Forstinninger Volksmusi(k) – Bairisches Saitenspiel (1975)

FrontCover1Unverfälschte Klänge aus der bayerischen Heimat – das boten die Musiker der „Forstinninger Volksmusi“.

Und geadelt wurden sie durch die erläuternden Texte von Herbert Schneider, der damals ein Münchner Lokalmatador in Sachen Heimatpflege war:

„Vor oder hinter dem großen Wald, je nachdem von wo man herkommt, ist die Forstinninger Volksmusi daheim. Schon seit 12 Jahren spielen die Fünf ihr Baierisches Saitenspiel und sind in dieser Zeit einer breiten Öffentlichkeit durch eine Reihe gelungener Veranstaltungen sowie durch Volksmusiksendungen im Bayerischen Rundfunk bekanntgeworden.

Leiter der Gruppe ist von Anfang an Karl Gleixner, der das Hackbrett spielt und viele der Stückl selbergestrickt hat.

Die besondere Note der Forstinninger Volksmusi bringt die im Kreis der Stubenmusi seltene Harfe. Die Titel der Stücke fußen im engeren und weiteren Heimatbereich. „An Groaßer Martl da sei“ zum Beispiel ist einem Wildschützen gewidmet, der zwischen den beiden Kriegen im Ebersberger Forst erschossen worden ist.

Und so haben die Forstinninger nach einem Dutzend Jahren getreuen und fleißigen Musizierens jetzt endlich ihre eigene Platte bekommen. Möge sie den Kennern und Liebhabern mit ihrem Bairischen Saitenspiel Freude bringen und anderen Ohrwaschlsotzern ein einwendiges Türl aufmachen für die unsrige Weis.“

Freilich konnte der Gleixner Karl von der Musik nicht leben. Hauptberuflich war er Schreinermeister und zudem über viele, viele Jahre im Gemeinderat von Forstinning aktiv.

Gestorben ist er dann im Jahre 2012 … und obwohl er sich ganz sicher um Volksmusik und Brauchtum in seiner Heimatgemeinde verdient gemacht hat … viel Informationen über ihn sind nicht mehr zu finden … Eigentlich schade …

Todesanzeige1

Wohlan: wie angfang geschrieben: unverfälschte Volksmusik …

Todesanzeige2

Besetzung:
Karl Gleixner (dulcimer)
Vroni Gleixner (harp)
Fred Grollke (zither)
Franz Hämmerle (bass)
Hans Rader (guitar)

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Titel:
01. Hildei Polka (K.Gleixner)  2.06
02. Durnholzer Landler (Grollke) 2.23
03. Hallstädter Hochzeitsmarsch (Traditional) 2.21
04. Obexer Boarisch (K.Gleixner) 2.00
05. Menuett in G-Dur (Traditional) 1.54
06. Da Schwarzbrennde (Rader) 2.22
07. Schuxn-Kücherl Bayerisch (K.Gleixner) 2.04
08. An Groaßa Martl da sei (K-Gleixner) 2.17
09. Vroni Landler (K.Gleixner) 2.19
10. Falkenberg Boarisch (Rader) 2.51
11. Cäcillien Menuett (Grollke) 2.19
12. Pinzgauer Wickler (Traditional) 1.58
13. Menuett aus Arbesbach (Traditional) 1.41
14. Oiwei hängt´s net auf oa Seit´n (K.Gleixner) 1.56

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Hitzelsberger

Auch der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzelsberger ist ein Bürger der Gemeinde Forstinning im Landkreis Ebersberg

 

Klosterbrüder & Stern Combo Meißen – Fusion (unveröffentliche Live- und Studioaufnahmen) (1975)

Front+BackCover1Jetzt weiss ich gar nicht, wie ich beginnen soll … denn was ich hier nun präsentieren kann, verdanke ich diversen glücklichen Umständen.

Da gibt es zum einen regelmäßigen Leser dieses blogs, der – das sag ich jetzt einfach mal so – eine durchaus exquisiten musikalischen Geschmack hat … und just dieser Leser hatte wiederum eigene Kontakte … und da kam die Idee auf, diese Aufnahmen auch mal zu präsentieren … und da gab es wohl ein paar Gespräche/Verhandlungen im Hintergrund (so sag ich das jetzt mal) … aber dann flatterte mir ein Mega-Päckchen ins Haus … das sehr viel mit Stern Combo Meißen aber auch mit den Klosterbrüdern zu tun hat.

Das Päckchen war so groß, dass ich es splitten musste und auch wollte, angesichts unterschiedlicher Zeitperioden, die in dem Päckchen musikalisch dokumentiert waren.

Ich fange jetzt einfach mal bisher unveröffentlichten Liveaufnahmen von jener „Fusion“ Tournee an, die beide Bands im Jahr 1975 – quasi als Experiement – gewagt haben.

Wir hören einerseits Livemitschnitte von dieser Tournee, z.B. den Prog-Rock Epos „Gedanken an Fusion“ (Zitat: „Amateurmitschnitt (ORWO-Kassette) live 6. Juli 1975 in Luckenwalde“; für einen Amateurmitschnitt ist diese Aufnahme geradezu prachtvoll !) , aber auch eine feine Interpretation des Atomic Rooster Songs „Breakthrough“ (von deren 3. Album „In Hearing Of“ aus dem Jahr 1971)

Klosterbrüder1

Und die Stern Combo Meißen brillieren (anders kann ich es nicht ausdrücken) mit ihrer Modest Mussorgksy Adaption von „Eine Nacht auf dem kahler Berg“. Diese Aufnahme und die anderen Live-Aufnahmen stammen aus der Stadthalle Magedeburg, aufgezeichnet für die Radiosendung „Zündfunk“).

Die Interviews wurden für die Radiosendung „Beatkiste“ geführt … Und hier wird deutlich, dass beide Bands sich gerade im Umbruch befanden … der experiemntelle und progressivde Ansatz beider Bands war wohl auch manchen sehr suspekt.

Wie auch immer: hier  können wir so viel vielfältiges studieren … all die selbstbewußten Ansätze, progressive Rockmusik in der DDr sloonfähig zu machen, all die ungläubigen Moderationen …  das nenn ich ne kleine Sensation für diesen blog … !

Stern Combo Meißen1

Stern Combo Meißen … dürfen zumindest einigen bekannt sein .. .wenn nicht … Asche auf das Haupt bzw. später mehr …

Und wem der Namen Klosterbrüder nichts sagt … hier ein paar Infos:

Klosterbrüder ist der Name einer 1963 oder 1967 gegründeten Rockband, die vor allem wegen ihrer Live-Auftritte in der DDR als Geheimtipp gehandelt wurde und als eine der „härtesten“ DDR-Rockgruppen galt. Seit 2000 tritt die Band wieder unter diesem Namen auf.

Nachdem sich die 1963 gegründeten Big Town Boys aufgelöst hatten und in den Sputniks und den Klosterbrüdern aufgegangen waren, entwickelten sich die Klosterbrüder schnell zu einer der härtesten Rockbands der DDR. Musikalisch orientierte sich die Amateurband an Colosseum und Jethro Tull und erlangte vor allem wegen ihrer spektakulären Liveauftritte sehr bald große Beliebtheit. Nach einigen Umbesetzungen präsentierte sich die Band ab 1969 in folgender Besetzung:

Dietrich Kessler (Tenorsaxophon, Querflöte)
Detlev Kessler (Schlagzeug)
Hans-Joachim Kneis (Gesang, Orgel, Klavier)
Klaus Weigert (E-Bass)
Lothar Kramer (Orgel, Klavier)
Jörg Blankenburg (Gitarre)

Klosterbrüder2Erste Rundfunkaufnahmen schlossen sich 1970 an und mit ihren Titeln Fieber und Lied einer alten Stadt, das zum Rundfunkhit avancierte, schafften sie es sogar in das DDR-Fernsehen. Nachdem die Bandmitglieder ein Studium an der Musikhochschule in Weimar aufgenommen hatten, wechselte die Band Anfang der 1970er Jahre in das Profilager. Insbesondere wegen ihres kirchennahen Bandnamens und ihrer Bühnenshow gerieten sie immer wieder in das Visier der DDR-Behörden. Unter dem wachsenden Druck kam es im Sommer 1975 nach einer gemeinsamen Tour mit der Stern-Combo Meißen zu Spannungen innerhalb der Band. Lothar Kramer blieb bei der Stern-Combo Meißen und Jörg Blankenburg gründete Reform. Daraufhin formierte Dietrich Kessler, der seit 1972 musikalischer Leiter der Band war, aus den verbleibenden Musikern Ende 1975 die Band Magdeburg.

1992 startete die Band unter dem Namen Magdeburg ihr Comeback. Seit dem 14. Januar 2000, als die Band gemeinsam mit Reform und dem Rock’n’Roll Orchester Magdeburg im Magdeburger Hotel Maritim auftrat, ist sie unter ihrem alten Bandnamen, Klosterbrüder, erfolgreich in Ostdeutschland unterwegs. Jörg Blankenburg ist außerdem Sporttrainer. (Quelle: wikipedia)

Und dann gibt es noch zu berichten, dass beide Bands im Jahr 2012 nochmals gemeinsam auf Tournee gingen … und dabei auch das Material von 1975 spielten … das zeigt ja, wie bedeutsam diese Tournee war, wenngleich sie wohl auch etliche Narben hinterlassen hat.

Und das beste kommt noch: damit ist noch lange nicht genug … weiteres, megarares Material schlummert noch in den Archiven, dass ich diese Sachen hier demnächst präsentieren darf/kann … macht mich ein wenig verlegen, aber auch stolz …

Stern Combo Meißen2

Besetzung:
wird nachgereicht … muss da erst noch weiter recherchieren, denn die Geschichte beider Bands ist doch ein wenig verwirrend …

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Titel:

Klosterbrüder:

Gedanken an Fusion:
01. Tendenz 8.35
02. Rezitation/Crescendo/Konsens/Auftakt/Rezitation/Ruf/Aktion/Hymne/Ausblick 15.29

03. Interview mit Dietrich Kessler (Klosterbrüder) (wahrscheinlich vom Zündfunk) 2.36
04. Breakthrough (Crane/Darnell) 3.17
05. Kommentar Beatkiste + Ausblicke (Auszug) 1.41

Stern Combo Meißen:
06. Eine Nacht auf dem kahler Berg (Mussorgsky) 16.37

07. Kommentar Beatkiste (mit Zitaten aus dem Konzertflyer 1975) 0.44

Klosterbrüder:
08. In The Ghetto (Whitfield) 12.22

Stern Combo Meißen:
09. Eine Nacht auf dem kahler Berg (Mussorgsky) 12.23

10. Absage 0.15

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EIN HERZLICHES DANKESCHÖN FÜR DIESE LEIHGABE !!!

 

Verschiedene Interpreten – Hameln – Musikalischer Streifzug durch eine alte Stadt (1975)

FrontCover1Wer auch immer folgenden Text auf der Rückseite dieser „Städte“ – LP geschrieben hatte, er hatte wohl ne kleine prophetische Ader, denn da gibt es folgendes zu lesen:

„Der Wert dieser Schallplatte könnte durchaus mit den Jahren wachsen: Heute und morgen ist sie aktuell, in 10 oder 30 Jahren wird sie noch immer Freude und Erinnerung sein – und vielleicht hier und da ein vergnügtes Schumunzeln auslösen“.

Vor allem letztes ist wohl der Fall, wenn man diesen heimatlichen Klängen lauscht.

Die Idee zu dieser Schallplatte hatte damals die Volksbank Hamel („Idee – Organisation – Durchführung – Verantwortlich für den Inhalt: Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Volksbank Hameln“)

Das Konzept wird auch erläutert:

„Dies ist ein musikalischer Streifzug durch eine alte Stadt, eine Momentaufnahme des Hamelner Musiklebens 1975 mit Darbietunen heimischer Chöre, Orchester und Solisten.
Eingeleitet und umrahmt von Themen und Traditionen erinnern – aber auch durchwirkt von Klängen der Gegenwart.“

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Mit „Klängen der Gegenwart“ ist sicherlich die „Jazz-Rock-Gruppe Catalysator“ gemeint … aber genau dieser Beitrag ist alles andere als ne Werbung für die Stadt Hameln. Eine derartig schaurig-schlechte Fassung von „After Midnigjt“ (J.J.Cale) habe ich ja noch nie gehört.

Da sind die anderen traditonellen Volksweisen und Melodien und klassische Kompositionen geradezu ne Wohltat. Und wenn dann der Kantor S. Steche an der Beckenrath-Orgel der Hamelner Marktkirche aufspielt, dann wird´s richig gut. Und glaubt eine „Bagetelle“ sei eine musikalische Bagatelle, der kann sich hier vom Gegenteil überzeugen … ziemlich rasant diese Version !

Wie vermutlich inzwischen hinreichend bekannt, habe ich einen Faible für sog. Amateurmusik und wer sich daran auch erfreuen kann, ist hier mit Ausnahme von „After Midnight“ gut bedient.

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Natürlich ist dies auch eine Werbeplatte für die Volksbank Hameln aber eine Werbeplatte, die zumindest auf Träller-Songs für die Bank verzichtet, sondern eben heimische Kapellen und Chöre in den Vordergrund stellt. Und: Diese Schallplatte soll natürlich auch Appetit auf die Stadt Hameln machen und deshalb habe ich eine kleine Kurzgeschichte der Stadt Hameln von Jörg Meyer als pdf Datei beigelegt.

Und: In der Tat: Reizen würde es mich schon ungemein, ein paar Tage in dieser geschichtsträchtigen Stadt (und das nicht wegen dem berühmt-berüchtigem Rattenfänger) zu verweilen !

LithographieLithografie von 1902: „Gruss aus Hameln“

Titel:
01. Musikförderklassen 8 des Viktoria-Luise Gymnasiums: Hamelner Glockenspiel + Alte Weserstadt (Langehein/Fließ) 3.43
02. Kantor S. Steche: Präludium G-Dur (Bach) 2.54
03. Kantorei Hameln: Nachtwache (Brahms) 1.28
04. Hebisch-Quartett: Opus 64 Nr. 4 „Allegro con brio“ (Haydn) 3.24
05. Singgemeinschaft Hameln-Wangelist + MGV Wertheim 01: Drei schöne Dinge (Friderici) 2.17
06. Bläserensemble U. Heimann: Ayre (Adson) 1.27
07. Neues Hamelner Orchester: Deutscher Tanz Nr. 2 (Schubert) 2.22
08. Singkreis Holtensen-Kl. Berkel: Nobody Knows (Traditional) 2.40
09. Orchester des Viktoria-Luise Gymnasium + Bläsergruppe des Schiller Gymnasiums: Fancy (Zehm) 3.18
10. Catalysator: After Midnight (Cale) 2.28
11. MGV Eintracht von 1846: Irisches Volkslied aus dem 16. Jahrhundert (Traditional) 1.48
12. S.Sacher: Lockruf des Rattenfängers (Langehein) 0.46
13. MGV Wertheim 01: Der Rattenfänger (Lissmann/Goethe) 2.38
14. Blockflötengruppe der Musikschule Hameln: Drei kleine Spielstücke (Anonymus) 2.28
15. MGV v. 1848: Hier geit der Weg na´n Kiewitt (Winkelhake) 2.23
16. Bläsergruppe des Schiller-Gymnasiums: Böhmischer Tanz (Werdin) 0.48
17. Hamelner Singkreis: Lütt Anna Susanna (Volkslied aus Niedersachsen) 3.18
18. MGV Liedertafel v. 1837: An der Grenze (Volkslied/Bresgen) 1.29
19. Musikzug der Freiwill. Feuerwehr Hameln-Tündern: Ja, ja, die Liebe (Fihn) 2.45
20. Gemischter Heimatchor + MGV Viktoria v. 1892: Am Himmel glänzen 1000 Sterne (Volkslied) 2.03
21. Chorgemeinschaft MGV Eintracht v. 1846 + MGV + Frauenchor Amelgatzen + Gem. Chor Hameln-Rohrsen: Gefangenenchor (Verdi) 2.54
22. Orchestervereinigung Hameln e.V. von 1911: Bagatelle (Rixner) 3.38
23. MGV Felicitas Afferde: Deutsches Lied in Ewigkeit (Hückinghaus) 2.04
24. Jagdhornbläsergruppe Hameln-Pyrmont: Echofanfare (Stief) 2.09

LabelHameln

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Tangerine Dream – Rubycon (1975)

FrontCover1Tangerine Dream waren ein Exportschlager der deutschen Musikszene (und zwar nicht nur in den 70er Jahren). Man mag die Musik von Tangerine Dream „Krautrock“ nennen oder aber auch „Kosmische Musik“ … unabhängig von diesen Schubladen: sie waren schon ein wenig einzigartig. Und dass sie bei dem damaligen Kultlabel „Virgin“ anheuern konnten, erhöhte natürlich ihren ganz besonderen Status.
„Rubycon“ ist wie „Phaedra“ ein Album, das den Übergang von der „Kosmischen Musik“ der frühen TD Jahre hin zur Sequencer-betonten Musik der mittleren und späten Siebziger markiert. Auf „Rubycon“ werden beide Komponenten meisterhaft vereinigt, von der langen, rhythmus- und melodiefreien Einleitung, in der freie Geräusche allmählich von mächtigen Einsätzen des Mellotrons verdrängt werden, über einen Sequencer-dominierten Teil, bis zum wieder freien Schlussteil, der vor allem bei „Rubycon – Part Two“ sehr ausgeprägt ist. (Jochen Rindfrey)

„Rubycon“ ist wie „Phaedra“ ein Zwitter aus der experimentellen Frühphase und der sequenzerlastigen Zeit Mitte der 70er, jedoch schon etwas weiter Richtung letzterem orientiert. Da Chris Franke mittlerweile im Umgang mit dem Moog Synthie geübter geworden war, wird er auch häufiger eingesetzt als auf dem Vorgänger, was die Klanglandschaften insgesamt strukturierter erscheinen läßt. Der Eindruck der Einheitlichkeit kommt natürlich auch daher, daß es sich hier nur noch um zwei, noch dazu gleichlautende, Stücke handelt. Die nach wie vor vorhandenen Freiformteile wirken reifer und durchdachter als beim Vorgänger. Man bekommt Gongs, Gitarren und rückwärts aufgenommene E-Pianos zu hören. Das Tangerine Dream reifer geworden sind, belegt auch eine Chorstelle, die sie sich bei György Ligeti abgeschaut haben (vergleiche dazu den Soundtrack zu „2001“). Eines der besten, wenn nicht sogar DAS beste Tangerine Dream-Album. (Thomas Schüßler)

MC

„Die Leute denken, wir machen die Musik. Das ist nicht richtig. Der Zuhörer macht die Musik in seinem eigenen Kopf, wenn er uns zuhört.“

Das obige Zitat von Edgar Froese ist zwar relativ allgemeingültig, da wir alle Musik unterschiedlich aufnehmen, doch ist bei den Elektroklängen die Tangerine Dream und Kollegen in den Mitsiebzigern gemacht haben die persönliche Interpretationsfreiheit vielleicht etwas größer und lässt mehr Spielraum für individuelle Gedankenflüge. Das erklärt vielleicht auch die konträre Rezeption der Musik der Berliner. Für die einen sind die Klangemälde der Tangs spannende Soundreisen, weihevolle Klangmysterien oder mächtige und erhabenen Tongebilde, die die Phantasie anregen und ein ehrfürchtiges Zuhören garantieren. Bei anderen Hörern lösen die formlosen Klangschöpfungen und repetitiven Sequenzermuster aufgrund ihrer – im Vergleich zu „normaler“ Rockmusik – Andersartigkeit Unverständnis oder gar Aversionen aus. Für wieder andere sind sie nur Begleitmusik für träges Dahindämmern, eine Art erhabene Hintergrundbeschallung oder Wegdösmusik.

„Rubycon“, das zweite Album von Tangerine Dream für Virgin, bietet zwei lange Soundgemälde, die einerseits aus freien Konstruktionen verschiedener elektronischer Klangquellen (Mellotron, E-Gitarre, Orgel, präpariertes Klavier, etwas Perkussion und eine Ladung Synthesizer) bestehen, andererseits aus von repetitiven Sequenzerschleifen rhythmisch geformten Abschnitten, die wiederum mit dem Wabern, Zischen, Wogen und Dröhnen derselben elektronischen Klangquellen unterlegt sind.

Was diese Musik mit dem Rubikon zu tun hat, den Gaius Julius Ceasar im Januar 49 v. Chr. überschritt und damit den römischen Bürgerkrieg auslöste, ist mir nicht ganz klar. Oder soll die Musik diese Geschehnisse darstellen? Vermutlich wurde der Name aber einfach deshalb gewählt, weil er so gut und geheimnisvoll klingt.

Sehr erhaben und sphärisch sind diese Klänge, einige Mellotronchorpassagen in „Part Two“ erinnern – Kollege Thomas hat es weiter oben schon erwähnt – an die formlosen Chorwerke eines Györgi Ligeti („Lux Aeterna“) und alles in allem kann man dem Ganzen eine gewisse hypnotische Kraft nicht absprechen. Mitunter ist es allerdings etwas schwierig diese Musik zu hören, ohne das das Verlangen aufkommt, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Trotzdem, „Rubycon“ ist ein Standardwerk der Berliner Schule. Wer sich für elektronische Musik interessiert, sollte die Platte (oder den Vorgänger „Phaedra“, den ich aber im direkten Vergleich als etwas unausgewogener empfinde) kennen. Leute, die einmal herausfinden möchten, ob ihnen solche „Zukunftsmusik“ (so die Süddeutsche Zeitung damals) gefällt, können hier auch zugreifen! (Achim Breiling)

TangerineDreamLive1975

Besetzung:
Peter Baumann (keyboards, synthesizer)
Chris Franke (organ, synthesizer)
Edgar Froese (guitar, mellotron, synthesizer)

Booklet

Titel:
01. Rubycon, Part I (Baumann/Franke/Froese) 17.18
02. Rubycon, Part II (Baumann/Franke/Froese) 17.35

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Veronika Fischer & Band – Veronika Fischer & Band (1975)

FrontCover1In der DDR war sie eine der populärsten Sängerinnen …:

Veronika Fischer begann 1968 ein Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule Carl Maria von Weber. Nebenbei war sie bereits bei verschiedenen Bands aktiv, z.B. bei der Fred-Herfter-Combo und der Stern-Combo Meißen. Im Jahre 1971 wurde sie Mitglied und eine der prägenden Musiker bei der Gruppe Panta Rhei, bei der sie u.a. zusammen mit Herbert Dreilich, Ed Swillms, Henning Protzmann (alle drei später bei KARAT aktiv und erfolgreich) und Frank Hille (später in ihrer Begleitband) spielte. Im Jahre 1973 erschien die erste Langspielplatte der Gruppe Panta Rhei, die auch „Panta Rhei“ hieß. Im gleichen Jahr schloss Veronika Fischer ihr Musikstudium mit dem Staatsexamen als Solistin für Chanson und Musical ab. Danach stieg sie bei Panta Rhei aus um ein eigenes Projekt zu starten.

Bereits 1974 gründete sie ihre eigene Gruppe, „Veronika Fischer & Band“. In dieser Band spielte neben Frank Hille, der mit ihr von Panta Rhei kam, auch Franz Bartzsch, der für die meisten Kompositionen und Arrangements verantwortlich war. Die erste LP von Veronika Fischer & Band erschien im Jahre 1975.
011 20130419 1731831337Bis 1980 veröffentlichte die Künstlerin insgesamt vier Alben, die sich mehr als 1,5 Millionen Mal verkauften. Veronika Fischer wurde zur erfolgreichsten Interpretin der DDR.

Nachdem bereits ihr Bandkollege und Komponist Franz Bartzsch und auch ihr Ehemann die DDR verlassen hatten, verließ sie 1981 ebenfalls das Land und siedelte nach West-Berlin über. Sie fand im Westen direkt Anschluss und bei der WEA, die noch im gleichen Jahr das Album „Staunen“ mit ihr veröffentlichte, eine Plattenfirma. Im Jahre 1983 erschien ihre 2. LP im Westen mit dem Titel „Unendlich weit“, und sie nahm an der deutschen Vorentscheidung zum Grandprix teil. Ihr Titel „Unendlich weit“ landete lediglich auf dem vorletzten Platz. Überhaupt konnte Veronika Fischer im Westen nicht an die Erfolge im Osten anknüpfen. Bis zur Wende veröffentlichte sie insgesamt fünf Alben.

VeronikaFischerBand

Nach der Wende gab sie erfolgreich wieder Konzerte in ganz Deutschland. Weitere Alben erschienen, und sogar ein Kinder-Musical („Das Kind und der Kater“) entstand.
Von 2007 bis 2009 war sie ein Programmteil bei den Tourneen des Projekts „Ostock in Klassik“, mit dem sie durch das gesamte Bundesgebiet tourte.
Im Herbst 2008 erschien mit „Unterwegs zu mir“ ihr bereits 20. Studioalbum!

Zu ihrem 40. Bühnenjubiläum im Jahre 2011 veröffentlichte die Künstlerin das Album „Zeitreise“, das bei Koch/Universal erschien und neben neu produzierten Klassikern auch ganz neue Songs beinhaltet. Die für das Frühjahr 2012 geplante Tour zum Album fiel leider aus nicht näher erläuterten Gründen ersatzlos aus. Dafür erfreute die Sängerin ihre Fans im März 2013 mit ihrer Biographie „Das Lügenlied vom Glück“, das pünktlich zur Leipziger Buchmesse im Heyne Verlag erschien…

Veronika Fischer gibt nach wie vor sehr gut besuchte Konzerte und macht auch musikalische Lesungen. Über all die Jahre ihrer Karriere hat sie sich eine große und treue Fangemeinde erspielt. Die Erfolgs-Geschichte geht weiter… (Quelle: Deutsche Mugge)

Und hier ihr erstes Solo-Album und das geht gleich mit dem knackigen „Und wer bist Du“ los. Es folgen dann Songs, die textlich z.T. sehr bewegend sind („Blues von der letzten Gelegenheit“) und musikalisch ist Vielfalt angesagt … Ein beeindruckendes Debütalbum !

Und Veronika Fischer gibt in einem ausführlichem Interview im Jahr 2007 auch Auskunft über ihren musikalischen Werdegang … kann man bei dieser Präsentation dann auch noch lesen.

Singles

Single – Auskoppelungen

Besetzung:
Franz Bartzsch (keyboards, vocals)
Veronika Fischer (vocals)
Frank Hille (drums, percussion, vocals)
Eckhard Kremer (bass)
Eberhard Struch (guitar)
+
Johannes Biebl (guitar)
Peter Schlesinger (guitar)

OriginalBackCover

Titel:
01. Und wer bist du (Bartzsch/Demmler) 3.23
02. Blues von der letzten Gelegenheit (Bartzsch/Demmler) 3.49
03. Auf der Wiese (Bartzsch/Wegner) 3.54
04. In jener Nacht (Fischer/Bartzsch/Branoner) 3.16
05. Die Liebe ist gegangen (Bartzsch/Kremer/Demmler) 4.02
06. Hänschengroß (Bartzsch/Demmler) 4.15
07. Klavier im Fluß (Veronika Fischer & Band/Branoner) 3.18
08. Zu Groß der Hut (Bartzsch/Branoner) 4.22
09. Das ich eine Schneeflocke wär (Bartzsch/Demmler) 3.19
10. Halt an (Bartzsch/Demmler) 4.20
11. Guten Tag (Bartzsch/Demmler) 3.00

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Inga Rumpf – Second-Hand Mädchen (1975)

IngaRumpfSecondHandMädchenFCWieder einmal ne Zeitreise:
Inga Rumpf wurde als Tochter eines Hamburger Seemanns und einer ostpreußischen Schneiderin im Hamburger Stadtteil St. Georg geboren. Anfang der 1960er Jahre machte sie ihre ersten Auftritte mit verschiedenen Bluesbands im Jugendheim von St. Pauli. 1965 wurde sie die Sängerin der Folkrock-Gruppe The City Preachers, in der zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte. 1968 nahm sie als Solointerpretin mit dem Titel Schade um die Tränen am ersten Deutschen Schlager-Wettbewerb teil. 1970 nannten sich The City Preachers in Frumpy um (mit Carsten Bohn, Drums, Jean-Jacques Kravetz, Keyboards, Karl-Heinz Schott, Bass, Rainer Baumann, git.), und die erste Schallplatte All Will Be Changed entstand.

1972 entstand aus Frumpy die neue Formation Atlantis, wo neben Rumpf abermals Schott, Kravetz und Lindenberg in Erscheinung traten. Inga Rumpf galt zu dieser Zeit schon als eines der größten Talente der deutschen Rockszene. Es folgten erfolgreiche Konzertreisen durch verschiedene Länder mit wechselnden Besetzungen, u. a. mit Dieter Bornschlegel, Ringo Funk, Alex Conti, Adrian Askew, Rainer Schnelle. 1976 löste sich Atlantis auf. (Qulle: wikipedia)Ein Jahr zuvor startete sie bereits ihre Solokarriere mit „Scond Hand Mädchen“ – ganz sicher auch inspiriert von dem zunehmenden Erfolg, den Udo Lindenberg mit seiner „deutschen“ Rockmusik hatte.

Gemeinsam mit einer hochkarätigen Schar von Musikern entstand ihr erstes Soloalbum – komplett in deutsch gesungen. Kracher wie „Amerika“ sind auch heute noch ein Genuss. Und bei den Song „Superstar“: wer dächte da nicht an jenen Udo Lindenberg ? Und der famose Rockjournalist Jürg Gülden von „Sounds“ schrieb damals:


Das was Inga Rumpf singt und spielt hat mit dem ohnehin üblen Schlagwort Deutschrock soviel zu tun, wie die legendäre Kuh mit dem Trompetenblasen. Inga Rumpf hat eine so mörderische Röhre, dass selbst einige schwarze Bluestanten blaß würden und einige weiße Bluestanten vor ärger schwarz. Würde Inga Rumpf nicht in Hamburg leben sondern z.B. in London oder an der Westcoast, wür würden uns bei einem Konzert von ihr in Deutschland glatt um die Karten prügeln müssen.

 

IngaRumpfSingle

Single Auskopplung

Besetzung:
Adrian Askew (keyboards)
Jackie Carter (background vocals)
Frank Diez (guitar)
Ringo Funk (drums)
Linda Fields (background vocals)
Wilton Gaynair (saxophone, flute)
Marz, Rainer März (guitar)
Ack van Rooyen (trumpet)
Inga Rumpf (vocals)
Karl-Heinz Schott (bass)
Jiggs Wigham (trombone)

IngaRumpfSecondHandMädchenBC
Titel:
01. Amerika (Rumpf) 3.40
02. Ich bin die geborene Langschäferin (Rumpf) 3.37
03. Superstar (Rumpf) 5.03
04. Mallorca (Rumpf) 6.31
05. Speed-King (Rumpf) 3.15
06. Mona (Rumpf) 3.55
07. Schubiduah (Rumpf) 3.18
08. Spielen verboten (Rumpf) 3.34

09. Second Hand-Mädchen (Rumpf) 3.08

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Frank Schöbel und die Gruppe „etc.“ – Komm wir malen eine Sonne (1975)

FrontCover1Also, diese LP hat mich angenehm überrascht:

Frank Schöbel (eigentlich Frank-Lothar Schöbel; * 11. Dezember 1942 in Leipzig) ist ein deutscher Musiker. Er ist einer der erfolgreichsten Schlagersänger der ehemaligen DDR.

Als zweiter Sohn einer Opernsängerin wurde sein musikalisches Talent schon früh entdeckt. Als Siebenjähriger besuchte er den Vorbereitungslehrgang für den Thomanerchor. Doch statt in den Chor einzutreten, interessierte er sich mehr für Popmusik. Er absolvierte eine Mechanikerlehre, seine Musikerlaufbahn begann er im Erich-Weinert-Ensemble der Nationalen Volksarmee. In den 1960er Jahren startete er in der DDR seine Karriere als Musiker, trat aber auch als Moderator und Entertainer in Fernsehshows auf und spielte in DEFA-Filmen mit. Zweimal gewann er zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Chris Doerk den Schlagerwettbewerb der DDR, 1967 mit Lieb mich so, wie dein Herz es mag und 1969 mit Abends in der Stadt.

Im Jahr 1971 hatte er mit Wie ein Stern seinen ersten großen Erfolg in ganz Deutschland. Das ostdeutsche Plattenlabel Amiga verkaufte 400.000, das westdeutsche Label Philips über 150.000 Singles. Das reichte in der Bundesrepublik Deutschland für Platz 37 der Singlecharts, wo sich Wie ein Stern fünf Wochen halten konnte. Schöbel wurde daraufhin vom NDR ins Studio B eingeladen und hatte als erster DDR-Schlagersänger Auftritte in der BRD. Im Mai 1989 gelang ihm dort ein weiterer Erfolg, als sich der Titel Wir brauchen keine Lügen mehr in den Airplaycharts auf Position 80 platzierte.

Schöbel trat bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland als Repräsentant der DDR im Frankfurter Waldstadion auf.

Sehr populär ist auch sein 1975 für Kinder produziertes Album Komm wir malen eine Sonne, unter anderem mit einem Lied über Tokei-ihto. Den Titelsong Komm wir malen eine Sonne nahm er 2005 zusammen mit Bürger Lars Dietrich und Star Search-Gewinner Daniel erneut auf.

Chor

Frank Schöbel hatte bei dieser LP nicht nur ein besonders glückliches Händchen mit seinen Kompositionen (die auf magischer Weise einerseits sehr eingängig sind auf der anderen Seite durch den Arrangeur Christian Steyer kunterbunt gestaltet wurden), nein, Frank Schöbel hatte auch mit den Textern (Gisela Steineckert und Dieter Schneider) extrem viel Glück.

Denn: Die Texte machen einfach nur Spaß, sind pfiffig und aufmüpfig (ich gestehe: hätte ich in dieser Form einer DDR-Produktion gar nicht zugetraut). Und von daher kann man mit Fug und Recht schreiben: Dieser Frank Schöbel war wohl der Rolf Zuckowski der DDR … und für diesen Vergleich muss er sich wahrlich nicht schämen. Und das hat auch damit zu tun, dass er mit seiner Begleitband „Gruppe etc.“ wirklich souveräne Begleiter hatte.

 

SingleSingle

Besetzung:
Hans-Jürgen Drießner (bass)
Günter Franke (drums, percussion)
Conny Hasbach  (guitar)
Gerald Lüneburger (guitar, percussion)
Frank Schöbel (vocals)
Christian Steyer (keyboards, synthesizer)
+
Chor:
Kinder der Berliner Schule Dr. Salvador Allende
Kinder der Berliner Schule Dr. Theodor Neubauer
Kinder aus der Brunnenstraße, Berlin

BackCover1

Titel:
01. Komm,  wir malen eine Sonne (Schöbel/Steineckert) 2.48
02. Tokei-Ihto (Schöbel/Schneider) 2.54
03. Ein Eisbär im Zoo … (Schöbel/Schneider) 1.50
04. Ferien (Schöbel/Schneider) 3.14
05. Und wenn das nicht die Wahrheit ist (Traditional/Schneider) 2.44
06. Riskier mal ein Loch in der Hose (Schöbel/Dancker/Schneider) 3.30
07. Hier lebst du (Schöbel/Schneider) 2.48
08. Das ist der Prinz aus deinem Märchenbuch (Schöbel/Steineckert) 2.28
09. Alle Kinder dieser Erde (Schöbel/Schneider) 3.12
10. Kindergeburtstag (Schöbel/Schneider) 2.17
11. Wer hat es schöner als wir (Schöbel/Steineckert) 2.25
12. Sing ein Lied (Schöbel/Schneider) 4.37
13. Schlaf ein (Schöbel/Steineckert) 2.54

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