 s über die Hürden-Sprintdistanzen von 110 Meter und 120 Yard (109,73 m) auf, ehe er auch die Bestzeit über die 200-Meter-Hürden-Strecke in 22,5 s erreichte, nachdem der zuvor unterlegene US-Amerikaner Willie May um eine Revanche gebeten hatte. Sein Weltrekord über die 110 Meter Hürden bestand bis zum 6. Juli 1973.

AutogrammkarteZu den Olympischen Spielen 1960 in Rom reiste er mit gesundheitlichen Problemen an, da er aufgrund einer Knochenhautentzündung im Fußgelenk nur eingeschränkt trainieren konnte, so dass er auf einen Doppel-Start über 110 Meter Hürden und im Zehnkampf verzichten musste. Dennoch trat er in seiner Paradedisziplin an, dem Hürdensprint über die 110 Meter, und wurde Vierter wie schon vier Jahre zuvor. In der 4-mal-100-Meter-Staffel gewann er an der Seite von Bernd Cullmann, Armin Hary und Walter Mahlendorf in Weltrekordzeit die Goldmedaille.

In seiner Heimatstadt begab er sich nach den Spielen in ärztliche Behandlung; ihm wurden drei Spritzen verschrieben, die er sich wegen der bevorstehenden Examensarbeiten in München geben ließ, wo er Maschinenbau studierte. Dabei stellte sich aber heraus, dass eine der verabreichten Spritzen nicht ausreichend sterilisiert war, was zu einer Blutvergiftung und beinahe zur Amputation seines Beines führte. Es folgte ein fast einjähriger Aufenthalt im Krankenhaus, der gleichzeitig das Ende der aktiven Sportlerkarriere markierte. In diese Zeit fiel auch der Unfalltod seiner damaligen Freundin, die nach einem Besuch an seinem Krankenbett auf der Autobahn bei Augsburg zusammen mit seinem Bruder Fredy verunglückte, der Jahre später an den Unfallfolgen verstarb.

Die nötigen Behandlungen, vor allem aber die Prozesse aufgrund des Ärztefehlers gegen die Versicherung des Krankenhauses brachten ihn in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er noch im Krankenhaus mit dem Schreiben von Liedtexten begann, um damit Geld zu verdienen. „Ich war ja als singender Sportler bekannt. Hatte immer eine Gitarre unterm Arm …“ Völlig erschöpft im Rechtsstreit mit dem Krankenhaus stimmte er schließlich einem Vergleich zu, der ihm eine Entschädigung von 45.000 Mark zusprach, die nach eigener Aussage die Kosten bei weitem nicht deckte.

MartinLauer01Noch während seines Krankenhausaufenthalts ließ Lauer dem Musikproduzenten und Liedtexter Kurt Feltz Tonbandaufnahmen zukommen. Dieser zeigte sich begeistert, und Lauer unterschrieb nach seiner Entlassung im Januar 1962 einen Plattenvertrag bei dem erfolgreichen Label Polydor. Noch im gleichen Monat entstanden die Aufnahmen zu seiner ersten Single Sacramento. Mit diesem und neun weiteren Titeln im Country-Stil war Lauer bis 1966 regelmäßig in den deutschen Hitlisten vertreten. Insgesamt wurden etwa sechs Millionen seiner Platten, mit Titeln wie Taxi nach Texas, Die letzte Rose der Prärie oder Wenn ich ein Cowboy wär’, verkauft. In mehreren Fernsehshows trat er zusammen mit bekannten Künstlern auf, darunter Lou van Burg, Udo Jürgens und Peter Alexander.

Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio war er als Journalist tätig und arbeitete, nachdem er sein Maschinenbau-Studium als Diplom-Ingenieur beendet hatte, als Spezialist für die Natriumkühlung von Kernreaktoren; so konzipierte er beispielsweise den schnellen Brüter in Kalkar mit. Außerdem arbeitete er an der Konzeption des ersten Mikrocomputers mit und war bei den Olympischen Spielen 1972 in München für die Einführung der elektronischen Zeitmessung verantwortlich. Weitere Betätigungsfelder Lauers waren die Geschäftsführung einer Beteiligungsgesellschaft sowie sein Wirken als Unternehmensberater und Kolumnist verschiedener Zeitungen. Ab 1973 arbeitete er bei Triumph-Adler, von 1976 an als Prokurist. Zwischenzeitlich – von 1983 bis 1986 – arbeitete er auch als Leiter eines Projekts Computer und Bürotechnik für Quelle. Von 1986 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1988 war er wieder bei Triumph-Adler tätig und für den Geschäftsbereich Großkunden zuständig. Lange Jahre half er mit, das auch international bekannte Sportfest des ASV Köln zu organisieren.

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Lauer ist verheiratet und lebt seit Abschluss seines Studiums in Lauf an der Pegnitz. Er hat einen Sohn (* 1970), der für Quelle Fürth als Leichtathlet startete, und eine Tochter. Martin Lauer engagiert sich im Leichtathletik-Verein LG Lauf-Pegnitzgrund für den Nachwuchs. In Lauf an der Pegnitz war Lauer Mitglied des Stadtrates. (Quelle: wikipedia)

Nun, beide Lieder verdienen das Prädikat „nett“ … und beide Lieder, da „Western Lieder“ waren wohl auch Vorbereiter jener phänomenalen Western Euphorie, die sich dann mit den Karl May Verfilmungen von Constantin Film in der BRD spätestens Mitte der 60er Jahre bei uns breit machte.

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Besetzung:
Martin Lauer (vocals)
+
eine Handvoll unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. letzte Rose der Prärie (Halletz/Bartels) 2.10
02. Die blauen Berge (Wolverton Mountain) (Kilogore/King/Feltz) 2.56

LabelB1
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Martin Lauer — gereift …

 

Conny Froboess – Zwei kleine Italiener + Hallo, hallo, hallo (1962)

FrontCover1Und gleich ein weiterer Griff in meine Single-Sammlung:

Cornelia Froboess (* 28. Oktober 1943 in Wriezen), in frühen Phasen ihrer Karriere zunächst auch bekannt als Die kleine Cornelia, später als Conny, ist eine deutsche Schauspielerin und ehemalige Schlagersängerin.

Gerhard Froboess schickte seine schwangere Frau Margaretha 1943 wegen Bombenangriffen von Berlin nach Wriezen, wo Cornelia Froboess noch im gleichen Jahr geboren wurde. Sie ist die Nichte des Stuntmans Harry Arias Froboess.

Ihren ersten Bühnenauftritt hatte Cornelia Froboess im Mai 1951 mit dem Schlager Pack die Badehose ein, den ihr Vater ursprünglich für die Schöneberger Sängerknaben geschrieben hatte. Von den verantwortlichen Herren dort wurde das Lied abgelehnt. Froboess wurde damit zum Kinderstar. Im Kollektivgedächtnis der Bundesrepublik verankerte sie sich damit als lockere spontane Berliner Göre. (Quelle. wikipedia)

Als diese Single erschien, war die Conny schon mehr als 10 Jahre in dieser Branche aktiv … und 2013 stand sie vor der Kamera für den Film „Ostwind“ … das ist schon eine beeindruckende Vita …

Conny

Conny Froboess, 1962

Besetzung:
Conny Froboess (vocals)
+
ein kleinr Haufen unbekannter Studiomusiker

Back Cover1

Titel:
01. Zwei kleine Italiener (Buschor/Bruhn) 2.38
02. Hallo, hallo, hallo (Dempwolff) 2.39

SingleA1Seite

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Verschiedene Interpreten – Die Rose von Stambul + Gräfin Dubarry (Operetten-Querschnitte) (1962)

FrontCover1Und jetzt springen ir mal wieder in die Welt der Drama und die Welt des Pathis, die dem Operetten-Genre so eigen ist.

Die Rose von Stambul ist eine Operette in drei Akten von Leo Fall. Das Libretto verfassten Julius Brammer und Alfred Grünwald. Das Werk gehört zur Silbernen Operettenära und erlebte seine Uraufführung am 2. Dezember 1916 im Theater an der Wien in Wien.

Die beiden ersten Akte spielen in Konstantinopel (Türkei) und der dritte Akt in einer Hotelhalle in der Schweiz vor 1914.

Achmed Bey ist ein aufgeklärter junger Türke und sehr westlich gesinnt. Sein Kopf ist voller Pläne, wie man die türkische Gesellschaftsordnung reformieren könnte. Weil jedoch sein Vater ein angesehener Staatsminister ist, wagt er es nicht, seine Ideen unter seinem richtigen Namen zu veröffentlichen. Dank seiner literarischen Begabung und guter Kenntnisse der französischen Sprache kommt ihm der Gedanke, einen spannenden Roman zu schreiben und darin seine Gedanken auszubreiten. Als Autor verwendet er das Pseudonym „André Léry“. Das Buch entwickelt sich rasch zu einem Bestseller, der vor allem bei modern eingestellten Türkinnen großen Anklang findet.

Kamek Pascha ist einer der angesehensten Türken und noch tief in der osmanischen Familientradition verwurzelt. Ganz anders seine Tochter Kondja Gül. Bei ihr fallen André Lérys fast schon revolutionäre Ideen auf fruchtbaren Boden. Zwischen den beiden entspinnt sich ein umfangreicher Schriftverkehr, bei dem sie sich gegenseitig immer mehr schätzen lernen.

Postkarte

Alte Postkarte

Kondja Gül war noch im Kindesalter, als sie von ihrem Vater dazu ausersehen wurde, einmal Achmed Beys Frau zu werden. Nun, da sie jetzt im heiratsfähigen Alter ist, soll bald die Hochzeit stattfinden. Darüber ist Kondja tief traurig; aber sie weiß, dass es zwecklos ist, gegen diese Tradition aufzubegehren. Es ist ihr auch verwehrt, ihren späteren Ehemann schon vor der Hochzeit zu sehen. Selbst bei der Verlobung darf sich das Paar nur hinter einem Wandschirm unterhalten. Achmed weiß, wer seine Braut ist. Er ist auch aufrichtig in sie verliebt, doch verschweigt er ihr, gleichzeitig auch „André Léry“ zu sein.

Die Hochzeitsnacht wartet mit einem Skandal auf: Kondja Gül gesteht ihrem Gatten, dass sie ihn nur wegen der Familientradition geheiratet habe. Sie empfinde aber nichts für ihn. Ihre wahre Liebe gehöre dem französischen Schriftsteller André Léry. Als ihr Achmed gesteht, selbst jener Autor zu sein, glaubt sie ihm kein Wort.

Tags darauf bricht Kondja Gül in die Schweiz auf, nachdem sie in der Hochzeitsnacht von ihrem Mann gehört hat, dass sich André Léry dort gerade aufhalten solle. Als sie sich an der Hotelrezeption nach dem Schriftsteller erkundigt, muss sie erfahren, dass man ein Ehepaar Léry erwarte. Diese Kunde bricht ihr fast das Herz. Kaum angekommen, will sie auch gleich wieder abreisen. Plötzlich sieht sie ihren Ehemann Achmed auf sich zukommen. Jetzt fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: Ihr Ehemann und der französische Dichter sind ein und dieselbe Person.

SchockKöth

Gräfin Dubarry („Die Dubarry“) ist eine Geschichte aus der Zeit des Vorabends der Französischen Revolution über starke Frauen: Die Operette zeigt den Weg einer Frau von der Hutmacherin zur Geliebten und politischen Beraterin des Königs von Frankreich mit viel Gespür für emotionale Beweggründe und Sinn für feinen Humor und Spitzfindigkeiten.

Stars dieser Ausnahme sind natürlich die damals extrem hoch gehandelten Stars der Sze,e, Erika Köth und Rudolf Schock-

Die mir voriegende 10§ LP ist eine Ausgabe des Labels „Opera“; diese produzierten sie für den sog. „Europäischen Phonoklub (kam aus dem Bertelsmann-Stall). Ursprünglich erschienen diese Aufnahmen auf dem Label Eurodisc …

Für mich nun irklich Musik aus einer anderen Welt, aber dann muste ich plötzlich schmunzeln … Bei „Ein Walzer muß es sein “ erinnerte ich mich an meinen Vaer, der, wenn er mal besonders gut gelaunt war, die Treppe hinunterkam und just diese Melodie kraftvoll schmetterte …

Dubarry

Die historische Figur Marie-Jeanne Gräfin du Barry

Besetzung:
Erika Köth (Sopran)
Horst Wilhelm (Tenor)
Rudolf Schock (Tenor)
+
Die Berliner Symphoniker unter der Leitung von Frank Fox
+
Der Günther-Arndt-Chor

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Titel:

Die Rose Von Stambul – Querschnitt:
(Musik: Leo Fall / Libretto: Grünwald/Brammer)

01. Die Rose von Stambul: (16.25)
Einleitung – Man sagt uns nach – O Rose von Stambul – Sie kommt, schon naht mit Bangen – Zwei Augen, die wollen mir nicht aus dem Sinn – Schade! Wer weiß, wann ich wieder so aufgelegt bin – Ihr stillen süßen Frauen – Willst du an die Welt vergessen – Ein Walzer muß es sein
Die Dubarry – Querschnitt:
(Musik: Carl Millöcker/Theo Mackeben /Libretto: Cremer/Welleminsky/Knebler)

02. Due Dubarry (14.29)
Einleitung – Ich habe die Liebe schon genossen – Ich schenk‘ mein Herz – Stets verliebt – Wie schön ist alles, seit ich dich gefunden – Ob man gefällt oder nicht gefällt – Ich denk‘ zurück an die Zeit – Was ich im Leben beginne – Ja, so ist sie, die Dubarry

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Peppino di Capri – Slop in Capri – Signorina mit dem blonden Haar (1962)

FrontCover1So war das damals … ein nun wirklich nicht sonderlich gut aussehender Italiener verzauberte die Herzen der deutschen Damen mit seinem geschmeidig-aufregendem Gesang … wobei ich mir gar nicht so sicher bin, ob Peppino di Capri überhaupt wusste, was er da sang … als er im Studio für den deutschen Markt der frühen 60er Jahre seine Singles aufnahm.

Folgendes weiss ich zu berichten:

In der Bundesrepublik Deutschland konnte Peppino di Capri vor allem Anfang der 1960er Jahre Erfolge feiern. Seine Hits St. Tropez Twist, Slop in Capri und Melancholie wurden damals von der Plattenmarke Italia veröffentlicht.

talia war eine deutsche Schallplattenmarke, die sich auf italienische Interpreten spezialisiert hatte. Die Marke wurde vom Münchener Musikverleger und Schallplattenproduzent Dr. Karl Heinz Busse herausgebracht und wurde von Metronome vertrieben.

Italia-Schallplatten erschienen in der Bundesrepublik zwischen 1962 und 1966. Die größten Verkaufserfolge erzielte die Plattenmarke mit Aufnahmen von Gigliola Cinquetti (1964: „Non ho l‘età“) und von Peppino di Capri (1962: „St.Tropez Twist“).

Die meisten Aufnahmen auf Italia-Schallplatten wurden in der Bundesrepublik mit Genehmigungen der italienischen Plattenmarken Carisch, CGD und Dischi ricordi (alle Sitz in Mailand) veröffentlicht. Daneben gab es Lizenzierungen, bei denen die italienischen Interpreten deutsche Lieder sangen: entweder waren es deutsche Fassungen italienischer Hits oder es waren rein deutsche Produktionen. Bei letzteren zeichneten meist Henry Mayer für die Musik und Kurt Hertha für den Text verantwortlich.

Neben einigen wenigen Langspielplatten und EPs lag der Schwerpunkt bei Italia auf der Produktion von Single-Schallplatten.

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Hier einer seiner großen Single-Erfolge im Deutschland der frühen 60er Jahre.

Köstlich die fiepsende Orgel, herrlich die sehr charakteristische Stimme, die Texte: ganz und gar köstlich und die wenigen Saxophon-Klänge waren dann sowas wie das Sahnehäubchen. Und natürlich hatten die Melodien einen magischen Ohrenwurm-Charakter.

Bei meiner Begeisterung darf man getrost von einer gewissen albernen Grundstimung meinerseits ausgehen … weitere Albernheitsschübe dieser Art werden folgen.

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Besetzung:
Peppino di Capri (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Slop in Capri (Mayer/Buschor) 2.39
02. Signorina mit dem bloden Haar (Mayer/Seltzer) 2.14

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Georges Brassens – Auf dem Bildchirm (Fernsehserie) (1962)

FrontCover1Und schon wieder so ein Ausländer in diesem blog … aber einer, der es wirklich drauf hatte:

Georges Brassens [bʁasɛ̃s] (* 22. Oktober 1921 in Sète; † 29. Oktober 1981 in Saint-Gély-du-Fesc bei Montpellier) war ein französischer Dichter und Schriftsteller, vor allem aber in den 1950er bis 1970er Jahren ein berühmter Chansonnier.

Brassens war der Sohn eines kleinen Bauunternehmers, der selbst aus Sète (Département Hérault) stammte. Seine Mutter war eine sehr gläubige und musikliebende Neapolitanerin. Im Alter von rund 14 Jahren begann der junge Georges Chansons zu schreiben. Nach Abbruch seiner Studien im Collège Paul-Valéry in seiner Heimatstadt brach er 1939 nach Paris auf. Dort wohnte er bei seiner Tante Antoinette Dagrosa und arbeitete kurze Zeit bei den Renault-Werken im nahen Boulogne-Billancourt als Lehrling. Als Frühaufsteher verbrachte er ganze Tage in der Bibliothek beim Studium der Meister der französischen Dichtkunst. In genauer Analyse der gewählten Sprachbilder, Themen und rhythmischen Kadenzen erwarb er sich autodidaktisch einen großen dichterischen Kenntnisfundus. 1942 veröffentlichte er 13 Gedichte unter dem Titel A la venvole. Im März 1943 wurde er als Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich deportiert und arbeitete in der Flugzeugmotorenfertigung in Basdorf. Als er ein Jahr später eine Genehmigung erhielt, für zehn Tage nach Paris zu fahren, kehrte er nicht zurück und versteckte sich in Paris bis zur Befreiung im Spätsommer 1944.

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Nach dem Krieg fand er eine Unterkunft in der Wohnung von Jeanne Le Bonniec und ihrem Mann Marcel Planche in der Impasse Florimont 9 im 14. Arrondissement in Paris. Jeanne, um 30 Jahre älter als er, blieb seine mütterliche Freundin bis zu ihrem Tode. Brassens schrieb berühmt gewordene Lieder auf ihren Mann (Chanson pour l’Auvergnat), für sie (Jeanne) und auf ihre Ente (La cane de Jeanne). Das erste Chanson, das er öffentlich vortrug, war Le gorille, oberflächlich ein frivoles Couplet über einen brunftigen Affen, in seiner Pointe ein Plädoyer gegen die Todesstrafe. Es wurde später von Franz Josef Degenhardt in einer deutschen Fassung (Vorsicht! Gorilla), von Jake Thackray in einer englischen Fassung (Brother Gorilla) sowie von Fabrizio De André ins Italienische (Attenti al gorilla) übertragen und weiterverbreitet.

1952 hatte Brassens seine ersten erfolgreichen öffentlichen Auftritte im Pariser Cabaret der bekannten Chanteuse Patachou, der er seine Chansons angeboten hatte. Sie befand jedoch kurzerhand, dass diese viel sinnvoller von ihm selbst vorzutragen seien. Bald folgten aufgrund der rasch wachsenden Popularität die ersten Plattenaufnahmen. Während der 1950er- und 1960er-Jahre wurde Brassens zu einem der populärsten Vertreter des künstlerischen französischen Chansons überhaupt. Politisch stand er, wie sein Kollege Léo Ferré, den Anarchisten nahe, häufiger sang er zugunsten der Anarchistischen Föderation „Fédération Anarchiste“ und deren Zeitung Le Libertaire bzw. Le Monde Libertaire.

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Brassens lebte eher zurückgezogen und bevorzugte persönliche Freunde vor jedem Starrummel. Ein Satz von ihm (aus Le Pluriel): „Wo mehr als Vier zusammenhocken, wird’s ein Deppenhaufen.“

Er wohnte auch nicht unter einem Dach mit seiner estnischen Lebensgefährtin Joha Heyman (La non-demande en mariage), die er liebevoll „Püppchen“ nannte und die ihn auf allen Tourneen und bis zu seinem Lebensende begleitete. Nach Erscheinen jeder neuen Langspielplatte trat er jeweils einige Monate in Frankreich auf.

Außerhalb seines Heimatlands trat er zweimal in Luxemburg und je einmal in Großbritannien (dieses Konzert wurde als einzige Brassens „Live“-Aufnahme veröffentlicht) und der Schweiz auf.

In dem Film Porte des Lilas (auf deutsch: Die Mausefalle) von René Clair (1956) spielt Brassens den „Artiste“ und singt dort auch einige seiner Chansons, darunter das Titellied.

Brassens03Die 1970er-Jahre waren bereits von schwerer Krankheit überschattet. Brassens litt an Nierenkrebs, wurde 1980 operiert und starb 1981 in der Nähe seiner Geburtsstadt. Er ruht auf dem Friedhof „Le Py“, gegenüber dem seinem Leben und Werk gewidmeten Museum „Espace Brassens“[2] in Sète, nicht weit vom Strand, wie er es sich im Chanson Supplique pour être enterré à la plage de Sète gewünscht hatte. Nach seinem Tod wurde der Pariser Park in der Nähe seiner alten Wohnung, in dem er sich oft aufgehalten hatte, zu seinen Ehren auf den Namen Parc Georges Brassens umbenannt.

Um die unmittelbare eindringliche Wirkung seiner lebensnahen, ethischen wie poetischen Texte nicht zu verdecken, trug Brassens seine (zuvor am Piano ausgearbeiteten) Chansons stets nur mit einfachster Instrumentierung vor: seiner akustischen Gitarre und dem Bass seines ständigen Konzert-Begleiters Pierre Nicolas.

Brassens gilt als einer der Großmeister des literarisch anspruchsvollen Chansons in der französischen Kultur. Den Reiz seiner Chansons macht eine einzigartige Mischung aus der Sprache der klassischen französischen Poesie und des Argot aus. Die Texte verweben einfühlsame mit sarkastischen Gedanken, ergänzt durch eine herbe, manchmal gewollt ans Obszöne grenzende Erotik. Der Individualist Brassens geht auf Abstand zu der als neunmalklug und letztlich als bösartig empfundenen „großen“ Welt. Die Musik, die sich oft an den Swing anlehnt, ordnet sich mit wenig eingängigen Melodien der bänkelsängerartigen Textdarbietung unter.

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Neben eigenen Texten vertonte er auch Werke französischer Dichter der unterschiedlichsten Epochen wie François Villon (Ballade des dames du temps jadis), Louis Aragon, Victor Hugo, Lamartine, Paul Verlaine und Paul Fort. Brassens war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Chansonniers des 20. Jahrhunderts. Aus der deutschen Liedermacherszene sind ihm etwa Wolf Biermann, Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp, der frühe Hannes Wader (Hannes Wader singt), Walter Mossmann und der Schweizer Mundartliedermacher Mani Matter am nächsten, die ihn auch alle als ihr Vorbild nennen. (Quelle: wikipedia)

Und hier ne EP aus dem Jahr 1962, spezielle für den deutschen Markt gemacht (und deshalb auch hier präsentiert).

Mit einer spielrischen Leichtigkeit trägte er diese vier Lider vor … und da bedauere ich es doch sehr, dass ich kein französisch kann … Und auf welchen Bildschirm-Auftritt sich diese EP bezieht, entzieht sich auch meiner Kenntnis. Aber interessant, dass er schon 1962 einen Platz bei der ARD hatte … oder gar beim ZDF, das 1962 gegründet wurde.

Und so bleibt es mir nur möglich, mich an dem federleichten Vortrag zu erfreuen.

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Besetzung:
Georges Brassens (vocals, guitar)

BackCover1
Titel:
01.  Marinette  (Brassens) 1.54
02. Je me suis fais tout petit  (Brassen) 4.00
03. Le nombril des femmes dagents  (Brassens) 2.30
04.  La légende de la nonne (Brassens/Hugo) 3.14

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Marlene Dietrich – Sag mir wo die Blumen sind + Die Welt war jung (1962)

FrontCover1Es mag ja sein, dass sie ne echte Diva und Zicke war …

Aber ihre glasklare Haltung gegenüber den Nationalsozialisten imponierte mir heute noch. Und so gab´s nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, als sie Anfang der 60er Jahre wieder in der Bundesrepublik auftauchte, wie folgender Artikel aus der Zeitung „Der Westen“ belegt:

Mit einem Tag Verspätung landete Marlene Dietrich vor fast 50 Jahren auf dem Flughafen Lohausen. Die Schauspielerin und Sängerin schwebte am 5. Oktober 1962 mit einer Air-France-Maschine aus Paris ein. Dort hatte sie sich beim Modeschöpfer Pierre Balmain eigens ein Kleid für ihren Besuch am Rhein schneidern lassen. Denn einen Tag später trat die Dietrich als Ehrengast bei der Unicef-Gala in der Kongresshalle auf. Mit dem Orchester Max Greger präsentierte sie das Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“.

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Schauspielerin Marlene Dietrich winkt bei ihrer Ankunft am Flughafen in Düsseldorf am 5. Oktober 1962

Doch Marlene Dietrich, die 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte und sich weigerte, die NS-Propaganda zu unterstützen, wurde nicht immer freundlich in Düsseldorf empfangen. 1960 wurde sie von einem jungen Mädchen angespuckt und auf einer Theaterbühne von einem Ei am Kopf getroffen. Sie weigerte sich aber, „sich von einem blonden Nazi von der Bühne vertreiben zu lassen“. Der Werfer allerdings wurde fast gelyncht, musste unter Schutz aus dem Theater gebracht werden. (Der Westen, 6. Mai 2012)

Und hier ihre großartige Version von „Sag mir wo die Blumen sind“ (leider ist dieses Lied auch heute noch so dringend notwendig…) und die B-Seite „Die Welt war jung“ ist auch ein Juwel ihres Schaffens … eine wehmütig-sentimentale Rückschau auf ein Leben …

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Besetzung:
Marlene Dietrich (vocals)
+
Orchester Burt Bacharach

BackCover

Titel:
01. Sag mir wo die Blumen sind (Seeger/Colpet) 3.34
02. Die Welt war jung (Philippe/Gerarde/Colpe) 3.18

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Marlene Dietrich singt als Ehrengast der UNICEF Gala – „Musik der Welt“ vom 6 Oktober 1962 in der Kongresshalle in Düsseldorf  „Sag mir, wo die Blumen sind“
(Begleitung: Orchester Max Greger)

Brief vom 25. Feb.1963
„- mein Lieber,
Bitte seien Sie so gut und fragen genau wann und wo und was für eine Television Sendung von mir in Stockholm gezeigt wurde. Habe nähmlich nur einmal ein Lied für die „UNICEF“ Wohltätigkeitsabend gesungen, das gefilmt wurde für Television in Düsseldorf. …. Ich sang ein Lied, das jetzt NO 1 in Deutschland ist, “ Sag mir wo die Blumen sind“ – ein Antikriegslied (eine Erfolgsplatte in Deutschland zu haben ist doch allerhand):…….nochmals tausend Grüsse MARLENE“

Alois Dempf – Die fehlende Intelligenz (Stimmen der Denker) (1962)

FrontCover1Ja, ja … Deutschland, das Land der Dichter und Denker … Und hier haben wir so ein Exemplar, den Alois Dempf:

Alois Dempf wurde am 2. Januar 1891 im oberbayerischen Altomünster ( 15. 11. 1982 in Eggstätt), zwischen München und Augsburg, geboren. Nach dem Gymnasium in Schäftlarn und Freising studierte er in Innsbruck und München Philosophie und Medizin. 1921 promovierte er in Philosophie bei Hans Meyer und Clemens Bäumker zum Thema: „Der Wertgedanke in der Aristotelischen Ethik und Politik“. Erst wenige Jahre zuvor hatte Max Scheler seine berühmte Wertethik veröffentlicht, die Dempf nun mit der aristotelischen Ethik in Verbindung brachte.

Dempf gehörte zu den Autoren der von Carl Muth herausgegebenen Zeitschrift „Hochland“ und stand u.a. mit Theodor Haecker in Kontakt. 1926 folgte die Habilitation bei Adolf Dyroff, der seit 1903 in Bonn dozierte und 1934 wegen seiner katholischen und unangepaßten Denkweise von den Nazis zwangseremitiert wurde. Sein Habilitationsthema lautete: „Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und in der Kantischen Dialektik“. Acht Jahre war Dempf Privatdozent in Bonn. Außerdem wurde er Redakteur der von 1925 bis 1930 erscheinenden Zeitschrift „Abendland. Deutsche Monatshefte für europäische Kultur, Politik und Wirtschaft“. Diese Zeitschrift „wurde zu einem Motor übernationaler Verständigung, vor allem der Versöhnung mit Frankreich“ (Heinz Hürten, Deutsche Katholiken 1918 bis 1945, Paderborn 1992, S. 152).

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Alois Dempf mit Familie

Ihr Gründer Hermann Platz (1880 -1945), mit Dempf befreundet, war Hochland-Mitarbeiter, Exponent der Liturgischen Bewegung, „gehörte auch zu den deutschen Förderern der internationalen Friedenstreffen, die Marc Sangnier auf seinem Landsitz Bierville veranstaltete (Hürten, ebda.) und verlor wie Dyroff unter den Nazis seine Professur in Bonn. „Abendland“ war gleichzeitig der Kampfbegriff gegen den „Nationalismus mit seiner einheitzerstörenden Rasse- und Staatsvergötzung“ (Platz im „Staatslexikon der Görresgesellschaft“, 5. Aufl., Artikel „Abendland“). Außerdem war Dempf mit Luigi Sturzo (1871-1959) befreundet, dem Gründer des Partito Popolare Italiano (PPI) (der Vorgängerpartei der Democrazia Cristiana), der 1924 wegen seines Antifaschismus Italien verlassen mußte.

Dempfs antinationalsozialistische Einstellung war kompromißlos. Gegen die Neigung zu Kompromissen schrieb er 1934 unter dem Pseudonym Michael Schäffler das Manuskript „Die Glaubensnot der deutschen Katholiken“, das Karl Barth zwecks Veröffentlichung in die Schweiz schmuggelte. „‚Die eigentliche Schwäche des deutschen Katholizismus‘ sah Dempf allerdings gerade in dem, was durch lange Jahrzehnte hindurch wesentliches Ziel der Katholiken Deutschlands gewesen war“, nämlich der Anpassung an den fortschrittlichen, damals nationalen Zeigeist und dem Abbau „der konservativen Gegenposition zu Kapitalismus und Sozialismus“. „‚Wenn man so anpassungsfähig ist, verrät man nur allzudeutlich, wie wenig man eigene Substanz besitzt und Eigenes zu sagen hat‘. Dies war das Problem, das die Brückenbauer offengelegt hatten – aber Dempf führte fast wider seine Absicht aus, wie gering doch die Wirkung dieses Anpassungsstrebens geblieben war. Er bezeichnete an anderer Stelle als ‚einen schlagenden Gegenbeweis‘ gegen die These von der Eroberung des katholischen Volksteils für den Nationalsozialismus ‚die geringe Zahl und geistige Bedeutungslosigkeit derer, die offen als überzeugte Nationalsozialisten auftreten oder sich zur Flankendeckung für ihn hergegeben haben'“ (Hürten, a.a.O. S. 324, Dempf alias Schäffler zitierend).

BiographieAußerdem arbeitete Dempf bei den „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“ mit, einer Gegenschrift zu Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“. Diese Gegenschrift, auf eine Anregung Karl Barths und Erik Petersons zurückgehend, wurde 1934 von Bischof Clemens August von Galen herausgegeben. „Der ‚Feldzugsplan‘ für die Gestaltung wurde im Hause Hermann Platz entworfen, und viele Mitarbeiter konnten gewonnen werden, z.B. Waldemar Gurian sowie Redakteure und Mitarbeiter des ‚Michael‘, der Wochenzeitung der katholischen Jugend, vor allem Johannes Maaßen. Den Abschnitt über Meister Eckhart vertraute mein Vater“, so schreibt Felicitas Hagen-Dempf in „Alois Dempf – ein Lebensbild“, „einem Schüler, Bernhard Lakebrink, an, weil das Eckhart-Buch meines Vaters, das die Inanspruchnahme des großen Mystikers für die ’nordische‘ Weltanschauung zurückwies, bereits 1934 erschienen war und entsprechendes Aufsehen erregt hatte. Die geheime Drucklegung im Verlag Bachem geschah durch Mithilfe des Kirchenhistorikers Wilhelm Neuss und des Bischofs Graf Galen, des späteren Kardinals. Als erste Schrift seit der Reformation konnte diese Publikation sämtliche evangelischen und katholischen Pfarrer erreichen (Auflage: 200000 Stück!)“ (in: Alois Dempf 1891-1982. Philosoph, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus, hg. von Vincent Berning und Hans Maier, Weißenhorn 1992, S. 13).

Kontakte hatte Dempf auch zu Heinrich Brüning, Albert Ehrhard, Johannes Thyssen, Siegfried Behn, Aloys Müller, Max Scheler, Waldemar Gurian, Paul Ludwig Landsberg, Carl Schmitt (dessen pronazistische Entwicklung ihn enttäuschte), Werner Becker, Carl Sonnenschein, Edith Stein, Gertrud von Le Fort, Joseph Bernhart, Manfred Schröter, Jakob Hegner (seinem Verleger) und den spanischen Philosophen Juan Zaragueta und Calvo Serer.

Den Ethnologen Wilhelm Schmidt und Wilhelm Koppers verdankte er 1937 einen Ruf nach Wien, den er dankbar annahm, da Rosenberg in Deutschland jede Berufung Dempfs zum Ordinarius verhinderte. In Wien fand Dempf freundschaftlichen Kontakt zu Eric Voegelin. Doch diese Phase währte nur kurz, da er im darauffolgenden Jahr nach dem „Anschluß“ Österreichs zwangspensioniert wurde.

Dempf03Nach dem Krieg hielt er in Wien im Auditorium Maximum außerordentlich gut besuchte Vorlesungen (sein Assistent war Ernst Topitsch), bis er 1950 einem Ruf nach München folgte. Hier hatte er Kontakte zu Aloys Wenzl (bei dem 1948 Reinhard Lauth habilitiert wurde), Helmut Kuhn, Hans Sedlmayr, Romano Guardini, Hans Urs von Balthasar, Werner Bergengruen, Gustav Siewerth, Henry Deku, Hermann Krings, Hedwig Conrad-Martius, Adolf Portmann (der sich als Biologe gegen den Biologismus wandte), Jakob von Uexküll u.a. 1963 promovierte bei ihm der Scheffczyk-Schüler Anton Ziegenaus. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Dempf in Eggstätt, Chiemgau, wo er am 15. November 1982 verstarb.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Die Hauptform mittelalterlicher Weltanschauung. Eine geisteswissenschaftliche Studie über die Summa“ (1925), „Ethik des Mittelalters“ (1927), „Sacrum Imperium. Geschichts- und Staatsphilosophie des Mittelalters und der politischen Renaissance“ (1929), „Metaphysik des Mittelalters“ (1930), „Kulturphilosophie“ (1932), „Meister Eckhart. Eine Einführung in sein Werk“ (1934), „Kierkegaards Folgen“ (1935), „Religionsphilosophie“ (1937) „Christliche Philosophie. Der Mensch zwischen Gott und der Welt“ (1938), „Die drei Laster. Dostojewskis Tiefenpsychologie“ (1946), „Selbstkritik der Philosophie und eine vergleichende Philosophiegeschichte im Umriß“ (1947), „Theoretische Anthropologie“ (1950), „Kritik der Historischen Vernunft“ (1957), „Die unsichtbare Bilderwelt. Eine Geistesgeschichte der Kunst“ (1959).

Alois Dempfs Denken ist von großer synthetischer Kraft. Schon früh geprägt von Herman Schell, suchte er eine Erneuerung der christlichen Philosophie, die nicht hinter die Fragestellungen der neuzeitlichen Philosophie zurückfällt: „Die kritische Synthese eines lebendigen, tief innerlichen Christentums, insbesondere in seiner katholischen Form, mit den unübersehbaren Leistungen der neuzeitlichen Philosophie seit Kant und dem naturwissenschaftlichen Weltbild des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Problemstellung, an welcher der von der Kirche abgewiesene und von Dempf schon früh abgelehnte Modernismus gescheitert war, weil er am christlichen Symbolon vielschichtige Relativierungen vornahm, deren Grundmuster teilweise in der theologischen Diskussion der nachkonziliaren Zeit des II. Vatikanums wieder auftauchen. Dempf sucht eine neue Synthese, welche die griechisch-lateinische Antike, den Universalismus des germanisch-lateinischen Mittelalters, der Spätscholastik, der Renaissance und der Spätromantik, aber auch die in den Augen Dempfs gewaltige Denkleistung des Deutschen Idealismus kritisch aufzuarbeiten hatte.“ (Vincent Berning, Alois Dempf. Philosoph, Gelehrter, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus; im erwähnten gleichnamigen Sammelband S. 49) (Quelle: kath-info.de)

Dempf04Und hier hören wir ihn, in seinem Beitrag „Die fehlende Intelligenz“ (basierend auf einer privaten Tonbandaufzeichnung) und wir hören einen in seinem akademischen Elfenbeintrum, der geblendet von der eigenen Brillianz, letztlich nur den eigenen akademischen Dünkel zelebriert.

Denn, da gibt es die „Intelligenz“ und dann die „Praktiker und Banausen“ … wenn ich sowas schon höre … läuft mir die Galle über.

Die fehlende Intelligenz liegt im „Sündenfall“ der neuzeitlichen Philosophie:

„Der Sündenfall der neuzeitlichen Philosophie ist die existenzielle Staatsphilosophie“. 

„Die Fanatisierung des Profanen … oder die Konfessionaliserung des Nationalstaats. Der existenzielle Staatsphilosoph macht staatsethisch den Staat zum Heiligsten.“

„Der Staat als der gegenwärtige Gott auf Erden“

Na ja … und auch über Realschüler macht er sich ein wenig lustig … und über die „Halbintelligenz“ …

Am Ende seines Vortrag hingegen beklagt er dann jedoch mit bitterem Ton:

„Die Wissenden sind als Produzenten von Macht verstaatlicht worden. Und da es ein eigenes Standesbewusstsein der Intelligenz nicht gibt … denkt sie viel zu wenig an ihre auch wirtschaftlich freie Existenz.  Die Dichter leben von der Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie, die Wissenschaft lebt von dem Interesse des Staates an der Ausbildung von Beamten und Technikern … „

Nur die arme Intelligenz muss zum Forschungsgelder betteln …  Er wünscht sich daher, dass ein „bescheidenes Klassenbewußtsein der Intelligenz erwacht.“

Dass er sich allerdings im III. Reich konsequent dem Naziregime verweigert hat … rechne ich ihm hoch an …

Erschienen ist diese Aufnahme in der Reihe „Stimmen der Denker“ im katholischen „Christopherus Verlag Herder“, Freiburg.

Weitere Exemplare dieser Serie werden folgen.

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Ein Portrait von Alois Dempf wird im Rathaus Altomünster enthüllt (2016)

Besetzung:
Alois Dempf (Sprecher)

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Titel:
01. Die fehlende Intelligenz (Teil 1 – Anfang) 16.22
02. Die fehlende Intelligenz (Teil 2 – Fortsetzung) 16.48

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