Oberstaufener Finken-Quartett -Spielt und singt für uns (ca. 1962)

FrontCover1Erstmal war es gar nicht so einfach, verwertbare Informationen über dieses Qunitett zusammenzutragen, dann aber hat sich doch allmählich das „Bild“ dieser Allgäuer Formation geschärft.

Gegründet wurde es 1961 und noch im gleichen Jahr gewannen sie auf Anhieb den 1. Preis beim „Schwäbischen Volksmusikwettbewerb“ und dann gings quasi Schlag auf Schlag: Auftritte in Berlin und diverse Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk (der damals natürlich noch viel Volksmusik im Porgramm hatte).

So ging das bis in das Jahr 1965, bis sich die Eheleute Jutta und Ferdinand Kerber entschlossen, ihr eigenes Ensemble aufzubauen.  Die beiden reisten mit ihrer Allgäuer Stubenmusik – meist im Auftrag des Deutschen Musikrates – in viele Länder, darunter Kanada, Japan und Iran.

Jutta und Ferdl Kerber bauten dann auch noch Musikschulen in Krumbach, Oberstdorf und Immenstadt auf. Letztere erhielt noch eine Zweigstelle in Oberstaufen. Darüber hinaus leitete Ferdl Kerber von 1981 bis 1997 die Stadtkapelle Immenstadt. Und er war Dirigent der Musikkapelle Stein bei Immenstadt. Und Jutta Kerber veröffentlichte noch etliche Aufnahmen mit ihrer Harfen-Musik.

Die anderen machten – sicherlich in wechselnder Besetzung – unverdrossen weiter und so feierte man dann 2013 das 50jährige Bühnenjubiläum, bei der dann auch Jutta Kerber teilnahm (siehe beiliegender Artikel). Ferdinand Kerber starb dann noch im gleichen Jahr.

Und hier ihre allerersten Aufnahmen, die als Single veröffentlicht wurden. Und nachdem das Quintett damals auch aktiv in der „Katholischen Landjugend Bayern“ tätig waren, wurde es von derem Label, der „KLJB Schallplattenreihe“ veröffentlicht.

Ich sag´s mal so: wer sich für handgemachte und unverfälschte bayerische Volksmusik interessiert, kann hier durchaus fündig werden.

OberstaufenerFinkenQuintett

Oberstaufener Finken Quintett (1962)

Besetzung:
Hans Fink (dulcimer)
Michael Fink (zither)
Ferdinand Kerber (bass)
Jutta Kerber (harp)
Josef Wagner (guitar)

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Titel:
01. Strohschneider 2.19
02. Hütebüa 2.14
03. s´Baureweible 2.38
04. Frisch-auf-Polka 2.00
05. Der Schwarzerdner 1.50
06. Hinterm Holderbosche 2.22

Alle Titel: Traditionals

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NachrufFerdlKerber

Ein kleiner Nachruf auf den Ferdl Kerber (liegt dieser Präsentation bei)

Friedel Hensch – Mein Ideal + Mein Hannes (1962)

FrontCover1Um diese Single, bzw. die A-Seite dieser Single zu verstehen, muss man den Charles Aznavour Song „Du lässt Dich gehen“ kennen. Aber davon später mehr. Jetzt erstmal wieder biographisches:

Friedel Hensch (* 7. Juli 1906 in Landsberg an der Warthe; † 31. Dezember 1990 in Hamburg), die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Erfolge als Sängerin feierte und in Berlin unter anderem bei Eric Charell engagiert war, Werner Cyprys (* 19. April 1922; † 30. Juli 2000) und Karl Geithner (* 11. Oktober 1922 in Chemnitz-Markersdorf; † 1976) bewarben sich 1945 unabhängig voneinander bei einem Varieté in Flensburg. Weil der Bühnendirektor keine Theaterlizenz der Alliierten Militärregierung vorweisen konnte, gründeten die drei im Oktober des gleichen Jahres eine eigene Band. Am 1. November 1945 reisten sie in Begleitung ihres neuen Mitgliedes Heinz Bartels nach Hamburg, wo sie auf ein dauerhaftes Engagement hofften. Im Januar 1946 traten sie im Ballhaus „Trichter“ auf der Reeperbahn erstmals als Friedel Hensch und die Cyprys auf. Es folgten Gastspiele in zahlreichen Städten Westdeutschlands. Anfang 1947 verließ Bartels die Gruppe, um eine Stelle als Kapellmeister in Bremen anzutreten. Ende 1947 heirateten Friedel Hensch und Werner Cyprys in Bielefeld. 1948 stieß Kurt Grysok (* 5. Oktober 1922 in Hindenburg O.S.) auf die Band und wurde deren vierter Mann.

FriedelHensch01

Friedel Hensch und die Cyprys (50er Jahre)

Während eines Auftritts im Sommer 1949 in Hannover wurde Kurt Richter, der Chef der Plattenfirma Polydor, auf das Quartett aufmerksam. Noch im gleichen Jahr erschien mit dem Titel Mit der Zeit lernst auch du es die erste Schallplatte der Gruppe: Die Samba wurde als B-Seite des Schlagers Maria aus Bahia, der von René Carol und Danielle Mac gesungenen deutschen Version des Welterfolges Maria de Bahia von Ray Ventura, veröffentlicht. Auch die nächste Schallplatte, unter anderem mit Werner Cypris‘ Eigenkomposition Mein Kaugummi, verkaufte sich mehr als zufriedenstellend. 1950 erschienen zunächst einige Singles, auf denen Friedel Hensch und die Cyprys lediglich als Chor bei Aufnahmen des Sängers Heinz Woezel und anderer Interpreten zu hören sind. Im gleichen Jahr trat das Ensemble mit zwei von Michael Jary komponierten Schlagern in dem Film Mädchen mit Beziehungen auf. Dieser erste von insgesamt 11 Filmauftritten bedeutete einen weiteren Karriereschub für das Quartett. Unter dem Namen Tante Fröhlich und die Hutzelmännchen nahm die Gruppe im gleichen Zeitraum etwa 20 Kinderlieder für Gnom, die Kinderserie der Plattenfirma Polydor, auf.
Ihren bis dahin größten Erfolg verbuchten die vier Musiker Ende 1950 mit dem Titel Holdrio — liebes Echo. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Gruppe immer wieder volkstümliche Schlager, die neben den modernen, oft leicht satirischen Liedern zu ihrem Markenzeichen wurden. Der Titel Heideröslein befand sich im Sommer 1954 drei Monate auf dem ersten Platz der deutschen Charts. 1955 erhielt das Ensemble eine Goldene Schallplatte für den Gesamtverkauf von über drei Millionen Schallplatten. Es folgten 15 Tourneen durch Deutschland und Europa sowie Auftritte in mehr als 60 Fernsehshows und bei über 200 Rundfunkveranstaltungen. Weitere Top-10-Hits waren Oh Jägersmann (1956) und Solang‘ die Sterne glüh’n (1957). Bis 1970 veröffentlichten Friedel Hensch und die Cyprys rund 15 Langspielplatten und fast 90 Singles.
FriedelHensch03Die Band war in den 1950er Jahren mit Liedern namhafter Komponisten und Texter wie Ernst Bader, Bruno Balz, Walter Brandin, Fini Busch, Kurt Feltz, Heino Gaze, Gerhard Jussenhoven, Kurt Schwabach, Günther Schwenn oder Gerhard Winkler erfolgreich. Daneben erschienen weiterhin eigene Titel von Werner Cyprys, der sich in den 1950er Jahren auch als Komponist und Musikproduzent für andere Interpreten einen Namen machte.
1957 wanderte Kurt Grysok nach Kanada aus und wurde durch Hans-Joachim Kipka ersetzt, der bis 1961 Mitglied der Gruppe blieb. Seither trat das Ensemble nur noch als Trio auf. 1961 nahm die Gruppe mit dem Titel Colombino am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, den Lale Andersen gewann. 1962 landeten Friedel Hensch und die Cyprys mit Mein Ideal, der Antwort auf Charles Aznavours Du läßt dich geh’n, und Der Mond von Wanne-Eickel (Original: Un clair de lune à Maubeuge) ihre letzten Hits. 1963 traten Friedel Hensch und die Cyprys mit dem Titel Ja, beim Bossa-Nova-Ball bei den Deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden auf und belegten damit den vorletzten von 12 Plätzen. Nachdem 1965 ihr letzter Vertrag bei der Polydor ausgelaufen war, veröffentlichten die drei ihre letzten Schallplatten unter dem Telefunken-Label.
Ihren letzten gemeinsamen Auftritt hatte die Gruppe im Oktober 1970 in Wim Thoelkes Fernsehshow Drei mal Neun.
Friedel Hensch wurde auf dem Neuen Niendorfer Friedhof in Hamburg bestattet. (Quelle: wikipedia)

Hier eben die auch im wikipedia Beitrag genannte Single „Mein Ideal“. Diese wurde allerdings nicht mit den Cyprys eingespielt, sondern Friedel Hensch agiert hier als Solistin, begleitet von dem Orchester Rüdiger Piesker.

Und es war eben die Antwort auf jenen Charles Aznavour-Song, der mit seiner unverblümten, biestig-giftigen Attacken auf die Frau damals wohl für Furore gesorgt hat. Nicht minder giftig der deutsche Text dieses Aznavour Chansons freilich mit der Wendung (so wie es sich für deutsche Frauen auch geziemt), dass man den Mann trotz all seiner „Mängel“ halt doch bedingungslos liebe *ggg*

Und die B-Seite mit „Mein Hannes“ ist ebenfalls ein adretter Chanson bei dem die körperlichen Mängel (bis hin zur Schuhgröße 60) des geliebten Mannes im Zentrum der Betrachtungen stehen.

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Friedel Hensch und die Cyrpys (1961)

Besetzung:
Friedel Hensch (vocals)
+
Orchester Rüdiger Piesker

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Leider bietet die Rückseite dieser Hülle keine Werbung für andere Platten

Titel:
01. Mein Ideal (Aznavour/Bader) 3.36
02. Mein Hannes (Arnie/Hee) 3.15

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Helmut Roloff + die Kammermusikvereinigung der Bayreuther Festspiele – Forellenquintett (Franz Schubert) (1962)

FrontCover1Da denkt man sich ernst gar nichts dabei und dann stößt man auf die Biographie eines klassischen Musikers, die einem ganz viel Respekt abverlangt:

Helmut Roloff (* 9. Oktober 1912 in Gießen; † 29. September 2001 in Berlin) war Pianist, Professor und seit 1970 Leitender Direktor an der Hochschule für Musik (HfM) Berlin (heute Universität der Künste Berlin, Fakultät 3).

Sein Vater war der Zeithistoriker Gustav Roloff. Helmut studierte Jura in Leipzig und Gießen und bekam 1935 eine Stelle als Gerichtsreferendar in Butzbach. Allerdings beschloss er dann, sein Hobby zum Beruf zu machen und nahm ein Studium an der Hochschule für Musik Berlin (HfM) bei Richard Rössler als Konzertpianist auf. Er nahm 1938 Privatunterricht bei dem Pianisten Wladimir Horbowski in Berlin.

Durch seine Freunde John Graudenz und Helmut Himpel kam es zur Zusammenarbeit mit der Widerstandsgruppe Rote Kapelle. Von Himpel erhielt Roloff einen Koffer mit Kurzwellensender, den er in der elterlichen Wohnung in Berlin hinter einem Piano versteckte. Am 17. September 1942 fand in der Wohnung eine Hausdurchsuchung statt und der Koffer wurde von der Gestapo gefunden. Obwohl er eindeutig erklären konnte, er habe den Inhalt des Koffers für ein Musikinstrument gehalten, wurde er verhaftet. Zum Verhör wurde er in die Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße gebracht, wo er zwei Wochen mit auf dem Rücken gebundenen Händen im Keller verblieb. Bei seinen Vernehmungen blieb er dabei, nicht gewusst zu haben, was sich in dem Koffer befand und die Gestapo konnte ihm eine Mitwisserschaft, seine Beteiligung an Zettelklebeaktionen sowie seine aktive Zugehörigkeit zu der Roten Kapelle nicht nachweisen. Er wurde in das Militärgefängnis nach Spandau verlegt und am 26. Januar 1943 überraschend aus der Haft entlassen.

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Der junge Helmut Roloff

1945 wurde er an die wiedergegründete HfM berufen, wo er 1950 zum Professor und 1953 zum ordentlichen Professor ernannt wurde.

Ab 1969 war er zunächst stellvertretender und seit 1970 leitender Direktor der HfM. Am 1. April 1978 wurde er emeritiert.1945 wurde er an die wiedergegründete HfM berufen, wo er 1950 zum Professor und 1953 zum ordentlichen Professor ernannt wurde.

Für die „Deutsche Grammophon“ spielte Roloff eine Reihe von Schallplatten ein. Er war zeitlebens als Konzertpianist und Klavierlehrer tätig und starb im Herbst 2001.

Sein Sohn Stefan Roloff begann 1999 mit einer intensiven Auseinandersetzung mit seiner Widerstandsgeschichte. Sein Sohn Johannes Roloff ist ebenfalls Pianist, sein Sohn Ulrich Roloff Flötist. (Quelle: wikipedia)

Bei so einer Biographie hält man dann schon ein wenig inne … und hört vielleicht auch diese Aufnahme mit ein wenig anderen Ohren:

Das Klavierquintett opus post. 114 – D 667 in A-Dur von Franz Schubert ist unter dem Namen Forellenquintett bekannt. Es ist Schuberts einziges Klavierquintett und verlangt die aus heutiger Sicht unübliche Besetzung Pianoforte, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es jedoch durchaus weitere Kompositionen für diese Besetzung, so von Johann Nepomuk Hummel, Ferdinand Ries, Johann Baptist Cramer, George Onslow, Johann Ladislaus Dussek und Franz Limmer (1808–1857).

Schubert begann die Komposition des heiteren Stücks vermutlich im Jahre 1819 während seines ersten Aufenthaltes in Steyr, Österreich und vollendete es in Wien. Als einzige handschriftliche Quelle blieb eine Abschrift in Stimmen von Schuberts Freund Albert Stadler. Aus ihrem Titelblatt geht hervor, dass das Quintett auf Anregung und Wunsch des Steyrer Musikmäzens und Cellisten Silvester Paumgartner entstand und ihm auch gewidmet ist.

Eine erste – offenbar unbeachtete – Publikation erfolgte bereits am 7. Dezember 1820 in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode. Im Jahr nach Schuberts Tod, 1829, veröffentlichte der Wiener Musikverleger Josef Czerny, der das eigenschriftliche Manuskript aus Schuberts Nachlass gekauft hatte, dieses Quintett ebenfalls in Stimmen als op. post. 114. Das Autograph ist bis heute verschollen, doch war es mit ziemlicher Sicherheit Vorlage für Abschrift und Erstausgabe. Vergleicht man Stadlers Stimmen mit denjenigen der Wiener Erstausgabe, so ist aus vielen Details zu erkennen, dass das Autograph in Partitur notiert gewesen sein muss.

Den Beinamen erhielt das Quintett, weil Schubert dem Variationensatz sein Lied Die Forelle als Thema zugrunde legte (nach dem Gedicht von Christian Friedrich Daniel Schubart). (Quelle: wikipedia)

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Alternative Frontcover

Besetzung:
Helmut Roloff (piano)
+
Die Kammermusikvereinigung der Bayreuther Festspiele:
Max Kalki (violin)
Emil Kessinger (viola)
Hermann Schumacher (bass)
Fritz Sommer (cello)

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Titel:
01. Allegro vivace 9.20
02. Andante 7.13
03. Scherzo. Presto 4.16
04. Thema. Andantino – Variazioni I–V – Allegretto 7.56
05. Finale. Allegro giusto  6.47

Komposition: Franz Schubert

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Und wer mehr über diesen Helmut Roloff erfahren will, wäre eigentlich bei diesem engagiertem Projekt gerade richtig … aber diese Info-Seite gibt es niht mehr… die Gründe dafür sind noch einsehbar:

Widerstandskämpfer Helmut Roloff und sein Handeln in der „Roten Kapelle“

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Der alte Helmut Roloff

Franz Konwitschny – Grosse Dirigenten der Vergangenheit (Werke von Brahms, Mozart und Beethoven) (1994)

FrontCover1Seine politischen Ansichten waren mehr als dubios (er trat bereits 1923 der NSDAP bei, da war er gerade mal 22 Jahre alt), sein Status als Stardirigent in der DDR der 50er Jahren war dennoch unumstritten.

Franz Konwitschny (* 14. August 1901 in Fulnek, Nordmähren; † 28. Juli 1962 in Belgrad) war ein deutscher Dirigent.

Konwitschny entstammte einer mährischen Musikerfamilie. Von 1920 bis 1923 nahm er zunächst Geigenunterricht an der Akademie des Musikvereins in Brünn, bevor er von April 1923 bis 1925 Schüler von Hans Bassermann (* 1888) am Konservatorium der Musik in Leipzig wurde. Während dieser Zeit war er aushilfsweise als Geiger und Bratscher im Gewandhausorchester beschäftigt. 1925 wurde Konwitschny als Bratscher Mitglied des 1894 gegründeten Fitzner-Quartetts in Wien;[1] 1927 ging er nach Stuttgart, zunächst als Korrepetitor, ab 1930 als Erster Kapellmeister am Staatstheater. Mit Beginn der Spielzeit 1933/34 wurde er musikalischer Oberleiter des Philharmonischen Orchesters Freiburg in Freiburg im Breisgau, wo er 1934 zum Generalmusikdirektor ernannt wurde. 1938 übernahm er die Position Musikdirektor und musikalischer Leiter der Oper in Frankfurt am Main.

Konwitschny trat am 1. Juli 1923 in Fulnek, Kreis Mährisch-Ostrau erstmals der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer 2.756). Seine damalige politische Überzeugung kam auch in einer Freiburger Fidelio-Aufführung vom 1934 zum Ausdruck, wo er anlässlich von Hitlers Geburtstag SA-Männer und SA-Fahnen auf die Bühne bringen wollte, was aber von der Intendanz untersagt wurde. Andererseits dirigierte er im November desselben Jahres in einem Abonnementskonzert die Sinfonie Mathis der Maler des verfemten Komponisten Paul Hindemith. Zum 1. August 1937 trat Konwitschny erneut in die NSDAP ein (Nr. 5 508.995). Am 16. Oktober 1937 dirigierte Konwitschny bei der Schlusskundgebung der unter dem Motto „Rasse und Kultur“ stehenden 2. Badischen Gaukulturwoche vor der Rede Alfred Rosenbergs den Germanenzug von Bruckner. Im Dezember 1942 war Konwitschny Gastdirigent in der Ghetto-Stadt Łódź, wobei nach der Litzmannstädter Zeitung vom 17. Dezember 1942 der „von stärkster Vitalität getragene Musizierstil“ faszinierte.

Er wirkte auch an der Staatsoper in Hamburg und war in den Kriegsjahren 1943/44 Chefdirigent des Orchesters in Ludwigshafen, der heutigen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

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Franz Konwitschny und Sängerin Margarete Klose bei einem Gastspiel in Moskau (Dezember 1955)

Franz Konwitschny verstarb während einer Konzertreise am 28. Juli 1962 in Belgrad. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

Original Cover

Besonders bekannt wurde Konwitschny als Dirigent der Opern von Richard Wagner und von Konzerten mit Werken von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss, Max Reger und Anton Bruckner.

Sein Sohn Peter Konwitschny (* 1945) ist ein bekannter Opernregisseur. (Quelle: wikipedia)

Fest steht wohl, dass sein Tod in der Stadt Leipzig große Erschütterung ausgelöst hat …

Auf dieser CD sind seine letzten Einspielung zusammengefasst, sie entstanden 1 Monat vor seinem Tod und in der Originalveröffentlichung heißt diese CD dann auch „Die letzte Aufnahme des großen Dirigenten“

Nicht dass ich mich jetzt als wirklich guten Kenner dieser Musik ausweisen könnte: Dennoch eine für meine Ohren absolut überzeugende Aufnahmen, mit einer bestechenden Dynamik und einem z.T. atemberaubenden Klangvolumen. Kurzum: in Genuss, denn auch die Klanqualität ist beeindruckend (die Burschen von Eterna verstanden ihr Handwerk !)

Eine kleine Anekdote noch am Rande:

„Franz Konwitschny, 59, Generalmusikdirektor, Professor, Ehrendoktor, Chefdirigent der Ostberliner Staatsoper Unter den Linden und des Leipziger Gewandhaus – Orchesters, wurde in der Berliner Ausgabe der „Bild“-Zeitung durch ein wohlwollendes Konwitschny-Feuilleton („Er liebt die Musik und eine gute Küche“ – „Wunderknabe Franzl“ – „Papa Konwitschny“) nebst zweispaltigem Konwitschny-Photo geehrt, nachdem der Dirigent in Hamburg gegen „Bild“ Strafanzeige erstattete. „Bild“, das sich einige Wochen vorher mit Konwitschnys Trinkfreudigkeit beschäftigt hatte, ging einem lästigen Prozeß aus dem Wege und brachte nach einer Absprache der Rechtsanwälte die positive Konwitschny -Würdigung.“ (Spiegel 38/1960)

Ach ja, das Brahms Konzert wurde bereits 1962 (vermutlich kurz nach seinem Tode) in der DDR auf Eterna Schallplatten veröffentlicht (siehe unten).

 

FranzKonwitschny

Besetzung:
Gewandhaus-Orchester Leipzig unter der Leitung von Franz Konwitschny

Booklet1

Titel:

Johannes Brahms –  Symphonie No. 1 c-moll:
01. Un poco sostenuto – Allegro  14.00
02. Andante sostenuto 10.37
03. Un poco Allegretto e grazioso 5.12
04. Adagio – Allegro non troppo, ma con brio 18.30

Wolfgang Amadeus Mozart:
05. Adagio und Fuge c-moll KV 546 9.50

Ludwig van Beethoven:
06. Große Fuge B-Dur op. 133 17.34

CD1

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Das Brahms Konzert „Symphonie No. 1 c-moll“ auf Eterna Schallplatten, 1962

Octadon (Werbeplatte) – Eugen Roth als Wunderdoktor + Barcarole (1962)

FrontCover1Wenden wir uns mal wieder den allseits beliebten Werbeplatten der frühen 60er Jahre zu.

Diesmal präsentiert der Pharmakonzern „Thiemann“ (den gibt´s heut´nicht mehr, in seine Fussstapfen ist die „UCB Pharma GmbH“ gestiegen, der eine Tochtergesellschaft des belgische „UCB“ Konzern ist) sein Schmerz- und Fiebermittel „Octadon“ mit Hilfe von Eugen Roth:

Eugen Roth (* 24. Januar 1895 in München; † 28. April 1976 ebenda) war ein deutscher Lyriker und populärer Dichter meist humoristischer Verse. Mit seinen heiter-nachdenklichen „Ein Mensch“-Gedichten und Erzählungen gehört er zu den meistgelesenen Lyrikern im deutschsprachigen Raum.

Eugen Roth war der Sohn des stadtbekannten Münchener Journalisten und Schriftstellers Hermann Roth. Im Münchner Bezirk Maxvorstadt geboren und aufgewachsen, besuchte er zunächst die Luisenschule, ab 1904 das Theresiengymnasium, um nach fünf Jahren Klosterschule in Ettal 1914 am Wittelsbacher-Gymnasium das Abitur zu machen.

Im Ersten Weltkrieg wurde Eugen Roth als Freiwilliger beim bayerischen Reserveinfanterieregiment 16 bereits zu Beginn seines Kriegseinsatzes Ende Oktober 1914 schwer verwundet. Seitdem lehnte er Militär und Krieg grundsätzlich ab.

Er studierte daraufhin an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie und promovierte 1922 bei dem Germanisten Fritz Strich mit der Arbeit „Das Gemeinschaftserlebnis des Göttinger Dichterkreises“ zum Dr. phil. Von 1927 bis zu seiner fristlosen Entlassung durch die Nationalsozialisten im April 1933 war er Lokalredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten.

eugenroth

Eugen Roth

1935 erschien in einem Kleinverlag Ein Mensch, in dem er in heiteren Versen mit überraschenden Reimwörtern Menschen und ihre Schwächen unter die Lupe nahm. Dargestellt werden insbesondere „heikle oder lustige Situationen“. Über Nacht wurde Roth damit zum erfolgreichen Lyriker. Die Auflage von Ein Mensch erreichte 450.000, Die Frau in der Weltgeschichte 240.000 und der Wunderdoktor 230.000 Exemplare. Trotz seiner antimilitaristischen Haltung wurde er im Zweiten Weltkrieg eingezogen und auf Lesereise zur Truppenbetreuung geschickt. Unter dem Titel Ein Mensch lädt Kameraden ein / mit ihm ein Stündchen froh zu sein erschien eine Sonderausgabe für die Wehrmacht.

Nach dem Krieg reflektierte Roth seine Rolle in der NS-Zeit selbstkritisch. Seine Bücher erreichten weiterhin hohe Auflagen. 1948 erschien mit Mensch und Unmensch der zweite und 1964 mit Der letzte Mensch noch ein dritter Band, der „Ein Mensch“-Gedichte enthält. Letzterer spielt mit seiner Kapitelgliederung – Scherz, Satire, Ironie – auf Grabbes Komödie Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung an. Die Erzählung Unter Brüdern (1958) handelt von seinen Söhnen Thomas und Stefan. Roth wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er wurde in der Nähe seines Wohnhauses auf dem Nymphenburger Friedhof in München beigesetzt.

Rolf Flügel hatte schon 1957 in seinem Buch über Eugen Roth festgestellt, Roths Anteil am Ruhm Münchens könne „niemals mehr ausgelöscht werden“.

Der Kritiker Joachim Kaiser stellte 1965 anlässlich des 70. Geburtstags des Dichters in der Wochenzeitung Die Zeit fest: „Aber man braucht ja nicht zu beweisen, dass sich die deutschen Leser mit Eugen Roth identifizieren. Auflagenzahlen gehören zu den wenigen Eindeutigkeiten, die es im Bereich des geistigen Lebens gibt.“ Der französische Schriftsteller und Philosoph Pierre Emmanuel bekräftigte 1975, ebenfalls in der Zeit, Eugen Roths Stellung als „erfolgreichster lebender deutscher Lyriker“.

Unverändert gehört Eugen Roth zu den beliebtesten deutschen Dichtern, wie auch die Hörerumfrage des WDR bewies, auf der die 2013 in 18. Auflage erschienene Anthologie „Die Lieblingsgedichte der Deutschen“ beruht. (Darin ist Roth mit einem „Ein Mensch“-Gedicht vertreten.)

Der dtv-Verlag urteilt: „Eugen Roth ist heute so aktuell wie 1935, als seine berühmten ›Ein Mensch‹-Gedichte zum ersten Mal erschienen sind. […] Seine Werke sind in Millionen von Exemplaren verbreitet.“ (Quelle: wikipedia)

LabelA1.jpgEugen Roth war ja eigentlich ein Querdenker, umso mehr überrascht es, dass er wohl eigenes für diese Werbe-Single Texte zum Thema Gesundheit fabrizierte, die natürlich die Einnahme von Medikamenten ins rechte Licht rückten. Da hat er sich wohl unter Wert verkauft.

Auf der B-Seite der Single hören wir dann die Jacques Offenbach Komposition „Barcarole“ aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ (1881), gespielt von einem unbekanntem Orchester.

Bedauerlicherweise ist die Tonqualität dieser Single eher bescheiden (ja, ja, der Zahn der Zeit). Aus dokumentarischen Zwecken wollte ich sie dennoch hier mal in meine Kuriositäten-Kabinett einreihen.

Ach ja, dieses Medikament ist eine Mischung aus den Wirkstoffen Coffein und Paracentamol (einem seit langen bekannten Wirkstoff gegen leichte bis mittelschwere Schmerzen). Wer mehr wissen will, dem habe ich  eine „Fachinformation“ (Beipackzettel) zu diesem Medikament, das noch heute auf dem Markt ist, beigelegt.

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Titel:
01. Der Wunderdoktor (Roth) 6.11
02. Barcarole (Offenbach) 4.27

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Alfred Andersch – Der Tod des James Dean (1959 + 1962)

FrontCover1Ein Hörspiel von Alfred Andersch ist die Basis für diesen Beitrag, ein wie ich meine, ziemlich spannender Beitrag aus der deutschen Radiogeschichte:

Alfred Andersch (1914-1980) war als Jungkommunist im KZ Dachau interniert. 1944 lief er in Italien zur US-Armee über. Er war Gründungsmitglied der Gruppe 47 und von 1948 bis 1958 Redakteur beim NWDR und beim SWF. Zu seinem umfangreichen Gesamtwerk zählen auch 15 Hörspiele u.a. eben auch „Der Tod des James Dean“:

„Der Tod des James Dean“ ist eine Collage, die vier Jahre nach dem Tod des US-Filmstars (1955) in Deutschland ästhetisch und politisch als geradezu revolutionär empfunden wurde. Der Rundfunk nahm das Lebensgefühl der „protestierenden Jugend Amerikas, der „geschlagenen Generation“, der Beat-Generation zur Kenntnis. Aus Beat ist längst Pop geworden, der Widerstand ist aufgebraucht. Alfred Andersch, der Autor von „Der Tod des James Dean“, setzte die Collage aus einem Bericht des Schriftstellers John Dos Passos über Leben und Sterben des Filmstars, einer Boxkampfreportage und gerade veröffentlichten Gedichten von Allen Ginsberg, E. E. Cummings, Kenneth Patchen und Kenneth Rexroth zusammen. Mit diesen Beat-Autoren war der neue Ton in die amerikanische Literatur gekommen, Andersch fasste das Lebensgefühl einer Nachkriegsgeneration zusammen, die wusste, was sie nicht wollte, den american way of life, aber nicht, wohin sie gehen wollte. Friedhelm Ortmann heißt der Regisseur der Südwestfunk-Produktion, in der der Trompeter Miles Davis eine getragene, untergründig bewegte,zerreißende, aber ziellos aufrührerische Musik spielt, und diese Musik zu hören, ist der eigentliche Genuss.

Alfred Andersch

Alfred Andersch

Gerade das Spiel dieses Musikers verleiht dem „Klassiker“ die Authentizität. Die deutschen Sprecherstimmen von damals erinnnern in ihrem Pathos noch ein wenig an das bedeutungsvolle Deklamieren, wie es die Ufa-Wochenschau und der Reichsrundfunk geprägt hatten, und wie es in beiden deutschen Staaten bis in die sechziger Jahre hinein unbewusst gepflegt worden ist. Der Tod des narzisstischen, revoltierenden Filmstars James Dean, der mit 24 Jahren auf dem Weg zu einem Wettfahren in einem weißen Sportwagen aus Deutschland verunglückte, hat heute schon eine Spur von Komik. James Dean, das Idol jugendlicher Schönheit, das Sinnbild der „Beat“-Epoche, erfährt immer neue Verwertungen. Gerade erscheinen die James-Dean-Filme in der neuesten Technik für zu Hause, der Digitalen Video-Disk (DVD). James Dean, lebte er noch, wäre ein Herr von siebzig Lenzen. Barbara Schäfer ist die Regisseurin des Remakes, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks. Alfred Andersch hatte zur Musik von Miles Davis bemerkt: „Es lassen sich andere Vorschläge diskutieren, falls eine Musik nachgewiesen wird, die die Aufnahmen an makabrer Trostlosigkeit und musikalischer Qualität übertreffen. “ (Detlef Friedrich; Berliner Zeitung, 6.2.2001)

Und dann gab es eine weitere Fassung dieses Hörspiels, diesmal aufgenommen für eine Twen/Philips LP im Jahre 1962. Twen war damals so ne Art sehr fortschriftliche Jugendzeitschrift, die im Laufe der Jahre eine ordentlichen Kollektionen von LP´s mit ihrem Logo auf den Markt brachten. Hier handelt es sich jedoch eher um eine Ausnahme, da die meisten Twen LP´s eben Musik enthielt.

Gerd Westphal, 1964

Gert Westphal, 1964

Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine „noch konsequenter, hörter gehaltenen Neuaufnahme“ Os meint das jedenfalls Hans Rudolf Hilty, der den ausführlichen und sehr informativen Text auf der Hüllen-Rückseite der LP verfasst hat.

Es war ein Gert Westphal, die bei dieser Neuaufnahme Regie führte. Westphal war bis 1959 im Südwestfunk tätig und kannte von daher die erste Version dieses Hörspiels.

Unabhängig  welche der Versionen man nun als „intensiver“ bezeichnen möchte … beiden ist gemein, dass diese Mischung aus Texten und Musik (von Miles Davis, ausgesucht von Hans-Joachim Behrendt, der damaks ebenfalls beim Südwestfunk arbeitete), dass also diese Collagen-Technik eine enorme Wucht entwickelte. Selten habe ich eine so gelungene Symbiose aus Wort und Musik gehört.

Da fragt man sich, warum man von dieser Form nicht viel öffter Gebrauch gemacht hat. Ok, Gert Westphal ist diesen Weg konsequenter gegangen (z.B. mit seiner „Jazz & Lyrik“ Serie, z.T. auch auf Tonträgern veröffentlicht).

Und dann, um das Thema noch abzurunden, gab es 2001 eine weitere Hörspiel-Version unter der Regie mit Barbara Schäfer und nahmhaften Sprechern wie Christian Berkel, Ben Becker, Dieter Landuris, oder Jan Gregor Kremp- Zu gerne hätte ich diese Fassung auch noch dazu gepackt, dann wäre der Werkvergleich komplett gewesen, aber bedauerlicherweise konnte ich noch keinen Mitschnitt auftreiben.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Hier also eine jener spannenden Hörspiel-Produktionen der50er/60r Jahre, die ganz sicher auch bei etlichen Menschen einen prägenden Einfluss hinterlassen hat.

James Dean

James Dean

Besetzung:

LP – Version (1962):
Kurt Beck (Texte von Allen Ginsberg)
Peter Ehrlich (Texte von Robbin Jeffers – Kenneth Patchen)
Wolfgang Reichmann (Texte von E.E. Cummings – Kenneth Faxroth – Delmore Schwarz)
Walter Richter (Texte von Robert Lowry)
René Scheibli (die Stimme des Jungen)
Gert Westphal (Texte von Dos Passos)

Regie: Gert Westphal

Original – Version (1959):
Horst Bergmann (die Stimme des Jungen)
Hanns Bernhardt (Texte von Delmore Schwartz)
Rolf Boysen (Texte von Robert Lowry)
Friedrich von Bülow (Texte von Kenneth Patchen)
Ludwig Cremer (Sprecher)
Herbert Fleischmann (Texte von Robinson Jeffers)
Klaus Kammer (Texte von Allen Ginsberg)
Heinz Schimmelpfennig (Texte von E. E. Cummings)
Hermann Schomberg (Texte von John dos Passos)
Wolfgang Schwarz (Texte von Kenneth Rexroth)

Regie: Friedhelm Ortmann

Miles Davis, 1962

Verwendete Musikstücke:
Evasion de Julien – Au Bar du petit bac – Gènèrique – Sur l´autoroute – Florence sur les Champs-Elyees

Besetzung:
Kenny Clarke (drums) – Miles Davis (trumpet) – Piere Michelot (bass) – Rene Urtreger (piano) – Barney Wilen (saxophone)

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Titel:
01. Der Tod des James Dean (Teil 1 – LP-Version) 20.41
02. Der Tod des James Dean (Teil 2 – LP-Version) 19.40
03. Der Tod des James Dean (Original-Fassung 1959) 47.40

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Verschiedene Interpreten – Märchen aus Russland – Peter und der Wolf + Nussknacker-Suite (1962)

FrontCover1.JPGSeit jeher gab es das pädagogisch emsige Bemühen, Kinder an die klassische Musik hinzuführen, und da war natürlich Prokofjews Werk „Peter und der Wolf“ scheinbar oder auch tatsächlich sehr hilfreich:

Peter und der Wolf op. 67 ist ein Musikmärchen für Kinder von Sergei Prokofjew aus dem Jahre 1936. Ein Hörspielsprecher erzählt das Märchen des Komponisten und ein Sinfonieorchester verklanglicht es mit der Programmmusik des Komponisten. Das Werk hat das Ziel, Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. Heute ist es Prokofjews bekanntestes Werk und weltweit eines der am meisten gespielten Werke klassischer Musik.

Peter, ein kleiner Junge, lebt mit seinem Großvater im ländlichen Russland. Ein langer Winter ist vorbei. Am ersten Frühlingsmorgen öffnet Peter vergnügt das Gartentor und geht hinaus auf die große Wiese vor dem Haus. Dort begrüßt ihn sein kleiner, freudig aufgeregt zwitschernder Freund, der Vogel. Beide setzen sich auf einen Baum und der Vogel zeigt ihm dort den Grund für seine Freude, sein Nest, in dem sechs frisch gelegte Vogeleier liegen. Während Peter und der Vogel sich auf dem Baum vergnügen, ist noch eine Freundin von Peter mit heftigem Frühlingsfieber aufgewacht: eine leicht verwirrte Ente. Die Ente weiß, dass sie im Garten bleiben soll, aber der Winter war auch ihr sehr lang geworden, und sie will so gerne wieder einmal wieder richtig schwimmen. „Na ja, der kühle, blaue Teich ist doch nur ein paar Watschelschritte entfernt“, denkt sich die Ente und watschelt heran. Sie stürzt sich ins Wasser. Als der Vogel die Ente sieht, fliegt er zu ihr und meint hämisch: „Was bist du für ein Vogel, wenn du nicht fliegen kannst?!“

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Da erwidert die Ente: „Und was bist du für ein Vogel, wenn du nicht schwimmen kannst?!“ So gibt ein Wort das andere, bis ein anderes Wesen auf leisen Pfoten durch das Schilf geschlichen kommt: Peters Kater. Er hört den Vogel. „Der Vogel ist damit beschäftigt, sich mit der Ente zu beschäftigen“, denkt der Kater, „wenn ich mich näher heranschleiche, dann kann ich ihn vielleicht erwischen.“ Der Kater stürzt sich auf den Vogel, aber der ist blitzschnell in der Luft. „Na ja, da ist ja auch noch die Ente“, denkt sich der Kater. Aber damit hat er auch nicht mehr Glück. Da kommt Peters Großvater über die Wiese gestampft und schimpft wie ein altes, rostiges Fagott, weil Peter alleine auf der Wiese ist und vergessen hat, das Gartentor zu schließen. Es sei sehr gefährlich auf der Wiese. Der Wald beginnt gleich hinter der Wiese und darin versteckt leben alle möglichen, wilden Tiere. Was wäre, wenn mit einem Male ein böser Wolf aus dem Wald käme und würde Peter fressen? „Du wärst dann in seinem Bauch!“, warnt er seinen Enkel. Mit Nachdruck warnt der Großvater Peter nochmals, dass die Sache mit dem Wolf nicht zum Lachen, sondern eine sehr ernste Sache sei. Aber ein Junge wie Peter hat keine Angst vor Wölfen. Der Großvater nimmt den Jungen, schließt das Gartentor und kommt mit Peter wieder ins Haus.

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Ganz plötzlich wird es auf der Wiese sehr still. Und dann, kaum hörbar, raschelt es im Laub am Ende der Wiese unter ein paar Bäumen, die am Rande des tiefen dunklen Waldes stehen. Der Wolf wittert die Ente. Er hört die Ente. Als erster sieht der Kater den Wolf. Dann sieht auch der Vogel den Wolf und versucht die Ente zu warnen. Aber es ist zu spät! Der Wolf packt die Ente und schluckt sie herunter.

Nun beginnt Peters großes Abenteuer.

Der Kater sitzt auf einem Ast, der Vogel auf einem anderen. Inzwischen läuft der Wolf um den Baum herum und beäugt den Kater und den Vogel mit gierigem Blick. Die Ente ist offenbar nur die Vorspeise gewesen. Peter ist wachsam und tapfer: „Ich muss etwas unternehmen“, denkt er sich und will den Wolf überlisten: Er holt ein Seil und klettert über die Gartenmauer und rennt schnell über die Wiese. Er muss den Wolf ablenken. Dann klettert er zu seinem Kater und den Vogel in den Baum hinauf. „Nun sei doch nicht so ein Angsthase“, mahnt Peter seinen Kater. Er trägt dem Vogel auf, dem Wolf um den Kopf herumzufliegen, um ihn abzulenken. Sein Freund, der Vogel, macht dies, und das ärgert den Wolf sehr, denn er kann den Vogel nicht fangen. Nun schickt Peter seinen Kater mit einer Seilschlinge hinab, mit der sie den Wolf am Schwanz fängt. Peter fängt den Wolf, indem er sich am anderen Ende des Seils vom Baum lässt und den Wolf in der Seilschlinge an den Baum hängt. Der Wolf ist in die Falle getappt! Das ärgert ihn noch viel mehr.

Da kommen die Jäger aus dem Wald und schießen auf den Wolf. Doch das will Peter nicht! Er hat eine viel bessere Idee: Der Wolf wird in den Zoo gebracht. Alle gehen hintereinander her: Peter, sein Großvater, sein Kater, die Jäger und eingesperrt der böse Wolf. Am Schluss hört man noch die Ente im Bauch des Wolfs quaken, „denn der Wolf hatte sie in der Eile lebendig hinuntergeschluckt.“

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Sergei Prokofjew

Sergei Prokofjew schrieb das Libretto für einen Hörspielsprecher, der das Märchen von Peter und der Wolf erzählend vorträgt.

Verschiedene Deutungen der Komposition reichen von einer „naiven Geschichte“ über das erfolgreiche Aufbegehren (Peter) gegen das Establishment (Großvater, Eltern, Partei?) bis zur Parabel über die junge Sowjetunion und das gierige kapitalistische Europa und Hitler-Deutschland. (Quelle: wikipedia)

Hier hören wir nun eine feine Version mit Mathias Wieman als Sprecher:

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Mathias Wieman

Mathias Carl Heinrich Franz Wieman (* 23. Juni 1902 in Osnabrück; † 3. Dezember 1969 in Zürich) war ein deutscher Theater- und Filmschauspieler. Seine Rolle im II: REich war nicht so ganz glücklich …

Wieman war übrigens in den 1960er Jahren auch ein begehrter Werbesprecher, so unter anderem für die Weinbrandmarke Asbach Uralt: „Wenn einem so viel Gutes widerfährt …“

Nun gut …

Auf der Seite finden sich dann Auszüge aus der „Nussknacker-Suite“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski.  Dieses Werk aus dem Jahr 1892 wurde eigentlich ls Balletmusik komponiert… Der direkte Bezug für Kinder erschließt sich als nicht unmittelbar … da müssen Eltern schon pädagogisch gewaltig nachhelfen.

Vielleicht hilft da diese Inhaltsangabe:

„Im Mittelpunkt des Balletts steht Clara, im russischen Original Mascha. Sie bekommt am Weihnachtsabend von ihrem Patenonkel Droßelmeier einen Nussknacker geschenkt. In der Nacht träumt sie von einer Schlacht der vom Nussknacker angeführten Spielzeugsoldaten gegen das Heer des Mäusekönigs. Mit ihrer Hilfe siegt der Nussknacker, der sich danach in einen Prinzen verwandelt und mit ihr in das Reich der Süßigkeiten reist. Dabei geht es über den Tannenwald zum Schloss Zuckerburg, wo die dort residierende Zuckerfee zu Ehren ihrer Gäste ein Fest veranstaltet. Zuletzt erwacht Clara aus ihrem Traum.“ (Quelle: wikipedia)

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Übrigens der Marsch aus dieser Suite dürfte Kennern der Rockmusik bekannt sein, Es gibt da auch eine furiose Fassung von Emerson, Lake & Palmer …

Leider ist die akustische Qualität hier zumindest zu Beginn der Suite akustisch grenzwertig, aber … dennoch kann auch diese Suite dazu dienen, sich mal mit diesem Orchesterwerk zu beschäftigen.

Vielleicht komme ich da später mal darauf zurück, denn allein schon der „Blumenwalzer“ ist atemberaubend !

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Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Besetzung:

Peter und der Wolf:
Mathias Wieman (Sprecher)
+
Orchestre National de la Radiodiffusion-Télévision Française, Paris unter der Leitung von Lorin Maazel

„Die Nussknacker“ Suite:
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Ferdinand Leitner

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Titel:

Sergei Prokofjew:
01. Peter und der Wolf Op. 67 – Ein Musikalisches Märchen 27.10

Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Suite aus dem Ballett „Der Nussknacker“ Op. 71a I:
02. Ouverture miniature 3.22

Danses charactéristiques (Charaktertänze):
03. Marche (Marsch) 2.27
04. Danse de la Fée-Dragée (Tanz der Zuckerfee) 1.51
05. Danse russe: Trepak (Russischer Tanz) 1.06
06. Danse arabe (Arabischer Tanz) 3.19
07. Danse chinoise (Chinesischer Tanz) 1.08
08. Danse des mirlitons (Pfeifertanz) 2.26

09. Valse des fleurs (Blumenwalzer) 6.47

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