Gerhard Polt – Abfent, Abfent (2011)

TitelDas hätte einen ja auch gewundert, wenn ein Gerhard Polt die „staade Zeit“ nicht auch genutzt hätte, um sie auf seine Weise zu beleuchten. Auf seineWeise, das heißt dann … bitterböse, satirisch und mit jener Prise schwarzem Humor gewürzt, der für Polt so charakteritisch ist:

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit präsentiert der größte lebende bayerische Satiriker eine Sammlung neuer und bekannter Stücke rund um die „Stade Zeit“. Wenn vorweihnachtlich die Kassen zu klingeln beginnen, versuchen ja heutzutage selbst Heavy-Rocker und Gangster-Rapper mit Glockenklang verzierten Schnulzen aus dem allgemeinen Besinnungstaumel Kapital zu schlagen. Bei Polt ist der Blickwinkel auf die stillen Tage natürlich ein ganz anderer: Mit beißender Ironie seziert er das rituelle Absolvieren vorweihnachtlichen Pflichtprogramms in der großstädtischen Kleinfamilie („Sankt Nikolaus“), beobachtet Radioreporter auf brauchtumsmäßiger Feldforschung beim Gschwendtner-Bauern (das großartige „Advent“) und die von vorweihnachtlicher Nächstenliebe ergriffene Familie Böhm auf der Suche nach einem „Einsamen“, der bei ihnen den Heiligen Abend verbringen möchte (der aber natürlich „koa Ausländer, Raucher, Jugendlicher oder Tatterer“ sein darf).

Polt-Fans könnten zunächst enttäuscht sein, dass ein Teil der 14 Stücke (wenn auch in anderen Versionen) schon von früheren Polt-Platten oder aus der Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben bekannt sind — aber die neuen Stücke rechtfertigen die Anschaffung dann doch. Ob Poltist oder nicht — Abfent, Abfent…! ist als mentale Vorbereitung aufs Fest der Feste ideal und kann, wenn einen durch eine Überdosis Plätzchen, Glühwein oder weihnachtlicher Kaufhausmusik der Adventskoller packt, durchaus befreiend wirken. (Hanno Güntsch)

Gerhard Polt, geboren 1942 in München, aufgewachsen im Wallfahrtsort Altötting, studierte in Göteborg und München Skandinavistik. Seit 1975 brilliert Polt als Kabarettist, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur („Jean-Paul-Preis“) ausgezeichnet. Polt lebt und schreibt in Schliersee, München und Terracina. Bei Kein & Aber sind zahlreiche Bücher, CDs und DVDs von und mit ihm erschienen, zuletzt die Werkausgaben „Bibliothek Gerhard Polt“ (10 Bände und ein Begleitbuch) und „Opus Magnum“ (9 CDs im Schuber) und das Interviewbuch mit Herlinde Koelbl „Gerhard Polt und auch sonst“.

Irgendwie bin ich mir sicher, dass ein jeder in dieser Text-Sammlung fündig wird; und besonders veredelt wurde dieses Büchlein durch die Illustrationen eines Volker Kriegel (* 24. Dezember 1943 – † 14. Juni 2003) .. kennt den eigentlich noch jemand ?

 

Beispiel01
Beispiel02
Beispiel04
Beispiel05
Beispiel06
Beispiel07
Beispiel08
*
**

Beispiel09

Und hier geht´s zum gleichnamigen Hörbuch (click on the pic):

frontcover1

Manfred Beltz – 1841 – 2011 – 170 Jahre Beltz Tradition und Wandel (2011)

TitelDieses Firmen (Verlags) Portrait liegt mir irgendwie ganz besonders am Herzen:

Die Verlagsgruppe Beltz mit Sitz in Weinheim ist ein deutscher Verlag, der unter anderem die Kinderbücher von Janosch herausgibt.

Julius Beltz gründete 1841 eine Buchdruckerei in Langensalza in der preußischen Provinz Sachsen und erweiterte diese später um eine eigene Buchhandlung, die u.a. Lehrbücher für Religion, Landwirtschaft und Geschichte führte.

Die Zeitung „Die Volksschule“ wurde ab 1909 wichtiges Standbein des Verlages, dessen Tätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus eingeschränkt wurde. Der Verlag stellte auf Lohndruck wissenschaftlicher Publikationen um.

Zur Zeit des Nationalsozialismus verlegte Beltz die sehr weit verbreitete Reihe Hefte für Mütterschulung, Krippen, Kindergärten und Horte in Stadt und Land für die Kurse der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen die Inhaber die Sowjetische Besatzungszone und gründeten in Weinheim eine Nachfolgefirma, während der Betrieb in Langensalza enteignet wurde.

Beispiel09Der neue Betrieb spezialisierte sich wieder auf pädagogische Literatur und legte 1971 auch ein Kinderbuchprogramm (Beltz & Gelberg) auf. Bereits 1975 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 35 Millionen DM.

Nach der Wende erfolgte der Rückkauf des alten Stammbetriebs in Bad Langensalza, zum Jahrtausendwechsel betrug der Umsatz ca. 80 Millionen DM

Zum Unternehmen gehören die eigentlichen Beltz Verlage und die Buchhandlungen Beltz in Weinheim, die Beltz Rübelmann Holding, die Beltz, Herrmann & Co. GmbH als Zentralversand in Hemsbach sowie die Druckereien Druck Partner Rübelmann ebenda und das Druckhaus „Thomas Müntzer“ in Bad Langensalza.

Rückwirkend zum 1. Januar 2012 hat Beltz den auf Kinderbücher spezialisierten Bajazzo Verlag übernommen, zu deren Autoren Martin Baltscheit und Isabel Pin zählen

Zur Verlagsgruppe Beltz gehört seit 1985 auch der von Martin Faltermaier gegründete Juventa Verlag für soziologische und sozialwissenschaftliche Schriften

Der Verlag veröffentlicht wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften für Psychologie und Pädagogik, z. B. Psychologie Heute, aber auch Kinderbücher, darunter die bekannten Janosch-Bücher. Ein Teil der Neuerscheinungen wird gleichzeitig als Hörbuch auf CD oder in einem Downloadportal als Mp3 veröffentlicht. (Quelle: wikipedia)

Firmen+MarkenDer Grund, warum mir dieses Verlagsportrait so ganz besonders am Herzen liegt, ist eigentlich sehr einfach:

Zum einen hat mich dieser Verlag während meines Studiums mehr als einmal mit seiner Fachliteratur intensiv begleitet und zum anderen habe ich dann später so diverse Janosch-Werke (und andere Kinderliteratur vom Beltz-Verlag) meinen Töchtern mit viel Begeisterung (bei allen Beteiligten) vorgelesen.

Hier nun die prachtvoll gestaltete und reichhaltig bebilderte Verlagsgeschichte (112 Seiten), die entsprechend anspruchsvoll und damit der Verlagsgeschichte und der Verlagsphilosophie angemessen gestaltet wurde. Erzählt wird nicht nur die Isolation des Verlages im III. Reich, erzählt wird nicht nur über die Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft während des Arbeitskampfes 1984 (es ging u.a. um die Einführung der 35 Stunden Woche), erzählt wird auch die Übernahme der VEB Druckerei Thomas Müntzer (die im eigentlich Stammhaus in Langensalza in der gesammten DDR-Zeit aktiv waren).

Bedenkt man es recht, so ist diese Broschüre nicht eine Verlagsgeschichte, sondern auch eine Geschichte unserers Landes … von mein Prädikat: Empfehlenswert !

Der Firmengründer Julius Beltz und Familie (fotografiert am 9. Juli 1860 beim Kunstmaler F. Tellgmann in Mühlhausen)

Der Firmengründer Julius Beltz und Familie (fotografiert am 9. Juli 1860 beim Kunstmaler F. Tellgmann in Mühlhausen)

Erstausgabe 1933

Erstausgabe 1933

Der Demontagebefehl - handgeschrieben 1946. Das Ende des technischen Betriebes - bis auf Reste.

Der Demontagebefehl – handgeschrieben 1946. Das Ende des technischen Betriebes – bis auf Reste.

Das neue Betriebsgelände in Weinheim, Werderstraße 10

Das neue Betriebsgelände in Weinheim, Werderstraße 10

Beispiel05

Beispiel eines Werbebriefes, mit dem die Julius Beltz Druckerei sich im neuen Umfeld bekannt macht.

Beispiel eines Werbebriefes, mit dem die Julius Beltz Druckerei sich im neuen Umfeld bekannt macht.

Der Verlag hat sein neues Programm gefunden: Bücher für das Lehrerstudium und die Unterrichtspraxis.

Der Verlag hat sein neues Programm gefunden: Bücher für das Lehrerstudium und die Unterrichtspraxis.

1964: Die neue Bilderbuch-Serie

1964: Die neue Bilderbuch-Serie

Beispiel10
Beispiel11

Beispiel12

Beispiel13
… und, und, und … ich könnt gar nicht aufhören, weitere Illustrationen aus dieser
prachtvollen Verlagsgeschichte zu präsentieren …

Und hier geht´s zur Präsentation:

*
**

Aktuelle Website (27.09.2014)

Website am 27.09.2014

AktuelleWebsite2018

Aktuelle website (09.12.2018)

 

Beno Salamander – Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald (2011)

KinderjahreInFöhrenwald01AHeiter ist dieser Beitrag wahrlich nicht … aber auch das Teil dieses blogs … der ja irgendwie so ne Art Bestandsaufnahme deutchen Lebens und deutscher Kultur sein soll.

Und darum geht es:

Das Lager Föhrenwald im Ortsteil Waldram in der Stadt Wolfratshausen in Oberbayern als anfängliche städtische Siedlung wurde zu einem Lager für Zwangsarbeiter und nach 1945 zur einem Lager für Flüchtlinge und ist heute wieder eine Wohnsiedlung.

Erbaut 1937, war die Anlage zunächst eine Wohnsiedlung in Einfamilien- und Reihenhaus-Bauweise zur Unterbringung von Beschäftigten der Sprengstoff- und Munitionsfabriken der Deutschen Sprengchemie GmbH (DSC) und der Dynamit Actien-Gesellschaft (DAG) im Staatsforst von Wolfratshausen. Bei den Beschäftigten handelte es sich um Zwangsarbeiter, Angehörige des Reichsarbeitsdienstes in der Zeit des Nationalsozialismus sowie um zivile Angestellte (vorwiegend in der Verwaltung). Neben dem Lager Föhrenwald existierten in der Nähe noch die Lager Buchberg auf der heute sogenannten Böhmwiese gegenüber dem Rathaus von Geretsried sowie Stein (heute Stadtteil von Geretsried).

Aus dem Lager Föhrenwald entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Auffanglager für so genannte Displaced Persons (DP), die der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik entkommen waren. Daher wird das Lager Föhrenwald in der Literatur auch als DP-Lager bezeichnet.

Straße im DP-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen 1956

Unmittelbar nach dem Kriegsende in Bayern wurde das Lager von der amerikanischen Armee zur Unterbringung von befreiten Zwangsarbeitern verwendet. Auch einige Überlebende des Todesmarsches der Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau wurden nach ihrer Befreiung Anfang Mai 1945 im Lager Föhrenwald untergebracht.

Mit der Zeit kamen immer mehr jüdische Überlebende des Holocaust nach Föhrenwald, so dass das Lager im September 1945 zum Jewish Displaced Person Center erklärt wurde.

Plan des Lagers Föhrenwald

Ab November 1945 übernahm eine internationale Hilfsorganisation, die UNNRA, die Verwaltung aller DP-Lager in der amerikanischen Besatzungszone. Das Lager Föhrenwald wurde danach in weitgehender Selbstverwaltung von einem lokalen Rat unter dem Vorsitz von Henry Cohen geleitet. Diese Veränderungen standen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Vorschläge des Harrison-Reports, der die allgemeine Lage in den DP-Lagern in Deutschland und Österreich scharf kritisiert hatte. Zwischen 1946 und 1948 war Föhrenwald mit ungefähr 5.600 Bewohnern eines der größten DP-Lager in der Amerikanischen Besatzungszone.

Für die meisten Bewohner des Lagers Föhrenwald kam eine Repatriierung in ihre Herkunftsländer oder ein Verbleiben in Deutschland nicht in Frage. Die Mehrheit bemühte sich darum, nach Israel (zunächst noch britisches Mandatsgebiet) beziehungsweise in die Vereinigten Staaten oder Kanada auszuwandern. Viele der Auswanderer kehrten jedoch nach persönlichen Rückschlägen oder infolge von gesundheitlichen Problemen illegal nach Föhrenwald zurück. Ein anderer Teil der Bewohner war durch das erlittene Unrecht geschwächt oder krank. Diese Menschen waren daher dauerhaft auf Unterstützung durch Hilfsorganisationen wie zum Beispiel das American Joint Distribution Committee und die deutsche Fürsorge angewiesen.

Neben denjenigen, die noch auf eine Ausreise warteten, mussten zwischen 1949 und 1953 insgesamt circa 3.500 sogenannte „Rückwanderer“ zeitweise in Föhrenwald untergebracht werden. Dies waren Menschen, die bereits in andere Länder – zumeist nach Israel – ausgewandert waren, die sich jedoch dort keine Existenz hatten aufbauen können, oder aus gesundheitlichen Gründen zurückkehren mussten.

LageDem Lager Föhrenwald angegliedert war auch eine Barackensiedlung nahe Königsdorf, das ehemalige Hochlandlager, das 1936 für Zwecke der Hitlerjugend und des BDM errichtet worden war. Nach dem Krieg wurden im Hochlandlager von der Hagana Offiziere für die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Staatsgründung Israels ausgebildet.

Ab Dezember 1951 kam das Lager Föhrenwald unter deutsche Verwaltung und wurde zum „Regierungslager für heimatlose Ausländer“ erklärt. Das Lager Föhrenwald wurde offiziell 1956 aufgelöst, die letzten Bewohner verließen das Lager jedoch erst im Februar 1957.

Das Gelände und die Wirtschaftsgebäude waren bereits im Oktober 1955 durch das von Kardinal Joseph Wendel gegründete Diözesansiedlungswerk und die Erzdiözese München und Freising erworben worden, die hier später auch das Spätberufenenseminar St. Matthias mit Gymnasium und Kolleg einrichtete. Ab April 1956 wurden auf dem Gelände heimatvertriebene Familien angesiedelt, so dass zeitweise Displaced Persons und deutsche Heimatvertriebene gemeinsam auf dem Gelände des Lagers Föhrenwald lebten.

Die Gebäude wurden renoviert und zu günstigen Konditionen an Heimatvertriebene und Wolfratshauser Familien verkauft. Im Laufe der Nachkriegszeit entstand so aus dem ehemaligen Lager Föhrenwald seit 7. November 1957 der Wolfratshauser Ortsteil Waldram. (Quelle: wikipedia)

Und ein Beno Salamander (Jahrgang 1944)  hat als Kind in diesem Lager gelebt;

KurzbiographieBenoSalamanderWie es dazu kam, dass er dann schlußendlich seine Erinnerungen an jene Jahre aufzeichnete (veröffentlicht von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit dem Jüdischem Museum, München, 80 Seiten), ist mir grad nicht bekannt, aber es sind wertvolle Erinnerungen, denn Geschichte ist immer auch die Geschichte von Individuen und ganz sicher nicht nur die Geschichte von großen Konferenzen und Plenardebatten.

Beno Salamander kam mit seiner Familie 1951 nach Föhrenwald:
„War das Leben für uns Kinder unbeschwert und voller Abenteuer, so war es für die Erwachsenen bedrückend und voller Entbehrungen: Ein Provisorium mit einer ungewissen Zukunft,“ schreibt Beno Salamander und erzählt auf bewegende Weise über das Leben in einem DP Lager. Er erzählt von den Freundschaften zu anderen DP-Kindern, die teilweise bis heute noch bestehen, aber auch von der schweren Krankheit seiner Mutter. Wer das Leben in einem DP-Lager einmal durch Kinderaugen sehen möchte, dem sei die Lektüre „Kinderjahre im Displaced-Persons-Lager Föhrenwald“ von Beno Salamander empfohlen.

Und nachdem ich mehr als 20 Jahre genau in jener Gegend (also Geretsried und Wolfratshausen) gelebt habe, packt mich das Thema ganz besonders, insbesondere weil ich mich damals sehr wenig über jenen historischen Ort gekümmert habe … Das will und kann ich hier nun ein wenig nachholen.

KinderjahreInFöhrenwald03A

KinderjahreInFöhrenwald10AKinderjahreInFöhrenwald15A

Das Zeugnis des Beno Salamanders aus dem Jahr 1951

Kinderheilstätte, Ruhpolding (1952)

KinderjahreInFöhrenwald42A

Benno Salamander signiert sein Buch (2012)

Und heute ist er wohl ein erfolgreicher Internist.

*
**

Prospekt der Wanderausstellung

Dudenredaktion (Herausgeber) – Passende Worte für jede Gelegenheit (2011)

TitelIch finde solche Bücher immer wieder mal ganz hilfreich, zumal es zu meinem beruflichen Obliegenheiten zählt, Ansprachen aller Art zu halten:

„Ob Familienereignis oder Jubiläum im Kollegen- und Bekanntenkreis – zu herausragenden Momenten möchte man die richtigen Worte finden und mit ebenso persönlichen wie angemessenen Formulierungen reagieren. Dieser Band hilft, diesem hohen Anspruch gerecht zu werden: er ist eine Fundgrube der passenden Formulierungen, Zitate und Gedichte für die unterschiedlichsten Anlässe.“ (Verlagsankündigung)

Und natürlich traut man es der Dudenredaktion zu, hier ein Füllhorn von eben „passenden“ Texte zusammengetragen zu haben, auch wenn einen (bzw. mir), nicht alle Texte gleich zusagen … Aber alles andere wäre ja auch verwundlich.

Und da passt das Stich Aphorismen:

„Ein Aphorismus ist ein einzelner Gedanke, ein Urteil oder eine Lebensweisheit, welcher aus nur einem Satz oder wenigen Sätzen selbständig bestehen kann. Oft formuliert er eine besondere Einsicht rhetorisch kunstreich als allgemeinen Sinnspruch (Sentenz, Maxime, Aperçu, Bonmot). Dagegen gelten geflügelte Worte und pointierte Zitate literaturwissenschaftlich nicht als Aphorismen.“ (Quelle; wikipedia)

Erwähnen möchte ich noch die wirklich reizenden Illustration von Nicole Schneider, die sich so direkt in mein Herz gemalt hat.

Hier jetzt erstmal das Inhaltsverzeichnis (Das Buch hat 290 Seiten)

Beispiel01

Und nun – wie üblich bei Druckerzeugnissen in diesem blog, ein paar Vorschaubilder:

Beispiel02.jpg

Beispiel03

Beispiel04

Beispiel05.jpg

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel08

Beispiel09

Beispiel10.jpg

Beispiel11

Beispiel12

Beispiel13

Beispiel14

Beispiel15

Beispiel16

Beispiel17

Beispiel18.jpg

Beispiel19

Beispiel20

Beispiel21.jpg

Beispiel22

Beispiel23

Beispiel24

Beispiel25

Beispiel26

Beispiel27.jpg

Beispiel28

Beispiel29

Beispiel30

*
**

Beispiel31

Die Rückseite des Buches

Gesellschaft für Strahlenschutz – Gesundheitliche Folgen von Tschernobyl (2011)

TitelWahrlich kein lustiges Thema:

„Über 600 Millionen Menschen in Europa sollen nach Angaben von Atomkritikern gesundheitlich von der Katastrophe in Tschernobyl betroffen sein. Das geht aus einer Veröffentlichung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und der Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) hervor, die am Freitag zu Beginn eines Tschernobyl-Kongresses in Berlin vorgestellt wurde. Darin wurden mehrere Studien zu den Folgen des Unglücks vor 25 Jahren zusammengefasst.

Bei den ausgewählten Studien handele es sich um „methodisch saubere und prinzipiell nachvollziehbare Analysen“, heißt es in dem Bericht. Es wurden allerdings auch Untersuchungen mit einbezogen, die nicht von externen Gutachtern überprüft wurden, also den „Peer-Review-Prozess“ von Fachzeitschriften durchlaufen haben.

Angaben zu den gesundheitlichen Folgen und Opferzahlen der Tschernobyl-Katastrophe schwanken extrem – sie sind eine Definitions- und Glaubensfrage. Auch die IPPNW räumen ein, dass das bisherige Wissen einem Mosaik gleiche, dem viele Steine fehlten.

Die IPPNW gehen davon aus, dass sich auch sehr geringe Strahlendosen über einen langen Zeitraum negativ auf die Gesundheit auswirken und etwa zu genetischen Schäden führen können. Einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge würden 600 Millionen der europäischen Bevölkerung in geringer strahlenbelasteten Gebieten leben – und somit den Angaben zufolge auch gesundheitlich an der Radioaktivität leiden.

Am meisten an den Folgen einer besonders hohen Verstrahlung leiden demnach die Aufräumarbeiter: Bis 2005 seien von 830.000 der sogenannten Liquidatoren zwischen 112 000 und 125 000 gestorben. Über 90 Prozent seien heute schwer krank. Sie würden nicht nur an Krebs leiden, sondern auch an hirnorganischen Schäden, Bluthochdruck und Magen-Darm-Erkrankungen. „Das sind Menschen, die multimorbide sind“, sagte IPPNW-Mitglied Angelika Claußen.

Vor allem Kinder würden durch die Ansammlung der radioaktiven Stoffe in einigen Organen an Schilddrüsenkrebs erkranken. Viele der bösartigen Tumore würden zudem erst Jahre später entdeckt. Die Organisation bezieht sich hierbei auf eine Untersuchung von 2007, in der berechnet wurde, dass durch Tschernobyl bis 2056 knapp 240.000 zusätzliche Krebsfälle in Europa auftreten werden.“ (Quelle: NDR)

Und wer´s ganz genau wissen will, kann sich hier in dieser 88 Seiten umfassenden Studie informieren …

Beispiel06

Und im Jahr 2014 wendete sich Greenpeace wieder mal an die Öffentlichkeit:

„Europa betritt eine neue Ära des atomaren Risikos“, erklärte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch mit Blick auf eine Expertenstudie, der zufolge das Durchschnittsalter der Meiler inzwischen bei 29 Jahren liegt. An Akw in sechs Ländern protestierten rund 240 Greenpeace-Aktivisten.

Die international tätige Organisation forderte den Ausstieg aus der Atomkraft und das sofortige Aus für Reaktoren, die ihre sogenannte Auslegungslebensdauer erreicht hätten. Diese liegt nach dem für Greenpeace verfassten Gutachten des Öko-Instituts bei 30 bis 40 Jahren. Von den etwa 150 aktiven Akw in der EU und benachbarten Ländern seien heute bereits 66 älter als 30 Jahre, sieben sogar älter als 40 Jahre. Oftmals seien Laufzeit-Verlängerungen auf 50 bis 60 Jahre geplant.

Statt über Abschaltungen der entsprechenden Anlagen werde in vielen Ländern auf Betreiben der Akw-Eigner aber über Laufzeitverlängerungen und eine Steigerung der Leistung diskutiert, kritisierte Greenpeace. „Die überalterten Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben. Der Weiterbetrieb ist absolut unverantwortlich“, warnte Atom-Experte Heinz Smital.“ (Quelle: Münchner Merkur)

Na ja … und da war ja dann noch die Katastrophe von Fukushima (11. März 2011) und eine Frau Angela Merkel machte eine Pirouette hinsichtlich der deutschen Atompolitik ….

Beispiel02.jpg
Beispiel01.jpg
Beispiel03
Beispiel04
Beispiel05

Ich erinnere mich noch an jene Tage im Jahre 1986 … Unseren beiden kleinen Töchtern verboten wir das Spielen im Sandkasten … alle Sandkästen in Deutschland waren verwaist … und Milchpulver ging weg wie die warmen Semmeln … Angesichts der tickenden Zeitbombe Atomkraftwerk krieg ich auch heute noch eine trockene Kehle.

*
**

Alpstein Tourismus GmbH & Ko KG – Allgäu – Tourenbüchle (2011

TitelAuch wenn mich meine Reisen immer wieder auch in ferne Länder führen, so bin ich dennoch immer wieder ganz begeistert, wenn ich die unterschiedlichsten Regionen unseres Landes erforschen kann.

Und das Allgäu hat es mir schon auch besonders angetan …

Das Allgäu ist eine alpin geprägte Landschaft mit kulturellen und sprachlichen Eigenheiten. Häufig wird das Allgäu auch als Region bezeichnet. Es lässt sich geografisch nicht genau eingrenzen, besteht aber in allen Fällen aus dem südlichsten Endteil des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben. Neben dem alpinen Allgäu gehören auch geringe Teile des Voralpenraums zum Allgäu. So bildet der bayerische Landkreis Oberallgäu und die südlichen Teile des Landkreises Ostallgäu den Kern des Allgäus. Teile des baden-württembergischen Landkreises Ravensburg zusammen mit Teilen des bayerischen Landkreises Lindau gehören als Westallgäu dazu. Das zu Österreich gehörende Grenzgebiet Kleinwalsertal wird wegen der fehlenden Anbindung zum eigenen Land zunehmend zum Allgäu gerechnet. Der ursprüngliche Allgäu erstreckt sich als schmaler Streifen südlich von Kempten zwischen Scheidegg, Oberstaufen über Sonthofen und Oberstdorf nach Bad Hindelang.

Karte

Während das Allgäu selbst größtenteils zu Deutschland gehört, liegen die Allgäuer Alpen als südliche Grenze des Allgäus etwa zur Hälfte auf österreichischem Gebiet. Eine offizielle Eingrenzung für das Allgäu gibt es nicht, vielmehr gibt es unterschiedliche Gesichtspunkte für die Zuordnung diverser Grenzorte zum Allgäu, was insbesondere auf die Landkreise Unterallgäu (Bad Grönenbach), Ostallgäu (Kaufbeuren) und Ravensburg (Wangen) zutrifft. Seit den 1970ern wird der Begriff Allgäu mit seinem guten Ruf sukzessive für eine Vermarktung verwendet, womit nicht in der Region gelegene Orte wie Bad Wörishofen, Ravensburg, Lindau am Bodensee oder Kißlegg als „im Allgäu“ gelegen beworben werden. Teilweise wird das Allgäu als geografische Teilregion Oberschwabens gesehen. (Quelle: wikipedia)

Nun ja … und neulich ist mir diese kleine Broschüre (36 Seiten) in die Hände gefallen und mit einer gewissen Vorfreude habe ich darin geblättert … denn Wandervorschläge finde ich immer ziemlich gut.

Und gerne teile ich mein Vergnügen … vielleicht steckt diese Tourismus-Broschüre ja auch ein wenig an.

Beispiel01

Beispiel02

Beispiel03

Beispiel04.jpg

Beispiel05

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel08

Hach …

Beispiel09.jpg

Beispiel10.jpg

Beispiel11

*
**

Beispiel12

John Hendrik Weitzmann + Philipp Otto – Irights-Dossier – Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen (2011)

Um was geht´s denn hier nun so ganz konkret ? Hier Titeldie Antwort:

„Seit 2005 wird auf Betreiben der Rechteinhaber in Europa die Debatte über die Verlängerung der Leistungschutzrechte an Musikaufnahmen vorangetrieben. Ein Werk soll nicht mehr nur 50, sondern 70 Jahre kommerziell verwertet werden können, bevor es gemeinfrei wird.

Experten aller bedeutenden Forschungsinstitute in Europa sprechen sich einhellig gegen die geplante Verlängerung aus – insbesondere, weil sie eine juristisch kaum umkehrbare Entscheidung ist. Trotzdem stimmte das Europaparlament der Verlängerung bereits 2009 zu. Wegen einer fehlenden Mehrheit im Ministerrat konnte die Verlängerung bisher aber nicht durchgebracht werden. Nun haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat durch ein Umkippen Dänemarks und Portugals geändert, und die polnische Ratspräsidentschaft hat die Gelegenheit genutzt, das Thema im Eilverfahren auf die Tagesordnung zu setzen.

irights.info warnt:

Die Zeit drängt. Bereits am 07. September 2011 wird der ständige Ausschuss der nationalen Vertretungen und Botschaften in Brüssel COREPER das Thema behandeln. COREPER bereitet die Arbeitssitzung der Ratsarbeitsgruppe Urheberrecht vor. Aller Voraussicht nach wird die Verlängerung dann dort formal bereits am 12. September 2011 beschlossen werden, da ein positives COREPER-Votum die Beschlusslage im Europäischen Rat in der Regel vorwegnimmt.

Ebenfalls für irights.info haben John Hendrik Weitzmann & Philipp Otto ein Dossier zur geplanten Verlängerung verfasst, mit finanzieller Unterstützung durch den Wikimedia e.V. Das Dossier ist auch auf Englisch verfügbar. Es umfasst 12 Seiten, ist gut geschrieben, gut gestaltet und steht unter CC-Lizenz, wie man es von den immer lesenswerten irights-Dossiers gewohnt ist.

Schön werden darin die hahnebüchenen Hauptgründe für die Verlängerung zusammengefasst und widerlegt:

Gleichziehen mit anderen Ländern (und deren Fehler)
Fairness (gegenüber anderen Kreativen)
Unterstützung der ausübenden Künstler (gemeint sind natürlich die Rechtverwerter)
Anreize zur Investition in neue Musik (Beispiel: Die Twist&Shout-Aufnahme der Beatles genießt noch ein Schutzrecht bis 2015)
Erhöhung der Zahl verfügbarer Werke (statt frei verfügbarer Werke)
Aufrechterhaltung einer positiven Aussenhandelsbilanz (was empirisch in Großbrittannien als widerlegt gilt)

Beispiel

Soweit so gut … und sich zu informieren über Hintergründe zum Urheberrecht ist ja nie verkehrt …

Rückseite

*
**

Verschiedene Interpreten – Stimmen Bayerns – Die Liebe (2011)

FrontCover1Und jetzt wieder mal ein ganz besonderes Schmankerl, zumindest für meine Ohren:

Das Bayerische zwischen gestern und heute, Widerstand und Witz, Sex und Siechtum

Es ist ein wenig aus dem Blick geraten. Vor lauter Laptop und Lederhosen, wirtschaftlichem Erfolg und deutschen Fußballmeisterschaften im Dutzend konnte man glatt vergessen, dass der Bayer ja eigentlich ein ganz netter Kerl ist, dass er nicht schon immer krankhaft hohe Mieten am Starnberger See bezahlt hat, sondern auch ein Widerständiger, Ungehobelter in ihm wohnt, ein Haderlump, ein Anarchist bisweilen gar. Diese Traditionen nimmt, bevor sie völlig verschüttet werden, Stimmen Bayerns auf. Den Machern des Trikont-Labels, die ihre spannenden Kompilationen sonst gerne in die Hände externer Experten legen, ist die Reihe so wichtig, dass sie höchstselbst kuratiert haben. Mit Die Liebe und Der Tod liegen nun die ersten beiden Folgen vor, weitere zu Themen wie Rausch, Freiheit, Verbrechen, Hass und Treue sollen folgen. Nicht fehlen dürfen natürlich: Bayerische Institutionen wie Franz Xaver Kroetz, Helmut Fischer, Herbert Achternbusch, Gerhard Polt, Therese Giehse, Willy Michl, Karl Obermayr und Gustl Bayrhammer, der Ludwig Thoma liest.

Cleo Kretschmer

Cleo Kretschmer (mit Wolfgang Fierek)

Manche singen, aber die meisten sprechen: Das ist folgerichtig, hat Trikont, doch einst als Verlag begonnen. Das ist aber auch großartig, weil man nun hört, wie musikalisch das Bayerische ist, wie die Sprache selbst, sogar ohne Dialekt, allein durch Duktus und Klang zur Musik wird. Diese Eigenschaft des Bayerischen sorgt dafür, dass noch die derbsten Texte, voller grobem Sex, voller nackter Haut, voller Krankheiten und Siechtum, nicht nur vor Humor und Lebenslust sprühen, sondern das Krachlederne eine ganz eigene Poesie entwickelt. Aber Stimmen Bayerns ist nicht nur Retrospektive einer glorreichen Vergangenheit, sondern vor allem der Versuch, diese Traditionslinien in die Gegenwart zu verlegen. Einem Text von Ödön von Horvath folgt nun eben einer von Franz Dobler, in dem ausdiskutiert wird, ob The Clash Verräter sind. Ja, es sind vor allem Trikont-Künstler wie LaBrassBanda, Hans Söllner und Coconami, die die Brücke in die Jetztzeit schlagen, aber das ist nur folgerichtig, schließlich kümmert sich ja kaum jemand sonst neben Trikont um diese Schnittmenge aus Volkskunst und Popkultur. Für diese Arbeit setzen sich Trikont mit Stimmen Bayerns ein vollkommen verdientes Denkmal. Mia san mia und mia machen’s dann halt selbst. (Musik Express 09/2011)

Gustl Bayrhammer

Gustl Bayrhammer

Die „Stimmen Bayerns – Die Liebe“ sind eine einzigartige Enzyklopädie der bayerischen Seele. Gedichte, Kurzgeschichten, Essays, Musik, Songs und Sketche, Radiofeatures, Soundcollagen, Film-Tonspuren und O-Töne werden von namhaften Bayern (u. a. Helmut Fischer, F. X. Kroetz, Gustl Bayrhammer) vorgetragen. Öffentliche Stimmen aus Theater, Radio, Fernsehen oder Tonträger markieren den heimatlichen, regionalen Kreis der eigenen Herkunft. Generationen sind mit diesen Stimmen groß geworden – sie beinhalten Klischees und Abgrund, Verschrobenheit und Sentimentalität. Sie verkörpern gleichsam eine bayerische Übereinkunft, sorgen für das Gefühl des Einheimischseins. Die „Stimmen Bayerns“ können deshalb auch ohne Dialekt sprechen und trotzdem mit dem Lebensgefühl einer Gegend verbunden sein. (Quelle: www.br.de)

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Und manchmal frag ich mich, ob es in anderen Regionen ähnlich intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Region gibt. Ich vermute, dass genau dies der Fall ist … und so werde ich weiter stöbern (irgendwann mal werde ich wohl mal wieder in unterwegs sein) um hier auch die bunte Vielfalt aus deutschen Landen präsentieren zu können.

Prädikat: besonders wertvoll !

BookletBackCover1

 

Titel:
01. Helmut Fischer: Spatzl, schau wie I schau 3.46
02. Josef Bierbichler liest Wolf Wondratschek : König Ludwig Lied 1.21
03. Udo Wachtveitl liest Robert Hültner: Liebesszene 4.13
04. Bally Prell: Der Föhnwind 2.05
05. Martina Gedeck liest Ödön von Horváth : Anna Pollinger wird praktisch 2.48
06. Franz Dobler: Denn ich sah, dass alle Hunde schliefen 3.41
07. Franz Xaver Kroetz: Dichters Liebesnacht 1.16
08. Willy Michl: Willys Liebeslied 3.34
09. Iris Mayer liest Franz Xaver Judenmann: Liebe Lies 1.38
10. Georg Ringsgwandl: Oma 4.02
11. Albert Ostermaier: Lost & Found 0.39
12. LaBrass Banda: Rotes Hoserl 3.42
13. Veronika Fitz und Walter Sedlmayr lesen Karl Valentin : Streit mit schönen Worten 4.00
14. Gustl Bayrhammer liest Ludwig Thoma : Der Rosl vom Spöckmeier zu ihrer Vermählung 1.43
15. Williams Wetsox: Hey kloana Vogl 04.21
16. Cleo Kretschmer: Danilo 1.42
17. Isarspatzen: Marina 2.41
18. Bernhard Butz liest Georg Queri: Der Hirnpecker 3.03
19. Ruth Geiersberger: Die Liebe 5.55
20. Ali Mitgutsch: Endlich, der erste Kuss 5.32
21. Marcus H. Rosenmüller: Schalalala ist die Liebe nicht schön? 3.17
22. Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater: Kasperl und die wahre Liebe 2.06

CD1
*
**

HelmutFischer

Denkmal für Helmut Fischer in der Rolle des Monaco Franze in München, Münchner Freiheit

Stéphane Hessel – Engagiert Euch ! (Im Gespräch mit Gilles Vanderpooten) (2011)

TitelSelten habe ich vor einen alten Mann soviel Respekt gehabt wie Stéphane Hessel. Dieses Buch ist jetzt nicht unmittelbar aus „deutschen Landen“ (auch wenn Hessel, in Berlin geboren, ja ein Deutscher war), aber es hat hier in Deutschland schon einen großen Eindruck hinterlassen, deshalb passt es halt auch hier rein:

Stéphane Hessel hat viel erlebt. Als ehemaliger französischer Widerstandskämpfer und UN-Diplomat, der das KZ Buchenwald überlebte, kann der Mitautor der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen eine bewegte Biographie vorweisen. Seine Erfahrungen aus über neunzig Lebensjahren vereinigen sich in seiner Streitschrift Empört euch! und den Aufzeichnungen des Gesprächs mit dem Journalisten Gilles Vanderpooten, Engagiert euch!

Zeit seines Lebens hat das politische Engagement in seinem Leben eine große Rolle gespielt. Die Anlässe dafür sind während der letzten Jahrzehnte nicht weniger geworden. Aus dieser Erkenntnis schöpft Hessel die Kraft, auch die nachfolgenden Generationen auf die Rolle von Grundsätzen und Werten aufmerksam zu machen und zum Bewusstsein für die Relevanz von politischem Engagement zu motivieren.

Empörung ist für ihn die Quelle allen notwendigen Engagements und Widerstands, zum Beispiel gegen soziale Ungerechtigkeit. Ihre größte Gefahr ist die Gleichgültigkeit gegenüber Missständen aller Art, die sich somit ungehindert etablieren können. Wurde zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem das Gemeinwohl und die gerechte Verteilung des Wohlstands in den Vordergrund gestellt, nimmt heute die Gewinnmaximierung diesen Platz ein, während der Staat die Kosten für diverse soziale Errungenschaften angeblich nicht mehr tragen kann:

„(…) (W)ie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung, als Europa in Trümmern lag? Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes (…) niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten bis in die höchsten Ränge des Staates. (…) Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß.“  (aus: Empört euch!)

Rückseite

Hessel sieht den Frieden und die Demokratie von der Diktatur der Finanzmärkte gefährdet, weswegen er eindringlich an das Verantwortungsgefühl des Einzelnen für die Welt appelliert. Die Möglichkeiten für persönliches Engagement und die Chance, etwas zu bewirken, haben sich seiner Meinung nach im Zeitalter der Nichtregierungsorganisationen und der sozialen Netzwerke verbessert, auch wenn die Rahmenbedingungen komplexer geworden und nicht immer einfach zu durchschauen und Lösungen somit kaum kurzfristig zu erreichen sind. Hessel selbst entwirft in diesem Zusammenhang die durchaus interessante Idee eines UN-Rates für wirtschaftliche und soziale Sicherheit, in dem alle zugehörigen Staaten unterschiedlicher kultureller Prägung unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Stellung gleiches Stimmrecht hätten.

Empörung alleine ist für Hessel allerdings nur der erste Schritt. Der zweite ist das erforderliche Engagement, um die Gesellschaft zu verbessern. Er lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf die allgegenwärtige Verletzung der Menschenrechte auch in demokratischen Ländern, die wichtige Rolle des Umweltschutzes und die Verhältnisse in Palästina. Letztere empören ihn persönlich nach eigenen Angaben derzeit am meisten. Der Weg in eine bessere Zukunft mit dem Ziel, Ethik, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu erreichen, führt für Hessel ausschließlich vorbei an Gewaltlosigkeit und Versöhnung der Kulturen, deren Vielfalt es zu bewahren gilt, denn:

„Es ist wichtig, die Vielfalt der Kulturen zu erhalten und dafür zu sorgen, dass sie einander achten. Das Recht eines jeden Menschen auf seine Kultur und darauf, dass sie allseits respektiert wird, ist die Voraussetzung dafür, dass aus der Koexistenz der Kulturen etwas Besseres entsteht als Konfrontation.“ (aus: Engagiert euch!)

Die Hoffnungslosigkeit des Einzelnen sieht Hessel als motivationshemmende Gefahr für das persönliche Engagement, aber trotzdem glaubt er optimistisch an den Menschen und dessen Einsicht in nachhaltiges Handeln, weil der Mensch als solcher seiner Meinung nach lernfähig ist. Dafür sprechen die zahlreichen gesellschaftlichen Fortschritte des 20. Jahrhunderts und die Möglichkeit für Jung und Alt, sich untereinander auszutauschen, um voneinander lernen zu können.

Empört euch! schließt mit:

„Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.

Hessel

Stéphane Hessel

Dieser Band ist der Nachfolger von „Empört Euch !“:
Stéphane Hessels Streitschrift Empört Euch! hält die Welt in Atem. Die Verletzung der Menschenrechte und die Zerstörung der Umwelt gehen uns alle an. Wie aber kann sich jeder Einzelne ganz konkret für eine bessere Gesellschaft stark machen? Im Gespräch mit dem jungen Journalisten Gilles Vanderpooten vertieft der ehemalige Diplomat seine Vorstellung von einem engagierten Leben. Eine komplexer gewordene Welt, so Hessel, erfordert komplexe Strategien. Widerstand darf aber nicht nur im Kopf passieren. Wir müssen handeln, und zwar mit den Mitteln der Demokratie. Dazu gehören die Beteiligung an Protesten, internationale Zusammenarbeit sowie persönliches Engagement im Kleinen. Aber vor allem brauchen wir eines: den Glauben daran, dass unser bürgerliches Engagement die Welt verändern kann.

Beispiel01.jpg

 

Stéphane Frédéric Hessel
* 20. Oktober 1917 in Berlin; † 27. Februar 2013 in Paris)

*
**

Franka Rößner + Thomas Stöckle – Grafeneck 1940 – Wohin bringt ihr uns – NS Euthanasie im deutschen Südwesten (2011)

titelDer deutsche Bundestag hat heute im Rahmen des Tages zum Holocaus sich zum ersten mal ausführlicher dem Thema Euthanasie im Nationalsozialismus gewidmet. Das hat mich doch sehr bewegt, und deshalb habe ich mal 2 Materialien zu dem Thema zusammengestellt.
„125 Mark sind die Ausgaben für ein gesundes deutsches Schulkind. Um wie viel Prozent teuerer kommt dem deutschen Volk ein Geisteskranker oder Krüppel?“ – So lautete eine Rechenaufgabe in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nazis verfolgten und ermordeten Kranke und Menschen mit Behinderung ebenso wie Juden und andere Gruppen. Sie hielten sie für „lebensunwertes Leben“, für „Parasiten am deutschen Volkskörper“. Daher planten sie ihre schrittweise Ermordung.
Die „Aktion T4“
Hitler selbst gab das Ermordungsprogramm in Auftrag. Die Nazis bezeichneten es auch als Euthanasie – eine zynische Entfremdung des Wortes, das eigentlich einen leichten und schönen Tod meint. Das Programm lief unter dem Decknamen „Aktion T4“.
T4 steht für die Tiergartenstraße 4 in Berlin. Hier befand sich der Hauptsitz der Aktion. Ihr Leiter war der Chef der „Kanzlei des Führers“, Philipp Bouhler. Gemeinsam mit Ärzten, Pflegern und anderen setzte er die Tötung von mehreren Tausend Kranken und Menschen mit Behinderung um.
Das Vorgehen war genau organisiert: Schon 1939 versandten Mitarbeiter der Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten Meldebogen an alle infrage kommenden Pflegeheime und Anstalten im Deutschen Reich.
Für jeden Patient musste ein Meldebogen ausgefüllt werden. Erfasst wurden dabei die Krankengeschichte, die Aufenthaltsdauer, die Arbeitsfähigkeit und die Heilungsaussichten.
Das eigentliche Ziel der Befragung war den angeschriebenen Anstalten nicht bekannt. Anhand der Meldebögen entschieden dann die Gutachter in Berlin, ob die Betroffenen zu leben oder zu sterben hatten.
beispiel12
Fiel die Entscheidung auf Tod, lieferte die Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft sie in spezielle Tötungsanstalten ein. Dort erwartete die Patienten der Tod durch Vergasung oder Giftspritze.
Für ein Erziehungsheim mit 130 Schwachsinnigen könnte man 17 Eigenheime bauen, lautet der Text auf dieser Tafel aus dem sogenannten Rasseatlas, der in allen Schulen der NS-Zeit eingesetzt wird.
Kosten-Nutzenrechnung im Schulunterricht
Innerhalb eines Jahres ermordeten die Nazis insgesamt mehr als 70.000 Kranke und Menschen mit Behinderung. Die Leichen äscherten sie ein. So konnten die Angehörigen keine Obduktion veranlassen. Zudem versandten sie Schreiben, in denen sie eine falsche Todesursache und einen falschen Todesort angaben.
Obwohl sich die Nazis bemühten, die Aktion T4 geheim zu halten, gerieten ihre Taten bald an die Öffentlichkeit. Die Mehrheit der Bevölkerung war empört.
Auch Mitglieder der Kirche protestierten gegen das menschenverachtende Vorgehen der Nazis – allen voran Clemens August Graf von Galen, der Bischof von Münster. Er hielt mehrere verurteilende Predigten.
Kurz darauf beendete Hitler die Aktion T4 offiziell. Im Geheimen gingen die Tötungen jedoch bis zum Kriegsende weiter. Zwischen 1941 und 1945 fielen etwa 30.000 weitere Menschen dem Euthanasieprogramm zum Opfer.
beispiel13

Der „graue“ Bus von Schloss Grafeneck

Die Nazis fanden unterschiedliche Rechtfertigungen für die Massenmorde an Kranken und Menschen mit Behinderung. Hitler bezeichnete sie einmal als „Gnadenakt“, als „Akt der Erlösung“. Oftmals propagierten die Nazis in diesem Zusammenhag auch eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung.
Auf einem Propagandaplakat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) hieß es etwa: „60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, das ist auch Dein Geld.“
Eine ultimative Berechtigung für ihr Tun fanden die Nazis ihrer Ansicht nach in der Biologie. Sie bezogen sich hierbei vor allem auf eine Theorie von Charles Darwin. Darwin ging davon aus, dass in der Natur ein ständiger Ausleseprozess herrsche. In diesem würden für das Überleben ungünstige Merkmale automatisch eliminiert.
Die Nazis verliehen diesem Gedanken eine rassistische Deutung: „Wir beschleunigen den in der Natur ohnehin vorhandenen Ausleseprozess. Ein Prozess, in dem sich nur die stärkere Rasse durchsetzen wird.“ (Quelle: planet-wissen.de)
Als erstes dokumentiere ich  die Broschüre: „Grafeneck 1940 – Wohin bringt ihr uns – NS Euthanasie im deutschen Südwesten“. Herausgeber ist die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg).
Es behandelt die Euthanasieeinrichtung Schloss Grafeneck, Schwäbische Alb (die erste dieser Einrichtung in Deutschland):
„Euthanasie“, der „schöne Tod“, diesen Begriff prägten die Griechen für ein leichtes Sterben. Die Nationalsozialisten verschleierten damit die Tötung von Menschen mit geistigen und seelischen Gebrechen, die nicht in ihre Wahnvorstellungen von der „reinen Rasse“ und dem „gesunden Volkskörper“ passten, die als „unnütze Esser“ nur die Volkswirtschaft und die Sozialsysteme belasten würden und ihrer Auffassung nach daher
„lebensunwert“ waren. Ihr Tod in den Gaskammern der verschleiernd als „Pflegeanstalten“ ausgegebenen Einrichtungen, in unserem Land die in Grafeneck auf der Alb, war nicht „schön“, sondern Mord. Auch nach den damals geltenden Gesetzen.
„Euthanasie“ ist folglich ein belasteter Begriff. Er hat Bedeutung für die Fragen, welche Werte eine Gesellschaft dem Recht auf Leben, der Ausgestaltung des menschlichen Zusammenlebens und der Rechte des Einzelnen insgesamt zugrunde legt. Ebenso für die Frage, wie weit der Fortschritt der medizinischen und biologischen Forschung umgesetzt werden kann, ohne dass Einzelne oder Gruppen „Nützlichkeitserwägungen“ unterworfen
werden und ob und inwieweit sie selbstständig darüber entscheiden können und dürfen.
Wir wollen mit diesem Arbeitsheft die historischen Ereignisse in Erinnerung rufen und damit auch auf die ganz konkrete Bedeutung des heutigen Verfassungsgebots der Unverletzlichkeit der menschlichen Würde und der unveräußerlichen Persönlichkeitsrechte hinweisen. (aus dem Vorwort der Broschüre)
beispiel14

Die letzten Opfer, aufgenommen von einem Fotografen der US-Armee in der Landesheilanstalt Hadamar (194

Und dann noch eine TV-Dokumentation (WDR) zum gleichen Thema (auch hier wird die Euthanasieeinrichtung Grafeneck ausführlich dargestellt). Die Autoren des Films sind Ulrich Baringhorst und Andrea Böhnke.
Beschäftigt man sich intensiver mit dem Thema, so kann einen nur grausen … ob der Barbarei dieser Jahre … und ja auch ich gehöre zu jener Spezies von Mensch, die einen Beitrag „wieder das Vergessen“ leisten möchte … und das hier ganz sicher nicht zum letzten Mal.
Ich selbst wurde heute im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit tätlich angegriffen (nix ernsthaftes passiert, mir steckt nur der Schreck und der Schock über diese unerwartete Attacke in meinen Knochen).
Und all das heute erlebte relativiert sich dann wieder so schnell … wenn man an jene schrecklichen Jahre denkt.
Ach ja … und die Täter, die Täter, wurden natürlich nie wirklich zur Verantwortung gezogen.
Und da wandern meine Gedanken zu dem großartigem Ernst Klee, der sich Zeit seines Lebens intensiv mit jenen medizinischen Tätern des Nationalsozialismus beschäftigt hat.
beispiel01

Der Auftrag (Erlass) Adolf Hitlers zur „Gewährung des Gnadentodes“ (datiert am 01.09.1039 (!))

beispiel02

beispiel03

Eines der Opfer: Theodor K.

beispiel04

beispiel05

beispiel06

Die grauen Busse von Grafeneck – Heil- und Pflegeanstalt Stetten i.R. 1940 (heimliche Aufnahme, vermutlich v. Mitarbeiter der Anstalt Stetten)

beispiel07

Vernichtungsgebäude von Grafeneck. In den mittleren beiden Räumen befand sich die Gaskammer

beispiel09

aus: Karl Binding/Alfred Hoche, Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form. 2. Auflage Leipzig 1922, S. 54f. (Erstauflage 1920).

beispiel10

Ausstellungsplakat und Schulungsmaterial des Reichsnährstandes 1934

beispiel11

Plakat einer Ausstellung des Reichnährstandes: „Hier trägst Du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50.000 RM.“ In: Volk und Rasse, Illustrierte Monatszeitschrift für deutsches Volkstum 10 (1936), S. 335

 

*
**

(diesmal ohne Passwort)